Ein weiterer Beitrag von Marcus Frenkel; diesmal geht es um die Frage, ob es besser wäre, wenn mehr (und zeitgemäßere) Informationen über Informatik und IT an unseren Schulen vermittelt würden, oder ob dies eher schaden könnte, da Schüler heute sowieso eher zu viel als zu wenige Informationsmedien – Handys und Computer, vor allem – benutzen.

Schule: ein IT-freier Raum?

Vor nicht allzu langer Zeit hat der IT-Branchenverband BITKOM eine Studie durchführen lassen, welche die Verbreitung der Nutzung von digitalen Medien im Unterricht untersuchen sollte. Die Ergebnisse der Studie sind nicht allzu überraschend; zusammenfassend gesagt lässt sich feststellen, dass der Einsatz digitaler Medien nach wie vor recht sporadisch stattfindet und wenn, dann hauptsächlich zur Suche und Präsentation von Inhalten sowie der Unterstützung der Schüler durch Lernprogramme (in erster Linie für Sprachen). Studien dieser Art werden gefühlt einmal im Jahr durchgeführt und führen seit Jahren mehr oder weniger zum gleichen Ergebnis, wobei immerhin eine gewisse Tendenz zur Besserung erkennbar ist.

Beim Lesen der Studie haben sich mir (unter anderem) zwei Fragen beziehungsweise Fragenkomplexe gestellt, welche ich hier in den Raum stellen möchte, in der Hoffnung, die interessierte Mitleserschaft zu einer bewegten Diskussion über deren Beantwortung anzuregen.

Die erste Frage betrifft den Einsatz digitaler Medien in der Schule überhaupt. Sollte angesichts der vielen Zeit, welche Kinder und Jugendliche bereits heute vor Fernseher und PC verbringen, auch noch in der Schule mit diesen Medien gearbeitet werden? Wird nicht gerade dadurch auch die Medien-Übernutzung forciert? Oder sollten digitale Medien im Gegensatz noch viel öfter verwendet werden? Wenn auf den Einsatz von Medien verzichtet werden sollte, wie ließe sich dann der Unterricht den modernen Gegebenheiten anpassen? Und wenn der Medieneinsatz eher verstärkt werden sollte, welche Einsatzfelder neben Recherche, Präsentation und Vokabeltrainern wären noch denkbar und vielleicht sinnvoll? Und die Masterfrage: sollten auch soziale Netzwerke aktiv im Unterricht eingesetzt werden?

Die zweite Frage bezieht sich nur bedingt auf die genannte Studie und beschäftigt sich eher mit der Art und Weise, wie und vor allem welche IT-bezogenen Themen in der Schule vermittelt werden. Vor einigen Jahren war es noch der Standard, dass ein Fach „Informatik” irgendwann um die 7. Klasse herum als Pflichtfach und dann manchmal in der Sekundarstufe 2 als Wahlfach angeboten wurde. Die Inhalte waren dabei oftmals eher allgemeiner Natur, angefangen vom Verschicken von Mails über Textverarbeitung bis hin zu absolut rudimentären Programmierkenntnissen (welche sich doch allzu oft auf das Kopieren besprochener Muster beschränkten). Sicher gibt es da auch von Schule zu Schule Unterschiede, aber die Tendenz dürfte doch eher (ich bitte, korrigiert zu werden, wenn ich mich irre) in Richtung „absolute Grundlagen” gehen. Die Tiefe im Informatik-Unterricht ist vermutlich nicht mit zum Beispiel Physik, Chemie, Mathematik oder Biologie zu vergleichen, was umso erstaunlicher ist, als dass die Informatik einen beträchtlichen Teil unseres alltäglichen Lebens beherrscht. Sollte daher nicht der IT-Unterricht verstärkt im Schulunterricht beachtet und der Versuch unternommen werden, mehr als absolut grundlegende Inhalte zu vermitteln, anstatt der Informatik höchstens ein Nischendasein zuzugestehen?

Als Einstiegspunkt zur Diskussion hierzu kurz meine eigene Meinung – welche sicherlich auch stark dadurch beeinträchtigt ist, dass ich selber Informatiker bin.

Ich bin natürlich der Meinung, dass digitale Medien vermehrt im Unterricht zum Einsatz kommen sollten; nicht nur zur Präsentation von Inhalten oder zur Recherche, sondern auch bei der aktiven Gestaltung des Unterrichts. Insbesondere im naturwissenschaftlichen Bereich sehe ich da große Möglichkeiten, welche im Moment wohl eher spärlich genutzt werden. So könnten etwa Simulationsprogramme zur Veranschaulichung von physikalischen, chemischen, biologischen und astronomischen Prozessen genutzt werden; ebenso könnten ähnliche Programme dazu dienen, die Schüler eigene Erfahrungen mit (zum Beispiel nach dem Baukastenprinzip) simulierten Experimenten machen zu lassen, welche so im normalen Unterricht nicht durchgeführt werden können. Auch im mathematischen Bereich wären die Möglichkeiten der Visualisierung sicherlich gut anwendbar. Der große Vorteil derartiger Methoden ist, dass sie Abwechslung in den Unterricht bringen und die Motivation der Schüler befeuern können. Auf der anderen Seite dürfen natürlich die praktischen Tätigkeiten nicht zu kurz kommen. Durchführbare physikalische und chemische Experimente sollten nach wie vor manuell angegangen, biologische Daten in der freien Natur gesammelt werden, viel mehr noch, als es zur Zeit schon geschieht – eine rein digitalisierte Schule wäre in meinen Augen kontraproduktiv.

Die vermittelten Inhalte der IT-Ausbildung an Schulen bedürfen dagegen meiner Meinung nach einer Überarbeitung (wobei ich hier wie gesagt nicht auf dem allerneuesten Stand bin, was an Schulen gelehrt wird). Insbesondere die Grundlagen der Informatik – wie funktioniert ein Computer, wie funktioniert das Internet, was macht ein Betriebssystem – kommen noch viel zu kurz. Im Physikunterricht wird doch auch erklärt, wie Kathodenstrahlröhren und damit Fernseher funktionierten (eventuell werden moderne TFTs mittlerweile ja auch schon besprochen) – warum wird ähnliches nicht auch für Computer vermittelt? Immerhin haben beide Medien eine ähnliche Präsenz im Leben der Schüler. Neben den eher technischen Lehrinhalten wäre natürlich auch noch der Aufbau von Medienkompetenz wünschenswert. Dieses Gebiet umfasst unter anderem die Sicherheit im Internet, den Umgang mit sozialen Netzwerken und vor allem auch die (Nicht-)Verbreitung privater Daten im Netz.

Wie gesagt: ich weiß nicht, welche der obig genannten Dinge bereits im IT-Unterricht an Schulen behandelt werden; nach meinen Erfahrungen (die schon einige Jahre zurückliegen) und dem, was aus den Medien extrahiert werden kann, lässt die Vermittlung von IT-Inhalten jedoch noch sehr zu wünschen übrig. Eine Verbesserung des Angebotes täte hier meiner Meinung nach Not. Sollten die Leser andere Erfahrungen gemacht haben oder anderer Meinung sein, würde ich mich über eine rege Diskussion freuen!

