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Manche meinen, die Zukunft des Publizierens liege nicht in e-Büchern, sondern in HTML-Büchern.

Wie könnten HTML-Bücher aussehen? Das einzige mir bekannte Projekt eines Mathematikbuches in dieser Richtung ist das Webbuch “Analysis Situs” der Autorengruppe Henri Paul de Saint-Gervais.

(Der Titel bezieht sich auf eine Arbeit von Henri Poincaré aus dem Jahr 1895. Es gibt auch ein gleichnamiges Lehrbuch von Oswald Veblen aus dem Jahr 1922. Inhaltlich geht es um die Topologie von Mannigfaltigkeiten.)

Das aus Webseiten bestehende “Buch” arbeitet konsequent mit Verlinkungen, so dass einzelne Seiten kurz bleiben, der Leser andererseits aber immer weiter in die Tiefe gehen kann. Und anders als bei herkömmlichen Büchern werden andere Medien (Videos) eingebunden.

Ein paar Bildschirmfotos als Beispiel:

Diese beiden Bildschirmfotos (einer etwas längeren Seite) zeigen die Einbindung von Videos:
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Und dieses Bildschirmfoto zeigt, wie es mit Verlinkungen immer weiter in die Tiefe geht:
IMG_0609

Es erübrigt sich wohl, hier noch viel über den Stil und Inhalt des Buches zu schreiben, denn jeder Online-Nutzer kann sich ja selbst ein Bild machen: http://analysis-situs.math.cnrs.fr/

Kommentare (25)

  1. #1 Dr. Webbaer
    26. April 2017

    Sie sind sozusagen ein HTML-Buch, werter Herr Kuessner,
    Alllerdings nur im Zusammenhang mit der Bemühung im Rahmen der scienceblogs.de, ansonsten nicht,
    viel Erfolg in N… , äh Südkorea weiterhin.

    Echtes “semantisches” Web kann es deshalb nicht geben, weil die Herrschaftsbefugnisse schlecht zu verwalten sind.

    Inhalt bedeutet immer auch Inhalt auszuschließen, insofern bleiben Sie gerne gebeten in Ihrem Veranstaltungsrahmen zu bleiben.

    Im Web zu verweisen, bedeutet immer auch Macht abzugeben,
    MFG + schöne Woche noch,
    Dr. Webbaer

  2. #2 tomtoo
    26. April 2017

    Naja diese Jupiter Notebooks gehen ja in diese Richtung.

    https://opensource.com/education/15/11/project-jupyter-science-notebooks

    OS unabhängig. Und komfortabel.

  3. #3 Frank Wappler
    http://free.wikipedia.now
    26. April 2017

    Dr. Webbaer schrieb (#1, 26. April 2017):
    > Echtes “semantisches” Web kann es deshalb nicht geben, weil die Herrschaftsbefugnisse schlecht zu verwalten sind.

    Egal wie schlecht eventuelle “Herrschaftsbefugnisse verwaltet” sind (bzw. in diesem Zusammenhang vielleicht noch am besten: gar nicht) —
    das verhindert nicht unbedingt die Ausbildung eines (des?) entsprechend “un-echten” (“annähernden”, “ersatzweisen”) semantischen Webs de facto, oder ggf. sogar mehrerer davon.

    > Inhalt bedeutet immer auch Inhalt auszuschließen, […]

    Freiheit (zum Erschließen von Inhalten) ist vor allem die Freiheit derjenigen, die sich für Inhalte interessieren, an denen man Interesse für sich selbst auszuschließt.

    > Im Web zu verweisen, bedeutet immer auch Macht abzugeben, […]

    Webverweise mit dürrem “Ihr Kommentar wird moderiert.” zu unterbinden, bedeutet immer auch, Macht zu missbrauchen.

  4. #4 tomtoo
    26. April 2017

    @WB alias Braunbär

    Ist doch cool Herrscher der “Links” zu sein oder ?

