Jan E., Dr. rer. nat., wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für forensische Genetik am Institut für Rechtsmedizin des UKSH

Jan ist seinem durch einen Vortrag geweckten Interesse an forensischer Genetik sehr konsequent gefolgt – immerhin hat er dafür ein Fach, auf das er schon länger gewartet hatte, sausen lassen – indem er zunächst naturwissenschaftliche Forensik studiert und seine Bachelorarbeit gleich zu einem forensischen Thema an einem Institut für Rechtsmedizin geschrieben hat. Seine Lücken in Molekularbiologie und Genetik, die der Bachelorstudiengang leider mit sich brachte, hat er durch ein Masterstudium gefüllt, ist aber für die Doktorarbeit in die forensische Genetik/Rechtsmedizin zurückgekehrt. Er war bereit, dafür seine Heimatregion zu verlassen und erst weit in den Osten und dann hoch in den Norden zu ziehen. Er hat gerade seinen Dr. fertig, aber durch seine inzwischen jahrelange Erfahrung in forensischer Genetik mit Spezialkenntnissen in molekularer Ballistik war er der ideale Kandidat für eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Rechtsmedizin des UKSH.

“Getreu dem Motto „Nur die inneren Werte des Menschen zählen“, welches ich als Abiturientin in mein Jahrbuch kritzelte, begab ich mich nach meinem Schulabschluss, mit der genauen Vorstellung Päläogenetikerin zu werden, auf Studienplatzsuche. Ziemlich schnell musste ich feststellen, dass solche Studiengänge wie „Forensik“ und „Anthropologie“ im deutschen Bildungssystem nur selten vorkommen oder aber die Jobchancen in den Bereichen nicht gutstanden. Also startete ich ein allgemeines Biologiestudium und spezialisierte mich im Hauptstudium, um meinem Traum näher zu kommen, auf die Fächer Genetik und Anthropologie. Im Rahmen der Vorlesungen in diesen Schwerpunktfächern wurden auch Themen aus dem Bereich der Forensik angeschnitten. Ich wurde neugierig und besuchte alle Vorlesungen, die vom Institut für Rechtsmedizin angeboten wurden, und belegte Rechtsmedizin sogar als nicht-biologisches Prüfungsfach (ja, im Diplomstudiengang war sowas noch möglich!). Nach längerer Wartezeit konnte ich sogar einen der raren und heiß begehrten Praktikumsplätze im DNA-Labor am Institut für Rechtsmedizin ergattern. Mit viel Eigenengagement und langem Atem konnte ich nach zahlreichen Bewerbungen (und ebenso vielen Absagen aus Kapazitätsgründen) eine Zusage für ein weiteres Praktikum im Bereich der forensischen Entomologie verbuchen. Das war der game changer: Das Praktikum mündete in eine Diplomarbeit am selbigen Institut und diese wiederum verhalf mir zu meiner Promotionsstelle in der Forensischen Genetik in einem anderen renommierten Institut. Mittlerweile schaue ich auf über zehn Jahre Erfahrung im Bereich der Forensik zurück und bin überzeugt, dass wohl doch nicht nur die inneren Werte zählen! Vielmehr verhalf mir eine Mischung aus Hingabe für die Forensische Genetik (um es mit den Worten eines Kollegen zu sagen „Ich liebe Elektropherogramme.“), Netzwerk, das ich mir in den Jahren im Fach aufgebaut habe, (die Gruppe der Forensiker ist sehr familiär) und sorgfältiger Arbeit gepaart mit dem Quäntchen Glück – über Umwege – letztlich doch an mein Ziel zu gelangen!”

Galina K., Dr.rer.nat., Sachverständige für forensische DNA-Analyse in einer amtl. Kriminaltechnikstelle

Galina hat Ihre gesamte Ausbildung/Studium auf eine Karriere in der forensischen Biologie (später: Genetik) ausgerichtet und zum frühestmöglichen Zeitpunkt (Diplomarbeit) bereits Kontakt mit dem Feld aufgenommen. So konnte sie auch eine Promotionsstelle mit einem forensisch-genetischen Projekt an einem Institut für Rechtsmedizin bekommen, nach Abschluß derer und mit bereits jahrelanger Erfahrung ausgestattet sie sich mit sehr guten Chancen auf entsprechende Stellen bewerben konnte. Auch Galina mußte aber mehrfach den Ort wechseln, um zu promovieren und später im Beruf arbeiten zu können. Sie hat die Rechtsmedizin verlassen und ist seit mehreren Jahren auf ihrer jetzigen Stelle im “Amt”.

“Dass ich mal in der Rechtsmedizin lande, hätte ich mir nach der Schule auch nicht träumen lassen. Schon allein, weil ich gar nicht wusste, was das eigentlich ist. Klar, “Quincy” war bekannt, aber da hörte mein Wissen zur Forensik auch auf.

Ich hatte in der Schule viel Spaß an Naturwissenschaften und dabei ganz besonders an Biologie. Deshalb hatte ich mich schon ab etwa der 10. Klasse für ein Bio-Studium entschieden. Nach meinem (eher mittelmäßigen) Abi wurde ich von der ZVS an die Uni Göttingen verteilt, was für mich als Küstenkind ein wenig sonderbar war…so weit weg von Strand und Meer. Aber es gibt ja kein schöner Leben als Studentenleben, weshalb ich dann schnell festgestellt hab, dass der Studienort eher nebensächlich ist 😉

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Kommentare (7)

  1. #1 H. Auwärter
    08/08/2021

    Hammer! Vielen Dank an Sie alle, dass Sie Ihre Geschichte aufgeschrieben haben und viel Glück an die, die noch nicht angekommen sind!

  2. #2 Dr. Webbaer
    08/08/2021

    Ischt sicherlich “Hardcore”, naturwissenschaftliche Anwendung meinend, auch nicht immer appetitlich, Dr. Webbaer mag auch Einschätzungen wie gleich ganz oben beigebracht : ‘Die Arbeit ist zutiefst sinnerfüllt, weil er keinen diffusen, sondern sehr konkreten und hohen Anliegen wie beispielsweise der Aufklärung von Straftaten oder der Identifizierung von Verstorbenen dient.’
    Allen viel Erfolg!

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer

  3. #3 Aspirant
    09/08/2021

    von mir auch großes Dankeschön.
    Ganz schwer, über diesen Beruf was zu finden, hier an der Uni weiss kaum einer was und ein Praktikum zu bekommen ist ziemlich schwer.
    Hat auf jeden Fall geholfen, mir ein Bild zu machen und über Möglichkeiten nachzudenken!

  4. #4 Aspirant
    09/08/2021

    P.S.: grüsse gehen raus an den Olli – voll sympathischer Kerl 🙂

  5. #5 Cornelius Courts
    11/08/2021

    Es gibt noch einen Nachtrag: ich habe noch die Geschichte von Eva, meiner ersten Doktorandin, eingefügt. Danke Eva, für’s Teilen!

  6. #6 Gasterosteus
    12/08/2021

    Yey, den Beitrag von Eva hatte ich schon vermisst.
    Schön, die vielen Beiträge zu lesen.

  7. #7 Cornelius Courts
    04/03/2025

    Es gibt nun einen weiteren Nachtrag: Christopher hat es geschafft, NACH der Doktorarbeit ins Feld zu wechseln und ist nun an einem LKA beschäftigt. Es gibt also auch Hoffnung für die Post-Docs da draußen (heißer Tip: vorher ein Praktikum im Feld machen ;))