Gut eine Woche habe ich es geschafft, nicht über den Fall Tim Hunt zu schreiben. Ich nehme an, dass jede/(r), der/die hier mitliest, im Großen und Ganzen weiß, worum es da ging, aber ich will den Satz, den er am 9. Juni auf einer Konferenz losgelassen hat und zu dem er offenbar auch weiterhin steht, noch einmal im Wortlaut wiedergeben, ehe ich mich weiter dazu auslasse:

Let me tell you about my trouble with girls … three things happen when they are in the lab … You fall in love with them, they fall in love with you and when you criticise them, they cry.
(Quelle: Guardian)

Das Problem beginnt schon damit, erwachsene und hoch gebildete Frauen als “girls”, als Mädchen zu bezeichnen. Doch selbst wenn ihn diese – vielleicht mit seinem Alter zu erklärende – Herablassung nicht entlarven würde: seine halbherzigen und in gewisser Weise sogar noch entlarvenderen Entschuldigungen tun es dann. Er bedauert offenbar nicht so sehr, was er gesagt hatte, sondern dass er es vor so vielen JounalistInnen gesagt hatte. Und dafür dass diese Frauen Mädels – wenn seine Beobachtungen stimmen – immer losheulen, hat er auch eine Erklärung, die ihm eigentlich selbst zu denken geben sollte:

“It’s terribly important that you can criticise people’s ideas without criticising them and if they burst into tears, it means that you tend to hold back from getting at the absolute truth.

Science is about nothing but getting at the truth and anything that gets in the way of that diminishes, in my experience, the science.”

Aha. Frauen können also nur die Wahrheit nicht ertragen, meint er… Auf die Idee, dass es vielleicht an seinem Ton liegen könnte (eventuell spielt dabei auch die Anrede “Mädchen” eine Rolle?), scheint er nicht einen Moment zu kommen. Na gut, er findet, das müsse man(n) aushalten können, wenn man Wissenschaft betreiben will. Aber warum ist er dann so weinerlich, wenn ihm der gleiche scharfe Ton entgegenbläst?

Ich gestehe, dass ich etwas übersensibilisiert bin, weil ich in den vergangenen zwei Tagen insgesamt etwa 70 Aufsätze zum Thema Frauen in der Wissenschaft lesen musste, und die Beweislage für Sexismus als Ursache des eklatanten Gender Gap ist ziemlich solide. Wie anders ließe sich beispielsweise erklären, dass ein PLoS ONE-Reviewer den beiden australischen Evolutionsbiologinnen Fiona Ingleby und Megan Head riet, ihren Artikel (oh, die Ironie!) über just diesen Gender Gap dadurch aufzubessern, dass sie “ein oder zwei männliche Biologen” als Co-Autoren finden? Oder warum hielt es die Science-Berufsratgeberin Dr. Alice Huang (Ask Alice) für notwendig, einer jungen Postdoc-Forscherin, die Probleme damit hatte, dass ihr Fachbetreuer immer versucht, ihr in die Bluse zu starren, den Rat zu geben, dies hinzunehmen und dazu auch noch gute Miene zu machen?

Ja, vielleicht wollte Hunt wirklich nur witzig sein, wie er es zu seiner Rechtfertigung reklamiert. Aber er ist, wie ich vermute, ein hochintelligenter Mensch. Und darum könnte ihm eigentlich schon aufgefallen sein, dass dieses Thema nun mal nicht witzig ist – jedenfalls nicht aus der Sicht der Frauen. Und dass es nicht die Pflicht der ZuhörerInnen ist, seinen missverständlichen (?) Worten den von ihm gewünschten Sinn und Bedeutung zu geben, sondern dass diese Verantwortung immer bei den Sprechenden liegt.

