Dieser Artikel in der heutigen New York Times versucht zu erklären, warum Amokschützen so oft auch eine Vorgeschichte haben, in der sie ihre Lebenspartnerinnen misshandelt haben – und warum solche Personen sich besonders zu einer Terrororganisation wie Daesh/ISIS hingezogen fühlen: Control and Fear: What Mass Killings and Domestic Violence Have in Common. Eine Erklärung liegt schon in den Begriffen: Häusliche Gewalt, die typischer Weise dazu dient, die Kontrolle eines Mannes über eine Frau zu manifestieren, sei nichts anderes als “intimer Terrorismus” – die Mechanismen, mit denen der Haustyrann seine Partnerin unterdrückt seien im Prinzip vergleichbar mit den Mechanismen, die ISIS benutzt, um Frauen zu unterdrücken. Und es sei – das ist eine Schlussfolgerung – vermutlich vor allem diese Re-Etablierung der männlichen Dominanz, die solche Typen zu solchen Terrororganisationen hinzieht. Auf alle Fälle lesenswert und einer Diskussion würdig.

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Kommentare (14)

  1. #1 Robert aus Wien
    16. Juni 2016

    Häusliche Gewalt, die typischer Weise dazu dient, die Kontrolle eines Mannes über eine Frau zu manifestieren

    Diese Liste ist bekannt?
    https://web.csulb.edu/~mfiebert/assault.htm

  2. #2 Jürgen Schönstein
    16. Juni 2016

    @Robert aus Wien
    Um semantische Missverständnisse zu vermeiden: Der Satz von der “häuslichen Gewalt, die typischer Weise dazu dient, die Kontrolle eines Mannes über eine Frau zu manifestieren” war nicht als Definition von “häuslicher Gewalt” allgemein zu verstehen, sondern als die Kategorie von häuslicher Gewalt, die “dazu dient, die Kontrolle eines Mannes über eine Frau zu manifestieren”. Es gibt leider viele Formen der häuslichen Gewalt. Ansonsten halte ich mit dieser statistischen Übersicht und diesem Bericht des US-Justizministeriums dagegen:

    Women were about 6 times more likely than men to experience violence committed by an intimate.

  3. #3 Joachim
    16. Juni 2016

    Oh Gott, schon wieder ein Genderwahnartikel in dem der Mann dann wieder als das Urböse identifziert werden. Solche Gedankenansätze könnten nur dann in die richtige gehen, wenn keine Frauen bei Terrorgruppen wären. Dabei gibt es aber auch Selbstmordattentäterinnen oder auch bei den Frauen, die sich den männlichen Terroristen als Gespielinnen zur Verfügung stellen, zum Teil freiwillig.

  4. #4 Jürgen Schönstein
    16. Juni 2016

    @Joachim
    Ich glaube, der Begriff “Genderwahn” (Betonung auf “Wahn”) beschreibt eher Kommentare/Beiträge wie diesen

  5. #5 Robert aus Wien
    16. Juni 2016

    @Jürgen Schönstein
    Ja, das ist wieder diese Geschichte mit Dunkel- und Hellfeldstudien. Diese Statistiken beruhen m.W. meistens auf Anzeigen. Leider wird bei häuslicher Gewalt von Frauen gegen Männern schon mal i.d.R. gar keine Anzeige gemacht, und wenn, dann wird den Männern oft nicht geglaubt. Außerdem bezweifle ich folgendes:

    1 in 5 women and 1 in 71 men in the United States has been raped in their lifetime

    Kommt das vielleicht von der Umfrage von amerikanischen Unis, die wegen der Rücklaufquote schon sehr fragwürdig ist?

    Und die Anmerkung von wegen Wahn kommentiere ich jetzt nicht. Nur soviel: hätte ich ein derartiges Posting hier geschrieben, dann wäre das höchstwahrscheinlich zensiert worden. (Bezeichnend ist ja auch, daß Sie zu den von mir verlinkten Studien kein Wort verloren haben.)

  6. #6 schorsch
    16. Juni 2016

    Zähl doch mal auf Joachim, wieviele Jesiden von von Horden von IS-Terroristinnen erst vergewaltigt und dann versklavt worden sind.

