Das Thema kocht hier am Massachusetts Institute of Technology schon seit Wochen, aber ebenso lang kämpfe ich mit mir, darüber zu schreiben: Das MIT hatte am 8. Dezember verkündet, dass alle Physik-Vorlesungen von Walter Lewin, die im Rahmen der MIT OpenCourseWare als Teil von edX verfügbar waren, auf unbestimmte Zeit vom Netz genommen werden. Begründet wurde der drastische Schritt damit, dass sich eine Teilnehmerin des Online-Kursprogramms über sexuell anzügliche oder belästigende Online-Kommentare des emeritierten Professors beschwert hatte. Ich gestehe, dass ich erst mal ganz voreingenommen schockiert war: Lewins Vorlesungen waren legendär, ich hatte sie selbst hier mal in meinem Blog verlinkt – und diese Lektionen sollten nun vom Netz verschwinden? Wegen unpassender Kommentare?

Doch Voreingenommenheit, so erklärbar sie auch ist, ist kein Argument. Selbst wenn sich Lewin “nur” online – es gab zu keinem Zeitpunkt physische Kontakte zwischen Lewin und der edX-Studentin – unpassend geäußert hatte: Wie das MIT in seiner Begründung schrieb, ist dies dennoch eine untragbare Belastung für das Vertrauen, das StudentInnen in ihre Lehrer haben sollten, egal ob die Interaktion physisch oder virtuell ist. Andererseits schien es mir auch leicht zu fallen, Verständnis für den Professor zu zeigen: Wer so extrovertiert ist, sich so von seiner Arbeit hinreißen lässt, vergaloppiert sich vielleicht manchmal und sagt/schreibt etwas, was dann missverständlich rüberkommt.

Doch am nächsten Tag schrieb die MIT-Studentenzeitung The Tech, dass nicht nur Lewins Videos abgesetzt wurden, sondern dass ihm auch der Titel des Professor emeritus aberkannt wurde. Der Provost des MIT, Marty Schmidt, bezeichnete den Schritt gegenüber der Fakultät “…angesichts der langen Karriere von Dr. Lewin auf unserem Campus, und seiner Leistungen als Erzieher” als “schmerzhaft”. dennoch habe er diesen Schritt gehen müssen, nachdem er die Ergebnisse der Untersuchung dieses Falles sorgfältig geprüft und Rücksprache mit den KollegInnen der Physikalischen Fakultät gehalten habe: “Ich glaube, dass es die Belästigung gegeben hat, dass unsere Reaktion darauf angemessen ist und dass es nötig ist, diese Sache öffentlich zu erklären.”

Doch so ganz öffentlich war’s dann doch nicht: Was genau Lewin nun geschrieben hatte, stand in der Erklärung nicht drin. Und auch nach der Lektüre des Beitrags im aktuellen Tech bin ich nur bedingt schlauer: Offenbar hatte Lewin auch mit seinen Studentinnen und Studenten getweetet – was bei Online-Kursen vermutlich nicht ungewöhnlich ist. Doch angeblich sollen seine Tweets an junge Studentinnen immer wieder auch sexuelle Konnotationen enthalten haben. Als eine Studentin, mit der er am 11. Juni per Twitter einen kurzen Kontakt gehabt hatte, fünf Tage später einem Freund in einem völlig anderen (und nicht mit Lewin verknüpften) Tweet das Wort “Fuck” benutzte, habe sich der Professor mit dem Kommentar eingemischt: “Das lässt sich arrangieren, wenn Sie das möchten.” Gegenüber dem Tech begründete Lewin diese Bemerkung mit seinem “exzentrischen/ungewöhnlichen Sinn für Humor, der leicht missverstanden werden kann (nicht jeder weiß ihn zu schätzen”. Und er schreibt weiter: “Wenn jemand ‘fuck’ schreibt, was sehr häufig vorkommt, dann mach ich damit öfter mal einen Scherz.”

Doch offenbar habe er dann noch am gleichen Tag diesen “Scherz” zu weit getrieben und die Studentin (ob es sich dabei um die gleiche Person handelt, deren Beschwerde die Aktion gegen Lewin ins Rollen gebracht hat, wird nicht erläutert) mit rüden Worten zu sexuellen Handlungen eingeladen und nachgehakt,ob sie dazu auch nicht zu feige sei. Diese Nachricht, so behauptet Lewin, habe er nie geschrieben, da er das darin verwendete Vokabular gar nicht kenne – es müsse jemand seinen Account gehackt haben.

So richtig schlau werde ich aus dem Tech-Artikel dann aber auch wieder nicht, da er – entweder aus typisch amerikanischer Prüderie, oder aber mangels genauer Detailinformationen, das ist nicht ganz klar – nur allzu oft bei Andeutungen des Inhalts der besagten Tweets bleibt. Doch wie so oft in solchen Fällen kommt es schon auf Details an – vor allem, wenn man bedenkt, dass der aus den Niederlanden stammende Lewin (in den Videos ist es auch hörbar) Englisch als Fremdsprache spricht.

