Je früher, desto besser – das ist das Fazit einer Studie, die im Auftrag des amerikanischen National Institute of Allergy and Infectious Diseases durchgeführt wurde und die untersuchen sollte, wie sich die Einnahme von anti-retroviralen Medikamenten unmittelbar ab der Diagnose – also lange vor dem Auftreten erster Aids-Symptome – auf das Ansteckungsrisiko auswirkt. Und obwohl die Studie ursprünglich noch bis 2015 laufen sollte, sind die Resultate schon jetzt so überzeugend und dramatisch, dass das NIAID zur sofortigen Umsetzung in der Praxis rät:

Of the 28 cases of linked HIV infection that occurred, 27 infections were among the 877 couples in which the HIV-infected partner delayed antiretroviral treatment. Only one case of HIV infection occurred among the 886 couples in which the HIV-infected partner began immediate antiretroviral treatment. Restated, this means that earlier initiation of antirerovirals led to a 96 percent reduction in HIV transmission to the HIV-uninfected partner. This result was statistically significant (P≤0.0001).


Und nein, die Hoffnung, dass durch Aufklärung und Appelle an die Vernunft alleine die Ausbreitung von Aids wengstens gestoppt werden könnte, hat sich nie erfüllt: Die Zahl der Neuinfektionen liegt weltweit bei etwa einer Millionen, und auch in den USA ist sie, zwei Jahrzehnten der Aufklärung zum Trotz, wieder bei dem Niveau, das sie auf der Höhe der Epidemie in den frühen 90-er Jahren hatte.

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Kommentare (19)

  1. #1 noch'n Flo
    13. Mai 2011

    Sehe ich das richtig? Da wurde bei 886 Personen eine HIV-Infektion festgestellt, und man hat diesen zwar eine antiretrovirale Medikation verpasst, sie aber trotzdem weiterhin ungeschützt mit ihrem Partner Sex haben lassen, ohne vorher zu wissen, ob die Medikation vor einer Ansteckung schützt? Man hat also die nichtinfizierten Partner dem Risiko einer völlig unnötigen HIV-Infektion ausgesetzt???

    wtf?!?

  2. #2 michael
    13. Mai 2011

    von der webseite:

    > The study took place at 13 sites in Botswana, Brazil, India, Kenya, Malawi, South Africa, Thailand, the United States and Zimbabwe.

    und

    > Individuals who became HIV-infected during the course of the study were referred to local services for appropriate medical care and treatment.

  3. #3 Dagda
    13. Mai 2011

    @noch’n Flo
    Was hätte man den tun sollen? Hätte man ungeschützten Sex verbieten sollen? Mehr als beraten kann man nicht:

    “What was the study’s design?
    Participating couples were randomly assigned to one of two treatment arms. In the first group, the HIV-infected partners immediately began taking a combination of three antiretroviral drugs.

    In the second group, the HIV-infected partners delayed taking antiretrovirals until their CD4 counts fell below 250 cells/mm3, or an AIDS-related illness as defined by World Health Organization guidelines occurred. All participants in both groups received counseling on safe sex practices, free condoms, treatment for sexually transmitted infections, frequent HIV testing and evaluation and treatment for any complications related to HIV infection.”

  4. #4 noch'n Flo
    13. Mai 2011

    @ Dagda:

    Was hätte man den tun sollen?

    Aufklären! Kondome zur Verfügung stellen!

    Hätte man ungeschützten Sex verbieten sollen?

    Nö, nicht verbieten, aber durch umfangreiche Aufklärung davon abraten sollen.

    Sorry, aber bei solchen “Experimenten” verstehe ich durchaus die Trolle, die hier aufschlagen, indem sie die heutigen Schulmediziner mit Mengele & Co. vergleichen.

    Aus meiner Sicht ist das unglaublich verantwortungslos. Weil für die “Erkenntnis” Menschenleben aufs Spiel gesetzt werden.

    Pfui! Die verantwortlichen Wissenschaftler verdienen aus meiner Sicht lebenslanges Berufsverbot!!!

  5. #5 Sebastian R.
    13. Mai 2011

    @noch´n´flo: Bitte die verlinkten Seiten lesen! Da steht u.a.

    All participants in both groups received counseling on safe sex practices, free condoms, treatment for sexually transmitted infections, frequent HIV testing and evaluation and treatment for any complications related to HIV infection.

    Was sollen die durchführenden Mediziner also noch machen?

