Beim Zentralblatt für Mathematik, wo ich als Fachredakteur für den Bereich Differentialgeometrie zuständig bin, wird in den letzten Jahren immer wieder mal diskutiert, wie man KI-generierte Referate erkennen und vermeiden kann. Problematisch sind die schon aus urheberrechtlichen Gründen: bei zbmath handelt es sich um ein kommerzielles Produkt und die KI-Betreiber könnten Ansprüche auf die Werke ihrer Produkte erheben.

In meinem Bereich scheinen KI-generierte Referate noch kein Problem zu sein – oder ich merke es nur nicht, in der angewandten Mathematik soll es ein größeres Problem sein und man soll KI-generierte Referate daran erkennen können, dass sie viel heiße Luft produzieren, etwa grandios klingende Phrasen über die Bedeutung der Arbeit oder Allgemeinplätze über wichtige Anwendungen. Andererseits höre ich von Leuten, dass im Selbstversuch erzeugte KI-Referate ihrer Arbeiten von Monat zu Monat besser werden.

In diesem Artikel versuche ich es einmal mit einem KI-Referat einer bekannten Arbeit, nämlich https://www.math.utoronto.ca/mgualt/Morse%20Theory/Atiyah-Bott.pdf von Michael Atiyah und Raoul Bott. Das gibt dann einen Referenzrahmen, womit ich in Zukunft vergleichen kann, um wieviel die KI-erzeugten Referate besser geworden sind.

Auf den Befehl “Schreib eine Zusammenfassung!” erhalte ich zunächst

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die bis auf den Übersetzungsfehler “Verbindungen” statt “Zusammenhänge” für “connections” durchaus treffend ist, und das Angebot, eine einfachere Erklärung, eine sehr kurze Zusammenfassung in 5 Sätzen, oder eine detaillierte Abschnitt-für-Abschnitt-Analyse zu erstellen.

Die Zusammenfassung in 5 Sätzen besteht in Wirklichkeit aus 4 Sätzen:

Das Paper untersucht die Yang-Mills-Gleichungen auf Riemannschen Flächen und beschreibt deren Lösungen mithilfe topologischer Methoden. Dabei zeigen Atiyah und Bott, dass diese Lösungen eng mit sogenannten stabilen Vektorbündeln zusammenhängen. Durch die Anwendung von Morse-Theorie wird die Struktur der Lösungsräume (Modulräume) systematisch analysiert. Insgesamt verbindet die Arbeit Geometrie, Topologie und Physik auf grundlegende Weise.

Und die Abschnitt-für-Abschnitt-Analyse sieht so aus:

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Damit entlässt er mich natürlich noch nicht, sondern schlägt vor, den schwierigsten Teil (z.B. Morse-Theorie oder Stabilität) nochmal einfach erklärt runterzubrechen. Ich entscheide mich für Morse-Theorie und bekomme eine sehr kurze und nicht wirklich brauchbare Erklärung zur Morse-Theorie. Er schlägt dann vor, ein konkretes Beispiel zu machen, wo er den Sattelpunkt von x2-y2 beschreibt. Als Nächstes will er dann Stabilität von Vektorbündeln definieren und so geht es dann endlos weiter, wobei die Erklärungen doch immer sehr allgemein bleiben.

Kommentare (6)

  1. #1 Dirk Freyling
    Erde
    20. April 2026

    Michael Francis Atiyah und Raoul Bott waren Mathematiker, die in den 1960er und 1980er Jahren mehrere bahnbrechende Kollaborationen durchführten, darunter die Entwicklung des Atiyah–Bott-Fixpunktsatzes und grundlegender Arbeiten zur äquivarianten Kohomologie… “Das Paper untersucht die Yang-Mills-Gleichungen auf Riemannschen Flächen und beschreibt deren Lösungen mithilfe topologischer Methoden. Dabei zeigen Atiyah und Bott, dass diese Lösungen eng mit sogenannten stabilen Vektorbündeln zusammenhängen. Durch die Anwendung von Morse-Theorie wird die Struktur der Lösungsräume (Modulräume) systematisch analysiert. Insgesamt verbindet die Arbeit Geometrie, Topologie und Physik auf grundlegende Weise.” Zum Verständnis: Was genau ist das Problem mit der »KI«-Autorenschaft hier? Wer sind den die offiziellen, kommunizierten »Paper« Autoren? Eine »KI«, in welchem Auftrag oder wer?

  2. #2 Dirk Freyling
    Erde
    20. April 2026

    …am Rande gefragt, warum 20.April 2026?…

  3. #3 Dirk Freyling
    Erde
    20. April 2026

    es ist jetzt 23.28 Uhr am 19.April 2026…

  4. #4 Quanteder
    . . . .. . > Bielefeld
    21. April 2026

    #3
    Am Mutterschiff war es bereits der 20. April 2026 um 06:28 Uhr morgens . . . .. .

  5. #5 Thilo
    21. April 2026

    Die Zusammenfassung ist von einer KI. Ich habe der KI das Paper gegeben und sie hat eine Zusammenfassung erstellt. Ein Problem ist das erstmal nicht. Problematisch wird es, wenn zum Beispiel Studenten auf diese Weise ihre Hausaufgaben machen, also eine KI die Zusammenfassung schreiben lassen statt selbst die Arbeit zu lesen.

  6. #6 Dirk Freyling
    Erde
    21. April 2026

    Hallo Thilo,
    der (Wissens-)Ausweg heißt, wie eh und je, mündliche Prüfung. Diese macht vorheriges »KI«-Wissen des Prüflings zunichte. In meiner mündlichen Mathematik-Prüfung begleitend zum Physikstudium, weiß ich wovon ich spreche. Mein damaliger Prüfer, noch mit Zigarillo während der Prüfung im Mund, fragte den gesamten Prüfungskomplex ab. Jedes mal, wenn er feststellen konnte, das ich weiß worum es geht, Beweise ausführen konnte etc. sprang er direkt zum nächsten Punkt. Er machte sich einen Spaß daraus, die Schwachstellen der Studenten zu finden. Erst da entschied er, ob es sich “lohnt”, den Prüfling bestehen zu lassen…Ich hoffe mal das im Mathematik-Studium letztendlich mündliche Prüfungen entscheiden, wer sich (akademisch ausgebildet) Mathematiker nennen darf.