Meta-Hinweis: Dies sollte eigentlich als ein Kommentar zu Stephan Schleims Beitrag Sexismus in der Sexismus-Debatte bei den scilogs werden. Aber erstens wäre sie eh’ zu lang für einen Kommentar dort, und zweitens muss ich zugeben, dass mein Ironiesensor sowohl beim Beitrag selbst als bei den meisten Kommentaren, die dazu geschrieben wurden, ganz einfach versagt hat. Habe ihn über Nacht in Reparatur gegeben, aber – nix. Weiterhin kein Ausschlag. Ehe ich also riskiere, bei den scilogs auf dem falschen Bein zu kommentieren, schreib’ ich meine Gedanken lieber in meinem eigenen Kontext auf.

Die Rassismus-Debatte ist hier noch gar nicht ganz abgeebbt, da wird in Deutschland schon wieder ein neues Fass aufgemacht, diesmal eines, aus dem der Sexismus mit einem Aufschrei herausschwappt. Und während ich mich, mit der Distanz eines Ozeans gehandicapped, noch ins Thema einlesen will, stoße ich bei den scilogs auf diesen – von diversen Facebook-Seiten (scheinbar) hoch gelobten – Beitrag von Stephan Schleim: Sexismus in der Sexismus-Debatte. Dem Tenor des Beitrags, dass es – ich benutze jetzt mal meine Worte – meta-sexistisch ist, den Sexismus allein als ein Fehlverhalten von Männern zu definieren (genau, das ist nämlich eine in sich sexistische Definition), will ich erst einmal unumwunden und emphatisch zustimmen:

Als Beleg liefert der scilogs-Autor dann Beobachtungen, die er im Laufe seines Lebens gemacht hat – Beobachtungen, in denen er als Mann sich als Opfer weiblicher sexistischer An- oder Übergriffe (oder zumindest der Versuche derselben) empfunden hat. Das deckt sich zwar nicht mit meinen eigenen Erfahrungen, was in mir spontan Zweifel and der repräsentativen Gültigkeit dieser Anekdoten weckt – aber das mag auch ganz einfach daran liegen, dass ich als Objekt der Begierde halt einfach nicht attraktiv genug bin (wobei, und das ist ganz wichtig, ich aber nicht implizieren will, dass attraktivere Menschen per se eine Mitschuld daran tragen, wenn sie derart “angemacht” werden – weder Kleidung noch Sexappeal geben anderen das Recht, die Persönlichkeitsrechte eines Menschen zu verletzen. Und das ist ganz unironisch gemeint.)

Äh, wo war ich? Ach ja, bei den eigenen Erfahrungen. Nochmal: Ich will hier nicht bezweifeln, dass das von Stephan Schleim beschriebene Verhalten seine Persönlichkeit und seine Gefühle verletzt hat. Aber ich frage mich, ob das in der aktuellen Debatte wirklich hilfreich ist. Es kann nämlich leicht missverstanden werden: Anstatt (wie ich hoffe, dass er meinte, was ich dann aber in den Kommentaren kaum noch wiederfinden kann) darauf hinzuweisen, dass dies als eine Debatte in der Gesellschaft insgesamt geführt werden muss, in der es um zwischenmenschliches Verhalten geht, kann es auch so rauskommen, dass damit die Diskussion über das Fehlverhalten der Männer (i.d.F. mehr oder weniger prominente Politiker) erst mal angehalten werden soll, so lange nicht auch weibliche Übergriffe diskutiert werden.

Das mag jetzt beinahe spitzfindig klingen, denn beide Prämissen scheinen das gleiche zu fordern: eine Diskussion über Sexismus und sexuelle Belästigung (was übrigens nicht synonym ist), die unabhängig vom Geschlecht der TäterInnen geführt wird. Doch es ist eine Sache, die aktuelle Diskussion erweitern zu wollen – eine ganz andere, damit die aktuelle Diskussion erst mal bremsen, weil ja nur über die männlichen Übergriffe geredet wird. (Und noch einmal, auch wenn ich mich wiederhole: Welches die Intention von Stephan Schleim war, ist mir nicht klar, und ich hoffe eigentlich erstere – aber die meisten Kommentare zielen in die zweite Richtung.)

Analog zum Rassismus, der Menschen allein durch ihre “Rasse” (was immer das sein mag) definiert, ist Sexismus der Versuch, Menschen allein über ihr Geschlecht zu definieren. Und das ist falsch, egal welche Kombinationen von X und Y-Chromosomen dabei im Spiel sind. Auch wohlmeinender Sexismus ist sexistisch, und das menschliche Paarungsverhalten schon ganz und gar (denn sowohl beim homo- als auch beim heterosexuellen Partnerverhalten ist das Geschlecht ein maßgebliches Kriterium). Es ist nicht weniger sexistisch zu sagen, Frauen sind bessere … wasauchimmer, als eine parallele Aussage zu Männern zu machen.

flattr this!

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Kommentare (113)

  1. #1 rolak
    26. Januar 2013

    Es steht zu befürchten, daß die schon von der Rassismus-Debatte bekannten Strategien hin zu Immunisierung (der peergroup widersprechende Meinung ist ~derailing) und Asymmetrie

    Aber es diskriminiert Weiße nicht. Dazu fehlt es an einer diskriminierenden Struktur weißen Menschen gegenüber.

    schon aufgrund ihrer Universalität auch in eine Sexismus-Debatte übernommen werden (s/derailing/assplaining/). Noch deutlich stärker als bisher schon wahrgenommen.
    Selbstverständlich wäre es genauso ein Blödsinn, zur ausgleichenden Gerechtigkeit (oder was auch immer) zu fordern, daß allzeit alle Aspekte gleichwertig behandelt werden, doch ein mehr oder weniger elegant formuliertes ‘nur wir’ ist demaskierend.

    Torpfosten wieder dahin rücken..

    Eine schon auf dem Bolzplatz oft gehörte Aufforderung, dem durch kleine Marker wie Taschen, Jacken oä begrenzeten Tore wieder seine ursprüngliche Breite zukommen zu lassen 😉

    btw: Kann es sein, das zum Verständnis des letzten Satzes (mindestens) ein weiteres Wort nötig ist?

