Manchmal schaff’ ich es einfach nicht, das Maul zu halten – selbst wenn ich lange mit mir darum ringe. Wie zum Beispiel beim Thema des “konzeptionellen Penis”, der sowohl bei Joseph Kuhns Gesundheits-Check als auch bei Cornelius Courts in BlooD’N’Acid lange Kommentarstränge produziert. Details mögt Ihr bitte dort nachlesen. Doch obwohl ich mich da raushalten wollte, platzt es nun aus mir raus: Ich habe mich selten so fremdgeschämt (tolles Wort, so etwas könnte man im Englischen auch gebrauchen) wie aus diesem Anlass. Aber nicht etwa für die dabei scheinbar “bloßgestellten” Gender-Studien; auch nicht für das dabei blamierte Bezahl-Journal Cogent Social Sciences, das sich zwar für diese Peinlichkeit entschuldigt/verteidigt, aber sowieso als Bezahl-Journal nicht allzu viel Ehre zu verlieren hat (das ist meine persönliche Ansicht, die ich hier schon mal umrissen hatte).

Nein, fremdgeschämt habe ich mich zuallererst (und tue es immer noch) für die Autoren dieses fingierten Papers, Peter Boghossian und James A. Lindsay, ersterer ein Philosophie-Assistenzprofessor an der Portland State University in Oregon, letzterer ein Autor mit (nach eigenen Angaben) einem wissenschaftlichen Hintergrund in Physik und einem Doktortitel in Mathematik. Beide sind aktive Atheisten (das erwähne ich deshalb, weil es sowohl Boghossian als auch Lindsay sehr wichtig zu sein scheint). Mit den Prinzipien des wissenschaftlichen Arbeitens sollten beide also sehr gut vertraut sein.

Und was gibt’s da zu schämen? Allerlei. Fangen wir damit an, dass sie aus irgend einem Grund den Drang verspürten, eine ihnen nicht unbedingt vertraute akademische Disziplin, in diesem Fall die “Gender Studies”, auf ihre Wissenschaftlichkeit zu testen. Und um dieses zu tun, statuieren sie ein Exempel, das eher offenlegt, wie wenig sie selbst von Wissenschaftlichkeit halten. Anstatt publizierte Aufsätze in dem Feld zu analysieren (kann man sicher machen – macht aber Mühe), verfassten sie einen absurden und ihrer Meinung nach völlig sinnleeren Text – dessen “Sinnleere” aber dadurch definiert wird, dass er das Vokabular und vermutlich auch logisch-argumentative Konstruktionen der Gender-Studien nachäfft. Das ist eine zirkuläre “Definition” und als solche schon peinlich genug.

Aber es geht weiter: Diesen Aufsatz reichen sie dann zur Veröffentlichung bei einem Fachjournal ein – wo er prompt abgelehnt wird. Übersetzen wir das mal ins Vokabular eines wissenschaftlichen Versuchs: Sie produzieren ein Experiment mit n = 1; es gibt allein im Zeitschriften-Katalog des Massachusetts Institute of Technology – einer primär technischen Hochschule!,wo ich arbeite und daher leichten Zugriff habe, runde 60 Publikationen mit dem Wort “Gender” im Titel. Ein größeres n wäre also ganz leicht realisierbar gewesen.

Doch die erkorene Publikation lehnt ab – das Experiment wäre daher bestenfalls als gescheitert zu bezeichnen, man könnte aber sogar sagen, die Hypothese, dass man in den Gender-Studien jeden Scheiß veröffentlichen kann, wurde zu 100 Prozent widerlegt. Dass Boghossian und Lindsay diese Studien dann mit einem zweiten Journal wiederholen, ist im Kern nichts anderes als “p-Hacking” – der Versuch wird so lange wiederholt, bis man das gewünschte Resultat hat. In diesem Fall ist es aber nicht mal das echte Resultat, sondern es wird durch den Umstand kontaminiert, dass dieser Test mit einem Bezahl-Journal durchgeführt wird.

Doch selbst wenn dieser “Versuch” mit größerem n und ohne die verzerrende Payola-Komponente gelaufen wäre – die Hypothese, dass Gender-Studien unwissenschaftlichen Unsinn produzieren, bewiese das dennoch nicht. Dazu müsste schon der Korpus dessen, was bereits veröffentlicht wurde, analysiert werden. Denn Unsinn wird in praktisch allen Disziplinen veröffentlicht (erinnert sich noch jemand an die überlichtschnellen Neutrinos?) Ein besonders schönes Beispiel hierfür wäre der Beitrag Get me off Your Fucking Mailing List, der praktisch nur aus diesen permanent wiederholten sieben Worten besteht – und dennoch, mit dem Reviewer-Prädikat “exzellent”, im International Journal of Advanced Computer Technology veröffentlicht wurde. Sind deswegen alle Paper zur Computertechnologie Unsinn? Ist diese Fragestellung selbst nicht offensichtlicher Unsinn?