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Kommentare (87)

  1. #1 michael
    24. Mai 2011

    > Jahrhundertelang war man sich einig, dass Romane der Untergang des Abendlandes sind.

    ROTFL

  2. #2 Marcus Frenkel
    24. Mai 2011

    @JD
    Ein interessanter Beitrag von Ihnen, vielen Dank dafür!
    Einige Dinge, die mir dazu eingefallen sind:

    1. Die Computer verursachen massive Ablenkung, weil Schüler sie zum Großteil für unterrichtsfremde Tätigkeiten nutzen.

    Zumindest dem könnte durch massive Einschränkung der Möglichkeiten begegnet werden. Durch Profile könnten für ein bestimmtes Fach nur die gewünschten Programme freigegeben werden, ähnlich wie bei nutzungsspezifischen Oberflächen (z.B. Bankautomaten, den Terminalen für Studentenausweise usw.)

    2. Ich habe versucht im Mathematikunterricht mit Programmen zur dynamischen Geometrie und Computeralgebrasystemen zu arbeiten. Von 25 Schülern funktionieren die Programme jede Woche bei etwa 5 Schülern nicht (jeweils verschiedene Schüler).

    Wenn die Frage gestattet ist: warum gehen die Programme nicht? Sollten die nicht vorinstalliert und vorkonfiguriert sein?

    4. Mir fallen bisher nur wenige Fälle ein, in denen ein Computer einen didaktischen Mehrwert bringt. Das ist aber eigentlich bei allen Medien Kriterium für den Einsatz im Unterricht.

    Vielleicht fehlen hier einfach nur die richtigen Programme und Ansätze, sprich: Forschungsarbeit?

    5. verfügen Schüler über erschreckend wenig Kenntnisse im Umgang mit Textverarbeitungsprogrammen. Vor allem im Bereich Layout sieht es übel aus.

    Der Punkt wurde in der Tat bereits weiter oben diskutiert und festgestellt, dass derartige Inhalte irgendwann einmal in der Schule vermittelt werden sollten.

    Müssen Schüler wirklich wissen wie ein Computer funktioniert?

    Hier sei die Gegenfrage gestattet: müssen Schüler wirklich über den Ablauf chemischer Reaktionen, über Goethes Faust, über van Goghs Gemälde oder über Tonleitern Bescheid wissen? (nicht falsch verstehen: ich würde alle diese Fragen mit “Ja” beantworten)

    Genau, wie man zum fahren praktisch nichts über die Technologie wissen muss, ist zur Arbeit mit Computer und Mobiltelefon praktisch kein Wissen über diese Technologie nötig.

    An sich richtig, aber manchmal wäre es doch ganz praktisch; habe ich heute erst wieder gemerkt, als ich mein Auto in die Werkstatt gebracht habe. Und gestern, als ich meinen Vermietern den Router eingerichtet habe. 😉
    Wobei klar ist: es kann nicht jeder überall alles wissen. Nur – Grundwissen wäre nicht schlecht.

    Um noch kurz auf die “Medienkompetenz” einzugehen. Es kümmert Schüler nicht im geringsten ob man sie auf den Umgang mit ihren persönlichen Daten und die damit verbundenen Gefahren hin weißt. Facebook ist viel zu spannend und macht zu viel Spaß, als dass man sich hierüber Gedanken machen will.

    Durchaus richtig. Vielleicht müsste man die Medienkompetenz einfach ein wenig eher vermitteln?

    Den Anwendungsbereichen sollte aber die meiste Zeit gewidmet werden, dieser Teil wirklich für fast alle nützlich sein wird. Wer darüber hinaus Interesse an Informatik hat, der wird sich selbst informieren. Wenn Zeit und Ausstattung vorhanden sind kann man für diese Leute auch gern freiwillige Zusatzkurse anbieten.

    Damit “degradieren” Sie die Informatik aber zum Nebenfach gegenüber Physik, Chemie, Biologie und so weiter – ist das in der heutigen Zeit noch angemessen?

    Information wird nur längerfristig behalten, wenn Interesse daran besteht oder wenn sie ständig wiederholt/angewendet wird. Das trifft auf den größten Teil der Schüler einfach nicht zu.

    Auch das ist absolut richtig. An der Stelle müsste vielleicht einmal darüber nachgedacht werden, dass das Schulsystem an sich einer Erneuerung bedarf…?

    Computer in anderen Fächern stehe ich skeptisch gegenüber. Der einzige Grund hierfür ist allerdings, dass mir bisher kein wirklich guter Anwendungsfall begegnet ist.

    Vokabeltrainer, Physik-/Chemie-/Biologie-Simulatoren, Notensatz, Planspiele…um nur einige zu nennen.

    Ich gehe einfach aufgrund meiner bisherigen Beobachtungen davon aus, dass Computer hier mehr Probleme verursachen als Hilfe geben. Für Vorschläge, die mich vom Gegenteil überzeugen bin ich aber offen.

    Ich denke, das wäre ein geeignetes Thema für breite Feldstudien.

  3. #3 JD
    25. Mai 2011

    Im Vorletzten Absatz muss das zweite “Anwendungsbereiche” natürlich “Anwendungsprogramme” heißen. Also:

    “Den ANWENDUNGSPROGRAMMEN sollte aber die meiste Zeit gewidmet werden, dieser Teil wirklich für fast alle nützlich sein wird.”

  4. #4 jitpleecheep
    25. Mai 2011

    @michael:
    Was gibt’s denn da zu ROTFLen?

    Auch wenn Stefan W. da geringfügig mit seinen Jahrhunderten übertreibt, hat er mit seiner Aussage im Kern recht: Jede neue Kultur-Technologie ist “der Untergang des Abendlandes”.

    Als die Schrift aufkam wurde sich beschwert, dass man sich ja jetzt nichts mehr merken müsse (diese Kommentare wurden ausgerechnet schriftlich fixiert…).

    Bei den Zeitungen hiess es, dass sie der Untergang der zwischenmenschlichen Kommunikation seien (weil man ja nicht mehr Tratschen musste, sondern alles gedruckt präsentiert bekam).

    Buchdruck -> großes Problem für die Deutungshoheit der Kirche. Untergang!

    Bis hin zu: MP3, der Untergang der Musikindustrie!*

    The medium is the message, und sowenig wir heute bedauern, dass keiner mehr Keilschrift klopfen kann, sowenig ist “der Roman” die endgültige Kultur.

    Manchmal reichen 140 Zeichen völlig aus.

    *) a) seit 20 (!) Jahren und b) zu Recht!

  5. #5 Dr. Webbaer
    25. Mai 2011

    @Berufsschullehrer
    Das Geschilderte ist natürlich ein Desaster. Anscheinend sind die Kollegen nicht erreichbar, frei nach Sarrazin verblödet D ohnehin. – Hoffentlich ist das nicht Normalzustand in D! Die Computer, das Web & die Informatik tragen keine Schuld.

