Wer aus aktuellem Anlass fragt, warum Menschen sinnlos auf Menschen schießen – eine Antwort ist: weil sie können. Das Beispiel USA zeigt den Zusammenhang zwischen Schusswaffen-Verfügbarkeit und Schusswaffen-Opfern* so deutlich, dass man es eigentlich nicht mehr übersehen kann:
NYTimes-Schusswaffengrafik
(Die Grafik aus der heutigen New York Times ist auf die Einwohnerzahlen normiert, d.h. sie zeigt, wie viele Schusswaffentote es in den jeweiligen Ländern gäbe, wenn sie die gleiche Einwohnerzahl wie die USA hätten.)

* In den USA sind fast viermal so viele Waffen pro Person um Umlauf wie beispielsweise in Deutschland.

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Kommentare (72)

  1. #1 Omnivor
    Am Nordpol von NRW
    16. Juni 2016

    “When guns are outlawed only outlaws will have guns.”
    Was ist das Problem dabei?
    Fall 1) Keiner hat Waffen: Outlaw bricht ein, Oma vertreibt ihn mit dem Besenstiel.
    Fall 2) Nur Outlaw hat Schußwaffe: Er bedroht Oma, die rückt ihren Schmuck raus.
    Fall 3) Oma hat auch ne MP:
    Unterfall a) Outlaw schießt Oma vorsichtshalber tot.
    b) Oma zeigt die MP stolz dem Enkel, der
    schießt sie aus Versehen tot.
    c) Oma schießt den Outlaw vorsichtshalber tot.
    Der hatte aber keine Waffe und wollte eigentlich nur nach dem Weg fragen.
    Jeweniger Waffen es gibt, desto weniger Unschuldige sterben. Das Geld für die private Bewaffnung ist bei der Polizei für bessere materielle und personelle Ausstattung sehr viel besser aufgehoben.

  2. #2 Ishmael
    16. Juni 2016

    Auch das ist nachweislich falsch. Ein amerikaweites Gesetz zur Einschränkung solcher “Assault Weapons” gab es mal, für zehn Jahre – aber es ist seit 2004 außer Kraft.

    Herr Schönstein, in Ihrer Quelle ist von “semi-automatic” und “large capacity magazines” die Rede.

    Außerdem:

    Neither the ban nor its expiration changed the legal status of automatic firearms.

  3. #3 UMa
    16. Juni 2016

    @Jürgen Schönstein
    danke. Aber kann man irgendwie prüfen, ob die höhere Anzahl der Tötungsdelikte mit Schusswaffen in den USA an der Häufigkeit der Schusswaffen liegt, oder ob dort auch eine, im Vergleich zu Lateinamerika geringere, aber zu Europa doch deutlich höhere Anzahl an sozialen Konflikten, Bandenkriegen und Drogen die Hauptursache ist?
    Und gibt es erheblich Unterschiede zwischen den einzelne Staaten innerhalb des USA?

  4. #4 Jürgen Schönstein
    16. Juni 2016

    @Ishmael
    Fallen Sie bitte nicht auf die NRA-Propaganda rein, die hier irgend einen grundsätzlichen Fehler entdeckt haben will. Es geht um Assault Weapons, die solche halbautomatischen Waffen mit einschließen. Dass diese, militärtechnisch betrachtet, keine Assault Rifles sind, spielt dabei wirklich keine Rolle. Und es ist, aus praktischen Gesichtspunkten, auch nicht erkennbar, was an einer Waffe, die dank einer Halbautomatik “nur” drei Schuss pro Sekunde = 180 Schuss pro Minute abfeuern kann, so wesentlich anders wäre als an einer Waffe, die es auf bis zu 700 Schuss pro Minute bringt. Beides sind irrsinnige Tötungswaffen – und wurden, wie ja nun wirklich nicht bestreitbar ist, immer wieder zu irrsinnigen Tötungen verwendet.