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Kommentare (129)

  1. #1 Steffmann
    2. August 2015

    Jürgen:

    Ich gehe auf deine Kommentar nicht ein. Du hast dich damit selbst disqualifiziert. Diese Aussage:

    Und teilst Du wirklich Hunts Ansicht von den Unterschieden zwischen Männern und “Mädchen”? Dass sie Sexobjekte sind und keine Kritik abkönnen? Eine Lernfrage meinerseits, ich weiß ha sonst gar nicht, mit wem ich es hier zu tun habe…

    zeigt die Art und Weise, wie shitsorms Menschen die Existens kosten können. Denn, du erstens reisst du du hier eine Aussage aus dem Kontext (hatten wir schon) und zweitens hast du keinerlei Datenbasis, so etwas zu behaupten, geschweige den zu beweisen, tust es aber dennoch.

  2. #2 Steffmann
    2. August 2015

    @Jürgen:

    Als Wissenschaftler solltest du in der Lage sein, eigene Aussagen in Frage zu stellen. Du kennst alle Mechanismen, die zu einem Fehlurteil führen können. Aber all das interessiert dich nicht. Nochmal zur Erinnerung: Ein Kollege ist Opfer eines unverhältnismäßigem shitstorms im Internet geworden. Der Sachverhalt ist geklärt und es war nicht gerechtfertigt bzw. unverhältnismäßig. Anstatt Solidarität zu zeigen bist DU mit auf diesen Zug aufgesprungen. Sollte Ähnliches Dir widerfahren, hoffe ich, dass deine fans mehr zu dir halten.

  3. #3 Basilios
    Sayonara Zetsubō Sensei
    2. August 2015

    @Steffmann
    Anstatt fleißig weitere Kommentare zu produzieren empfehle auch ich Dir ein paar Tage Ruhe.

  4. #4 Franz Nörgel
    2. August 2015

    Das ist es doch

  5. #5 Franz Nörgel
    2. August 2015

    Und noch besser

  6. #6 Franz Nörgel
    2. August 2015

    Aber jetzt:

  7. #7 hampel
    3. August 2015

    @rolak

    Ja, ich bitte auch um genaueres hinweisen.
    Die Diskussion und Enthüllungen sind ja inzwischen etwas weiter gewandert. Ich will aber gerne lernen.

    Am Anfang des “Skandals” hätte ich Joseph wahrscheinlich auch noch zugestimmt.

  8. #8 rolak
    3. August 2015

    itte auch um genaueres hinweisen

    Du hast schlicht und einfach Joseph eine Aussage unterschoben, die er nicht gemacht hat, hampel, und Dich über Deine Phantasie von seinem Text aufgeregt. So etwas nennt man euphemistisch ‘einen Strohmann aufstellen’, obwohl hier mindestens ‘unverschämt’ angemessen wäre.

    Oder möchtest Du noch eine 1:1 Gegenüberstellung der Wörter, kleine Bildchen dazu als Anleitung?

  9. #9 BreitSide
    Beim Deich
    3. August 2015

    Liegt das an meinem Browser oder warum fangen bei jeder Seite die Kommentare mit “#1” an?

    @Steffmann 31. Juli 2015 “Sach ma, spinnst du jetzt ? Weiber ist die sprachliche Entsprechung von “Kerlen”. Schau mal bitte, wie oft dieser Begriff verwendet wird.”

    Ich weiß ja nicht, in welcher deutschsprachigen Region Du sozialisiert bist, aber für mich hat “Weiber” definitiv pejorativen Charakter. “Kerle” ist wesentlich positiver konnotiert (Wilde Kerle, ein toller, ein ganzer Kerl…). Für “Weiber” gibt es keine derartigen positiven Zuschreibungen.

    Und ja, früher war das anders. Sogar das “Ave Maria” hieß früher “Du bist gebenedeit unter den Weibern”, aber das ist exakt aus dem Grund geändert worden, dass heute das Wort “Weiber” eben eher ein Schimpfwort ist.