  6. #6 Dagda
    13. Mai 2011

    @Noch n’Flo
    Es reicht schon meinen Kommentar zu lesen. Ich hab dass genau deshalb zitiert weil die genau das gemacht haben;
    Aufgeklärt, Kostelos Kondome zur Verfügung gestellt alles das.
    Des halb ist die Rate von HIV Ansteckungen vermutlich auch so niedrig 28 bei mehr als 1700 Paaren in beiden Gruppen. Weil viele Kondome benutzt haben und aufgeklärt waren.

  7. #7 Jürgen Schönstein
    13. Mai 2011

    @noch’n Flo
    Ich habe die Studienbeschreibung auch so verstanden, dass die Kontrollgruppe so betreut wurde, wie es bisher im besten Fall bei Aids-Patienten praktiziert wurde. Und ich denke, dass die Mediziner verantwortlich gehandelt haben – denn dass die “prophylaktische” (eigentlich ja nur frühzeitige) Therapie auch die Ansteckungsgefahr verringert, stand ja nicht von vorneherein fest. Ich bin kein Mediziner, Biologe oder Pharmakologe, aber ich hätte mir mit dem Bisschen, was ich weiß, durchaus vorstellen können, dass a) die Ansteckungsgefahr längst nicht so drastisch verringert wird und zudem b) ein Beginn der Therapie vor Eintreten der akuten Aids-Symptome eventuell die spätere Wirkung reduzieren oder (auch eine Gefahr, über die bereits diskutiert wurde) zur Bildung drogenresistenter Virenstämme beitragen könnte. Eine Kombination aus a) und b) hätte das Risiko der frühen Therapie unverantwortlich groß werden lassen. Es wäre allerdings in der Tat unverantwortlich, wenn angesichts so klarer Resultate die Studie erst mal noch die nächsten dreieinhalb Jahre weiter geführt worden wäre, anstatt sofort die modifizierte Therapie zu empfehlen.

  8. #8 Benjamin
    14. Mai 2011

    Nicht Plazebo-Kontrolliert ?

  9. #9 Sebastian R.
    14. Mai 2011

    @Benjamin: In diesem Fall braucht man keine placebokontrolliertes Studiendesign, da hier nicht die Wirkung eines neues Medikamentes getestet werden soll, sondern inwiefern die Einnahme von retroviralen Medikamenten, die bereits auf dem Markt sind (also selber schon klinische Phasen durchlaufen haben und zugelassen wurden), eine Ansteckung verhindern.

    The study was designed to evaluate whether antiretroviral use by the HIV-infected individual reduced HIV transmission to the uninfected partner and potentially benefited the HIV-infected individual as well. Additionally, the study was designed to evaluate the optimal time for a person infected with HIV to initiate antiretrovirals in order to reduce HIV-related sickness and death.

  10. #10 Dagda
    14. Mai 2011

    @ Jürgen Schönstein
    Und wenn man sich die Zahlen anguckt, sind in der Kontrollgruppe mit der standartbehandlung auch nur 26 Personen infiziert von 877. also etwa 3% und dass bei einer Studienlaufzeit von etwa 6 Jahren.

  11. #11 Menel
    15. Mai 2011

    Aus dieser Studie kann man trotzdem keine allgemeine Empfehlung für den sofortigen Einsatz der Antiviralen Medikamente ablesen, weil nur die Ansteckungsrate Ziel der Studie war. Wie oben bereits erwähnt wäre es interessant zu sehen ob beim Krankheitsausbruch ein rasches Ende durch Resistenzen bevorsteht…
    Ausserdem haben Antivirale Mittel erhebliche Nebenwirkungen.. das kann man nicht mit Antibiotika vergleichen…
    Andererseits ist aber die Ansteckung so stark gesunken. was natürlich toll ist..
    ist aber trotzdem keine so leichte Entscheidung…

  12. #12 BreitSide
    15. Mai 2011

    Hmm, also bei uns in D gibt es ja “nur” die Empfehlung, nach einer (unbeabsichtigten) Stichverletzung mit HIV-Verdacht innerhalb von 2 Stunden eine 3-fach-Kombi antiviraler Medikamente zu verabreichen. Mein Kenntnisstand ist aber “nur” eine 80-%-ige Reduktion der Konversion.

    http://www.rki.de/cln_100/nn_196040/DE/Content/InfAZ/H/HIVAIDS/Prophylaxe/Leitlinien/pep__empfehlungen__08,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/pep_empfehlungen_08.pdf

    zu erreichen auch über http://www.infektionsfrei.de

    Bedeutet diese neue Studie jetzt, dass der Patient selbst durch frühzeitige Medikation um den Faktor 25 weniger infektiös ist?