  2. #2 Theres
    26. Januar 2013

    Anstatt (wie ich hoffe, dass er meinte, was ich dann aber in den Kommentaren kaum noch wiederfinden kann) darauf hinzuweisen, dass dies als eine Debatte in der Gesellschaft insgesamt geführt werden muss, in der es um zwischenmenschliches Verhalten geht, kann es auch so rauskommen, dass damit die Diskussion über das Fehlverhalten der Männer (i.d.F. mehr oder weniger prominente Politiker) erst mal angehalten werden soll, so lange nicht auch weibliche Übergriffe diskutiert werden.

    Ausnahmsweise habe ich Stephan Schleim so verstanden und fand seinen ‘Ansatz wie diskutiert werden soll in Ordnung, wünschenswert auch, aber dann driftete es ab …

    Der konkrete Fall ist m. E. zu polemisierendovrgetragen, das erste Mal ist es auch nicht, der Herr Brüderle scheint so zu sein und bringen tut es auf diese Weise gar nichts, grob gesagt. Vielleicht wollte Stephan Schleim das zum Ausdruck bringen?
    Hier wars besser zum Ausdruck gebracht.

    Und ja, dem letzten Satz fehlt etwas …

  3. #3 rolak
    26. Januar 2013

    grabschende oder “baggernde”

    Ersteres ist wohl zeitlos, letzteres wähnte ich früher™ vielbenutzt und jetzt abnehmend. Das letzte wahrgenommene, besondere Ereignis zu diesem Wort war vor gut 20 Jahren ein Geburtstagsgeschenk an eine Person, die dem Wort ‘Baggersee’ eine völlig neue Bedeutung gab: Ein golden lackiertes Spielzeug. Mit extra Blaulicht…

    Allerdings sagt ngram etwas ganz anderes^^

  4. #4 Spoing
    26. Januar 2013

    Die Sexismusdebatte ist wichtig um so schlimmer, dass sie hier nur einem Politikum Vorschub leistet.
    Brüderle soll hier als alter widerlicher Lustmolch dargestellt werden. (Vielleicht ist er es auch, keine Ahnung) Dazu wird eine Geschichte ausgekramt, die ein Jahr zurück liegt und davon Handelt, das ihn eine Frau angesprochen hat (mit flapsieger Bemerkung über sein alter), sie sich unterhalten haben und er, als es um das Oktoberfest ging, behauptet hat, ihr würde ein Dirndl stehen. Viele Medien (und Politiker) greifen das jetzt gerne auf da sie die FDP (bei den Piraten sieht es ähnlich aus) noch nicht aus der Schusslinie haben wollen, da diese ja bisher gute Garanten für ständige Berichte waren. Den Medien geht es hier um Auflage, den Politikern um Stimmen.
    Das Problem jedoch ist, wenn das wirklich die schlimmste Form des Sexismuses wäre mit der wir es zu tun haben, könnte man das getrost ignorieren.

    Von einer Diskussion mit schwachen Aufmacher und dem Potential nur eine politische Kampagne zu sein kann man keine konstruktiven Sachen erwarten. Da bleibt nur Polemisierung über.
    Hier werden wir vll. einen Vernünftigen und für uns alle ertragreichen Meinungsaustausch hin bekommen. Aber die gesamte Debatte wird nichts weiter als ein Shitstorm bleiben und bei vielen noch zu einer Bagatellisierung führen. Schade, bei so wichtigen Themen. (Denn auch als Kerl ist es kein angenehmer Zustand nie zu wissen ob man jemanden nicht beleidigt. Nicht das ich nie jemanden beleidigen würde, aber wenn es unbewusst ist, tut mir das Leid)

  5. #5 Sven Türpe
    26. Januar 2013

    Sexisten sind wir alle, deswegen eignet sich der Begriff so gut für ewiges Wehklagen. Hand hoch, wer von Euch nimmt unterschiedslos Angehörige alle Geschlechter zur Kenntnis, mit nach Hause, mit ins Bett oder mit aufs Standesamt? Wir alle unterscheiden Geschlechter, und nichts daran ist falsch.

  6. #6 ein name
    26. Januar 2013

    Meine Sicht auf dieses Thema wurde durch diesen blog hier komplett umgeworfen (ich verlinke mal, auf die Gefahr hin, dass mich der Ban-Hammer hart trifft – sags mal so, ihr seid ja alt genug und gefestigt genug um nicht vom rechten Pfad abzukommen)..

    Bevor man überhaupt in das Thema weiter einsteigt, soll man sich informieren, wie famos unterschiedlich Männer und Frauen überhaupt diskutieren. Man kennt das ja aus einem Forum, das man anhand des Geschriebenen schon weiß, obs von einem Mann oder einer Frau verfasst wurde – aber was genau ist der Unterschied?
    http://bloganddiscussion.com/frauenhaus/237/

    unglaublich interessant, wie verhalten sich Frauen online:
    http://bloganddiscussion.com/argumentevonfemastasen/52/oestrogenbasierte-argumente/

    und wer immer noch an das Gute im Weibe glaubt:
    http://bloganddiscussion.com/frauenhaus/192/alleinerziehende-muetter-schaden-der-gesellschaft/

    [die radikale Einseitigkeit dieser verlinkten Texte ist mir wohl bewusst, bitte mit ein oder zwei Prisen Salz zu sich nehmen]

    P.S.
    das Ende des Feminismus ist zwangsläufig:
    http://bloganddiscussion.com/argumentevonfemastasen/325/der-feminismus-hat-gesiegt/

    viel Spaß beim lesen, niemand soll sich beleidigt fühlen! Sind nur Worte und Gedanken fürs WE

  7. #7 Jürgen Schönstein
    26. Januar 2013

    Und ja, dem letzten Satz fehlt etwas …

    War “nur” ein Tippfehler im Artikel, der nun korrigiert ist.

  8. #8 Wahlkampfhasser
    26. Januar 2013

    Abgesehen vom Wahrheitsgehalt ist gerade Wahlkampf, also cui bono ?
    Und ganz ehrlich entweder weibliche und männliche Exemplare verhalten sich gegeneinander gleich oder sie sollen bleiben wo der Pfeffer wächst.
    Was ich am wenigsten ausstehen kann sind die “Emanzen” die einerseits darauf pochen das z.B. Bildschirmschoner mit Bikinimädchen verboten werden aber andererseits sich echauffieren wenn ihnen nicht die Tür gnädigst aufgehalten wird.
    Und um genau so ein Verhalten geht es hier gerade.
    Wasch mich aber mach mich nicht nass und überhaupt bin ich das arme unschuldige Opfer das gekuschelt werden will, aber blos nicht in den Arm nehmen das ist Belästigung m(
    Kindergarten sonst nix.