  10. #10 BreitSide
    Beim Deich
    3. August 2015

    @Jürgen: Was ganz ähnliches hab ich auch mal erlebt: Ein Vortrag eines super Juristen, der sonst durch trockenen, aber guten Humor auffällt. Nun aber spricht er vor einem mehrheitlich weiblichen Publikum (sinngemäß):

    “Das schlimmste an einem Frauengefängnis ist ja, dass man da unter Frauen sein muss.” – eisige Stille…

    Hätte er wenigstens sowas gesagt wie “Es soll ja Leute geben, die sagen,…” oder ähnlich, nein, hat er nicht. Ich kenne auch jede Menge dreckiger Witze über Frauen, Blondinen, Juden, Lepra, Schwule, Mantafahrer etc., aber die kann ich halt nicht überall bringen. Und ich bin kein Nobelpreisträger…

  11. #11 Steffmann
    3. August 2015

    @BreitSide:

    Ich weiß ja nicht, in welcher deutschsprachigen Region Du sozialisiert bist

    Ähm ja, natürlich. Wenn die Aussage nicht mit der eigenen übereinstimmt, ist man falsch sozialisiert, du Internatsschüler.

    Und höre bitte auf, hier germanistisch rumzuschwurbeln, um deine Fan-Zugehörigkeit zu dokumentieren. Das ist peinlich. Kerle sind Kerle und Weiber sind Weiber. Punkt.

    Ob das Wort Weib von der weiblichen Bevölkerung als Schmipfwort empfunden wird oder nicht, ist offen. Es gibt dazu keine verlässliche Studie. Auf wissen.de wir das so definiert:

    »Frau« ohne Rücksicht auf Alter, Stand und Heirat verwendet wurde. Eine negative Belegung (»böses Weib«, »altes Weib«) findet sich etwa seit 1500, trotzdem meinte Weibsbild bis ins 17. Jahrhundert eine edle Frau, während die Weibsen und das Weibsstück zur selben Zeit bereits das Ende allen Charmes einläuteten.

    Natürlich sagt heute keiner mehr Weib. Aber ich werde auch nicht als Kerl angesprochen. Oder Du ?

  12. #12 BreitSide
    Beim Deich
    3. August 2015

    Geht´s vielleicht auch einen Tick freundlicher?

    Gar nichts ist offen. Du hast mit Deinem Zitat exakt meinen Standpunkt bekräftigt. Danke auch:-)))

    Für “Kerl” findest Du sicher auch einen so überzeugenden Beleg für meinen Standpunkt;-))))

  13. #13 BreitSide
    3. August 2015

    Guckdu hier: https://de.wiktionary.org/wiki/Kerl

    “Kerl” ist neutral und hängt völlig vom Kontext ab.
    “Weib” ist ausschließlich negativ belegt.

    Danke nochmal fürs Gespräch…:-))

  14. #14 Steffmann
    3. August 2015

    @Breitside:

    Geht´s vielleicht auch einen Tick freundlicher?

    Sorry Alter, damit hast du dich disqualifizeirt:

  15. #15 Steffmann
    3. August 2015

    @BreitSide:

    Nochmal, wenn du eine Frau findest, die diese Diskussion wirklich hilfreich für das Thema Gleichberechtigung findet, dann hast du meine Zustimmung. Aber das ist doch in Wirklichkeit nur Wichtigtuerei. Mir ist noch keine moderne Frau über den Weg gelaufen, die sich an den Begrifflichkeiten “Kerl” oder “Weib” gestört hätte.

  16. #16 Jürgen Schönstein
    3. August 2015

    @Steffman

    Sorry Alter, damit hast du dich disqualifizeirt:

