Um nicht wieder bezichtigt zu werden, in einem Blog mit der Rubrik “Politik” politische Themen anzusprechen, wollte ich meine Gedanken zu den Ereignissen in Clausnitz eigentlich für mich behalten. Aber da sie mir seit 24 Stunden nicht mehr aus dem Kopf gehen wollen, schreibe ich sie jetzt doch hin – schließlich bin ich fühle ich mich als Totalausländer immer irgendwie mit betroffen, wenn irgendwo Menschen alleine schon wegen ihrer Herkunft verachtet, bedroht oder ausgegrenzt werden (und das war, zumindest in jenen Jahren der Bush-Administration, als Deutschland nicht mit in den Krieg gegen Saddam Hussein ziehen wollte und plötzlich alles Deutsche als suspekt behandelt wurde, durchaus eine sehr persönliche Erfahrung). Doch was mich beim Betrachten der Bilder am meisten verstört, ist noch nicht mal der grölende Mob, und noch nicht mal dessen Missbrauch der einstmals durchaus ehrenwerten Feststellung, dass das Volk aus Menschen – also aus einem “wir” – besteht. Leider muss in so einem Volk ja auch Platz für Dumpfbacken und Ewiggestrige sein, selbst wenn man sich manchmal wünscht, dass sich das mit griffigen Lösungen ändern ließe… Auch das Bild vom Polizisten, der ein verängstigtes Kind mit Gewalt aus dem Bus zerrt, ist zwar erschreckend, aber angesichts dessen, was wir von der Staatsgewalt gewöhnt sind, nicht mehr überraschend genug, um als “unvorstellbar” zur Ausnahme deklariert zu werden. Die Erklärung der Polizei hingegen, dass die Flüchtlinge selbst schuld und daher auch Ermittlungen gegen sie notwendig seien, hätte ich vielleicht auf der Seite des Postillon (oder in den USA, der Onion) zu lesen erwartet…

Und das ist es, was mich am meisten erschreckt: Nicht die Akteure selbst, seien es nun die grölenden Dumpfbacken, die vermutlich nicht zu komplexerem Denken fähig sind, und noch nicht mal der Polizist, der seine Wut (vermutlich eher auf Flüchtlinge, die er beschützen muss, statt sich aufs entspannte Wochenende vorzubereiten, aber vielleicht doch sogar auf die Demonstranten – egal, Wut ist Wut) an einem kaum den Kinderschuhen entwachsenen Jugendlichen auslässt – die wissen’s vielleicht nicht besser, oder können nicht anders. Mich erschrecken die, die Zeit und Gelegenheit und eigentlich auch den ausreichenden Intellekt zum Nachdenken haben, und dennoch finden, dass das so sein muss. Und dass “wir”, das “Volk”, uns wehren müssen, weil ja sonst die Fremden unsere Werte gefährden. Welche Werte waren das nochmal? Toleranz, Gastfreundschaft, Besonnenheit, Hilfsbereitschaft, (nee, wohl nicht) Gewaltbereitschaft, Arroganz, Fremdenhass, Sturheit, Rechthaberei, vielleicht? Wenn solche Werte durch den Zuzug fremder Menschen gefährdet werden, dann kann ich nur sagen: Ja, bitte! Und bitte schnell!

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Kommentare (172)

  1. #1 Peter Eumel
    21. Februar 2016

    @ Moreno
    zwar sind die Ossis nach Westdeutschland geflohen, aber sie wollten auch nicht in Ungarn bleiben.
    Außerdem kam es nach der Maueröffnung und dem Zustrom der Ostdeutschen nach Westdeutschland zu ähnlichen Reaktionen wie “die belasten unsere Sozialkassen, nehmen uns die Arbeitsplätze weg, bekommen alles nachgeschmissen, sorgen für Mieterhöhungen usw”.
    Das sollte man sich ruhig mal wieder in Erinnerung rufen.
    “wie kam es denn zu den Zuständen in Ungarn im Sommer 2015. Die “Flüchtlinge” wollten sich dort nicht registrieren lassen, da sie nach Österreich, Deutschland und Schweden weiter wollten. Flucht wird als “wünsch dir was” verstanden.”
    Der Hauptgrund war wohl eher, daß die Registrierung viel zu lange gedauert hat und die Versorgung mangelhaft war und deswegen die Flüchtlinge schnell weiter wollten. Mit “wünsch dir was” hat das wohl sehr wenig zu tun gehabt.

  2. #2 Moreno
    21. Februar 2016

    @ Peter Eumel

    natürlich gab es auch gesellschaftliche Probleme mit innerdeutschen Flüchtlingen. Meine Mutter ist 45 im Babyalter von Böhmen/Tschechien nach Franken mit Mutter und Bruder geflohen. Eine Strecke von 430 Kilometern. Keine Weltreise über sichere Drittstaaten. Glauben Sie es gab nur heile Welt im fränkischen Dorf wo sie aufgewachsen ist? Und nochmals, über die hälfte die hier ankommen aus Afrika und dem Orient erfüllen in keinster Weise die Kriterien der Genfer Flüchtlingskonvention.

    Was Sie über Ungarn Sommer 2015 schrieben ist schlichtweg falsch. Die Refugees wollten sich dort nicht registrieren lassen, weil andere EU-Behörden sie sonst dorthin hätten zurück schicken müssen.

  3. #3 Anderer Michael
    21. Februar 2016

    Also generell zum Thema:
    1.Sollte man Flüchtlingen helfen, die vor Krieg und Unterdrückung fliehen?
    Ich sage, ja!
    2. Soll man tatsächlich jeden aufnehmen, der behauptet, er/sie sei Flüchtling?
    Ich sage, nein(1)!
    3. Beispiele: Arbeitslose aus den Balkanstaaten, Romas aus den Balkanstaaten. Wieso sind das Flüchtlinge. “Wirtschaftsflüchtlinge” und Kriminelle aus Afrika. Wieso sind das Flüchtlinge ? Der im Spiegel vorgestellte LKW Fahrer aus Eritrea, der arbeitslos wurde.
    4 Warum nennen wir nicht Ross und Reiter, wenn es um Probleme geht, die auf uns abgeladen werden? Hauptprobleme sind westliche Militäreinsätze, ungerechte Handesabkommen (2), islamische Gesellschaftsvorstellungen/Staaten und ein riesiges Problem ist die türkische Regierung und ihr Ableger hier bei uns, die Ditib.
    5. Welche Möglichkeiten hat der Durchschnittsbürger dagegen zu protestieren, wenn wie in Niederbayern dieTurnhallen im Winter seit Jahren belegt sind durch arbeitslose Balkanbewohner, die nach genügend Erhalt von Sozialhilfe den angenehmen Sommer in ihrer Heimat verbringen und im nächsten Winter wiederkommen (3)? Was sagen Sie ,Herr Schönstein ,einem solchen Bürger (4)?
    6. Warum wenden sich die Bürger immer mehr von dieser Gesellschaft und der Politik ab, nicht nur bei uns in ganz Europa?
    7. Wieso kommen oder wollen die meisten (numerisch) nach Deutschland?