  9. #9 rolak
    26. Januar 2013

    “nur” ein Tippfehler

    Mist, auf ‘fehlendes Wort’ hätte ich einen Fünfer gesetzt… Flott repariert, Jürgen!

    Hi ein name, da gäbe es noch etwas Tolles zu lesen, wie gemacht für Dich: Schau mal.

  10. #10 MartinB
    26. Januar 2013

    @ein name
    Danke für die links – die werde ich immer verwenden, wenn jemand behauptet, es gäbe doch gar keinen Sexismus mehr:

    Wenn wir in unserem Blog über die “Minderwertigkeit” der Frau sprechen, oder andere Eigenschaften nennen wie “Feigheit”, “körperliche Schwäche” oder “Infantilität”, so ist das nicht in einem negativen sondern in einem positiven evolutionsbiologischen Kontext gemeint, da jede Minderwertigkeit oder Höherwertigkeit evolutionäre Vorteile bietet.

    oder auch ganz klasse:

    Männer überzeugen, indem sie argumentieren.
    Frauen überreden, indem sie manipulieren.

    Mir fehlen die Worte…

  11. #11 ein name
    26. Januar 2013

    ich les auch maedchenmannschaft, mich interessieren unterschiedliche Meinungen einfach – wer nun die letzte Wahrheit verkündet pff…

  12. #12 rolak
    26. Januar 2013

    Na komm, MartinB, das ist nun aber sehr selektiv und komplett aus dem Kontext gerissen zitiert. Da fehlt doch völlig der grundlegende Komplex “Mann muß Frauen wie Kleinkinder behandeln, weil sie naturgemäß den Weg zum vollwertigen Menschen nicht geschafft haben” m(

    werde ich immer verwenden

    Yep, den einen oder anderen Schnappschuß habe ich mir auch gegönnt…
    Das ist nicht nur ‘immer noch’, das ist deutlich unter dem Niveau Anfang der 70er, als mir die Feminismusbewegung bewußt gemacht wurde.

  13. #13 Ludger
    26. Januar 2013

    Sexisten sind immer nur die anderen Das ist wohl so und gilt gerade auch für den Stern: http://www.stern.de/kultur/tv/e-mail-von-till-ich-schau-dir-in-den-ausschnitt-kleines-617712.html

    Es handelte sich dabei um das stattliche Dekolleté unserer Kanzlerin Frau Dr. Angela Merkel. Jetzt ist es wohl offenkundig, dass nicht nur Angies Mundwinkel von der Schwerkraft nach unten gezogen werden.

    oder ( http://www.stern.de/lifestyle/mode/oslo-frau-kanzlerin-zeigt-dekolletee-617115.html )

    Diesmal hatte sie ein Kleid mit tiefem Ausschnitt ausgesucht. So tief, dass es beim Aussteigen aus der Limousine fast zum “Nippelgate” gekommen wäre.

  14. #14 Lulu
    26. Januar 2013

    DAFUUUUQ!!!

    Habe mir einen Link von ein name (welch männlich einfallsreicher Nick, aber was verstehe ich schon, mit meinem infantilen Gehirn. Für diese These hat ein name bestimmt auch irgendwo Belege versteckt…) angetan. Bin sprachlos, dass es immer noch solche Menschen gibt, die blind für die Realität sind. Jede einzelne Behauptung ist vollkommener Stuss. Kommt man bei so jemandem mit Argumenten noch an? Da er selbst behauptet, von Natur aus besser argumentieren zu können als ich, versuche ich es mal.

    und es in der Geschichte der Menschheit noch keine Frau gegeben hat, die nennenswerte Führungskraft über Menschenmassen gezeigt hätte

    Für den Anfang mal:
    Jeanne d’Arc
    Elisabeth I
    Grace O’Malley
    Katharina II
    uvam

    Frauen unterscheiden sich deshalb weniger von Tieren als Männer (wie man auch daran sieht, dass Frauen fast nichts zur Zivilisation und Kultur beitragen (außer zu singen))

    Von welchen Tieren? Genetisch zu wieviel Prozent? Und was ist mit:
    Sappho
    Hypatia von Alexandria
    Frida Kahlo
    Lise Meitner
    Mary Kingsley
    Mary Shelley
    uvam
    … und es lag garantiert nicht daran, dass Frauen in der Vergangenheit keinen bis sehr eingeschränkten Zugang zur Bildung hatten, dass sie nicht noch mehr geleistet haben *östrogengeleitetzwinker*

  15. #15 Ludger
    26. Januar 2013

    Noch ein anderer Aspekt. allgemein zum Thema, nicht zu dem jetzt genannten Fall:
    Machen sich die Menschen klar, dass ihre Kleidung nicht nur mehr oder weniger warm hält sondern auch eine Botschaft aussendet? Dabei ist es einer Botschaft immanent, dass sie anders verstanden werden kann, als sie gemeint ist. Um das zu vermeiden, gibt es für Bankangestellte und Managerinnen eine Art Berufsuniform: Kostüm, geschlossene Bluse. Und auch mein Arztkittel hat nicht nur die Aufgabe, Blutflecken von meiner Alltagskleidung fernzuhalten: er klärt die Rollen und schafft dadurch Distanz. Wenn also jemand Distanz haben will, kann er/sie sich dieser Signale bedienen. Das ändert natürlich nichts an der Aussage von Jürgen Schönstein

    (wobei, und das ist ganz wichtig, ich aber nicht implizieren will, dass attraktivere Menschen per se eine Mitschuld daran tragen, wenn sie derart “angemacht” werden – weder Kleidung noch Sexappeal geben anderen das Recht, die Persönlichkeitsrechte eines Menschen zu verletzen. Und das ist ganz unironisch gemeint.)

  16. #17 Spoing
    26. Januar 2013

    Naja ich habe mir mal die Seite angesehen die ein Name da verlinkt hat. Ich glaube ja eher, dass es sich dabei um einen Hoax handelt. Den Artikel zum Lesbo-Sozialismus z.B. kann man echt nicht ernst nehmen.