  5. #5 Rasmus
    Berlin
    26. April 2017

    Das Projekt https://bookdown.org/ geht in eine ähnliche Richtung. Gibt es als Paket allerdings nur für R (soweit ich das beurteilen kann)

  6. #6 Robert
    26. April 2017

    html-Buch,

    schlimm, schlimm, diese Namensgebung.
    Erstens wissens die wenigsten User was html heißt.
    Zweitens werden die Animationen, die dieses Buch auszeichnet ,nicht von html gemacht, sondern von Zusatzprogrammen, wie z.b. Javascript, die in html implementiert sind, oder Videos, die von html aufgerufen werden können.
    Fällt jemand ein treffenderes Wort für html-Buch ein?

  7. #7 Thilo
    26. April 2017

    Webbuch?

  8. #8 Karl Mistelberger
    26. April 2017
  9. #9 Thilo
    26. April 2017

    Ja gut, ein E-Book ist nun eben schon etwas anderes. Die sind in der Regel wie ein klassisches Buch geschrieben, es gibt nicht die Verlinkungsbaeume wie bei Webseiten, und es wird auch nichts Multimediales eingebunden.

  10. #10 Robert
    26. April 2017

    Wie wäre es mit E-Grabber, das geht unter die Haut.

  11. #11 tomtoo
    26. April 2017

    e-books sind ja auch im Normalfall nicht interaktiv.
    @Robert
    Entscheident ist ja auch gar nicht die Technologie auf der Nutzerseite. Die ist halt der Webbrowser. Aber auf der Authorenseite wirds da wohl halt schon spannend.
    Man könnte es “interaktives elektronisches Buch” nennen. Will aber keiner. ; )

  12. #12 tomtoo
    26. April 2017

    Man könnte es auch dig-it nennen.
    ; )

  13. #13 Robert
    26. April 2017

    tomtoo,
    dig-it ist gut.

  14. #14 Karl Mistelberger
    27. April 2017

    > #9 Thilo, 26. April 2017
    > Ja gut, ein E-Book ist nun eben schon etwas anderes. Die sind in der Regel wie ein klassisches Buch geschrieben, es gibt nicht die Verlinkungsbaeume wie bei Webseiten, und es wird auch nichts Multimediales eingebunden.

    Herkömmliche Bücher sind in Kapitel unterteilt. Romane werden meist vom Anfang bis zum Ende gelesen oder auch nicht.

    Lehrbücher kommen oft mit Anweisungen, wie sie unter speziellen Voraussetzungen am besten gelesen werden. Verlinkt wurde immer schon. Nur der Klick mit der Maus ist neu. Multimediales wird heute meist als Link realisiert.

    Das E-Book, das “schon etwas anderes ist”, stellt gewissermaßen einen Spezialfall mit genau null Links dar.

    Als in 1995 Webbrowser am Arbeitsplatz auftauchten hatte ein Werkstudent das Handbuch zu einer umfangreicheren Software binnen weniger Monate nach HTML konvertiert (mit Links anstatt von Verweisen und Kapitel- statt Seiteneinteilung). Ich wäre damals nie auf die Idee gekommen, das Ding anders als “Manual” zu nennen.

  15. #15 Robert
    27. April 2017

    Computer mit eingegrenztem Inhalt,

    Kindercomputer bieten die Möglichkeit zum uneingeschränkten Zugang zum Internet.

    Hier wäre die Möglichkeit, Kinderbücher, Videos und sonstiges auf ein bestimmtes Thema zu begrenzen.

    Auch beim Einsatz an Schulen wäre das eine augezeichnete Lösung, damit der Lehrer nicht ständig die schüler kontrollieren muss.

