Erinnert sich noch jemand an den Film Die Maus, die brüllte?

Oder an den Film Die Marx-Brothers im Krieg (Original: Duck Soup)?

Schön wär’s ja, wenn man über komplexbeladene, kleinstaatliche Autokraten mit Kriegsgelüsten nur lachen könnte – und Kim Jong-un hätte tatsächlich alles, was so ein Comedy-Kriegstreiber bräuchte. Aber leider ist es halt nicht witzig, wie Nordkorea derzeit in der Nähe der Lunte zündelt. Trotzdem ist die Lage nicht ganz so dramatisch wie die Rhetorik zwischen Nordkorea und den USA vermuten lässt – wie ich nach diesem Gespräch zwischen dem Korea-Experten Scott Snyder und Bernard Gwertzman nun zu wissen glaube, das der Council on Foreign Relations zum Wochenende verbreitet. Momentan sei, erklärt Snyder, Nordkorea eher ein Hund der bellt, aber (noch) nicht beißt:

North Koreans usually want the element of surprise. They have an interest in provocation where prospects of escalation are limited, and they benefit from ambiguity of attribution. I worry more about North Korea when they are not rattling the sabre.

Die Sorge, dass Nordkorea “ausrastet”, sei zwar nicht ganz unbegründet (vor allem, wenn es Kim nicht mehr möglich ist, zu deeskalieren, ohne dabei sein Gesicht zu verlieren), aber zumindest die Signale aus Südkorea seien ein Anzeichen dafür, dass es eine Chance auf Entspannung gibt:

Tensions are high, and the real question is whether or not North Korea’s current fever is going to pass. And we see South Korea beginning to extend some olive branches; they announced they were going to resume humanitarian aid separate from denuclearization talks. So there are some potential ways that the situation could begin to calm, but North Korea has to work itself out of this frenzy before the situation settles down.

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Kommentare

  1. #1 sumo
    6. April 2013

    “Die Maus, die brüllte”, ein wunderbarer Film, hat tatsächlich die Fähigkeit, Diktatoren ins Lächerliche zu ziehen. Die Armee zog mit Harnisch und Langbogen in New York ein, was die ganze Sache so richtig ins Absurde zog. Allerdings hat der Herr Kim aus Nordkorea weitaus verheerendere Waffen, die im Falle des Falles für weitaus schlimmere Schäden sorgen würden, als es die Ritter in New York je könnten. Es wäre ja schön, wenn auch Kim nur lächerlich wäre, er ist aber lächerlich UND gefährlich.

  2. #2 Eso-Policier
    www.esopolice.wordpress.com
    6. April 2013

    Nordkorea erlebt bald einen ähnlichen Zusammenbruch, wie die ehemalige UdSSR. Es wird eine nicht-grüne Ökopolitik etabliert. Mehr dazu auf meinem Blog.

  3. #3 Spoing
    7. April 2013

    Ich liebe den englischen Humor.

    Bei NK ist die Frage wo der Point of no Return für die liegt und wie man am besten Reagiert wenn sie diesen aus unserer Sicht überschritten haben. Ich persönlich sehe im Zweifelsfall in Nordkorea einen weitaus legitimeres Ziel für einen Angriffskrieg als es der Irak je gewesen ist. Bleibt zu hoffen das es bei weiterer Eskalation ein gut reagierendes China gibt um uns dieses Horrorszenario zu ersparen.

  4. #4 Alderamin
    8. April 2013

    Irgendwie überkam mich am Wochenende der Gedanke, ob das ganze Gehabe der Nordkoreaner nicht einfach eine Werbeaktion für ihr Atomprogramm sein könnte. Sie machen ein großes Spektakel, sind aber eigentlich unangreifbar, so dass die Amerikaner nun schon ihre Raketentests verschieben, damit der kleine Kim nicht missgelaunt reagiert, was ein paar Millionen Einwohner in Seoul das Leben kosten könnte.

    Wenn andere Länder sich daran ein Beispiel nehmen (und an Libyen, als Gegenbeispiel), dann könnten sie den Schluss ziehen, dass Nordkorea nicht alles falsch macht. Und von dort Atomtechnologie kaufen. Was wiederum Kims Kasse füllt, der sonst nicht viel zum Exportieren hat.

    Vielleicht um zu viele Ecken gedacht, aber Kim inklusive Beraterstab einfach nur für lächerlich zu halten, ist ein wenig naiv gedacht.

  5. [...] Geograffitico gibt es noch eine ganz kleine Analyse zum [...]