    Wenn man sich dann die Kommentare da drunter anschaut bin ich mir allerdings nicht mehr so sicher ob das nicht doch ernst gemeint ist. Aber andere Antworten:
    zum Beispiel auf “So viel Frauenfeindliche Scheiße habe ich schon lange nicht mehr gelesen” mit “Das liegt nur an der Zensur der Massenmedien” lassen in mir dann doch wieder den Verdacht von Satire aufkommen.

  17. #18 Lulu
    26. Januar 2013

    @Spoing

    Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Einerseits hatte ich beim Überfliegen der “Weisheiten” den Gedanken, dass so etwas doch nie ernst gemeint sein kann. Andererseits waren mir die meisten der “Argumente” bekannt. Es ist nur das erste Mal, dass sie mir so kumuliert begegnen.

  18. #19 Andreas74
    27. Januar 2013

    Um Brüderles Verhalten einigermaßen objektiv beurteilen zu können, lohnt es sich, in einem Gedankenexperiment einfach mal beide Rollen zu tauschen:

    Stellen wir uns vor, der FDP-Mann wäre an die Öffentlichkeit gegangen und hätte sich über eine junge Journalistin echauffiert (und auch ihren Namen genannt), die ihn vor einem Jahr bei einem 4-Augen-Gespräch eindeutige Avancen gemacht hätte.

    Nun die Preisfrage: Hätte es einen vergleichbaren Aufschrei in der (männlichen) Bevölkerung gegeben? Oder wäre Brüderle nicht viel mehr -auch unter den umgekehrten Voraussetzungen- in der Kritik gestanden? So nach dem Motto: “Das gehört nicht in die Öffentlichkeit…Er zerstört das Leben einer jungen Frau…Ein Mann muss das verkraften können…”etc.

    Von der ehrlichen Beantwortung dieser Frage hängt es meines Erachtens ab, ob die zur Zeit geführte öffentliche Diskussion um Grenzüberschreitungen im zwischenmenschlichen Miteinander eine konstruktive, auf Gleichberechtigung zielende Debatte ist oder eine Kampagne, die die alleinige Schuld der Männer an zwischenmenschlichen Irritationen für alle Zeit zementieren soll.

    P.S.: Ich bin kein Fan von Brüderle oder der FDP.

  19. #20 MartinB
    27. Januar 2013

    @Andreas74
    Du übersiehst, dass die Situation in unserer gesellschaft nach wie vor nicht symmetrisch ist, was die Bewertung des Verhaltens von Männern und Frauen in solchen Situationen angeht. Stichwort hierzu
    http://en.wikipedia.org/wiki/Slut-shaming

  20. #21 Andreas74
    27. Januar 2013

    @MartinB
    Wenn ich Dich richtig verstehe, willst Du darauf hinweisen, dass mein Gedankenexperiment nicht aussagekräftig ist, weil in dem antizipierten Fall (Mann beschwert sich über Grenzüberschreitung durch Frau) die Beklagte ungleich schwerere Konsequenzen (öffentliche Diffamierung als Schl***pe) zu befürchten hätte, da die Gesellschaft einer aktiven Rolle der Frau bei der Anbahnung einer “Romanze” immer noch skeptisch bzw ablehnend gegenüber steht?
    MfG Andreas

  21. #22 MartinB
    27. Januar 2013

    @Andreas
    Ja, genau. Es ist bei solchen Fragen generell nicht zulässig, die Situation einfach umzukehren und zu sagen “das fänden wir ja auch nicht schlimm”.
    Es ist kein Argument zu sagen ” Ich habe kein Problem damit, als “Weißer” bezeichnet zu werden, also solltest du auch keins haben, als “Neger” bezeichnet zu werden.” Entsprechendes gilt auch hier.

  22. #23 Spoing
    27. Januar 2013

    @Martin:
    Eben, sie ist nicht symmetrisch. Man stelle sich mal vor ein 28 Jähriger Journalist hätte eine über 60jährige Politikerin so behandelt (vor allem die altersbezogene Bemerkung der Journalistin)
    Hier spielt weit mehr als nur sexismus eine Rolle und deshalb ist es schäbig vom Stern dies als Aufmacher einer Debatte dar zu stellen (und dazu sogar eine sexistische Überschrift zu wählen)
    Ein wichtiges Diskussionsthema wird hier durch Lappalien entwertet und schadet der Sache nur.
    Wer Moral als Werkzeug versteht hat keine!

  23. #24 MartinB
    27. Januar 2013

    @Spoing
    Verstehe ich jetzt nicht – welche altersbezogene Bemerkung ist hier ein Problem (ich habe nur einen kurzen Artikel zum Thema gelesen, in dem lediglich ein paar Sätze von Brüderle zitiert wurden)?

  24. #25 Andreas74
    27. Januar 2013

    @MartinB
    Ich gehe mal davon aus, dass Du -wie ich- der Meinung bist, dass keine Person aufgrund ihres Geschlechts, Hautfarbe etc. bevorzugt oder benachteiligt werden sollte.
    Dein Argument läuft aber darauf hinaus, dass aufgrund eines tradierten Rollenverständisses unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe für Männer und Frauen gelten sollten. Mit diesem Gedanken kann ich mich nicht so richtig anfreunden, weil:

    1. Die Akzeptanz einer Ungleichbehandlung dem Gedanken der Gleichberechtigung widerspricht (auch positive Diskriminierung ist Diskriminierung). Niemand würde beispielsweise fordern, bei einem Diebstahl die Bestrafung des Delinquenten von seinem/ihrem Geschlecht abhängig zu machen.

    2. Tradierte Rollenverständnisse nur dadurch überwunden werden können, indem man ihre Anhänger auf die inhärenten Widersprüche hinweist, die diesen Klisches anhaften. (Und darauf hofft, das denkende Menschen ihre Meinung revidieren können). Wer z.B. die Meinung vertritt, Frauen würden aufgrund ihrer Gene gerne putzen oder sich unterdrücken lassen, wird wohl nach dem x-ten Gegenbeispiel irgendwann seine Vorstellungen über Bord werfen.

