Mathematische Grundbildung

Eine Diplomarbeit “Verwendungsprofil des Wirtschaftsinformatikers” und eine Dissertation über ein “Modell, mit dem sich die Geschwindigkeit von Computerprogrammen vorhersagen läßt” (so stand es jedenfalls in der FAZ) sind freilich auch keine Garantie für korrekten Umgang mit Zahlen.

Dem Wirtschaftsinformatiker Markus mussten wir einmal sogar erklären, wie ein Algorithmus funktioniert.

berichtet Wirecard-Manager Jörn Leogrande im SPIEGEL vom 6. Februar über seinen (damals bereits inhaftierten) Chef Markus Braun. Mit der “Analytics Suite” wollte Wirecard seinerzeit über selbstlernende Algorithmen den Bereich Zahlungsausfall und Betrugsprävention beim Händler verbessern.

Hier kannte man keine Algorithmen.

Ein Rätsel

Auch der Satz des Pythagoras kann als Algorithmus verwendet werden. Im Weimar-Tatort “Der letzte Schrey” am 1. Juni bei Minute 63:

Die beiden müssen bitte rund um die Uhr beobachtet werden.

Schaff ich. Kein Problem.

Lupo! Die sind zu zweit! Das heißt, die können in zwei verschiedene Richtungen.

Eh-hm, das ist ein Rätsel . Dann gehen sie vermutlich auch gleich schnell, einer nach links, einer nach rechts. Dann geh ich nach oben wie in einem gleichschenkligen Dreieck. Satz des Pythagoras.

Erklärt mir jemand, wie hier der Satz des Pythagoras ins Spiel kommt?

Wer ist der Täter?

Auf der Suche nach dem Täter war man wohl auch am 11. Dezember beim SWR. In der Transkription der Sendung “Sofja Kowalewskaja – Erste Mathematik-Professorin der Welt” liest man über Kowalewskajas Integration der Kreiselgleichung:

Erzählerin: […] Es wird ihr größter wissenschaftlicher Erfolg. […]

O-Ton 15 – Wilderich Tuschmann: […] Nehmen Sie ruhig den Kinderkreisel und jetzt kleben Sie irgendwo an die Seite was drauf, meinetwegen ein dickes Stück Knete, dann wird der auf einmal anfangen zu eiern bis zum geht nicht mehr und ein völlig unkoordiniertes Bewegungsverhalten haben.

Erzählerin: Genau dieses chaotische Bewegungsverhalten hat Sofja Kowalewskaja in mathematische Gleichungen gefasst. Mit deren Hilfe konnte sie exakt vorausberechnen, wo sich ein unsymmetrischer Kreisel in ein paar Stunden oder Tagen befinden wird.

O-Ton 16 – Wilderich Tuschmann: Und das war etwas, was sie mit der allerneuesten damals vorhandenen Mathematik, nämlich Weierstraßschen Täterfunktionen, dann gelöst hat.

So steht es jedenfalls in der offiziellen Transkription auf https://www.swr.de/swr2/wissen/sofja-kowalewskaja-erste-mathematik-professorin-der-welt-swr2-wissen-2020-12-11-102.pdf

Wer war der Täter? Weierstraß?

Und wann kommt die Sendung über Primzahlverteilung und die Suche nach den Nullstellen der Riemannschen Zeterfunktion?

Visualisierung der Jacobischen Täterfunktion

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Kommentare (10)

  1. #1 Quanteder
    1. März 2021

    „Was stört dich an diesen Textaufgaben?“
    Sie sind doch systemrelevant! So wie die Werbung, welche mir mein ScienceBlog-Algorithmus aufploppen lässt. 11 Werbeflächen auf deinem Mathlog.
    Besonders „bildungspolitisch“ wertvoll: Entdecke die ALDI POWER – Denn wir sind: Einfach ALDI. Powered by People => 2 junge Frauen und ein junger Mann (… zum Teil armverschränkt) positioniert vor einem übergrossen Aldi-Nord-A . . . .. (… in meiner Jugend hiess das „Arbeite mit, plane mit, regiere mit.“)
    Früher wie heute sind beide Aussagen systemrelevant.

    Jede Störung ruft ein System der Entstörung auf die Tagesordnung und wirkt immer in Richtung: „… ein dynamisches System heisst strukturell stabil, wenn kleine Störungen stets zum ursprünglichen System konjugiert sind. (D.h. es gibt einen Homöomorphismus des Phasenraums, der das gestörte System in das ursprüngliche überführt.)„ Zitat aus deinem vorherigen Blogbeitrag.
    Wenn Zahlen und Textaufgaben (… also Mathematik) unser soziales Leben bestimmen, dann hast du recht. Aber um etwas zu entstören werden Störungen benötigt! The Circle of Life – heisst es in einem Lied von Elton John – würden meine Kinder sagen. Ich habe festgestellt: Zeit, welche wir periodisch leben, entspringt im Universum dem System Störung=>0=Entstörung . . . .. (… !!! Störung: die 0 steht für [kleiner als], welches gerade nicht angezeigt werden kann, obwohl es auf der Tastatur vorhanden ist)

    Ein Werbebanner von ScienceBlog – 10 Jahre… verspricht mir „spannende, faszinierende und visionäre Beiträge!“ 🙂

  2. #2 Herr Fessa
    1. März 2021

    Der Jammer der Angewandten Mathematik in der Schule ist ja, dass kein Schüler eine Ahnung von den Anwendungen hat. Das geht gerade noch in Sek I gut.

