Auch eine Krise der mathematischen Bildung will die FAZ in der Corona-Epidemie ausgemacht haben. Entscheidungsträger würden “vom Fluch der großen Zahlen” getrieben und “vorrangig von der Angst bestimmt, […] für Tote verantwortlich gemacht [zu] werden”. Dagegen freuten sich “die Mathematiklehrer der Republik”, denn hier sähe man “eine exponentielle Funktion”:

Da jeder Infizierte mehrere andere Menschen ansteckt, explodieren die Zahlen der Angesteckten in schönen Mustern, die man zeichnen und in Exponentialfunktionen abbilden kann.

In dem wirren und unstrukturierten Artikel wird dann weiter (sinngemäß) argumentiert, Schüler würden im Schulunterricht nur den Umgang mit Zahlen lernen, nicht aber deren Interpretation. Dementsprechend zeichneten Politiker nur Exponentialkurven, wüßten aber nicht, was diese bedeuten.
Die mit viel Pathos (und wenig Fakten) angereicherte Argumentation fällt hier freilich auf den Autor zurück. Gerade die von ihm unterschwellig oder direkt vorgebrachten Argumente zeigen, dass man Zahlen auch verstehen und nicht nur auf Grundschulniveau verarbeiten muss.
Es ist eben nicht der springende Punkt, dass es bisher in diesem Jahr weniger Tote gab als in einer durchschnittlichen Grippesaison. (Was der Autor zwar nicht explizit behauptet, aber mit entsprechenden Fragen insiniuiert, und was rein mathematisch ja auch korrekt ist.) Auch sonst handelt es sich bei den vom Autor mit der Attitüde des Erstentdeckers vorgetragenen Einwänden und Allgemeinplätzen um Dinge, die in den letzten Tagen schon tausendfach diskutiert wurden. Etwa der im letzten Absatz vorgebrachte (und auch semantisch fehlerhaft strukturierte) Einwand

ob es langfristig nicht billiger ist, ein paar mehr Intensivbetten vorzuhalten, als aus Angst vor kollabierenden Krankenhäusern lahmzulegen

geht ziemlich am Punkt vorbei. Mal abgesehen davon, dass nicht Betten sondern Beatmungsgeräte fehlen, benötigt man ja in jedem Fall auch Personal, das für die Beatmung nicht nur formal ausgebildet ist, sondern darin auch über lange Erfahrung und regelmäßige Praxis verfügt. Unsachgemäße (und selbst sachgemäße) Beatmung führt bekanntlich oft zu bleibenden Schädigungen. Aus Sicht der FAZ aber alles nur eine Krise der „mathematischen Bildung erster Ordnung“ und des Fehlens einer Bildung zweiter Ordnung.

Es lässt sich immerhin feststellen, dass das Maximum spätestens bei 83 Millionen erreicht ist, dann sind eben alle infiziert. Mathematische Bildung zweiter Ordnung fängt aber erst nach dem Zeichnen der Kurve an. Die Kernfrage ist nämlich nicht, wie steil die Kurve verläuft oder wo das Maximum liegt. Die Kernfrage ist: Welches Problem beschreibt die Kurve? Es gibt viele Viren und Bakterien, bei denen die Durchseuchungsrate der Bevölkerung hundert Prozent beträgt. Die Infektionsrate ist also gar nicht die zentrale Frage. Zu fragen ist, ob es eigentlich schlimm ist, wenn viele Menschen mit Corona infiziert sind.

Das ist zweifellos die Frage und der Autor hätte nur ein beliebiges Medium einschalten müssen um sie diskutiert zu sehen.

Kommentare (37)

  1. #1 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2020/04/04/endlich/
    4. April 2020

    Das ist zweifellos die Frage und der Autor hätte nur ein beliebiges Medium einschalten müssen um sie diskutiert zu sehen.

    Insbesondere sein Hirn als Medium hätte er mal einschalten sollen. Wenn er schreibt

    Ebenso wird nach Corona darüber zu sprechen sein, ob es langfristig nicht billiger ist, ein paar mehr Intensivbetten vorzuhalten

    dann hat er die Exponentialfunktion offensichtlich nicht verstanden. Träfe man keine einschneidenden Maßnahmen sondern hielte nur mehr Betten vor, so bräuchte man schon 3 Tage später doppelt so viele Betten, nach 6 Tagen 4mal so viele, nach 12 Tagen 16x so viele Betten und so weiter.