    Zu Deinem Argument mit der Hautfarbe: Ich würde mich sicher sehr unwohl fühlen, wenn ich in einer Gesellschaft leben müßte, in der man mich nicht mit meinem Namen anspricht, sondern mich auf meine Hautfarbe reduziert – als wenn die irgendwas mit meiner Persönlichkeit zu tun hätte.
    Genauso wenig akzeptiere ich, wenn ich in einer Diskussion mit Frauen nur auf mein Geschlecht reduziert werde und frau glaubt, daraus irgendwelches Wissen über mich konstruieren zu können (Fußball, Autos… interessiert mich alles nicht)
    Kurz und knackig: Ich finde es nicht in Ordnung, Menschen aufgrund von Eigenschaften, für die sie nichts können (Hautfarbe und Geschlecht) unterschiedlich zu behandeln. Darauf läuft auch mein oben beschriebenes Gedankenexperiment hinaus: Wenn unabhängig davon, wer “Täter” und wer “Opfer” ist, immer der selben Partei die Schuld zugesprochen wird, erzeugt das immer ein negatives Gefühl (“Ich bin ja eh immer schuld”) bei den Betroffenen. Das ist für unser Ziel einer emanzipierten Gesellschaft imho höchst kontraproduktiv

    MfG
    Andreas

  25. #26 Stefan W.
    27. Januar 2013

    @Andreas Ja, genau. Es ist bei solchen Fragen generell nicht zulässig, die Situation einfach umzukehren und zu sagen “das fänden wir ja auch nicht schlimm”. Es ist kein Argument zu sagen ” Ich habe kein Problem damit, als “Weißer” bezeichnet zu werden, also solltest du auch keins haben, als “Neger” bezeichnet zu werden.” Entsprechendes gilt auch hier.

    Ja, doch, das ist sehr wohl ein zulässiges Verfahren.

    Man soll nicht übersehen, dass es nur einen Teil der Situation abbildet, nämlich als Individuum willkürlich anhand eines einzelnen Merkmals beurteilt zu werden, und dass bei der Umkehrung der Verhältnisse nicht transportiert wird, dass die eine Gruppe auf eine lange diskriminiert wurde. Aber wenn Du Deinen Sohn teleefonisch zum Basketball oder Soulgesang anmelden willst, und gefragt wirst “Martin – das klingt wie ein weißer Vorname …?” findest Du es vielleicht auch so rassistisch.

    Und gerade weil die Verhältnisse nicht symetrisch sind kann man durch den Vertausch der Rollen die Diskrepanz feststellen.

    Die altersbezogene Bemerkung war wohl die Frage der Journalistin wie es sei, im fortgeschrittenen Alter noch zum Hoffnungsträger zu werden – den Wortlaut bitte selbst recherchieren, falls er interessiert, aber ich sage, dass es auf den nicht ankommt.

    Worauf es aber durchaus ankommt, ist, dass es kein geschlechtsneutrales Verhalten zwischen Menschen gibt. Man stelle sich vor die Medien würden Politiker nur noch via Chat interviewen, und sich dabei als Spiegel-7 und Stern-3 ausweisen, so dass sie wiederkennbar wären, aber ohne jedes soziale Merkmal, nur mittels Schriftdeutsch, und würden sich dabei nicht inhaltlich outen.

    Und umgekehrt würden die Politiker nur als FDP-27 und SPD-94 reagieren, kein Geschlecht, Alter oder Hautfarbe erkennbar. Würde noch jemand Interviews lesen?

  26. #27 Andreas74
    27. Januar 2013

    @Stefan W.
    Natürlich gibt es kein geschlechtsneutrales Verhalten zwischen Menschen und ich glaube auch nicht, dass sich ein solches jemals verwirklichen lassen würde. Da es jedoch bei der Kommunikation immer wieder zu Missverständnissen und daraus resultierenden verletzten Gefühlen kommen kann, ist die Diskussion darüber, ab wann die “rote Linie” überschritten ist, erst dann beendet, wenn es innerhalb einer Gesellschaft eine akzeptierte Methode gibt, zu definieren, wo die Grenze zwischen “geschmacklose Bemerkung” und “Sexismus” liegt. Und diese sollte nicht einseitig zu Gunsten eines Geschlechts funktionieren, da sie ansonsten nicht akzeptiert werden würde.

  27. #28 roel
    *****
    27. Januar 2013

    @Andreas74 “wenn es innerhalb einer Gesellschaft eine akzeptierte Methode gibt, zu definieren, wo die Grenze zwischen “geschmacklose Bemerkung” und “Sexismus” liegt.” Das grosse Problem ist es, dass es situationsbedingt ist und auch Personenbedingt, ob es einfach nur ein normales Gespräch oder eine geschmacklose Bemerkung oder Sexismus ist. Wobei ich noch nach einer passenden Definition für Sexismus suche.

  28. #29 MartinB
    27. Januar 2013

    @Andreas
    “Dein Argument läuft aber darauf hinaus, dass aufgrund eines tradierten Rollenverständisses unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe für Männer und Frauen gelten sollten.”
    Nein – oder jein. Es läuft darauf hinaus, dass es diese unterschiedlichen Bewertungsmaßstäbe zur zeit einfach gibt. Das ist so und daran ist nicht zu rütteln. (Dass es nicht so sein sollte, darüber sind wir uns wohl einig.)

    Frauen, die forsch ihre Meinung vertreten, werden anders bewertet als Männer, die das tun; Frauen, die “agressiv” flirten ebenfalls. Solange das so ist, kann man einen Sachverhalt eben nicht dadurch bewerten, dass man die Rollen einfach vertauscht.

    ” Wenn unabhängig davon, wer “Täter” und wer “Opfer” ist, immer der selben Partei die Schuld zugesprochen wird, erzeugt das immer ein negatives Gefühl ”
    Das sehe ich ein. Solange unsere Gesellschaft aber noch keine volle Gleichberechtigung erreicht hat, muss die privilegierte Gruppe sich – auf dem Weg dorthin – wohl gefallen lassen, kritisch darauf geprüft zu werden, ob sie ihr Privileg ausnutzt, egal ob in der einen oder anderen Rolle.
    (Ja, mir ist bewusst, dass der Grat zu “Männer sind immer Schuld” hier sehr schmal ist und man sicher vorsichtig sein muss.)

    “wo die Grenze zwischen “geschmacklose Bemerkung” und “Sexismus” liegt.”
    In diesem Fall ist das nun wirklich nicht schwer – wenn ich auf professioneller Ebene (d.h. beruflich) mit einer Person zusammenkomme, dann verbieten sich Bemerkungen über das Aussehen zunächst mal.

