Nur die Überschrift war falsch.

WPK Quarterly berichtet in seiner neuen Ausgabe über die erfolgreiche Unterlassungsklage einer Journalistin gegen Stefan Rahmstorf im Zusammenhang mit seiner Kritik am FR-Artikel “Neue Fehler beim Klimarat: IPCC macht aus Nordafrika ganz Afrika”.

In der Klage ging es eigentlich um die zu unterlassenden Vorwürfe, die Autorin des FR-Artikel habe von North und Leake abgeschrieben sowie nach Erscheinen von Rahmstorfs Kritik ihn über die FR-Redaktion gebeten, seine Kritik ohne Namensnennung zu veröffentlichen. (Die Vermutung drängt sich auf, daß die FR-Redaktion letztere Bitte ohne Zutun der Journalistin aus eigenem Antrieb an Rahmstorf herantrug, aber das ist natürlich Spekulation.)

Ich finde in dem langen Artikel in WPK Quarterly aber einen anderen Aspekt viel interessanter.

Zunächst, zur Einordnung: der WPKQ-Artikel befaßt sich mit Rahmstorfs Kritik an dem FR-Artikel. Kurz zusammengefaßt geht es um folgendes: im IPCC-Report hieß es, bis 2020 könnten in einigen Ländern Afrikas die landwirtschaftlichen Erträge (wegen auf den Klimawandel zurückzuführender Wasserknappheit) um 50% sinken. Diese Zahl 50% stammt von einem Mitarbeiter des marokkanischen Umweltministeriums und bezieht sich demzufolge nur auf Nordwestafrika.
In dem FR-Artikel wurde das wohl auch korrekt so dargestellt (laut WPKQ mit “verhältnismäßig deutlichen” Wertungen – ich kann das nicht überprüfen, weil der FR-Artikel nicht mehr online ist), nur erschien der FR-Artikel dann unter der Überschrift “Neue Fehler beim Klimarat: IPCC macht aus Nordafrika ganz Afrika” – und die ist natürlich Unfug, denn im IPCC-Report war ausdrücklich nur von “einigen Ländern” (noch nicht einmal, was die Überschrift vielleicht hätte rechtfertigen können, von einigen Ländern Afrikas) die Rede gewesen.
(Um diese Fragen war es, nebenbei bemerkt, bei der in Köln verhandelten Unterlassungsklage nicht gegangen – dort ging es um die oben im 3. Absatz erwähnten Vorwürfe.)

Der Aspekt, den ich im WPKQ-Artikel interessant finde, ist aber folgende bemerkenswerte Entschuldigung:

Zutreffend erscheint lediglich die Kritik an der Überschrift des Artikels
in der FR, die aber nicht von Irene Meichsner stammt.

Da weiß man dann gleich wieder, warum man lieber bei den scienceblogs schreibt als irgendwo anders: hier gibt es keine Redaktion, die uns reißerische (und im Widerspruch zum Inhalt des Artikels stehende) Überschriften verpaßt, für die wir dann hinterher womöglich durch den Kakao gezogen werden könnten.
Vielleicht sollten sich Journalisten das Recht auf Ablehnung von Überschriften vertraglich zusichern lassen :-).

PS: Im WPKQ-Artikel finden sich mehr interessante Statements:

[…] Rahmstorf nicht der einzige Wissenschaftler ist, der sich über Fehler
oder Verzerrungen in der Berichterstattung beklagt. Möglicherweise ist er jemand, der das besonders lautstark tut.
Die Auffassung, man könne der Medienberichterstattung über Wissenschaft
lediglich mit einer wahr-falsch Kategorie in der Rolle des wissenschaftlichen Experten zu Leibe rücken, dürfte weithin zustimmungsfähig sein. Dass sich Wissenschaftler dabei aber auf ein schwieriges Terrain begeben, was Risiken für die eigene Glaubwürdigkeit birgt, kann mit Hilfe dieses Einzelfalles illustriert werden.

Da auf weitere illustrierende Beispiele verzichtet wird, kann sich nun jeder seine eigenen Gedanken machen, was die WPK mit diesen doch sehr allgemeinen Formulierungen vielleicht gemeint haben könnte.