    BTW, die Webkompetenz geht natürlich über die Handhabung privater Daten weit hinaus. Richtig ist, dass der Umgang mit Privatdaten intelligent und bewusst vorzunehmen ist im Web. U.a weil das Web ein gutes Gedächtnis hat und auch Personaler gerne (später, sehr viel später) mal reinschauen, lol.
    Es gibt allerdings neben dem defensiven Datenschutzthema auch mittlerweile Leute, die ganz bewusst offen ins Web hineingehen und sich dort positiv positionieren. [1] – Facebook etc. – auch nicht schlecht!

    MFG
    Dr. Webbaer

    PS: “Information wird nur längerfristig behalten, wenn Interesse daran besteht oder wenn sie ständig wiederholt/angewendet wird.” – Sie sagen es, Sie haben es mit der “Oder-Gruppe” zu tun. Aus Sicht des Webbaeren ist diese Oder-Gruppe ohnehin nicht lehrwürdig.

    [1] Dr. W aber nicht. 🙂

  6. #6 Kallewirsch
    25. Mai 2011

    2. Ich habe versucht im Mathematikunterricht mit Programmen zur dynamischen Geometrie und Computeralgebrasystemen zu arbeiten. Von 25 Schülern funktionieren die Programme jede Woche bei etwa 5 Schülern nicht (jeweils verschiedene Schüler).

    Wenn die Frage gestattet ist: warum gehen die Programme nicht? Sollten die nicht vorinstalliert und vorkonfiguriert sein?

    er hat von Laptop-Klassen gesprochen. Das heißt, der Laptop gehört den Schülern (und muss von den Eltern angeschafft werden). Damit erübrigt sich die Frage nach dem warum, da die Antwort auf der Hand liegt: Weil die Schüler nun mal in der Zwischenzeit jeden Schwachsinn, den sie irgendwo finden draufinstalliert haben; weil sie jede CD, die einer Zeitschrift beiliegt unbedingt ins Gerät schieben müssen.
    Mein Stiefsohn war auch in so einer Klasse. Denn da kommt dann nämlich noch etwas dazu: Nach ca. einem dreiviertel Jahr ist der Laptop nämlich hinüber und muss (natürlich von den Eltern) ersetzt werden! Hast du den finanziellen Rückhalt um deinen Sprößling jedes Jahr einen nagelneuen Laptop zu spendieren?

    Zum Thema:
    Ich bin auch Informatiker und verdiene meine Brötchen mit Softwareentwicklung. Aber bei den Schulen muss man sich schon fragen, was die wohl unter ‘Informatik’ verstehen. Meistens ist es wirklich nicht viel mehr als ein bischen Excel, ein bischen Word und in Powerpoint etwas zusammenklicken. Mit Informatik hat das meines Erachtens nicht wirklich etwas zu tun. Ich würde nicht unbedingt großartigen Wert auf das Verständnis des Aufbaus und der Funktionsweise auf tiefster Ebene legen, aber eine Grundbildung über Algorithmen, die dann auch in einer einfachen Programmiersprache umgesetzt werden, sollte meiner Meinung nach schon sein.

    Wovon ich gar nichts halte, ist der Einzug des Computers in der Grundschule. In der Grundschule sollen die Basisfähigkeiten gelernt werden: Lesen, Schreiben, Rechnen. Nicht mehr und nicht weniger. Aber dafür sollten die gut gelernt werden. Aus dem gleichen Grund halte ich auch nicht viel von Lückentexten und Multiple Choice Tests. Das sind alles nur Hilfsmittel, damit man den Lehrern die Arbeit leichter macht. Für die Schüler ist das ein Desaster. Wie sollen die denn Schreiben lernen, wenn sie es nie in ausreichendem Masse tun? Klar sind sid begeistert, wenn sie nur noch die richtige Antwort aus 5 heraussuchen müssen, aber was passiert den wirklich? Sie suchen nach der Antwort in der die entsprechenden Buzzwords enthalten sind. Ein Verständnis des Zusammenhangs der Frage mit den einzelnen Antworten und warum eine spezielle Antwort falsch ist, darum geht es doch schon lange nicht mehr.

    Unsere Kinder lernen viel in der Schule (zumindest sollten sie das), aber sie lernen nichts mehr richtig und nachhaltig! Ich denke, wir sind an einem Punkt angelangt, an dem man ganz klar sagen muss: Weniger ist mehr!

  7. #7 Dr. Webbaer
    25. Mai 2011

    Ich denke, wir sind an einem Punkt angelangt, an dem man ganz klar sagen muss: Weniger ist mehr!

    Genau das sagt man seit ca. 40 Jahren.

    MFG
    Dr. Webbaer

  8. #8 Marcus Frenkel
    25. Mai 2011

    Ich denke, wir sind an einem Punkt angelangt, an dem man ganz klar sagen muss: Weniger ist mehr!

    Genau das sagt man seit ca. 40 Jahren.

    Seit 40 Jahren hat man praktisch auch den gleichen Lehrplan und Unterrichtsaufbau. Ein Zeichen?

  9. #9 Dr. Webbaer
    25. Mai 2011

    @Frenkel

    Ich denke, wir sind an einem Punkt angelangt, an dem man ganz klar sagen muss: Weniger ist mehr! (Kallewirsch)

    Genau das sagt man seit ca. 40 Jahren. (Dr. Webbaer)

    Seit 40 Jahren hat man praktisch auch den gleichen Lehrplan und Unterrichtsaufbau. Ein Zeichen?

    Wie meinen?

    MFG
    DrW

  10. #10 Marcus Frenkel
    25. Mai 2011

    Vielleicht wäre es wirklich einmal Zeit, die Lehrmethoden an sich zu überdenken und nicht immer nur am Alten festzuhalten…

  11. #11 Dr. Webbaer
    25. Mai 2011

    @Frenkel
    Keine Ahnung, ob Sie’s mitbekommen haben, aber da hat sich doch “ein wenig” getan in den letzten vier Jahrzehnten. Aus vielleicht 30% Abiturientinnen sind 55% geworden. – Und warum? A: Genau! Weil bspw. aus Mathematik “Textaufgaben” wurde und soziale Kompetenz (“Laberfächer”) tatsächliche Kompetenz überschreiben konnte.

    Der Trend setzt sich fort, die Hauptschule wird wohl abgeschafft in D und das gemeinsame Lernen, das sich an den Leistungsschwächeren orientieren wird, setzt sich langsam durch. Insofern ist den Lehrerberichten zu glauben und eine Holschuld der Schüler wird immer unmodischer. In D, – wissen Sie wie in den fernost-asiatischen Staaten gelehrt wird?

    Es muss ja nicht gleich so zackig sein, aber die Lernwilligen wird man schon trennen müssen von den anderen…

    MFG
    Dr. Webbaer

  12. #12 Marcus Frenkel
    25. Mai 2011

    Das Lehrsystem in den asiatischen Ländern bedeutet auch nur, dass die Schüler stärker auf Unterordnung und Leistungserbringung gedrillt werden. Ob es am Ende dazu führt, dass nach der Schulzeit mehr hängen bleibt, wage ich zu bezweifeln, denn in Japan, China und Korea ist das nur-für-die-Prüfung-lernen, was ich persönlich nicht sonderlich mag und auch nicht für sinnvoll halte, extrem ausgeprägt, wenn ich mich nicht täusche.

