Ohne Kommentar (und ausnahmsweise mal ohne Bezug zur Mathematik):

Kommentare (23)

  1. #1 Evil Dude
    19. Dezember 2011

    Naja, bevor man erschossen wird, heu(che)lt man eben etwas vor einem Foto des “geliebten Führers”.

  2. #2 Till
    19. Dezember 2011

    Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.

    Zum einen denke ich mir: Wie kann das Regime nur die Leute zum Trauern abstellen und auf Befehl vor der Kamera heulen lassen? Ich würde es als weitere Nordkorea-Absurdität abstempeln und darüber lachen, wie es ja jeder über die Kims und ihren Zirkus getan hat. Denn immerhin, wie kann man über einen solchen Tyrannen auch ernsthaft trauern?

    Zum andern aber, wissen wir wirklich, ob die Trauer nicht vielleicht doch ehrlich ist? Können wir ausschließen, dass durch Brainwashing und/oder Stockholmsyndrom nicht viele Nordkoreaner tatsächlich aufrichtig Trauern über den Mann, der ihr Land ruiniert hat? Ist es dann noch angebracht, so ein Video zu posten und sich über das Regime lustig zu machen, wenn es auch nur einer der gezeigten ehrlich meint?

  3. #3 jakbo
    19. Dezember 2011

    faszinierend iwie.
    da weiß man nicht ob man lachen oder schockiert sein soll von den leuten.

  4. #4 Georg Hoffmann
    19. Dezember 2011

    Also jetzt tut er mir auch irgendwie leid. Vielleicht fehlte einfach nur ein wenig Liebe?

  5. #5 Schlotti
    20. Dezember 2011

    Übrigens, wenn man das:

    틸ᅩ 귰널

    dann zurückübersetzen lässt kommt das dabei heraus:

    O Til gyutneol

    Es lebe Google!

    😉

  6. #6 Thilo
    20. Dezember 2011

    @ Schlotti:
    Dazu muß man sagen, daß es dort keine Unterscheidung zwischen L und R gibt und auch keine zwischen G und K. Insofern ist Googles einziger Fehler die Verwechslung von ss mit t, und natürlich die Reihenfolge der ersten beiden Silben.

  7. #7 WolfgangK
    20. Dezember 2011

    Man kann in erlebter Massenhysterie nicht nur mit lauten Hurrarufen begeistert in den Krieg ziehen, Massensuizid begehen, Massenpanik erleben, in Massenkaufrausch verfallen oder exzessiven Starkult ausleben (ab 1:57) . Nein, man kann auch beim Ableben einer über alles geliebten diktatorischen Dumpfbacke ohne Inszenierung in Massentränen ausbrechen. Und ehrlich gesagt ist das auch nicht so weit weg von den kollektiv vergossenen Tränen beim verlorenen Heimspiel des Lieblingsfussballclubs.

  8. #8 BreitSide
    20. Dezember 2011

    xxx

  9. #9 marko
    20. Dezember 2011

    Die Trauer verstehe ich nicht — ich dachte, der tote Sohn regiert jetzt einfach zusammen mit seinem seit langem toten Vater weiter. Mit einem toten Vater als Staatsoberhaupt hat’s doch bisher auch funktioniert, so lange sich der Sohn um Partei und Militär kümmerte. (Christopher Hitchens nannte deswegen Nordkorea eine »Thanatokratie«, »Nekrokratie« oder »Morselokratie«.)

  10. #10 Faustus
    20. Dezember 2011

    Tja, wer sein Leben lang indoktriniert wurde, den “Führer” zu lieben, trauert dann natürlich auch ehrlich um ihn, so als wäre ein Familienmitglied gestorben.
    Das offene Zurschaustellen der Trauer ist dann der logische Propagandatrick der verbliebenen Eliten.
    Mal sehen, wie es jetzt weiter geht…

  11. #11 Made
    20. Dezember 2011

    was WolfgangK sagt:

    Ich finde das auch nicht absurder als die weinenden Massen bei Michael Jackson oder Lady Di. Wenn man sein Leben lang irgendwie erlebt, dass dieser Mann das Wichtigste im Universum ist, dann kann da auch übertrieben trauern. Massenhysterie tut sein Übriges.

    Also das ist nicht zwangsläufig geheuchelt, meiner Meinung nach. Unterdrückung passiert nicht nur durch externe Gewalt (bzw. deren Androhung), sondern auch durch innere.

    Ich fands schon befremdlich, dass mir auf Nachrichtenseiten zuerst gesagt wurde, dass jetzt geheuchelte Bilder kommen, bevor man dann darunter dazugehörige Bilder und Videos zeigt. Vielleicht darf ich das selbst entscheiden, wie ich das wahrnehme?

    Ich sage nicht, dass das nicht geheuchelt ist. Aber ich sage auch nicht, dass es eindeutig so ist.

