Moment mal! Gibt’s da nicht noch eine dritte Möglichkeit? Etwa so wie “eine Frage des Nicht-Dürfens” oder “Nicht-Gelassenwerdens”, zum Beispiel? Da komme ich später noch drauf. Erst mal zum Nicht-Können: Dass dies ausgeschlossen werden kann, muss man eigentlich gar nicht mehr lange diskutieren. Aber es gibt immer noch Verfechter der vom damaligen Harvard-Boss Larry Summers bisher am prominentesten verkündete These, dass Frauen irgendwie biologisch weniger zu mathematischen Leistungen begabt seien (wer die genaue Stelle sucht: 2. Absatz, dritter Satz). Und darum lassen wir gleich mal die Zahlen zu Wort kommen: 46 Prozent, also knapp die Hälfte, aller Studienplätze in Undergraduate-Mathematik sind von Frauen besetzt; bis zum Doktortitel nimmt der Frauenanteil zwar schon auf 30 Prozent ab, aber das liegt immer noch weit über dem Anteil der Frauen auf Lehrstühlen – im Schnitt liegt dieser in stark mathematisch geprägten Fächern an den 100 besten US-Hochschulen unter zehn Prozent, für Mathematik selbst zum Beispiel bei gerade mal 7,1 Prozent. All diese Zahlen stammen aus einem neuen Paper zum Thema Sex Differences in Math-Intensive Fields, das in der aktuellen Ausgabe der Current Directions in Psychological Science erschienen ist.


Das wirft natürlich die Frage nach dem Grund auf. Die alte These, die sich auch Larry Summers zu eigen gemacht hatte, war eine irgendwie andere (und natürlich irgendwie geringere) Begabung von Frauen für Mathematik. Doch der einzige Beleg für einen angeborenen Geschlechterunterschied scheint in einem – statistisch! – unterschiedlich veranlagten räumlichen Vorstellungsvermögen zu liegen: Hier scheinen männliche Säuglinge, so etwa im Alter von vier bis fünf Monaten, um 50 bis 75 Prozent besser abzuschneiden. Ob und wie weit dies jedoch mathematische Leistungsfähigkeit mitbestimmt, ist noch unklar – bei den Mathe-Schulabschlussnoten schneiden die Schülerinnen jedenfalls nicht schlechter ab. Und selbst wenn man einräumt, dass zumindest unter den mathematisch Hochbegabten im obersten Prozent nur ein Drittel weiblich ist, erklärt dies nicht den drastisch niedrigen Anteil der akademischen Karriere-Mathematikerinnen. Am Können allein kann’s also schon mal nicht liegen …

Vielleicht als am Nicht-Lassen, oder besser: an geschlechtsspezifischer Diskriminierung? Obwohl dies sicher eine populäre Annahme wäre, kommen Wendy Williams und Stephen Ceci, beide von der Cornell-Universität, zu dem Fazit, dass dies auszuschließen sei. Sie hätten keine Belege dafür finden können, schreiben sie, dass Frauen wegen ihres Geschlechts mehr Probleme hätten, Paper zu veröffentlichen, oder Forschungssubventionen zu erhalten, und schon gar nicht bei der Stellenbesetzung benachteiligt würden:

A National Academy of Science task force found that, among new PhDs applying for tenure-track jobs, women were slightly more likely to be invited to interview than men, and there were no sex differences in job offers or resources:

For the most part, men and women faculty in science, engineering, and mathematics have enjoyed comparable opportunities within the university. . . . Women fared well in the hiring process at Research I institutions, which contradicts some commonly held perceptions of research universities. If women applied for positions at RI institutions, they had a better chance of being interviewed and receiving offers than male job candidates had. (Committee on Gender Differences, 2010, p. 5)

Demnach hätten Frauen also nicht nur gleiche, sondern sogar bessere Chancen als Männer, zu solchen Bewerbungsverfahren für Professorenstellen etc. eingeladen zu werden (wir reden hier weiterhin nur von Fächern, die eine stark mathematische Basis haben, wohlgemerkt), auch wenn dies den “commonly held perceptions”, also den gängigen Ansichten widerspreche.