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Kommentare (67)

  1. #1 Bettina Wurche
    23. Januar 2015

    Das hört sich verworren und übel an.
    Eine ganz typische Situation, leider auch für den akademischen Alltag: “Altherrrenwitz” ist selten witzig, fast immer peinlich. Und im Miteinander zwischen Lehrenden und Studierenden absolut fehl am Platze.
    Ältere Lehrende müssen das einfach mal begreifen, dass sie in einem Kurs nicht in einer Kneipensituation sind. Eine Bemerkung wie “Das lässt sich einrichten” als Antwort auf “Fuck” geht einfach gar nicht. Darf man nicht sagen und schon überhaupt nicht schreiben. Hier ist einfach professionelle Distanz gefragt. Die bei älteren Herren leider oft nicht gegeben ist.
    Habe ich leider sehr, sehr oft selbst erlebt. Und war ein paarmal kurz vorm Brechreiz.

    Zu den anderen Bemerkungen wird sich wahrschenlich nie nachweisen lassen, wer was gesagt und wer wessen Account gehackt hat.

  2. #2 Hans
    23. Januar 2015

    @ Bettina Wurche

    “Die bei älteren Herren leider oft nicht gegeben ist.”

    Schön, dass Sie keine Vorurteile haben.

  3. #3 Gerry
    23. Januar 2015

    Was für eine kranke Welt.

    Und der Judenhetzer Luther wird in 2 Jahren mit Staatsgeld gefeiert.

  4. #4 Florian Walter
    23. Januar 2015

    Sexuelle Belästigung an us-amerikanischen Universitäten und Forschungsinstituten generell ist ein ganz heißes Eisen, nicht nur für Professoren. Es gab bisweilen in einigen größeren Zeitungen und Blogs ausführliche Berichte darüber. Aber auch wenn man die Thematik ernst nehmen muss, wäre in vielen Fällen eine gewisse Transparenz wünschenswert. Denn wie kann man sich, wie in diesem Fall, als externe Person ein Urteil bilden, wenn man die “relevanten Details” gar nicht so genau kennt? Mir werden die Fälle oft zu einseitig präsentiert…

  5. #5 Primergy
    23. Januar 2015

    Eine Bemerkung wie “Das lässt sich einrichten” als Antwort auf “Fuck” geht einfach gar nicht. Darf man nicht sagen und schon überhaupt nicht schreiben

    Und die Entscheidung was geht und was nicht obliegt Ihnen als oberste moralische Instanz?

    Mir geht diese geforderte Selbstzensur gegen den Strich. Jeder Mensch hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit. Da keiner von uns Gedankenlesen kann, ist die natürliche Folge dieser Freiheit, dass man irgendwann mal Dinge (oft ohne böse Absicht) tut und sagt, die einen anderen beleidigen/verletzen etc.

    Nur mal auf den Tweet bezogen, hat der Prof. das Recht eine “humoristische” Antwort zu schreiben. Ebenso hat die Studentin das volle Recht, sich zu beschweren, wenn sie sich dadurch beleidigt fühlt. Ein normaler Mensch wird sich dann entschuldigen und die Grenze der anderen Person in Zukunft respektieren.

    Wenn die letzte Stufe ausbleiben sollte und weiter bewusst belästigt/beleidigt verletzt wird, braucht es dann Sanktionen.

  6. #6 tobalt
    23. Januar 2015

    scheiß geschlechtergleichmacherei…

    wenn ich als junger mensch ähnliches verhalten zeige und eine dame vielleicht nicht angeekelt reagiert, ist es also ok, aber wenn es jemand anderes macht, ist es nicht ok ? das ist doch eher dem herren gegenüber diskriminierend!

    professor hin oder her: Balzverhalten ist nunmal sehr menschlich und zieht sich durch alle gesellschaftsschichten. Ebenso wie der herr dann vielleicht mit anfeindungen oder peinlichkeiten leben muss, sollten die Frauen die klasse besitzen um darüber zu stehen, so sie es denn wollen..

    karrieren und fortschritt auf basis solches kindergartens zu scheiden, ist absolut fehl am platz.

  7. #7 Florian Walter
    23. Januar 2015

    @tobalt

    Ich wäre an dieser Stelle sehr vorsichtig. Alter spielt in einem solchen Fall, wenn überhaupt, eine untergeordnete Rolle. Und ich würde etwaige Bemerkungen, sollten sie wirklich so “krass” gewesen sein, nicht als “Balzverhalten” deklarieren, sondern klar als subtile Belästigung bezeichnen. Und auch wenn es” junge” Leute wären, sind derartige “Anmachversuche” widerlich und nicht “nachzuahmen”.

    Ich wiederhole mich ungern, aber die Sachlage ist, wie von Herrn Schönstein beschrieben, nicht transparent, da die entscheidenden Details unklar sind. Daher empfinde ich reißerische Kommentare in jede Richtung als äußerst unangebracht.

    Beste Grüße

    F.W.

  8. #8 Trottelreiner
    23. Januar 2015

    @tobalt:
    Das Problem ist auch, daß es sich hier um Lehrpersonal handelt, da gelten dank des recht offensichtlichen und institutionalisierten Machtgefälles etwas andere Regeln als in freier Wildbahn. Zwischen Politikern und Journalisten mag man sich ja streiten, wer da die Oberhand hat, bei ProfessorInnen und StudentInnen ist das in den meisten Fällen klar.

    Ach ja, und der Dozent, der sich eine knackige Erstsemesterin nimmt hatte schon früher eine merkwürdige Konnotation, das ist nicht unbedingt neu.