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Kommentare (88)

  1. #1 Laie
    30. Mai 2017

    Nun staune ich über den folgenden Fakt

    Aber, so höre ich manchmal, die naturwissenschaftlichen Experimente seien denen der Humanwissenschaftler eindeutig darin überlegen, dass sie kontrollierbar und jederzeit wiederholbar seien. Hmmm… wer so argumentiert, hat offenbar noch nichts von der Replication Crisis gehört: Wie nature vor einem Jahr offenlegte, haben 70 Prozent von 1500 befragten NaturwissenschaftlerInnen Probleme damit, die Resultate anderer ForscherInnen zu reproduzieren – und immerhin die Hälfte konnte noch nicht mal die eignenen Resultate wiederholen! Und das liegt, wie ein älterer Artikel von John Ioannidis schon offen legte, nicht daran, dass die Reproduzierenden nicht wissen, was sie tun – sondern daran, dass <b<70 Prozent der Resultate falsch sind!

    70% ist viel, das sagt mit anderen Worten aus, viele oder die meisten Studien sind Mist. Ja wie geht denn das?

    Das tut schon weh…., ich würd ja nix sagen, wenns blos 1%-2% wären.

  2. #2 Peter
    Freiburg
    30. Mai 2017

    Guten Tag
    Ich stimme Ihnen in dem Belangen zu, dass diese Beipiel nicht als Beleg für irgendwas taugt und m.M. hätte das in jedem Wissenschaftsbereich änlich geschehen können. Wo ich Ihnen nicht zustimme, ist die Idee, dass das Gros glaubt, dass Geisteswissenschaften weniger wissenschaftlich sind. Vielmehr kann die wissenschaftlich interessierte Szene durchaus unterscheiden zwischen seriös und unseriös (natürlich immer mit einzelnen Ausnahmen in Kommentarbereichen). Und jetzt zu meiner These, die man auch gerne anzweifeln darf: Grad eben, weil es in Geisteswissenschaften meist ausserordentlich schwierig und aufwändig ist, die seriös zu belegen, senken die Universitäten und Papers im Durchschnitt die Ansprüche an deren Publikationen, im Gegensatz zu anderen Wissenschaften. Das ist mein Bauchgefühl, welches ich regelmässig bestätigt sehe.
    Und dann kommen noch die Genderstudies, die ich bisher in allem was ich gelesen habe, nicht ernst nehmen kann. Es ist schlicht unwissenschaftlich, ein politisches Thema zu setzen und dann eine Wissenschaft darum zu konstruiieren, um dem politischen Thema mehr Gewicht zu geben. Es muss doch auch möglich sein ganze Teilbereiche der Wissenschaft kritisieren zu dürfen, immerhin hat die Geschichte der Wissenschaft schon so manchen Unsinn versucht wissenschaftlich zu Belegen.
    Freundliche Grüsse
    Peter

  3. #3 MartinB
    30. Mai 2017

    Danke.

  4. #4 ralph
    30. Mai 2017

    @Peter
    “weil es in Geisteswissenschaften meist ausserordentlich schwierig und aufwändig ist, die seriös zu belegen, senken die Universitäten und Papers im Durchschnitt die Ansprüche an deren Publikationen”
    das Bauchgefühl teile ich, Genderstudies mal ausgeklammert. Die werden nach und nach wieder verschwinden, die wenigen substantiellen Beiträge und finden mühelos ihren Platz in den traditionellen Wissenschaften.

  5. #5 Volker Birk
    https://blog.fdik.org
    30. Mai 2017

    Herzerfrischend 😉 Über die letzte Frage könnte man übrigens eine sozialwissenschaftliche Arbeit schreiben…

  6. #6 Cornelia S. Gliem
    Korbach
    30. Mai 2017

    Danke für Ihren Kommentar, Ihre Analyse. Mir war auch …sozusagen unbehaglich bei dem Hype um den Penis-Artikel und die generelle Gender-Schelte. Und die Hybris vieler (klar nich aller) naturwissenschaftler und die schon missionarisch zu nennenden Tiraden gegen die Genderwissenschaften sind echten Wissenschaftlern nicht würdig.
    Viele scheinen auch Gender-Politik und Gender-Karikatur mit dem eigentlichem Gender-Fachbereich gleichzusetzen. Als wäre etwa Atomphysik, Atomkraft-nein-Danke und Hiroshima eins…

  7. #7 Joseph Kuhn
    30. Mai 2017

    @ Peter:

    “senken die Universitäten und Papers im Durchschnitt die Ansprüche”

    Wie senken die Universitäten Ansprüche an Publikationen? Gibt es eine zentrale Niveausteuerung in der Uni-Verwaltung? Machen die das mit Skalarwellen?

    “Es muss doch auch möglich sein ganze Teilbereiche der Wissenschaft kritisieren zu dürfen”

    Unbedingt, aber auf korrekte Weise und nicht aus dem Bauch heraus.

    Dann kann man z.B. mit dem oben erwähnten John Ioannidis oder der Initiative “increasing value, reducing waste” die begründete und nachvollziehbare These formulieren, dass in den Kernbereichen der Biomedizin einiges im Argen liegt.

    Und wenn man mit einer nachvollziehbaren Methode für die Genderwissenschaften/Genderstudies zum gleichen Befund kommt, kann man darüber nachdenken, was das bedeutet. Ich persönlich habe weniger Probleme damit, wenn jemand Unsinn über Geschlechterrollen in der Literatur des 17. Jahrhunderts schreibt als über die Wirkung eines Herzmittels.