    Soso, Du enstcheidest also in meinem Blog, wer sich fürs Mitreden qualifiziert oder disqualifiziert. Und allein Du weißt, was die “moderne Frau” stört oder nicht – ebenso, wie Du, ganz ohne irdgend eine nachvollziehbare Begründung, automatisch weißt, wer Recht hat (natürlich immer Du), und wer nicht (im Zweifelsfalle alle anderen, es sei denn, sie stimmen Dir zu). Du wirfst anderen Wichtigturerei vor, obwohl der einzige, der hier mit aufgeblasenen Backen andere runtermeiert, mit dem Nicknamen Steffman hier schreibt. Schlicht, Du weißt als einziger, was Sache ist – verschwende darum dieses Wissen doch nicht an uns Ignoranten hier, die Dir nie Recht geben werden, und auch Deine Wortmacht nie zu schätzen wissen werden. Und damit Dir der Abschied von hier leichter fällt, habe ich Dich nun auch auf die Sperrliste gesetzt. Ich hab’ den Pöbeleien, Anschuldigungen, Beleidigungen von Mitkommentatoren etc. nun lange genug zugeschaut. Und falls Du nun schreist, das sei Zensur – schau den Begriff einfach mal nach. Was ich hier tue, nennt sich “Bloghygiene”. Und ich kann damit ganz gut leben.

  17. #17 Basilios
    Sayonara Zetsubō Sensei
    3. August 2015

    Bloghygiene find ich gut..

  18. #18 hampel
    8. August 2015

    @rolak

    Sorry! mea culpa.

    Joseph hat von “Beziehungspartnerinnen” gesprochen, “Sexobjekte” kam erst später von Jürgen. (Ich dachte dein Hinweis zur Quelle bezieht sich auf Jürgens Text)

    Joseph hat als erster darauf hingewiesen, dass Hunt seine Kolleginnen nur als mögliche Beziehungspartnerinnen sieht, daraus wurde später von Jürgen “Sexobjekte”.
    Beides sind unhaltbare Aussagen, Joseph formuliert es aber im Konjunktiv und vorsichtig , deswegen hätte ich nicht ihn falsch zitieren sollen -> mea culpa
    Ich will Joseph nichts unterstellen und denke nur das Beste von ihm!

    Aber, mir ging es ja auch darum , zu zeigen wie ein Satz reicht , Phantasien und Wut zu beflügeln. Vor lauter Entrüstung ist aus “you fall in love” –>”mögliche Beziehungspartnerinnen”–> “Frauen =Sexobjekte” geworden. Deswegen denke ich auch weiterhin, dass meine Kritik an Jürgen valid ist.

    Again, am 19 Juni hätte ich Joseph auch zugestimmt.
    Wenn Jürgen aber am 1 August noch viele Schritte weitergeht und Hunt( und indirekt Steffmann) unterstellt, für ihn seien Mädchen “Sexobjekte” ist das für mich völlig unverständlich. Es ist nicht gerechtfertigt und böswillig (oder ignorant?) , ich verstehe Steffmanns Ärger und Kritik daran.

    Ich hoffe das war jetzt Strohmann-frei und deutlich genug.
    (französisch “Épouvantail” ist übrigens weitaus schöner und deutlicher als “Strohmann” 🙂 )

  19. #19 BreitSide
    Beim Deich
    8. August 2015

    …upps…;-)

  20. #20 Karl Mistelberger
    9. August 2015

    > #8 Jürgen Schönstein, 19. Juni 2015
    > Was daran “witzig” (oder meinewegen “augenzwinkernd”) sein soll, müssten Sie mir dann doch erklären.

    > Und ja, was Brian Cox dem Guardian gesagt hatte, habe ich auch längst gelesen, aber eigentlich mit Rücksicht auf Brian Cox nicht verlinkt. Denn letzlich sagt er nur, dass das, was Hunt verzapft hat, zwar Mist war, aber weil er halt Tim Hunt und ein Nobelpreisträger ist, müsse man ihm das nachsehen. NIcht gerade eine überzeugende Position, eigentlich eher peinlich.

    Was der Guardian zitiert hat ist auch nicht die volle Passage der Äußerung von Tim Hunt.