  9. #9 tobalt
    23. Januar 2015

    Sehe ich eben nicht so. 1. Lag der vorfall nicht im akademischen umfeld und 2.geht es hier nicht um das machtgefalle. Es ist ein mittelalterlichrs mann frau gefalle. Die diskussion um die physische uberlegenheit spielt hier auch keine rolle da internet.

  10. #10 Trottelreiner
    23. Januar 2015

    @tobalt:
    Daß das Ganze jetzt nicht im akademischen Umfeld geschah, erscheint als zweifelhaft, wenn sich die Beteiligten über die vorlesung kennenlernten.

    Wenn ich als Lehrer meine SchülerInnen bei einem Oberstufenkurstreffen (wo die meisten volljährig sind) unangemessen anbaggere ist das ebenfalls nicht direkt in der Schule. Auf offener Straße oder in der Disko (kann bei nicht ganz dem Jugendwahn verfallenen Subkulturen auch bei nichtpeinlichem Lehrpersonal vorkommen) wäre daß dann ähnlich. Wobei ich da durchaus den Einzelfall betrachten würde. Juristisch gesehen wäre das dann wieder eine andere Sache, wobei sich deutsches und amerikanisches Recht durchaus unterscheiden dürften.

    Zum Machtverhältnis, ich habe da ganz absichtlich das Binnen-I verwendet, die Kombination Professorin und Student mag zwar in gewissen sexuellen Phantasien männlicher Jugendlicher vorkommen (man google nach dem Begriff “MILF”, mit oder ohne “Prof”), in der Realität ist sie aber ebenso problematisch.

    Ansonsten, muß ich jetzt wirklich den Franziskus I. machen und anmerken, daß man bei so etwas in der “guten alten Zeit”(tm) wenigstens noch die Satisfaktion fordernden Väter oder die älteren Brüder auf der Matte hatte?

  11. #11 michael
    23. Januar 2015

    Aber warum muss man die Vorlesungen aus dem Netz nehmen?

  12. #12 Trottelreiner
    23. Januar 2015

    @michael:
    Allem Anschein nach geht das Angebot über einfache Vorlesungen hinaus, d.h. die Studenten werden auch betreut. Im Zuge dieser Betreuung war es ja zum ersten Kontakt zwischen Professor und Studentin gekommen. Warum man dann aber nicht nur den interaktiven Teil abklemmt…

  13. #13 Trottelreiner
    23. Januar 2015

    Nachtrag:
    Um das klarzustellen, auch für mich ist noch unklar, ob die Reaktion des MIT angemessen war. Aber ich kann mir eben grundsätzlich Szenarien vorstellen, in denen eine solche Reaktion angemessen wäre.

    “Früher”(tm) war es in solchen Fällen an der Schule auch ähnlich wie bei der RKK üblich, bei sexuellen Entgleisungen einen Verweis zu erteilen und den Schuldigen zu versetzen. AFAIK mit ähnlich unterhaltsamen Folgen wie bei der RKK, nur ist es in der Öffentlichkeit nicht so präsent.

  14. #14 rolak
    24. Januar 2015

    unklar, ob .. angemessen

    Insgesamt ist das sicherlich eine angemessene UrteilsVorsicht, Trottelreiner, nach dem mir Bekannten würde ich allerdings zu ‘ja, aber’ tendieren – ja, berechtigt, aber wenigstens die Vorlesungen an sich hätten erhalten werden können. Immer diese universelle Sippenhaft…

    AFAIK .. ähnlich unterhaltsam

    Yep, und äquivalent blödsinnig.

  15. #15 Trottelreiner
    24. Januar 2015

    @rolak:
    Ich vermute, daß sich die Verantwortlichen noch gar nicht überlegt hatten, wie man in solchen Fällen vorgehen sollte und auch die bekannte enthemmende Wirkung von sozialen Medien[1] nicht bedacht hatten. Entsprechend überlegten sie sich wohl, wie sie im “Realen Leben” verfahren wären, und da würde man wohl die Vorlesungen aussetzen.

    Nur ist es eben im “Realen Leben” unmöglich, eine Vorlesung zu halten ohne mit den Studenten zu interagieren, online sind da diverse Abstufungen möglich. Und man war vielleicht der Meinung, ein einfaches Abklemmen der Kommentarfunktion wäre nicht ausreichend, ob jetzt in Hinblick auf die Sanktionsfunktion gegenüber dem Le(e|h)rkörper oder die Außenwirkung gegenüber den Studenten, Angehörigen etc.

    Ansonsten wäre natürlich auch die rechtliche Seite zu bedenken, wenn der Prof das copyright an den Vorlesungen hätte oder sich aus dem Angebot der Vorlesungen bestimmte rechtliche Vorteile, z.B. der emeritus-Status ergeben.

    b)

  16. #16 Trottelreiner
    24. Januar 2015

    Nachtrag:
    Ach ja,
    [1] In einem für Schüler einsehbaren Facebookprofil seine oder ihre sexuelle Vorlieben angeben ist nicht unbedingt “best practice”.

  17. #17 rolak
    24. Januar 2015

    man war vielleicht der Meinung

    Das ist denen auch (© mal ausgenommen) unbenommen, Trottelreiner, sind zwei Aspekte des Geschehens, die sie und ich anders bewerten: ‘schade, sicherer Datenverlust’ vs ‘vorsicht, möglicher Ansehensverlust’. Kann ja auch nicht immer so gehen, wie es mir am liebsten wäre.

    Ach ja

    Und ‘b)’?