    Verstehen Sie mich nicht falsch: ich habe kein Patentrezept, welches man anbringen könnte; ich weiß auch nicht, ob es überhaupt ein “besseres” System als das jetzige gibt oder ob wir uns an dieser Stelle wirklich schon der Idealform der Schule langsam annähern. Genauso gut kann es aber auch sein, dass wir mit der jetzigen Form in einem lokalen Maximum stecken und für eine weitere “Verbesserung” (was immer das auch am Ende heißt) ganz von vorne anfangen müssten.

    All das weiß ich nicht. Ich hinterfrage es nur gerne ab und zu.

  13. #13 Blah
    25. Mai 2011

    Die Wahrheit ist viel schlimmer, es ist eine Farce.

    An bayerischen Gymnasien lernen die Kinder in der 6. Klasse die Objekt-Punkt-Notation, können also etwa

    Lehrer.Kopf.explodiert()

    hinschreiben, alles ohne Computer und ohne Sinn und Verstand. Dazu dann HTML und Hypertext, Email und Quatsch.

    Als ich kürzlich in der 9. Klasse in Physik beim Thema Induktion die Funktionsweise einer Festplatte erklären wollte, stellte sich heraus, dass NIEMAND sagen konnte, was “ein Bit” bzw. “ein Byte” ist. Frage: “Was sind dann Megabyte?” Antwort: “Das ist irgendwie die Größe” usw.

    Ein Blick in die Lehrpläne ist so desillioniorend, dass man das Fach eigentlich abschaffen muss; allein die Sprechweisen. Irre.

    “Funktion als informationsverarbeitende Einheit (Bezeichner, Eingangsparameter, Funktionswert, Zuordnungsvorschrift; Eindeutigkeit); vordefinierte Funktionen, insbesondere bedingte Funktion („Wenn-Funktion“) und logische Funktionen”

    http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26434

  14. #14 michael
    25. Mai 2011

    > Was gibt’s denn da zu ROTFLen?
    Auch wenn Stefan W. da geringfügig mit seinen Jahrhunderten übertreibt,

    Geringfügig ? ROTFL!

    > Als die Schrift aufkam wurde sich beschwert, dass man sich ja jetzt nichts mehr merken müsse (diese Kommentare wurden ausgerechnet schriftlich fixiert…).

    Aber nicht von dem, der auf die Nachteile hinwies.

    > Bei den Zeitungen hiess es, dass sie der Untergang der zwischenmenschlichen Kommunikation seien (weil man ja nicht mehr Tratschen musste, sondern alles gedruckt präsentiert bekam).

    Was macht denn Papa, wenn er beim Frühstück keine Lust hat, sich zu unterhalten. Er versteckt sich hinter der Zeitung!

    > Buchdruck -> großes Problem für die Deutungshoheit der Kirche. Untergang!

    Guckts Du hier http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Buchdruck_in_der_fr%C3%BChen_Neuzeit in Abschnitt drei rein.

    Die Kirche hat(te) nur ein Problem damit, dass der Buchdruck auch ihren Gegnern zur Verfügung stand. Das ist das gleiche Problem, was viele Regierungen mit dem Internet haben. Allerdings ist hier eine Zensur viel leichter.

    > Bis hin zu: MP3, der Untergang der Musikindustrie!*

    Was hat denn das mit Kultur zu tun ?

  15. #15 Dr. Webbaer
    25. Mai 2011

    @Frenkel

    Genauso gut kann es aber auch sein, dass wir mit der jetzigen Form [des Schulsystems] in einem lokalen Maximum stecken und für eine weitere “Verbesserung” (was immer das auch am Ende heißt) ganz von vorne anfangen müssten.

    Wenn der Schreibär dieser Zeilen Sie nicht ein wenig kennen würde, wäre seine erste Vermutung: Das war aber ein verdammt guter Gag! – So ist es ihm nicht ganz klar. 🙂

    MFG
    Dr. Webbaer

  16. #16 matthias
    25. Mai 2011

    @blah: danke für den Link, bin ihm mal gefolgt und kann das nur jedem raten (jedem, der starke Nerven hat…)
    Mein Fazit? OMG…. Da waren wirklich nur Trottel am Werk. Massenhaft theoretischer und abstrakter Blödsinn, ein paar weitere Highlights:
    >Die Kinder sollen die “in der Unterstufe erlernte ob­jektorientierte Denkweise” anwenden. Haben die wirklich in der Unterstufe eine objektorientierte Programmiersprache gelernt und so komplexe Programme geschrieben, dass sie die “ob­jektorientierte Denkweise” zu schätzen gelernt haben? Es gibt einen Grund, warum die “ob­jektorientierte Denkweise” mit den objektorientierten Programmiersprachen aufkam, die geschaffen wurden um die immer komplexer werdenden Programme besser strukturieren zu können. Nämlich: Im Alltag ist this->Kopf.explodiert() vielleicht nahe an der Wahrheit und auch recht witzig, aber mehr auch nicht mehr.
    >Dann sollen sie noch den Umgang mit Datenbanken lernen… zB SQL… WTF? Für was soll denn das bitte gut sein? Damit man dann elegant auf Datenschutz überleiten kann? Ich studiere Mathe und Physik, benutze meinen Laptop nun wirklich nicht zu knapp (Linux, also nix zum rumspielen) persönlich wie für die uni aber ich habe wirklich noch nie SQL gebraucht (im Gegensatz zu allgemeinen Programmierkenntnissen). Für was auch? Für große Programme sicher häufig unentbehrlich, ein Informatiker brauchts ganz klar, aber sonst? DROPTABLE verstand oder so…
    >Weils so schön ist: “elementare Datentypen: … Datum, …”

    und @JD: Kann ich ihrem Kommentar entnehmen, dass die Schüler am Laptop mitschreiben sollen? Weil, wenn man den einmal angeschafft hat, muss man ihn ja auch durchgängig benutzen? Wer hätte gedacht, dass das nicht so schnell und flexibel wie mit Block und Bleistift geht…

    Also meine Vorstellung von Informatik in der Schule (wie ich es am liebsten gehabt hätte) wäre: Möglichst schnell eine einfache (evtl. eigens dafür geschaffene?) Programmiersprache lernen, if…else, for… while… function… und ein paar vordefinierte Funktionen, mehr braucht man nicht um schon einiges machen zu können. Auch einiges, was wirklich mal Spaß macht, wenn mans mit einem selbstgeschriebenen Programm machen kann, wie Bild- Audio- oder Video-Dateien manipulieren (invertieren, rückwärts abspielen lassen, Farben vertauschen….) Also ich fands toll, nachdem ich endlich rausgefunden hatte, wie man die Dateien einlesen und speichern kann. Leider hab ich damals Turbo Pascal gelernt, mit 16Bit Compiler und IDE in der DOS-Box auf 32Bit Windows und allen daraus folgenden Unbequemlichkeiten…
    Dabei bekommt man dann automatisch auch n bisschen ein Gefühl dafür, wie so ein Computer funktioniert. Der Umstieg auf eine x-beliebige andere Sprache ist auch kein Problem, nachdem man erstmal die Grundlagen drin hat. Dann ists halt zB nicht mehr “{ … }” sondern “begin … end”. Meinetwegen darfs für Interessierte dann auch mal Java mit Objektorientierung sein 😉

  17. #17 Dr. Webbaer
    25. Mai 2011

    DROP TABLE verstand

    Wie jämmerlich es um die Kulturtechnik Nr. 1 noch bestellt ist, lässt sich übrigens aus Politikeraussagen ablesen, denen es dermaßen an Webkompetenz mangelt, dass man nur noch blass gucken kann, Beispiele:

    Das Web kann natürlich gar nicht oder nur mit massivem Aufwand schlecht zensuriert werden, China ist hier vglw. erfolgreich, bei massivem Aufwand, vielleicht 60k Zensuristen, am sichersten funktioniert die Zensur in Nord-Korea: Die haben kein Internet, lol.