    Anmerkungen:
    1 Das Geschehen in Clausnitz ist auch für mich inakzeptabel
    2 Beispiel EU-Handelsabkommen mit Westafrika und Fischfangquoten für industriellen Fischfang auf Betreiben Spaniens mit erheblichen Problemen für die regionale Küstenfischerei.
    3 Mitte 2015 an meinem Wohnort von 250 Flüchtlinge, die Hälfte vom Balkan.Nach Beschlagnahme der Hauptturnhalle durch die Bezirksregierung für syrische Flüchtlinge im Spätsommer, vom ersten Kontingent 51 Personen habe laut Dolmetscher nur 1 Person arabisch verstanden. Inoffiziell, Stadt und Bezirksregierung haben Fragen zum Wahrheitsgehalt dieses Umstandes nicht beantwortet.
    4. Herr Schönstein zur Erinnerung, ich hatte noch eine Frage weiter vorne gestellt.

  4. #4 Peter Eumel
    21. Februar 2016

    @ Moreno,

    “Was Sie über Ungarn Sommer 2015 schrieben ist schlichtweg falsch. Die Refugees wollten sich dort nicht registrieren lassen, weil andere EU-Behörden sie sonst dorthin hätten zurück schicken müssen.”

    Es mag durchaus sein, daß ein Teil der Flüchtlinge dies wußte, das ändert aber nichts an den damaligen Zuständen in den Lagern. Außerdem ist es gut verständlich, daß Flüchtlinge nicht unbedingt in Ungarn bleiben wollten.
    Wirtschaftsflüchtlinge werden auch in Zukunft ein Problem bleiben, da wird auch die “Sicherung der Außengrenzen” maximal eine Verringerung bringen.
    Jeder, der ein Handy besitzt und sieht, daß es wirtschaftlich überall besser ist als an seinem jetzigen Aufenthaltsort und der nichts weiter als sein Leben zu verlieren hat, wird sich irgendwann auf den Weg machen.
    Jetzt rächt sich, daß es nie eine vernünftige Einwanderungspolitik gegeben hat und daß das Dublin-Abkommen nicht frühzeitig reformiert worden ist.

  5. #5 Klaus
    21. Februar 2016

    Ach, es ist für viele Zeitungsleser & TV-Seher so einfach, oder wird ihnen einfach gemacht: Alle, die Merkels Politik nicht wollen (und sogar Argumente bringen; sind ja nicht alles Analphabeten, die Zweifel äußern)
    …sind Rassisten, Fremdenfeinde, Nazis, der Mob, etc.
    .
    Und überhaupt ist natürlich Putin an allem Schuld, etc.

  6. #6 Moreno
    21. Februar 2016

    @ Peter Eumel: “Jeder, der ein Handy besitzt und sieht, daß es wirtschaftlich überall besser ist als an seinem jetzigen Aufenthaltsort und der nichts weiter als sein Leben zu verlieren hat, wird sich irgendwann auf den Weg machen.”

    Vor allem dann, wenn das Selfie mit der Kanzlerin die Runde macht incl. dem Hinweis dass es keine Obergrenzen gibt.

  7. #7 Peter Eumel
    21. Februar 2016

    @ Moreno,
    und wie willst du die Obergrenzen durchsetzen ohne das Grundgesetz, das Asylrecht und die Menschenrechte außer Kraft zu setzen?
    Kritk wird häufig geäußert, aber konstruktive Vorschläge, die einen schnellen Erfolg bringen, habe ich bis jetzt aus keiner politischen Richtung gelesen.

    @ Klaus
    die Straftaten der rechten Szene nehmen zurzeit überproportional zu und was Putin betrifft, er beweist sich zumindest als geschickter Demagoge und schwingt sich zum Rechtsvertreter jedes Rußland-Deutschen auf, obwohl die sein Land mit Freuden verlassen haben. Wer von den Rußland-Deutschen sich hier nicht richtig eingebürgert hat, kann ja von Putin zurückgenommen werden.
    Ansonsten trau ich kaum einen Politiker über den Weg, aber für eine wirklich gültige Beurteilung sind zuviele Falschinformationen von allen Seiten unterwegs. Die spätere Geschichtsschreibung wird irgenwann ein Urteil finden, das eher an die Wahrheit herankommt.

  8. #8 Moreno
    21. Februar 2016

    @ Peter Eumel

    ganz einfach. Die maximale Aufnahmekapazität festlegen und wenn diese erreicht ist, auf Staaten verweisen die sich ebenfalls der Genfer Flüchtlingskonvention verpflichtet haben. Diese findest du auf folgender Karte.
    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/3c/Refugeeconvention.PNG

  9. #9 Mkm
    21. Februar 2016

    @Moreno: Die Frage war, wie du diese Obergrenzen durchsetzen würdest, ohne das Grundgesetz, das Asylrecht und die Menschenrechte außer Kraft zu setzen. Und nebenbei auch, wo das Grundgesetz in Sachen Asyl irgenwas von Aufnahmekapazität enthält. Also?

  10. #10 Peter Eumel
    21. Februar 2016

    @ Moreno,

    das ist wohl ein bißchen zu einfach.
    Wenn die anderen Staaten sich weigern, läßt du dann die Flüchlinge an der Grenze verhungern? Oder Griechenland und Italien wie bisher im Regen stehen?

  11. #11 Moreno
    21. Februar 2016

    @ Mkm

    schaun Sie. Deutschland ist weder völkerrechtlich noch nach Art. 16a GG verpflichtet, Menschen Asyl zu gewähren, die über sichere Drittstaaten einreisen. Die Leute die meinen, hier sei jeder dahergelaufene willkommen, sollen erst mal erklären auf welcher Rechtsgrundlage eigentlich.

  12. #12 Moreno
    21. Februar 2016

    @ Peter Eumel: “Wenn die anderen Staaten sich weigern”

    Ich sprach von Ländern die sich der Genfer Flüchtlingskonvention verpflichtet haben. Wenn die sich weigern, so muss die UNO den Sachverhalt lösen und nicht Deutschland aus seinem ewigen Schuldkomplex heraus. Wir sind nicht die Retter der Welt.

