Aber der Reihe nach: nach meinem Praktikum bei Cornelius Courts am IfR in Kiel hat es noch ein gutes Jahr gedauert, bis ich auf eine Stellenausschreibung in der DNA-Forensik des LKA in Hamburg gestoßen bin. Flugs beworben, bin ich dann tatsächlich auch zum Einstellungstest und schließlich zum Bewerbungsgespräch eingeladen worden.
Long story short: Ich habe die Zusage bekommen, mich vor Aufregung kurz geschüttelt und habe dann im Sommer 2023 zunächst als Sachverständiger in Ausbildung meine mittlerweile also bereits zweiten Gehversuche in der forensischen DNA-Analytik unternommen. Rückblickend ist völlig klar, dass das Praktikum ein fettes Pfund im Bewerbungsprozess war, und ich mutmaße, dass ich die Zusage ohne diese einschlägige Erfahrung nicht bekommen hätte.
Nun liegen also etwas mehr als anderthalb Jahre und der vermutlich steilste Part der Lernkurve hinter mir. Unzählige Meldebögen sind in die DAD gestellt, etliche Befundmitteilungen und Gutachten geschrieben, und absehbar steht mein erster Gerichtstermin als Sachverständiger an. Ich fühle mich pudelwohl in diesem Metier, und bin wirklich dankbar, dass mir dieser Weg geebnet und ermöglicht wurde – nicht zuletzt durch den Input während des Praktikums.
Ich freue mich sehr für Christopher, der nun ein Kollege ist, und was er berichtet, zeigt, was ich schon im ersten Teil sagte: je mehr Erfahrung man hat (und sei es “nur” ein einschlägiges Praktikum), desto besser ist das für die Chancen in einer Bewerbung (bei Christopher sprach aber, das kann ich nach dem Praktikum mit ihm ganz klar sagen, noch eine Menge mehr für ihn ;-)).
#Ende des Nachtrags#
“Nach einer früh entdeckten Begeisterung für Naturwissenschaften im Allgemeinen und Biologie und Chemie im Besonderen habe ich mich für ein Studium der Biochemie und Molekularbiologie an der CAU Kiel entschieden. Nach den ersten Jahren und einer Bachelorarbeit im Bereich der Grundlagenforschung wurde mir klar, dass mich vor allem die Anwendung naturwisschenschaftlicher Prinzipien auf Fragestellungen aus dem „alltäglichen Leben“ begeisterte und ich begann mich nach Forschungsfeldern mit hohem Anwendungsbezug umzusehen. Das Feld der forensischen Molekularbiologie, welches auf Basis humangenetischer und molekularbiologischer Methoden einen objektiven Beitrag zur Beantwortung kriminalistischer Fragestellungen leistet, hat mich schnell besonders fasziniert.
So wählte ich im Master verschiedene, für die forensische Molekularbiologie relevante Studienmodule (wie etwa Humangenetik oder Biostatistik) und jobbte nebenher als HiWi in einem Labor für ancientDNA-Analysen. Weiterhin wollte ich gerne eine Masterarbeit im Institut für Rechtsmedizin des UKSH schreiben, da ich wusste, dass die dortige Abteilung für forensische Genetik spannende Forschungsfelder wie Molekulare Ballistik und Forensische RNA-Analyse bearbeitet. Nach mehrfachen Interessensbekundungen und einigem Hin und Her auf Grund der geringen verfügbaren finanziellen Mittel erhielt ich schließlich die Möglichkeit, meine Masterarbeit in der forensischen Molekularbiologie zu dem spannenden und hochaktuellen Thema des DNA-Transfers zu schreiben. Neben der Forschungsarbeit konnte ich spannende Einblicke in die Fallarbeit und weitere forensisch-genetische Forschungsfelder erhalten. Insgesamt zog sich meine Masterarbeit dadurch zwar ein gutes Stück über die Regelstudienzeit hinaus, ich habe dabei jedoch viele wertvolle Erfahrungen sammeln können.
Die Arbeit machte mir extrem viel Spaß und ich wollte gerne alles daran setzen, weiter auf dem Feld arbeiten zu können. In diesem Bestreben wurde ich zwar tatkräftig von meinem Abteilungsleiter unterstützt, Forschungsförderungsanträge für meine Promotionsstelle wurden jedoch zunächst allesamt abgelehnt (die forensische Molekularbiologie „konkurriert“ bei Förderungsgeldern mit Projekten aus der Medizin, zum Beispiel auch der Tumor- oder Entzündungsforschung, denen häufig eine höhere Relevanz und somit mehr Forschungsgelder zugeschrieben werden). Zum Glück durfte ich in dieser Zeit der Antragsstellung und Warterei auf die Antragsbearbeitung (durchschnittlich weit mehr als 6 Monate) weiter als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forensischen Genetik arbeiten und an einem zwar nicht Promotions-geeigneten, aber dennoch sehr interessanten Projekt zur forensischen DNA-Phänotypisierung mitwirken. In dieser Zeit ist dann schließlich – über zwei Jahre nach Einreichung des ersten Antrags zur Forschungsförderung – ein Forschungsprojekt durch die DFG bewilligt worden, sodass ich nun seit Mai 2021 an dem sehr spannenden Thema der forensischen Tageszeitpunktsbestimmung (ein weiterer Aspekt der Spurenkontextualisierung, der durch die forensische RNA-Analyse ermöglicht werden könnte), forschen darf (Promotionsprojekt).”


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