Wenn ich in Alabama leben würde, könnte ich über die Idee einer generellen Klimaerwärmung wohl nur hämisch lachen: In diesem Südstaat lagen die Januar-Temperaturen zwar nicht auf Rekordtiefen, aber mit um die drei bis vier Grad Celsius unter dem langjährigen Mittel in rekordverdächtigen Zonen. Auch wir Neuengländer würden kaum zustimmen, dass es “warm” sei – der Schnee liegt noch stellenweise einen halben Meter hoch vor dem Haus, Gehwege eignen sich am Morgen als Eislaufbahnen, und das ist noch angenehm warm im Vergleich zu den Landstrichen, die von den Auswirkungen des Polarwirbels tiefgefroren wurden. Die Region um Chigaco erlebte mit Januar-Durchschnittstemperaturen um minus neun Grad Celsius Wetterbedingungen, die zwischen vier und fünf Grad unter dem langjährigen Mittel lagen.

Wenn ich aber in Kalifornien leben würde, hätte ich einen der heißesten Winter (ja, auch dort gibt es Winter) erlebt: In San Francisco beispielsweise war es mit durchschnittlich etwa 13 Grad Celsius wärmer als jemals zuvor. Alaska, garantiert kein Platz für Temperaturverwöhnte, erlebte den drittwärmsten Januar seiner Geschichte; mit Durchschnittstemperaturen um minus 13 Grad in Fairbanks bis zweieinhalb Grad in Juneau zwar immer noch brutal kalt – aber doch, je nach Region, um 4,6 bis fast elf Grad wärmer als im langjährigen Mittel. In Hawaii, auf dem Mauna Kea, fielen im Januar wiederum 30 Zentimeter Schnee – mehr als in der Sierra Nevada:
monthlysigeventmap-012014
(Quelle: National Oceanic and Atmospheric Administration, alle Januar-Temperaturangaben finden sich hier).

Global gesehen, war der Januar sogar der viertwärmste seit Beginn der Wetterstatistik. Doch worauf will ich mit diesem Beitrag hinaus? Ganz einfach darauf, dass wir aus dem lokalen Wetter nicht viel darüber lernen können, wie sich das Klima – und schon nicht das globale Klima – entwickeln wird. Sagt das jemand, das man das könne? Wenn ich mir die Kommentare auf meinen früheren Beiträgen zum gleichen Thema anschaue, muss ich sagen: leider ja. Und darum kann man es nicht oft genug wiederholen: Die Auswirkungen, die ein globaler Klimawandel auf das Wetter haben wird, sind nicht gleichförmig und gleichgerichtet auf der ganzen Welt. Was zu erwarten ist, sind extremere Wetterereignisse.

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Kommentare (19)

  1. #1 DasKleineTeilchen
    21. Februar 2014

    tja, da hatte die gute Jennifer Francis wohl recht mit ihrer these des sich abschwächenden jetstreams:

    http://marine.rutgers.edu/~francis/pres/Francis_Vavrus_2012GL051000_pub.pdf

    “Wenn der Jet Stream schwächer wird, so Francis, dann ist damit zu rechnen, dass seine Schlenker nach Nord und Süd ausgedehnter werden und diese längere Zeit auf der Stelle verharren”:

    http://www.heise.de/tp/artikel/41/41027/1.html

    und obendrein ist der albedo der arktis schwächer als bislang angenommen:

    http://www.heise.de/tp/blogs/2/155889

    schätze, der zug ist abgefahren, bei 2 grad wirds kaum bleiben.

  2. #2 Michael Semson
    21. Februar 2014

    Ein Anstieg der globalen Durschnittstemperaturen sollten doch in einem Anstieg der durschnittlichen Temperaturen, lokal an den meisten Orten entsprechen, auch wenn es Ausreisser gibt, die dem nicht entsprechen.

    “dass wir aus dem lokalen Wetter nicht viel darüber lernen können, wie sich das Klima – und schon nicht das globale Klima – entwickeln wird”

    Wie soll man denn dann Informationen über die Entwicklung des Klimas gewinnen, wenn nicht über lokale Messungen über bestimmte Zeiträume. Das ein singuläres Ereignis dafür nicht ausreicht ist klar und indiskutabel.