  13. #13 Joseph Kuhn
    http://scienceblogs.de/gesundheits-check/
    21. Februar 2016

    @ Moreno:

    Hoffentlich haben Sie nicht mal einen Autounfall, liegen schwer verletzt am Straßenrand und die Leute fahren vorbei ohne zu helfen, weil sie sich sagen “wir sind die Retter der Welt”.

  14. #14 Ingo
    22. Februar 2016

    @Anderer Michael #3 Seite 2

    > 1.Sollte man Flüchtlingen helfen, die vor Krieg und Unterdrückung fliehen?
    > Ich sage, ja!

    Da sind wir uns ja einig.
    Nur bedeutet dass aber im Zweifelsfall ersteinmal jeden sofort aufzunehmen, und hinterher genauer nachzufragen.
    Man kann jemand nicht im Niemansland an der Grenze stehen lassen bis der Fall geklaert ist.
    Leider moechten viele Leute in Deutschland aber genau dieses “erst Aufnehmen, und dann Fragen stellen” verhindern.

    > 2. Soll man tatsächlich jeden aufnehmen, der behauptet, er/sie sei Flüchtling?
    > Ich sage, nein(1)!

    Doch.
    Nicht jeder hat ein Schild “echter Fluechtling” auf der Stirn. Es dauert einfach ein bischen bis man die Zeit hat nachzuforschen.
    Und so lange muss der Mensch als Mensch behandelt werden so gut es eben geht.
    Anders geht es nicht wenn man (Punkt 1) “echten” Fluechtlingen helfen will.

    > 4 Warum nennen wir nicht Ross und Reiter, wenn es um Probleme geht, die auf
    > uns abgeladen werden? Hauptprobleme sind westliche Militäreinsätze, …

    Kann sein,- aber was aendert das daran, dass die Leute hilfe brauchen?

    > 5. Welche Möglichkeiten hat der Durchschnittsbürger dagegen zu protestieren,
    > wenn … dieTurnhallen im Winter seit Jahren belegt sind

    Jede legale Moeglichkeit.

    > durch arbeitslose Balkanbewohner, die nach genügend Erhalt von Sozialhilfe …

    [blablabla und manche Betruegen auch ]
    Ob es Betrueger gibt oder nicht spielt keine Rolle. Deswegen muss trotzdem jeder Mensch der kommt eine Changse erhalten.

    > 6. Warum wenden sich die Bürger immer mehr von dieser Gesellschaft und
    > der Politik ab, nicht nur bei uns in ganz Europa?

    Weil Schreihaelse lauter schreien als Vernuenftige Menschen.
    Weil Leute wie die AfD und Pegida unsere Werte nicht verstanden haben, und ihren Gegner schon sehr aehnlich geworden sind.

    > 7. Wieso kommen oder wollen die meisten (numerisch) nach Deutschland?

    Weil in Deutschland (Pegida und AfD ausgenommen) vernuenftige Menschen wohnen, die keinen Schreihals als Kanzler haben, sondern jemand der Werte ueber die politische Karriere stellt (Seehofer ausgenommen).

  15. #15 Ingo
    22. Februar 2016

    Was ich noch sagen wollte:
    “Wir schaffen dass” bedeutet nicht “Wir schaffen dass perfekt und ausserdem umsonst”

    Ja: Es kostet Geld – aber ich bin bereit dafuer Steuern zu zahlen
    Ja: Es bedeutet, dass Turnhallen belegt sind – aber ich bin bereit dafuer auf Sportunterricht zu verzichten
    Ja: Es dauert lange
    Nein: Es ist nicht perfekt. Schnellere und fairere Verfahren waeren wuenschenswert. Integration bei Ankunft waere cool. Bessere Gebaeude als Turnhallen waeren besser. Bessere ID-Verfahren hilfreich. Weniger Betrugsfaelle gut.
    Aber es kann nicht perfekt sein,- so ist das leider in der Realitaet.

    Das sind alles keine Argumente mit der Hilfe aufzuhoeren.

    Wenn es auch laenger dauert, und hier und da holpert ->
    -> Wir schaffen das.

  16. #16 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/02/21/policia/
    22. Februar 2016

    Es ist ja offensichtlich, dass die rechten Besorgtbürger ihre Sorgen nicht der Politik, sondern immer den Flüchtlingen persönlich vortragen wollen. Allerdings entpuppen sich diese Sorgen meist als Wut und Hass und die Äußerungen sollen wohl Angst verbreiten, nicht eine Form politischer Auseinandersetzung.

    Ich erinnere mich an Demos der 80er Jahre. Damals protestierte man auch nicht immer am Landtag, Bundestag oder dem Rathaus, sondern an AKWs, der WAA oder der Startbahn West (Flughafen FfM).

    Damals hat es die Polizei geschafft schnell in hoher Mannschaftsstärke vor Ort zu sein.

    Wenn die Flüchtlinge in Clausnitz bislang keine Vorbehalte gegen deutsche Polizisten hatten, dann hat sich das jetzt vielleicht geändert. Es bringt sicher wenig in Flüchtlingsheimen mehrsprachige Ausgaben des Grundgesetzes zu verteilen mit der Ermahnung, Konflikte nicht intern mit Gewalt zu lösen, sondern sich an die Polizei zu wenden, wenn man so Werbung für die Polizei gemacht hat.

    @Ingo:

    Und zwar dafuer das ich vor einigen Jahren nicht Frau Merkel gewaehlt habe.

    Wenn Du nicht zufällig in ihrem Wahlkreis wohnst, dann kannst Du Frau Merkel gar nicht wählen/gewählt haben.

  17. #17 ralph
    22. Februar 2016

    Jeden der auch nur einen Funken Empathie besitzt wird es bei den Bildern aus Clausnitz das kalte Grausen packen und zugleich wird sich ein Fremdschämen einstellen.
    Sich darüber öffentlich zu empören, ohne jeglichen konstruktiv-analytischen Ansatz, halte ich für eine peinliche Nabelschau. Der der laute Ausbruch “Ach was gibt es doch für dumme engstirnige Menschen” mag so manche einem das Gefühl geben er sei was Besseres. Den Beweis dazu muss er noch antreten indem er sich aktiv mit Zeit und Geld für eine Sache einsetzt. Aktive Patenschaften für Flüchtlinge halte ich für eine gute Idee. Und mich würde es nicht wundern, wenn sich nach entsprechendem Vorlauf und einem Gegenseitigen Kennenlernen von Flüchtlingen und Einheimischen, getragen von Vereinen und Ehrenamtlichen, sich unter den “hirnlosen” Demonstranten genauso viele Helfer fänden wie unter den sich lautstark Empörenden.
    Im übrigen bin ich der Meinung, Bürokratie, Überregulierung und Wohlfahrtsstaat sind ein müssen auf den Prüfstand. Allein schon der Klimawandel wird zu vermehrten Süd-Nord Wanderung von Menschen führen. Wenn wir uns nicht einmauern wollen und den zukünftigen Herausforderungen Begegnen wollen müssen wir als Staat und Gesellschaft viel flexibler werden.