  18. #18 Trottelreiner
    24. Januar 2015

    Und ‘b)’?

    War ein erster Entwurf, bei dem ich die Differenzierung zwischen Sanktions- und Außenwirkung als kleine Liste realisierte; abschließend habe ich dann ‘a)’ gelöscht, aber ‘b)’ hat sich am unteren Rand versteckt. Mea occulpa[1].

    [1] Ich darf mich immer entschuldigen, ich bin kultureller Katholik. Anmerkungen über mediterran aussehende Dominas im Interesse des Jungendschutzes gekürzt.

  19. #19 Bettina Wurche
    24. Januar 2015

    @ Hans: Das sind keine Vorurteile. Nur 20 Jahre Erfahrung im akademischen Leben.

  20. #20 Heino
    25. Januar 2015

    #Eine Bemerkung wie “Das lässt sich einrichten” als Antwort auf “Fuck” geht einfach gar nicht. #

    Leider, leider, leider. Heutzutage “geht so viel gar nicht”, dass man schon nicht mehr weiss, was “geht gar nicht” bedeuten soll. Das ist so abgenutzt, dass es mein Filter nicht mehr durchlässt.

    Mal abgesehen, dass Fuck eigentlich auch gar nicht gehen sollte – es gibt nun mal schlechte Witze und die sind das, was sie sind: schlechte Witze, die nicht witzig sind.

    Nicht weniger, aber auch nicht MEHR.

  21. #21 Orci
    27. Januar 2015

    Wie so oft macht auch hier vielleicht die Dosis ein Stück weit das Gift – wenn ich immer wieder dieselben Witze über meinen Pferdeschwanz höre, denke ich auch “Ja, beim 100. Mal ist es sogar noch lustiger” und irgendwann schwillt mir auch gern mal der Kamm.
    Dabei ist das noch eine ganz harmlose Sache – wenn’s in Richtung sexueller Anzüglichkeiten geht (was einen Mann mit langen Haaren auch hin und wieder passiert), bekommt es allerdings ein ganz anderes G’schmäckle. Kommt dazu noch die offensichtliche asymmetrie des Lehrer/Schüler-Verhältnisses, packt man ein mit Recht ganz heißes Eisen an.

  22. #22 Andreas
    27. Januar 2015

    Irgendwie fehlt es an Verhältnismäßigkeit. Genausowenig, wie ich akzeptieren kann, dass ein Diebstahl von Brot in IMHO rückständigen Gesellschaftsformen mit “Hand abhacken” bestraft werden soll, kann ich nachvollziehen, dass ein paar unbedachte Worte auf Twitter eine ganze Karriere nachhaltig(!) vernichten, anstatt in einer Rüge zu enden. Wenigstens wurde hier noch geprüft (was in Zeiten des Online-Mobs ja oftmals nicht mal mehr erfolgt – Prozesse und bedachtes Vorgehen sind ja sowas von 90er).

    Ich empfinde die Strafe für ein verbales(!), schriftliches(!!) Vorkommnis auf einer Seite wie Twitter mit deutlich derberen Inhalten dennoch als drakonisch/unausgewogen, vorallem ohne Chance der Bewährung inkl. Auslöschung von wertvollen Bildungsinhalten(!!!) und bei Einsicht des Fehler (von der ich jetzt einfach mal ausgehe). So herausragend und übermenschlich muss ein Professor dann auch nicht sein. Zumal die erste Entgleisung ja ganz eindeutig der öffentliche Gebrauch des Wortes “Fuck” ist.

  23. #23 Robert
    27. Januar 2015

    Sorry, aber ich kann die allgemeine Verwunderung hier nur bedingt nachvollziehen. Jeder, der mal in den USA war, sollte die im Berufsleben allgegenwärtige sexual harrasment paranoia dort kennen. Bei den firmeninternen Regelwerken, die ich mitbekommmen habe und/oder an die ich mich ebenfalls zu halten hatte, kam ich mir vor wie auf einem anderen Planeten. Vor allem schafft dieses eigentlich aus guten Absichten geborene Regelkonvolut ein Klima des permanenten Mißtrauens und der Unsicherheit, was wiederum zu einer so richtig tollen und entspannten Arbeitsatmosphäre führt.

    Leider scheint dieser Trend z. T. auch nach Europa übergeschwappt zu sein. So war ich die Tage in Berlin äußerst verwirrt als mir zwei Kollegen rieten, die Kollegin allein mit dem Aufzug fahren zu lassen und auf den nächsten zu warten, ergänzt um die Bemerkung “man müsse da aufpassen wegen sexueller Belästigung, wenn man mit einer Frau allein im Aufzug sei”.

    In solchen Momenten mag ich zu gern meine Contenance über Bord werfen, die Leute packen, schütteln und Ihnen ins Gesicht schreien, dass Sie nicht mehr alle Tassen im Schrank haben.

    …und ja, ich bin mir darüber im Klaren, dass die Benutzung einer Treppe gesundheitlich sowieso förderlicher ist, aber was mach ich denn, wenn mir auf halbem Weg eine Kollegin entgegenkommt?

    Vielleicht lege ich mir für alle Fälle eine dieser Notrutschen zu, wie man sie aus Flugzeugen kennt oder arbeite fortan besser gleich im homeoffice, gehe am Besten gar nicht mehr vor die Tür, denn Supermärkte liefern ja auch nach Hause.

    Wargh!