    Er wird seinen eigenen Ansprüchen, die Anwendung der Mathematik auch zu begreifen, nicht gerecht.

    Ganz anders dagegen die Chemikerin Mai von MaiLab (sie stellt sich selbst so vor, ich vermute es ist der Vorname) mit ihrem Video Corona geht gerade erst los – sehr empfehlenswert. Es könnte auch heißen “Wie lange dauert’s noch?”.

  2. #2 Gerald Fix
    4. April 2020

    Zunächst mal vielen dank für das Artikelgeschenk 🙂 und unter dem artikel steht: “Der Autor lehrt Mathematikdidaktik an der Universität Paderborn.” Süß.

  3. #3 Karl Mistelberger
    mistelberger.net
    5. April 2020

    Man kann es auch so machen:

    Now we are going to dive into the current global pandemic by giving you some of the basic numbers and giving you some of the tools that you can use. Look at these numbers yourself in real time without all of the media hype or background noise of the social media.

  4. #4 Tante Tulli
    5. April 2020

    @ user unknown #1
    Mai Thi Nguyen-Kim ist der Name. Wikipedia hat Info:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Mai_Thi_Nguyen-Kim

  5. #5 Thilo
    5. April 2020

    Nach 2,7 Millionen Aufrufen in gut zwei Tagen entspricht das zwar dem berühmten “Eulen nach Athen tragen”, aber (quasi als Gegenstück zum Artikel) sei das Video hier auch noch verlinkt:

  6. #6 Helmut
    Ansbach
    5. April 2020

    Eure Kritik erinnert mich an den Einwand von “solkar” an Giddings&Mangano’s Berechnung ob die am LHC eventuell entstehenden BH eine Gefahr darstellen.

    https://arxiv.org/pdf/0806.3381v2

    In dem Dokument ist ein Flüchtigkeitsfehler drin (die Potenz bei einem der Zwischenergebnisse ist falsch angegeben). Das ist aber egal, weil später ehe mit dem richtigen Zwischenergebnis weitergerechnet wurde, und es bei einer extrem unwahrscheinlichen Eintrittswahrscheinlichkeit (weiß den Wert nicht mehr, war vielleicht so um die 10^-50) auf eine Zehnerpotenz Fehler nicht ankommt.

    Die Vorgehensweise ist die selbe: So wie “solkar” aus einer Mücke einen Elefanten gemacht hat, läuft das beim Thema Covid19-Grippe hier auch. Nur weil ein Satz oder ein Zwischenergebnis falsch sind, ist noch lange nicht alles falsch.

  7. #7 Thilo
    5. April 2020

    Worauf beziehen sich? Welcher Satz oder welches Zwischenergebnis sollte falsch sein?

  8. #8 Helmut
    Ansbach
    5. April 2020

    Das weiß ich nicht mehr. Es war im alten Forum Alpha-Centauri. Das heißt jetzt RelativKritisch und der Faden war “Die Stichhaltigkeit der astronomischen Argumente”
    Ich finde mit Google zwar noch einen Link ins neue Forum. Der funktioniert aber momentan nicht?

    https://www.relativ-kritisch.net/forum/viewtopic.php?p=39039&sid=4baa62675fce4b842152dc136c93d232

  9. #9 Helmut
    Ansbach
    5. April 2020

    RelativKritisch hat öfter mal eine Downtime:

    https://www.astronews.com/forum/showthread.php?9382-Was-ist-los-mit-RelativKritisch

    Vermutl. geht’s morgen wieder?

  10. #10 Thilo
    5. April 2020

    ich meinte, worauf Sie sich im Zusammenhang dieses Artikels beziehen

  11. #11 Helmut
    Ansbach
    5. April 2020

    Ich dachte der Artikel sei von Ihnen, und Sie würden deshalb auch die dort aufgeführten Kritikpunkte kennen?

