Ein offensichtliches Problem mit der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz ist, dass Schüler und Studierende ihre Hausaufgaben nicht mehr selber machen, sondern von ihrem Chatbot erledigen lassen. Manche Kollegen verzichten deshalb inzwischen darauf, Hausaufgaben überhaupt zu bewerten. Immerhin müssen die Studierenden die Lösungen des Chatbots noch selbst verschriftlichen, es gibt wohl noch keine Programme, die die Antworten automatisch in die Handschrift des Studierenden übertragen.

Aber wie gut sind die Bots wirklich?

Auch um zukünftig einen Vergleich (der Entwicklung in den nächsten Jahren mit dem heutigen Stand) zu haben, versuche ich es mal mit dem ersten Übungsblatt meiner aktuellen Analysis II-Vorlesung. (Die Aufgaben sind nicht von mir, ich halte nur die Vorlesung.)

Man sollte dort zu verschiedenen Funktionenfolgen (auf unterschiedlichen Definitionsbereichen) punktweise und gleichmäßige Konvergenz entscheiden.

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Die Lösungen sind korrekt und die Erklärungen durchaus auf den Punkt, aber natürlich viel zu knapp als dass Studierende sie so abgeben könnten. Vor allem bei Aufgabe 3a) hätte man schon genauer sagen sollen, welcher Wert nicht unterschritten wird. (Für x=\frac{1}{\sqrt[2n]{3}} hat man f_n(x)=\frac{2}{3\sqrt{3}} .)

Man bekommt auch im Nachhinein keine ausführlicheren Lösungswege angeboten, stattdessen schlägt ChatGPT vor, „intuitive Erklärungen“ oder „typische Klausurfallen“ zu zeigen.

Fazit: Zumindest bei diesem Übungsblatt nimmt der Bot den Studierenden die Arbeit noch nicht komplett ab. Trotzdem dürfte es natürlich schon eine große Erleichterung sein, die richtige Lösung und auch den Kern der Argumentation angezeigt zu bekommen.

Kommentare (7)

  1. #1 nI
    29. April 2026

    Etwas Grundsätzliches zu “Hausaufgaben”.
    Was ist denn die Absicht?
    Soll der Studierende üben ?
    Also nur das schon Gelernte vertiefen?
    Dann sollte man den Lösungsweg vorgeben und mit
    anderen Zahlen wiederholen lassen.
    Dann kann die KI als Kontrolle verwendet werden.

    Oder sollte der Studierende etwas “Neues”
    kennenlernen ?
    Dann sollte man vorher prüfen, welchen Lösungs- Weg die KI nimmt und die Studenten, die diesen Lösungsweg einschlagen , die sind dann schon einmal “enttarnt.”

    Oder ist die Hausaufgabe die Vorwegnahme der nächsten Vorlesung, und der Dozent wählt dann genau den Lösungsweg der KI , oder genau das Gegenteil, er wählt eine ganz andere Vorgehensweise.

    Fazit: Mit etwas Phantasie bleibt Spielraum für den Dozenten.

  2. #2 Thilo
    30. April 2026

    Die Absicht ist, dass Studierende sich Gedanken über die Aufgaben machen. An sich gibt es schon bekannte Lösungswege, aber es ist schon schwieriger als nur Zahlen in Formeln einzusetzen.

  3. #3 nI
    30. April 2026

    zu #2 Thilo,
    man kann es auch bildhaft formulieren, die Formel ist das Konzentrat des Gedachten, und wie beim Kochen, eine Fertigsuppe aus Konzentrat verrät nicht ihren Inhalt und wer nur Fertigsuppen kocht, der wird kein Sterne-Koch.

    Übrigens, die KI von google hat bei der Eingabe der Gleichung von H1 geantwortet, dass es um die Konvergenz geht, ohne dass ich diesen Begriff benützt hätte.
    Sie hat aber nicht angegeben, wie und warum das so ist.

    Anmerkung: Geht es dir um die Fähigkeiten einer KI und/oder auch um die grundätzlichen Probleme, die ein
    Dozent hat, wenn seine Studenten die Aufgaben mit einer KI lösen.

  4. #4 Dirk Freyling
    Erde
    2. Mai 2026

    “Ein offensichtliches Problem mit der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz ist, dass Schüler und Studierende ihre Hausaufgaben nicht mehr selber machen, sondern von ihrem Chatbot erledigen lassen.”
    …was auch immer sein mag, es endet dann, wenn man konsequent zum Bestehen, von was auch immer, eine mündliche Prüfung durchführt…

  5. #5 nI
    2. Mai 2026

    Dirk Freyling, zu mündliche Prüfung

    Als Beispiel , in Heidelberg studieren etwa 35 000 Studenten, etwa 10 % sind naturwissenschaftlicher Richtung inklusive Mathematik. Das wären pro Jahr etwa 3000 Studenten die mündlich geprüft werden sollen.
    (Ohne Gewähr)
    Rein organisatorisch wird das eine Herausforderung.
    Übrigens, alle anderen Fakultäten haben das gleiche Problem, …….

  6. #6 Andreas
    Schwalbach
    3. Mai 2026

    Die Lösung bei H1 b) Maximum ist nicht richtig gekürzt: Entweder fehlt im ersten Term ein x im Zähler (wobei x bei der Betrachtung des Maximums an der Stelle ja durchaus mit 1 abgeschätzt werden darf) oder es müsste auch beim zweiten ein x^2 im Nenner stehen.

    Hätte ich als Tutor damals meinen Studenten nicht durchgehen lassen 🙂

  7. #7 Thilo
    3. Mai 2026

    Schon witzig, denn im Endergebnis stimmt es dann ja wieder. Wirkt eigentlich wie ein typischer Flüchtigkeitsfehler beim Aufschreiben einer eigentlich richtigen Rechnung. Entweder passiert sowas auch Maschinen oder er hat die Lösung mit dem Tippfehler von irgendwo so übernommen.