  5. #5 Henning
    17. Juni 2016

    Wo ist das Problem? Das Volk wünscht es und bekommt es. Waffenkuktur ist auch Kultur. Wir sollten ihnen die Möglichkeit geben, sich zu entwickeln.

  6. #6 ralph
    17. Juni 2016

    “Wie wär’s damit, dass jährlich rund zwei Millionen Deutsche als Touristen in die USA reisen?”
    Da war ich skeptisch, aber auch damit haben Sie leider recht.

    In den USA kommen bald so viele Menschen durch Schusswaffen ums Leben wie durch motorisierte Fahrzeuge. Erstere Zahl steigt tendenziell, letztere nimmt ab.
    Zudem ist die Chance durch einen Verkehrsunfall zu sterben in den USA mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland oder anderswo in Europa. Ist zwar nicht das Thema, aber überrascht. Schliesslich gibts in den USA ein Tempolimit. Wie kommt das eigentlich?

    Demnach ist das Risiko in den USA eines gewatltsamen Todes zu sterben 4 bis 5 mal höher zu sein als in Deutschland.

  7. #7 gedankenknick
    18. Juni 2016

    @ralph: “Zudem ist die Chance durch einen Verkehrsunfall zu sterben in den USA mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland oder anderswo in Europa. […] Schliesslich gibts in den USA ein Tempolimit.”

    In den USA haben Autobauer andere Sicherheitsvorschriften. So sind z.B Sicherheitsgurte nicht unbedingt pflicht, jedoch muss das KFZ mit einer unzahl Airbags und einem Mindesmaß an “Knautschzone” im Innenraum (Armaturenbrett, Himmel usw.) Europäische Autobauer haben da gerade bei Kleinwagen immer ein Problem, die geforderten “Mindestdicken” bei der Deckenverkleidung hinzubekommen.

    Nun ist der Gurt (samt solchen Zusatzentwicklungen wie aktiven Gurtstraffern) eines DER lebensrettenden Sicherheitsteile bei Unfällen bei höheren Geschwindigkeiten – also alles über 30km/h. 55mph sind knapp 90km/h; 65mph sind knapp 105km/h. Unfälle bei diesen Geschwindigkeiten gelten gemeinhin als prinzipiell tötlich – die Geschwindigkeitsbeschränkung selber (und nur für sich) würde also nur helfen, wenn man sie so tief ansetzt, dass Autofahren großteils unattraktiv würde.

    Ein weiterer Grund könnte sein, dass die langen geraden Straßen in den USA für Unaufmerksamkeit beim Fahrer sorgen, insbesondere im Zusammenhang mit einem haufen Assistenzsystemen wie Spurhalteassistent, Tempomat usw. Ich habe mal gehört, in D würden (angeblich) 4% zusätzliche Strecke nur für Kurven eingeplant, damit die Fahrer “was zu tun” haben – dies könnte aber auch ein Mythos sein.

  8. #8 Laie
    18. Juni 2016

    Sind Waffen + Männer (wenn beides zusammentrifft) das Problem, wie verhält sich das zu Waffen + Frauen. Gibt es hier einen Gender-gap?

  9. #9 Jürgen Schönstein
    18. Juni 2016

    @Laie
    Wie diese Statistik zeigt, gibt es in der Tat einen “Gender Gap”: Von den 72 Massakern, die es zwischen 1982 und 2015 in den USA gab, wurden 70 von Männern ausgeführt, und zwei von Frauen. Über die Ursachen dieser Gender-Unterschiede, wenn es um bewaffnete Gewalt geht, macht sich dieser Artikel ein paar Gedanken.

  10. #10 ralph
    19. Juni 2016

    @gedankenknick
    danke für die Antwort. Da auch in den USA generelle Gurtanledepflicht besteht, liegt es wohl an der Anlegequote. In den USA sind faktisch 5 mal so viele Menschen nicht nicht angeschnallt wie in Deutschland.

