Daran, dass in den Ozeanen zu viel Müll schwimmt, ist leider nicht zu zweifeln. Wer’s nicht glaubt, kann ja mal nach einem mittleren Sturm einen Strandspaziergang unternehmen und das Treibgut anschauen, das da so angespült wird. Doch die Story vom großen Müllteppich im Pazifischen Ozean, der durch den Nordpazifikwirbel zusammengetrieben wurde, ist offenbar doch – zum Glück – stark übertrieben. Auf der englischsprachigen Wikipedia ist von einer “area the size of the state of Texas to one larger than the continental United States” die Rede (die deutsche Wikipedia ist da schon erheblich zurückhaltender), und angeblich soll die Menge an Plastik bereits die Menge an Plankton überschreiten. Doch die Meeresbiologin Angel White von der Oregon State University kam zum Ergebnis, dass die Ausdehnung des Müllteppichs – und dessen angebliche Verdopplung alle zehn Jahre – krasse Überschätzungen sind:

“The amount of plastic out there isn’t trivial. But using the highest concentrations ever reported by scientists produces a patch that is a small fraction of the state of Texas, not twice the size.”
Die Plastikmenge da draußen ist zwar nicht trivial. Aber selbst wenn man die höchste bisher von Wissenschaftlern festgestellte Konzentration zugrunde legt, kommt man auf einen Teppich, der nur einen Bruchteil der Fläche von Texas ausmacht, nicht die doppelte Fläche.

erklärt sie in einer Mitteilung der Universität. Was, wie gesagt, nicht heißen soll, dass das Problem nicht existiert: Selbst ein Bruchteil von 695.621 Quadratkilometern (die Fläche von Texas) ergibt noch einen ziemlich großen Müllteppich.

“Ohne Zweifel ist die Menge an Müll in den Weltmeeren Besorgnis erregend”, schreibt die Meeresbiologin White. “Aber solche Übertreibungen untergraben die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft. Wir haben Daten, die uns erlauben, vernünftige Schätzungen zu machen, wir brauchen keine Hyperbel. Angesichts der beobachteten Konzentrationen von Plastik im Nordpazifik ist es einfach unpräzise zu sagen, dass Plastik an Gewicht das Plankton übertrifft, oder dass wir einen exponentiellen Zuwachs an Plastik beobachtet haben.” Selbst in der dichtesten Konzentration des Müllteppichs sei tatsächlich nur weniger als ein Viertausendstel der Oberfläche mit Müll bedeckt.

Aber nur weil die Menge und Fläche geringer als befürchtet sind, gibt es noch keinen Grund zur Entwarnung. Denn erstens ist, wie schon gesagt, auch so noch zu viel Müll in den Meeren, zweitens kann das Plastik bei seiner Verwitterung toxische Substanzen freisetzen – und drittens ist es, wenn es erst mal im Meer treibt, praktisch unmöglich, den Müll wieder einzusammeln. Denn dabei würden auch große Mengen von Phyto- und Zooplankton mit abgeschöpft und damit der Nahrungskreislauf der Meere empfindlich gestört. Zudem würde der Aufwand einer solchen “Plastik-Fischerei” 250 mal mehr Energie erfordern als zur Herstellung des Plastiks selbst nötig waren.

Was anders herum bedeutet, dass die wichtigste Aufgabe hier die Prävention sein muss: “Da es einfach zu teuer ist, das Plastik wieder zu entfernen, müssen wir unsere Bemühungen darauf konzentrieren zu verhindern, dass noch mehr Müll unsere Ozeane verseucht”, warnt die Angel White. Und da ist im Prinzip eine Botschaft, die sich auch andere hinter die Ohren schreiben sollten: Nur weil ein Problem sich erst mal als kleiner denn befürchtet entpuppt hat, heißt das nicht, dass dann ja wieder alles in Ordnung ist – im Gegenteil: Dann muss man sich um so mehr bemühen, es auch klein zu halten.

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Kommentare (61)

  1. #1 MartinB
    5. Januar 2011

    “wir brauchen keine Hyperbel.”
    Hyperbole=Übertreibung, oder?

  2. #2 Michael
    5. Januar 2011

    Sorge macht mir die größe des Müllteppichs vor allem aus einem wichtigen Grund die
    Dichte der meisten Kunststoffe liegt zwischen 800 und 2200 kg/m3 die von Salzwasser nur um die 1000 kg/m³ das bedeutet schlichtweg die meisten Kunststoffe die ins Meer geworfen oder durch Flüsse ins Meer gespült werden schwimmen gar nicht…..
    darüber sollte man durchaus mal nachdenken…

  3. #3 Sven Türpe
    5. Januar 2011

    Ich fsse zusammen:

    Egal wie klein ein Problem wirklich ist, WIR WERDEN ALLE STERBEN!!! UND MÜSSEN UNBEDINGT WAS TUN!!!!1 Am besten vorbeugend.