    Wenn ich – Vorsicht: anekdotische Evidenz – meine Erfahrungen aus Diskussionen mit Homöopathen, Impfgegnern, leidenschaftlichen Rauchern, Bayern München-Fans usw. verallgemeinere, komme ich zu dem Schluss, dass die spontane, rigide und argumentativ kaum auflösbare Frontenbildung beim Genderthema damit zu tun hat, dass hier die Selbstwahrnehmung und Selbstvergewisserung vieler Leute ins Spiel kommt und daher auch andere Dinge verteidigt werden als nur wissenschaftliche Standards. Ein schönes Thema für Genderstudies übrigens.

  8. #8 Rene F.
    30. Mai 2017

    @Hr. Kuhn

    “Wie senken die Universitäten Ansprüche an Publikationen? Gibt es eine zentrale Niveausteuerung in der Uni-Verwaltung? Machen die das mit Skalarwellen?”

    Sie müssen da keine Verschwörungstheorie entwicklen oder ins Metaphysische abdriften. Die “Niveausteuerung” dürfte ähnlich implizit vor sich gehen wie beim Niveau- und Anspruchsunterschied zwischen medizinischen und sonstigen (MINT…) Doktorarbeiten.

  9. #9 Dichter
    30. Mai 2017

    Peter, Joseph Kuhn,
    ……Kritik an der Kritik,
    normalerweise halte ich mich aus solchen Diskussionen heraus. Peter muss ich unterstützen, weil er in einer verständlichen Sprache schreibt.
    Ich bin als Laie schon froh, wenn ich Aussagen nachvollziehen kann, ohne jetzt auf den Wahrheitsgehalt der Aussage zu achten. Andere Stellungnahmen sind vielleicht vom Wahrheitsgehalt richtig, aber ich kann sie sprachlich nicht mehr verstehen. Hat denn niemand Mitleid mehr mit dem Durchschnittsmenschen und dessen Abstraktionsfähigkeit? deswegen haben doch die Demagogen solchen Zulauf, die versteht man noch.

  10. #10 Alisier
    30. Mai 2017

    Ein großes Danke auch von mir.
    Über den Fakt, dass manche in letzter Zeit dann auch noch verstärkt ihren Atheismus raushängen lässen, wenn sie pöbeln oder feixen, könnte und sollte man ebenfalls was schreiben.
    Früher dachte ich, Atheisten seien größtenteils recht vernünftig und bedacht. Ich musste meine Ansicht inzwischen revidieren.

  11. #11 Joseph Kuhn
    Im Urlaub
    30. Mai 2017

    @ Rene F.:

    Ich wüsste nicht einmal, wie man sich einen validen Vergleichsmaßstab zwischen Arbeiten aus der Mediävistik und der Teilchenpyhsik vorzustellen hätte, und ich glaube auch nicht, dass viele von den Kritikern der Geisteswissenschaften auch nur eine Arbeit aus der Mediävistik gelesen haben. Oder zur linguistischen Übersetzungstheorie, der Analyse des Gettier-Problems oder was auch immer. Das würde alles Arbeit machen, die psychologische Funktion der Abwertung der Geisteswissenschaften aus der eigenen Identitätsburg heraus erschweren – und überhaupt weniger Spaß machen als aus dem Bauch heraus was rauslassen. Wie schon nebenan bei CC gesagt: man kann die science wars auch als Farce nachstellen.

  12. #12 MartinB
    30. Mai 2017

    Für alle, die Interesse haben, wie Geisteswissenschaften (in diesem fall Literaturwissenschaften) funktionieren, verweise ich mal auf diese sehr interessante Diskussion (Achtung Eigenwerbung):
    http://scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen/2012/04/03/literaturwissenschaft-vorlesungen-und-trivialitaten-eine-kleine-polemik/?all=1#comment-9968
    Natürlich wird in der Geisteswissenschaft anders argumentiert/belegt als in der Naturwissenschaft oder der Mathematik.

  13. #13 RPGNo1
    30. Mai 2017

    @MartinB
    Danke für den Link. Ich werde mir den Artikel in einer ruhigen Stunde gerne durchlesen.

  14. #14 MartinB
    30. Mai 2017

    @RPGNo1
    Es geht nicht so sehr um den Artikel sondern um Neles sehr nachvollziehbare Erklärungen in den Kommentaren. (Danach gibt es dann noch ne Diskussion zwischen WolfgangK und mir…)

  15. #15 Rene F.
    30. Mai 2017

    @Hr. Kuhn

    “Ich wüsste nicht einmal, wie man sich einen validen Vergleichsmaßstab zwischen Arbeiten aus der Mediävistik und der Teilchenpyhsik vorzustellen hätte”

    Ein Kriterium zum Vergleich könnte der (zeitliche) Aufwand sein, den man in eine Promotion stecken muss.

    Ich benötigte für meine wissenschaftliche knapp sechs Jahre (zugegeben nicht in Vollzeit), medizinische können teilweise in 1-2 Semestern erstellt werden.

    Wenn man mal davon ausgeht, dass die Mediziner im Durchschnitt nicht so recht viel schlauer sind oder effizienter arbeiten als die Naturwissenschaftler und deswegen wesentlich weniger Aufwand reinstecken müssen, ergeben sich zwangsläufig die öffentlich breit diskutierten Kritiken am Wert der medizinischen Promotion in Deutschland

  16. #16 Chemiker
    30. Mai 2017

    das dabei blamierte Bezahl-Journal Cogent Social Sciences, das sich zwar für diese Peinlichkeit entschuldigt/verteidigt, aber sowieso als Bezahl-Journal nicht allzu viel Ehre zu verlieren hat

    Das finde ich ziemlich höflich ausgedrückt, ich sehe in dieser „Entschuldigung“ einen Text, der stilistisch und inhaltlich irgendwo zwischen dem Sermon eines von Haus­tür zu Haus­tür pilgernden Teppich­verkäu­fers und der Rede eines Studenten liegt, der dem As­sisten­ten gerade er­klä­ren will, warum der Hund die Haus­arbeit ge­fres­sen hat.