  11. #11 Laie
    19. Juni 2016

    Danke @Jürgen Schönstein. Einen derart starken Gender-Gap -Faktor 35 – hätte ich nicht erwartet. Man könnte fast vermuten, die Konfliktlösungskompetenzen sind bei teilen von Männer grundsätzlich verkehrt (antrainiert?) worden, soferne nicht wie andere meine genetische Ursachen einer Rolle spielen. (von mir wertfrei gefragt)

    Ein Waffenverbot wäre ja nicht mal so schlecht, nur ist das in den USA ein no-go. Vielleicht könnten nicht tödliche Verteidigungswaffen den Amerikanern als (Zwischen-)lösung mehr Frieden bringen?

  12. #12 Stephan
    20. Juni 2016

    @Jürgen Schönstein

    Es ist schon was her, aber ich will mich noch die ausführliche Antwort und die interessanten Links bedanken. Konnte noch nicht alles ausführlich Lesen, aber das werde ich nachholen.

    Danke nochmal und viele Grüße

  13. #13 Anderer Michael
    21. Juni 2016

    Waffentechnik ist manchmal kompliziert, ich will mich nicht als Kenner aufspielen. Nur mit halbautomatischen Sportwaffen, wie sie in Deutschland üblich und im Deutschen Sportschützenbund benutzt werden, (mir ist nur die SpoPi = Sportpistole bekannt , aber auch die Schnellfeuerpistole,jeweils halbautomatische Selbstlader) kann man unmöglich 180 Schuss in der Minute von sich geben.
    Herr Schönstein, verstehen Sie dieses lediglich als Ergänzung. Die Kernaussagen Ihrerseits möchte ich nicht anzweifeln. Sie haben selber geschrieben, dass olympische Sportwaffen nicht unbedingt die Waffen sind, die unter das US-Recht zum Waffenbesitz fallen könnten. Nur häufig wird eben vieles in einen Topf geworfen.

  14. #14 Jürgen Schönstein
    21. Juni 2016

    @Anderer Michael
    Wie ich schon geschrieben habe: Mit dem deutschen/internationalen Sportschießen hat das US-Waffengesetz (und auch die Waffenkultur, die hier Verfassungsrang genießt) exakt nichts gemeinsam. Die Waffen, um die es hier geht, sind auch ausdrücklich nicht als Sportwaffen konzipiert und auch zur Jagd ungeeignet – ihr einziger Zweck ist die “Selbstverteidigung” (ich setze das in Anführungszeichen, weil es praktisch kaum Beispiele dafür gibt, dass sie diesen Zweck tatsächlich erfüllen). Und im Sinn der Selbstverteidigung sind sie dann konsequenter Weise dazu konzipiert, Menschen zu töten. Und ja, diese Waffen sind, selbst als Halbautomaten, so ausgelegt, dass sie mit einem Druck am Abzugshebel drei Schüsse innerhalb einer Sekunde abfeuern können – macht, zumindest theoretisch, eine Schussfrequenz von 180 (3 mal 60) pro Minute.