    “In England und den USA gibt es die schöne Tradition, Reden mit Scherzen zu würzen. Die Scherze dürfen ruhig frech und ein wenig anzüglich sein. Als der Nobelpreisträger Sir Tim Hunt in Südkorea vor jungen Wissenschaftlerinnen gesprochen hat, begann er so: “Es ist seltsam, dass ein chauvinistisches Monster wie ich gefragt wurde, vor Wissenschaftlerinnen zu sprechen. Lassen Sie mich von meinen Problemen mit Frauen erzählen. Drei Dinge passieren, wenn sie im Labor sind: Du verliebst dich in sie, sie verlieben sich in dich, und wenn du sie kritisierst, fangen sie an zu heulen. Vielleicht sollten wir getrennte Labore für Männer und Frauen einrichten? Spaß beiseite, ich bin beeindruckt von der wirtschaftlichen Entwicklung Koreas. Und Wissenschaftlerinnen spielten dabei zweifellos eine wichtige Rolle. Wissenschaft braucht Frauen, und Sie sollten Wissenschaft betreiben trotz all der Hindernisse und trotz solcher Monster wie mir.” ”

    Aus http://www.zeit.de/zeit-magazin/2015/29/harald-martenstein-scherze-witze

    Vielleicht ist Ihnen nun klarer, was mit “augenzwinkernd” gemeint ist.

  21. #21 Jürgen Schönstein
    9. August 2015

    Karl Mistelberger
    Und es gibt zumindest in den USA, wo ich seit einem Vierteljahrhundert lebe (vermutlich aber auch im ganzen Rest der Welt) die schöne Tradition, unpassende Witze unpassend zu finden. Ganz abgesehen davon: Es ist zumindest in den USA absolut keine “schöne Tradition”, Witze über Minderheiten zu machen. So lange Hunt über sich als “chauvinistisches Monster” gewitzelt hat (und an der Stelle hat das Publikum, den Berichten zufolge, auch noch gelacht), war das “Augenzwinkern” auch noch erkennbar. Aber was an der Bemerkung über Frauen dann passend/komisch/augenzwinkernd wäre (setzen Sie hier einfach irgend eine andere Minderheitengruppe ein – am besten eine, mit der Sie sich unter Umständen sogar identifizieren können; alte Männer vielleicht?), erschließt sich damit immer noch nicht. Und wenn man merkt, dass der Witz nicht ankam, dann ist es eben nicht damit getan zu sagen “war doch nur ein Witz”, sondern dann muss man sich eine klarere Position einfallen lassen. Die Verantwortung dafür liegt IMMER beim Redner

  22. #22 Karl Mistelberger
    10. August 2015

    > #19 Jürgen Schönstein, 9. August 2015

    > Aber was an der Bemerkung über Frauen dann passend/komisch/augenzwinkernd wäre, erschließt sich damit immer noch nicht.

    Zumindest den anwesenden Gästen war bekannt, dass Tim Hunt seine Frau im Labor kennen gelernt hat. 😉

    > setzen Sie hier einfach irgend eine andere Minderheitengruppe ein – am besten eine, mit der Sie sich unter Umständen sogar identifizieren können; alte Männer vielleicht?

    Lieber jung fühlen als alt sein.

    > Und wenn man merkt, dass der Witz nicht ankam, dann ist es eben nicht damit getan zu sagen “war doch nur ein Witz”, sondern dann muss man sich eine klarere Position einfallen lassen.

    Die Debatte um den wegen angeblich sexistischer Sprüche gefeuerten Nobelpreisträger Tim Hunt nimmt eine neue Wendung: Die britische “Times” berichtet über eine Aufzeichnung des fraglichen Abends, aus der klar hervorgeht, dass Hunt die umstrittenen Sätze als Scherz markierte und das Publikum auch entsprechend reagierte.

    > Die Verantwortung dafür liegt IMMER beim Redner

    Hier lenken Sie ab. Die Verantwortung Hunts für seine Äußerungen habe ich nie in frage gestellt. Den darauf hin inszenierten Shit Storm finde nicht nur ich absolut inadäquat. Eine diesbezügliche Umfrage in SPON zu Tim Hunts dadurch erzwungen Rücktritt als Honorarprofessor ergibt:

    Ja, es ist richtig, dass er gehen musste: 1.225 (5,22%)
    Nein, es war ein Fehler, ihn zur Aufgabe zu zwingen: 21.587 (91,93%)
    Das ist mir egal: 671 (2,86%)

  23. #23 Jürgen Schönstein
    10. August 2015

    @Karl Mistelberger

    Hier lenken Sie ab.