Aber natürlich – hier wörtlich gemeint – gibt es einen Unterschied zwischen Männern und Frauen: Männer können keine Kinder kriegen. Und das beste Alter fürs Kinderkriegen ist bei den meisten Frauen auch das beste Alter für eine Karriere. Also sind Frauen doch benachteiligt? Nicht wirklich, meinen Autor und Autorin:

If choosing to have children reduces scientific productivity (and causes the pay and promotion consequences), this does not represent discrimination, despite the fact that women are disproportionately affected. In sum, it is essential to distinguish between claims of outright discrimination against women and gendered outcomes that may affect more women than men because of women’s choices but not because they are women per se. The evidence shows that sex discrimination does not account for women’s
underrepresentation in math-intensive fields.

Die Tatsache, dass Frauen von Natur aus vor die Wahl gestellt werden, sich zumindest zeitweise zwischen Kindern und Karriere zu entscheiden, sei keine Diskriminierung, steht hier sondern “gendered outcomes that may affect more women than men because of women’s choices but not because they are women per se” – geschlechtsspezifische Folgen, die Frauen eher treffen als Männer, allerdings aufgrund von Entscheidungen der Frauen, und nicht einfach, weil sie Frauen sind.” Das ist sicher eine Art Doppeldenk, die nach semantischen Klüftchen zu suchen scheint, um dort dann argumentatorische Kletterhaken einzuschlagen. Vor allem, weil sie zu unterstellen scheint, dass die Verantwortung fürs Kinderkriegen allein Sache der Frau sei, obwohl da meist auch ein (hoffentlich sanfter!) Druck des Ehe- oder Lebenspartners mit im Spiel ist.

Aber zumindest aus einem Gesichtspunkt kann man dem Argument dennoch stattgeben: In anderen, nicht-mathematischen Fächern müsste es sich eigentlich dann in gleicher Weise niederschlagen, denn auch hier muss eine akademische Karriere gegen den Kinderwunsch aufgewogen werden. Aber die Hälfte aller medizinischen Doktortitel und sogar mehr als Dreiviertel aller veterinärmedizinischen Doktorhüte werden heute von Frauen erworben. In Mathematik: Gerade mal 29,6 Prozent.

Also was ist denn nun der Grund, warum es so wenig Mathematik-, Physik- und sonstige Professorinnen gibt? Frauen hätten andere Präferenzen, vermuten Williams und Ceci. Schon im Schulalter unterscheiden sich die weiblichen von den männlichen Interessen: 24 prozent der 8- bis 17-jährigen Jungs wollen Ingenieure werden, aber nur fünf Prozent der gleichaltrigen Mädchen; im Alter zwischen 13 und 17 begeistern sich 74 Prozent der Jungs für die technische Seite von Computern, während dies nur 32 Prozent der Mädchen interessiert. Und das scheint auch für die jungen Frauen zu gelten, die eigentlich eine hohe mathematische Begabung haben. Aber hier gebe es einen Aspekt, der die Mädchen klar von den Jungs unterscheide:

among males and females of comparably outstanding mathematical aptitude, females are more likely to also have outstanding verbal ability (Park et al., 2008). This gives them more career choices than males, who are aware their strength is only math, whereas females can consider math-oriented fields as well as law, social sciences, humanities, and medicine.

Aha, den Frauen stehen also, dank besserer verbaler Begabung mehr Möglichkeiten in anderen Feldern offen, während den mathematisch begabten Männern nichts anderes mehr übrig bleibt als dann aus dieser Einseitigkeit das Beste zu machen (ich drücke mich mal absichtlich überspitzt aus) – das ist zumindest mal ein originellerer Ansatz …

Women drop out of scientific careers–especially math and physical sciences–after entering them as assistant professors at higher rates than men, and this remains true as women advance through the ranks. Although the reasons for this attrition are not well understood, it appears to have less to do with discrimination or ability than with fertility decisions and lifestyle choices, both freely made and constrained.

So fassen Ceci und Williams ihre Resultate zusammen. Es liege an den Entscheidungen der Frauen, selbst wenn sie nicht immer freiwillig sind.

Kann man also nix machen? Ist es wirklich nicht vorstellbar, auch in Wissenschaft und Forschung Strukturen zu schaffen, die es (jungen) Frauen erlauben, sich sowohl für Karriere als auch für Kinder zu entscheiden? Das ist eine Frage, auf das Paper nicht wirklich eingeht. Hat jemand anderer hier vielleicht eine bessere Antwort? Würde mich ehrlich interessieren.