    Ich beziehe mich z.B. darauf:
    [quote]ob es langfristig nicht billiger ist, ein paar mehr Intensivbetten vorzuhalten, als aus Angst vor kollabierenden Krankenhäusern lahmzulegen[/quote]

  12. #12 Helmut
    Ansbach
    5. April 2020

    Hoffentlich gelingt es mit der Klage den nächsten Grippe-Wahnsinn rechtzeitig zu stoppen.

    https://www.heidelberg24.de/heidelberg/coronavirus-klage-anwaeltin-beate-bahner-kontaktverbot-massnahmen-corona-verordnung-gericht-13640822.html

    Man sollte ja denken, daß vor Entscheidungen die weitreichende Folgen haben, alles versucht wird belastbare Daten zu erhalten. Leider muß eigentlich selbstverständliches eingefordert werden:

    https://www.openpetition.de/petition/online/fuehren-sie-die-baseline-studie-durch-wir-brauchen-endlich-saubere-corona-daten

    Also zeichnet die Petition!

  13. #13 wereatheist
    Berlin
    5. April 2020

    Zu fragen ist, ob es eigentlich schlimm ist, wenn viele Menschen mit Corona infiziert sind.

    Questa è davvero la domanda…

  14. #14 Thomas Hankammer
    Solingen
    5. April 2020

    Der Autor fragt in seinem FAZ-Artikel “Und wie hoch ist die Mortalitätsrate, also die Rate der Corona-Infizierten, die durch Corona sterben?”
    Das ist für einen Mathematkdidaktiker zu ungenau formuliert. Geht es um die den Anteil der Personen, die infiziert sind und daran sterben, an der Gesamtbevölkerung oder um die bedingte Wahrscheinlichkeit, dass eine Person an COVID-19 stirbt, wenn man bereits weiß, dass sie infiziert ist. Der Kontext lässt vermuten, dass er letzteres meint, doch das wäre laut medizinischer Definition nicht die Mortalitätsrate, sondern die Letalitätsrate.

  15. #15 Thomas Hankammer
    Solingen
    5. April 2020

    @Helmut (#12)
    Diese Petition ist absolut überflüssig. Einerseits sind die Zahlen aus der Begründung bereits von der REalität eingeholt worden. Außerdem haben die wissenschaftlichen Berater der Regierung eine solche Studie bereits angekündigt. (Natürlich haben bei begrenzten Testkapazitäten die akuten Patienten Vorrang!) Frau Fischer rennt hier also mit viel Aufwand offene Türen ein. Oder es geht ihr eher darum, das Vorgehen der Regierung aus Prinzip öffentlich zu kritisieren.

  16. #16 Herr Senf
    5. April 2020

    Frau RAin Fischer ist jung und braucht Geld oder Kunden 😉
    “… ich habe auch Angst um meine und unsere wirtschaftliche und soziale Zukunft …”
    Noch nie was von der logistischen Kurve gehört, dafür alle youtube-Scharlatane zitiert.
    Es geht wohl mehr um die eigene “Angst” als um unsere, wir denken auch an andere.
    Als RAin sollte sie mal vom Vorsorgeprinzip gehört haben, es geht darüber um Schutz.

  17. #17 Thilo
    5. April 2020

    Mortalität und Letalität zu verwechseln ist inzwischen ein Klassiker, aber besonders grotesk in einem Artikel, der gerade kritisiert, Schüler würden Zahlen berechnen ohne ihre Bedeutung zu kennen.

  18. #18 Thilo
    5. April 2020

    Bezog sich auf #14.

    In Deutschland lag im März die Letalität bei 0,3% (in anderen Ländern höher), die Mortalität wie üblich bei 0,1%. Letztere zugrunde zulegen fuhrt offenkundig zu anderen Schlussfolgerungen. Besser hatte man Meyerhöfer Thesen nicht belegen können.

  19. #19 Karl Mistelberger
    mistelberger.net
    5. April 2020

    > #5 Thilo, 5. April 2020
    > Nach 2,7 Millionen Aufrufen in gut zwei Tagen entspricht das zwar dem berühmten “Eulen nach Athen tragen”, aber (quasi als Gegenstück zum Artikel) sei das Video hier auch noch verlinkt.

