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Nichts Neues sind Terroranschläge vor Wahlen, um deren Ausgang zu beeinflussen – wie gehabt in Frankreich.

Neu hingegen sind Terroranschläge auf Fußballmannschaften, um deren Börsenwert zu beeinflussen – wie letzte Woche in Dortmund.

Was genau dort börsentechnisch abgelaufen ist, wieviel eingesetzt wurde und wieviel der Täter verdient hat oder verdienen hätte können – darüber kursieren in den Medien verwirrende und widersprüchliche Meldungen.

Mit Sicherheit falsch ist aber die folgende Rechnung aus dem Artikel Das BVB-Komplott war nicht nur teuflisch, sondern dumm:
“Fällt die Aktie um zehn Prozent, steigt der Optionsschein um das 20- oder 50-Fache, also um 2000 Prozent oder 5000 Prozent.”
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Dazu paßt eine andere Meldung vom Donnerstag: Gemeinsame Stellungnahme
der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV),
der Gesellschaft für Didaktik der Mathematik (GDM)
und des Verbands zur Förderung des MINT-Unterrichts (MNU)
:
Zur aktuellen Diskussion über die Qualität des Mathematikunterrichts.

An deutschen Hochschulen verzeichnet man seit mehr als einer Dekade den alarmierenden Befund, dass einem Großteil der Studierenden bei Studienbeginn viele mathematische Grundkenntnisse und -fertigkeiten sowie konzeptuelles Verständnis mathematischer Inhalte fehlen. Die Lehrenden an den Hochschulen stellen fest, dass diese Mängel sowohl bei der Oberstufenmathematik als auch bei den in der Mittelstufe behan- delten Themen auftreten – etwa bei Bruchrechnung oder den Potenzgesetzen. Auch die Behandlung von Funktionentypen in der Schule ist mittlerweile so ausgedünnt, dass eine Ausbildung in höherer Mathematik als Teil etwa eines Ingenieurstudiums nicht mehr darauf aufbauen kann.

Neben der Bruchrechnung hätte man noch die Prozentrechnung erwähnen können.

Kommentare (27)

  1. #1 rolak
    22. April 2017

    Wenn ich raten sollte, würde ich statt ‘Rechenfehler’ auf ‘Kontextverlust’ tippen, Untergruppe ‘spontaner Aussetzer im Kurzzeitgedächtnis’. Denn “der Optionsschein [steigt] um das 20- oder 50-Fache, also um 2000 Prozent oder 5000 Prozent” wäre ja ok (abgesehen vom ‘bis’-verdrängenden ‘oder’), nur ists halt nur der hintere Teil eines KonditionalKonstruktes.

  2. #2 Marv
    Deutschland
    22. April 2017

    Missverständnis seitens Scienceblogs! Die Aussage ist korrekt, jedoch äußerst schlecht beschrieben.

    “Fällt die Aktie um zehn Prozent…” aktiviert sich der Hebel und es “… steigt der Optionsschein um das 20- oder 50-Fache, also um 2000 Prozent oder 5000 Prozent.”
    Somit haben wir hier einen Hebel von 1:200 oder 1:500.

    Zum genauerem Verständnis:
    Ein Optionsschein, ob nun put oder call, gehört in die Familie der so genannten CFD(Contract for Differenzes). Das ist jedoch nicht mit dem Produkt CFD als solches zu verwechseln. Dennoch erkläre ich es anhand des CFD, da diese bedeutend leichter zu verstehen sind.

    Bei einem CFD(Produkt) zahlt der Anleger nur die Differenz zwischen Kaufpreis und Kurswert, bzw. bekommt diese ausgezahlt, wenn der Plan aufgeht. Kaufe ich beispielsweise für 10.000€ Aktien und mein Kaufpreis liegt 1% über dem Kurswert, zahle ich also lediglich 100€. Habe ich also 10.000€ und möchte diese in Aktien, über einen CFD, investieren, kann ich also maximal Aktien für 1.000.000€ Aktien erwerben.

    Bei einem Optionsschein greift dasselbe Prinzip, jedoch unter Berücksichtigung weiterer Faktoren(Bezugsfrist und Bezugsverhältnis).
    Zudem lässt sich hier der Spieß auch umdrehen und ein fester Hebel abschließen (ist rein mathematisch dasselbe, nur wird die Umrechnung dann vom Broker erledigt). Beispielsweise 1:20. Kaufe ich für 1€ Aktien, erhalte ich Aktien für 20€. Einen € investiere ich selber, der Rest ist Kredit.