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Kommentare (16)

  1. #1 Ulfi
    27. Oktober 2010

    Zuerst einmal scheint der Artikel das Hauptproblem nicht darin zu sehen, dass Frauen Kinder bekommen. Es verordnet es darin, dass Frauen scheinbar andere Prioritäten oder andere Möglichkeiten betreffend ihrer späteren Jobwahl haben. Und das Problem scheint schon viel früher verordnet zu sein, wenn nur 5% der Mädchen etwas im Ingenieursbereich machen wollen. Vielleicht kollidiert Mathematik noch zu stark mit den klassischen Rollenbildern? Aber man sollte die Frauen lieber selbst fragen, warum sie aufhören, anstatt rumzuraten 🙂

    Ich sehe allerdings auch nicht, wo das Problem mit den Kindern genau verordnet sein soll. Bei uns am Institut sehe ich regelmäßig sowohl schwangere Frauen, als auch Männer die ein halbes Jahr in den Vaterschaftsurlaub verschwinden, wenn die Kinder da sind(unter anderem ein Juniorprof der dann einfach weg war). Die Strukturen sind da und werden zumindest bei uns rege genutzt. Wenn der Unterschied wirklich bei den Kindern liegen sollte, dann sollte das – wie du selbst sagst – auch in anderen wissenschaftlichen Bereichen zu finden sein. Von daher halte ich diese Reduktion auf das “Kinderproblem” auch für eine zu krasse Vereinfachung.

  2. #2 kamy
    27. Oktober 2010

    Also, mich würde mal interessieren, wie man das räumliche Vorstellungsvermögen von viermonatigen Säuglingen testet? Kennen Sie die Studien oder die Autoren?
    Leider sind Studien in diesem Bereich oft gnadenlos überinterpretiert und richtig schlecht … dafür tauchen sie um so häufiger in populärwissenschaftlichen Zeitschriften auf. Tja

    Die zitierten Autoren scheinen auch einen ziemlich blinden Fleck in Bezug auf Erziehung zu haben. Wir erziehen die Kinder schon vom ersten Moment an mehr oder weniger unbewusst in die eine bzw andere Ecke. Keiner traut sich, einen Jungen im rosa Pulli in den Kindergarten zu schicken, auch wenn es seine Lieblingsfarbe ist. Keine Tante schenkt ihrer Nichte einen Fischer-Baukasten auch wenn sie gerne schraubt und bastelt usw, usw. Aber ziemlich viele würden behaupten, dass sie niemals geschlechtsspezifisch erziehen. Mich wundert es aber nicht im Geringsten, dass Kinder mit vier Jahren, sich im Kindergarten deutlich geschlechtsspezifisch sortieren. Sind alle brav 😉
    Und sich als 14-jähriges Mädchen als Mathe-Freak zu outen … das geht gar nicht.

  3. #3 JV
    27. Oktober 2010

    Aber die Hälfte aller medizinischen Doktortitel und sogar mehr als Dreiviertel aller veterinärmedizinischen Doktorhüte werden heute von Frauen erworben. In Mathematik: Gerade mal 29,6 Prozent.

    Bezieht sich das jetzt auf Deutschland?
    Ich glaube, das ist kein zulässiges Argument. Die Doktorarbeit in Humanmedizin (wie es in Tiermedizin ist, weiß ich nicht) wird _während_ des Studiums geschrieben. Somit ist es nicht überraschend, dass hier der Anteil der Frauen unter den Promotionen so hoch ist – er entspricht so ziemlich dem Anteil der Frauen an den Studierenden. In allen anderen Fächern muss man nach dem Studium noch eine Promotion dranhängen – und hier kommt dann die Frage “Mach ich das – oder bekomme ich jetzt lieber ein Kind?”

  4. #4 radicchio
    27. Oktober 2010

    Wir erziehen die Kinder schon vom ersten Moment an mehr oder weniger unbewusst in die eine bzw andere Ecke.

    seh ich auch so. dazu gibts ja einschlägige studien (baby X). medien und umfeld tun ihr übriges. wenn die kinder in die schule kommen, ist in sachen selbstbild inkl. “das können jungs – das können mädchen” schon alles gelaufen.