    MFG
    Dr. Webbaer

  18. #18 michael
    25. Mai 2011

    > Wie jämmerlich es um die Kulturtechnik Nr. 1 noch bestellt ist…

    Schön ist auch dieser Inteview-ausschnitt (von http://www.tagesspiegel.de/medien/die-ard-steht-fuer-eine-allianz-gegen-google-bereit/3687510.html)

    Wie schnell könnten Sie ihre Apps denn überhaupt kostenpflichtig machen?

    Es gibt ja schon heute kostenpflichtige Apps der ARD, beispielsweise die Loriot-App. Den Geburtsfehler des Internets – kostenlose Inhalte – zu beseitigen ist aber schwierig und langwierig.

    bekannt ist ja wohl:

    FRAGE:
    “Herr Bundeskanzler, für unsere Zukunft brauchen wir weltweit erfolgreiche Zukunftsindustrien. Ich denke, daß Herr Clinton in den USA das erkannt hat und dass er sich aus genau diesem Grund auch ganz persönlich vor den Bau der Datenautobahn stellt. Was tun Sie für die deutsche Datenautobahn?”
    HELMUT KOHL:
    (RTL, März 1994)
    “Ja, da sind wir ja mitten in der Diskussion, das weiß ja hier kaum einer besser als Sie. Und Sie wissen auch, wie heftig umstritten das ist. Die Zukunft läuft in diese Richtung. Aber wir brauchen dafür Mehrheiten. Und wir sind ein föderal gegliedertes Land, und Autobahnen sind elementar auch – mit Recht – in der Oberhoheit der Länder. Der Zustand, den wir jetzt auf den Autobahnen haben, ist dergestalt, dass wir wissen, wann wir überhaupt nur noch von go und stop auf Autobahnen reden können.”

    von http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2000/erste7444.html

  19. #19 Dr. Webbaer
    25. Mai 2011

    @michael
    Da gibt es schlimmste Sachen, der mit dem “Geburtsfehler” war natürlich gu-ut, lol. [1]
    “Datenautobahn” war 1994 Helmut K wohl nicht geläufig, ist ja nicht schlimm.

    Die Schirrmacher-Traktate übers Internet kennen Sie auch, gell, lustig übrigens immer auch, wenn sich Journalisten abfällig über Blogger äußern. Oder wenn wieder mal ein Presseratszugriff auf deutschsprachige Blogger gefordert wird, lol, man kann’s nicht fassen, was da so hochkommt von ansonsten gut integrierten und positionierten deutschsprachigen Kräften…

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] btw, Webverweis funzt net 🙂

  20. #20 Dr. Webbaer
    25. Mai 2011

    Nachtrag und aus der Erinnerung:
    “Datenautobahn” kam ca. 1990 in den allgemeinen Politiker-Sprachgebrauch, das ARpanet war schon offen und die allgemeine Nutzung des Webs zeichnete sich ab. Helmut K kannte sicherlich das Wort (das dann vielleicht 1995 wieder verschwand), der Mann muss sich eigentlich verhört haben, lol.

  21. #21 JD
    26. Mai 2011

    @Marcus Frenkel
    Die Laptops gehören den Schülern (die Ausbildungsbetriebe geben aber auch etwas Geld dazu). Da ist es schwer die Nutzerprofile einzuschränken. Wir haben zwar die Möglichkeit den Internetzugang im Router zu sperren, allerdings hilft das nicht gegen selbst aufgebaute UMTS Hotspots. Schüler sind erstaunlich technikbegeistert, wenn es darum geht Einschränkungen zu umgehen (==> Interesse), allerdings läßt sich das nur sehr begrenzt für den Unterricht nutzen.

    Das verwendete DGS-System heißt Geonext und läuft unter Java. Die meisten Probleme lassen sich dabei auf fehlerhafte Java Installatoinen/Konfigurationen zurück führen. Als CAS haben wir Maxima und Sage versucht. Bei ersterem gab es Probleme im Zusammenspiel von graphischer Oberfläche und eigentlichem CAS (ließ sich nur durch eine Neuinstallation beheben), letzteres ist meiner Meinung nach unter Windows eine Katastrophe (Wobei man schon während der Installation so einiges über virtuelle Systeme und Firewallkonfiguration lernt).
    Ich will den Schülern nicht mal große Vorwürfe machen. Auch auf Schulcomputern funktioniert nicht immer alles einwandfrei. Wartungsarbeiten, Updates, etc. müssen meistens von den Lehrern sozusagen in ihrer Freizeit erledigt werden. Ein “Systembetreuer” bekommt für ca. 100 Schülercomputer (nach einigen Jahren sind das dann 30 verschiedene Hardwarekombinationen) etwa 3 Stunden angerechnet. Dafür darf er sich aber auch noch um die Computer der Schulverwaltung (und eventuell die Schulhomepage) kümmern.

    Bei 4. kann ich ihnen zustimmen. Ich bin wirklich auf die Zukunft gespannt.

    Grundsätzlich würde ich die Gegenfrage bezüglich chemischer Reaktionen, Faust usw. nicht mit “ja” beantworten. Kaum jemand braucht diese Dinge wirklich. Ein großer Teil hat fünf Jahre nach dem Ende der Schulzeit auch bereits vieles davon wieder vergessen.
    Mein “Traum” wäre, Grundbildung in lesen (vor allem Texte verstehen und Informationen heraus arbeiten), schreiben (sich verständlich ausdrücken können und argumentieren), rechnen (Grundrechenarten, Dreisatz, Prozentrechnung, Formeln umstellen), Naturwissenschaft (Grundlagen über den Aufbau unserer Welt) dazu eventuell noch Fremdsprachen. Alles weitere wird in Zusatzkursen ermittelt, die die Schüler gemäß ihrer Interessen wählen.
    Das es bei der Umsetzung dieses Traums in die Realität nur so vor Problemen (Eltern, Schüler ohne Intersse, gesellschaftliche Normen) wimmelt ist mir vollkommen klar. Einen Ausweg weiß ich nicht, sonst wäre ich nicht Lehrer sondern Kultusminister.