    Dieser Hebel wurde oben genannt, jedoch nicht genauer erläutert.
    Das heißt nicht die N24 braucht Nachhilfe in den Grundrechenarten, sondern Scienceblogs.de braucht etwas Nachhilfe in Deutsch 😉
    N24 täte sich jedoch gut daran, ein solch kompliziertes Finanzprodukt genauer zu erläutern und ein solches Wissen nicht voraus zu setzen. Hat ein bisschen was von den E-Nummern in Lebensmitteln…

    Beste Grüße
    Marv

    Sorry, der Kommentar hing im Spamfilter. Keine Ahnung, warum. TK

  3. #3 Peter Köhler
    22. April 2017

    Die gegenwärtig gehandelten Put-Os auf die Borussenaktie haben Hebel zwischen 10-90, abzgl. Spread. Wenn die bisher bekanntgewordenen Eckdaten stimmen (laut “Der Westen” nur 2500€ Einsatz), wären höchstens ein paar zehntausend Euro Gewinn herausgekommen. – Und dafür wird der Schwerstkriminelle nun lebenslang einsitzen. –~~~~

  4. #4 Peter Köhler
    22. April 2017

    Ergänzt: der “Spiegel” meint, der Täter hätte rund 7.000 € eingesetzt. goo.gl/b1RCti

  5. #5 koma
    22. April 2017

    Also ich hab keine Ahnung wie Optionsscheine funktionieren(und will es eigentlich auch gar nicht wissen),
    aber wenn etwas um das 20- oder 50-fache steigt, dann sind das 2000% oder 5000%.
    Somit ist der Fehler höchstens der Art, daß ein Optionsschein nicht um das 20- oder 50-fache steigt, wenn eine Aktie um 10% fällt, oder etwa nicht?

  6. #6 rolak
    22. April 2017

    oder etwa nicht?

    Du ubersahst anscheinend den konditionalen Satzanfang, koma, das einleitende ‘Fällt die Aktie um zehn Prozent, ..’. Umgebaut ins übliche wenn-dann-Modell hieße es ‘Wenn die Aktie um zehn Prozent fällt, dann steigt der Optionsschein um das 20- oder(!) 50-Fache’ [aka ‘dieses OSes Hebel ist 20..50] und die relative Angabe (‘-fache’) hat den Anker ‘zehn Prozent’ — somit stiege der Wert des OS um 200..500%.

    Anders gesagt: In dem Fall hast Du den bereits beschriebenen Kontextverlust erlitten.

  7. #7 Matthias
    Fürstenfeldbruck
    22. April 2017

    Das einzige was hier wohl mangelhaft ist, sind die Deutschkenntnisse des Autors dieses Artikels. Mit der Aussage ist doch wohl ganz klar das 20- oder 50-fache des ursprünglichen Wertes gemeint.

  8. #8 Thilo
    22. April 2017

    @koma: http://boerse.ard.de/anlageformen/derivate/wie-funktionieren-optionsscheine100.html
    Es ist so, wie rolak sagt: der Gewinn ist proportional zu dem Betrag, um den die Aktie gestiegen oder gefallen ist, nicht zum ursprünglich eingesetzten Betrag. Also in diesem Fall zu den 10% und nicht zu den 100%.

  9. #9 Thilo
    22. April 2017

    @Matthias: mag sein, dass der Autor das gemeint hatte. Nur ist es eben falsch.

  10. #10 koma
    22. April 2017

    hmm, Kontextverlust hin und her, wenn etwas um das 20 fache steigt, sind das 2000%, egal wie ich daß ausrechne.
    Wie gesagt, keine Ahnung, WIE Optionsscheine funktionieren, aber wenn sie einen Wert X€ haben und um das 20 fache steigen, steigen sie um 20*X€ und somit um 2000%.
    Wenn damit gemeint wäre, das der Gewinn durch die Optionsscheine um 200% steigen würde, weil ja die Aktie nur um 10% fällt(10% mal 20-fach), dann sollte man das auch so schreiben.

  11. #11 rolak
    22. April 2017

    aber wenn sie einen Wert X€ haben und um das 20 fache steigen

    Wo steht denn, daß sie dies tun würden, koma? Citation needed!

  12. #12 Dr. Webbaer
    22. April 2017

    Fällt die Aktie um zehn Prozent, steigt der Optionsschein um das 20- oder 50-Fache, also um 2000 Prozent oder 5000 Prozent.

