Wenn’s um gentechnisch modifizierte Nahrungsmittel geht, wird die Diskussion ja schnell emotional und polarisiert, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Ich habe in meinem Blog schon mehrfach Position – und gelegentlich dafür dann auch kommentarische Prügel – bezogen. Doch die Diskussion ist es mir wert. Und darum verlinke ich heute mal auf einen Meinungsbeitrag in der aktuellen New York Times, in der Jason Kelly eine Kennzeichnungspflicht für genetisch modifizierte Zutaten in Nahrungsmitteln plädiert, die weit über das hinausgeht, was aktuelle US-Gesetzesentwürfe fordern. Warum ist der Artikel bemerkenswert? Weil Jason Kelly der Gründer und Leiter der Biotech-Firma Ginko Bioworks ist und sein Beitrag (in der Druckausgabe) die schlichte, aber unerwartete Überschrift trägt I make G.M.O. Food. Label it. (zu deutsch: Ich stelle GMO-Lebensmittel her. Kennzeichnet sie.) – seine Begründung werden Leute, die meine entsprechenden Beiträge hier aufmerksam gelesen haben, vielleicht sogar wiedererkennen:

Foods with bioengineered ingredients are safe, but shrouding them in secrecy breeds doubt and fear. Clear, informative labeling is a first step toward transparency that can build trust and educate consumers. But trust has to go both ways: Biotechnology companies and food producers must trust consumers to educate themselves and make informed decisions.

Mit anderen Worten: Vertrauen beruht auf Transparenz. Und im Prinzip das Gleiche hatte ich hier schon mal gesagt

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Kommentare (10)

  1. #1 Hobbes
    16. Mai 2016

    Die FDP hatte vor etwa 5 Jahren auch den Vorschlag gemacht alle GMOs rigoros zu kennzeichnen. Die Grünen liefen Sturm dagegen.
    Genauer gesagt war der Vorschlag von dem “Forum Grüne Vernunft” GMO-Kritiker haben darauf hin aber befürchtet das wenn überall “Gentechnik” drauf steht die Leute merken wie ungefährlich das ist und es seinen Schrecken verliert.

  2. #2 roel
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    17. Mai 2016

    @Jürgen Schönstein “Vertrauen beruht auf Transparenz.” Das ist wohl einer der wichtigsten Punkte, der leider nicht oft berücksichtigt werden.

    @Hobbes Die FDP Position habe ich gefunden, hast du einen Link auf den Sturmlauf der Grünen?

  3. #3 roel
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    17. Mai 2016

    @Jürgen Schönstein ich verlinke mal auf die Meinung von Ralph Bock (Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für Molekulare Pflanzenphysiologie in Golm bei Potsdam)

    http://www.laborjournal.de/essays2015/e15_01.lasso

    “Um es vorab ganz klar zu sagen: Ich bin für Wahlfreiheit und für konsequente Kennzeichnung aller Produkte.”

    und

    “Vollständige Kennzeichnung hieße schon heute Gentechnik-Aufdrucke überall im Regal: auf sehr vielen Lebensmitteln (vom Käse bis zur Wurst), auf nahezu allen Medikamenten – und auch unsere schönen, bunten Euro-Geldscheine würden einen Aufdruck tragen, der darauf hinweist, dass sie aus gentechnisch veränderter Baumwolle hergestellt wurden”

  4. #4 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/05/18/empowerment/
    18. Mai 2016

    Ein Aufdruck kann zwar als Warnung missverstanden werden, aber da viele Menschen ohnehin misstrauisch sind, ist die Flucht nach vorne, ein Spiel mit offenen Karten, eine Strategie, zu der ich auch raten würde.

  5. #5 Jens Wesemann
    18. Mai 2016

    Es ist sicher nur ein lustiger Zufall, dass Jason Kelly und seine Bioworks an neuen Pestiziden für die Ökoindustrie arbeiten.

  6. #6 Adent
    24. Mai 2016

    @Jürgen

    Foods with bioengineered ingredients are safe,

    Ich spiel mal den Advocatus diaboli. Bist du (oder Jason Kelly) da zu 100% sicher? Hat man die Folgen für das globale Ökosystem udn alle Nichtzielorganismen schon analysiert (natürlich bis ins kleinste Detail)?
    Wir hatten kürzlich in einer Diskussion den interessanten Beitrag (als gedankliche Provokation natürlich), dass ja alle Produkte von zugelassenen gentechnisch veränderten Organismen in Europa gekennzeichnet werden müssen. Nunja, was produziert denn so eine Pflanze in der Regel in Massen?
    Genau, Sauerstoff und ist der gekennzeichnet? Das heißt seit Jahren atmen wir GMO Sauerstoff und das auch von in Europa nicht zugelassenen Pflanzen, da sich der blöde Sauerstoff nicht an Grenzen hält.

  7. #7 Bullet
    25. Mai 2016

    @ Adent:

    Hat man die Folgen für das globale Ökosystem udn alle Nichtzielorganismen schon analysiert (natürlich bis ins kleinste Detail)?

    Diese Frage ist unredlich, und das weißt du auch.
    Und obendrauf gibt es noch ganz andere “Folgen für das globale Ökosystem”, das im übrigen ständig im Fluß ist und nicht in Stein gemeißelt.

  8. #8 Adent
    26. Mai 2016

    @Bullet
    Richtig, das ist aber genau die Frage, mit der man sich in jeder Diskussion mit Gentechnikgegnern rumschlagen muss. War das gleiche jetzt letzte Woche bei Glyphosat, der Mathematiker in der Diskussion hat es auf den Punkt gebracht, 100% Sicherheit gibt es nirgends, genau die wird aber für Gentechnik gefordert.

  9. #9 Jürgen Schönstein
    27. Mai 2016

    @Adent #6
    Das ist (und ich bin mir sicher, dass Du das auch genau weißt) ein Strohmann. Schau doch mal auf eine x-beliebige Nahrungsmittelpackung – dort wirst Du eine vorgeschriebene Liste der Zutaten finden. Und die enthält durchaus Sammelbegriffe/Kategorien/Verallgemeinerung, und keineswegs jedes letzte Molekül in genauer Mengenverteilung – sonst wäre es ja ganz einfach, das Rezept für Coca Cola rauszufinden, das wie ein Schatz gehütet wird: Es stünde auf jeder Flasche. Kennzeichnungspflicht schließt immer mit ein, dass definiert wird, was kennzeichnungspfichtig ist. In den USA beispielsweise ist es vorgeschrieben, den Verpackungsinhalt zu beschreiben – doch niemand würde erwarten, dass dabei auch die in der Packung enthaltene Luft, womöglich sogar in ihrer Zusammensetzung aus Sauerstoff, Stickstoff, Kohlendioxid, Edelgasen etc. aufgeführt werden muss.

  10. #10 roel
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    27. Mai 2016

    @Jürgen Schönstein

    Adent meint nicht nur in Produkten verarbeiteten und in Produktverpackungen beinhalteten Sauerstoff, sonder auch den Sauerstoff der Luft als solches. Das läßt sich weiter spinnen und es sind dann nicht nur alle Kulturpflanzen gentechnisch verändert (laut Adent!), sondern alle Lebewesen können dann durch Aufnahme von zB. O2 oder CO2 oder Wasser Produkte gentechnisch veränderter Pflanzen aufnehmen.

    Aber diese gedanklichen Provokation beruht auf Gendankenfehler.