  4. #4 Ireneusz Cwirko
    5. Januar 2011

    @Sven Türpe “Egal wie klein ein Problem wirklich ist, WIR WERDEN ALLE STERBEN!!! UND MÜSSEN UNBEDINGT WAS TUN!!!!1 Am besten vorbeugend.”

    Falsch. Was wir tun sollen ist auch klar. Unseres Geld auf das Konto der Propheten Der Apokalypse noch schnell zu überweisen.

  5. #5 Bullet
    5. Januar 2011

    @Michael: vielleicht sollte man aber auch mal darüber nachdenken, daß die allermeisten Objekte aus Kunststoff nicht massiv sind, sondern Hohlkörper. Ihre effektive Dichte sinkt damit dramatisch.

    Und Türpe natürlich wieder OHV.

  6. #6 miesepeter3
    5. Januar 2011

    Der Plastic-und sonstige Müll im Meer ist gar nicht so schlimm, eine Klimakatastrophe gibt es nicht und wird wohl auch nicht kommen und Dioxin in den Eiern ist gut gegen Schnupfen – ich liebe diese tröstlichen Nachrichten aus dem Bereich Wissenschaft.

  7. #7 Jürgen Schönstein
    5. Januar 2011

    @MartinB

    Hyperbole=Übertreibung, oder?

    Ja, genauer gesagt: Das Stilmittel (Tropus) der Übertreibung. Und das nennen wir im Deutschen auch eine Hyperbel. Mir war beim Übersetzen schon klar, dass dies mit der Kegelschnitt-Kurve verwechselt werden kann, aber da die Autorin im gleichen Satz sowohl “exaggeration” als auch “hyperbole” verwendet hat, wollte ich ihrer Wortwahl so treu wie möglich bleiben.

  8. #8 Jürgen Schönstein
    5. Januar 2011

    @Sven Türpe
    Wie zu erwarten: Sie sind natürlich für das Recht, seinen Müll überall hinzuschmeißen. Wo kämen wir denn da hin, wenn man gesagt bekäme, man dürfe (oder solle) das nicht tun, nicht wahr?

    @Ireneusz Cwirko
    Versuchen Sie’s mal mit Porzellankitt…

  9. #9 Ireneusz Cwirko
    5. Januar 2011

    Sie als Spezialist für scharf(schwach)sinnige Analysen, die Wetterereignisse als Bestätigung der Klimakatastrophe sehen, berümt-berüchtigt sind, haben Sie uns noch nicht eine Klimagerechte Erklärung für die Vogelsterben in USA geliefert. Hat Sie ihre einzigartige Vorstellungskraft verlassen?.
    Ein Paar Vorschläge:

    Die Vogel sind erstickt wegen starken Zunahme vom CO2 Gehalt in der Luft (die entsprechende Grafik nicht vergessen),

    oder sind erfroren weil es bekanntlich kälter wird wenn sich die Klima erwärmt.

    Ich bin gespannt auf Ihre Klima(un)wissenschaftlich konforme Erklärung.

    Grüße an Sperrbezirk

  10. #10 Bullet
    5. Januar 2011

    Offenbar ist das OHV-Syndrom (ohne Hirn und Verstand) wieder auf dem Vormarsch. Und es sind immer dieselben Po-saunen, aus denen das laue Lüftchen weht.

  11. #11 Jürgen Schönstein
    5. Januar 2011

    @Ireneusz Cwirko
    (Der Kitt hat offenbar nicht geholfen, der Sprung in der Schüssel ist immer noch da.)

    Hat Sie ihre einzigartige Vorstellungskraft verlassen?.

    Verschwörungstheorien sind doch eher Ihr Spezialgebiet; lassen Sie sich doch was einfallen. Ich halte mich lieber an Fakten, und die deuten eher auf Feuerwerk oder Hagelschlag hin.

  12. #12 BreitSide
    5. Januar 2011

    SvenTürpelTölpelTroll, bevor Du hier wieder den Fred vollmüllst, beantworte gefälligst doch mal offene Fragen:

    – Du hattest behauptet, das “Stromsee-Modell” für Ökostrom sei ein schiefer Vergleich,
    – ich hatte Dich gebeten diese Deine Ablehnung zu begründen,
    – worauf Du Dich nicht entblödetest, von mir noch einmal eine Erklärung des Modells zu fordenr,
    – was natürlich ein UTFSE zur Folge hatte.

    Also was ist, Trollo?

    Krittelst Du wieder rum an Sachen, von denen Du keine Ahnung hast?

    Oder bist Du nur zu feige zum Antworten?