    Und noch eins: “Was zu erwarten ist”, war offensichtlich nicht zu erwarten. Sonst hätten wir das ganze Problem nicht.

  3. #3 Michael Semson
    21. Februar 2014

    Nebenbei, ein Konzept wie Globale Durchschnittstemperatur hat nichts mit Temperatur im physikalischen Sinne zu tun. Ist also eher ein Vergleichswert, der durchaus sinnvoll sein kann.

  4. #4 Das Teilchen
    22. Februar 2014

    @J. Schönstein, DasKleineTeilchen

    Dazu fällt mir das schöne Filmzitat aus “Demolition Man” ein:
    Wo liegen deine Extreme?

  5. #5 Michael Semson
    23. Februar 2014

    Telepolis Artikel zu verlinken, empfinde ich als deutigen Temperatur Anstieg in ihrem Gehirn.

  6. #6 DasKleineTeilchen
    23. Februar 2014

    wieso herr semson? wenn sie die artikel nicht lesen wollen, folgen sie doch einfach den links im selben, oder sind die ihnen auch nicht seriös genug?

  7. #7 Michael Semson
    23. Februar 2014

    Ok ich hab es tatsächlich versucht. Pomrehn(?) hatte ich schon seit einem Jahr nicht mehr gelesen, aber es deutet alles auf ein kontinuierlich fortschreitende Gehirnerweichung hin. Er zieht Schlüsse auf Ergeinise die jeder seröse Klimawissenschaftler für nicht gegeben sieht. Jennifer Francis ist in den Fachkreisen sehr für ihre Aussagen kritisiert wurde, ganz einfach weil ihre Hypothesen nicht mit den Daten übereinstimmen. Und ein ganz klares nein, Telepolis ist kein glaubwürdiges Portal, oder als was auch immer sie sich bezeichnen.

  8. #8 DasKleineTeilchen
    24. Februar 2014

    naja, sagen wir mal, einige autoren bei TP sind nicht immer “glaubwürdig” oder übertreiben mitunter schamlos (wie franz alt zb, der ist wirklich anstrengend), aber wo zieht pomrehn schlüsse, die auf “gehirnerweichung” hinweisen? beispiel? und was sind “seriöse” klimawissenschaftler deiner ansicht nach? doch wohl nicht die 2%, die den anderen 98% ihre “seriösität” absprechen und alles negieren, was so seit 1900 passiert ist?

  9. #9 DasKleineTeilchen
    24. Februar 2014

    achja, und btw verhält sich der jetstream im augenblick genauso wie von francis vorhergesagt, die medien in GB sind im augenblick voll damit (jetstreamverlagerung als ursache für den dauerregen in GB).

  10. #11 DasKleineTeilchen
    26. Februar 2014

    @michael:

    “It’s exactly the same as weather we’ve had in my own lifetime many times,” Happer said. “Why should it suddenly be climate change?”

    ja, danke, no further questions.

    hab ne schöne restwoche, aber deinen standpunkt teile ich hier halt nicht. wird sich auch nicht ändern. schon garnicht mit sowas.

  11. #12 Das Teilchen
    27. Februar 2014

    Die Diskussion in den Kommentaren geht an der Realität vorbei. Reale Umweltprobleme gibt es derzeit in China und in Zunkunft sicherlich auch anderswo. Und meistens hat CO2 nur geringen oder keinen Anteil daran. Es handelt sich um gewöhnliche, geradezu banale, Umweltverschmutzung. Das soll nicht verharmlosen, aber der Blick auf das Wesentliche sollte nicht verloren gehen.

    Aus meiner Sicht alles nur vergeudete Energie und Enthusiasmus!

  12. #13 Orci
    27. Februar 2014

    Was ist daran unredlich, Abstracts zu vergleichen? Ein Abstract stellt auf wenigen Zeilen das wichtigste Ergebnis der Arbeit dar – ist ja nicht Belletristik, wo Spannung aufgebaut und der Mörder zum Schluss entlarft werden soll.