  16. #16 Frank Wappler
    http://free.wikipedia.now
    27. April 2017

    Karl Mistelberger schrieb (#14, 27. April 2017):
    > […] Verlinkt wurde immer schon. Nur der Klick mit der Maus ist neu. […]

    Neu (am verlinkten Publizieren, gegenüber dem isolierten) ist:

    – dass öffentliche Diskussion auffindbar gemacht ist;
    insbesondere durch [[ Discussion : <Subject> ]],

    – dass öffentliche Gegenrede auffindbar gemacht ist;
    zumindest durch [[ What links here? ]], wenn nicht sogar expliziter,

    – dass persönliche Annotationen (wahlweise) öffentlich gemacht werden können;
    durch personalisierte Verwikilinkung:
    [[ <Username> : <Subject> # <Specification> | <Text> ]],
    die von anderen wiederum (wahlweise, durch entsprechend gesetzte [[ User:Options ]]) gelesen und verfolgt werden können,

    – dass die Veröffentlichung weiterhin kollaborativ editierbar bleibt
    (selbstverständlich verbunden mit entsprechender Archivierung der Versionsgeschichte, [[ History : <Subject> ]]
    ).

  17. #17 tomtoo
    27. April 2017

    Da gehts ja sehr ins Detail. Links sind ja glaube ich nicht das Thema.

    Gibt doch Java Applets schon lange. Aber wie das ganze schön, einfach und universell zusammenfassen ?

    Auf Authorenseite und dann sind da ja auch dir Copyright Probleme.

    Die Technik ist imho schon lange vorhanden.

  18. #18 Laie
    28. April 2017

    Die HTML-Bücher kann man ja so schwer ausdrücken, wenn nicht schön formatierte PDF-Seiten DIN-A4 eingebunden sind.

    Das i.d.R. unbekannte Verfallsdatum der Verlinkungen ist auch noch so ein Problem, hat da schon wer eine Lösung?

    @tomtoo
    Java soll ja so ein großes Sicherheitsproblem auch noch sein – gehört so viel ich weiß der Firma Orakel.

  19. #19 tomtoo
    28. April 2017

    @Laie

    Der grösste Teil den man als Nutzer auf einem Androide Smartphone sieht, ist in JAVA geschrieben.

    Ging mir aber nicht um die Sprache. Es ging ja um das interaktive Buch als solches. Und ausdrucken ? Wie willste eine 4D Welt auf ein 2D Papier quetschen ?

  20. #20 Laie
    28. April 2017

    @tomtoo
    Mit einem Daumenkino, das sind dann mehrere 2D-Papiere übereinander! :)
    Im Ernst, die Haltbarkeit ist ein Problem, weil Links verschwinden und auch heutige Technologien morgen wieder überholt sind. D.h. mit dem Smartphone in 10 Jahren wird man (vermutlich) alle heutigen dynamischen Inhalte, soferne noch vorhanden, nicht mehr abspielbar sein. (Was natürlich nicht heisst, nicht Richtung 3D, oder 4D zu gehen)

  21. #21 tomtoo
    28. April 2017

    @Laie

    : ) Ich glaub da wird noch einiges bzgl. der Haltbarkeit von Daten speziell wenn sie mit Code gemischt sind auf uns zukommen. Evtl. gibts dann Computer Archeologen die Sprachen von vor 60 Jahren verstehen müssen.

    ; )

  22. #22 Dr. Webbaer
    28. April 2017

    @ Frank Wappler :

    Mathematische Leistung ist wohl noch individuelle Leistung oder Gruppenleistung der direkten Autoren, insofern sieht Dr. W hier keinerlei Anlass von stringenter Arbeit, auch bspw. LaTeX nutzend, wegzukommen und die Möglichkeiten des Webs auszunutzen.

    Anders sähe es aus, wenn an Dokumenten zusammen herumgedoktert wird und sich sozusagen Wiki-mäßig etwas ergeben soll.


    Geht diese Aussage vielleicht generell ? :
    Im Web kann nicht wissenschaftlich gearbeitet werden.

    (Und diese Aussage ist hier nicht selten gehört worden, klar, HTML mag auch Subnetze meinen, aber selbst dort ist ein Subnetz-Verweis ein “heißes Eisen”, obliegt er doch nicht den Verfassern der Arbeit.
    Sollte Fußnotenverwaltung etc. gemeint sein, darf dies Hypertext genannt werden, entspricht aber nicht der Idee der HTML.
    Oder haben Sie bestimmte, neue Ideen, Herr Dr. Wappler?)