  24. #24 Marco Nguitragool-Schulze
    27. Januar 2015

    Sowas von völlig überzogen! Es ist schade, dass trotz solcher Vorfälle noch immer fähige Profs in den USA lehren.

    Das Mindeste, was man hätte erwarten können, um das Verhalten des MIT als verhältnismäßig ansehen zu können, ist eine vorherige Abmahnung. Doch selbst dann wäre die Vernichtung eines Lebenswerkes (Depublizierung sämtlicher Vorlesungsunterlagen) noch immer kaum angemessen.

  25. #25 Marco Nguitragool-Schulze
    27. Januar 2015

    Robert, Du hast leider sowas von Recht. Das ist einer der Gründe, weshalb ich gen Osten emigriert bin. Der Westen hat total einen an der Waffel und man sollte um westliche Frauen aus Selbstschutz tatsächlich einen großen Bogen machen.

  26. #26 Lisa
    27. Januar 2015

    Kleiner Hinweis: Ein Verweis auf diesen Artikel gibt es mittlerweile auch (in gewohnt entstellter Form) bei Medienkompetenz-ist-Lesersache-Fefe. (http://blog.fefe.de/?ts=aa390f46). Die dortige Haltung ist auch der Grund dafür, dass solche Depuplizierungen sinnvoll sind. Wenn man das Problem der Filterung den Betroffenenen überlässt, kann man noch so sehr offene Bildung propagieren, man wendet sich doch hauptsächlich an Männer – und vielleicht noch Frauen, die ihre weibliche Seite hinreichend verleugnen können um sich nicht angegriffen zu fühlen. Angesichts der bestehenden Ungleichbehandlung kein sehr sinnvolles Vorgehen.

  27. #27 Marco Nguitragool-Schulze
    27. Januar 2015

    Lisa, Dein Kommentar “in gewohnt entstellter Form” spricht Bände – allerdings über Dich, nicht Fefe.

  28. #28 Ina
    27. Januar 2015

    @Lisa: Das widerspricht aber der Filtersouveränität von Michael Seemann (auf Twitter bekannt als @mspro), wonach die Lesenden die Informationen filtern sollten und nicht der Staat oder eine Organisation. Lies dir Michaels Thesen mal genau durch, dann wirst du erkennen, dass er recht hat.

  29. #29 MyName
    Germania
    27. Januar 2015

    Was für eine kranke Welt, in der wir mittlerweile leben müssen (und damit meine ich ausdrücklich nicht den Herrn Lewin!)!

  30. #30 exstudi
    27. Januar 2015

    Der Müll ist alt.
    Gab’s schon gegen Studies im letzten Jahrtausend.
    Anstoß war ein Hintergrundbild auf dem Account eines Studenten, ein hübsches Mädchen das sich am Strand im Badeanzug (KEIN Bikini) gesonnt hat.
    Kann man selbst im prüden Amerika an den Küsten live erleben Tag für Tag.
    “Feministin” fühlt sich in der “Ehre” von weiblichen Geschöpfen verletzt was dann dazu geführt hat das vom Dekanat JEDES Hintergrundbild verboten wurde.
    QED.
    Und ehrlich gesagt wenn man Sarkasmus und Zynismus nicht kapiert bzw. die Bibel für bare Münze nimmt, sollte man nicht Physik studieren sondern sich besser Einweisen lassen bevor die Esoterik zuschlägt …

  31. #31 genervt
    somewhereelse
    27. Januar 2015

    Der Mann hat einfach nur Pech gehabt, dass er Walter Levin heißt und nicht Adam Levine oder Johnny Depp.

  32. #32 John Jihadi
    27. Januar 2015

    @Lisa:

    […] und vielleicht noch Frauen, die ihre weibliche Seite hinreichend verleugnen können um sich nicht angegriffen zu fühlen.

    Der übliche ad personam-Müll aus der merkbefreiten Schwallecke aka “Gender”.

    Angesichts der bestehenden Ungleichbehandlung kein sehr sinnvolles Vorgehen.

    LOL. Was Du meinst nennt sich sinnfreie und leistungslose Bevorzugung qua Testikellosigkeit. Genau so ein Gesülze wie das Deine ist Beleg genug für den Niedergang der Bildung in diesem Land.

  33. #33 genomu
    27. Januar 2015

    Ein paar Details zum Fall:
    http://tech.mit.edu/V134/N64/lewin.html

  34. #34 Lisa
    27. Januar 2015

    @Marco Nguitragool-Schulze
    Sorry, ich beschäftige mich nur mit Argumenten, obwohl es durchaus aussagekräftig ist, dass sie nicht glauben, eins nötig zu haben um ihren Vorwurf zu bekräftigen.

  35. #35 Marco Nguitragool-Schulze
    27. Januar 2015

    @Lisa: Wenn Ihr Gender-Empöreria nicht so viel Schäden in der Gesellschaft anrichten würdet, könnte ich über das “ich beschäftige mich nur mit Argumenten” lachen.