  5. #5 Andrea N.D.
    27. Oktober 2010

    “Doppeldenk” gefällt mir :-). Selbstverständlich ist es die Entscheidung der Frauen, das mit den Kindern und der Karriere. Deshalb gibt es in Deutschland jetzt ja ein großes Geschrei um die fehlenden zukünftigen Rentenzahler.
    Mag sein, dass die Strukturen langsam wachsen. Aber – um beim Beispiel Humanmedizin zu bleiben- wohin mit den Kindern in der Nachtschicht? Praktisch sieht das Leben dann vielleicht doch so aus, wie im Artikel beschrieben. Vor allem den “Lifestyle choice” finde ich wesentlich. Promovieren, 40 Stunden arbeiten, Kind erziehen und 70 % vom Haushalt? Nee danke … Folgen: Keine Kinder oder keine Promotion.

    @ Ulfi:
    Was passiert den mit dem Kind nach dem halben Jahr Vaterschaftsurlaub, sprich mit den restlichen ca. 17 1/2 Jahren?

  6. #6 JV
    27. Oktober 2010

    Bei uns am Institut sehe ich regelmäßig sowohl schwangere Frauen, als auch Männer die ein halbes Jahr in den Vaterschaftsurlaub verschwinden

    Ich weiß zwar, wie der Satz gemeint ist, bin aber trotzdem beim Lesen erstmal gestolpert, weil ich das Komma vor “als” überlesen habe… 😉

    Ansonsten sagt die Statistik ja nichts über den Einzelfall aus, Anekdoten sind keine Daten. 🙂 Natürlich gibt es Institute, wo das klappt. Es gibt bestimmt auch Fächer respektive Dissertationen, die etwas weniger zeitaufwändig sind als andere. Es gibt auch Promotionsstudentinnen, die das besser unter einen Hut kriegen als andere (weil sie gleich neben dem Institut wohnen, weil die Oma auf die Kinder aufpasst, weil der Vater in die Elternzeit geht, was weiß ich). Aber es gibt eben auch genügend Einzelfälle, bei denen irgendwas hakt, so dass das nicht funktioniert. Und rein vom Gefühl her: Ich glaube, dass die hakenden Fälle überwiegen.

  7. #7 Alexander
    27. Oktober 2010

    Sie hätten keine Belege dafür finden können, schreiben sie, dass Frauen wegen ihres Geschlechts mehr Probleme hätten, Paper zu veröffentlichen,[…]

    Da kann ich mich aber an andere Studien erinnern. Mir fallen zwar gerade die Namen nicht ein, aber vor ein paar Jahren gab es mal eine Studie, bei der ein inhaltlich gleiches Paper an verschiedene Zeitschriften geschickt wurde. Nur bei den Autorennamen wurde ausgewechselt, mal männliche, mal weibliche. Das Paper schnitt durchweg schlechter ab (sprich, wurde vom Editor oder den Reviewern abgelehnt), wenn ein weiblicher Autor draufstand.

  8. #8 Paul
    27. Oktober 2010

    Medizinische Promotionen mit anderen Promotionen vergleichen zu wollen – insbesondere medizinische Promotionen als Argument bei anderen Promotionen zu verwenden – ist, mit Verlaub, einfach lächerlich. Um es kurz zu machen:

    “Diese Regelung entspricht der Auffassung des Wissenschaftsrats, des wichtigsten Gremiums zur Politikberatung in Deutschland, dass die medizinische Promotion im Durchschnitt nur die Qualität einer Diplomarbeit hat.” [1]

    und insbesondere

    “Denn die meisten Medizinstudenten promovieren nicht nach dem Studium, wie es in anderen Fächern üblich ist. Sie schreiben ihre Doktorarbeit vielmehr parallel dazu – und das auch noch in einer viel kürzeren Zeit. Während es in den Naturwissenschaften durchaus schon mal vier Jahre dauern kann, bis sich ein Doktorand die begehrten zwei Buchstaben vor seinen Namen stellen kann, ist eine Promotionsdauer von nur sechs Monaten unter Medizinern durchaus üblich.” [2]

    “In der Medizin ist ein Doktortitel Standard und vergleichsweise leicht zu erschlagen: Die Promotion dauert meist nur einige Monate, in den Geisteswissenschaften dagegen einige Jahre. Für die Zukunft denke der Wissenschaftsrat, so sein Vorsitzender Karl Max Einhäupl, wie in den USA generell an einen Medical Doctor (MD), den angehende praktische Ärzte durch eine kleine schriftliche Arbeit im Staatsexamen erwerben könnten.” [1]

    Mehr braucht man zum Vergleich im Artikel wohl nicht zu sagen.