Kommentare (49)

  1. #1 rolak
    6. November 2011

    Es steht zu befürchten, daß das Ergebnis der Verhandlung schon bald als Beleg für die Unhaltbarkeit sämtlicher IPCC-Aussagen herangezogen werden wird…

    Imho ists übrigens ein wenig dämlich, dem Editorial-Titel “Wahrheit und politische Agitation” den Artikel-Titel “Wie man Journalisten mundtot macht” folgen zu lassen, da das dadurch Beschriebene weder geschehen ist noch versucht wurde und somit das Zweite zur zweiten Hälfte des Ersten gehört.

  2. #2 Odysseus
    6. November 2011

    Bist du neidisch auf die Debatten bei Ali und Florian? Man könnte meinen, du willst jetzt zumindest die Klimatrolle ködern (zumal Georg momentan ja auch das Islamross reitet). In der Überschriftenfrage gebe ich dir recht, da wird auch bei Qualitätszeitungen anscheinend viel Schindluder getrieben.

  3. #3 Karl Mistelberger
    6. November 2011

    > In dem FR-Artikel wurde das wohl auch korrekt so dargestellt (laut WPKQ mit “verhältnismäßig deutlichen” Wertungen – ich kann das nicht überprüfen, weil der FR-Artikel nicht mehr online ist)

    Der Artikel ist online, allerdings beim KStA: http://www.ksta.de/html/artikel/1264185820994.shtml

  4. #4 ali
    6. November 2011

    @Odysseus

    Ich habe meine Zweifel, dass sich das jemand absichtlich antun möchte.

    Aber du bringst mich auf eine Idee: Ich schreibe meinen nächsten Post zu einem mathematischen Thema. Wäre doch mal ein neuer Ansatz: Der erste Trolltext ist der Post selber. Von da an kann es nur noch aufwärts gehen.

  5. #5 Thilo
    6. November 2011

    @ Odysseus: Artikel zur Berichterstattung über Klimaforschung hatte ich hier immer wieder mal (zwei sind oben bei “Weitere Artikel auf Mathlog” verlinkt), die Diskussionen hielten sich im Rahmen.

  6. #6 Georg Hoffmann
    6. November 2011

    Funny. Die die Unterlassungsklage begleitenden 520 Euro snd ja wohl so eine Art Schmerzensgeld. Ich frag mich, was ich da so bei einigen von mir angeschossenen Journalisten so zahlen muesste.
    Grundsaetzlich ist ja die Pressefreiheit ein hohes Gut, nur gilt das fuer Meichsner so sehr wie fuer Rahmstorf, der sich ja hier genauso journalistisch betaetigt. In dem Sinne sind solche Aussage wie “Aussagen sind frei erfunden” oder “X weiss nicht wovon er/sie spricht” etc fuer mich eher eine allgemeine und persoenliche Qualitaetseinschatezung eines Artikels und nicht eine ueberpruefbare Aussage. Denn natuerlich voellig frei erfunden und wirklich keine Ahnung hat ja nie jemand.

  7. #7 Thilo
    6. November 2011

    Nachdem ich jetzt den von Karl Mistelberger verlinkten Artikel gelesen habe, finde ich die Klage allerdings auch eher merkwürdig. Die Journalistin teilt ja in ihrem Artikel auch ziemlich aus, mit sehr polemischen (und zum Teil zumindest irreführend formulierten – es wäre mir neu, daß Pachauri die fehlerhafte 2035-Prognose lange verteidigt hat) Kommentaren über namentlich genannte Leute. Insofern sollte sie nicht so larmoyant reagieren, wenn in der Kritik der Kritik ebenfalls polemisiert wird.

  8. #8 Karl Mistelberger
    6. November 2011

    > Denn natuerlich voellig frei erfunden und wirklich keine Ahnung hat ja nie jemand.

