Wie es der Zufall will, dreht es sich in einer der MIT-Klassen, mit denen ich als Kommunikationslehrer arbeite, um Geoengineering – und ausgerechnet gestern, als ich mal wieder vor die Klasse treten durfte, erschien auf der Webseite der New York Times die folgende Geschichte: A Rogue Climate Experiment Outrages Scientists (heute auf der Titelseite der Print-Ausgabe). Worum geht es? Ein kalifornischer Unternehmer namens Russ George hatte die Ureinwohner der kanadischen Haida-Gwaii-Inseln überredet, ihm 2,5 Millionen Dollar für ein “Experiment” zu zahlen, bei dem er dann 100 Tonnen Eisenstaub als Plankton-Dünger in den Pazifik kippte. Die Idee war, dass damit das Plankton-Wachstum gefördert werden sollte (was in der Tat dann auch geschah), und dass dies erstens die Lachspopulation – deren fischwirtschaftliche Nutzung wichtig für die Haida ist – begünstigen würde, und dass sie zweitens den zusätzlichen CO2-Konsum durch das Plankton als Klimakompensations-Zertifikate vermarkten könnten. Die ganze Geschichte kann man, wie gesagt, in der New York Times nachlesen; vermutlich ist sie inzwischen auch in deutschen Medien aufgeschlagen. Die Reaktion der Wissenschaftler gestern (mit den Studenten habe ich dann nicht darüber geredet, weil ich Ihnen vorrangig zu erklären hatte, wie man eine Bericht schreibt) lag irgendwo zwischen Kopfschütteln und Entsetzen: Kopfschütteln darüber, dass jemand so etwas überhaupt als wissenschaftlichen “Versuch” deklarieren wollte – und Entsetzen, weil sie nun nicht ganz zu unrecht fürchten, mit solchen Geschäftemachern in einen Topf geworfen zu werden.

flattr this!

Kommentare (2)

  1. #1 BreitSide
    19. Oktober 2012

    xxx

  2. #2 Ludger
    19. Oktober 2012

    zum Thema (von http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/08/18/zeit-zum-luftholen-wie-kommt-der-sauerstoff-in-die-atmosphare/ )

    Martina Loebl
    18. August 2012
    @Ludger: genau die Idee gibt es ja schon: Eisenduengung ist das Stichwort!
    Das Suedpolarmeer enthaelt alle was zum wachsen fuer das Phytoplankton notwenig ist, ausser Eisen. Wird das als Eisensulfat (pulverfoermig) hinzugefuegt reichen schon geringe Mengen aus um grosse Phytoplanktonblueten entstehen zu lassen. Besteht das Phytplankton vornehmlich aus Kieselalgen(Diatomeen) so ist die Theorie dass sie bis in tiefere Wasserschichten absinken koennten und damit CO2 fuer mehrer Jahrzehnte/Jahrhunderte aus der Atmosphaere entziehen.
    Allerdings gibt es von Umweltschuetzern massive Proteste gegen Bioengineering im Ozean. Das juengste Eisenduengungsprojekt war “Lohafex”, wenn du das googelst bekommst du die ganze Palette der aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen.
    PS: Sorry fuer die fehlenden Umlaute, habe grad keine richtige Tastatur..

    http://de.wikipedia.org/wiki/LOHAFEX