    Der dritte Absatz (“Instead, upon rejection it was inadvertently referred …”) zeigt das sehr deutlich. Zuerst eine diffuse Ausrede und dann mehrere Sätze Lob für die eigenen Fea­tures, in typischer marketroid speech. Was wirklich vor­gefal­len ist, erfahren wir nicht. Gleicher­maßen später, wenn es um die Reviewer geht (“although the two reviewers had relevant research interests, their expertise did not fully align with this subject matter”) sehe ich nur Eu­phemis­men und Bullshıt — einen kompletten Non­sense-Artikel erkenne ich doch in jedem Teil­bereich der Chemie, auch wenn ich nur in einem pro­moviert habe.

    Aus demselben Grund hätte auch das originale Magazin NORMA etwas heftiger reagieren müssen als mit einer freund­lichen Stan­dard-Ab­leh­nung. Zwischen einer mutwilligen Parodie und einem über­forder­ten Autor zu unter­schei­den muß einem Fach­journal immer möglich sein.

    Den Schluß, daß die Zeitschrift Käse ist, kann man aus dem Vorgefallenen schon ziehen. Weiter zu gehen ist natürlich nicht möglich — dazu hätte es einer echten Ver­suchs­reihe bedurft, und so etwas ist zwar schon gemacht worden, war aber für offen­bar für Boghossian und Lindsay zu viel Arbeit.

  17. #17 Michael
    30. Mai 2017

    @ #14

    “Natürlich wird in der Geisteswissenschaft anders argumentiert/belegt als in der Naturwissenschaft oder der Mathematik.”

    Zum Totschießen komisch. Sind Sie Komikerin?

  18. #18 Joseph Kuhn
    30. Mai 2017

    @ Rene F:

    “medizinische können teilweise in 1-2 Semestern erstellt werden”

    Wobei die Medizin herkömmlicherweise nicht zu den Geisteswissenschaften gerechnet wird. Näme tatsächlich die Promotionszeit als Vergleichsmaßstab, würden vermutlich die Historiker aufgrund ihrer meist gründlichen und aufwändigen Quellenarbeit sowie Fächer mit vielen schlecht betreuten Promovenden, die’s nicht hinkriegen, richtig toll abschneiden. Marxisten würden Letzteres vielleicht über das Konzept der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit korrigieren, aber für die Umetikettierung der Medizin, damit das als Argument hier funktioniert, habe ich erst mal keine Lösung anzubieten.

  19. #19 Joseph Kuhn
    30. Mai 2017

    … spendiere dem “näme” noch ein “h” …

  20. #20 ich
    Hamburg
    30. Mai 2017

    Was die Kritik am “wissenschaftlichen” Vorgehen der Penis-Autoren angeht, hat der Autor dieses Artikels ja durchaus Recht.

    Er verkennt jedoch mit seiner Schlussfolgerung “Fremdschämen” mindestens eine weitere Ebene des “Hoax”. Boghossian / Lindsay haben halt nicht nur im Text selber, sondern auch im Vorgehen exakt einen typischen Modus Operandi aus den Gender Studies kopiert. “Autoethnographien”, Anecdotal Evidence, Befragungen im kleinsten, persönlichen Umfeld der “Forscher”, “wissenschaftliche Arbeiten” auf dem Niveau einer Zeitungskolumne,…. Ideologisch vorgegebene Ergebnisse, die durch die resultierenden Papers dann “bestätigt” werden, aber fern jeder erlebten Realität sind und so aus einer Laune heraus den vielfach bestätigten Erkenntnissen anderer Wissenschaftsbereiche widersprechen, ohne dass Autoren sich mit den entsprechenden Belegen überhaupt beschäftigt haben.…

    Und wenn kein ernstzunehmendes Journal so einen Bullshit freiwillig veröffentlicht, bezahlt man halt dafür oder gründet mit gleichgesinnten gleich eine eigene Publikation.

    Perfekter Hoax auf allen Ebenen.

  21. #21 Lulu
    30. Mai 2017

    @ich

    “Autoethnographien”, Anecdotal Evidence, Befragungen im kleinsten, persönlichen Umfeld der “Forscher”, “wissenschaftliche Arbeiten” auf dem Niveau einer Zeitungskolumne,…. Ideologisch vorgegebene Ergebnisse, die durch die resultierenden Papers dann “bestätigt” werden, aber fern jeder erlebten Realität sind und so aus einer Laune heraus den vielfach bestätigten Erkenntnissen anderer Wissenschaftsbereiche widersprechen, ohne dass Autoren sich mit den entsprechenden Belegen überhaupt beschäftigt haben.…

    Hast du Beispiele?

    In den Gender Studies gibt es durchaus auch schlechte Forschung. Wie in jeder anderen Wissenschaft auch. Zum Beispiel sind 70% der Resultate in den Naturwissenschaften falsch. (Belege dazu kannst du dem Blogbeitrag entnehmen). Das scheint aber kein Problem darzustellen. Warum dann bei Geistes- und Sozialwissenschaften (und Gender Studies im Besonderen)?