    Meichsner kommt dem Ideal ziemlich nahe. Sie stützte sich auf eine Geschichte, die schon längst als Humbug entarnt war: http://scienceblogs.com/deltoid/global_warming/leakegate/

    Rahmstorfs Artikel ist übrigens hier: http://www.scilogs.de/wblogs/blog/klimalounge/medien-check/2010-04-26/frankfurter-rundschau-klimarat-ipcc-africagate

  9. #9 Thilo
    6. November 2011

    Die beiden inkriminierten Stellen in Rahmstorfs Artikel sind natürlich inzwischen entsprechend der Unterlassungserklärung geändert worden.
    (Nur damit wir hier nicht wegen des Links verklagt werden :-))

  10. #10 Thilo
    6. November 2011

    Es gibt übrigens noch weitere Artikel derselben Autorin zum Thema Pachauri. Im Cicero finden sich Formulierungen wie

    Rajendra Pachauri hat eine Mission. Das offizielle Foto zeigt Guru-ähnliche Züge.

    oder

    Pachauri, ein gläubiger Hindu, strikter Vegetarier und leidenschaftlicher Kricketspieler, lebt in einem der teuersten Viertel von Delhi.

    Das ist doch Wissenschaftsjournalismus vom Feinsten, wie es ihn in Deutschland in den letzten Jahrzehnten viel zu selten gegeben hat 🙂

  11. #11 rolak
    6. November 2011

    Hör auf zu lesen, sonst führen Deine erstaunten Äußerungen zu weit und Du wirdst noch belangt wegen “Herabwürdigen durch Zitieren” 😉

  12. #12 ali
    6. November 2011

    Ich dachte zuerst ich hätte mich verlesen.

    Rajendra Pachauri hat eine Mission. Das offizielle Foto zeigt Guru-ähnliche Züge.

    Pachauri, ein gläubiger Hindu, strikter Vegetarier und leidenschaftlicher Kricketspieler, lebt in einem der teuersten Viertel von Delhi.

    Das ist heftig, nährt es sich doch von Vorurteils-Klassikern.

  13. #13 rolak
    6. November 2011

    Das ist nicht heftig, sondern soll (wie eine schnelle ‘warten auf Heißwasser’-Suche ergab) politische Kultur sein. Zumindest wenn es nach dem Untertitel des Blattes geht.
    Da auch der Artikeltitel das religiöse Motiv aufgreift, würde ich glatt unterstellen, daß wie so oft das Standardproblem durchschlägt. Nicht nur, daß dem Gegenüber eigene Denkweisen übertragen werden, die Wahrscheinlichkeit für einen ratio-blinden Fleck auch außerhalb der präferierten Ideologie steigt ebenfalls drastisch.

  14. #14 Physiker
    7. November 2011

    Frage:
    Im WPK-Artikel wird ja kritisiert, dass S. Rahmstorf in seinem Blog die aufgrund des Urteils geänderten Abschnitte nicht kenntlich gemacht hat. Wenn ich mich nicht irre, zählt es ja im Blogger-Kreis zum guten Ton, einen geänderten Abschnitt z.B. durchzustreichen oder anders hervorzuheben. Wie wird das bei einer Unterlassungs-Erklärung gehandhabt?

    Dass Rahmstorf bestimmte Passagen in seinem Blog vom 26. April 2010 inzwischen geändert bzw. ganz entfernt hat, dies dem Leser aber nicht kenntlich macht, passt ins Bild.

  15. #15 Thilo
    7. November 2011

    Ich nehme mal an, daß man nach einer Unterlassungserklärung die Behauptungen überhaupt nciht mehr veröffentlichen darf, auch nicht durchgestrichen. Bin aber natürlich kein Jurist.

  16. #16 Physiker
    7. November 2011

    Deshalb finde ich es auch etwas komisch einem nicht-Juristen einen solchen Vorwurf zu machen…

  17. #17 Karl Mistelberger
    7. November 2011

    > Im WPK-Artikel wird ja kritisiert, dass S. Rahmstorf in seinem Blog die aufgrund des Urteils geänderten Abschnitte nicht kenntlich gemacht hat.

    Inhaltlich hat sich an Rahmstorfs Artikel nichts geändert, was nicht direkt von der Unterlassungserklärung betroffen war. Und im Schreiben Rahmstorfs an die FR ist die Formulierung beibehalten “Dieser “jüngste Skandal um den vierten Sachstandsbericht des IPCC” (Meichsner in der FR) ist soweit ich erkennen kann frei erfunden und völlig haltlos, genau wie die Amazonasstory von North und Leake…”. Was jetzt konkret den Unerschied zwischen Meinungsäußerung und Tatsachenbehauptung ausmacht ist allerdings nicht mehr auszumachen.