  13. #13 michael
    5. Januar 2011

    > Oder bist Du nur zu feige zum Antworten?

    Ne BreitSide , diese Diskussion hat Sven Türpe halt verloren und durch den strategischen Rückzug [1] eingestanden. Soviel zu seiner Behauptung, er habe noch nie eine Diskussion verloren.

    [1] WB auch ein Meister des schnellen strategischen Rückzugs sein.

  14. #14 MartinB
    5. Januar 2011

    @Jürgen
    Das mit der Hyperbel ist mir total neu, wieder was gelernt, danke.

  15. #15 threepoints...
    9. Januar 2011

    “Selbst in der dichtesten Konzentration des Müllteppichs sei tatsächlich nur weniger als ein Viertausendstel der Oberfläche mit Müll bedeckt.”

    -> Das mag mal nicht so viel sein. Aber es ist die Rede von einer Schicht, die die höchste Belastung aufweisst. Und es gibt also (und eh zu erwarten) noch weitere Schichten. Wahrscheinlich abhängig von Partikelgröße und Gewicht pro Volumen. Woraufhin sich die Schichten innerhalb der verschiedenen Wassertiefen aufhalten/schweben werden und “vielleicht irgendwann auf den Grund absinken, so sie nicht vorher zersetzt worden sind.
    Was die Gifte betrifft, die darin enthalten sind, hängt es wahrscheinlich auch davon ab, wieviel Licht den organismen zur Verfügung steht, diese abzubauen.

    Und das Licht wird durch die Anreicherung mit Partikeln absorbiert. Und wenn zu wenig Licht vorhanden ist, dann stirbt dem Menschen einer der wichtigsten Lebensräume ab ….

    Zur Geschichte des Kunststoffe (Formbare Leichtwerkstoffe) merke ich an, dass wir nun bald hundert Jahre Kunststoffe herstellen … und dass nun die ersten Randerscheinungen deutlich werden, woran man eine Tendenz erkennen kann, was es für besondere Belastungen bringen kann, wenn ….

    Das Zeug muß unbedingt den Meeren fernbleiben.

  16. #16 klaus
    11. Januar 2011

    Das Zeug muß unbedingt den Meeren fernbleiben.

    Richtig, nur wie?

  17. #17 Bullet
    11. Januar 2011

    erster Schritt wäre eine Produktionsreduktion mit gleichzeitigem Umstieg auf wiederverwertbares Material. Das kann auch Kunststoff sein – es darf nur nicht billiger sein, es wegzuwerfen, als es zu recyclen.

  18. #18 Klaus
    11. Januar 2011

    ich gebe zu Bedenken. Ein Großteil des Plastikmülls sind Palletts. Die stammen entweder aus der Granulatherstellung div. Thermoplaste, oder auch durch das Recycling. Und gerade die Pallets machen große Probleme, da sie von Fischen, Vögeln und anderem Meergetier als Nahrung “erkannt” werden.
    zum Granulieren und Regranulieren benötigt man immer große Mengen Wasser. Und der meiste “Müll” gelang über de Produktion der Industrie in die Abwässer.
    Nicht nur China und Indien usw.! Selbst bei uns mit unseren strengen Auflagen ist das so!

  19. #19 threepoints...
    11. Januar 2011

    @ Bullet· 11.01.11 · 10:28 Uhr

    -> Das Zeug ist heute unverzichtbar geworden. Auf eine Reduzierung kann man also nicht allein setzten.

    Ich trinke übrigens heute noch kein Bier aus Kunststoffflaschen. Aber trotzdem komme ich bei Getränken nicht um diese Flaschen herum. Gibt schlichtweg kaum noch Glasflaschen bei alkoholfreien Flüssigkeiten.

  20. #20 klaus
    11. Januar 2011

    Das ganz große Problem beim Recycling ist die Sortenreinheit. Man kann also kein PP mit PVC oder EPS oder PE usw. zusammen recyceln. Getrennt nach Sorten funktioniert es. Aber auch nicht mit jeder Kunststoff eignet sich hierzu! Und der Bedarf nach Zaunpfählen und Parkbänken (also Downcycling) ist irgendwann befriedigt.
    Vor allem bereiten die Verbundstoffe und die kontaminierten Stoffe riesige Probleme. Hier gibts eigentlich nur die thermische Verwertung!

  21. #21 roel
    11. Januar 2011

    @Klaus Woher kommt die Information das ein Großteil des Plastikmülls Pallets aus der Granulatherstellung ist? Ich denke das der größte teil eigentlich Müll sein müßte.