  18. #18 Struppi
    22. Februar 2016

    Es ist schon seltsam, wie die aktuelle Situation hochgekocht wird.

    Die Hysterie wird in erster Linie durch Berichte in den Medien erzeugt, der deutsche Staat ist sicher nicht überfordert mit einer Millionen Flüchtlinge und wenn Jordanien mit deutlich mehr Flüchtlingen umgehen kann, dann können “wir” das auch. Insofern ist “wir schaffen das” eine Selbstverständlichkeit.

    Aber die “andere” Seite hat ebenfalls Recht. Das Problem ist nicht die Anzahl der Flüchtlinge, sondern wie die konservativen Regierungen in der Vergangenheit (seit den 90’er) versucht haben mit dieser Situation umzugehen. Der dt. Öffentlichkeit wurde suggeriert es können keine Menschen mehr nach D fliehen, denn Schengen schützt uns. Das dieses Abkommen aber offensichtlich nicht durchdacht war zeigt sich nun.

    Denn gleichzeitig wurde kurz nach Schengen auch damit begonnen die Ausgaben für den Bürger zu kürzen. Egal ob Infrastruktur, Bildung oder soziale Versorgung, in den vergangenen 20 Jahren wurde das alles gekürzt – auf Kosten der Bürger. Dass diese sich nun über den Tisch gezogen fühlen, kann ich nachvollziehen. Wer das nicht gespürt hat, mag privilegiert sein, für alle anderen ist das Leben schwerer geworden. Aber trotzdem sind es meiner Meinung überwiegend die Berichte, die diese Ängste auf die Flüchtlinge lenken – schuld ist aber die Politik.

    Aber ein echtes “Flüchtlingsproblem” hat eigentlich nur die Türkei und etwas schwächer Griechenland.

    Das nach fünf Jahren Krieg in einem Land mit 20 Mio. Einwohner Fluchtbewegungen entstehen, muss doch Politikern klar sein und hätte mit Sicherheit mit den dafür exisiterenden Organisationen (z.b. UNHCR) auch besser kontrolliert werden können. Aber bei so lange anhaltenden Kämpfen – auch “Dank” NATO – müssen die Menschen fliehen und suchen anderswo nach Perspektiven.

    Aber wo war das Konzept als die NATO letztes Jahr sagte wir bombardieren den IS? Es gab keins und die Ausgaben an die UNHCR sanken weiter. Die EU hat mit dem Schengenabkommen gezeigt wie Unfähig sie ist.

  19. #19 raumstat
    22. Februar 2016

    @Moreno
    “sondern dort wo ihre Heimat ist”. Falsch, sie sind eben nicht im Osten geblieben, wo es keine Perspektive gab, sondern dorthin gegangen wo sie sich eine eigenverantwortliche Zukunft erhofften.
    Haben Syrer in den Flüchtlingslagern eine Persepektive? Nein. In Griechenland? Nein. Auf dem Balkan? sicher nicht.

  20. #20 Earonn
    22. Februar 2016

    Kann Jürgen und insbesondere Alisiers # 9 nur zustimmen.

    Die Werte, die eine gewissen Minderheit von Deutschen derzeit lauthals in die Welt hinausgrölt können gerne in den Abfalleimer.
    Und ja, auch ich wünsche mir, Rasissten würden ihren “Werten” endlich mal “Mut” hinzufügen und offen sagen, wes Geistes Kind sie sind.

    Aber andauernd hört man dieses “buhuuu, ich werde als rechtsradikal angesehen, nur weil…”
    Nein. Die Betreffenden werden als rechtsradikal oder einfach nur “rechts” angesehen, wenn sie Flüchtlinge ablehnen und dafür keine, vorgeschobene oder rassistische Gründe anbringen.

    Mich kotzt auch das ewige “die Politiker gehen an der Meinung des Volkes vorbei” an.
    Mir ist es lieber, Politiker gehen NICHT an der Genfer Menschenrechtskonfession vorbei, als ein paar lauten Schreihälsen nachzulaufen, die meinen, die Meinung des ganzen Volkes gepachtet zu haben. Ich bin zumindest auf dem Papier noch Deutsche, und meine Meinung vertritt eher Frau Merkel als jener Mob von herzlosen, dummen, denkunfähigen oder bösartigen Kreischern, die nichts besseres zu tun haben, als ihre Wut auf wer-weiß-denn-was an einer Gruppe hilfloser traumatisierter Kriegsflüchtlinge auszulassen.

    Ganz offen: wer Flüchtlinge bedroht ist entweder zu dumm, erwachsene Entscheidungen zu treffen, oder zu bösartig, um ihn Entscheidungen treffen zu lassen.

    @Moreno #50
    Na, ob die nun in die weite Welt oder “die Heimat” geflohen sind, gekostet haben sie uns allemal genug. Ich habe den Soli gerne gezahlt, ich habe gerne meinen Beitrag geleistet, dem Osten wieder auf die Beine zu helfen. Nicht, weil das “mein Volk” war, sondern aus schlichtem Mitgefühl und Verantwortung für meine Nächsten.
    Und jetzt erwarte ich von denen, die so lustig mein Geld genommen haben, dass sie zumindest die Klappe halten, wenn jetzt auch mal andere dran sind.
    Zumindest erwarte ich jedoch das Verhalten eines Erwachsenen, d.h. keine Gewalt und echte Argumente.

  21. #21 raumstat
    22. Februar 2016

    @Struppi
    Die Fluchtbewegungen werden eigentlich sehr gut durch das UNHCR überwacht. Schon 2012 wurde von denen die heutige Lage prognostiziert, für den Fall das die Flüchtlinge nicht vor Ort besser unterstützt werden. Hat aber die Welt nicht interessiert, frei nach dem Motto “die sind ja weit weg” oder “die werden ja nicht übers Mittelmeer schwimmen”. Gerade die CDU hat Mehrausgaben für die Flüchtlingshilfe immer abgelehnt.

  22. #22 bazille
    wien
    22. Februar 2016

    Interessant das sich hier einige nicht vorstellen können, Obergrenzen zu definieren. Siehe Österreich. Die Regierung st getrieben. Die Obergrenzen bleiben und werden auch umgesetzt, den falls die österreichische Regierung vor den Forderungen der EU einknicken sollte, war es das für Sie.