    Viele Leute hören nicht zu, aus welchem Grund auch immer. Man kann nicht oft genug verlinken:

    03.04.2015: The next outbreak? We’re not ready | Bill Gates

    https://www.youtube.com/watch?v=6Af6b_wyiwI
    ——————————-
    Fauci reveals why Trump changed his mind about re-opening US

    President Donald Trump “got it right away” when presented with data about the rise in coronavirus cases, which influenced his decision to extend social distancing guidelines, Dr. Anthony Fauci, the nation’s top infectious disease expert, tells CNN.

    https://www.youtube.com/watch?v=Ksi9rL2sDXo
    ——————————-
    IHME Data Means Test #3

    https://www.youtube.com/watch?v=FQhJryoLxok
    ——————————-
    Taiwan Battles WHO and China Over Coronavirus

    Taiwan is battling against not only the coronavirus, but China and the World Health Organization. After an interview with WHO leader Bruce Aylward on Hong Kong media, the world has become transfixed with how the Chinese Communist Party has gotten the United Nations to ignore Taiwan, even during the midst of the deadly coronavirus pandemic that came from an outbreak in Wuhan, China.

    YouTube demonetizes our channels! We need your support!!

  20. #20 Joseph Kuhn
    5. April 2020

    @ Karl Mistelberger:

    Bei Taiwan und Südkorea kommen neben einer möglicherweise effizienteren Seuchenbekämpfung zwei hilfreiche Faktoren dazu: Taiwan ist eine Insel, und Südkorea im Prinzip auch, die Landgrenze nach Norden ist bestens kontrolliert. Und beide Länder liegen im Vergleich zu uns sehr südlich, d.h. möglicherweise profitieren sie zudem von klimatischen Einflüssen auf das Virus, von denen wir uns ja im Frühsommer auch ein wenig Unterstützung erhoffen.

    Dass uns aber Tests und Schutzausrüstung fehlen, anders als dort, und so die Seuchenbekämpfungsstrategien bei uns restringiert werden, ist hochgradig ärgerlich. Da kann man nur hoffen, dass wir bei der nächsten Pandemie nicht wieder feststellen, dass man sich in Krisenzeiten nicht auf die just-in-time-Lieferung solcher Dinge aus den Weltmarktfabriken verlassen kann.

  21. #21 Karl Mistelberger
    mistelberger.net
    5. April 2020

    Zur Insellage: Keiner ist eine Insel. Die Seuche breitet sich über den Flugverkehr aus. Deutschland tut wieder einmal sehr wenig:

    https://www.nordbayern.de/politik/kritik-an-corona-massnahmen-so-kontrollieren-deutsche-flughafen-1.9974502

    Zur Bekämpfungsstrategie: Die Verantwortlichen haben Ermessensspielraum, zumindest in Österreich:

    Es war nur so eine Ahnung, sagt Manfred Thanei. Irgendwann kurz vor Weihnachten gingen merkwürdige Nachrichten unter den Hygienikern in Österreich herum. Immer wieder tauchten in ihrer informellen WhatsApp-Gruppe Hinweise aus China auf. Jemand warnte: Da kommt etwas auf uns zu. Ein anderer schrieb, ach, China sei doch weit weg. “Ich bin so ein Mensch, ich bin immer gerne vorbereitet”, sagt Thanei. Also bestellte er noch vor dem Jahreswechsel zwei Paletten guter Schutzmasken, Modell FFP2. Im Lager hätten sie gefragt, ob das wirklich sein müsse, so viel? “Das war reines Gefühl, dass ich das gemacht habe. Zum Glück”, sagt Thanei.

    https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-04/krankenhaeuser-coronavirus-pflege-versorgung-pandemie-covid-19-tirol/komplettansicht

  22. #22 Joseph Kuhn
    5. April 2020

    @ Karl Mistelberger:

    Naja, kein Land ist eine Insel, das stimmt schon, aber von Ischgl nach Rosenheim kommt man schon einfacher als von Tokio nach Taipeh.