    So verschweigt der WPK-Artikel dem Leser, dass die ganze Geschichte von Meichsner Humbug war und deswegen von der FR zurückgezogen wurde.

  18. #18 Horst
    8. November 2011

    An Rahmstorfs Stelle wäre ich mit der Geschichte offensiver umgegangen. Eine Info auf Klimalounge über das Kölner Urteil wäre sicherlich hilfreich gewesen. Denn so überlässt man die Story der willkürlichen Interpretation den ohnenhin faktenverdreherischen Klimatrolls.

  19. #19 Georg Hoffmann
    8. November 2011

    Hmm, noch eine Frage (ich bin zu faul, den WPK Artikel noch einmal zu lesen). Es muss ja drei Anklage Punkte gegeben haben. In welchem hatte Rahmstorf nochmal Recht bekommen?

  20. #20 Thilo
    8. November 2011

    Im WPK Quarterly steht nichts über den 3. Anklagepunkt und Google kennt die Anklageschrift auch nicht. Es muß offensichtlich einen 3. Anklagepunkt gegeben haben weil Rahmstorf ja nur zwei Drittel der Kosten des Rechtsstreits übernehmen mußte.

  21. #21 Georg Hoffmann
    8. November 2011

    @Thilo
    Dachte ich mir und spricht nu auch nicht gerade fuer WPK. So super ojektiv logisch es ueber den Rest schreibt (Punkt 1,2,3 etc), aber dann einfach mal ein Drittel unter den Tisch fallen lassen.

  22. #22 Bell
    11. November 2011

    @rolak

    Es steht zu befürchten, daß das Ergebnis der Verhandlung schon bald als Beleg für die Unhaltbarkeit sämtlicher IPCC-Aussagen herangezogen werden wird…

    Ja, das befürchte ich auch. Wurde hier doch der wichtigste Klimakleriker der BRD nun auch noch als gerichtsbekannter Lügner enttarnt.

  23. #23 Thilo
    12. November 2011

    Mutig, mutig, Herr Bell. Giordano Bruno und Thomas Müntzer verblassen neben ihrem Heldenmut 🙂

    Die wahre Pressefreiheit haben wir hier wahrscheinlich erst dann erreicht, wenn auch Leute wie sie ihre Meinungen in der FAZ publizieren können.

  24. #24 Bell
    12. November 2011

    Mutig, mutig, Herr Bell. Giordano Bruno und Thomas Müntzer verblassen neben ihrem Heldenmut

    Ihre positive Darstellung meines untadeligen Charakters, macht mich glücklich und beschämt zugleich, lieber Thilo, beschämt, weil uns Alt68er solch ein Verhalten nun andererseits selbstverständlich erscheint … und der eigentliche Verdienst gebührt ja ganz zweifellos dem mutigen Richter.

    Die wahre Pressefreiheit haben wir hier wahrscheinlich erst dann erreicht, wenn auch Leute wie sie ihre Meinungen in der FAZ publizieren können

    Angesichts einer zunehmend klimaskeptischen Justiz, deren erstes Opfer ja nun Rahmstorf zweifellos wurde, sehe ich auf die Pressefreiheit schwere Zeiten zu kommen, lieber Thilo.

  25. #25 Thilo
    12. November 2011

    weil uns Alt68er solch ein Verhalten nun andererseits selbstverständlich erscheint

    no comment

  26. #26 Chrys
    14. November 2011

    Das kommt mir alles vor wie ein schlechter Witz. Frau Meichsner hat im Kielwasser der “Climategate” Kampagne wiederholt deftig gegen die Klimaforschung im allgemeinen und das IPCC im besonderen polemisiert. Das war anfangs 2010 bei einigen Journalisten halt so angesagt. Ein Bemühen, sich ein minimales Grundwissen über Klimamodellierung anzueignen, wird dabei in keiner Weise erkennbar. Professioneller Wissenschaftsjournalismus sieht für mich anders aus.