  22. #22 roel
    30. Mai 2017

    @Jürgen Schönstein Auch von mir ein dickes Dankeschön!

    Dies ist eine seltene Gelegenheit die Behandlung eines Themas durch 3 verschiedene Scienceblogger zu vergleichen. Es ist interessant, wie sich die Standpunkte der Blogger unterscheiden und wie die KommentatorInnen auf verschiedene Weise darauf reagieren. Entlarvend für diejenigen, die sich bei ihrer Beurteilung einer Wissenschaft nicht im geringsten an wissenschaftlichen Standards orientieren, diese sogar weitgehend aufgeben. P-Hacking – egal; n=1 – was soll’s; Ablehnung durch das erste Journal – na und; Veröffentlichung in einem Bezahl-Journal – so what; falsche oder gefälschte Studien in anderen Bereichen – nicht vergleichbar.

    Ich bin gespannt, wie sich diese Diskussionen auf scienceblogs weiter entwickeln.

  23. #23 ich
    30. Mai 2017

    @Lulu: Es gibt da z.B. diesen Twitter-Account, @RealPeerReview, der einen konstanten Strom an Beispielen liefert. (Dass der sicherlich keine repräsentative Auswahl bietet, ist mir sehr wohl bewusst.)

    “Zum Beispiel sind 70% der Resultate in den Naturwissenschaften falsch.” – Hmm, vor allem ist diese Aussage falsch. “70% der Naturwissenschaftler konnten mindestens einmal ein Experiment nicht reproduzieren” ist ganz sicher nicht äquivalent zu “70% aller naturwissenschaftlichen Experimente sind nicht reproduzierbar”. Außer jeder Naturwissenschaftler probiert in seinem ganzen Leben exakt 1x, ein Experiment zu reproduzieren.^^

    Desweiteren ist die Frage nicht, ob in irgendwelchen Disziplinen Fehler auftreten – das ist mit Sicherheit überall der Fall – sondern wie damit umgegangen wird. Und bei den Gender Studies hat man halt den Eindruck, es handelt sich eher um eine Studienrichtung vergleichbar mit der Theologie, wo bestimmte Dogmen untermauert und nicht hinterfragt werden dürfen, egal wie eindeutig empirische Belege dagegen sprechen.

  24. #24 Hobbes
    30. Mai 2017

    Habe die Kommentare nicht gelesen, nur den Text, also vielleicht wurde es schon erwähnt. Das die beiden Atheisten sind ist aus dem Grunde wichtig, da es ihnen darum ging den Konstruktivismus anzugreifen und nicht speziell Genderstudies. Diese wurden nur genommen weil sich dort einige Bereiche aus dem Kostruktivismus bedienen. Diese sehen die Autoren als Quasireligiöse Argumentationsstruktur.

  25. #25 ich
    30. Mai 2017

    BTW: Hier wird behauptet und mit Belegen untermauert, dass die These “Cogent Social Science” publiziert jeden, der dafür bezahlt, ebenfalls auf wackeligen Füßen steht:

    www youtube com watch?v=bR0ubGDjFo8

  26. #26 Alisier
    30. Mai 2017

    @ Hobbes
    Schön, dass wir endlich mal wieder unterschiedlicher Meinung sind.
    Es ist ihnen deswegen wichtig den Atheismus zu betonen, weil sie immer noch stolz darauf sind, die Gottesgeschichten und -behauptungen der großen Religionen als Mumpitz erkannt zu haben.
    Dass das keine intellektuelle Großleistung ist: geschenkt.
    Jetzt geht es aber weiter: WEIL sie so gut im Erkennen von Mumpitz sind, wissen sie auch ganz genau, dass alles, was mit Gender zu tun hat, ebenfalls Mumpitz sein muss.
    Und alles andere, was sie irgendwie stört selbstverständlich auch.
    Sie haben einfach immer recht, egal ob es nun um Gender, Flüchtlinge, Muslime, oder Wasauchimmer geht.
    Diese Hybris speist sich einzig und allein aus der Tatsache, dass sie einmal etwas richtig erkannt haben, und auch sonst oft ausgewiesene und ernstzunehmende Experten in klar abgegrenzten Gebieten sind.
    Dass sie aber nicht dazu in der Lage sind, zu erkennen, wie eng ihr Weltbild in Teilbereichen ist, rückt sie wieder in die Nähe der Ultragläubigen.
    An sich ein interessantes Phänomen, aber absolut störend, wenn man fair und ergebnisoffen diskutieren möchte.

  27. #27 MartinB
    30. Mai 2017

    @ich
    “hat man halt den Eindruck”
    ist allerdings kein Argument.

    @Alisier
    Echte Skeptiker erkennt man eben daran, dass sie Argumenten gegenüber besonders skeptisch sind, die ihre eigene Meinung stützen. Das ist in der Tat sehr schwer.