    Das größte Problem ist z.Zt. das immer mehr und kleinere Kunststoffverpackungen produziert werden. In den 1980er Jahren gab es kurzfristig eine Bewegung zu größeren Verpackungen und zu wiederauffüllbaren Verpackungen etc. seit dem geht der Trend in die entgegengesetzte Richtung. Immer kleinere Verpackungen, Griffschutz (wo bisher keiner nötig war). Als Recycling kommt nur das thermische Recycling in den Müllverbrennungsanlagen zum Einsatz alternativ wird auf der Mülldeponie entsorgt oder in der Natur. Biologisch abbaubare Kunststoffe gibt es bereits, aber sie erfüllen nicht alle Funktionen (Barrierewirkung…) der nicht abbaubaren Kunststoffe und haben zusätzlich den 2 bis 3-fachen Preis. Außerdem heißt biologisch abbaubar nicht unbedingt in der freien Natur abbaubar.

    Meine große Hoffnung liegt auf Graphen, über das auf scienceblogs auch schon berichtet wurde. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Stoff für Verpackungen eingesetzt und in den entsprechenden Mengen produziert werden kann.

  22. #22 threepoints...
    11. Januar 2011

    Graphen ….

    Cool, zweidimensionale Einkaufstüten….
    Also das heutige Kunststoff abschaffen und ersetzten. Eine Mischzusammensetzung würde aber keinen wirklichen Nutzen haben. Auch dass Zeugs muß in einem kreislauf bleiben. Jede Art zusätzlicher Einbringung von Stoffen in die Umwelt bringt auf Dauer ein Problem mit sich.

    kann man denn die verschiedenen Kunststoffarten nicht effektiver trennen? Etwa mit Strom und elektrischen Feldern?

  23. #23 Klaus
    11. Januar 2011

    @roel
    ich bin bei diesem Thema beruflich “drin”. Ich habe selbst mehrere namhafte Recyclingbetriebe auf den Weg gebracht. Die “Großen” haben dass Thema nie Ernst genommen. Nur als Umwelt – Feigenblatt-.
    Natürlich wollen die lieber ihre Neuware verkaufen. (Es geht um Gewinnmargen bis zu 50%) Ich habe seinerzeit damit angefangen größere Mengen Recyclingmaterial nach China zu verkaufen. Das hat denen nun überhaupt nicht gefallen. Mittlerweile stellen die Chinesen einen Großteil ihrer Kunststoffe selbst her und verkaufen darüber-hinaus praktisch als Halberzeugnis Granulate in den “Westen” Umweltauflagen? Dreimal darfst du raten. Das gleiche gilt für Indien usw. De meisten Extruder arbeiten mit Wasser beim Abschlag der Paletts. Und da passiert es halt, dass ein Teil des Granulats mit dem Wasser ins Meer gelangt.
    Wg. der Palettproblematik gibts einen hervorragenden Beitrag auf Phoenix, bzw. auf ARTE.

  24. #24 threepoints...
    12. Januar 2011

    Oder Methoden entwickeln, die es ermöglichen, den Rohstoff wie beim Stahl in der Schmelze zu trennen.
    Also nicht schon als Reststoff Mülltrennung), sondern aus einer eingeschmolzenen Kunststoffsuppe….

    Wie ist denn der Verlust zwischen Reststoff und Rohstoff? Was also bleibt beim Kunststoff und wieviel zum Beispiel beim Stahl…?

    Aus diesem Verhältnis beim Stahl kann man mindestens die Latte für den Kunststoff legen.

  25. #25 roel
    12. Januar 2011

    @Klaus Ich kenne mich ebenfalls in der Kunststoffindustrie aus, leider nicht so sehr mit dem Recycling.

    @threepoints Ich habe mir gestern mal das Kunststoffrecycling auf Wikipedia angesehen. Die Zahlen dort scheinen mir nicht zu passen. Mit die Herstellung und Verwendung und den verschiedensten Eigenschaften der Kunststoffe kenne ich mich aus. Der Teil Recycling ist nicht ganz mein Gebiet. Aber ich denke Klaus kann hier einiges sagen.

    Aus meiner Sicht ist es so, dass für Verpackungen oft Verbundfolien (also Folien aus mehreren Folienlagen) eingesetzt werden. In der Regel sind das 2 oder 3 verschiedene Folien die so “zusammengeklebt” (kaschiert) werden. Mindestens eine dieser Folien kann aus mehreren verschiedenen Komponeten bestehen. Ein Bsp.: Eine Verpackung für aufgeschnittenen Schinken aus dem Supermarkt. Der Schinken liegt auf einer Unterfolie, bestehend aus einem amorphen Polyester vielleicht 250µm dick und einer Siegelschicht aus Polyethylen in der Regel 50µm dick. Die Oberfolie besteht idR aus einem orientierten Polyester 12µm und einem Polyethylen (PE) 50µm. Die Polyester sind idR mit dem PE durch einen Kaschierkleber verbunden. Die Polyethylenfolien bestehen idR aus mehreren Polyethylentypen, Haftvermittlern, Ethylen-Vinylalkohol und evtl Additiven (zum einfärben oder für besondere Eigenschaften). Hinzu Kommen Farben, wenn die Folie bedruckt ist. Mir ist kein Prozess bekannt der diese ganzen Stoffe industriell sauber von einander trennen kann. Ich habe hier bewußt ein komplizierteres Beispiel herausgesucht. Verpackungen für andere Güter (Toilettenpapier, Windeln…) können durchaus aus weniger Komponenten bestehen.