    Nein, hier komme ich of das Thema meines Beitrags zurück. Und das war: Hunt ist für den Shitstorm selbst verantwortlich. Und nur darum geht es. Ob seine “Entlassung ” (aus zwei Ehrenämtern!) angemessen war oder nicht, steht in meinem Beitrag nicht zur Diskussion. Das kann man diskutieren (und ich wäre da sicher auf der Seite zu finden, die die Angemessenheit zumindest in Frage stellt), war aber hier nicht das Thema. Und wenn so viele Menschen hinter Hunt stehen, dann dürfte er sich um seine Zukunft ja wohl keine Sorgen machen müssen, also war die angebliche “Hexenjagd” (wer weiterhin dieses Wort verwenden will, sollte erst mal diesen Bericht lesen und dann überlegen, ob er/sie den Begriff für das, was Hunt widerfahren ist, immer noch angemessen findet) ja letzlich erfolglos…

  24. #24 Karl Mistelberger
    10. August 2015

    Sie formulierten:

    Ja, vielleicht wollte Hunt wirklich nur witzig sein, wie er es zu seiner Rechtfertigung reklamiert. Aber er ist, wie ich vermute, ein hochintelligenter Mensch. Und darum könnte ihm eigentlich schon aufgefallen sein, dass dieses Thema nun mal nicht witzig ist – jedenfalls nicht aus der Sicht der Frauen. Und dass es nicht die Pflicht der ZuhörerInnen ist, seinen missverständlichen (?) Worten den von ihm gewünschten Sinn und Bedeutung zu geben, sondern dass diese Verantwortung immer bei den Sprechenden liegt.

    Jeder Sprecher hat das Recht darauf, dass seine Äußerungen unverfälscht weitergegeben werden. Der Shit Storm nahm seinen Ausgang von der vorsätzlich grob verfälschten Wiedergabe durch Connie St. Louis:

    Der „Fall“ Tim Hunt: Tonmitschnitt bringt seine Verfolger in Bedrängnis

    A very flawed accuser: Investigation into the academic who hounded a Nobel Prize winning scientist out of his job reveals troubling questions about her testimony

  25. #25 Jürgen Schönstein
    10. August 2015

    @Karl Mistelberger
    ** müder Seufzer /**
    Alles schon beantwortet: WER die Worte Hunts berichtet, ist doch für die Worte selbst (die er nicht bestreitet, soviel also zurm Vorwurf der “inkorrekten Wiedergabe”) völlig irrelevant. Auch die Tatsache, dass seine Selbstironie (“chauvinistsches Monster”) erst mal mit freundlichem Gelächter quittiert wurde, sagt nichts darüber aus, ob die ZuhörerInnen am Ende immer noch so amüsiert waren (und die von Ihnen verlinkten Quellen notieren das Gelächter eben nur nach dieser Bemerkung, interessanter Weise). Kleine Anekdote am Rande: Auf dem Weg zu einer Pressenkonferenz mit der damaligen US-Außenministerin Condoleezza Rice in New York hatte ich gegenüber meinem damaligen Spiegel-Kollegen Jan Fleischhauer eine Bemerkung darüber fallen lassen, dass der erwartete Informationsgehalt wohl eher dünn ausfallen werde. Was dieser mit einer Bemerkung darüber beantwortete, dass er das ganz anders sehe, denn er (Fleischhauer) sei ein großer Fan von George W. Bush und seiner Amtsführung. Das Lachen über diese vermeintlich scherzhafte Bemerkung blieb mir wenig später im Hals stecken, als mir klar wurde, dass Fleischhauer dies durchaus ernst gemeint hatte. So viel also zum Lachen als Indikator für volles Verständnis von Aussagen.