  13. #13 Dagda
    15. Mai 2011

    @Breitside
    Naja das sind zwei Dinge einmal die Postexpositionsprophylaxe und dann der optimale Zeitpunkt für den Beginn der Therapie bei HIV Positiven. Z.B. hängt der Schutzeffekt einer frühen Therapie auch mit der erreichten Reduktion der Viruslast ab und die Viruslast ist zu beginn einer HIV Infektion geringer usw.

  14. #14 BreitSide
    15. Mai 2011

    @Dagda: klar ist das ein Unterschied (PEP vs Frühbehandlung). Aber es scheint mE der selbe (so einfach klingende) Mechanismus dahinter zu stehen: je früher, je besser. Und bei einer – zum Glück so seltenen – unabsichtlichen Inokulation steht ja der Zeitpunkt der Übertragung (…zum “Glück”…) genau fest. Beim regelmäßigen Geschlechtsverkehr mit einer sicher positiven Person kann ich ja nicht jedesmal auf Verdacht eine PEP verabreichen.

    Es ist aber natürlich tatsächlich ein Unterschied zwischen 80 % Verhinderung einer Konversion (also von 100 auf null) und 96 % Reduzierung der Viruslast bzw. der Infektiosität (100 % Reduktion, also Heilung ist mW noch nicht möglich).

    Klingt jetzt vielleicht nicht völlig logisch aufgeräumt. Schieb das bitte auf die Späte Stunde.

  15. #15 Dagda
    16. Mai 2011

    @Breitside
    Ok und klar stimmt schon ich wollte nur darauf hinweisen dass des schon zwei etwas getrennte Dinge sind…
    Aber klar kann man nach jedem ungeschützten Geschlechtsverkehr eine PEP geben…
    Ob das evolutionär sinn macht sei mal dahin gestellt 😉

  16. #16 BreitSide
    18. Mai 2011

    Hehe, Quickie mit PEP…

  17. #17 Burn
    18. Juni 2011

    Ich frage mich, was dagegen spricht, den Patienten ein paar kostenfreie Kondome zur Verfügung zu stellen. Mit dem Hinweis aufzupassen…

  18. #18 megahorst
    7. August 2011

    Emmy Award-winning host of “The Oprah Winfrey Show,” the highest rated talk show in television history.

    “Research studies now project that one in five — listen to me, hard to believe — one in five heterosexuals could be dead from AIDS at the end of the next three years. That’s by 1990. One in five. It is no longer just a gay disease. Believe me.” Oprah Winfrey on her TV show 1987.

    Nach meinem Verständnis von Wissenschaft können wissenschaftliche Theorien nur überprüft werden, indem man von den Theorien abgeleitete Hypothesen testet, d.h., indem man entsprechende Vorhersagen macht und nachprüft, ob diese auch eintreten. Treten die Vorhersagen nicht ein, ist die Theorie falsch und muss verworfen werden (Falsifikationismus). Die oben erwähnte Vorhersage ist aber nicht im entferntesten eingetreten. Wie kann die AIDS-Virus-Theorie trotzdem wahr sein?

    Der Biochemiker und Nobelpreisträger Kary Mullis (Nobelpreis für Chemie 1993) sagt in einem Video, er sei von einer privaten Firma beauftragt worden, zu erforschern, in wieweit die Methode der PCR für diagnostische und therapeutische Zwecke im Zusammenhang mit AIDS angewandt werden könnte. Da Mullis seine Arbeit mit den Worten “Da HIV die Ursache von AIDS ist …” beginnen wollte, suchte er zunächst nach der Referenzliteratur, aus der hervorgeht, wie man das herausgefunden hatte, und wunderte sich, dass er nichts fand. Er wandte sich an einen Virologen, der ihm bestätigte, dass es keine solche Literatur gibt – doch das sei egal, schließlich wisse man ja, dass HIV die Ursache von AIDS ist.

    Wissenschaftstheoretiker, allen voran Karl R. Popper, wurden nicht müde, vor der Immunisierung wissenschaftlicher Theorien zu warnen. Den Machern der AIDS-Virustheorie scheint die Immunisierung ihrer These pefekt gelungen zu sein.

  19. #19 Bullet
    8. August 2011

    WTF?