    @StefanW
    “Die altersbezogene Bemerkung war wohl die Frage der Journalistin wie es sei, im fortgeschrittenen Alter noch zum Hoffnungsträger zu werden ”
    Hmm – in dem Fall würde ich dann sagen, dass bei dieser Bemerkung die Journalistin ihr Jugend-Privileg unangemessen verwendet hat. Finde ich auch falsch – sehe aber nicht, wie das eine Bemerkung über die körperlichen Vorzüge der Journalistin rechtfertigt.

  29. #30 Stefan W.
    27. Januar 2013

    @Andreas74:

    Ja, die Gesellschaft diskutiert darüber, wo die rote Linie ist, und als Zaungast dieses Vorfalls erscheint es mir dubios, diesen ein Jahr später zu thematisieren.

    Brüderle war ja auch vor einem Jahr nicht so unbekannt, dass man sich nicht dafür interessiert hätte.

    Es ist wohl so dass viele Menschen Partner im beruflichen/geschäftlichen Umgang kennenlernen oder kennenzulernen versuchen. Dabei gehört es so oder so zum guten Ton zu überprüfen, ob das eigene Balzen erwünscht ist. Umgekehrt gehört es zu den guten Umgangsformen dem Gegenüber klar zu machen, dass seine Annäherungsversuche unerwünscht sind. Da man auch als Zurückgewiesener nicht sein Gesicht verlieren will ist es wünschenswert, wenn dies erstmal ohne Tritt in die Eier, Ohrfeige oder Veröffentlichung in der Zeitung geschieht. Bei Betrunkenen geht es aber oft nicht ohne unangenehm und überdeutlich zu werden.

    Das scheint mir hier so gewesen zu sein, aber ich weiß es natürlich nicht. Weder war ich dabei, noch kenne ich eine zweite Darstellung des Vorfalls.

  30. #31 Andreas74
    27. Januar 2013

    @roel
    Ich denke, man kann den Begriff Sexismus analog zum Rassismusbegriff verwenden. Sexismus wäre dann eine Einstellung, die die Gleichwertigkeit der Geschlechter leugnet, um daraus z.B. Privilegien für ein bestimmtes Geschlecht abzuleiten.
    Nach dieser Definition wäre aber z.B. Brüderle kein Sexist (zumindest nicht in der Situation mit der Journalistin), sondern “nur” ein Mensch, der sich übel daneben benommen hat.
    Um auf mein Gedankenexperiment von oben zurück zu kommen: Ich bezweifle, dass im umgekehrten Fall (Journalistin gräbt Brüderle an, dieser beschwert sich 1 Jahr später) die Frau in der Öffentlichkeit als Schl**pe angegangen worden wäre. Viel wahrscheinlicher scheint mir, dass auch unter diesen Umständen der Mann in der Kritik gestanden hätte. Zumindest Mitleid hätte ihm wohl niemand entgegen gebracht.
    MfG
    Andreas

  31. #32 Andreas74
    27. Januar 2013

    @MartinB
    Genau das ist der springende Punkt: Regeln müssen für alle gleich gelten, sonst fühlt sich immer eine Gruppe benachteiligt.
    Die aufgeregte Sexismus-Debatte, die in anderen Foren dazu führt, das sich Menschen bis aufs Blut beleidigen, könnte ganz einfach vermieden werden, wenn klare, verbindliche Regeln für alle gelten: Niemand darf aufgrund seines Geschlechts bevorzugt, benachteiligt oder bevormundet werden. Punkt. Ohne Ausnahme.
    Alles weitere (z.B. Verbot einer schlechteren Bezahlung von Frauen, Chancengleichheit) würde sich zwangsläufig aus dieser Forderung ergeben.
    Mit diesem fairen Kompromiss könnten, glaube ich, sowohl Männer als auch Frauen gut leben.
    Wenn man jedoch aus der Geschichte ableitet, nun sei die Zeit, vergangenes Unrecht wieder gut zu machen, indem man Frauen einseitig bevorzugt, reisst man nur wieder neue Gräben auf und erzeugt neues, böses Blut. BTW, wird durch die Bevorzugung von Frauen auch das erlittene Unrecht nicht ungeschehen gemacht.

    MfG
    Andreas

  32. #33 Peter Lingert
    27. Januar 2013

    @Andreas74 “wenn klare, verbindliche Regeln für alle gelten: Niemand darf aufgrund seines Geschlechts bevorzugt, benachteiligt oder bevormundet werden. Punkt. Ohne Ausnahme.”

    Also Männer- und Frauenklos abschaffen und außerdem dürfen Homosexuelle für Heteropornos nicht abgelehnt werden?

    @Andreas74 “Mit diesem fairen Kompromiss könnten, glaube ich, sowohl Männer als auch Frauen gut leben.”

    Nö, mit diesem Kompromiss können sie gut aussterben.

  33. #34 DH
    27. Januar 2013

    @ Jürgen Schönstein

    Super Artikel , danke dafür.

    “in der es um zwischenmenschliches Verhalten geht”

    Das ist eigentlich so selbstverständlich , daß man sich verwundert die Augen reiben muß , wie häufig völig andere Sichtweisen geäußert werden.
    Der real existierende Feminismus ist längst gekippt in eine Form , in der die Radikalen das Sagen haben , denen geht es nicht um ernsthafte Diskussion , sondern um so eine Art “Männer-Bashing ” , das ist Ideologie und keine Diskussionsgrundlage.

    Sexismus und sexueller Mißbrauch weisen große Unterschiede auf.
    Sexistische Anmachen sind für das Opfer nicht nachhaltig traumatisierend, Mißbrauch zerstört Leben.

    Gerade an diesem Punkt befindet sich eine geradezu skandalöse Schieflage in der Diskussion.
    Mißbrauch wird prinzipiell Männern zugeordnet , der durch Frauen ist in der Gesellschaft kein Thema.

    Darüberhinaus empfiehlt es sich , beim Sexismus die Kirche im Dorf zu lassen , nicht jeder Bibifax muß gleich gesellschaftlich geregelt werden.

  34. #35 Sven Türpe
    27. Januar 2013

    Darüberhinaus empfiehlt es sich , beim Sexismus die Kirche im Dorf zu lassen , nicht jeder Bibifax muß gleich gesellschaftlich geregelt werden.