  28. #28 Struppi
    30. Mai 2017

    Wenn jemand sagen kann “70% der Veröffentlichungen sind falsch” ist das ein gutes Zeichen. D.h. Es gibt also in den Arbeiten verifizierbare Aussagen und es beschäftigen sich Menschen mit dem Sinn dieser Arbeiten. Im Prinzip also genau das, was die Kritiker an den “Genderstudies” auch möchten. Wenn also 70% der Naturwissenschaftlichen Arbeiten nicht nachvollziehbar sind, wieviele sind es bei den Geisteswissenschaften? Wie läßt sich das messen?
    Dazu müsste zuerst die Arbeitsweise und -ziele exakt definiert sein. Soweit ich mitbekommen habe, ist das schon ein Problem.

  29. #29 ich
    30. Mai 2017

    @MartinB: So ziemlich alles, was unter dem Label “autoethnography” läuft, handelt davon, dass jemand “einen Eindruck hat” und diesen aufschreibt. Also entweder ist das eine valide wissenschaftliche Methode, dann hab ich Recht, oder eben nicht, dann hab ich aus einem anderen Grund Recht. 😉

  30. #30 MartinB
    30. Mai 2017

    @ich
    Ich dachte wir diskutieren hier über Genderwissenschaft, oder ist bei den Geisteswissenschaften eh alles dasselbe?
    Zur Autoethnography kann ich mangels kenntnis nichts sagen, also bewerte ich das auch nicht.

  31. #31 Alisier
    30. Mai 2017

    @ MartinB
    Ist es denn wirklich so selten und anstrengend, dass Menschen sich mit Meinungen, die der eigenen entgegenstehen oder auch nur entgegenzustehen scheinen, beschäftigen?
    Oder in Erwägung ziehen, sie könnten sich eventuell geirrt haben?
    Die Antwort muss dann wohl ein klares Ja sein.
    Wie könnte man das zu ändern versuchen?
    Sisyphus lässt grüßen…..andererseits muss man sich laut Camus Sisyphus als glücklichen Menschen vorstellen.

  32. #32 Frank Wappler
    http://Let.life.be.short--else.shame.will.be.too.long.
    30. Mai 2017

    Jürgen Schönstein schrieb (30. Mai 2017):
    > Wie nature vor einem Jahr offenlegte, haben 70 Prozent von 1500 befragten NaturwissenschaftlerInnen Probleme damit, die Resultate anderer ForscherInnen zu reproduzieren – und immerhin die Hälfte konnte noch nicht mal die eignenen Resultate wiederholen!

    Der oben verlinkte nature-Artikel (Monya Baker) besagt allerdings wörtlich:

    More than 70% of researchers have tried and failed to reproduce another scientist’s experiments, and more than half have failed to reproduce their own experiments.

    Welcher Prozentsatz der befragten Wissenschaftler hätte wohl einen Unterschied zwischen

    – “Experimenten” (Versuchsanordnungen, Bewertungsoperationen; einschl. der Forderung nach deren Nachvollziehbarkeit, und dem eventuellen Verfehlen dieses Anspruchs) einerseits, und

    – andererseits “Resultaten” (Messwerten, Ergebnissen einzelner experimenteller Versuche; eventuell einschl. der Erwartung der Gleichheit und Wiederholung kommensurater Resultate aus mehreren nachvollziehbaren Versuchen, und der möglichen Enttäuschung dieser Erwartung)

    machen wollen ? …

  33. #33 roel
    30. Mai 2017

    Der Ritter der “progessiven Rechten” antwortet: http://scienceblogs.de/bloodnacid/2017/05/26/der-penis-als-konzept-zwei-herren-spielen-der-genderforschung-einen-streich/#comment-138452

    “Grundsätzlich finde ich das Genderkonzept interessant und die Fragestellung nach sozialen Geschlechterrollen und -identitäten und deren Einfluß auf die Gesellschaft(spsychologie) nicht irrelevant. Wenn sich jedoch in diese Untersuchungen gewisse Präkonzeptionen einmengen, wird es problematisch und Beispiele dafür gibt es nun wirklich zuhauf (ich persönlich vermute, das ist ziemlich genau in dem Maße der Fall, in dem sich die Mengen “GenderforscherIn” und “regressive Linke” überschneiden), das sollten auch die weißen Ritter der Genderforschung, derer es hier auch auf den Sb ja ein paar zu geben scheint und für die mich (fremd) zu schämen ich nicht herablassend genug bin, aufrichtigerweise einräumen.”

  34. #34 Joseph Kuhn
    Bald im Flugzeug
    30. Mai 2017

    @ Alisier:

    Immer wenn es um Einstellungen geht, die nicht einfach nur an Wissen hängen, sondern auch am eigenen Selbstverständnis, wird es schwierig. Aber das haben wir alle gemeinsam, ist doch auch wieder schön.

    @ Struppi:

    Zu den Geisteswissenschaften: Ihnen pauschal Probleme mit der Arbeitsweise zu unterstellen, ist ganz unbesehen schon aufgrund der Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Fächer eine verwegene Aussage. Ich behaupte mal, niemand hier hat einen Überblick über die Methoden “der Geisteswissenschaften”, siehe auch Kommentar #11. Oft werden auch gleich noch die ganzen Sozialwissenschaften mitabgewatscht, und wenn es ganz toll kommt, hält man den Geisteswissenschaften auch noch vor, dass sie mal Popper lesen müssten.