    [1] http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,330409,00.html
    [2] http://www.sueddeutsche.de/karriere/medizinstudium-und-promotion-dr-med-duennbrettbohrer-1.120817

  9. #9 Karl Mistelberger
    27. Oktober 2010

    Optimal ist natürlich Wollen und Können, dann geht alles, auch 2 Kinder: http://www.google.com/images?q=Anne+Lauvergeon

  10. #10 radicchio
    27. Oktober 2010

    http://www.independent.co.uk/life-style/health-and-families/features/the-gender-gap-messages-that-can-affect-the-way-boys-and-girls-grow-up-2111887.html

    “I try not to criticise Sophie more than Luke because I obviously love them equally, but I think I do. With table manners, for example, I let him get away with more. I’m also guilty of using terms like ‘funny’ and ‘cheeky’ for Luke, and ‘argumentative’ and ‘serious’ for Sophie. But life is harder for a woman – they have to look their best and work harder to get somewhere. Maybe subconsciously, I’m trying to prepare her for what I know lies ahead.”

    es sind auch die mütter, die diese botschaften perpetuieren.
    wenn man diese aussage liest, stellt sich auch wieder die frage nach ei und henne: “But life is harder for a woman”. ist das so, weil sie frauen sind, oder weil sie so erzogen wurden?
    ich stelle immer wieder fest, dass frauen (sicher auch männer, aber weniger) vorurteile und angebliche erwartungen der umwelt an frauen bereitwillig internalisieren. egal, ob diese anforderungen und stereotype überhaupt eine reale basis besitzen, werden sie unhinterfragt als gegeben und unabänderlich hingenommen. für mich ist das ein relikt aus zeiten, in denen frauen ihr schicksal tatsächlich nicht selbst bestimmen konnten, und “hinnehmen” mussten, was umfeld und umwelt ihnen antrugen.

  11. #11 Andrea N.D.
    27. Oktober 2010

    @radicchio:
    Wie wahr!

  12. #12 Jürgen Schönstein
    27. Oktober 2010

    @JV @Paul
    Mag ja sein, dass die Doktorarbeit weniger Aufwand erfordert. Aber zumindest in den USA ist für den erfolgreichen Abschluss der Medizinerausbildung (und um die geht es ja letztlich) neben einer einjährigen “Internship” noch eine zweijährige “Residency” in Krankenhäusern vorgeschrieben. Und das ist eine Knochenmühle. “Großzügiger” Weise hat der Accreditation Council for Graduate Medical Education die maximalen Wochenarbeitsstunden für Residents auf 80 Stunden, die nur in Ausnamefällen auf 88 Stunden gesteigert werden können, und die maximale Schichtdauer auf 36 Stunden festgelegt. Dass einem der Titel “nachgeschmissen” wird, kann man also wirklich nicht behaupten.

  13. #13 frop
    27. Oktober 2010

    Eine ähnliche Arbeit (http://mod.iig.uni-freiburg.de/fileadmin/publikationen/online-publikationen/Frauenanteil.Informatik.International.pdf) zeigt mir allerdings ein anderes Bild. Im Internationalen Vergleich zeigt sich das Frauen vorallem in Asien, im ex-Ostblock aber auch in Mexiko viel höhere Quoten erreichen.

    Meiner Beobachtung nach glauben Chinesen weniger an natürliche Begabung aber dafür an die Macht von Fleiss. Mir scheint dies ist ein geeigneteres Selbstverständniss um sich mit Mathematik zu beschäftigen. Die Vorstellung möglicherweise nicht Begabt zu sein, oder gegen eine biologische Benachteiligung ankämpfen zumüssen halte ich für ein sehr wirksamme Form der Diskriminierung.