  15. #15 Anderer Michael
    21. Juni 2016

    Waffentechnik ist nicht immer leicht zu verstehen, jedenfalls für mich. Wenn man mit einem Druck auf den Abzug eine Salve von drei Schuss auslöst ,hat .man eigentlich eine vollautomatische Waffe. Die AR 15 ist ein selbstladender Halbautomat, d.h. pro Durchziehen des Abzuges ein Schuss, darauf erfolgt ein Selbstlademechanismus, so dass man sofort wieder schießen kann, bis das Magazin leer ist. Die militärische Variante (M16 oder so ähnlich) ist eine vollautomatische Waffe (ungenau auch als Typbezeichnung wird manchmal der Begriff “Sturmgewehr” verwendet). Weil der geringe Rückstoß zu einem hohen Munitionsverbrauch führte, baute man als Verringerung eine Salve von drei Schuss pro Feuerstoß ein (es gibt auch Varianten ohne diese Begrenzung). Das AR 15 kann man nachträglich aufrüsten, sodass es an die Leistung der miltärischen Version heranreicht. Wie das genau geht, ist mir unbekannt. Die Amokläufe wurden häufig mit halbautomatischen Waffen mit sehr großen Magazinen begangen (funktionell sind sie dann im Prinzip fast “vollautomatische Waffen”, nur treffungenauer ) Ob man die AR 15 dann noch als halbautomatischen Selbstlader bezeichnen kann (sofern außer größerem Magazin weitere Änderungen vorgenommen werden), weiß ich nicht.Wohl nicht, sowie ich das deutsche Waffenrecht verstanden habe. Wahrscheinlich ist das auch der Grund für die Diskussion um assault weapon oder assault rifle.
    Mit den selbstladenden Pistolen im deutschen Sportschützenbereich kann man praktisch unmöglich 180 Schuss pro Minute abgeben. Das Magazin umfasst 6 Schuss, im sportlichen Bereich mit fünf gefüllt. Verschiesst man diese, muss man das Magazin herausnehmen, neu laden, wieder einsetzen,das dauert. Lässt man die Ladezeiten außer Betracht und nimmt nur die Schusszeiten, dann ist man theoretisch, aber praktisch undurchführbar, bei 180 Schuss pro Minute. Was aber wenig Sinn macht, weil man kaum treffen würde.
    Im Deutschen Sportschützenbund gibt es im Gewehrbereich keine Diziplinen bei denen vollautomatische Waffen (wären sowieso verboten) oder halbautomatische (=selbstladend) Waffen verwendet werden, Mehrlader müssen als Einzellader genutzt werden.
    Auch wenn ich keinerlei Erfahrung habe, würde ich von meinem Gefühl her Ihnen recht geben, dass ein AR 15 zur Selbstverteidigung nicht viel taugt, es sei denn man hat ein Gefecht mit Stellungsschießen, wie im 19.Jahrhundert. Geeignet wären theoretisch (alle sonstigen Aspekte nicht berücksichtigt) kurzläufige kleine halbautomatische Waffen mit geeigneter Munition (hohe Mannstopwirkung) und schnellen Wechselmagazinen.. Und eine gute Ausbildung und regelmäßiges Üben. Eine Kleinkalibersportpistole ist schon wegen ihrer Größe als Verteidigungswaffe ungeeignet (nicht aber wegen ihrer Munition. Diese kann entgegen landläufiger Meinung durchaus verheerende Wirkung haben)
    Für´s vermeintliche Ego macht ein AR 15 mehr her als eine “Damen”pistole.

  16. #16 Jokep
    22. Juni 2016

    Jürgen Schönstein:

    Und ja, diese Waffen sind, selbst als Halbautomaten, so ausgelegt, dass sie mit einem Druck am Abzugshebel drei Schüsse innerhalb einer Sekunde abfeuern können – macht, zumindest theoretisch, eine Schussfrequenz von 180 (3 mal 60) pro Minute.

    Ich glaube, hier gibt es ein Missverständnis. Sobald eine Waffe mit einer Abzugsbetätigung mehr als einen Schuss abfeuert, handelt es sich nicht mehr um eine “halbautomatische” Waffe, sondern um eine “vollautomatische”. Dabei ist egal, ob es nur zwei Schuss sind oder so viele, wie das Magazin enthält.

