Wo Bildung wichtig ist

Ich hielt es ja erst für einen eigenartigen Scherz als ich vorhin eine e-Mail bekam mit der Bitte wegen der landesweiten Abiturprüfungen am Donnerstag erst zu 10 Uhr ins Büro kommen. Es war dann aber völlig ernstgemeint. Am Donnerstag finden in Korea von 8.40 Uhr bis 18.05 Uhr die zentralen Abitur- bzw. Universitätsaufnahmeprüfungen (수능, Suneung, englisch übersetzt mit “college scholastic ability test“) statt und damit auch alle Prüflinge pünktlich sind und nicht im Verkehr steckenbleiben bittet man die staatlichen Angestellten, am Donnerstag eine Stunde später zur Arbeit zu erscheinen, selbst die Börse öffnet erst um 10. Die öffentlichen Verkehrsmittel fahren Sonderschichten und die Polizei eskortiert diejenigen, die es trotzdem nicht schaffen (Bild oben).

In Korea besuchen 97% eines Jahrgangs die Oberschule, die Zahl der Prüflinge am Donnerstag dürfte alleine in Seoul bei grob geschätzt 300.000 liegen. Die Prüfungen, die gleichzeitig über die Zulassung zu den guten und weniger guten Universitäten entscheiden, haben eine enorme Bedeutung, die Aufnahme an einer Universität ist quasi gleichbedeutend mit ihrem Abschluß: während an den Schulen und insbesondere eben bei den Aufnahmeprüfungen eine gnadenlose Auslese herrscht, wird an den Universitäten fast jeder Studienanfänger das Studium auch abschließen. (Es gibt aber durchaus Bestrebungen, das Niveau auch an den Universitäten zu heben, ebenso wie in umgekehrter Richtung auch im Schulwesen immer häufiger Änderungen angemahnt werden und beispielsweise die Bedeutung der Hagwons durchaus zurückgeht.) Einige kritische Gedanken zum gegenwärtigen Stand findet man z.B. auf dieser Webseite.

Kommentare

  1. #1 rank zero
    7. November 2012

    Auch in den Notices ist eine recht ausführliche Einschätzung des Systems unter “Exam-hell ” in Korea erschienen.

  2. #2 全国列车时刻表
    8. November 2012

    分析的很透彻,很欣赏你的看法,学习了。

  3. [...] Dass in Deutschland die Beamten zu Hause bleiben, weil die Abiturienten zu ihren Prüfungen kommen müssen, wird kaum passieren. In Korea schon, berichtet das Mathlog. [...]