  27. #28 Thilo
    1. Dezember 2011

    Jetzt hat auch Spiegel Online von der Sache Wind bekommen: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,796623,00.html

    Der Blogartikel, auf den im letzten Abschnitt bezuggenommen wird ist übrigens http://www.scilogs.de/wblogs/blog/klimalounge/medien-check/2011-11-29/venedig-meeresspiegel-meeresstroeme-medien Rahmstorfs Klage darüber “in den klassischen Medien keine Kontrolle über das Endprodukt zu haben” bezieht sich notabene auf einen von ihm unter seinem Namen veröffentlichten Artikel, an dem (nach seiner Darstellung) Redakteure noch herumredigiert hatten.

  28. #29 Karl Mistelberger
    1. Dezember 2011

    Das Urteil enthält die ursprüngliche Version von Rahmstorfs Blogartikel. Streitpunkte waren:

    a. Lesen hilft: jeder kann durch Nachlesen der relevanten Passagen im IPCC-Bericht leicht feststellen, dass die Vorwürfe schlicht falsch sind.

    Das ist eine zulässige Meinungsäußerung.

    b. Wer unsere Übersicht über die angeblichen und echten IPCC-Fehler gelesen hat, der ahnt schon, von wem Frau Meichsner kritiklos abgeschrieben hat: vom Blogger Richard North und von Jonathan Leake von der Sunday Times.

    Das ist eine unzulässige Tatsachenbehauptung.

    das heißt nun: …der ahnt schon, wen die Autorin des FR-Artikels, Irene Meichsner, als Quelle dieser Vorwürfe angibt:

    c. Frau Meichsner hat mir derweil via FR-Redaktion die Bitte ausrichten lassen, ich solle ihren Namen aus meinem obigen Blogeintrag entfernen und nur die FR nennen.

    Das ist eine unzulässige Tatsachenbehauptung, denn die Bitte ging tatsächlich vom zuständigen FR-Redakteur aus. Dieser Satz wurde gestrichen.

  29. #30 Thilo
    1. Dezember 2011

    Falls es jemanden interessiert die Darstellung des Sachverhalts im Urteil:

    Der Beklagte wandte sich daraufhin mit einer E-Mail (Anlage B1) an den Redakteur Kraft der Frankfurter Rundschau. Dieser setzte sich mit der Klägerin in Verbindung. Hierbei kam es zu einer Diskussion über die Frage, ob die Kürzungen des Artikels zu inhaltlichen Fehlern geführt hätten. Im Rahmen dieses Telefonates bot der Redakteur Kraft der Klägerin an, den Beklagten zu bitten, ihren Namen aus dem Blog zu entfernen. Dies lehnte die Klägerin ausdrücklich ab.

    Sodann wandte sich der Redakteur Kraft mit einer E-Mail an den Beklagten. Inhalt dieser E-Mail war u.a. das Folgende: “Dazu hatte ich heute auch noch eine längere Diskussion mit Frau Meichsner. (…) Ich habe ihr versprochen, Sie darum zu bitten ihren Namen aus Ihrem Blog-Eintrag “FR löscht Artikel” zu streichen und nur die FR zu erwähnen.”

  30. #31 Chrys
    2. Dezember 2011

    Schön, dass wir jetzt einmal Klarheit über die Streitpunkte haben.

    ad b) Dass Frau Meichsner von Richard North und Jonathan Leake im Wortlaut kopiert habe, so hat sicherlich auch niemand die Aussage mit dem “abschreiben” aufgefasst. Der entscheidende Eindruck, dass Frau Meichsner sich unkritisch bei North und Leake bedient hat, um mit ihren polemischen Klima-Artikeln schlichtes IPCC Bashing zu betrieben, weil dies gerade en vogue war, wird hierdurch allerdings in keiner Weise korrigiert.

    ad c) Es hätte ja vielleicht gereicht, wenn Frau Meichsner den FR Redakteur Kraft nochmals um eine klärende und unmissverständliche Formulierung seiner Mitteilung an Stefan Rahmstorf ersucht hätte. Ist jemandem bekannt, ob sie einen solchen Versuch zur Richtigstellung unternommen hat, bevor sie damit vor den Kadi gezogen ist?