  12. #12 sumo
    20. Dezember 2011

    in einem Land, welches nicht nur geografisch, sondern auch elektronisch weitgehend autark ist, kann man die Einwohner nahezu perfekt indoktrinieren. Es gibt dort kein “Südfernsehen” (analog zum Westfernsehen), Radios lassen keinen Empfang fremder Sender zu, und Internet ist dort bis auf wenige Ausnahmen weitgehend unbekannt.
    Wenn dann Kinder von früher Kindheit in den dortigen Krippen, Kindergärten und Schulen immer und immer wieder gelehrt bekommen, daß der Große Führer und später der Geliebte Führer lebende Götter sind, so glauben die Kinder das auch als Erwachsene, schlicht mangels einer Bildung, die ihnen eigenes Denken und NACHDenken beigebracht hat.
    Als vor vielen Jahren der Große Führer und Präsident für die Ewigkeit Kim Il Sung gestorben ist, bekamen die Trauernden Weinkrämpfe, es gibt dazu immer mal wieder beeindruckende Sendungen, die genau das zeigen.
    Die Nordkoreaner sind in der Hinsicht bemitleidenswert. Stockholmsyndrom ist da zu kurz gedacht, die Leute dort glauben wirklich an ihre Führer.
    Schlimm wird es, wenn sich dort mal die Grenzen öffnen, denn wenn all diese Nordkoreaner auf die reale Außenwelt treffen, bricht nicht nur das Weltbild zusammen.

  13. #13 BreitSide
    20. Dezember 2011

    @made: Keiner von uns kann Fotos “richtig” interpretieren ohne Hintergrundwissen.

    Die Hintergrundinfo kann verfälschend sein (“Desinformation”), aber ohne sie siehst Du nur ein paar weinende Menschen. Die uns auf jeden Fall sehr komisch vorkommen. Sind wir doch eher gewohnt, starren Blickes und zerfuchter Stirn zu trauern. Schreiende Frauen, die sich die Haare ausraufen, sind uns doch eher fremd.

    Merkmal von Qualitätsmedien ist halt, dass sie die Hintergrundinfos sauber recherchieren. Und Du ihrem Urteil trauen kannst. Und das ist halt zB zwischen BILD und Süddeutschen etwas unterschiedlich.

  14. #14 Made
    21. Dezember 2011

    @BreitSide

    Merkmal von Qualitätsmedien ist halt, dass sie die Hintergrundinfos sauber recherchieren. Und Du ihrem Urteil trauen kannst. Und das ist halt zB zwischen BILD und Süddeutschen etwas unterschiedlich.

    Leider ist das aber meistens nicht der Fall. Ich wüsste jetzt kein Medium, dem ich da vertrauen würde. Bei BILD mag das “unsaubere Recherchieren” offensichtlicher sein, aber auch den andern bringe ich da inzwischen durchaus Misstrauen entgegen.

    Aha-Erlebnisse gibts für mich immer, wenn man Artikel über Themen liest, mit denen man sich auskennt (Nordkorea gehört da bei mir nicht dazu). Wenn man merkt wieviel da einfach falsch behauptet wird und sich durch den Kopf gehen lässt, dass das bei den Themen, mit denen man sich nicht auskennt wahrscheinlich ähnlich aussehen wird, lernt man schon den Informationen zu misstrauen. Gesteigert ist das ganze noch bei der hektischen Online-Berichterstattung. Da werden die Bilder und Viedos eben nicht wirklich recherchiert sondern nur gezeigt.

    Gute Artikel zur Einordnung solcher Ereignisse gibt es meist erst Monate nach dem Ereignis, wenn sich jemand tatsächlich die Zeit genommen Hintergründe zu beleuchten.

    Woran erkenne ich was sauber recherchiert ist und was nicht? Wenn ich selbst von der Materie keine Ahnung habe?

  15. #15 Made
    21. Dezember 2011

    @Breitside

    Keiner von uns kann Fotos “richtig” interpretieren ohne Hintergrundwissen. Die Hintergrundinfo kann verfälschend sein (“Desinformation”), aber ohne sie siehst Du nur ein paar weinende Menschen.

    Richtig, das Hintergrundwissen, dass es sich um Aufnahme in Zusammenhang mit Kim Jong Ils Tod handelt, hab ich auch hingenommen und geglaubt. Die restliche Einordnung sollte dann aber entweder über “das sind geheuchelte Propagandabilder” hinausgehen, oder komplett wegfallen. Wenn ich behaupte das wär geheuchelt, würde mich ein bisschen mehr Hintergrund interessieren. Wie wurden sie dazu gebracht sich dort weinend hinzustellen/hinzuknien. Unverblümte Waffengewalt? Verblümtere Androhung von Gewalt? Gar keine Drohung, vorauseilender Gehorsam? Irgendwie ganz anders?

    Schreiende Frauen, die sich die Haare ausraufen, sind uns doch eher fremd.

    Richtig, und eben drum sollte man das nicht so schnell als Fake bzw. Propaganda abtun. Es wirkt auf den ersten Blick sehr absurd auf uns. Und gerade wenn man ein Verhalten (sich Haare ausraufende Frauen) selbst nicht kennt, halte ich es für anmaßend die Motive dieses Handelns sofort erklären zu wollen. Auf den zweiten Blick kennen wir auch bei uns hysterische Menschen bei Popstars und hemmungslose weinende Menschen bei toten Popstars, die diesen Aufnahmen hier gar nicht mehr so unähnlich sehen.