    Anderer Michael:

    Im Deutschen Sportschützenbund gibt es im Gewehrbereich keine Diziplinen bei denen vollautomatische Waffen (wären sowieso verboten) oder halbautomatische (=selbstladend) Waffen verwendet werden

    Das stimmt, aber der DSB ist nicht der einzige Schießsport-Veranstalter; auch in Deutschland werden dynamische Disziplinen wie z.B. IPSC praktiziert – dafür braucht man u.U. tatsächlich ein halbautomatisches Gewehr (siehe http://www.ipsc.de). Es gibt also durchaus sportliche Gründe, warum man so eine Waffe besitzen möchte. Über die Magazinbeschränkungen kann ich nichts sagen, das ist ziemlich kompliziert bei Euch. 🙂

    Auch wenn ich keinerlei Erfahrung habe, würde ich von meinem Gefühl her Ihnen recht geben, dass ein AR 15 zur Selbstverteidigung nicht viel taugt

    Da stimme ich sofort zu – ich bin übrigens auch der Ansicht, dass eine Pistole nicht wirklich zur Selbstverteidigung taugt. Die beste Technik zur Selbstverteidigung ist immer noch deeskalieren oder weglaufen!

    LG
    Jokep

  17. #17 Anderer Michael
    22. Juni 2016

    Jokep, danke für die Ergänzungen.
    ImPrinzip stimme ich Ihrer Aussage zu, ” Die beste Technik zur Selbstverteidigung ist immer noch deeskalieren oder weglaufen!”.
    Nur war ich noch nie in Situationen, die irgendwie gefährlich waren so dass es blanke Theorie meinerseits ist. Ich erinnere mich an einen Fernsehbericht über den US- amerikanische Waffenträgerverband. Eine ältere Funktionärin berichtete, sie wolle nie wieder die Hilflosigkeit erleben, als ihr vor längerer Zeit eine geladene Waffe mehrere Minuten an die Schläfe gehalten wurde. Wehrhaftigkeit ,egal in welcher Form, ist in Deutschland leider für Opfer oder Nothilfe Leistende ein Problem, wie mehrere Gerichtsurteile oder Anklagen belegen.

  18. #18 Jürgen Schönstein
    22. Juni 2016

    @jokep @Anderer Michael
    Da bin ich in der Tat einer Misinformation zum Opfer gefallen. Bei Halbautomaten muss jeder Schuss mit einem Druck am Abzug ausgelöst werden. Standardmagazine haben eine Kapazität von 30 Patronen, aber auch Magazine mit doppelter Kapazität werden angeboten. Doch nehmen wir mal an, der Amokläufer hat nur die normalen Magazine; das Wechseln dauert für geübte Schützen etwa zwei bis drei Sekunden – geben wir einem relativen Anfänger mal sechs Sekunden dafür. Zum Leeren eines solchen Magazins braucht man – ich hab’s einfach mal mit einem klobigen Küchengerät simuliert, das auch eine Art Abzug hat und gerne mal ein bisschen klemmt – auch ohne Übung etwa acht Sekunden. Sagen wir neun, dann komm man auf eine Viertelminute für eine “Runde” von 30 Schüssen, nebst Nachladen. Also selbst ein ungeübter Schütze kann, vor allem wenn er nicht wirklich zielen muss, weil er einfach in die Menschenmenge ballert, leicht mehr als hundert Schüsse in einer Minute abgeben. Das ist Irrsinn! Und es ist dabei ziemlich egal, welche waffentechnische Feinheiten man hinterher diskutiert – die Idee dieser Waffen war und ist, möglichst schnell möglichst viele tödliche Projektile abzufeuern.

    Man kann natürlich aus allem einen Sport machen. Aber genau das ist doch gar nicht der Fall: Sportschützen – ich war, falls das jemanden überraschen wird, vor langer, langer, langer Zeit selbst mal einer – bestehen schon aus Prinzip auf sorgfältiger Ausbildung, auf Training, und auf verantwortungsvollen Umgang mit Waffen. Doch die genannten Knarren kann jeder, ohne Training, ohne Nachweis auch nur der Mitgliedschaft in einem Sportschützenverband kaufen. Ich bin mir sicher, dass echte Sportschützen auch in den USA auch bei einer strengeren Waffenerwerbskontrolle und -Lizensierung keine Probleme hätten, ihren Sport auszuüben.