    Da sich die pauschalen Urteile zuverlässig wiederholen und meist auf einem Niveau, das in keinem wissenschaftstheoretischen Propädeutikum durchginge, unterstelle ich eben Motive, die nicht aus der Sache resultieren (die ja niemand prüft, man weiß schon alles), sondern aus der Verteidigung des eigenen Selbstverständnisses.

    ich finde ja, Boghossian/Lindsay haben endlich die genderwissenschaftliche Referenzpublikation geschaffen, die manche Leute immer gesucht haben. Genau so stellen sich manche den Forschungsbereich vor, der Artikel ist die perfekte Projektion ihrer Vorurteile, die sie immer hatten (und, natürlich, jederzeit durch passend herausgesuchte Beispiele belegen können). Wir sollten das konstruktiv wenden und den Artikel behandeln, als sei er wirklich eine Publikation der Genderstudies. Er ist schließlich das ideale Modell dafür. Und wenn die Wirklichkeit anders ist, mein Gott, halten wir’s mit Hegel, umso schlimmer für die Wirklichkeit.

  35. #35 MartinB
    30. Mai 2017

    @Alisier
    Ja, ist es – auch aus eigener Erfahrung.
    Als ich damals zum Thema “Einfluss der Sprache auf das Denken” die “der, die, das”-Artikel geschrieben habe, konnte ich die Tendenz, Artikel, die meine Meinugn bestärken, eher zu glauben und weniger kritisch zu hinterfragen, auch an mir selbst beobachten. Klar bemüht man sich, aber einfach ist es nicht. (Was die hier kritisierten “Skeptiker” allerdings in keiner Weise entlastet, die haben sich nicht mal bemüht.)

  36. #36 Alisier
    30. Mai 2017

    @ MartinB
    Ich denke, dass diejenigen, die selbst die Erfahrung gemacht haben, wie schwer es ist, und dann darüber nachgedacht haben, warum es auch bei ihnen selbst manchmal hakt, wenigstens teilweise davor gefeit sind zu sehr über die Stränge zu schlagen.
    Wer also berserkerhaft und mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein jahrelang immer wieder dieselbe Position verteidigt, dem darf man getrost unterstellen, das Nachdenken sträflich vernachlässigt zu haben.
    @ Joseph Kuhn
    “…ist doch auch wieder schön.”
    Harmoniemonster! Den Ausdruck hast du dir jetzt verdient.

  37. #37 rolak
    30. Mai 2017

    Schöner Text, Jürgen! Es quillt geradezu der mitfühlbare Ärger überall zwischen den Buchstaben hervor…

    diejenigen, die selbst

    Hmmm, Alisier, bei mir hat die Erkenntnis nicht das Loswerden gefördert. Aber dafür einen Beobachter ins Off gestellt, der bei zu schnellem Abnicken von Genehmem über kurz oder ganz kurz ins Denken piekst, Ärger und Frust verbreitet, zeitfressende Arbeit für nötig reklamiert. Hat aber auch ´ne upside: Diese Erleichterung, wenn intensives Nachhaken zum Schluß ‘ok’ kommt, herrlich :-)

    Harmoniemonster

    Ach, ist er der Tremor bei den Disharmonikern?

    <OT> grad kam etwas Wind auf. Sogar mit Anteilen quer zur Wohnung – WarmMuffAbtransport.
    Yay! </OT>

  38. #38 MartinB
    30. Mai 2017

    @ich
    Noch ein Nachtrag:
    Nicht jeder Hammer passt auf jede Schraube, und Higgs-Fabriken werden in der Biologie nicht so oft eingesetzt.
    Dass also das Aufschreiben eigener Erfahrungen und Meinungen in bestimmten Disziplinen zu bestimmten Zwecken eine valide Methode ist (oder sein mag, ich kann’s nicht beurteilen), heißt nicht, dass jede hingehustete Meinung zu jedem Thema schon ein wissenschaftliches Argument ist.

  39. #39 rolak
    30. Mai 2017

    heißt nicht, dass jede hingehustete Meinung zu jedem Thema schon ein wissenschaftliches Argument ist.

    Nur in diesem ganz speziellen Sonderfall, daß die dabei verlautbarte Hypothese ‘ich habe offene TBC’ war und die dann offen daliegenden Körperflüssigkeiten weiterhelfen können.

  40. #40 anderer Michael
    31. Mai 2017

    René F.
    “Medizinische Dissertationen in 1-2 Semestern”!

    Glaube mir, zur Not geht’s noch schneller.
    Mediziner müssen ökonomisch denken und Prioritäten setzen können.

  41. #41 jester
    31. Mai 2017

    Dann stellen wir Geisteswissenschaftler und Naturwissenschaftler eben auf eine Ebene
    … und wo sind die Geisteswissenschaftler, wenn die Demokratie untergraben wird. Hier regte man sich auf, dass Höcke biologischen Unsinn von sich gibt und es keinen Aufschrei unter den Biologen gab.
    Wo bitte sind die Geisteswissenschaftler ? In NRW gabs zahlreiche Wahlmanipulationen, wo Stimmen von Bürgern als ungültig erklärt wurden, weil sie die AfD gewählt haben.
    Die Regeln bezüglich des Präsidiums sollen überarbeitet werden um diese Partei rauszuhalten.
    Sind das demokratische Prinzipien ?
    Warum empört sich darüber kein Geisteswissenschaftler ? … weil es gesellschaftlich akzeptiert ist ? Ich bin kein AfD Wähler, allerdings beunruhigt mich sehr, dass Wahlmanipulation als Bagatelle abgeschrieben wird. Warum sollte ich noch zur Wahl gehen, wenn letztlich der Zählende meine Entscheidung entscheidet. Wir zeigen so großzügig in andere Länder wenn es um Wahlfälschung geht, aber bei uns, pfff.

    fremdschaemen-und-das-kehren-vor-anderen-tueren

  42. #42 anderer Michael
    31. Mai 2017

    Wahlmanipulation in NRW ??????
    Jester ,wo denn ? Bei der Landtagswahl 2017 ?