    Diese sogenannten Derivate meinen Wetten, die Banken anbieten, regelmäßig ausgerechnet zu ihrem Gunsten, sofern ihren Mathematikern getraut werden darf, und es könnte schon so sein, dass auf dem Markt Derivate der beschriebenen (und kritisierten) Art bereit standen.

    Irgendetwas muss Dr. W insofern entgangen sein, vielleicht, dass der genannte “Optionsschein” nur um 1.900 % oder 4.900 % “steigt”?


    Ansonsten, derartige Überlegungen haben auch bei 9/11 eine Rolle gespielt und es wurde gemutmaßt, ob nicht welche in jeden Regionen mit Täterwissen hier aufspecken konnten.
    Belegt worden ist dbzgl. wohl nichts.


    An sich ist natürlich ein derartiges Anreizsystem, wie es Banken anbieten, potentiell gefährlich, ruft zu bestimmter Maßnahme sozusagen auf oder ist geeignet dazu aufzurufen, insofern darf hier reguliert werden.

    MFG + schönes Wochenende,
    Dr. Webbaer

  13. #13 Dr. Webbaer
    22. April 2017

    PS :
    Der eigentliche Wert dessen, von dem sich das Derivat, nun, ableitet, ist nicht relevant.

  14. #14 Thilo
    22. April 2017

    Also, ein Optionsschein habe den Preis p und man erwerbe mit ihm das Recht, die Aktie zu einem späteren Zeitpunkt zum jetzigen Preis P zu verkaufen. Wenn zu diesem Zeitpunkt der Preis um eine Differenz d gefallen ist und man O Optionscheine erworben hatte, dann macht man also einen Gewinn Od, der sich zum Einsatz Op verhält wie d/p. Im Beispiel ist P=1, d=0.1 und über p ist nichts bekannt, es wird aber natürlich kleiner sein als P. (Aber sicher nicht um einen Faktor 200 bis 500, wie es ja sein müßte damit bei d=0.1 immer noch der Gewinn um einen Faktor 20 bis 50 stiege.) Jedenfalls ist der Gewinn proportional zu d und nicht zu p oder P.

  15. #15 Thilo
    22. April 2017

    @Webbaer: der eigentliche Sinn solcher Finanzderivate ist, dass sich Investoren gegen plötzliche Kursstürze sozusagen “versichern” können. Vielleicht wäre es sinnvoll, solche Optionen tatsächlich nur denjenigen zur Verfügung zu stellen, die in den fraglichen Aktien investiert sind.

  16. #16 koma
    22. April 2017

    Naja, eine Aussage wie “Wenn etwas um so-und-soviel fällt, steigt etwas anderes um so-und-soviel” kann man natürlich auf zweierlei Weise interpretieren.
    Einerseits kann man das Zweite so-und-soviel auf das Erste beziehen (20-fach 10%) und erhält 200%.
    Aber andererseits kann man in diesem Konditionalsatz das Zweite so-und-soviel eben auch absolut sehen (Steigerung um das 20-fache).
    Und zumindest für mich war das die offensichtlichere Variante, wobei ich nicht ausschließen will, daß auch der Autor da was nicht verstanden hat.

  17. #17 Dr. Webbaer
    22. April 2017

    Die Derivate-Anbieter sind frei und können alles Mögliche als Wette sozusagen anbieten, korrekt bleibt die Anmerkung, dass sie sozusagen für Versicherungszwecke, für die Zwecke der Absicherung als Dienstleistung der Banken für private Unternehmen entwickelt worden sind, so dass diese bestimmte Risiken, kostenpflichtig sozusagen, herausnehmen können.

    Ansonsten bleibt auch der Markt der Trader, Day-Trader und Spekulanten adressiert, von den Banken, auch wenn dies gerne abgestritten wird.

    Darum – ‘Vielleicht wäre es sinnvoll, solche Optionen tatsächlich nur denjenigen zur Verfügung zu stellen, die in den fraglichen Aktien investiert sind.’ – geht es bei Derivaten nur untergeordnet.
    Ließe sich auch nicht so-o gut regulieren.

    Unter bestimmten Bedingungen müssen Derivate schlicht verboten werden, auch wenn dies dem Markt schadet.

  18. #18 rolak
    22. April 2017

    Aber andererseits kann man

    Nein, kann man nicht, koma, höchstens dann, wenn das Sprachverständnis im Koma liegt. Eine Angabe wie ‘das <20>-fache’ bezieht sich immer auf eine(n) Menge(nzuwachs) – und das einzig Passende im Welt-Text sind nun mal die ‘zehn Prozent’.