    Wieviele minderjährige Buben sind von Boko-Haram-Kämpferinnen wieder und wieder geschändet und in die Sklaverei entführt worden?

    Tatsächlich wirst du in der jüngeren Terrorgeschichte (so die letzten 20, 30 Jahre) gerade mal einen einzigen dokumentierten Fall finden, in dem auch einmal Frauen massiv an der sexuellen Entwürdigung und Manifestation der Gewalt gegenüber Menschen anderen Geschlechts teilgenommen haben, nämlich Lynndie England und Sabrina Harman in Abu Ghuraib.

    Von Genderwahn befallen bist du wohl selbst.

  7. #7 Robert aus Wien
    16. Juni 2016

    @Schorsch:
    Daß Boko Haram viele Buben tw. lebendig verbrannt oder anderweitig massakriert hat, hat man auch nur vereinzelt in den Medien gelesen. Die sind anscheinend weniger wichtig. Kindersoldaten sind übrigens auch meistens Buben.
    Das trifft übrigens auch beim IS-Terror zu: da hat man ebenfalls in vielen Dörfern die männliche Bevölkerung einfach massakriert. Auch davon ist in den Medien kaum was zu finden.

  8. #8 Jürgen Schönstein
    16. Juni 2016

    @Robert aus Wien
    Wer nicht lesen (oder Links folgen) kann, dem kann ich leider nicht helfen. In dem obigen Lesetipp-Beitrag geht es nicht um die Ursachen häuslicher Gewalt oder die Ursachen des Terrorismus, es geht auch nicht darum, dass nur Männer häusliche Gewalttäter oder Terroristen sind (obwohl Frauen ja in diesem Fall Gewalttäterinnen und Terroristinnen wären – aber wie eben gesagt, es geht nicht um Gender-Disparitäten!), sondern um eine besondere (psycho-)logische Konstellation, die eine Querverbindung zwischen den Phänomenen Terrorismus, häusliche Gewalt und Amokschießereien aufzeigt. Diese Querverbindung erklärt weder jegliche Form von häuslicher Gewalt noch jegliche Form von Terrorismus oder von Massenmorden. Aber sie erklärt (oder versucht zumindest, eine Erklärung zu suchen) diesen Zusammenhang für einen bestimmten, und nicht irrelevant kleinen Teil dieser Massenmord-Terrorismus-Gewaltneigungsfälle. Alles weitere, was Sie und @Joachim hier anführen, sind Scheingefechte gegen Strohmänner.

    Außerdem: Welche Studien hatten Sie verlinkt? Der Link in Ihrem Kommentar führt zu einer Seite, auf der eine Blibliographie mit Arbeiten zu finden ist (keine einzige davon verlinkt), die sich mit der Frage befassen, ob Frauen in Beziehungen ebenso gewalttätig sein können wie Männer. Worauf soll ich da eingehen, und vor allem: warum? Dies ist hier nicht das Thema. Das steht, ziemlich klar, in der Überschrift.

    Und ganz nebenbei: Die Unterstellung, dass hier “zensiert” würde, ist schlichtweg eine Unverschämtheit. Und dass diese stehen bleiben darf, sollte eigentlich schon ausreichend als Beleg dafür sein, wie falsch sie ist.

  9. #9 Moreno
    16. Juni 2016

    @ Jürgen Schönstein: “Eine Erklärung liegt schon in den Begriffen: Häusliche Gewalt, die typischer Weise dazu dient, die Kontrolle eines Mannes über eine Frau zu manifestieren, sei nichts anderes als “intimer Terrorismus” – die Mechanismen, mit denen der Haustyrann seine Partnerin unterdrückt seien im Prinzip vergleichbar mit den Mechanismen, die ISIS benutzt, um Frauen zu unterdrücken.”

    Quran; Sure 4, Vers 34: “Und jene, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet: ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie! Wenn sie euch dann gehorchen, so sucht gegen sie keine Ausrede. Wahrlich, Allah ist Erhaben und Groß.”

    IS(IS) setzt halt eins zu eins das um, was im “heiligen Buch” steht. Islam in seiner Uhrform.

  10. #10 Justus Jonas
    16. Juni 2016

    Das halt alles nix mit nix zu tun.
    http://afd-thl.de/download/der-islam-fakten-und-argumente/
    Seite 93 (im pdf 39 wegen den Doppelseiten).