    Und ich halte es eben durchaus für möglich, dass die Trauer selbst echt ist. Wie diese übersteigernde Empfinden ihrem Führer gegenüber den Menschen beigebracht wurde über Jahre ist dann noch eine ganz andere Geschichte.

    Ich verwehre mich nur gegen den sofortigen Reflex, dass das unechte Propagandaaufnahmen sind. Denn es könnten auch echte Propagandeaufnahmen sein. Daran, dass die Bilder zur Propaganda genutzt werden, hab ich weniger Zweifel.

  16. #16 Redfox
    21. Dezember 2011

    Durch Propaganda hervorgerufene Trauer ist trotzdem echte Trauer:

    tagesschau.de: Die nordkoreanischen Staatsmedien berichten über “unbeschreibliche Trauer” nach dem Tod Kim Jong Ils. Ist das reine Inszenierung oder entspricht das doch einem echten Gefühl der Menschen?
    Klitz: Man kann davon ausgehen, dass die ganze Bevölkerung trauert. Ich habe bei verschiedenen Besuchen erlebt, auch im Mausoleum des Großvaters, dass die Menschen weinen. Für die Nordkoreaner sind und waren Kim Jong Sung und Kim Jong Il wie Vater und Mutter in einer Person. Das ist ihnen ihr Leben lang beigebracht worden, und das empfinden sie auch: Der wohlwollende Führer unternimmt alles in seiner Macht Stehende, um das Leben einigermaßen erträglich zu gestalten.
    Für Außenstehende ist das sehr schwer nachzuvollziehen. Auf der anderen Seite braucht das System solche Argumentationen, weil es sich selbst sonst gefährdet. Der “böse Bube” sitzt immer im Ausland. Deswegen gehe ich davon aus, dass es auch in nächster Zukunft begrenzte Provokationen geben wird, um nach innen zu zeigen, dass man alles im Griff hat. In den letzten Monaten haben wir das ja schon erlebt, leider auch die daraus folgenden Todesfälle. Beim Beschuss eines südkoreanischen Kriegsschiffes sind fast 50 Menschen ums Leben gekommen.

    Im Zusammenhang mit Nordkorea weise ich auf diese Fotoreportage eines Russischen Touristen hin.

  17. #17 Volschaf
    21. Dezember 2011

    Ich kann zwar kein Koreanisch und versuch erst seit kurzem es zu lernen, glaube aber trotzdem, dass 틸ᅩ 귰널 falsch ist.
    Soweit ich weiß, können Vokale nicht alleine stehen, weswegen es zumindest 틸오 (Til-oh) heißen müsste. Vielleicht auch 틸로 (Til-loh) oder 티로 (Ti-Lo), das weiß ich leider nicht.
    Auch 긋스나 dürfte natürlicher auszusprechen sein. Garantie geben kann ich auf das ganze aber nicht.
    Und ich hoffe, das hat dir kein Koreaner übersetzt, sonst steh ich nur doof da. 😉

  18. #18 Thilo
    21. Dezember 2011

    Nee, das war selbstgebastelt. 티로 gefällt mir aber auch besser. Mit dem Nachnamen ist es schwierig, das ‘er’ durch ‘a’ zu ersetzen klingt jedenfalls wirklich besser. Bei passender Gelegenheit werde ich mich mal um eine ‘offizielle’ Übersetzung bemühen.

    PS: die vorige Version sah irgendwie schöner aus 🙂

  19. #19 BreitSide
    22. Dezember 2011

    @Made: ich glaube, wir sind uns im Grunde ziemlich einig?

  20. #20 arabiki
    25. Dezember 2011

    “Im Zusammenhang mit Nordkorea weise ich auf diese Fotoreportage eines Russischen Touristen hin. ”

    Oder hier http://www.theatlantic.com/infocus/2011/08/inside-north-korea/100119/

  21. #21 EhemaligerOssi
    26. Dezember 2011

    Damals, in der ehemaligen DDR, habe ich bei Massenveranstaltungen auch kräftig mitgejubelt, obwohl ich diese DDR-Kommunisten gehasst habe. Mir blieb ja nichts weiter übrig, wenn ich einigermaßen vernünftig in dieser Diktatur leben wollte. Das System hatte überall seine Zuträger, wer da nicht mitgeheuchelt hat, ist schnell in Ungnade gefallen (und hatte auch etliche Nachteile). Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass das in Nordkorea ähnlich läuft. Mir tun die Menschen dort unendlich Leid. Ich wünsche diesen Menschen dort, dass das dortige System möglichst bald zusammenbricht, und die Menschen auch dort in einer freiheitlich-demokratischen Ordnung leben können.

  22. #22 Thilo
    13. Januar 2012
  23. #23 Thilo
    29. Juli 2012

    Olympia – Verantwortlich war der verstorbene Staatschef Kim Jong Il: http://www.spiegel.de/sport/sonst/olympia-2012-om-stemmt-das-dreifache-seines-koerpergewichts-a-847047.html