    Allerdings legst Du Dich mit Deinem aus dem Nichts gegiffenen Pseudozitat “Wenn etwas um so-und-soviel fällt, steigt etwas anderes um so-und-soviel” auch selber herein.
    Und das ist noch die freundliche Variante, andernfalls wäre es ein ziemlich dreister Strohmann.

  19. #19 Thilo
    22. April 2017

    Kein Grund, sich zu streiten. Sicher gibt die Grammatik diese Interpretation her. Inhaltlich ist sie aber m.E. nicht sinnvoll aus genannten Gründen. Der Gewinn ist proportional zur Differenz der Aktienwerte, nicht zum Kaufpreis des Optionsscheins.

  20. #20 koma
    22. April 2017

    Also bitte stell mich jetzt nicht als Dummkopf hin, aber ein elliptisch ausgelassenes “dieses 10% Verlustes” kann man NICHT automatisch reininterpretieren, wenn ein Satz lautet:”Wenn die Aktie um 10% fällt, dann steigt der Optionsschein um das 20-fache (ELLIPSE)”.
    Man kann es genau so interpretierne, wie ich es getan habe.
    Und das mein Nickname zufällig wie eine neurologische Auffälligkeit lautet hat hier mal überhaupt nichts zu suchen,

  21. #21 koma
    22. April 2017

    Ui, Kommentar #2 hätte wohl verhindert, daß ich überhaupt was geschrieben hätte;.)

  22. #23 Hobbes
    22. April 2017

    Irgendwie ist die ganze Geschichte völlig absurd. Mit der Menge an krimineller Energie hätte man weit mehr mit weit weniger Risiko bekommen können. Es ging wohl um etwa 100.000€. Dafür soll er 40.000€ an Kredit aufgenommen haben. Jeder Drogendealer bekommt aus so viel Aufwand mehr Geld raus. Wenn er sich über Put-Optionen informiert hat muss er wissen, dass diese stark von der Börsenaufsicht überwacht werden. Auch wird er sich wohl vorstellen können dass der Fahndungsdruck bei so einer öffentlichen Tat enorm ist. Würde mich nicht wundern wenn das echte Tatmotiv ein anderes ist. Und er nebenbei noch Geld damit machen wollte. Hass auf Fussballvereine ist ja nicht selten. Naja andererseits sollte man nie die Dummheit der Menschen unterschätzen.

  23. #24 Lercherl
    22. April 2017

    @rolak

    Die Interpretation von koma ist vollkommen korrekt und naheliegend. Wie würdest du folgenden Satz interpretieren:

    Wird der Radius um 10% erhöht, steigt das Volumen um 33%.

    Oder folgenden:

    Wird der Radius um 44% erhöht, steigt das Volumen um das Doppelte.

    Beim ersten Satz kämest vermutlich nicht einmal du auf die Idee, die 33% auf die 10% zu beziehen, also als 33% von 10% =3,3% des Ausgangsvolumens zu interpretieren.

    Und der zweite Satz ist vollkommen analog zum ersten aufgebaut.

  24. #25 Thomas F.
    Deutschland
    22. April 2017

    Koma und Lercherl haben natürlich Recht. Es gibt keinen Grund, einen Wert aus einem Satzteil mit einem Wert aus einem anderen Satzteil zu verknüpfen, wenn das nicht explizit ausgesagt wird. Lercherls Beispiele sind gut gewählt, wenngleich sie unnötig sein sollten.

    Das Wort “Kontextverlust”, welches der Schreiber benutzt, soll klug und herablassend zugleich klingen, zeigt aber im Zusammenhang eher das fragwürdige Niveau des Schreibers, wie auch an anderen Formulierungen zu erkennen ist.

  25. #26 Thilo
    23. April 2017

    http://www.wiwo.de/politik/deutschland/bvb-mutmasslicher-attentaeter-setzte-weniger-als-10-000-euro-ein/19699720.html :

    Bei einem neunfachen Hebel werden aus vier Prozent Aktienverlust in den Optionsscheinen rechnerisch 36 Prozent Gewinn.

    Bei zehn Prozent Aktienverlust wären das dann 90 Prozent Gewinn bzw. er erhält 190 Prozent ausgezahlt.

  26. #27 Karl-Heinz
    23. April 2017

    CFD Trading und Hebelprodukte einfach erklärt!