  36. #36 Lisa
    27. Januar 2015

    @Ina

    Wenn ich mich mit irgendwas beschäftigen soll, bitte ich um einen Aussagekräftigen Link (Text, kein Video). Soweit mir Filtersouveränität bekannt ist, verleugnet das Konzept jegliche soziale Realität. Ja, ich kann (in gewissem Umfang) unangenehme Nachrichten wegfiltern das hindert nur a) Leute nicht daran, mich gezielt zu belästigen und b) hilft es mir nicht mit Leuten klar zu kommen, die in einer anderen Filterblase leben und notwendigerweise mein Leben mitgestalten. Konsequenterweise kommen die Argumente pro Filtersouveränität also meistens von Leuten, die a) Keine Communitystandards für Foren o.Ä. implementieren wollen, weil das Geld kostet oder b) Sich als Teil einer Elite sehen, die gerne nicht kritisiert werden würde. Wenn Sie es immer noch für sinnvoll halten, mir einen Link zu schicken, tun Sie es bitte.

  37. #37 Lisa
    27. Januar 2015

    @John Jihadi

    Das war kein Argument ad personam sondern eine differenzierte Betrachtung der Betroffenen. Ich halte es für sinnlos und vermessen irgendjemandem sein (selbst zu definierendes) Gender absprechen zu wollen. Ihre Pauschaulisierungen zeigen aber, dass Sie sich mit dem Thema , wenn überhaupt , nur sehr oberflächlich beschäftigt haben.

    Ich finde es faszinierend, dass Sie Ihren Vorwurf geringer Bildung mit einem “LOL” beginnen und sich zwar über “Gesülze” echauffieren aber zu “Testikellosigkeit” versteigen. Nihilismus?

  38. #38 Lisa
    27. Januar 2015

    @Marco Nguitragool-Schulze

    Sie kennen mich nicht , betrachten mich aber schon nach 8 Zeilen, die nicht Ihnen galten, als Feindin und nach einer frechen Antwort auf einen unverschämten Vorwurf als einer ganz bestimmten Gruppe zugehörig. Irgendwas kann da nicht stimmen – oder existieren in Ihrer Welt etwa nur zwei Sorten Frauen?

  39. #39 Andreas
    27. Januar 2015

    @Lisa: Meine Güte, man hat als normal entwickelter Erwachsener, auch noch Verantwortung für sich selbst. Man wird nicht umsonst irgendwann als geschäftsfähig gesehen. Alles hat natürlich Grenzen, aber es kann und sollte nicht Gesellschaftsaufgabe sein, jedes Individuum vor _allem_ zu schützen. Ich denke unsere Gesetzgebung im Westen trifft da schon die nötigsten Vorkehrungen und versucht, existentielle Risiken abzuwehren und Rechte zu gewähren.

    Man muss an irgendeiner Stelle auch noch abwägen zwischen Schutz, Bevormundung, Freiheit und freier Entfaltung sowie der Möglichkeit, sich selbst fortzuentwickeln, wofür _prinzipbedingt_ gehört, Fehler zu machen. Diese Empörungswellen – insbesondere hinsichtlich Gender/RapeCulture/Jehova!!1elf!! – hat im Kern natürlich oft Recht. Aber die sich damit in der Regel identifizierenden Protagonisten schaffen mit Nichten eine besser Welt, sondern erst Recht ein Klima der Angst, Denunziation und Ungerechtigkeit. Und weil die Schere im Kopf wegen Sorge vor völlig überzogener sozialer Sanktion immer größer wird, wird sogar noch Kommunikation verhindert und auf Seitenkanäle verdrängt. Die Gefahr, einfach nur andere Meinungen im Namen der Gerechtigkeit und Gleichheut unterdrücken zu wollen ist zudem auch stets latent vorhanden.

    Wenn ein Mensch komplett in Watte eingepackt werden will ist das vornehmlich mal das Problem des Individuums. Nur weil man sich als Opfer sieht oder empört ist, hat man noch lange nicht Recht. Immerhin leben wir in Gesellschaften, die aktuell noch Privatheit zu lassen – dort steht jedem frei sich vor aller Belästigung zu schützen oder sich zu verkriechen. Alleine dieser Rückzugsort sollte das Leben doch viel erträglicher machen (geht doch jedem ein bisschen so). Freiheit geht vor absolutem Schutz, welche Prinzipbedingt niemals für alle passen kann und daher ungerecht ist. Folglich muss halt jeder ein paar Kompromisse eingehen oder seinen eigenen Staat/Planeten/Whatever suchen.

  40. #40 Andreas
    27. Januar 2015

    @Lisa: und zu fefe: der vollbringt persönlich, politisch und auch im Rahmen des CCC jeden Tag mehr gute Taten als die Ganze Empöreria, die sich lieber an Worten als an Taten messen lässt, zusammen.

  41. #41 Bernd Paysan
    München
    27. Januar 2015

    Fefe hat da noch etwas anderes zugeschickt bekommen:

    http://tech.mit.edu/V134/N64/lewin.html

    Auch die Kommentare lesen, die spekulieren auch mit einer Menge zusätzlicher Details herum.

    Das sieht für mich anders aus, nach typischem Rachefeldzug, nachdem sie ein Jahr eine sexuelle Fernbeziehung hatte, obwohl verheiratet – vielleicht ist der Ehemann draufgekommen, und hat sie dazu gezwungen, sich zu entscheiden. Hinterher war das natürlich alles Belästigung. Der Doktor hat ihr schon Psychopharmaka verschrieben, aber das nützt bei Psychopathen halt auch nicht viel. Solche Menschen sind sehr destruktiv, wenn sie einmal destabilisiert sind.