    Was vielleicht auch eine Rolle gespielt hat: Anfang Januar hat die Welt gebannt auf die Brände in Australien gestarrt. Da war die Katastrophe, während in China halt wieder mal eine typisch chinesische Sache lief, zumal manche Nachrichten dazu in einer Weise verfasst waren, die wenig vertrauenwürdig wirkten: https://www.oe24.at/welt/Schock-Videos-zu-China-Virus-Die-Leute-fallen-um-wie-die-Fliegen/414361278

    Mit der Restringierung der Bekämpfungsstrategien meinte ich: Wenn man nicht genug testen kann und nicht genug Schutzausrüstung da ist, sieht es z.B. mit einem effizienten Schutz von Menschen in Heimen nicht gut aus. Hier müsste das Personal eigentlich regelmäßig, d.h. ohne Verdacht, vollständig durchgetestet werden, sonst ist das Einschleppen der Infektion über symptomfreies Personal nur schwer zu vermeiden.

  23. #23 gevert
    Hamburg
    5. April 2020

    @ user unknown
    “… dann hat er die Exponentialfunktion offensichtlich nicht verstanden. Träfe man keine einschneidenden Maßnahmen sondern hielte nur mehr Betten vor, so bräuchte man schon 3 Tage später doppelt so viele Betten, nach 6 Tagen 4mal so viele, nach 12 Tagen 16x so viele Betten und so weiter. ”

    Es gibt doch aber nicht die Exponentialfunktion, sondern unendlich viele, schnell steigende, langsam steigende, dabei alle zwar immer mit zunehmender Steigung, aber eben beliebig stark steigend. Und es gibt keine, die den Verlauf der Fallzahlen einigermaßen genau. widerspiegelt. Man sollte mit dem Begriff der Exponentialfunktion nicht so inflationär umgehen.

  24. #24 Karl Mistelberger
    mistelberger.net
    6. April 2020

    > #22 Joseph Kuhn, 5. April 2020
    > Naja, kein Land ist eine Insel, das stimmt schon, aber von Ischgl nach Rosenheim kommt man schon einfacher als von Tokio nach Taipeh.

    Am 20. März bin ich auf der A3 bei Suben nach Bayern zurückgekehrt. Die Anschlussstelle bei Pocking war gesperrt. An der Autobahn beim Parkplatz Sulzbach (Migrantenkontrolle) fragten zwei Beamte die Autofahrer wo sie gewesen waren.

    Anders in Taiwan; Slashdot fragt: Why Taiwan’s Coronavirus Response Is Among The Best Globally

    Why does Taiwan have less than 400 confirmed cases of Covid-19? Taiwan’s experience with the 2003 SARS outbreak “helped many parts of the region react faster to the current coronavirus outbreak and take the danger more seriously than in other parts of the world,” reports CNN, “both at a governmental and societal level, with border controls and the wearing of face masks quickly becoming routine as early as January in many areas.”

    Among those early decisive measures was the decision to ban travel from many parts of China, stop cruise ships docking at the island’s ports, and introduce strict punishments for anyone found breaching home quarantine orders. In addition, Taiwanese officials also moved to ramp up domestic face-mask production to ensure the local supply, rolled out island-wide testing for coronavirus — including re-testing people who had previously unexplained pneumonia — and announced new punishments for spreading disinformation about the virus.

    https://science.slashdot.org/story/20/04/05/0230216/why-taiwans-coronavirus-response-is-among-the-best-globally

    Im zitierten Artikel von CNN heißt es:

    Hong Kong (CNN) On January 25, as the world was still waking up to the potential danger of the novel coronavirus spreading rapidly out of central China, two governments recorded four new infections within their territory.

    Australia and Taiwan have similar sized populations of about 24 million people, both are islands, allowing strict controls over who crosses their borders, and both have strong trade and transport links with mainland China. Ten weeks on from that date, however, Australia has almost 5,000 confirmed cases, while Taiwan has less than 400.

    The question is not what Australia did wrong — 20 countries have more cases than Australia, and seven have more than 10 times as many — but how Taiwan has kept the virus under control when other parts of the world have not.

    In particular, Taiwan’s rapid and transparent response — with medical officials holding daily briefings on the matter — has been held up as an example of how democracies can still rein in epidemics, even as some were claiming only an autocratic government like China’s could effectively control such a rapidly spreading virus. Taiwan also avoided the type of strict lockdowns that characterized the response in China and many other countries.

    https://edition.cnn.com/2020/04/04/asia/taiwan-coronavirus-response-who-intl-hnk/index.html

  25. #25 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2020/04/04/endlich/
    7. April 2020

    @gevert:

    Es gibt doch aber nicht die Exponentialfunktion, sondern unendlich viele, schnell steigende, langsam steigende, dabei alle zwar immer mit zunehmender Steigung, aber eben beliebig stark steigend.