  26. #26 threepoints...
    12. Januar 2011

    Die reine Schutzfolie wird da noch am einfachtsen zusammengesetzt werden sein. In der Lebensmittelverpackung kommen wohl noch weitere Eigenschaften hinzu.

    Wenn also die Kunststoffendprodukte auch immer aufwändiger werden, dann kommt die Zukunft nicht um die Stofftrennung herum. Also wird entweder eine Reduzierung der komponenten nötig sein (die aber wohl kaum mehr durchsetzbar sein wird) oder eben eine technische Möglichkeit der einwandfreien Trennung in die ursprünglichen Bestandteile muß entwickelt werden.

    Das aber erscheint den Entwicklern wohl noch zu aufwändig, als dass sie sich daran versuchen wollten.
    Aber das neue macht eben immer erstmal Aufwand und Mühe.

    und was ist mit dere Vermeidung zumindest in anforderungsreichen Bereichen? Wie etwa den Lebensmittelverpackungen?
    In zukunft also nur noch Kunststoffe verwenden, wenn deren Anforderungen an die verwendung auf weinige oder eine begrnzt ist? Also etwa nur zur Erstellung einer Schutzatmosphäre, Staubschutz, Feuchte-/Wasserabweisend, ….

  27. #27 klaus
    12. Januar 2011

    @roel
    nun ja, gerade im Verpackungsbereich fällt einiges an, was nicht Recycelbar ist. Hier wäre die Vermeidung die bessere Alternative. ABER, aber usw….Ich empfehle den jährlichen Besuch der Verpackungsmesse!
    @ threepoints
    Die Verfahren alles einzuschmelzen ( was du als Suppe bezeichnest) gibt es schon seit rd. 20 Jahren. Nur die Recyclate sind kaum zu gebrauchen. Die Chinesen haben ein Verfahren entwickelt, die gebrauchten Kunststoffe zu cracken. Allerdings bekommst du aufgrund der Umweltauflagen hier bei uns keine Betriebserlaubnis für eine derartige Anlage.

  28. #28 roel
    12. Januar 2011

    @Klaus Ich bin auf den üblichen Messen anzutreffen.
    @threepoints Das Problem ist, dass es keinen Kunststoff gibt der alle Eigenschaften bietet. Das nächste Problem ist, das die meisen Kunststoffe im Verpackungsbereich bedruckt sind. Die Farben dürfen nicht im direkten Kontakt mit Lebensmitteln sein. Und so weiter und sofort. Kurz gesagt es wird bei einer Vielzahl Kunststoffe bleiben. Und zur Anmerkung von Klaus. Durch die immer kleiner werdenden Verpackungseinheiten wird es immer mehr Müll geben. Von Vermeidung keine Spur.

  29. #29 threepoints...
    12. Januar 2011

    “…cracken. Allerdings bekommst du aufgrund der Umweltauflagen hier bei uns keine Betriebserlaubnis für eine derartige Anlage.”

    Aha, … daher also der Mülltourismus … immer um die Welt herum….

  30. #30 klaus
    12. Januar 2011

    @threeponts
    tja, da gäbe es viel zu diskutieren! Die ehrlichste Lösung bei den nicht recycelbaren Kunststoffen wie auch von roel teilweise beschrieben (hinzu kommen die aus dem technischen Bereich und der Bauwirtschaft) ist die thermische Nutzung.

  31. #31 BreitSide
    13. Januar 2011

    Ich trinke übrigens heute noch kein Bier aus Kunststoffflaschen. Aber trotzdem komme ich bei Getränken nicht um diese Flaschen herum. Gibt schlichtweg kaum noch Glasflaschen bei alkoholfreien Flüssigkeiten.

    Soso. Und du hast Dir noch nie einen Platten durch Glasscherben gefahren (ok, die Unplattbaren vom Schwalbe sind da schon ein Segen) und bist auch sicher noch nie beim Baden in eine Scherbe getreten.

    Kunststoffabfall ist per se nicht schlechter als Glasabfall. Auch Glas brauch eine geraume Weile, bis es “abgebaut” ist.

    Sortenreine Trennung geht m.W. heute schon sehr gut über automatische Sortieranlagen mit Lasererkennung. Auch Verbundfolien sollen schon seit Jahren gut trennbar sein.

