IMG_0839

In Toulouse, wo ich gerade an einer 3-wöchigen Sommerschule über “quasi-isometrische Starrheit” (einem Thema der geometrischen Gruppentheorie) teilnehme, gibt es im Rathaus bekanntlich eine Büste Pierre de Fermats, der dort ja als Jurist und Abgeordneter gearbeitet hatte.
Grund genug für einige der Teilnehmer der Sommerschule, sich das Kapitol und auch die anderen dort aufgestellten Büsten anzuschauen. Einem taiwanesischen Doktoranden fiel dabei auf, dass es im Kapitol anscheinend noch einen weiteren Mathematiker gibt: Guillaume Maran, der wie im Bild oben zu sehen als Mathematiker ausgestellt wird.
Bemerkenswerterweise kennt weder Google noch sonst jemand einen Mathematiker dieses Namens. Grund genug für eine Anfrage bei Mathoverflow und nach weiteren Anfragen und Diskussionen (die man unter dem mo-Link findet) scheint das Rätsel nun geklärt:
die ursprünglich 1674 aufgestellten Büsten waren bei einem Feuer zerstört und deshalb 1892 neu gefertigt worden. Dabei hat man dann offenkundig bei den Untertiteln etwas verwechselt, statt Emmanuel Maignan (Bild unten) wurde Guillaume Maran zum Mathematiker, obwohl er nie irgend etwas in Richtung Mathematik oder Naturwissenschaften geschrieben hatte.
Und bis zur diesjährigen Sommerschule über quasi-isometrische Starrheit blieb dieser Fehler 125 Jahre lang unbemerkt.
IMG_0843
IMG_0852
Salle Henri Martin: ganz links Fermat, rechts Maran

Kommentare (6)

  1. #1 rolak
    8. Juli 2017

    Klarer Fall von quasi-programmatischer Sturheit.

    Aufgeklärt durch <NN> und die Detektive.

  2. #2 Alexander
    10. Juli 2017

    Toulouse, Sommer, quasi-isometrische Starrheit – gibts noch was Schöneres? Was sind denn die neusten zentralen Resultate, wichtigsten Techniken und Ideen? Wie stehts mit der quasi-isometrische Starrheit für modulare Gruppen, für Teichmüller-Räume und für symmetrische Räume? Schade, dass wir nicht dabei sein können.

  3. #3 Thilo
    10. Juli 2017

    Hmm, die Methoden und Ergebnisse bzgl. quasi-isometrischer Starrheit von Abbildungsklassengruppen sollten unter Lesern mit rheinländischer IP doch eigentlich bekannt sein :-)

  4. #4 Alexander
    11. Juli 2017

    Jetzt sitze ich in meinem Garten am Rhein und schaue mich darin um. Vor einigen Jahren habe ich mir einen Apfelbaum (aus der hiesigen Gärtnerei) gekauft. Leider trug der keine Früchte. So habe ich sein “weibliches” Gegenstück noch erworben, was man gut als symmetrische Ergänzung betrachten kann. Und als ich schon mal da war, und ich ein großer Fan von nichtindustriell hergestellten Lebensmitteln bin, habe ich noch einen Pfirsich- und einen Pflaumenbaum gekauft. Der Pfirsichbaum hat den sonnigsten Platz bekommen und auch die Winter überstanden. In diesem Jahr trägt der erste Apfelbaum 12 Äpfel, der andere 6, der sogenannte Pflaumenbaum hat 2 (mickrige) Äpfel und sogar der Pfirsichbaum hat einen. Da habe ich von den 12 Äpfeln alle möglichen Untergruppen gebildet und schön im Kreis auf die Untergruppen des anderen abgebildet, und auch auf die beiden Pflaumenäpfel, nur beim Pfirsichbaum war mir das doch zu trivial. Geht das in Toulouse besser?

  5. #5 Hanno
    17. Juli 2017

    Um auf Anhieb zu funzen fehlt dem MO link, vor dem doppelten Slash, ein Doppelpünktchen ..

  6. #6 Thilo
    17. Juli 2017

    Ist erledigt.