    Das ist eine mögliche Interpretation der Geschehnisse. Da wir keinen richtigen Überblick über die Situation haben, können wir nur sehr wenig definitiv sagen. Letztlich ist das, was das MIT hier macht, Rufmord, denn wenn er was falsch gemacht hat, müssen alle Fakten offen auf den Tisch. Dann kann das Publikum entscheiden: Sexuelle Belästigung oder Racheakt der Ex. Leider haben viele Leute noch Scheuklappen, und glauben, die zweite Variante gibt’s gar nicht, Frauen sind immer Opfer und immer ehrlich. In Schweden, wo das vom Gesetz her besonders leicht ist, werden inzwischen über 80% aller solcher Verfahren eingestellt, weil es sich nur um Rache am Ex handelt. Und von den nicht gleich eingestellten, wie etwa das Verfahren gegen Assange, sind wohl auch noch die Hälfte Rache am Ex.

    Während gestörte Männer solche Rachefeldzüge meist selbst erledigen, wenden sich Frauen gerne an Autoritäten.

  42. #42 Tutnixzursache
    27. Januar 2015

    https://www.insidehighered.com/news/2015/01/23/complainant-unprecedented-walter-lewin-sexual-harassment-case-comes-forward

    Hier sind Details. Ich kann gut nachvollziehen, warum man diese Person nicht mehr in der Lehre haben möchte.

    Die reinen Videos gibt es sicher weiterhin irgendwo zum Download, und wurden nur automatisch mitgeschlossen, weil der Onlinekurs geschlossen wurde.

  43. #43 Marco Nguitragool-Schulze
    27. Januar 2015

    @Lisa: Obwohl ich das “Sie” überhaupt nicht mag, wechsle ich nun doch dazu, nachdem Sie mich so konsequent siezen.

    Richtig: Etwas stimmt nicht – bei Ihnen bzw. vielmehr der Gruppe, der ich Sie *wegen* *Ihrer* *Äußerungen* zuordne. Wieviele “Sorten Frauen” ich kenne, ist hierbei völlig irrelevant. Dass Sie zur Gender-Empöreria gehören, haben Sie selbst sehr deutlich zum Ausdruck gebracht.

    Und nein, ich betrachte weder Sie noch diese Gruppe als meine persönlichen Feinde, denn glücklicherweise tangieren Sie mich nur sehr peripher: Ich lebe nur noch selten in Deutschland. Doch das ändert nichts daran, daß die Empöreria die deutsche Gesellschaft nachhaltig schädigt. Sehr lesenswert in diesem Kontext ist dieses Interview:

    http://www.familien-schutz.de/feministischer-master-plan-zur-entmannung-der-gesellschaft/

    Ich zitiere daraus ein paar kurze Passagen:

    »Nicht solange … liegt der ultimative Aufruf der Amerikanerin „Krista“ zurück, … die – anstelle des bisherighen Vatertages – zum „Internationalen Kastrations-Tag“ aufrief…. Solche Absichten machen verständlich …, dass – z.B. in Schweden immer mehr Männer Tai-Frauen heiraten und um … schwedische Frauen einen Bogen machen.«

    »Zu Irritationen führte der Befund, dass in Dänemark ca. 40% der Frauen angaben, Opfer von Gewalt geworden zu sein, während kroatische Frauen auf ca. 20% kamen. Die Frage stand im Raum, ob hier das Gewalt-Verhalten oder die Bewertung von dem, was als Gewalt bezeichnet wird, zu diesen Unterschieden führte?«

    »Wichtig, gerade für Jungen, ist die reale Präsenz des Vaters.«

    »Eine einseitige Frauenpolitik wird sich daher in nicht allzu ferner Zukunft politisch dafür verantworten müssen, dass sie die Probleme von Jungen und Männern seit zwei Jahrzehnten willentlich ignoriert und damit einen sozialen Zündstoff provoziert, der jetzt schon die Grundfesten der demokratischen Ordnung unterminiert.«

    Ansonsten hat bereits Andreas zwischenzeitlich eine Menge geschrieben, dem ich mich nur anschließen kann. Das brauche ich nicht zu wiederholen.

  44. #44 Anonym
    27. Januar 2015

    Warum die Vorlesung vom Netz nehmen? Sie war gut und ich wollte sie mir noch zu Ende ansehen. Fuck MIT.

  45. #45 Lisa
    27. Januar 2015

    @Andreas
    Ich stimme Ihnen im Text teilweise zu. Natürlich gibt es Eigenverantwortung, über die konkrete Ausprägung lässt sich streiten (ich sehe z.B. keinen Sinn in sexuell übergriffigem Verhalten und würde es deswegen schlicht verbieten), Empörung ist billig und kein Argument, etc.
    Ihren Optimismus bezüglich bestehender Gesetze (und Institutionen) teile ich nicht, dafür kenne ich die Schattenseiten einfach schon zu gut. Was die persönliche Entwicklung und Fehler betrifft stimme ich wiederum generell zu — aber bei einem emeritierten Professor und sexuellen Belästigungen, die sich in der Regel über Jahre hinziehen? Ihre Sorge vor Zensur kann ich schlicht nicht nachvollziehen. Ähnliche Kommentare wie einige weiter oben und unten habe ich schon in allen Arten von Medien gelesen, manche Männer füllen derart ganze Bücher, ohne sich zu schämen. Der einzig sinnvolle Umgang mit Kritik ist indes Gegenkritik. Machen Sie sich schlau und reden Sie mit. Wenn ein Thema Ihrer Umwelt ein Anliegen ist tun Sie auch sich damit einen Gefallen. Ihr Vorschlag, dass sich Opfer vor Belästigungen schützen, indem Sie sich aus der Gesellschaft zurückziehen ist leider sehr häufig zu vernehmen – da ich außer Tätern niemanden sehe, der von dieser Regel profitiert und ein Täter in der Regel mehrere Opfer belästigt, wäre es schon rein zahlenmäßig sinnvoller, stattdessen die Täter gehen zu lassen. Freiheit ist auch immer die Freiheit der Anderen und wenn die (in nahezu allen Bereichen weibliche) Minderheit weichen und sich der Mehrheit anpassen muss, so ist das nicht sehr frei.