    Vokabeltrainer konnten wir schon zu meiner Zeit im Sprachlabor nutzen. Ich habe mehr Englisch gelernt, als ich die Harry Potter Romane laß. Gute Simulationsprogramme sind selten (ich nutze eines in Elektrotechnik, um Transformatoren und Elektromotoren zu erklären), mit Planspielen habe ich bisher noch keine Erfahrungen gemacht.

    @Dr. Webbaer
    Schüler ohne Interesse links liegen zu lassen widerstrebt mir aber auch sehr. Irgendwie muss man die Schüler da abholen wo sie stehen und zur Not “zu ihrem Glück zwingen”. Dann werden eben Übungsaufgaben bearbeitet bis der Kopf raucht und immer wieder auf Grundlagen eingegangen. Wenn man bei allen wartet bis sie selbst merken, dass ein anderes Verhalten besser gewesen wäre, dann ist es für die Hälfte zu spät.

    @Blah
    Das ist in der Tat ein Problem. Lehrpläne sind bindent. Was darin steht muss auch bearbeitet werden.

    @matthias
    Das Konzept der Laptop Klassen ist nicht 100% ausgereift. In erster Line heißt das, dass sie einen Laptop dabei haben dürfen/müssen und dass man wenn möglich darauf eingehen soll. Bei einigen Kollegen dürfen sie auf dem Laptop mitschreiben (in Deutsch funktioniert das angeblich ganz gut), bei mir in Mathematik ist das fast abgeschafft, weil keiner der Schüler Latex oder den Libre Office Formeleditor (der Word Formeleditor war zumindest früher absolut ungeeignet) richtig bedienen kann und deshalb alles zu langsam geht. Visualisierungen sind auch nur schwer umzusetzen. Außerdem weigere ich mich immernoch den Schülern einfach ein fertiges Skript zu geben.
    Es gibt einige sehr einfache Programmiersprachen. Spontan fallen mir Logo und JavaScript ein. Ob sich damit Dateien so wie von ihnen gewünscht manipulieren lassen weiß ich aber nicht.

    p.s. noch eine technische Frage: wie um alles in der Welt bekommt man hier die schicken Zitate hin?

  22. #22 Marcus Frenkel
    26. Mai 2011

    Mein “Traum” wäre, Grundbildung in lesen (vor allem Texte verstehen und Informationen heraus arbeiten), schreiben (sich verständlich ausdrücken können und argumentieren), rechnen (Grundrechenarten, Dreisatz, Prozentrechnung, Formeln umstellen), Naturwissenschaft (Grundlagen über den Aufbau unserer Welt) dazu eventuell noch Fremdsprachen. Alles weitere wird in Zusatzkursen ermittelt, die die Schüler gemäß ihrer Interessen wählen.

    Da würde ich mich größtenteils Ihrer Meinung anschließen! Quasi ein “Studium light” in der Schule – wobei es vielleicht zu Anfang jedes Schuljahres ein paar “Leitveranstaltungen” geben sollte, in denen die Schüler Vorträge zu verschiedensten Themen hören, damit sie sich ein Bild davon machen können – manchmal hilft schon ein Vortrag, um Interesse zu wecken.

    Das mit der Technik scheint wirklich ein Problem zu sein…vielleicht wäre es hier günstig, wenn jeder Schüler an seinem Arbeitsplatz einen fertig konfigurierten Rechner bekommen würde (wo dann auch kein Unsinn damit geht). Ich weiß, dass das die jetzigen Ressourcen nicht hergeben…aber vielleicht irgendwann einmal in der Zukunft.

    Und Simulationsprogramme sind wirklich selten, das stimmt. Auch Planspiele. Was aber wohl eben vor allem daran liegt, dass kaum Bedarf besteht. Leider.

    Zu Ihrer technischen Frage: benutzen Sie einfach die Form
    <blockquote>Ihr Zitat</blockquote>

  23. #23 michael
    26. Mai 2011

    > btw, Webverweis funzt net 🙂

    Letzte Klammer im url wegmachen und es geht wie von selbst.

    http://www.tagesspiegel.de/medien/die-ard-steht-fuer-eine-allianz-gegen-google-bereit/3687510.html

  24. #24 Stefan W.
    26. Mai 2011

    1. Die Computer verursachen massive Ablenkung, weil Schüler sie zum Großteil für unterrichtsfremde Tätigkeiten nutzen.

    Darin sind sie einem Stück Papier gleich. Damit läßt sich Schiffeversenken spielen, man kann Pimmel drauf malen, und Papierflieger draus falten.

    Didakten vom Schlage eines Gefängniswärters würden nun überlegen, wie man ein Papier erzeugt, welches im Matheunterricht nur Zahlen, Operatoren und Variablen gestattet, und auch diese nur im Raster, so dass nicht doch jmd. eine Karikatur der Mathelehrerin aus Integrallzeichen verfertigt – Gott schütze uns vor den Kreativen! Gebt uns Koreanischen Drill und Geistige Bootcamps für unsere Thinktanks!

    Ein USB-Stick mit 4GB Speicher reicht, um mit 2 GB ein bootfähiges Linuxsystem auf einer Partition und die Daten der Schüler auf einer anderen Partition zu halten. Das ist wie ein Ranzen mit dem 5kg Dierkeatlas und Mäppchen und Heften: Vergessen oder Verbummeln des Unterrichtsmaterials ist Leistungsverweigerung – Note 6. Ein neuer Stick kostet weniger als 10 € und ist in wenigen Minuten neu bespielt mit dem Referenzsystem. Die eigenen Daten hat man ja als Backup auf dem Schulserver und, wenn man will, zuhause. Im Extremfall verliert man die Arbeit einer Woche. Dann jagd man die Kids durch 3 Formulare und 4 Zimmer, wo sie erklären müssen, wie es passiert ist, und dann wird das die meisten davon abhalten, das zu wiederholen.

    Wer den Ranzen in die Wupper fallen läßt muß auch sehen wie er an seine Aufgaben, an Bücher, Stifte usw. kommt.

    Muß man sich wirklich so legasthenisch anstellen, nur weil sich die Technik geändert hat?

    Ich schlage sogar vor die Abschaffung des Lernens von Handschrift – nicht nur Schreibschrift, sondern Schrift mit Stiften überhaupt anzukündigen. Mir gruselt selbst ein wenig davor, dass man zum Schreiben in Zukunft immer Strom brauchen soll, aber man muss doch wirklich aufpassen, dass man nicht romantisierend den Status Quo verklärt.

    Mir wurde noch erklärt, wie verheerend sich Kulis auf das Schriftbild auswirken, und ich mußte dafür so einen tropfenden, schmierenden Füller verwenden – das Gegenteil der Behauptung traf zu. Verknöcherte Altherrenhirne verbarrikadierten den Weg zu einer praktischen Aneignung der Möglichkeiten.

    Mit dem Rechner kann man übrigens nicht nur Notensatz machen, sondern die Musik auch gleich abspielen, man kann mixen und Rhythmus schreiben, Midigeräte steuern und vieles mehr.