  13. #14 DasKleineTeilchen
    27. Februar 2014

    @das Teilchen:

    “Das soll nicht verharmlosen, aber der Blick auf das Wesentliche sollte nicht verloren gehen.”

    natürlich geht der nicht verloren, CO2 ist aber nunmal ein wesentlicher bestandteil der problematik, das plankton zb kann dir ein lied von der übersäuerung der meere singen. wo beginnt nochmal die nahrungskette?

  14. #15 Das Teilchen
    28. Februar 2014

    @DasKleineTeilchen

    Plankton ist ein weiter Begriff. Hauptbestandteil ist das “Phytoplankton”, also Algen. Um deren Existenz mußt du dir keine Sorgen machen. Die sind anpassungsfähig und machen sich aus der Übersäuerung der Oceane mal gar nichts. Deren Anpassungsfähigkeit wird nurmehr von Bakterien übertroffen (liegt an der Einfachheit der Organismen und deren Teilungsrate … ich bin Biologe und kenn mich da einigermaßen aus).

    Die Übersäuerung der Ozeane ist eher grenzwertig, also gerade nochmal messbar und stark ortsabhängig.

    Nicht grenzwertig ist aber die Umweltverschmutzung in China. Die tritt periodisch jedes Jahr mehrmals auf und fordert unmittelbar vermutlich tausende Todesopfer, besonders bei jungen und älteren Menschen. Von den mittelbaren Folgen mal ganz abgesehen.

    Stell dir einfach mal vor, über Europa würde eine Smogwolke über Wochen wie in China hängen. Nur eine günstige Wetterlage bringt Abhilfe. Wir hätten täglich mindestens zwei Sondersendungen im Fernsehen zur Lage. Die Politik würde rotieren und dieser Blog wäre voll von Beiträgen dazu.

    Nun ja, was kümmert uns China. Mehr will ich dazu nicht sagen.

  15. #16 Das Teilchen
    28. Februar 2014

    @Orci
    Hat auch niemand behauptet. Ich finde es nur traurig, aktuelle Problematiken unter den Tisch fallen zu lassen.
    Vielleicht gibt uns ja der umweltbesorgter Blogger Auskunft.

    Was mich ärgert, ist eine gewisse Scheinheiligkeit. Aktuelle Probleme werden ignoriert, zunkünftige Probleme hochstilisiert. Und das Ganze im Mäntelchen des Umweltschutzes und der Sicherheit zukünftiger Genernationen. Eine umfaßende Darstellung der Problematik stelle ich mir anders vor. Die kann ich hier nicht erkennen.

  16. #17 DasKleineTeilchen
    28. Februar 2014

    “Was mich ärgert, ist eine gewisse Scheinheiligkeit”.

    und was mich ärgert, ist dein durchsichtiges, plumpes derailing.

    “Die sind anpassungsfähig und machen sich aus der Übersäuerung der Oceane mal gar nichts”

    selten so gelacht. keinen schimmer haben, aber davon ne menge.

  17. #18 Das Teilchen
    4. März 2014

    @DasKleineTeilchen
    Du nennst dich nicht umsonst das “DasKleineTeilchen”.

    Ein kleiner Aktionist, keine Argumentation, kein Basiswissen von Expertenwissen ganz zu schweigen (und die Links bzw. Ausbildung erspare ich mir mal).

    Eigenartig nur, daß dir tausende von toten Menschen in real von Umweltzerstörung betroffenden Gebieten egal sind. Hauptsache deine Gedankenwelt … man sagt dazu auch Ideologie … ist in Ordnung. Lass es gut sein, für mehr fehlt dir einfach das Format.

  18. #19 DasKleineTeilchen
    9. Mai 2014

    @teilchen:

    “Eigenartig nur, daß dir tausende von toten Menschen in real von Umweltzerstörung betroffenden Gebieten egal sind.”

    sagmal, gehts noch? das war schlicht nicht das thema.