    MFG + vorsichtshalber schon mal : Schönes Wochenende,
    Dr. Webbaer

  23. #23 Karl Mistelberger
    29. April 2017

    > #16 Frank Wappler, http://free.wikipedia.now, 27. April 2017
    > Neu (am verlinkten Publizieren, gegenüber dem isolierten) ist: …

    Die neuen Möglichkeiten sind nicht ganz unproblematisch:

    March, 2005, William Connolley, a climate modeller at the British Antarctic Survey, in Cambridge, was briefly a victim of an edit war over the entry on global warming, to which he had contributed. After a particularly nasty confrontation with a skeptic, who had repeatedly watered down language pertaining to the greenhouse effect, the case went into arbitration. “User William M. Connolley strongly pushes his POV with systematic removal of any POV which does not match his own,” his accuser charged in a written deposition. “His views on climate science are singular and narrow.” A decision from the arbitration committee was three months in coming, after which Connolley was placed on a humiliating one-revert-a-day parole. The punishment was later revoked, and Connolley is now an admin, with two thousand pages on his watchlist—a feature that enables users to compile a list of entries and to be notified when changes are made to them. He says that Wikipedia’s entry on global warming may be the best page on the subject anywhere on the Web. Nevertheless, Wales admits that in this case the system failed. It can still seem as though the user who spends the most time on the site—or who yells the loudest—wins.

    http://www.newyorker.com/magazine/2006/07/31/know-it-all

    Die technischen Möglichkeiten allein garantieren noch keinen praktischen Nährwert.

  24. #24 Thilo
    4. Mai 2017

    Eine Selbstdarstellung der Autoren des oben beschriebenen Werkes: http://images.math.cnrs.fr/Topologie-algebrique-des-varietes.html?lang=fr

  25. #25 Frank Wappler
    http://free.wikipedia.now
    8. Mai 2017

    Karl Mistelberger schrieb (#23, 29. April 2017):
    > Die neuen Möglichkeiten sind nicht ganz unproblematisch: […]
    > “[These] views on […] are singular and narrow.” […]

    Sofern

    – die angesprochenen Ansichten auffindbar (verwikilinkbar) benannt und dargestellt sind,

    – die oben zitierte Einschätzung sich auffinden und verwikilinken lässt (insbesondere als
    [[…#Kritik|Kritik der besagten Ansichten]]), und

    – die bzw. alle gegenteilige(n) Ansicht(en) ebenfalls auffindbar (verwikilinkbar) benannt und dargestellt sind (und dabei wiederum

    Gelegenheit zur Darstellung von jeweiliger eventueller [[…#Kritik]] bieten),

    ergäbe sich doch zumindest eine enzyklopädische Darstellung.

    > It can still seem as though the user who spends the most time on the site -— or who yells the loudest —- wins.

    Zweifellos würden sich manche Nutzer als Verlierer vorkommen, wenn sie sich dazu gezwungen sähen und permanent damit abfinden sollten,
    Ansichten zur Kenntnis nehmen zu müssen, die bestimmten anderen (insbesondere eigenen) kritisch gegenüberstehen bzw. gegenteilig sind;
    oder die eigenen Ansichten bzw. Kritiken (so “singular and narrow” sie von anderen auch eingeschätzt werden mögen) sogar überhaupt
    nicht auffindbar (verwikilinkbar) zu benennen und darzustellen.

    Die (neuen?) Möglichkeiten,

    – dass sich einzelne Nutzer wahlweise nur solche enzyklopädischen Inhalte anzeigen lassen können, die sie zur Kenntnis nehmen wollen,

    – und natürlich auch wahlweise Wikilinks für sich darin so setzen können, dass nicht aus der selbstgewählten Teilmenge der Enzyklopädie hinausführen,

    – und diese selbstgewählten [[User:Options]] wiederum auffindbar (verwikilinkbar) zu benennen und darzustellen …

    … sind diesbezüglich nicht ganz uncharmant.