Erstaunlich wenig mediale Beachtung findet ein heute anstehendes Jubiläum: die am 28. September 1717 durch ein Edikt des preußischen Königs und gegen erheblichen Widerstand der Gutsbesitzer und der Landbevölkerung – die die Kinder lieber auf dem Feld arbeiten lassen wollten – eingeführte Schulpflicht in “königlichen Domänen”. (Es dauerte freilich danach noch einmal rund hundert Jahre, bis wirklich die Mehrheit der Kinder eine Schule besuchte und von einer tatsächlichen Wirksamkeit der Schulpflicht kann man wohl erst mit dem Verbot der gewerblichen Kinderarbeit 1904 – also 187 Jahre nach der gesetzlichen Einführung der Schulpflicht – ausgehen.)

Kurze Beiträge zum Jubiläum haben immerhin der Deutschlandfunk und der RBB (wo das Datum falsch mit 28. Oktober angegeben wird).

Erwähnenswert ist in dem Zusammenhang vielleicht noch, dass es seit dieser Woche in Deutschland wieder eine parlamentarische Kraft mit zumindest nicht vollständig geklärter Stellung zur Schulpflicht gibt.

Kommentare (12)

  1. #1 Herbert
    28. September 2017

    300 Jahre Schulpflicht! Die müssen ja echt was gelernt haben.

  2. #2 Chemiker
    28. September 2017

    Da ich mich mit deutscher Geschichte nicht besonders auskenne, stellt sich mir die Frage: Wie weit reichte der Einfluß des preußischen Königs? Zogen die anderen Kleinstaaten nach?

    In Österreich wurde die Unterrichtspflicht erst 1776 eingeführt, und es gibt bis heute keine Schul­pflicht. Ich halte das auch für richtig so: Auch wenn Schul­pflicht für die Mehr­heit der Kinder die rich­tige Lösung ist, so gibt es doch auch welche, die privat bes­ser zu­recht kom­men. Das Privi­leg zum un­organi­sier­ten Unter­richt ver­fällt, wenn die Prüfun­gen am Ende des Jahres nicht be­stan­den werden (für jedes Fach eine).

  3. #3 michael
    29. September 2017

    @Chemiker
    Manche waren laut schneller:

    Unter Straßburger Einfluss führte das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken 1592 als erstes Territorium der Welt die allgemeine Schulpflicht für Mädchen und Knaben ein.

  4. #4 anderer Michael
    29. September 2017

    Ein Link zur Epoch – Times! Erstaunlich ! Kannte diese nur vom Hörensagen. Ich habe dort ein wenig gelesen und dann mich über die Zeitung belesen. Sie ist ein gern gelesenes Blatt in AfD Kreisen.Gegründet nicht in diesem Sinne scheint diese Ausrichtung mehr das Ergebnis marktwirtschaftlichen Denkens als politischer Überzeugung.
    Man glaubt nicht, was alles gibt.

    http://www.zeit.de/2017/38/epoch-times-afd-alternativmedium

  5. #5 Thilo
    29. September 2017

    @aM: Die Ausrichtung der Zeitung war mir durchaus bewusst. Der Link diente hier freilich nur dem Beleg, dass die Schulpflicht in diesen Kreisen tatsächlich in Frage gestellt wird, zumindest von einigen.

  6. #6 Laie
    29. September 2017

    In den meisten Fällen wird sich eine Schulpflicht positiv auswirken, da Lehrer i.d.R. mehr Wissen und auch die Zeit für den Unterricht haben, die Eltern berufsbedingt nicht haben.

    Interessant wird es, wenn man nun die Ergebnisse (in regelmässigen Zeitabständen) überprüft. Inzwischen soll es sogar Fälle von Schülern geben, die nach Abschluss der Pflichschule nicht in der Lage sind 2 2stellige Zahlen zu addieren, oder beim Prozentrechnen versagen. Was läuft das falsch?

    Umgekehrt soll es auch Fälle (in den USA) geben, bei denen sich (sehr reiche) Leute den Luxus leisteten, ihr Kind durch die Mutter privat auszubilden, mit dem Ergebnis, dass es besser gebildet war in allen Bereichen. Kritiker meinten zuvor, das gehe gar nicht.

    Paradox?

  7. #7 Becky
    Bremen
    29. September 2017

    Dieses Jubiläum war mir auch nicht bewusst. Danke für die Erinnerung. :-)
    Viele Grüße, Becky

    https://bakingsciencetraveller.wordpress.com/

  8. #8 anderer Michael
    29. September 2017

    Thilo
    Das war kein Vorwurf. Ich finde es nur erstaunlich, dass ein Medium aus betriebswirtschaftlicher Überlegung seine politische Einstellung ausrichtet. Mir war diese Internetzeitschrift nahezu unbekannt.
    Die Schulpflicht hat ihre unbestrittenen Vorteile. Wenn der Staat nur seinen Verpflichtungen nachkäme. In Bayern müssen im ländlichen Bereich Schülerinnen zum Teil um 6.00 Uhr aufstehen, vor 7.00 an der Bushaltestelle anwesend sein, haben darauf eine Stunde Fahrzeit zur Schule. Wer sich hier einen Hausunterricht wünscht(sofern fachlich möglich), hat mein Verständnis.Auch für Grundschüler gibt es lange Fahrwege.
    http://www.sueddeutsche.de/muenchen/erding/schuelerbefoerderung-drei-stunden-im-bus-1.3376900

  9. #9 SkeptikSkeptiker
    Randpolen
    29. September 2017

    ….In Bayern müssen im ländlichen Bereich Schülerinnen zum Teil um 6.00 Uhr aufstehen…

    Dann fahre mal nach Sachsen oder MacPommes….

  10. #10 SkeptikSkeptiker
    29. September 2017

    Vom absoluten Lehrernotstand noch gar nicht zu reden.

  11. #11 Laie
    30. September 2017

    @anderer Michael
    Andere Länder sind da weit fortschrittlicher. Sehr effektiv ist auch der Fernunterricht in Australien, wo die tägliche 3 stündige Zeitverschwendung wegfällt. Wer die Zeit unserer Kinder verschwendet hat von Unterricht nichts verstanden – ob das einer der dafür zuständigen Beamten (Entscheidungsträger?) versteht?

    Da wäre Potenzial, die eigene Hinterwäldlerigkeit zu beseitigen.

  12. […] am noch fast 200 Jahre, bis wirklich die meisten Kinder zur Schule gehen konnten. Daran erinnert uns Mathlog mit Links zu interessanten Beiträgen des Deutschlandfunks und des […]