  43. #43 Rene F.
    31. Mai 2017

    @anderer Michael

    http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/AfD-hat-bei-NRW-Wahl-mehr-Stimmen-geholt

    Wahlfälschungen wie in einem Dritte-Welt-Land:
    Der Einsatz von ausländischen Wahlbeobachtern für die Bundestagswahl ist inzwischen absolut notwendig geworden.

  44. #44 MartinB
    31. Mai 2017

    @ReneF
    und in deinem Artikel steht
    „Das ist nichts, was sich maßgeblich von früheren Landtagswahlen unterscheidet“, berichtete Schellen. Alle Fehler würden korrigiert. „Kein Anlass zur Besorgnis.“

  45. […] für diejenigen die ihn durchgeführt haben und diejenigen die ihn so begeistert feiern (Und Jürgen bei Geografittico beziehungsweise Phil Torres bei Salon.com haben dazu schon alles wesentliche gesagt). Im Laufe der […]

  46. #46 Rene F.
    31. Mai 2017

    @jester

    “… und wo sind die Geisteswissenschaftler, wenn die Demokratie untergraben wird”

    1. Ich befürchte, die Bedeutung des Begriffs “Demoktratie” hat sich stark gewandelt, sodass man jeweils genauer dazu sagen sollte, was man genau meint. Die alten Griechen haben sicherlich etwas anderes darunter verstanden als wir im letzten Jahrhundert oder als den heutigen Zustand.

    2. Geistes- und Sozialwissenschaftler sind überwiegend öffentlich oder staatlich beschäftigt (direkt und indirekt, wie z.B. in der Migrationsindustrie). Eine gewisse Regierungskonformität ist somit Voraussetzung für deren Beschäftigung. Vermeintliche Stabilität – so lange wie es eben geht – ist somit oberste Maxime und da kann über Wahlfälschungen schon mal hinweggesehen werden, wenn es ihnen nützlich erscheint.

  47. #47 Joseph Kuhn
    Bin dann mal weg
    31. Mai 2017

    Auch nett aus dem Artikel:

    “Dafür gab es teilweise auffällig hohe Zweitstimmenergebnisse für die „AD-Demokraten“, die auf dem Stimmzettel direkt über der AfD standen.”

    Was die AfD wirklich gut kann, ist herumjammern, sich ständig benachteiligt fühlen und alles schlechtreden. Jammerpatrioten.

  48. #48 Rene F.
    31. Mai 2017

    @MartinB #44

    Schellen ist als verantwortlicher Wahlleiter sicherlich nicht an einer Aufklärung interessiert. Sein Stellvertreter ist da anderer Meinung, polizeiliche Ermittlungen laufen ja bereits:

    „Einige Fehler erwecken den Eindruck, nicht ausnahmslos zufällig geschehen zu sein“, sagte die stellvertretende Wahlleiter Markus Tiedke im Ausschuss. Das bedeutet, die AfD könnte in mehreren Wahllokalen bewusst benachteiligt worden sein

    http://www.epochtimes.de/politik/deutschland/nrw-wahlpruefung-afd-erhielt-2-200-stimmen-zu-wenig-benachteiligung-beabsichtigt-a2127777.html

  49. #49 Withold Ch.
    31. Mai 2017

    Bis jetzt dachte ich, solche Papers würden im Umfeld des Ig-Nobelpreises rumgereicht und vielleicht prämiert. Aber diese Arbeit ist wohl zu “ignoble” dafür …

    Nachdem die berechtigten Empörungswellen verebbt sind, könnte man sich fragen, ob sich bei den Natur- und Geisteswissenschaftlen letzten Endes auch um verschiedene “Forschungskulturen” handelt, quasi “naturgegeben”, oder sorgsam gepflegt und zählebig in den gegenseitigen Vorurteilen.

    Vielleicht hat die jahrhundertelange Beschäftigung mit dem “Schönen, Guten und Wahren” den Blick auf die Dinge und Verhältnisse tatsächich ein wenig vernebelt und nun pessimistisch eingetrübt, – und umgekehrt hat vielleicht die “Entzauberung der Welt” für viele Menschen und Lebewesen nicht nur positive Folgen im Sinne einer “besseren Funktionsfähigkeit” zur Folge.

    (Siehe dazu Weber, Adorno, Horkheimer, et al., immer noch lohnendes Nachdenken darüber …)

  50. #50 Rene F.
    31. Mai 2017

    @Hr. Kuhn #47

    Oha, Sie haben sich in Ihrem Urlaub wohl etwas zu viel Alisier einverleibt? Ich bin von Ihnen sonst eine andere Wortwahl und ein anderes Niveau gewohnt. Evtl. zunächst mal ausschlafen?

    Dass Sie das Bemängeln von Wahlmanipulation – zumindest von Fehlermöglichkeiten – als Jammern ansehen, solange es von der passenden Seite kommt, sagt immerhin einiges über Ihr Demoktratieverständnis aus.