    Genau genommen ist in einer Gesellschaft mündiger Menschen nur das absolut Notwendige gesellschaftlich zu regeln. Alles andere machen erwachsene Menschen bitteschön friedlich untereinander aus. Wir diskutieren hier also letztlich über die These, das Geschlecht korreliere mit der Fähigkeit, seine Geschicke selbst in die Hand zu nehmen. Lehnen wir diese These ab, gibt es entlang der Geschlechtergrenze nichts zu diskutieren; nehmen wir sie an, müssen wir eine objektiv bestehende Ungleichheit zwischen den Geschlechtern konstatieren. Ich finde, da hat jemand ganz hervorragend getrollt.

  35. #36 ein name
    27. Januar 2013

    Es geht um die gute Kinderstube. Früher wussten die Leute noch was sich gehört, heute (seit 68?) eben nicht mehr. Daher brauchen wir heute staatlich bezahlte Beauftragte für alles und nichts. (Und die müssen ständig dafür sorgen, das es einen Popanz gibt, um ihre Jobs zu rechtfertigen)

    Zu dem Brüderle gibts eine Reihe Artikel, den hier fand ich ganz gut. Vielleicht noch ein Detail, es fiel wohl eine Bemerkung über das “Dekolleté”, also der teilentblöste Busen, sollte die Journalistin tatsächlich diesen zur Ansicht gebracht haben, abends an der Hotelbar, dann hat sie da die “Waffen einer Frau” ganz bewusst eingesetzt.

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/sexismus-debatte-prueder-in-waffen-12040794.html

  36. #37 Andreas74
    28. Januar 2013

    @DH:
    Seh ich genauso. Leider schaffen es die radikalen FeministInnen allzu oft, die Diskussion an sich zu reißen und besonnene Stimmen weniger dogmatischer Frauen niederzubrüllen. In ihrem Hass auf Männer unterscheiden sie sich, meiner Meinung nach, nicht von RassistInnen, die Menschen ausschließlich aufgrund ihrer Hautfarbe ablehnen. Genauso wie RassistInnen schrecken sie mittlerweile auch nicht mehr davor zurück, Veranstaltungen zu stürmen und unprovoziert anderen Menschen Gewalt anzudrohen, siehe z. B.
    http://www.heise.de/tp/artikel/38/38336/1.html

    Für mich ist es absolut unverständlich, wie man eine solche Ideologie des Hasses vertreten und sich selber gleichzeit für einen fortschrittlichen, “guten” Menschen halten kann.

  37. #38 Stefan W.
    demystifikation.wordpress.com
    28. Januar 2013

    @ein name: Jetzt wird es aber lustig!

    Den 68ern verdanken wir, wenn ein besoffener Mann eine Frau auf unangemessene Weise belästigt? Weil es vorher keine besoffenen Männer oder anständigen Mädchen an Hotelbars gab?

    Etwas ähnlich knalltütiges hat man lange nicht mehr gelesen.

    Dass die 68er und deren Erben Abstand wahrten vom Begriff des Anstands lag sicher am anständigen Deutschen, der zuvor in aller Munde war, und etwa das Gegenteil von Anstand markierte, einen feigen Mörder, der Frauen und Kinder tötet – das war der anständige Deutsche, und damit der Begriff des Anstands vergiftet. Also bitte!

    Das heißt aber umgekehrt nicht, dass alle 68er anständig gewesen wären.

  38. #39 AmbiValent
    28. Januar 2013

    @ein name
    Seltsamerweise beobachte ich genau das umgekehrte, nämlich dass (nimmt man Teenager mal heraus) es eher die älteren als die jüngeren Männer sind, die sich ungehörig benehmen. (Und das sage ich als Mann über 40)

    Und es scheint mir eher eine Sache der Sozialisation als eine des Alters zu sein: die einen stimmen der modernen Ansicht zu, dass es beim Flirten darum geht, eine Beziehung oder zumindest ein Einverständnis herzustellen, und achten deshalb auf die Signale des Gegenübers.

    Die anderen achten weniger darauf, was ihrem Gegenüber wohl gefällt, sondern tun das, was ihnen selbst gefällt (bei körperlichen Annäherungsversuchen) oder das, was bei den Kumpels gut ankommt (wenn es bei denen gut ankommt, wenn man sagt, dass eine Frau ordentlich Holz vor der Hüttn hat, dann sollte die Frau eine derartige Bemerkung doch als Kompliment nehmen).

    Natürlich kann man auch im fortgeschrittenen Alter sein Verhalten noch ändern. Dazu gehört aber zuerst einmal, dass man bei einer Beschwerde auch das eigene Verhalten hinterfragen kann und sich nicht einigelt.

  39. #40 Andreas74
    28. Januar 2013

    @ein name:
    Aha, dann wussten die Leute vor ’68 noch, was sich gehört? Z.B. zwischen 1933 und 1945? Oder meinst du die sogenannte “bleierne Zeit” der Adenauerjahre? lol^2! Jetzt mal im Ernst: Die Generation der ’68er hat mehr für unsere Demokratie, für Pluralismus und Meinungsfreiheit getan, als jede andere Generation vor oder nach ihr. Ohne sie würds hier ausschauen wie in Weißrussland.
    Während die heutigen lustfeindlichen, männerhassenden FeministInnen nichts zur Befreiung und Gleichberechtigung der Frau beitragen (sondern ihnen stattdessen immer neue Vorschriften machen, etwa was Kleidung, Familienplanung oder Karriere angeht), waren die ’68er weder prüde noch repressiv.
    Sorry, ich wollte dir nicht zu nahe treten, aber auf ’68er-Bashing reagier ich empfindlich…

    MfG
    Andreas

  40. #41 ein name
    28. Januar 2013

    @Stefan W.
    die Journalistin hat vermutlich ganz bewusst einen gesellschaftlichen Code gebrochen. Es ist absolut mannhaft und ritterlich von dir, dich an die Seite der Schwächeren zu stellen (meistens Frauen), aber in diesem Fall wäre ich da skeptisch. Hier findet eine Verschiebung statt, die nicht mehr in Ordnung ist.
    Hätte Brüderle sie angegrabscht, dann hätte er eine Grenze überschritten, hat er aber nicht. Seine Bemerkungen sind auch nicht derart unterirdisch, das man eine Skandal draus machen könnte.

    @Andreas74
    das behaupten die 68er nur, es stimmt gar nicht. Seit dem Wirtschaftswunder wurde die Gesellschaft immer freier und vielseitiger. Die 68er erzählen da Seemannsgarn um sich wichtig zu machen.
    Falls du glaubst, die 68er hätten Frauen anständig behandelt, irrst du gewaltig. Der Spruch “wer 2x mit der selben pennt, gehört zum Establishment” diente nur den Gelüsten der Männer und hat die Frauen arg unter Druck gesetzt.

