Die Meldung ist zwar schon zwei Wochen alt, aber ich kann sie hier doch nicht unerwähnt lassen.

Während Finnland Mathe und Physik als Schulfächer abschaffen will, macht man in Deutschland jetzt Nägel mit Köpfen.
Die deutsche Mathematiker-Vereinigung DMV beklagt öffentlich Missstände in deutschen Grundschulen umd läßt durch ihren Präsidenten erklären

Die DMV weist ferner darauf hin, dass kinderpsychologische Studien beweisen, wie unsinnig die Forderungen nach Freiraum zum Spielen für Kinder im Vorschulalter sind, wenn letzterer nicht zum Einüben der Grundlagen in Algebra und Trigonometrie genutzt wird!

Anlass ist eine Studie des (mir bisher nicht bekannten) Didaktik-Professors Werner Zöll, derzufolge die Mehrheit der untersuchten Kinder weder die Unterschiede zwischen Cauchy-Integral, Riemannschem Integral, Stieltjes-Integral und Lebesgue-Integral kenne noch in der Lage sei, die Funktionsweise einer Taylorreihe zur Darstellung einer glatten Funktion zu erklären oder gar in einer Gleichung mathematisch herzuleiten.
Erst- und Zweitklässler schnitten besonders schlecht ab. Offenbar verstünden viele der Kinder noch nicht einmal die Aufgabenstellung, weil in den Funktionen zum Teil Buchstaben vorkommen, die sie “noch gar nicht dranhatten”. 99 Prozent aller Grundschüler können nicht infinitesimalrechnen.
Laut Pressemeldung fordert die DMV angesichts dieser Ergebnisse, dass das Fach Infinitesimalrechnen an deutschen Grundschulen mindestens 20 Stunden pro Woche unterrichtet werden soll. Das gibt es bisher nicht mal in Chima.

Kommentare (11)

  1. #1 Nicolas
    1. April 2015

    Ich bin beeindruckt von den 1%, die offensichtlich infinitesimalrechnen rechnen können. 😀

  2. #2 MX
    1. April 2015

    @ Nicolas: 1 % – ist das nicht gemäß der didaktischen Unschärferelation zu erwarten?

  3. #3 CM
    1. April 2015

    Ist das jetzt ein Aprilscherz – oder die, nur wenig auf die Spitze getriebene, Haltung vieler Matheprofs, die gezwungen werden an Unis für die “Nebenfächer” (insb. die Biologie) zu unterrichten? 😉

  4. #4 Ralf
    http://katzkidz.wordpress.com/
    1. April 2015

    Natürlich ist dies kein Aprilscherz, wir sind hier auf einer wissenschaftlichen Seite, da sollte so was doch sicher verpönt sein und die sich auf dem Postillon berufende Quelle ( http://www.der-postillon.com/2015/03/peinlich-99-prozent-aller-grundschuler.html ), welches ja wohl eine seriöse Quelle sein sollte, besonders wo sie sich aktuell von Aprilscherzen distanziert ( http://www.der-postillon.com/2015/03/signal-gegen-falschmeldungen-der.html ) kann doch sicher vertraut werden. Aber sehr schön obigen Artikel zu lesen :-).

  5. #5 markus
    1. April 2015

    Das gab es schon bei den simpsonsm postillon

  6. #6 Thilo
    1. April 2015

    Ja, das ist die im letzten Absatz verlinkte Pressemeldung.

  7. #7 kvogeler
    Dresden
    2. April 2015

    Nachdem jetzt der 1. April vorbei ist, kommt hier die wirkliche Nachricht:
    50% der Abiturienten könne das große 1×1 nicht sicher im Kopf und sind aus dem Grund schon bei elementaren Problemen auf den Taschenrechner angewiesen.

  8. #8 Daniel Elstner
    Berlin
    3. April 2015

    @kvogeler:
    Das würde bedeuten, dass die anderen 50% das große Einmaleins beherrschen. Das wage ich zu bezweifeln, da das schon lange kein Schulstoff mehr ist — aus gutem Grund.

    Gut Kopfrechnen zu können kann gelegentlich hilfreich sein und man kann damit auch wunderbar Leute beeindrucken, die nicht jeden Tag mit Zahlen jonglieren. Essentiell für das Verständnis von Mathematik ist es jedoch nicht.

  9. #9 Stefan S.
    8. April 2015

    Ich bin grade etwas verunsichert, will die Finnische Regierung diese beiden Fächer wirklich abschaffen, oder ist das auch nur eine Falschmeldung?
    Wenn nicht, dann sind die ja zusammen mit der Abschaffung des händischen Schreibens auf einem guten Weg. 😉

    Über die Meldung über die Grundschüler habe ich mich köstlich amüsiert, der Postillion ist echt ein super Satiremagazin.

  10. #10 Thilo
    8. April 2015

    Na ja, sie wollen alle Fächer abschaffen und Themen fächerübergreifend behandeln. Ich weiß jetzt nicht, wie man sich das praktisch vorstellen soll, ob dann jeder Lehrer alles unterrichten können muß etc. Aber da das schon 2020 umgesetzt werden soll, hat man da sicher schon konkrete Vorstellungen.

  11. #11 Stefan S.
    9. April 2015

    Achso, ok.
    Nunja ich habe mir während meines Studiums schon oft Gedanken darüber gemacht, dass man vieles was ich in der Schule im Fach Mathematik gelernt habe auch in anderen Fächern als Anwendung hätte lernen können.
    Wir haben eigentlich nur gerechnet. (ich erinnere mich an gefühlte 1000 Fichten deren Wachstumsraten wir bestimmt haben)
    Wenn man so etwas verlagert könnte man in der Schule eventuell mit “echter” Mathematik anfangen. Natürlich auf einem entsprechendem Niveau.

    Was meint ihr denn dazu? Wäre so etwas sinnvoll? Kämen Schüler damit zurecht?