  23. #23 echt?
    22. Februar 2016

    Lustig ist, dass gerade die Sachsen, die 1989 und während der Elbhochwasser eine beispielhafte Solidarität erleben durften daraus nichts gelernt haben.

  24. #24 Moreno
    22. Februar 2016

    @ Joseph Kuhn: „Hoffentlich haben Sie nicht mal einen Autounfall, liegen schwer verletzt am Straßenrand und die Leute fahren vorbei ohne zu helfen, weil sie sich sagen “wir sind die Retter der Welt”.“

    Gehen Ihnen die Argumente aus oder warum ziehen Sie solch unsinnige Vergleiche?

    Deutschland verpflichtet sich Kriegsflüchtlingen zu helfen, doch stellt hier irgendjemand das humanitäre deutsche Asylrecht grundsätzlich in Frage? Ich gewiss nicht. Oder wollen Sie mir solch eine Haltung unterjubeln?

    Der AfD-Vorsitzende Prof. Meuthen sagte kürzlich, die AfD sei bereit sich auf eine Obergrenze von 200.000 Kriegsflüchtlingen pro Jahr einzulassen. Das ist übrigens eine mehr als großzügige Geste wenn man sich im internationalen Vergleich messen lässt. Eine Obergrenze die ich so unterstütze, da wir hier von Zahlen reden welche eine Gesellschaft noch bewältigen kann, ohne dabei den sozialen Frieden zu gefährden.

    @ raumstat: „Falsch, sie sind eben nicht im Osten geblieben, wo es keine Perspektive gab, sondern dorthin gegangen wo sie sich eine eigenverantwortliche Zukunft erhofften.“

    Die Ost-Deutschen haben mit Hilfe der Ungarn 89 ein linke – ich betone eine LINKE – Ideologie innerhalb Deutschlands zu Fall gebracht. Es gab Verwandtschaft und Familien auf beiden Seiten innerhalb eines Landes. Ost-Deutschland hatte genauso zu West-Deutschland gehört wie umgekehrt. Es wurde das vereint, was durch linke Verbrecher zwangsgeteilt wurde. Ein Sachverhalt der mit der globalen Wanderschaft der überwiegend männlichen Syrern, Afghanen, Iraker, Eritreanern … weder geschichtlich, kulturell noch sonst wie eine Gemeinsamkeit aufweist.

  25. #25 LasurCyan
    22. Februar 2016

    Es wurde das vereint, was durch linke Verbrecher zwangsgeteilt wurde.

    Welche ‘linken Verbrecher’ waren das nochmal, die die deutsche Teilung erzwungen haben, Moreno? Irgendwie stehe ich diesbezüglich gerade auf dem Schlauch..

  26. #26 Anderer Michael
    22. Februar 2016

    Ingo,
    es ist nett, dass Sie geantwortet haben( Fragen waren für Herrn Schönstein gedacht).
    Zu Frage 2 ev. missverständlich von mir formuliert, zunächst mal ja und prüfen. Ausnahme für mich: Balkanbewohner, wieso sind das Flüchtlinge, diese würde ich bereits bei der Grenze abweisen.
    Frage 3 haben Sie nicht beantwortet. Ist auch keine Pflicht, wäre schon interessant, wieso ein Arbeitsloser ein politischer Flüchtling ist oder kriminelle schwarzafrikanische Drogenhändler.
    Frage 4 denkfreie Tabuzone Ross und Reiter zu nennen, unbequeme “Wahrheiten”?
    Frage 5/6/7/ blablabla. Sie unterschätzen gewaltig die Situation und das Gefühl der Hilflosigkeit, dass sich bei den Bürgern immer mehr einstellt. Die Realität ist anders. Ich bin absolut erstaunt, wie populärer in ganz Europa Putin (wird scheinbar für so eine Art “weißer Ritter “gehalten)wird, hätte ich vor zwei Jahren nicht für möglich gehalten.
    Ich hoffe, dass Sie recht behalten. Ich fürchte, wir werden es nicht schaffen.

    Die Osteuropäischen Visegard -Länder sehen es gewaltig anders, sprechen von moralischen Imperialismus Deutschlands und sind bereit Militär einzusetzen, hätte ich ebenso nicht für möglich gehalten.

  27. #27 Anderer Michael
    22. Februar 2016

    user unknown
    “Damals hat es die Polizei geschafft schnell in hoher Mannschaftsstärke vor Ort zu sein.”
    Die Justiz, die Politik, die Polizei knickt regelmäßig vor krimineller oder politischer Gewalt ein. Clausnitz ist keine Ausnahme eher der Regelfall.

  28. #28 Anderer Michael
    22. Februar 2016

    “wird sich ein Fremdschämen einstellen.”
    Ralph
    Bei allem Respekt und nachvollziehbarer Empörung Fremdschämen ist mir zu einfach. Das weitere Geschriebene ist bestimmt sinnvoll. Zur flexiblen Haltung gehört aber auch laut nachzudenken (bzw solches auch zu dürfen) was Deutschland wirklich leisten kann, die Bevölkerung bereit, ist zu leistenund ob jeder Flüchtling dauerhaft in Deutschland bleiben soll. Wenn es um unsere Interessen geht (1), dürfen wir ruhig unsympathisch und in gewisser Weise auch egoistisch sein.

    1. Unsere Interessen kollidieren keineswegs mit weltweiter wirtschaftlicher Gerechtigkeit. Fischern in Westafrika, denen man nicht industriell die Fanggründe ausplündert, haben zunächst keinen wirtschaftlichen Grund nach EUropa auszuwandern

  29. #29 Peter Eumel
    22. Februar 2016

    @Moreno,
    Zitat Beitrag #12
    “Ich sprach von Ländern die sich der Genfer Flüchtlingskonvention verpflichtet haben. Wenn die sich weigern, so muss die UNO den Sachverhalt lösen und nicht Deutschland aus seinem ewigen Schuldkomplex heraus. Wir sind nicht die Retter der Welt.”
    Den “ewigen Schuldkomplex” will eine rechte Szene immer gern als Argument benutzen. Ich persönlich habe keinen Schuldkomplex und ich tippe mal drauf, so geht es den meisten Deutschen.
    Das Argument “Wir sind nicht die Retter der Welt” ist für mich nur ein weiteres Beispiel für das Abschieben von Verantwortung wie das allerdings in Europa heute leider üblich geworden ist.
    Aber Fehler anderer machen die eigenen nicht besser.