  41. #42 Stefan W.
    28. Januar 2013

    @ein name, #40:

    Auf welchen meiner Kommentare bezieht sich die Behauptung, ich würde mich auf die Seite der Schwächeren stellen? Auf einen, meiner Kommentare?

  42. #43 Andreas74
    28. Januar 2013

    @ein name:
    sorry, das sehe ich anders. Die gesellschaftliche Situation der Frau war in den 50er und 60er Jahren geprägt von Abhängigkeit und Rechtlosigkeit. Hast du schon mal Fernsehwerbung aus dieser Zeit gesehen? Die Frau als dauergrinsende Magd des Mannes, die sich nur darüber definiert, wie gut sie ihrem Mann dienen kann. Schauderhaft!
    Sicher, nicht alle ’68 haben ihre Frauen gut behandelt. Aber: Sexuelle Freizügigkeit hat nichts mit Unterdrückung zu tun, daher versteh ich nicht, warum du glaubst, das hätte “die Frauen arg unter Druck gesetzt”. Was hat das mit Druck zu tun, wenn die eigene Sexualität nicht mehr fremdbestimmt wird?

    MfG
    Andreas

  43. #44 ein name
    28. Januar 2013

    @Andreas74
    die Situation der Frauen hat sich entscheidend geändert durch: die Pille. Hat mit den 68ern nix zu tun. Null.

    Hat du mal TV-Werbung von heute gesehen? Frauen deren einziges Glück darin besteht, Flecken aus der Wäsche zu bekommen 😀 Im übrigen, damals haben die Männer gearbeitet, und die Frauen waren zu hause, und konnten ausschlafen. Soooo schlecht gings denen damals nicht.

  44. #45 Stefan W.
    demystifikation.wordpress.com
    28. Januar 2013

    @ein name:

    Die Pille hat insofern viel damit zu tun, als der Zwang zur bürgerlichen Ehe durch diese unterminiert wurde, und nur als ideologische Fessel einer überkommenen Zeit erschien, an der freilich die weniger flexiblen, konservativen Kreise festhalten wollten, die nicht begreifen wollten, dass ihre rigide Sexualmoral nur ein gesellschaftlicher Reflex auf materielle Bedingungen ist.

    “Befreit die sozialististischen Eminenzen von ihren bürgerlichen Schwänzen” war der Schlachtruf von Frauen im SDS, denen die bürgerliche Frauenrolle in ihrer roten Gruppe nicht genügte. Der Feminismus kommt also sowohl aus einer linken Ecke, und ist zugleich eine Kritik an dieser gewesen. Diese rote Ecke antwortete anfangs auch liebevoll mit der Beschwichtigung, dass die Unterdrückung der Frau ein Nebenwiderspruch sei, der nach der sozialistischen Befreiung sich von selbst erledigt. So lange wollten die Frauen aber nicht warten.

    Die konservativsten der konservativen Kreise halten ja heute noch die Pille für ein amoralisches Instrument des Teufels, nur ist deren Realität auch die Realität der CDU-Wähler heute, wenn die Ehefrauen schon 2 Kinder haben und finden, es ist genug – sich aber weiter kopulierend betätigen wollen. Jetzt scheint es rückwirkend nötig zu werden die Geschichte der Pille den Linken zu entreißen und umzudefinieren als eine konservative Errungenschaft.

  45. #46 Adent
    28. Januar 2013

    @ein Name

    Im übrigen, damals haben die Männer gearbeitet, und die Frauen waren zu hause, und konnten ausschlafen. Soooo schlecht gings denen damals nicht.

    Sollte das jetzt witzig oder Satire sein?

  46. #47 roel
    *****
    28. Januar 2013

    @ein name “Im übrigen, damals haben die Männer gearbeitet, und die Frauen waren zu hause, und konnten ausschlafen. Soooo schlecht gings denen damals nicht.” Aha, Zufriedenheitsfaktor Ausschlafen. Allerdings durften viele Frauen auch ohne die Erlaubnis ihrer Ehemänner nicht beruflich arbeiten. Hausarbeiten schon, auch früh um 5 oder 6 Uhr, was dann das lange Ausschlafen verhinderte.

  47. #48 Lulu
    28. Januar 2013

    @ ein name

    Dein Frauenbild beruht auf völliger Unkenntnis der Geschichte (und einiger anderer Disziplinen, wie Biologie). Nur weil du keine Ahnung hast, was die Frauen ‘früher’ alles leisten mussten, heißt es noch lange nicht, dass sie sich einen faulen Lenz machen konnten, während ihre Männer arbeiten waren. Was glaubst du, wie das Leben z.B. einer Bäuerin vor 100 oder 500 oder 1000 Jahren war? Du solltest mehr Literatur aus fraglicher Zeit lesen. Für den Einstieg empfehle ich dir, ‘Pygmalion’ von G. B. Shaw zu lesen. (Und nein! ‘My fair Lady’ ist nicht das Selbe, sondern sagt genau das Gegenteil von dem aus, was Shaw mitteilen wollte.) Wenn du intelektuell nicht komplett minderbemittelt bist und die Fähigkeit besitzt, deine Einsichten zu reflektieren, solltest du merken, wie falsch du mit deinen Aussagen liegst.

  48. #49 Regina
    28. Januar 2013

    Ich empfehle das Buch von Gertrud Höhler: “Das Ende der Schonzeit”. Zitat: “… Frauen schenken Leben!”. Das ist doch ein unschlagbares Argument. Als Frau setze ich meinen Intellekt aber auch meine “Reize” ganz gezielt ein … Warum auch nicht? Ob Frauen in der Geschichte mehr oder weniger Führungsstärke zeigten/zeigen konnten ist doch völlig irrelevant. Nochmal: Frauen schenken Leben, ja Männer braucht´s auch, aber sie sind diesbezüglich ersetzbar ;-). Diese Debatte kann ich nicht so ernst nehmen.

  49. #50 Lulu
    28. Januar 2013

    @Regina

    ja Männer braucht´s auch, aber sie sind diesbezüglich ersetzbar

    ❓ Wodurch?

    btw Ich möchte nicht ausschließlich auf das “Lebenschenken” reduziert werden. Genau das ist Sexismus.