    Einen Squeakvortrag zum Einsatz von Rechnern in der Schule zur Visualisierung des freien Falls kann ich empfehlen: da wurden die Videofähigkeiten des Gerätes ausgenutzt – in Deutschland denkt man natürlich zuerst an Opfervideos auf YouTube, und würde Rechner ohne Multimediamöglichkeiten bestellen, oder sehen, wie man sie brach legt – und in die Bilder reingemalt, und der quadratische Anstieg der zurückgelegten Strecke so selbst entdeckt. “Squeakers” heißt die DVD, die ich hier rumliegen habe, und die es wohl auch im Netz gibt – http://www.squeakland.org könnte die passende Adresse sein.

    Wenn die Schüler nicht einen 5-10kg-Ranzen mit sich rumschleppen, weil sie alle Bücher auf einem USB-Stick haben, und die Schulbücher nicht mehr Verlage fettmachen, sondern die Lehrer und Schüler das Material Wikiartig selbst weiterentwickeln, und kostenlos weitergeben – was wäre das eigentlich für eine Perspektive?

    Göthe, Schiller, Kleist, Sophokles, Kraus – das ist doch alles gemeinfrei, und könnte so wirklich zur Bildung benutzt werden, ohne dass die Eltern es dicke haben müssen. Ich erinnere mich, dass im Deutschunterricht nach 3 Wochen etwa hatte ich die Kurzgeschichten alle durch, nach weiteren 2 Wochen auch die längeren, dann kamen die kurzen Gedichte (Fisches Nachtgesang) und dann die längeren, und den Rest des Schuljahrs war Langeweile.

    Man könnte enorme Mengen an Material gratis zur Verfügung stellen. Man würde einen Haufen Didakten und Layoutkünstlter, Programmierer und Fachidioten zusammenbringen, die fürstlich entlohnt werden dafür, dass sie alle Rechte an den von ihnen geschaffenen Materialien abtreten, und vom gesparten Geld könnte man bessere Geräte für die Turnhallen kaufen.

    Aber niemand hat die Chuzpe es mit den Kletts und Herders aufzunehmen, und man versucht stattdessen ein Navigationsgerät in den 4-Spänner einzubauen.

  25. #25 Kallewirsch
    26. Mai 2011

    @Stefan W.

    Auch wenn ich in vielen deiner Punkt mit dir konform gehe, abe rmit dem hier kann ich mich nicht identifizieren

    Ich schlage sogar vor die Abschaffung des Lernens von Handschrift – nicht nur Schreibschrift, sondern Schrift mit Stiften überhaupt anzukündigen. Mir gruselt selbst ein wenig davor, dass man zum Schreiben in Zukunft immer Strom brauchen soll, aber man muss doch wirklich aufpassen, dass man nicht romantisierend den Status Quo verklärt

    Das Erlernen einer Schreibschrift hat nämlich meines Erachtens auch etwas mit dem entwicklen und trainieren einer gewissen Hand/Finger Koordination und Motorik zu tun. Hat also einen Nebeneffekt, der weit über das eigentliche Schreiben hinausgeht. Gerade in einer Zeit, in der es in den Schulen keinen vernünftigen Bastelunterricht (die andere Quelle zur Entwicklung dieser Motoriken) mehr gibt, ist das m.M. ein wichtiger Bestandteil der kindlichen Entwicklung. Keyboard und Joystick können das nicht in diesem Masse ersetzen.

  26. #26 Stefan W.
    26. Mai 2011

    Das Erlernen einer Schreibschrift hat nämlich meines Erachtens auch etwas mit dem entwicklen und trainieren einer gewissen Hand/Finger Koordination und Motorik zu tun.

    Tja, es hat damit zu tun, das ist wohl unbestritten, aber brauchen wir das? Würden die Fertigkeiten im Alltag gebraucht, dann würden sie sich wohl selbst entwickeln. Der Mensch hat ja nicht die Schrift erfunden um die Fingerfertigkeit zu trainieren, um eine Gilde von Uhrmachern hervorzubringen.

    Aber es ist typisch wie überkommene Kulturtechniken in romantischer Verklärung für das menschliche Wesen schlechthin gehalten werden, als hätten sich nicht umgekehrt die Fertigkeiten gerade aus dem Gebrauch neuer Techniken erst entwickelt.

    Das ist das gleiche Muster wie bei der Religion, bei der ja auch gerne geleugnet wird, dass sie von Menschen gemacht wurde, und die ein unwillkürliches, aber gleichwohl historisches Produkt ist. Versuche der Reform werden erstmal blockiert mit dem Hinweis auf magische, womöglich nicht ganz verstandene Kräfte die da wirken. Humbug! Da ist keine Magie – nicht in der Religion, nicht in der Handschrift.

  27. #27 Dr. Webbaer
    26. Mai 2011

    @JD
    Es kann ja in der Praxis nicht darum gehen nichtleistende oder minderleistende Schüler herausfallen zu lassen, es ging Dr. W schon eher um die Gruppenbildung für Interessierte. Ist eine Gruppe Interessierter gebildet, Dr. W hat ausschließlich hier pädagogische Erfahrungen, ist es oft ein Vergnügen zu lehren.

    @Stefan W.
    So radikal Ihre Forderung die Schreibschrift heranzusetzen, auch erscheinen mag, grundsätzlich haben Sie natürlich schon recht, wenn Sie die Wichtigkeit bzw. besser Unwichtigkeit dieser Fähigkeit herausstellen. Die Gebrauchsfälle mit dem Datenträger Papier nehmen jeden Tag zahlenmäßig ab – unterschreiben sollte man aber vielleicht [1] noch können.

    Wird sich ja auch alles mit der Zeit, also in den nächsten Jahren, ändern, viele Schüler rennen ja schon mit “Notbock” in die Schule.

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] auch hier gibt es IT-Varianten 🙂

  28. #28 michael
    26. Mai 2011

    > ja, es hat damit zu tun, das ist wohl unbestritten, aber brauchen wir das?

    Brauchen wir Computer, Bücher, Internet , Mondstationen ? Ersichtlich nicht.

  29. #29 JD
    26. Mai 2011

    @Stefan W.
    Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung erzählen. Mir fällt es schneller auf, wenn Schüler auf ihrem Block herum malen, als wenn sie sich nebenbei mit einem Facebook-Spiel vergnügen. Schiffe versenken leckt maximal zwei Leute ab und geht nicht ohne gemurmel (Käsekästchen allerdings schon). Bei Facebook kann eine ganze Klasse gleichzeitig interagieren.
    Dann fehlt noch immer die restliche Hardware zu dem Stick. Darüber hinaus die natürlich noch ein gutes Einsatzkonzept.
    Was die Abschaffung der Handschrift an geht mag ich etwas konservativ sein. Ich halte das für keine gute Idee. ich halte die Fähigkeit mit minimalen technischen Hilfsmitteln zu schreiben für eine wichtige Kulturtechnik. Auf Schreibschrift ließe sich allerdings verzichten.
    Die vorgeschlagene Seite trifft zwar nicht ganz meine Klientel, sieht aber interessant aus und ist zur späteren Verwendung gespeichert.
    Schultaschen sind übrigens wirklich zu groß und zu schwer. Paradoxer Weise, werden sie bei älteren Schülern immer kleiner und leichter.

