“Rejection of GM crops is not a failure for science”, schreibt Colin Macilwain in der aktuellen Ausgabe von nature. Und ich finde den Beitrag lesenswert genug, um hier darauf hinzuweisen. Wer in meinem Blog mitliest, wird nicht übersehen haben, dass ich mich gelegentlich kritisch zum Thema genmanipulierte Nahrungsmittel geäußert habe – und hoffentlich verstanden haben, dass es dabei nicht um die Möglichkeiten der Gentechnik an sich, sondern vor allem darum ging, wie die Diskussion darüber geführt wird.

Und darum erscheint mir so ein Beitrag wie der in nature eben sehr wichtig: Es ist eben nicht das Ende der Wissenschaft, oder das Ende des Forschungsstandorts XYZ (bevorzugte regionale Einheit hier eintragen), wenn Verbraucher keine Lebensmittel mir genetisch modifizierten Zutaten essen wollen. Es ist auch nicht das Ende der Wissenschaft, wenn Lebensmittel mit genetisch manipulierten Ingredienzien entsprechend gekennzeichnet werden.

Hier ein paar Gedanken (wieder mal) von mir als “Nachtisch”: Damit, dass Lebensmittel unbedenklich sind, ist es als Argument einfach nicht getan. Wer das denkt, der kapiert nicht, dass es beim Essen keineswegs nur um die chemische Zusammensetzung der Nahrungsmittel geht. Wir bevorzugen ein Restaurant über ein anderes, weil wir vielleicht die Attitüden des Personals unterschiedlich goutieren; wir kaufen auf dem Markt bei dem Stand, der uns – aus welchen Gründen auch immer – sympathischer ist (obwohl ein Großteil der Waren aller Anbieter hier vom gleichen Großmarkt stammen). Wir bevorzugen oder vermeiden bestimmte Marken, weil wir die Firmenpolitik des Markenartiklers ablehnen/begrüßen. Und ich esse keinen weißen Spargel, einfach weil ich keinen weißen Spargel mag – kurz: Bei unserer Entscheidung, was und wo wir essen, spielt eben mehr eine Rolle als nur die chemische Komposition und generelle Unbedenklichkeit des Essens.

Und wer überzeugt ist, dass wir mehr GMO in unseren Nahrungsmitteln brauchen, kann ja dank einer Kennzeichnung auf der Packung bevorzugt danach greifen; auch die Kennzeichnung “Made in Germany” war mal dazu gedacht, KäuferInnen abzuschrecken und wurde – dank deren Präferenzen – zum Gütesiegel.

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Kommentare (58)

  1. #1 rolak
    9. September 2015

    Ich bin mir sicher, dass sich mit einem überschaubaren Aufwand aus Fäkalien Zucker herstellen ließe

    Das ist jetzt aber wahrlich nicht die Meisterleistung der Phantasie des Jahres, Jürgen, da dies nicht nur, aber insbesondere bei BioZucker aktuell exakt so gemacht wird.

    Wesentlich interessanter ist die Abstraktionsleistung von uns Verbrauchern, die darüber ganz lässig hinwegsieht und nur in frischer Natur und leichter Brise schwankende Rübenblätter (alternativ Zuckerrohr) sieht.

  2. #2 Adent
    9. September 2015

    @Jürgen
    Ja da haben wir wohl unterschiedliche Perspektiven, ich weiß auch nicht genau worum es bei dem Labelling in den USA geht (nur Pflanzen oder alle Produkte?), hier in Europa ist es wie oben beschrieben, der Widerstand der NGOs ist mindestens so groß wie der Industrie. Und ja natürlich wären die 2-9 Mrd. in positiver Aufklärung besser aufgehoben. Dabei würden sie dann auf die Lobbygelder von Greenpeace und anderen NGOs treffen die unter anderem dazu geführt haben, dass wir jetzt keine Wissenschaftliche Beratung des EU-Präsidenten mehr haben), das wäre witzig zu beobachten.

    aber ich bin es leid, wenn dieses Argument letztlich darauf hinaus läuft, dass alle Verbraucher Idioten sind.