    Abschließend ist die thermische Verwertung gar nicht so übel. Kunststoffe brauchen mW nur ca. 3 % des von uns verbrauchten Erdöls. Warum diesen kleinen Teil noch aufwendig prozessieren, (wobei eh ein Haufen Restmaterial entsteht), wenn man die anderen 97 % gleich ohne Umwege verbrennt?

    Wenn ich oben richtig gelesen habe, liegt das Problem des Aufsammelns vor allem darin, dass die Meeresflora und -fauna diese Kunststoffteilchen schon längst als Wuchsgrund in Besitz genommen hat. So würde man irrsinnige Mengen Plankton zerstören, wenn man sie aufsammelte.

  32. #32 threepoints...
    14. Januar 2011

    Ja, …. Glas ist schon arg gefährlich, was!?

    Ich habe tatsächlich schon ne Scherbe am Fuß gehabt … beim Baden. Und es kommt noch schlimmer – ich trank verbotenerweise als Kind aus einer Literflasche Cola … (damals noch aus Glas) und hebelte mir einen Schneidemilchzahn aus ….

    Als ich einmal bei meinen Freunden saß und sekt trank aus solchen merkwürdigen champangerschalen, da hatte ich plötzlich das Glas gleichzeitig in der Hand und ein paar Scherben im Mund…. das Glas war derart dünn, dass ich eine Ecke herausbrach …

    Neulich lief ich einen Bürgersteig entlang .. sah vorher noch einen Hund und sein Herrchen schlendern und schnüffeln …. und stand plötzlich in einem Meer asus Scherben auf dem Gehweg … mir ist da auch unmittelbar wieder der Hund in den Sinn gekommen… und dass er sich daran verletzen könnte.

    Verletzungen aus Glas kann mann zwar sehen – weil oberflächlich …. und es fliesst meist Blut …. aber was ist mit den Gefahren durch Kunststoffe? Verletzungen dadurch sind leider unsichtbar eine weile lang und werden also nicht gleich erkennt – was schon mal eine viel größere Gefahr bedeutet ….

    Ob der Kunststoff in den Meeren auf den Grund sinkt, hängt von der Tiefe ab. Und der Dauer des Sinkens. Ich nehme an, dass nicht alles absinkt und daraufhin ewig durch das Wasser schwebt – in verschiedenen Tiefen – bis flachere Gewässerzonen erreicht werden. Und dass deshalb, weil sich schon im Sinken und Kontakt mit Salzwasser bestandteile des Kunststoffes rauslösen, woraushin die Dichte des Kunststoffes sinkt.
    Dieser kunststoffmulch am Grund kann meines achtens nicht bestehen. Dafür ist dann doch zu wenig davon im Wasser.

  33. #33 BreitSide
    14. Januar 2011

    3Pt:

    …aber was ist mit den Gefahren durch Kunststoffe? Verletzungen dadurch sind leider unsichtbar eine weile lang und werden also nicht gleich erkennt – was schon mal eine viel größere Gefahr bedeutet ….

    Äh wie bitte? Woher hast Du denn diese epochale Weisheit? Die meisten Kunststoffe sind ja so gut wie inert – genauso wie Glas -, deswegen gibt es da keine “größere Gefahr”.

    Und was soll der Unsinn mit der Unsichtbarkeit? Warum in Gottes Namen sollen Verletzungen durch Kunststoffe unsichtbar sein? Ich schneide oder stech Dir mal mit Kunststoffinstrumenten (Messer, Schere), dann wollen wir mal sehen, ob diese Wunden unsichtbar bleiben:-)

  34. #34 BreitSide
    14. Januar 2011

    3Pt:

    Ob der Kunststoff in den Meeren auf den Grund sinkt, hängt von der Tiefe ab. Und der Dauer des Sinkens.

    Oh weh, Du hast gerade Kreide geholt, als Füsik dran war?

  35. #35 threepoints...
    14. Januar 2011

    Verletzungen als Veränderungen aufgrund der Kontamination mit zu hohen Dosen bei Aufnahme in den Körper… vielleicht hätte ich lieber vergiftung schreiben sollen?

    die meisten Kunststoffe sind inert…. aha, …. also irgendwie unauflösbar …unvermengbar, immer als das, was es seit Herstellung war… vorhanden in allenMedien auf dieser Welt …?

    Na, wenn das mal stimmt. Ich glaube nicht, dass das Kunststoff sich im Wasser nur zerkleinert … sondern auch langsam Substanzen ausgewaschen werden.

