Gerade hat GIMPS in einer Presseerklärung Einzelheiten bekannt gegeben.

(Dies ist ein Nachtrag zum Artikel von gestern.)

Der neue Primzahl-Rekord ist 243112609-1.
Diese Zahl hat 12,9 Millionen Stellen und ist damit die erste Primzahl mit mehr als 10 Millionen Stellen.

Electronic Frontier Foundation hatte vor fast 10 Jahren 100000 Dollar für die erste Primzahl mit mehr als 10 Millionen Stellen ausgelobt.

Gefunden wurde die neue Rekord-Zahl von Edson Smith an der Universität Los Angeles. Aus der Pressemitteilung:
Edson Smith has worked in the IT industry for 27 years and the last 10 years as the Computing Manager for the UCLA Mathematics Department.
Last Fall he replaced the Lab’s screen savers with prime95 – a perfect fit for the Mathematics Department.

Die 100000 Dollar Preisgeld gehen offiziell an das GIMPS-Projekt.
Diese geben 50000 Dollar an den eigentlichen Entdecker, d.h. die Universität Los Angeles, weiter.
Weitere 25000 Dollar werden für wohltätige Zwecke gespendet und der Hauptteil der übrigen 25000 Dollar soll an die Entdecker der Rekordzahlen der letzten Jahre (alle innerhalb des GIMPS-Projekts), die die 10 Millionen Stellen noch knapp verfehlt hatten, gehen.

Übrigens ist am 6.9. eine weitere Mersenne-Primzahl von Hans-Michael Elvenich aus Langenfeld bei Köln, dem Betreiber der Webseite www.primzahlen.de, gefunden worden. Es handelt sich um 237156667-1. Diese Zahl hat 11,1 Millionen Stellen.

Der Grund dafür, daß die neue Zahl erst heute bekannt gegeben wurde, ist übrigens nicht, daß man erst herausfinden mußte, welche der beiden Zahlen größer ist. (Dies wurde in einer dpa-Meldung behauptet, die es inzwischen leider in viele deutsche Lokalzeitungen geschaftt hat.) Es ist selbst für mathematische Laien relativ einfach, die beiden Exponenten 43112609 und 37156667 zu vergleichen.

Der Grund für die Verspätung war, daß man erst mehrere unabhängige Bestätigungen abwarten wollte. Diese sind inzwischen erfolgt durch Tom Duell und Rob Giltrap (Sun Microsystems), durch Tony Reix (Bull S.A. Grenoble), und durch Jeff Gilchrist (Universität Ottawa).

Man wird sich die neuen Primzahlen übrigens auch an die Wand hängen können. Allerdings so dicht gedruckt, daß wohl kaum etwas zu erkennen sein dürfte:

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Nachtrag (17.9.): Wie George Szpiro in einem Kommentar auf Mathematik im Alltag schreibt, wurden die neuen Primzahlen bis Dienstag geheimgehalten, weil GIMPS ein Abkommen mit einer Zeitung in San Diego darüber hatte, daß die Informationen erst öffentlich gemacht werden darf, nachdem die Zeitung ihren Artikel publiziert hat.
Szpiro schreibt in einem Brief an die EFF: “[…] The practice of holding back mathematical results for the profit of a local newspaper is a very negative precedence. After all, the GIMPS project depends on the participation of volunteers from all over the world. The partisan information policy exhibited by Kurowski and Woltman makes a mockery of their good will. It is also counter to free speech, transparency, abuse of intellectual property rights – all principles the EFF stands and fights for. It is also against the most basic ideas of scientific openness and progress. […]”