    Idioten können sich auf Grund ihrer geistigen Kapazität nicht ordentlich informieren, ich sehe das Problem eher in einer gewissen Ideologie, insofern wären das dann Ideologen. Jetzt kannst du natürlich sagen, die Pro-Gentechnik sind ja auch Ideologen (und hättest wahrscheinlich in einigen Fällen recht), der kleine aber feine Unterschied ist, die Gentechnik wird verboten, die Nicht-Gentechnik (u.a. mit der absurden Begründung der Wahlfreiheit) nicht.
    Um meinen Standpunkt nochmal klar zu machen, ich halte die Gentechnik-Gegner in der Bevölkerung weder für Idioten noch für Ideologen, die Lobbyisten von Greenpeace, BUND und ähnlichen Organisationen für letzeres. Meinetwegen kann jeder das Essen was er will und auch das Kaufen, was er will, so einfach ist das.
    Zum Fäkalienzucker hat Rolak ja schon was gesagt, ist echt ein schlechtes Beispiel, hast du in deinem Leben schon mal eine Tütensuppe gegessen, eine 5 Minuten Terrine, Margarine oder einen Erdbeerjoghurt?
    Wenn du in etwa wüßtest was da an chemischen Vorgaängen und Chemikalien drinsteckt (die Tütensuppe kannst du locker im Chemielabor herstellen), dann hättest du dir das doch recht schlechte Beispiel des Fäkalienzuckers vielleicht gespart.
    Und zu guter letzt nochmal:
    Ja, absolute Kennzeichnungspflicht jeder Gentechnik, da bin ich voll dabei. Dann wird der Verbraucher endlich darüber aufgeklärt, was er schon seit ca. 15 Jahren isst, cremt, einnimmt und trinkt. Dazu noch aus meiner persönlichen Sicht Verbot jeglicher Lobbyarbeit.

  3. #3 Adent
    9. September 2015

    @all
    Wen die Lobbyarbeit von Greepeace interessiert, ist zwar schon 5 Jahre alt, damit aber noch lange nicht überholt 😉
    http://www.novo-argumente.com/magazin.php/archiv/novo108_57/

  4. #4 Alderamin
    9. September 2015

    @Jürgen

    Dort haben die Erzeuger bisher erfolgreich verhindern können, dass genetisch modifizierte Zutaten auf den Endprodukten gekennzeichnet werden müssen

    Mir ging’s aber um die Konsumenten. Natürlich hat keine Firma ein Interesse daran, irgendetwas zu unternehmen, was auch nur möglicherweise den Umsatz drücken könnte.

    Was wäre so schlimm daran, dies zu kennzeichnen?

    Wenn vernünftig informiert würde: Gar nichts. Was spricht gegen die Ampel auf fett- und zuckerhaltigen Nahrungsmitteln? Ich bin dafür. Warnungen auf Zigarettenpackungen haben wir schon. Gestern erst hat das EU-Parlament verboten, geklonte Tiere für die Nahrungsmittelherstellung zu verwenden. Warum eigentlich?Wenn das so ist, was spricht eigentlich dagegen, Zigaretten zu verbieten? Andere Drogen sind auch verboten und das Zeug bringt nachgewiesenermaßen Menschen um. Was bei Genfood erst nachzuweisen wäre.

    Der Vergleich mit Impfungen liegt übrigens schwer daneben: Impfungen, sofern sie vorgeschrieben sind, dienen einem gesellschaftlichen Nutzen, der erstens nicht anders zu erreichen wäre, und zweitens darauf beruht, dass Nicht-Geimpfte eine Gefahr für andere darstellen können. Welche “Gefahr” von einem Menschen ausgeht, der sich beispielsweise nur vegan ernährt, oder der auf GMO in seinem Essen verzichten will, müsstest Du erst mal erklären.

    Muss ich nicht erklären, weil Du in einem Bereich des Vergleichs herumstrohmannst, um den es überhaupt nicht ging. Es ging mir darum, wie Gerüchte irrationale Ängste bei den Menschen verursachen.

    Aber das hier sind die Scienceblogs. Hier sollen Leute informiert und nicht verunsichert werden, sich so selbst ein Bild machen und dann gerne essen oder nicht essen, was sie mögen (wer lieber mit Pestiziden behandeltes Gemüse essen will, meinetwegen).