    “Ob der Kunststoff in den Meeren auf den Grund sinkt, hängt von der Tiefe ab. Und der Dauer des Sinkens”

    -> Aber sicher. Wenn die Kunststoffe sich im Wasser in verschieden große Teile ansammeln, dann in verschiedenen Wassertiefen. und wenn es gerade nicht so tief ist, dann liegt es auf den Grund – irgendwann. ist es jedoch sehr tief, besteht die Möglichkeit aufgrund des hihen druckes in diesen Tiefen, dass das Kunststoff garnicht absinken wird – sondern quasi ewig umherschwebt.

  36. #36 BreitSide
    14. Januar 2011

    3Pt:

    Dieser kunststoffmulch am Grund kann meines achtens nicht bestehen. Dafür ist dann doch zu wenig davon im Wasser.

    Bitte?

    Das ist nun leider auch wieder kompletter Unsinn:-) Was (spezifisch) schwerer ist, sinkt auf den Grund. Was nicht, eben nicht.

    Und dann liegt er da rum. Der “Mulch”. Wird bewachsen (wenn er es nicht schon längst ist, Plankton haftet sich an jeder Oberfläche fest) und vollständig in den Boden integriert. Wie gesagt, inert. Genauso wie Glas. Oder Stein.

  37. #37 threepoints...
    14. Januar 2011

    Sinkt also auf den Grund….

    Und bis in welcher Tiefe? Und welcher Wasserdruck herrscht denn dort?

    Jaja, … ich bin zu faul, um jetzt nach zu gucken…

  38. #38 BreitSide
    14. Januar 2011

    3Pt:

    Kontamination mit zu hohen Dosen bei Aufnahme in den Körper

    Kontamination?
    Hohe Dosen?
    Aufnahme in den Körper?

    Wovon sprichst du bitte?

    Nenn mir doch mal bitte die LD 50 von “Kunststoff”. Schon mal gehört, dass einer mit einer Überdosis Plastiktüten vergiftet wurde? Dass Plastikbesteck toxisch wirkt?

    Wesentlich giftiger als die Plastikabfälle ist das Mononatriummonochlorid, auch als Halit bezeichnet, was viel häufiger in den Weltmeeren zu finden ist.

    Die LD 50 von Halit ist wahrscheinlich sogar höher als 10 g/kg Körpermasse!

  39. #39 BreitSide
    14. Januar 2011

    threepoints…· 14.01.11 · 21:46 Uhr

    Sinkt also auf den Grund….

    Und bis in welcher Tiefe? Und welcher Wasserdruck herrscht denn dort?

    Jaja, … ich bin zu faul, um jetzt nach zu gucken…

    Ist einfach. Nur die Dichte entscheidet, was sinkt und was steigt. Langfristig schweben kann man nur, wenn die eigene Dichte exakt der des umgebenden Mediums entspricht. Wenn nicht, gibt es folgende Möglichkeiten, doch in der Schwebe zu bleiben:
    – man ändert seine (Gesamt-) Dichte; Fische machen das mit der Schwimmblase, U-Boote mit den Lufttanks, Ballons durch Ballast Abwerfen oder Heizen (wärmere Luft = geringere Dicht),
    – man arbeitet (Zooplankton)
    – man macht sich fest (Bojen, Tang),
    – man hat eine Dichte, die exakt zwischen der Dichte des Mediums darüber und dessen darunter ist (bei geschichteten Dichten).

    Bei Wasser ist es einfach: je kälter, je dichter (bis 4 Grad). Mit dem Druck hat die Dichte nichts zu tun, es ist so gut wie inkompressibel.

    Bei Kunststoff passiert, dass er, sobald er tief genug geraten ist, komprimiert wird (gibt es schöne Bilder von zerknautschten Kunststoffbechern). Das hängt natürlich davon ab, wieviel Luft eingeschlossen ist. Dazu muss aber das Kunststoffteil erst (durch einen starken Strudel?) in entsprechende Tiefen gezogen werden.

  40. #40 BreitSide
    14. Januar 2011

    Ach so, der Druck. Der nimmt ziemlich genau um ein Bar alle zehn Meter zu.

  41. #41 threepoints...
    14. Januar 2011

    o.k., … ch ging davon aus, dass sich bei entsprechender Wassertiefe mit dem druck das Wasser selbst komprimiert. Wie unwesendlich das aber ist, habe ich nicht bedacht.

    Bliebe noch die Zersetzung des Kunststoffes und seine damit verbundene Dichteverringerung…. je nach Zersetzungsfortschritt. Wie schnell die verschiedenen Kunststoffe im Salzwasser dann doch anfangen zu zersetzen, ….!?
    Was würde sich herauslösen können, dass ein geringeres Gewicht pro Volumen entstünde? Und wie wirkt sich die Partikelgröße auf den Auftrieb aus? Sinkt eine Plastiktüte langsamer auf den Grund, als deren in Teilen zerfallene Fragmente (oder gar Partikel)? … (wegen der Strömung des Wassers oder/und Verdrängung).