    Ich bin ja kein Mathematiker, sondern nur Programmierer, aber mit dem Exponenten 2, in welchem Zeitraum sich die Fälle verdoppeln, kommt man eine gewisse Zeit ziemlich weit, weil erst kurz bevor man die Sättigung der Bevölkerung mit Infektionen erreicht hat, hat man die Herdenimmunität und kurz davor erst relevante Minderungen durch Immunität beachtlicher Bevölkerungsteile. Ein Kranker, der einen anderen Menschen nicht ansteckt, weil der mit 12,5% Wahrscheinlichkeit schon immun ist – das fäällt nicht sonderlich ins Gewicht. 3 Verdopplungszeiträume später ist aber dann schon jeder Infiziert, etwas vereinfacht betrachtet.

    Ansonsten hat man es, bei Abwesenheit von Maßnahmen oder Maßnahmen, die lange Zeit stabil bleiben, mit einem immer wieder gleichen Graphen zu tun, nur die Breite des Intervalls, bis es zu einer Verdopplung der Fälle kommt, ist mal größer, mal kleiner.

  26. #27 Karl Mistelberger
    mistelberger.net
    8. April 2020

    Die Maßnahmen der US-Regierung basieren auf den Projektionen des IHME. Juan Browne betrachtet deren Fluktuationen, die aus den Unvollkommenheiten der Daten und Modelle resultieren, in kurzen Abständen.

    Auch die Wettervorhersage ist nicht perfekt. Trotzdem ist sie sehr nützlich.

    IHME Data #4 “Reaching The Apex?” 6 April 2020

  27. #28 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2020/04/01/atemschutzmaske-3/
    8. April 2020

    @Thilo #26:

    Belastbare Statistiken benötigen nur etwa 1.000 Tests am Tag.

    Nur ist gut!
    Auf 80 Mio. Einwohner kommen zur Zeit 110.000 bestätigte Fälle, bzw. auf 8000 11 also rund 1,3 oder so auf 1000. Selbst bei einer Dunkelziffer von 100% würde man erwarten, dass nur 1-3 Immune gefunden werden, das ist wohl viel zu wenig, um daraus irgendwas abzuleiten.

    Sehr oft in der jüngsten Zeit ist ja von der großen Dunkelziffer die Rede, leider nur selten mit einem Anhaltspunkt, was unter “sehr hoch” zu verstehen ist. Schon 50%? 1000%? Würde man unter 1000 Tests 8 bis 12 mit Antikörpern finden – eventuell 3 Tage hintereinander mit steigender Tendenz – dann wäre das natürlich schon eine interessante Information, die man natürlich mit aller Vorsicht (repräsentativ?) würdigen könnte.

    Im Artikel ist auch von der Technik des Poolings die Rede, also dass man erst Proben mehrerer Probanden zusammenschüttet, und wenn der Mix positiv ist nur noch die Quellen der positiven Mixe aufschlüsseln muss. Je nach Anzahl positiver Tests nach dem ersten Lauf kann man das Verfahren optimieren, so dass man in der Summe mit weniger Tests auskommt.

    D.h. um eine Dunkelziffer von 10:1 aufzudecken würden 1000 Probanden genügen, für 2:1 jedoch nicht. Mittels Poolings könnte man aber 10.000 Probanden und mehr mit 1000 Tests erschlagen, jedoch muss man dafür 10.000 Blutproben erst mal nehmen, und das, dem Vorschlag entsprechend, täglich. Bestimmt keine unlösbare Aufgabe aber logistisch doch eine Herausforderung. Fährt da ein Coronamobil mit Arzt und Protokollführer in jedem Landkreis die repräsentativ ausgewählten Probanden an, um die Probe zu nehmen? Bei 10.000 Proben deutschlandweit wären in einer Stadt mit 100.000 Einwohnern im Mittel 10 Proben zu nehmen, in Berlin ein paar Hundert, ansonsten würden die Coronamobile von einer 10.000-Einwohnerstadt zur nächsten fahren und zwischendurch von Dorf zu Dorf. Ich glaube über 50% der Bevölkerung wohnt in der Fläche, da wird also sehr viel rumgefahren, da schafft eine Besatzung dann 5-10 Probanden d.h. man bräuchte 1000 solcher Mobile.