  46. #46 Lisa
    28. Januar 2015

    @Marco Nguitragool-Schulze
    Danke, dass Sie Anstand haben. Ich bevorzuge das distanzierte Sie aufgrund allgemeiner Forenunkultur gegenüber Frauen die im anbiedernden oder paternalistischen “Du” gleich doppelt weh tut.

    Auf eine Diskussion über ein so ausuferndes Seitenthema wie diese Männerrechtsseite (mein bisheriger Überblick: Einige richtige Aussagen in einem Meer aus Polemik und Verdrehungen) habe ich wenig Lust. Meine Hoffnung ist, dass die Männerrechtsbewegung eine Möglichkeit findet, ihre berechtigte Anliegen (z.B. Väterrechte, Teile der Rechtssprechung, emotionale Aspekte etc) in den Genderdiskurs einbringen zu können. Dazu wird es mittelfristig notwendig sein, sich von billiger Rhetorik, Revanchismusfantasien und halbseidenen Sprechern zu trennen und kühl Kritik (an der Praxis nicht an Randersonen) zu üben, Netzwerke zu gründen und dergleichen. Je früher das passiert, desto eher könnten sich die Beziehungen der verschieden gegenderten Leute wieder entspannen. Derzeit ist es leider allzu leicht, entsprechend engagierte Männer als rückschrittliche Brutalos abzutun, als die sie sich teilweise auch darstellen.

    Da ich Andreas schon geantwortet habe, sehe ich keinen echten Grund, das hier weiter zu führen. Sie?

  47. #47 Lisa
    28. Januar 2015

    @Andreas

    Ein Problem meriokratischer Gesellschaften wie der Nerdkultur ist, dass sie dazu neigen, hermetisch zu werden. “Beurteile einen Hacker nach den Handlnugen und nicht nach den üblichen Kategorien wie Geschlecht, Religion etc” klingt gut, ist aber eine hohle Phrase, wenn man dann nichts gegen Sexismus in der Szene tut.

    Was fefe konkret betrifft kenne ich ihn nur von seinem Blog, den Jahresrückblicken damals und eben daher, dass Sprüche und Einstellungen wie seine von nem Haufen junger Nerds nachgebetet werden. Um welche konkrete gesellschaftliche Engagement geht es Ihnen? Was das nichts tun betrifft – das Minderheitenschutz und Carearbeit grade von naiven jungen Technikern verachtet wird ist weder überraschend noch toll.

  48. #48 Marco Nguitragool-Schulze
    28. Januar 2015

    “die im anbiedernden oder paternalistischen “Du” gleich doppelt weh tut.”

    Wow! Realität ist subjektiv und entsteht im Kopf. Ich empfehle Ihnen daher dringend, eine optimistischere und freundschaftlichere Sichtweise zu entwickeln. Dann entspannen sich sicher auch viele der Dinge, die Ihnen “weh” tun.

    Für mich ist das “Du” die einzig richtige, weil freundschaftliche (!), Umgangsform. Das “Sie” schafft unnötig künstliche Grenzen – und Grenzen haben Menschen ohnehin schon zu viele geschaffen.

    Männer müssen, können und werden sich nicht anpassen. Genausowenig müssen, können und werden sich Frauen irgendwie ändern. Deshalb lebe ich – gern (!) – in einer Gesellschaft, in der man verstanden hat, daß Männer und Frauen sich sinnvoll ergänzen – und eben nicht gleichgemacht werden müssen.

  49. #49 Lisa
    28. Januar 2015

    @Marco Nguitragool-Schulze

    Sie scheinen mich nicht verstanden zu haben. Freundschaft ist eine ein beidseitiges Abkommen, nichts was man jemandem aufdrängt, wie Sie es tun. Eben deswegen bestehe ich auf Grenzen. Das führt mithin auch dazu, dass Freunde von mir nicht über eine eben gemachte Aussage hinweggehen würden um mir zu versichern, dass meine Probleme eingebildet seien und ich gefälligst offener und freundschaftlicher (!) zu sein hätte. Eine solche Arroganz/Herrschsüchtigkeit/Gewohnheit nicht hinterfragt zu werden(?) kenne ich in der Tat nur von Männern.

    Freundlichkeit indes ist etwas dass ich für durchaus sinnvoll halte. Dafür braucht es aber kein anbiederndes Du.

    Schließlich: Männer wie Frauen ändern sich seit Menschengedenken und passen sich der Gesellschaft an. Lesen Sie ein beliebiges altes Buch (>= 100 Jahre) und hinterfragen Sie das Märchen der Kontinuität von Männer- und Frauenrollen wie der von Ideen allgemein.

  50. #50 genervt
    28. Januar 2015

    @Lisa: TU-München?