  30. #30 Jürgen Schönstein
    23. Februar 2016

    @Anderer Michael

    Fragen waren für Herrn Schönstein gedacht

    Das war erstens nicht ersichtlich, und ist zweitens ist das auch nicht meine Rolle – die Idee bei Kommentaren ist ja nicht, einen Privatdialog zu führen. Die Frage, warum ich mich auch in Deutschland als Ausländer fühle (und auch, zum Beispiel steuer- und melderechtlich, aber auch beipielsweise wenn es um Bankgeschäfte geht, offiziell als solcher gelte), habe ich ja in dem eingangs in meinem obigen Beitrag verlinkten Posting erklärt.

    Ansonsten warn das ja keine Fragen, sondern as Frage getarnte Statements, in denen letztlich massiver Asylbetrug postuliert wurde. Und nö, das muss ich nicht beantworten – das spricht letztlich vor allem für (oder meinetwegen auch gegen) sich.

    Wie ich schon öfter geschrieben habe: Ich muss nicht durch jeden Reifen springen, den man mir hinhält.

  31. #31 Moreno
    23. Februar 2016

    @ Peter Eumel: “Den “ewigen Schuldkomplex” will eine rechte Szene immer gern als Argument benutzen.”

    Wie kommen Sie darauf? Den Begriff “Schuldkomplex” im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise habe ich aus einem Welt Online Artikel von letzter Woche.

    “Es gibt einen grundlegenden Irrtum in der Asyldebatte
    Die deutsche Migrationspolitik ist fehlgeleitet von einem historischen Schuldkomplex und problematischen politischen Vorstellungen. Die Flüchtlingskrise bringt die Chance, neu darüber nachzudenken. (…)”
    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article152311226/Es-gibt-einen-grundlegenden-Irrtum-in-der-Asyldebatte.html

    Das Sie bei der Verwendung des Begriffs “Schuldkomplex” gleich die Zuordnung in die “rechte Szene” behaupten, zeigt doch viel mehr wie reflexhaft Ihre Denke konditioniert ist.

  32. #32 Bullet
    23. Februar 2016

    Deren Heimat war der Faschistenstaat “DDR”. Hätten sie da doch bleiben sollen. Es sind ja, wie wir sehen, da immer noch genug. Ich persönlich plädiere ja für Schußwaffeneinsatz an der deutschen Grenze… von 1989. Der zur DDR.

  33. #33 Bullet
    23. Februar 2016

    Autsch. Das war eine Antwort auf #50. Längst veraltet. Ich liebe die Anzeige von Kommentaren auf mehreren Seiten …

  34. #34 Anderer Michael
    23. Februar 2016

    Herr Schönstein,
    das war von mir nicht als Angriff gegen Sie gemeint, falls von Ihnen so verstanden.Entschuldigung.
    Mir ist bewusst, dass Sie keine Fragen beantworten müssen, schon gar nicht, wenn es Provokationen sind.
    Alle meine Fragen sind ernst gemeint.
    Wieso Sie in Deutschland als Ausländer gelten, ist mir trotz Nachlesens nicht klar, also rechtlich auf keinen Fall. Sie haben sogar einen winzigen Vorteil, Sie haben keine Pflicht einen Ausweis zu besitzen (nach deutschem Recht!). Oder fühlen Sie sich nicht mehr als Deutscher, wegen des langen Auslandsaufenthaltes ?

    Sie schrieben, ich wolle massiven Asylbetrug postulieren.Ja, so gesehen richtig, bei einem Teil der Balkanbewohner bestimmt. Unabhängig davon würde mich schon interessieren, wieso z.B.Arbeitslose in Deutschland oder Kriminelle aus Afrika als Flüchtlinge gelten sollen (sofern die Arbeitslosigkeit der Fluchtgrund ist). Sie vertreten auf sehr moralischer Ebene Positionen. Wenn diese Positionen mit der Realität ( die ich mir nicht auf dem Sofa sitzend ausdenke) verglichen werden, und Sie möchten nicht antworten. Dann frage ich mich schon, wieviel sind denn Ihnen Ihre Positionen selber wert und was sollen Sie uns wert sein? Klar können Sie sagen, dem muss ich nicht antworten. Im Groben ist Ihre Auffassung zur Zeit politische Maxime. Aber die Visegardstaaten wollen dagegen Militär einsetzen, nicht gegen Deutschland, sondern gegen die Folgen deutscher Politik. Das ist doch Realität, Herr Schönstein. Genauso dass Putin immer populärer wird, warum eigentlich ?

  35. #35 Wilhelm Leonhard Schuster
    23. Februar 2016

    @ Alle:
    DIE Deutschen, müssen nicht durch jeden Reifen springen, den uns Herr Schönstein hinhält!
    Im übrigen: Kein Kommentar,- zu den, doch teils sehr komischen, sonderbaren Kommentaren.
    Diese, sprechen für sich selbst und bedürfen keines Kommentars.
    Man muß so etwas abtropfen lassen,
    wie unter der Dusche stehend-
    letztendlich ist dieses auch: reinigend!

  36. #36 Anderer Michael
    23. Februar 2016

    Herr Schönstein!
    Jetzt haben Sie mich neugierig gemacht.
    Sie schrieben in Ihrem verlinkten Posting:
    ” in Deutschland bin ich Ausländer, weil ich meinen ständigen Wohnsitz nicht hier, sondern in den USA habe – und zwar schon sehr, sehr lange.”
    Hier schrieben Sie:
    “(und auch, zum Beispiel steuer- und melderechtlich, aber auch beipielsweise wenn es um Bankgeschäfte geht, offiziell als solcher gelte)”
    Dem Steuerrecht in Deutschland unterliegt ,wer Einkünfte in Deutschland hat, unabhängig von der Staatsbürgerschaft und seinem ständigen Wohnsitz. Das Steuerrecht der USA ist übrigens einer der Hauptgründe, weshalb sich US-Bürger in Deutschland einbürgern lassen.
    Sofern Sie die Deutsche Staatsbürgerschaft haben, sind Sie, solange Sie es wollen, deutscher Staatsbürger (Art.116. GG). Theoretisch sogar, wenn Sie kein einziges Wort deutsch können und noch nie in Deutschland gewesen sind.
    Melderechtlich können Sie sich, wie jeder Deutscher oder Ausländer auch, nur in der deutschen Gemeinde anmelden, wo Sie Ihren Lebensmittelpunkt haben.
    Deutsche Bankkonten für Auslandsdeutsche sind ebenfalls kein Problem, die ev. Besteuerung unterliegt den selben Kriterien wie bei Deutschen und Ausländern ( es sei denn, es gibt Doppelbesteuerungsabkommen und ähnliches, diese wären dann zu Ihrem Vorteil, Sie wollen doch nicht doppelt Steuern zahlen).
    Deswegen auch meine Frage. Wo sind Sie offiziell in Deutschland Ausländer oder einem Ausländer gleichgestellt.