    Tatsache ist: es gibt keinen Nachweis für irgendeine Art gesundheitlich negativer Auswirkung von Genfood oder mit gentechnisch veränderter Nahrung gefütterter Nutztiere (wie sollte so eine Schädigung auch funktionieren, wir bauen doch keine Gene aus der Nahrung in unseren Körper ein). Die gibt es hingegen bei Zigarettenkonsum. Ich gehe mal davon aus, Du bist (wie ich) Nichtraucher.

  5. #5 Wizzy
    9. September 2015

    Meines Erachtens ist es ein Versagen der Wissenschaft(-svermittlung), wenn man die Argumente typischer Gentechnik-Gegner anschaut. Die argumentieren nämlich nie (außer Sie hier, das ist neu) mit persönlichen Vorlieben, sondern nach meiner Erfahrung zu 100% mit unterstellter Gefährlichkeit der GM-Produkte, als gekauft bezeichneter Studienlage bzw. mit der angeblichen abgrundtiefen Bosheit der GM-Produkte vertreibenden Unternehmen, welche die wissenschaftliche Studienlandschaft kontrollieren würden.

  6. #6 Jürgen Schönstein
    9. September 2015

    @Adent

    Ja, absolute Kennzeichnungspflicht jeder Gentechnik, da bin ich voll dabei. Dann wird der Verbraucher endlich darüber aufgeklärt, was er schon seit ca. 15 Jahren isst, cremt, einnimmt und trinkt. Dazu noch aus meiner persönlichen Sicht Verbot jeglicher Lobbyarbeit.

    Na, dann sind wir uns ja schon ziemlich einig.

    @Alderamin
    Tut mir leid, aber der Imfgegnerstrohmann wurde von Dir hier aufgestellt. Denn die ist nunmal mit der breiten (!) Ablehnung von GMO nicht vergleichbar, aus oben beschriebenen Gründen: Nur etwa ein Prozent der Eltern in Deutschland lehnt Schutzimpfungen ab, und so ein einzelnes Prozent an Spinnern findet man in praktisch jedem “Wissens”gebiet, selbst bei bester Aufklärung (es gibt vermutlich mehr Deutsche, die glauben, dass sich die Sonne um die Erde dreht*). Der Haken ist doch, dass die von GMO profitierende Industrie zwar Milliarden für Lobbyarbeit und für Prozesse ausgibt, aber herzlich wenig dafür tut, die VerbraucherInnen ernst zu nehmen. Um beim Impfvergleich zu bleiben: Nach dieser Logik müssen wir uns alle gegen Schnupfen impfen lassen, weil sonst keine Impfstoffe gegen Ebola entwickelt werden können.

    *Nachtrag: Erschreckende 34 Prozent der Europäer glaubten noch in diesem Jahrzehnt, dass sich die Sonne um die Erde dreht – wie hier in Tabelle 7-8 (Seite 23 des pdf-Dokuments) nachzulesen ist.

  7. #7 Realistischer
    12. September 2015

    @Adent
    “Und darüber hinaus gilt all dies auch für die weiße und rote Gentechnik, da regt sich nur keiner mehr drüber auf”
    Warum wird immer die Umwelt vergessen? Es ist schon ein wesentlicher Unterschied ob in geschlossenen Laboren und Prozessen Gentechnik eingesetzt wird, oder ob die freie Biologie damit versetzt wird. Das wissen alle, ausser die auf ihre kleines Fachgebiet spezialisierten Experten – weswegen es auch keine Frechheit ist das zu sagen sondern eine Notwendigkeit!

  8. #8 Adent
    13. September 2015

    @Realistischer

    Das wissen alle, ausser die auf ihre kleines Fachgebiet spezialisierten Experten – weswegen es auch keine Frechheit ist das zu sagen sondern eine Notwendigkeit!

    Das ist nicht nur eine Frechheit sondern auch noch dreist, erst unterstellen sie den “auf ihr kleines Fachgebiet spezialisierten Experten” die Umwelt zu vergessen (Belege dafür sonst Strohmann) und damit begründen Sie dann das von Ihnen gesagte.
    Okay, drehen wir es doch mal um, warum vergessen Leute wie Realistischer immer, dass andere Menschen (sogar Spezialisten) deutlich mehr wissen und beachten als sie selbst, wesewegen Leute wie Realistischer dann schnell sehr unglaubwürdig werden?