  31. #32 Peter Hartmann
    2. Dezember 2011

    Der FR-Artikel ist auch im Kölner Stadtanzünder erschienen (mit anderem titel, und nachträglich leichten änderungen in der einleitung, hier der link:

    http://www.ksta.de/html/artikel/1264185820994.shtml

    p.

  32. #33 Thilo
    2. Dezember 2011

    @ Peter Hartmann:
    Ich denke, es war umgekehrt: Frau Meichsner hat den Artikel für den Kölner Stadtanzeiger geschrieben und die FR, die ja zur selben Verlagsgruppe gehört, hat den Artikel (vermutlich ohne bei der Autorin nachzufragen?) in gekürzter Form übernommen. So verstehe ich jedenfalls die Bemerkung im Gerichtsurteil, zwischen Frau Meichsner und dem FR-Redakteur Kraft sei es nach Erscheinen des Artikels “zu einer Diskussion über die Frage, ob die Kürzungen des Artikels zu inhaltlichen Fehlern geführt hätten” gekommen.

    Was ja wiederum auch Rahmstorf bestätigt mit seiner Beschwerde, “in den klassischen Medien keine Kontrolle über das Endprodukt zu haben”.

  33. #34 Peter Hartmann
    2. Dezember 2011

    ich war bei der sache auch involviert, ich hab nämlich eine Presseratsbeschwerde (bisher meine einzige) gegen den Meichsner-Artikel geschrieben. Der KStA hat die eigene Version nachträglich im Einleitungstext abgeändert, das meinte ich. Die Beschwerde wurde im Übrigen abgewiesen.

    p.

  34. #35 Geoman
    3. Dezember 2011

    Hier noch eine interessante Nachlese zu der Affaire:

    “Eklat um Klimaberater der Bundesregierung”

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,796623,00.html

  35. #36 Klimaman
    3. Dezember 2011

    Hier noch eine interessante Nachlese zu der Affaire:

    “Eklat um Klimaberater der Bundesregierung”

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,796623,00.html

  36. #37 rolak
    3. Dezember 2011

    Schönen Dank für den Tipp, Klimaman. Wenn so etwas nicht alle zwei Tage erwähnt würde, könnte es glatt untergehen.
    m)

  37. #38 Thilo
    3. Dezember 2011

    Das war 7 Kommentare weiter oben von mir bereits verlinkt worden. Und ist nebenbei bemerkt (mal unabhängig vom Inhalt) ein Beispiel dafür, wie man als seriöser Journalist eben nicht schreiben sollte: ‘die Affäre zieht immer weitere Kreise’ (welche Affäre? welche Kreise?), ‘brisant’, ‘Medienaffäre’, die FR sei ‘verwickelt’, …
    Ein paar Reizwörter weniger und ein wenig mehr Eingehen auf die Tatsachen (‘die Irrtümer lagen also gerade bei ihm’ ist durch Auslassung der Einzelheiten ziemlich irreführend, denn die falsche Tatsachenbehauptung stammte ja eigentlich vom FR-Redakteur Krug) wäre sicher besser gewesen.

    Und, wie gesagt, ganz eigenartig fand ich den letzten Absatz:

    Rahmstorf indes scheint aus dem Urteil wenig gelernt zu haben. Erst am 29. November hat er in seinem Blog einen neuen Beitrag veröffentlicht, in dem er nicht nur Medien und Forscherkollegen angeht – sondern auch beklagt, dass man “in den klassischen Medien keine Kontrolle über das Endprodukt” habe.

    In dem Blogbeitrag vom 29.11. ging es nämlich keineswegs um einen Artikel eines Journalisten, sondern es ging um einen von Rahmstorf selbst geschriebenen Artikel, den eine Redaktion verunstaltet hatte. Was bitte ist nicht in Ordnung daran, wenn Rahmstorf sich darüber aufregt? Und warum zeigt das, er hätte nichts gelernt aus dem Urteil? Was hat das eine (die Klage über die Arbeit der Redaktion) mit dem anderen (Verurteilung zur Unterlassung falscher Tatsachenbehauptungen) zu tun?