  19. #19 Jürgen Schönstein
    22. Juni 2016

    @Anderer Michael

    Eine ältere Funktionärin berichtete, sie wolle nie wieder die Hilflosigkeit erleben, als ihr vor längerer Zeit eine geladene Waffe mehrere Minuten an die Schläfe gehalten wurde.

    Es ist anzunehmen, dass sie – falls sie versucht hätte, nach einer Waffe zu greifen – in diesem Fall diese Hilflosigkeit für “mehrere Minuten” in der Tat nicht erlebt hätte, sondern gleich eine Kugel in den Kopf bekommen hätte. So einfach, wie sich viele das vorstellen, ist das Schießen mit einer scharfen Waffe unter Stress halt nicht. Selbst New Yorker Polizisten, die ja zu den am besten ausgebildeten der Welt zählen und regelmäßige Tests auf dem Schießstand absolvieren müssen, tun sich schwer, in akuten Situation überhaupt etwas zu treffen. Beweise? So zynisch es scheinen mag, diesen Fall als Beleg zu nehmen: von den 41 Schüssen, die vier Polizisten auf den unbewaffneten (!) Amadou Diallo abfeuerten, gingen mehr als die Hälfte (22!) daneben. Und das ist – leider – ziemlich typisch in solchen Fällen. Diese das Böse ausmerzenden Heldenphantasien, die mit dem Erwerb der Waffen leider oft einher gehen, sind genau das: Phantasien.

  20. #21 gedankenknick
    23. Juni 2016

    Rüstet man ein MG42 auf Semi-Auto um und verspricht, dass niemals mehr als 10 Schuss im Gurt sind, ist auch das Teil in den USA legal: https://www.calguns.net/calgunforum/showthread.php?t=589877 Eine Standard-Gurtkiste hat 120 Schuss im Gurt. Letzthin ist aber ein Gurt in JEDER Länge möglich, nur Gewicht und Volumen werden mit (noch) längeren Gurten äußerst unhandlich…

    Für die Weiterentwicklung – das MG3 der Bundeswehr – gilt das gleich. Eine Standard-Munitionskiste DM2 fasst – wenn ich mich korrekt erinnere – 200 Schuss. Nach zwei Kisten im Vollauto-Modus war der Lauf wegen Überhitzungsvermeidung zu wechseln…

    Wozu und wie man soetwas zum “Selbstschutz” benutzen könnte bleibt mir rätselhaft…

    Nebenbei: Die Aufrüstung auf allen Seiten hat nur weiere Aufrüstung zur Folge – sowohl bei Waffen/Munition (Durchschlagskraft) als auch bei Defensivschutz wie “kugelsicheren Westen”. Ich erinnere mich an einen Bericht über einen Banküberfall in den USA, wo der Täter einen selbst konstruierten “kugelsicheren Anzug” trug, welchen die Polizei mit den “üblichen Waffen” nicht überwinden konnte. Das SWAT-Team hat es dann “gerichtet”… Ich glaube, es war das hier: https://de.wikipedia.org/wiki/North-Hollywood-Schie%C3%9Ferei Zynisch, das alles.