    Und selbst wenn die “Anklägerin” an anderer Stelle in ihrem Bericht einen Fehler gemacht hat: Der Shitstorm wirde durch genau jene Bemerkungen ausgelöst, die Hunt selbst bestätigt und im Kern gegenüber der BBC sogar wiederholt hat. Und genau darum geht’s – dass Sie lieber Ablenkungsmanövern folgen wollen und überhaupt nicht wirklich sehen, wo das Problem liegt (siehe Ihre persönliche Einschätzung im Kommentar hier: “Kritik an der Sache wurde von den Girls gerne in Kritik an der Person umgemünzt und in diesem Sinne ausgenutzt.”) liegt außerhalb dessen, was ich beeinflussen oder beantworten kann.

  26. #26 Jürgen Schönstein
    10. August 2015

    @Karl Mistelberger et al.
    Da rolak bereits darauf verlinkt hatte, müsste ich es hier eigentlich gar nicht noch einmal erwähnen. Aber auch Phil Plait hatte sich bereits u.a. mit den “Argumenten” der Daily Mail (die er, um es ganz unumwunden zu sagen, zudem für ein “Brechmittel” hält – sie ist definitiv kein Qualitäts-Presseerzeugnis, schon gar nicht, was ihren Wissenschaftsjournalismus angeht) hinreichend und klar auseinander gesetzt. Und wie Don Alfonso – auch nicht gerade ein Vorbild an Objektivität – von seinem Schreibtisch aus weiß, was wirklich passiert ist, wüsste ich jetzt auch mal ganz gerne. Nochmal: Wenn die stärkste Entlastungs-“Quelle” die – ebenfalls nicht bei der Rede anwesende – Daily Mail ist, dann hat sich wohl jedes weitere Argument erledigt. Mehr noch: Ich würde mich wahrscheinlich gewaltig schämen, wenn ich mich in irgend einer Argumentation auf die beiden hier verlinkten Quellen berufen müsste…

  27. #27 Sebi
    15. August 2015

    >> So lange Hunt über sich als “chauvinistisches Monster” gewitzelt hat (und an der Stelle hat das Publikum, den Berichten zufolge, auch noch gelacht), war das “Augenzwinkern” auch noch erkennbar. Aber was an der Bemerkung über Frauen dann passend/komisch/augenzwinkernd wäre (setzen Sie hier einfach irgend eine andere Minderheitengruppe ein – am besten eine, mit der Sie sich unter Umständen sogar identifizieren können; alte Männer vielleicht?), erschließt sich damit immer noch nicht.

    Offensichtlich hat er sich doch selbst in die Rolle des “chauvinistischen Monsters” begeben um in dieser Funktion dann den Spruch rauszuhauen. Damit wollte es vermutlich tatsächliche Chauvinisten, die so etwas tatsächlich sagen würden, auf die Schippe nehmen. Das ist doch ein recht gängiges Stilmittel. Oder interpretieren Sie die Sache anders?

  28. #28 Karl Mistelberger
    31. August 2015

    > #25 Jürgen Schönstein, 10. August 2015
    > Nochmal: Wenn die stärkste Entlastungs-”Quelle” die – ebenfalls nicht bei der Rede anwesende – Daily Mail ist, dann hat sich wohl jedes weitere Argument erledigt. Mehr noch: Ich würde mich wahrscheinlich gewaltig schämen, wenn ich mich in irgend einer Argumentation auf die beiden hier verlinkten Quellen berufen müsste…

    Schämen tun Sie sich wohl nie, auch dann nicht wenn Sie mit pauschalen Argumenten (“ist ja Daily Mail”) Ihre persönliche Bankrotterklärung liefern!

    Cathy Young:

    The “Tim Hunt, misogynist scientist” narrative has been falling apart piece by piece over the past month.

  29. […] Gefühle verletzt haben sollte”, was ich ja hier dem ansonsten sicher zu Recht angesehen Nobelpreisträger Tim Hunt und seinen ApologetInnen hier vorgeworfen habe), sondern direkt, ohne wenn und aber. Und er gibt zu, dass er versteht, dass sich die Frauen […]