    @Dr. Webbaer

    Ist eine Gruppe Interessierter gebildet, Dr. W hat ausschließlich hier pädagogische Erfahrungen, ist es oft ein Vergnügen zu lehren.

    Da kann ich ihnen vollkommen zustimmen. Lernen hat nie zuvor oder danach so viel Spaß gemacht wie während der Lerngruppenarbeit zur Studienzeit.

    @alle
    Hätte jemand Lust einmal eine Unterrichtsstunde zur Webkompetenz zu entwickeln? Ich kann diese dann in einer beliebigen Jahrgangsstufe der Berufsschule (Metalltechnische Berufe) testen.

  30. #30 Dr. Webbaer
    27. Mai 2011

    @JD

    Bei Facebook kann eine ganze Klasse gleichzeitig interagieren.

    Eieieieiei, lol, Sie sind nicht zu beneiden. Ja, die Zeiten haben sich geändert, der Tablet-PC wird ausgepackt, man geht ins Schul-W-LAN + Internet und sitzt permanent in verschiedenen sozialen Netzwerken…

    MFG
    Dr. Webbaer (der zu einer von Ihnen entwickelten Unterrichtsstunde gerne ein paar Zeilen schreiben wird)

  31. #31 Stefan W.
    28. Mai 2011

    Mir fällt es schneller auf, wenn Schüler auf ihrem Block herum malen, als wenn sie sich nebenbei mit einem Facebook-Spiel vergnügen.

    Das ist jetzt nicht ernsthaft als Argument gegen Computer in Schulen gemeint – dass für die Lehrer disziplinarische Kontrollen schwieriger würden?

    Ich denke wir haben es hier v.a. mit dem Problem zu tun, dass die Abschaffung der Handschrift für die, die es schon können, als eine Abwertung erlebt wird. Das eigene Können wird entwerted, und verleitet die Könner sich selbst als entwerted zu erleben, und das löst natürlich Abwehrmechanismen aus.

    Wenn man das also ernsthaft vorhätte wäre man gut beraten, das psychologisch geschickt einzufädeln, damit die alten Hasen sich nicht von jungen Konkurrenten vom Thron gestürzt fühlen.

  32. #32 JD
    29. Mai 2011

    dann versuchen wir uns mal an einer Unterrichtsstunde zur Webkompetenz.
    Als Basis bietet sich eine aktuelle TV-Sendung an: http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2011/0524/uebersicht.jsp Quarks&Co “Sicher durch die Datenwelt”

    Die ganze Folge gliedert sich in sieben Beiträge (plus ein achter, der nicht online verfügbar ist). Da eine Stunde nur 45 Minuten dauert und alle Beiträge zusammen 40 Minuten beanspruchen müssen wir eine Auswahl treffen. Ich würde sagen, wir beschränken uns auf drei Beiträge. Welche haltet ihr für am besten geeignet?

  33. #33 Marcus Frenkel
    29. Mai 2011

    Wenn es partout nur drei sein sollen, dann diese drei:

    “Ich weiß, was du gestern getan hast
    Wie viel das Internet über einen verrät”

    “Die Fallen der sozialen Netzwerke
    Facebook – die fast perfekte Marketingmaschinerie”

    “Wie Cyberkriminelle Kontodaten stehlen
    Vorsicht vor Trojanern im Netz!”

  34. #34 JD
    29. Mai 2011

    naja es bringt kaum etwas, wenn man einfach alle Beträge abspielt. Sowas sollte zumindest mit einem Arbeitsblatt oder Tafelbild kombiniert und nachbesprochen werden. Das wird jeweils 5 bis 10 Minuten brauchen (zugegeben das ist erstmal nur ein Schätzwert) und damit ist die Stunde dann schon vorbei.

  35. #35 Dr. Webbaer
    29. Mai 2011

    @JD + Zaunpfahl

    (…) und damit ist die Stunde dann schon vorbei.

    Sie können die Webkompetenz – wie bspw. auch die Europäische Aufklärung oder den Nationalsozialismus – nicht in eine Unterrichtsstunde packen, sondern müssten stattdessen selektiv einen Aspekt herausnehmen. – Mal als Vorschlag: Schreiben (“Entwickeln”) Sie doch mal was zur humanen (die Bärische bleibt hier erst mal außen vor) Netzwerkkommunikation und wie die so aussehen sollte. Die funktioniert nämlich ga-anz anders als “RL”.

    HTH
    Dr. Webbaer

  36. #36 JD
    29. Mai 2011

    @webbaer
    Mag sein, dass eine Stunde nicht reicht, aber irgendwo muss man ja anfangen.
    Humane Netzkomunikation? http://www.scienceblogs.de/netiquette.php
    Ich bin für Vorschläge offen.

  37. #37 Dr. Webbaer
    29. Mai 2011

    Das Sozialverhalten im Bereich der Netzwerkkommunikation ändert sich, weil meist die teilnehmenden Personen nicht namentlich bekannt sind und es demzufolge keine der üblichen Maßregelungen gibt und zudem – das Web ist bekanntlich international – auch die Rechtssprechung weitgehend außen vor bleibt. Dennoch ist Webkommunikation sinnvoll und begründet sich quasi aus sich selbst heraus und nicht aus den juristischen Grundlagen,; man könnte in Anlehnung an ein ungeregeltes humanes (vs. bärisches) Kooperationsverhalten auch von einer freien Webkommunikation schreiben wollen.

    Informationskanäle oder Feedbackmöflichkeiten wie diese sind schwierig zu regulieren, das Teilnehmerverhalten ist unabsehbar und feste Regelungsformen undenkbar, also unmöglich. Die einzelnen Inhaltemeister regulieren demzufolge nach Gutdünken, teilweise auch ohne klar erkennbares Konzept.

    “Netiquetten” dienen ganz primär der rechtlichen Absicherung und der Durchsetzbarkeit eines Hausrechts, das letztlich immer willkürlich ist.

    Was keine Kritik sein soll, sondern nur eine Beschreibung des Gegebenen.

    Steht Zensurierung an, dann kann der Webteilnehmer auf Anonymsierungsdienstleister, Proxies (auch sog. Vicsocks) zugreifen und zusammen miz anderen Vorsichtsmaßnahmen einem wie auch immer gearteten Zugriff entgehen. – Kurzum im Web herrscht Anarchie, Regulierungen sind nur partiell durchsetzbar und – Sie werden es ahnen! – die allgemeinen Rechtslagen bedürfen einer Anpassung.

    Hier könnte Dr. W noch fast unendlich fortsetzen, aber vielleicht reicht’s als Einstieg. Es gibt hierzu sogar eine Partei in D, die als einzige webkompetent ist und sich politisch ernstzunehemnend bemüht. – Leider sind dort mit Tauss und Beer nicht gerade die Bringer “eingekauft” worden, das aber nur ga-anz nebenbei.

    Ein weites Feld!

    MFG
    Dr. Webbaer (der hier ganz spontan und grob vortrug)