    Nur so eine Idee…

  14. #14 radicchio
    27. Oktober 2010

    Die Vorstellung möglicherweise nicht Begabt zu sein, oder gegen eine biologische Benachteiligung ankämpfen zumüssen halte ich für ein sehr wirksamme Form der Diskriminierung.

    das ist auch der fall. mit der renaissance des argumentes “biologie” in der öffentlichen diskussion werden frauen auf perfide weise ins abseits und in obsolte rollen gedrängt, denn wer will schon wider die natur leben. interessant dazu:

    »Angesichts all dieser Umwälzungen und Unsicherheiten ist die Versuchung groß, sich auf die gute alte Mutter Natur zu berufen und die Ambitionen der vorangehenden Generation als Verirrung anzuprangern. Die Versuchung wird noch verstärkt durch einen neuen Diskurs, der sich mit dem Nimbus der Modernität und der Moral umgibt und der den Namen Naturalismus trägt. Diese Ideologie, die einfach die Rückkehr zum traditionellen Rollenmodell predigt, ist eine Bedrohung für die Zukunft der Frauen und ihre Freiheit der Wahl. Wie einst Rousseau will der Naturalismus von heute die Frauen davon überzeugen, wieder in eine Beziehung zu ihrer Natur zu treten und sich auf die Fundamente zurückzubesinnen, die vom Mutterinstinkt getragen seien.«

    http://www.perlentaucher.de/artikel/6403.html

    aber nun verargumentier mal, dass natur zwar toll ist, grün, biologisch, gesund, aber von der moderne bedroht und schützenswert – nur in dieser frage nicht.

    die argumente der natur gegen ungleichheit der geschlechter werden leider von den medien systematisch unter den teppich gekehrt. “das hab ich doch immer schon gewusst” verkauft sich heutzutage besser.

  15. #15 Threepoints...
    30. Oktober 2010

    “Aha, den Frauen stehen also, dank besserer verbaler Begabung mehr Möglichkeiten in anderen Feldern offen, während den mathematisch begabten Männern nichts anderes mehr übrig bleibt als dann aus dieser Einseitigkeit das Beste zu machen (ich drücke mich mal absichtlich überspitzt aus) – das ist zumindest mal ein originellerer Ansatz … ”

    -> Da ist was dran und dahinter. Die unterschiede im Geschlecht bringen unter anderem auch eine besondere Struktur im Leben und Bewusstsein mit sich. Die Frau kommt in der pupertät in den Genuß (oder der Last) des Zyklusses der Monatsblutung. diese Regelmässigkeit verleiht dann der Frau eine besondere (Ein)Teilung / Struktur im Leben. Solche Bedingungen sind beim Mann nicht vorhanden.
    Insgesamt zwingen solche Bedingungen die Frau mehr in die verarbeitung und Bewältigung mit Grundlehgenden Zwängen im Leben. Das hat folgen auf eine gewisse “Flexibilität” und Anpassungsfähigkeit. Und mit deren Bewältigung kommt dann ein Vorteil in der Konditionierung der Frau auf viele unterschiedliche Situationen zustande. Was sich dann in der Akzeptanz der Situationen niederschlägt, weil sie schneller in unterschiedliche Situationen hineinfindet. Der Umgang wird dadurch für die Frau im Laufe des Lebens immer unproblematischer.

    Ein beispiel wäre dann eben die oben benannte “verbale Begabung” als eine Möglichkeit der Flexibilisierungseffekt und die breitere Umgangs- und Bewältigungsstrategien. Warum die Frau verbal begabter wird (tendenziel) leigt scheinbar auch darin, dass sie sich regelmässig mehr auseinandersetzten muß mit ihrer Umgebung. Auch, um ihre (physisch) schwächere Position zu kompensieren.
    Während der Mann quasi eine dicke Haut als Umgangsstrategie entwickelt und nutzt und darüber sich den nötigen Freiraum verschafft und vielleicht dadurch eine Vertiefung jeder beschäftigung regelmässig “ungestörter” erreicht – weil sich der geist nicht mit Themenfremden Auseinandersetzung beschäftigen muß….dank der “dicken Haut” – an der all das abprallt (im idealfall).

  16. #16 Ger77
    24. April 2011

    Fasziniert immer wieder. Wenn eine bessere “verbale Begabung” bei Frauen aufgrund des angeborenen Gechlechts postuliert wird, dann erfolgt kein Wiederspruch. Aber die “angeborene mathematische Begabung” kann nur ein Fake sein und muß möglichst schnell ins Land der Märchen verbannt werden. Nein, die verbale Begabung von Frauen klarerweise nicht, die ist Fakt. Genauso wie die bessere Kommunikationsfähigkeit, die Möglichkeit zum Multitasking und anderes was offenbar nur Frauen können (Der Eierstock machts offenbar möglich)
    Wiedermal der übliche Geschlechterrassismus vom Feinsten.