  37. #37 Bullet
    23. Februar 2016

    @Anderer Michael:

    Deswegen auch meine Frage. Wo sind Sie offiziell in Deutschland Ausländer oder einem Ausländer gleichgestellt.

    Hat Jürgen das Wort “Offiziell” in Verbindung mit den Worten “in Deutschland” und “Ausländer” in Bezug auf seine Person verwendet?

  38. #38 Anderer Michael
    23. Februar 2016

    Im 2. Block Kommentar 29
    Ich zitiere:
    ” Die Frage, warum ich mich auch in Deutschland als Ausländer fühle (und auch, zum Beispiel steuer- und melderechtlich, aber auch beipielsweise wenn es um Bankgeschäfte geht, offiziell als solcher gelte),..”
    Zur Wiederholung:
    ” …warum ich mich auch in Deutschland als Ausländer fühle ..und …. offiziell als solcher gelte….”

  39. #39 Jürgen Schönstein
    23. Februar 2016

    @Anderer Michael
    Steuerrechtlich, beispielsweise. Oder als meine Bank mein Pfandbrief-Konto einseitig auflöste, da sie keine Konten von Ausländern (= Personen, die im Ausland leben) mehr führen wollte – rechtlich zu kompliziert, wie sie fanden. Mein Führerschein ist amerikanisch, genauer gesagt, aus dem Staat Massachusetts, weil das gesetzlich so vorgeschrieben ist (und der Besitz zweier Führerscheine aus verschiedenen Jurisdiktionen gegen das hiesige Gesetz verstößt). Da ich in Deutschland keinen Wohnsitz habe und demzufolge auch nicht gemeldet (= kein “Gemeindebürger”) bin, kann ich an keinen Kommunal- und Regionalwahlen teilnehmen. Aus dem gleichen Grund besitze ich auch keinen deutschen Personalausweis. Andererseits kann ich mir, wenn ich wollte, die Mehrwertssteuer für alle Gegenstände, die ich in Deutschland (oder der EU, übrigens) erwerbe, bei der Ausreise rückerstatten lassen. Aber auch ohne diese formalrechtlichen Aspekte bin ich ein Ausländer – jemand, der nicht mehr voll am deutschen Geschehen teilnimmt. Ich könnte kein “Dschungelcamp” anschauen, selbst wenn ich wollte, und ich muss mir manchmal (zum Glück recht selten, aber das liegt wohl an der Auwwahl meiner Freunde) anhören, dass ich nicht mitreden kann, wennes um X, Y oder Z geht, weil ich ja nicht in Deutschland lebe und daher nicht betroffen bin. Reicht das?

  40. #40 Anderer Michael
    23. Februar 2016

    Damit kein Missverstndnis auftaucht. Herr Schönstein sagt, er sei in Deutschland Ausländer. Das ist sachlich verkehrt. Dass Herr Schönstein es trotzdem sagt, sozusagen als “Freiheit des Bloggers” um damit eine ihm wichtige Grundposition zu einem Thema akzentuiert einzuleiten ,akzeptiere ich durchaus und habe Verständnis. Eine endlose Diskussion, wer jetzt wie was gesagt hat und wie wo und was da und dort geschrieben oder verstanden wurde, ist wenig zielführend und kann von meiner Seite gerne beendet werden.
    Andererseits sieht es niemand mit Freude, wenn ihm unlautere Motive unterstellt werden, ganz allgemein gesagt und wenn es vor allem nicht zutrifft

  41. #41 Jürgen Schönstein
    23. Februar 2016

    @Anderer Michael

    Das ist sachlich verkehrt.

    Huh? Wie bitte? Offenbar beherrsche ich nicht mal mehr die deutsche Sprache, muss also nicht nur Ausländer, sondern ein echter Fremd(sprachig)er sein. Wie sonst könnten meine Erklärungen hier so völlig ungehört und unverstanden verhallt sein?

    P.S. Ich hatte in meiner obigen Auflistung noch vergessen, dass ich auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld hatte, als mir mein deutscher Arbeitgeber meinen deutschen (!) Arbeitsvertrag kündigte, obwohl ich in all meinen US-Korrespondentenjahren ununterbrochen in die deutsche Arbeitslosenversicherung einzahlen musste, also meinen Beitrag geleistet habe. Aber da es mir bei einem Wohnsitz in den USA nicht möglich war, den Meldebestimmungen für Arbeitslose nachzukommen, bestand nicht mal im Ansatz eine Chance, diese Leistung (für die ich ja vorher teuer bezahlt hatte) einzufordern. Und jetzt du…

  42. #42 Anderer Michael
    23. Februar 2016

    Bitte, wenn Sie meinen, dann sind Sie eben in Deutschland Ausländer. Gratulation.
    Damit Sie nicht böse auf mich (dem “du”) gebe ich Ihnen nochmal zusätzlich recht.
    “…….. Sturheit, Rechthaberei, vielleicht? Wenn solche Werte durch den Zuzug fremder Menschen gefährdet werden, dann kann ich nur sagen: Ja, bitte! Und bitte schnell!”
    Wenn Sie recht haben, dann haben Sie bestimmt recht.

    Gruß vom Inländer an den Ausländer

  43. #43 Jürgen Schönstein
    23. Februar 2016

    @Anderer Michael
    Warum bestehen Sie (Stichwort: Rechthaberei) darauf, dass Sie meinen voelker- und auch ansonsten -rechtlichen Status besser beurteilen koennen als ich? Oder besser: Warum bestehen Sie darauf, dass ich die Unwahrheit sage, ohne einen Beleg dafuer zu bringen, was die “Wahrheit” in diesem Fall sein muesse? Schauen Sie doch einfach noch einmal nach, wie “Auslaender” im Deutschen definiert ist. Und dann ueberlegen Sie, wer hier stur auf seiner Rechthaberei beharrt… (Und nee, das “Du” war Teil einer idiomatischen Floskel, keine persoenliche Anrede. Wir haben ja schliesslich, wie man bei uns sagt, noch nicht zusammen die Schweine gehuetet.)