  21. #22 Anderer Michael
    24. Juni 2016

    Herr Schönstein ,
    hoffentlich werde ich nicht falsch verstanden. Ich will keineswegs einer allgemeinen Aufrüstung im privaten Bereich das Wort reden. Ich bin aktiver Sportschütze seit langer Zeit. Dass die Pflichten zur sicheren Aufbewahrung in Deutschland deutlicher und genauer formuliert worden sind, finde ich richtig und ich kenne auch keinen Sportschützen der anderer Meinung ist. In Deutschland wird aber vieles vermengt und manchmal hat man das Gefühl, der legale Waffenbesitzer wäre per se ein gefährliches und asoziales Element (bezieht sich nicht auf Ihren Blogbeitrag).
    Zum Thema: Ich finde es nicht schlimm, wenn Sie sich geirrt haben. Wie gesagt Waffentechnik ist schon etwas verwirrend. Nachdem diese im SB schon häufiger Thema war, habe ich mich intensiv belesen, möchte jedoch keineswegs behaupten deswegen Spezialist zu sein.Allerdings möchte ich Sie ergänzend kommentieren. Zum Wechsel der Magazine: Sie haben es mit Küchengeräten simuliert, ich an meiner Sportpistole. Ich brauchte vier – sechs Sekunden (reiner Wechsel, ohne Laden des Magazins). Es geht aber noch schneller,scheinbar blitzschnell. Durch den Hinweis von Jokep auf IPSC habe ich mir einige Videos angeschaut. Eine komplett andere und unbekannte Welt für mich , dagegen ist Sportschießen dem Anschein nach eine altbackene Senioren/innenveranstaltung.
    Auf dem verlinkten Film sieht man eine russische Sportlerin (oder Waffenträgerin ? Sportschützin?) welche mit einem halbautomatischen Gewehr schießt (in Bewegung auf verschiedene Ziele). Bei dem Gewehr handelt es sich um eine Saiga 340 (stand im Vorspann), die Munition ist vom Kaliber 12. Das Magazin umfasst 10 Schuss( ich habe gezählt) und wirkt groß. Der Wechsel geht blitzschnell, wenn man nicht darauf achtet, bekommt man ihn nicht mit.Sie lässt das leere Magazin fallen und steckt in Bewegung ein neues ein, die Magazine befinden sich am Gürtel der Hose. Man bekommt einen Eindruck, wie ein Attentäter schnell ,und wenn er geübt ist, präzise in einer Minute 50 -100 Schuss schießen kann ( es ist natürlich unfair, wenn ich dieses im Zusammenhang mit dieser Schützin formuliere,ich hoffe keiner versteht das falsch).Hat man eine kleinkalibrigere Munition passen natürlich mehr Patronen hinein.
    Jetzt der Link:
    https://www.youtube.com/watch?v=uwOaeuZ95rU
    Link zur Saiga 340
    https://www.all4shooters.com/de/Shooting/Waffenkultur/Kalashnikov-Concern-sponsor-2015-weltmeisterschaft-ipsc-shotgun/

    Bitte eine Frage an Sie, Herrr Schönstein:
    Dazu hat mein Englisch nicht ausgereicht. Wenn von einer Änderung der AR 15 Halbautomatik die Rede ist, bezieht sich das darauf, dass man durch technische Modifikation eine Vollautomatik hervorbringt oder geht es darum, dass man große Magazine an die Waffe bringt, mit der Konsequenz , dass man zwar noch eine Halbautomatik hat, funktionell diese aber an die Leistungen einer Vollautomatik heranreicht

    Noch einige Bemerkungen:
    1.Sie haben vollkommen recht, als Ungeübter mit großkalibrigen Waffen zu schießen und in der Distanz zu treffen, ist nahezu unmöglich, zumindestens sehr schwierig.
    2. Durch ein Verbot legaler Waffen hat man kaum ein Problem gelöst, Kriminelle und Attentäter finden Wege, um sich zu bewaffnen. Die technischen Möglichkeiten der Drei- D-Drucker will ich nur erwähnen.
    3. In der Bevölkerung entsteht immer mehr das Gefühl von Schutzlosigkeit, das Vertrauen in die Polizei und den Staat sinkt deutlich. Die Anträge auf Erteilung eines Kleinen Waffenscheines haben stark zugenommen. Das nur auf die Ereignisse der Kölner Domplatte zurückzuführen, ist nicht richtig. Seit Jahren veliert unser Staat vollkommen unabhängig von der aktuellen Situation immer mehr das Vertrauen seiner Bürger/innen.