  38. #39 Karl Mistelberger
    3. Dezember 2011

    > … ein Beispiel dafür, wie man als seriöser Journalist eben nicht schreiben sollte

    Noch so ein Beispiel:

    http://www.welt.de/debatte/kolumnen/Maxeiner-und-Miersch/article13733022/Der-Agitator-Rahmstorf-und-sein-Juengstes-Gericht.html

  39. #40 Physiker
    5. Dezember 2011

    Der Welt-Artikel steht ja unter der Überschrift “Meinung” – da ist ja anscheinend (fast) alles erlaubt… vielleicht sollten das Blogbetreiber generell auch über alle ihre Artikel schreiben.

    Also dass schon für solches Pillepalle Gerichte ausgelastet werden hätte ich nicht gedacht. Übrigens hat Rahmstorf laut Stellungnahme des PIK die beanstandeten Formulierungen bereits zwei Monate vor der Klage vom Netz genommen. Wie kann es sein, dass sich in Deutschland Gerichte ernsthaft mit sowas beschäftigen?
    Versteht eigentlich jemand, warum “Lesen hilft […]” nicht wörtlich zu nehmen ist aber das “Abschreiben ohne inhaltliche Prüfung” schon?

  40. #42 Thilo
    8. Dezember 2011

    Ein Leser hat mich auf einen lustigen Nebeneffekt der Rahmstorf-Debatte hingewiesen: Autor Markus Lehmkuhl hat seit gestern einen eigenen Wikipedia-Artikel (dessen Diskussionsseite übrigens gesperrt sein soll). Ein bemerkenswerter Erfolg für jemanden, dessen 3 Bücher bei Amazon 0 (Null) Kundenrezensionen haben (und von dem ich auch im Netz keine wissenschaftsjournalistischen Beiträge gefunden habe). Es funktioniert offensichtlich immer wieder: wer sich einen Namen machen will, muß nur die richtigen Leute angreifen.

  41. #43 Thilo
    9. Dezember 2011

    Die von Markus Lehmkuhl im letzten Absatz seines Artikels aufgestellte Behauptung, Frau Meichsner hätte genug vom Thema Klima und würde darüber nicht mehr schreiben, entspricht übrigens nicht der Wahrheit. Dieser Artikel ist vom 30.5.2011: http://imageshack.us/f/683/meichsnerksta20110530.jpg/

  42. #44 Thilo
    10. Dezember 2011

    Einen Überblick über die Argumente zum ursprünglichen Thema (Dürren in Afrika) gibt es jetzt auf http://www.scilogs.de/wblogs/blog/relativ-einfach/wissenschaft-medien/2011-12-10/duerre-in-afrika

    Die Konklusion zum FR-Artikel:

    Das ist die einzige der drei von mir unterschiedenen Aussagen, die sich auf ganz Afrika bezieht. Und die Quelle dafür ist eben nicht, wie ein Leser bei der Lektüre von Meichsners Artikel denken könnte, der Agoumi-Bericht. Es ist (das erinnere ich auch, bei Rahmstorf gelesen zu haben) ein Artikel von Arnell 2004. Und dort werden eben nicht nur Werte für einige Länder abgeleitet, sondern, basierend auf verschiedenen Klimamodellen, Werte für alle Regionen Afrikas.
    Das ist in meinen Augen dann doch mehr als sonderbar. Meichsner bringt in Absatz 1 ein Zitat zur Wasserknappheit, dann kommt in Absatz 2 die Aussage, die Spur führe zu Agoumi, und in Absatz 3 die Kritik: Agoumi behandle nur drei Länder; daraus ließen sich aber keine “konsistenten Aussagen […] für den Wasserhaushalt […] in ganz Afrika herleiten”. Was soll ich als Leser denn daraus anderes schließen, als dass zumindest für die Aussage zum Wasserhaushalt die Spur zu Agoumi führe, der aber wegen seiner Beschränkung auf nur drei Länder keine tragfähige Grundlage liefere? Und dieser Schluss wäre eben falsch, denn, wie man direkt aus der Lektüre des IPCC-Reports sieht: Die Quelle für die genannte Wasserknappheits-Aussage ist eine ganz andere. Und die bezieht sich auf ganz Afrika.

    und zum WPK-Artikel:

    Das Problem mit der Nettozahl liegt für mich auf der Hand. Man kann daran überhaupt nicht ablesen, ob es negative Folgen des Klimawandels gibt oder nicht. Wenn die Nettozahl 0 ist, kann das bedeuten, dass sich durch den Klimawandel gar nichts geändert hat. Kein Mensch hat mehr Dürreprobleme als vorher, kein Mensch hat weniger Dürreprobleme. Oder es kann heißen, dass nun 200 Millionen Menschen in Gegenden mit Dürreproblemen leben, während 200 Millionen Menschen, die vorher Dürreprobleme hatten, nun keine mehr haben. Als Politiker, der z.B. wissen will, ob er Finanzmittel für die Folgen des Klimawandels einplanen muss, sind das zwei ganz unterschiedliche Szenarien. Im ersten Falle gibt es keinen Handlungsbedarf. Im zweiten Falle muss eine riesengroße Region entweder bewässert oder umgesiedelt werden. Die Nettozahl unterscheidet zwischen den beiden Szenarien nicht, und ist daher ein schlechtes Maß für die Auswirkungen. Szenarien mit gewaltigen Änderungen und Szenarien ohne jegliche Änderungen wird der gleiche Wert zugeordnet.
    Die Zahl der Menschen, die durch den Klimawandel zusätzliche Dürreprobleme bekommen, ist ein weit besseres Maß. Die gibt dem Politiker einen direkten Anhaltspunkt über die Größenordnung des Handlungsbedarfs. Wenn diese Zahl Null ist, weiß der Politiker, dass er keine Hilfsmaßnahmen einplanen muss.
    Als zusätzliche Größe kann die Nettozahl dann ergänzende Informationen liefern – z.B. eine Abschätzung darüber, ob man die Hilfsaktionen in dem einen Gebiet darüber finanzieren kann, dass in anderen Gebieten jetzt weniger Anti-Dürre-Maßnahmen notwendig sind. Aber ein gutes Maß für den “impact”, also sinngemäß etwa: die Schwere der Auswirkungen, ist sie aus den erwähnten Gründen nicht.
    Insofern kann ich Lehmkuhls Aussage, die im IPCC-Bericht genannte Spanne habe “keine wissenschaftliche Basis”, da sie “die Zahl derjenigen nicht berücksichtigt, die vom Klimawandel profitieren”, nicht nachvollziehen. Im Gegenteil: Was die vom IPCC-Bericht verwendete Kennzahl ausdrückt, ist genau die Art von Information, die Politiker von den Wissenschaftlern benötigen, um das Ausmaß des Handlungsbedarfes abschätzen zu können.
    Bleibt nachzutragen, dass wir uns damit von der eigentlichen Frage, ob nämlich die Aussage des IPCC-Berichts durch den Arnell-Artikel gedeckt ist, etwas entfernt haben. Aber das ist sie natürlich. Dort steht ja nichts davon, dass jetzt “aufs Ganze gerechnet X Menschen mehr” betroffen seien, sondern dass es eine bestimmte Anzahl Menschen gebe, die infolge des Klimawandels von erhöhter Wasserknappheit betroffen seien. Und genau das folgt aus Arnells Tabelle 11.

  43. #45 Karl Mistelberger
    10. Dezember 2011

    Wolfgang Cramer hat seinen ursprünglichen Artikel um einen ausfürlichen Kommentar ergänzt. Fazit: Herr Lehmkuhl ignoriert diese ganze Vorgeschichte – auch den sorgfältigen Prüfbericht der holländischen Regierung, die wohl wichtigste Referenz in dieser Diskussion – und behauptet einfach, seine durch Subtraktion errechneten Zahlen seien die, die die Arnell-Studie ausweist. Das ist schlicht falsch. Wie (und vor allem: warum) Herr Lehmkuhl dann daraus den Vorwurf an Herrn Rahmstorf konstruiert, er habe die Arnell-”Studie selbst aber nicht mit der nötigen Sorgfalt geprüft”, das ist für mich schwer zu erklären.

    http://www.vielfalter-blog.de/?p=401

  44. #46 Thilo
    10. Januar 2012

    zum Wikipedia-Artikel: inzwischen läuft eine Löschdiskussion

  45. #48 Thilo
    2. März 2014

    Jetzt macht er ernst: Markus Lehmkuhl will jetzt richtig berühmt werden

  46. #49 spl
    15. Oktober 2014

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