  44. #44 Anderer Michael
    23. Februar 2016

    Sie haben also als Auslandsdeutscher weniger Rechte und in Deutschland einen wesentlich anderen Status als ein hier lebender Deutscher. Die Definition Ausländer bei Wikipedia habe ich auch gelesen,passt die wirklich, wenn man zu Ende liest.
    Wieso kann man sich nicht darauf einigen, dass Sie sich ganz unabhängig von formalen Fragen in erster Linie wie ein Ausländer fühlen nach der langen Zeit, haben Sie doch auch so geschrieben. Das ist keineswegs ungewöhnlich und durchaus nachvollziehbar. Und wenn Sie dieses Gefühl in eine plakative Formulierung umsetzen, um ein für Sie wichtiges Thema pointiert als Journalist umzusetzen.
    Bitte,warum nicht? Letztendlich habe ich damit kein Problem und das “du”, da fällt mir keine Krone ab. Wer austeilt, darf auch mal einstecken. Ich denke, Ihre Beiträge sind informativ und sie motivieren zum Nachlesen. Es ärgert mich aber schon, dass Fragen die nicht so ins Konzept passen, und ehrlich gemeint sind (1), vorab als unlauter angesehen werden.

    Da wir fast überall Ausländer sind
    grüßt herzlich der “fast überall Ausländer” den “überall Ausländer” (2)

    P.S. Das mit der Kündigung in New York tut mir leid. (Ehrlich, keine Heuchelei)

    1. Das ist im Einzelfall bei persönlicher Unkenntnis des Gegenübers natürlich schon sehr schwierig einzuschätzen, dass gestehe ich schon ein.

    2.Das war jetzt versöhnlich gemeint und keine Attacke.

  45. #45 Wilhelm Leonhard Schuster
    23. Februar 2016

    @Herr Schönstein ,das mit dem Wohnsitz müsste sich doch so regeln lassen :
    Erstwohnsitz Deutschland , Zweitwohnsitz Ausland
    bei zeitlich begrenztem Visa, das je vom Arbeitgeber erneuert und verlängert wird.
    Für Presseleute und sonstige Manager auf Zeit, sollte derartiges doch selbstverständlich sein.
    Im übrigen bin ich der naiven Ansicht, daß Sie ihrem
    Arbeitgeber gegenüber, nicht sämtliche rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft haben.

  46. #46 Wilhelm Leonhard Schuster
    23. Februar 2016

    Nachtrag : Eventuell liegt sogar eine arglistige Täuschung durch Ihren Arbeitgeber vor, denn dieser trägt doch für Sie, wenn er Sie im Ausland einsetzt, eine gewisse Verantwortung !
    Wie AM sagte:Schwer einschätzbar, von hier aus!

  47. #47 Jürgen Schönstein
    23. Februar 2016

    @WLS

    Schwer einschätzbar, von hier aus!

    Zerbrechen Sie sich nicht meinen Kopf – von hier aus war die Sache absolut einschätzbar und dank (teurer) Anwälte, sowohl in arbeitsrechtlichen als auch Einwanderungs-Angelegenheiten. Ich habe die Sache sehr wohl im Griff, wollte aber nur – weil dazu explizit und mehrfach aufgefordert – nachweisen, dass ein im Ausland lebender Deutscher trotz seiner weiterhin bestehenden Staatsbürgerschaft auch aus Sicht der deutschen Behörden ein Ausländer sein kann (und meistens auch ist.

  48. #48 Anderer Michael
    24. Februar 2016

    Herr Schönstein,
    ist es gemein, wenn ich Sie bitte, durch den Reifen zu springen (er brennt nicht!) und Ihre Sicht zu meinen Fragen kundzutun, sozusagen aus der größeren Perspektive des Ausländers.

    P.S. Ich besitze auch keinen Personalausweis, dazu bin ich als deutscher Staatsbürger im Inland nicht verpflichtet und muss auch keinen sonstigen Ausweis mitführen!

  49. #49 Anderer Michael
    24. Februar 2016

    Peter Eumel
    “Wer von den Rußland-Deutschen sich hier nicht richtig eingebürgert hat, kann ja von Putin zurückgenommen werden.”
    Erinnert mich an die 60 und 70 Jahre, des letzten Jahrhunderts. “Wenn es dir nicht passt, geh doch nach drüben “, so pflegte das kleinbürgerliche Establishment als argumentatives Substitut den Langhaarigen vorzuschlagen. Habe ich das letzte Mal gehört mit kurzen Haaren Anfang der 80ziger, als ich partout bei der Kranzniederlegung an irgendeinem Langemarck Heldengedenktag für studentische Gefallene(Hingeschlachtete, Verarschte Jungs, Kanonenfutter was ist der richtige Ausdruck) keinen Umweg machen wollte, und mitten durch die Reihen der die Wacht am Rhein singenden alten Herren vorsichtig ging (fairerweise muss ich anerkennen, es klang gut). Als Konservativer hat mich Geschichtsverfälschung schon immer genervt. Damals habe ich die Linken für Ihre zupackende intellektuelle Herrschaftskritik schon ein bisschen beneidet und heute ? Da feiert die Linke Mohammed als Feministen und sich als Schwarze bezeichnende mit überdurchschnittlichem Einkommen betitulieren Weiße als priviligiert, also demzufolge auch die , die morgens um 6 Uhr an der Maschine stehen , manchmal für Mindestlohn. Genug des Frust.

    Tempora non mutantur! Wo würden Sie die Herren Vogel und Lau so denn hinschicken wollen ?

  50. #50 Jürgen Schönstein
    24. Februar 2016

    @Anderer Michael,
    Die meisten Fragen haben Sie doch selbst schon beantwortet (was mir keinen Raum lässt – Sie sind ja bereits sicher, die “Wahrheit” zu kennen). Wie viele arbeitslose Lkw-Fahrer aus Eritrea sind unter den Flüchtlingen? Woher wollen Sie wissen, das Roma NICHT verfolgt werden und, ergo, fliehen mussten? Weil man denen grundsätzlich nicht trauen kann? (Und was verrät uns so ein Vorurteil darüber, wie gesichert die Sitution dieser Bevölkerungsgruppe ganz generell in “unserem” Europa ist)? Warum müssen Flüchtlinge in einem der reichsten Länder der Welt überhaupt in nur begrenzt menschenwürdigen Turnhallen untergebracht werden? Vielleicht, weil “besorgte Bürger” gerne potenzielle Unterkünfte abfackeln? Sollen wir jeden Flüchtling aufnehmen, der darum ersucht? Ja, weil Asylrecht ein Menschenrecht ist, und der Verdacht, er/sie könne dieses Recht missbrauchen, nicht ausreichend ist, um einer ganzen Gruppe pauschal dieses Recht zu verweigern. Warum soll ich diese Fragen beantworten? Würden Sie meine Antworten akzeptieren?