    Naja, …. einig ist man sich wohl, dass jetzt alles was im Wasser ist, nicht mehr heraus zu bekommen ist. Weshalb solche Fragestellungen eher einer denkübung gleichen, als einer Lösungssuche oder Problemdiagnose….

  42. #42 BreitSide
    15. Januar 2011

    Hmm, wie sich die Dichte verändert, wenn Bestandteile aus Kunststoffteilchen rausgelöst werden, kann ich jetzt nicht sagen. Meistens sind sie wohl weniger dicht als Wasser sein.

    Die Schwereren sinken zu Boden, und dann richten sie normalerweise keinen großen Schaden mehr an, sondern werden durch alles, was sonst noch runterrieselt, bald bedeckt.

    Die Partikelgröße hat keinen Einfluss darauf, ob ein Partikel sinkt oder steigt. Form und Größe bestimmen die Geschwindigkeit: große kompakte Teilchen bewegen sich schneller als kleine filigrane Teilchen. Beispiel: Regentropfen fallen, da kompakter, schneller als Schneeflocken, die filigraner sind.

    Ob die vielen Plastikteile wirklich ein großes Problem für Flora und Fauna sind, ist ja mW auch noch nicht ganz raus.

    Trotz alledem ist eine Vermeidung natürlich das Wichtigste.

  43. #43 threepoints...
    15. Januar 2011

    “Ob die vielen Plastikteile wirklich ein großes Problem für Flora und Fauna sind, ist ja mW auch noch nicht ganz raus.”

    -> Sie wären in großes Problem, wenn sie nicht auf den Grund sinken, sondern in den verschiedenen Schichten schwebten. Sie würden irgendwann zu viel Licht absorbieren.

  44. #46 BreitSide
    15. Januar 2011

    3P: das Licht wäre mE auch nicht das Problem. Das wäre übrigens problematischer, wenn sie oben schwimmen würden. Dort würden sie am meisten absorbieren, zumal sie sich, da diese Schicht sehr dünn ist, weiter verbreiten würden.

    Ein Problem wäre, dass Tiere die Teile schlucken und dann nicht verarbeiten können. Davon hab ich allerdings noch nicht gehört, dass es ein größeres Problem sei.

    Die meisten Befürchtungen hat man wegen der Stoffe, die ausgewaschen werden (Farben, Weichmacher, Flammhemmer) oder vor Reaktionsprodukten.

    Speziell Weichmacher sind mE in der Diskussion, da sie glaubich als Hormone wirken und Wachstum und/oder Geschlecht von Fischen beeinflussen. Das aber eher in Flüssen, wo sie höher konzentriert sind.

    Hier endet leider langsam mein Wissensstand so langsam…

  45. #47 threepoints...
    15. Januar 2011

    Effektiver wird das Licht absorbiert, wenn sich die Kunststoffe in Schichten im Wasser aufteilen. durch die Streuung wird tiefer im Wassser mehr Licht absorbiert.
    … oder so ähnlich. Und da eh wenig Licht in die Tiefe gelangt, wird es schon bei geringer Absorbtion relevant.

  46. #48 BreitSide
    15. Januar 2011

    Chris: sehr schöne Links. Dass Vögel oder Fische in so großem Maß an Unverdaulichem verenden, wusste ich nicht.

    Scheints steht tatsächlich das mechanische Problem im Vordergrund.

  47. #49 BreitSide
    15. Januar 2011

    Chris: sehr schöne Links. Dass Vögel oder Fische in so großem Maß an Unverdaulichem verenden, wusste ich nicht.

    Scheints steht tatsächlich das mechanische Problem im Vordergrund.

  48. #50 BreitSide
    15. Januar 2011

    threepoints…·
    15.01.11 · 15:14 Uhr

    Effektiver wird das Licht absorbiert, wenn sich die Kunststoffe in Schichten im Wasser aufteilen. durch die Streuung wird tiefer im Wassser mehr Licht absorbiert.
    … oder so ähnlich. Und da eh wenig Licht in die Tiefe gelangt, wird es schon bei geringer Absorbtion relevant.

    Denke ich nicht. Vor allem, da es sehr unwahrscheinlich ist, dass etwas wirklich in Schichten bleibt. Entweder sinkt es auf den Grund oder steigt an die Oberfläche. Und wie gesagt, an der Oberläche muss er sich in einer sehr dünnen Schicht verteilen. Alles will ja nach oben. Dadurch verteilt es sich über eine größere Oberfläche und wenige Teilchen liegen im Schatten der anderen. Damit wird effektiver absorbiert, dh jedes Teilchen absorbiert eine größere Lichtmenge.