  11. #11 Anderer Michael
    16. Juni 2016

    Mit dem Englisch tue ich mir schwer. Ich habe es versucht. Soweit meinerseits verstanden ist die These, es gäbe einen Zusammenhang zwischen häuslicher Gewalt und Amokläufen nicht unumstritten
    Zitat:”……
    Clark McCauley, a professor at Bryn Mawr College who studies the psychology of mass violence and terrorism, said he was not aware of research finding a causal relationship between domestic violence and terrorism.
    ….”
    Was ich aber zusätzlich interessant finde. Es wird von grievance , Kränkung,die notwendigerweise dazukommen müsse und als starkes Unrecht empfunden werde und, ich versuche es mit eigenen Worten zu sagen, in diesem Fall ein homophober Hintergrund aufgrund eigener Befürchtung ev. selber homosexuell zu sein. Oder habe ich das falsch verstanden und gemeint ist, dass der Attentäter als schwul angesehen wurde, und dieses sei die Kränkung oder er wurde von Schwulen umworben?
    Wie gesagt, mein Englisch ist nicht allzu gut.

    Zur den Kommentaren hier: nirgendwo steht geschrieben, dass Frauen die besseren Menschen sind. Aber wie soll eine Frau einen Mann vergewaltigen? Sie kann ihn sexuell demütigen, wie in Abu Ghuraib., Frauen können Mörderinnen sein und auch häusliche Gewalt ausüben gegenüber ihren Ehemännern. Aber häufig ist häufig und selten ist selten. Der Regelfall ist, dass Männer die körperliche Gewalt in der Ehe verursachen, vielleicht in wenigen Fällen als Reaktion auf Aggressivität der Ehefrau.Im Blog von Cornelius Courts finden sich einige forensische Beiträge zu dem Thema häusliche Gewalt.

  12. #12 schorsch
    17. Juni 2016

    Die These, es gäbe einen Zusammenhang zwischen häuslicher Gewalt und Amokläufen, mag in höchstem Maße umstritten sein – in höchstem Maße unredlich und unanständig ist es jedoch, sie von vorneherein mit Dumpfgeschwafel a la ‘Genderwahnartikel’ jeglicher Erörterung entziehen zu wollen.

    Insofern ist Joachims Beitrag schon ganz erstaunlich widerwärtig.

  13. #13 Laie
    17. Juni 2016

    Der Zusammenhang dürfte sich statistisch sehr wohl nachweisen lassen, da Menschen (dazu zählen auch Männer), die zu körperlicher Gewalt neigen, diese auch auf unterschiedliche Weise in ihrem Leben ausführen.

    Ob nun die Legimitation (aus der Sicht der Gewaltausübenden, meistens Männer) nun durch Alkohol, durch Zivilversagen oder auch durch einen religiös-suren-Wahn erfolgt ist bedauerlicher-weise für das Opfer dasselbe Ergebnis.

    Aus den bisherigen aus der Medienberichterstattung Gelesenem scheinen folgende Kombinationen eher ungünstig zu sein. Das Zeichen + Bedeutet, alle diese Bedingungen müssen erfüllt sein. Beispiel, os ist Waffe + Mann nicht nicht unbedingt gefährlich, genausowenige wie Mann + Koran.

    1. Mann + Alkohol oder Zivilversager
    2. Mann + Alkohol oder Zivilversager + Waffe
    3. Mann + Zivilversager + Waffe + Glaube an dumme Suren.

    Ich hoffe in der Eile nicht auf andere Kombinationen vergessen zu haben. Gibt es hier einen Gender-Gap?

  14. #14 ralph
    18. Juni 2016

    Terroristen wie Amokläufern fühlen sie sich ökonomisch, sozial, oder politisch marginalisiert und sind darüber empört. Und damit hören die Gemeinsamkeiten wohl schon auf. Dass der typische Amokläufer zur häuslichen Gewalt neigt, mag naheliegen klingen, muss aber deswegen nicht stimmen.
    Diese Untersuchung räumt mit einigen gängigen Vorurteilen über islamische Terroristen auf:
    http://bit.ly/1XuD2R1