    Auf Korrekturen und Widersprüche bin ich gespannt.

  28. #29 Thilo
    8. April 2020

    Anscheinend geht man davon aus, dass die Dunkelziffer nicht bei 2:1 liegen wird. Und bei beispielsweise 10:1 wären 13 Infizierte und ein paar Immune ja schon ein messbares Ergebnis.

  29. #30 Thilo
    8. April 2020

    In München haben solche Tests wohl schon begonnen.

  30. #31 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2020/03/25/coronabauch/
    8. April 2020

    Wir können ja wetten. Ich würde auf deutlich unter 10:1 tippen, kann aber nicht recht sagen, worauf ich die Annahme stütze.

    Ich meine zu Beginn, bei den ersten Fällen in Bayern, hat man doch m.W. noch das ganze nähere Umfeld der Angestellten der Firma getestet, oder nicht? Hat man da nicht eine grobe Idee davon gewonnen, bei wie viel infizierten die Krankheit auch ausbricht und bei wie vielen sie asymptomatisch verläuft? Die Angestellten selbst könnten im Mittel so alt sein wie die allgemeine Gruppe der Berufstätigen, aber deren Angehörige könnten schon grob dem Altersschnitt der Bevölkerung entsprechen.

    Ich würde vermuten, die Dunkelziffer liegt sogar unter 2:1.

  31. #32 Thilo
    8. April 2020

    Es wäre jedenfalls besser, wenn sie höher liegt, denn dann wären schon mehr Leute immun.

  32. #33 Karl Mistelberger
    mistelberger.net
    8. April 2020

    Österreichische COVID-19 Studie

    Die Erhebung ist abgeschlossen. Die Ergebnisse werden am Donnerstag, den 9. April 2020, öffentlich präsentiert.

    Alle Personen, die im Rahmen der Studie positiv auf COVID-19 getestet wurden, wurden davon bereits informiert.

    Coronavirus: Stichprobenstudie SORA und Rotes Kreuz

    Die von Bundeskanzler Sebastian Kurz angekündigte Stichprobenuntersuchung von 2.000 Österreicherinnen und Österreichern auf eine Infektion mit dem Coronavirus läuft ab 31. März 2020. Forschungsminister Heinz Faßmann kündigte an, dass die Testungen und Befragungen dazu bis Ende der Woche abgeschlossen sein soll.

    https://www.bmbwf.gv.at/Themen/Forschung/Aktuelles/COVID-19-Studie.html

  33. #34 Karl Mistelberger
    mistelberger.net
    10. April 2020

    Dunkelziffer: 28.500 Infizierte in Österreich

    Minister Faßmann warnt: ‘Der Berg ist höher als gedacht. Wir sind noch nicht auf der sicheren Seite’

    In Österreich gab es Anfang April zusätzlich zu den Erkrankten in Spitälern zwischen 10.200 und 67.400 mit dem Coroanvirus SARS-Cov-2 Infizierte, der wahrscheinlichste Wert liegt bei 28.500 Infizierten. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Stichprobenuntersuchung von 1.544 Österreichern, wie Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) am Freitag bekannt gab.

    https://www.oe24.at/coronavirus/Dunkelziffer-28-500-Infizierte-in-Oesterreich/425702592

  34. #35 Thilo
    22. Oktober 2020

    Die Uni Paderborn scheint sich von Meyerhöfer getrennt zu haben. Man weiß natürlich nicht, was dahinter steckt – hoffen wir mal, dass es nicht um Inhaltliches ging. Das wäre, unabhängig davon was man von Meyerhöfer hält, kein gutes Zeichen für die Wissenschaftsfreiheit in Deutschland.

  35. #36 Fluffy
    23. Oktober 2020

    Im Wikipediaartikel zu ihm stehen einige sehr interessante Passagen.