    Speziell in der Wirtschaftsmathematik frage ich mich ja immer, wie Firmen ihre Kosten- und Gewinnfunktionen tatsächlich aufstellen – falls sie es denn tun. Und wenn ich das Maximum der Gewinnfunktion berechnet habe, was mache ich mit der Antwort? Sperre ich dann die Firma zu?

  3. #3 schorsch
    1. März 2021

    Im Lösungsbuch des Praxis-Verlags habe ich die folgende Lösung gefunden zur Frage, wie viele Meter Lars von der Oma entfernt wohnt, Ubung 16, 4: “Als allein lebender junger Mann schlief Lars lange und stand nie vor 10 Uhr auf”

    Da hätte man aber auch selbst drauf kommen können!

  4. #4 hwied
    2. März 2021

    Ganz so schlimm ist es nicht wie beschrieben. In der Regel dürfen von 6 Aufgaben zwei gestrichen werden.

    Und wenn der Lehrer umsichtig war , hat er zu jedem Aufgabentyp eine Beispielaufgabe vorher durchgesprochen.

    Ob man dieses Wissen dann tatsächlich im späteren Berufsleben braucht, eher nicht. Es kommt ja auch darauf an, eine Aufgabe analysieren zu können. Und Teillösungen werden auch gepunktet.

  5. #5 hwied
    3. März 2021

    Wenn es um das Textverständnis geht, dann wäre es nützlich zu wissen, um welchen Schultyp es sich handelt. Es ist ein Unterschied zwischen einem Wirtschaftsgymnasium und einem allgemeinbildenden Gymnasium. Beim Wirtschaftsgymnasium sind die Begriffe Selbstkostenpreis , Gewinn, Verkaufspreis bekannt. Die genannte Aufgabe mit den Lospreisen ist dann durch ein reines Probieren zu lösen. Der Anteil von Donau kann dann 3 Lose auf 100 Lose insgesamt betragen.
    Zu der Aufgabe mit der Großmutter wäre der Zusatz, ” mache eine Zeichnung” nützlich.
    Zu der Aufgabe mit den Zigaretten wäre es auch nützlich zu wissen, ob das Foto mit den Zigaretten inklusive Warnaufdruck den Prüfungsaufgaben beigefügt war.

  6. #6 Thilo
    3. März 2021

    Nein, die 50 Schachteln Zigaretten sind ja die Lösung.

  7. #7 Dr. Webbaer
    3. März 2021

    Da fragt man sich, warum Mathematik und Naturwissenschaften in seinen Reden so überhaupt nicht vorkommen – warum er zum Beispiel nicht beklagt, dass deutsche Schüler nur noch arabische Zahlen lernen statt der traditionsreichen römischen oder der unserem Wesen viel besser entsprechenden germanischen Zahlzeichen. [Artikeltext]

    Offensichtlich hat Curio, Dr. Webbaer hat von ihm noch nie gehört, recht, die arabischen Zahlen sind zudem indische, also nicht muslimisch entwickelte Zahlen und das Dezimalsystem gehorcht offensichtlich der Zehnfingerigkeit des hier gemeinten Primaten, vgl. auch mit diesem System :

    -> https://de.wikipedia.org/wiki/Vigesimalsystem

    Die Zahl 40 gilt genau aus diesem Grund als zentral und ist auch biblisch verwendet.

    Von “Man-Sätzen” rät Dr. Webbaer an Abstand zu halten, wenn nicht alle gemeint sind.
    Niemals gilt es sich hinter einem Man sozusagen zu verschanzen, danke.

    Mathematik folgt sozusagen ergonomischer Maßgabe.

    (Es könnte auch andere Mathematik geben. >:->
    Nein, Dr. W folgt hier ebenfalls, will nicht generalwissenschaftlich skeptisch aufscheinen, regt nur zu Überlegung an, im konstruktivistischen Sinne.)

    MFG
    Wb

  8. #8 hwied
    3. März 2021

    Dr. Webbaer,
    Wir verwenden die arabischen Zahlen nur noch als Zahlzeichen. Gerechnet wird im Taschenrechner mit 0 und 1. Und auch das sind nur Zahlzeichen. Bei einer 0 hat der Computer/Taschenrechner eine Speicherstelle mit weniger als 0,8 Volt. Bei einer 1 hat die Speicherstelle 4,8 bis 5,2 Volt.. Binärrechnen ist gerade “hipp” und das Tolle dabei, (fast) niemand weiß das.
    In einem Roman gibt es sogar einen Krieg um den letzten Menschen, der noch weiß wie man rechnet.
    Nur mal so humoristisch angemerkt.

  9. #9 Thilo
    3. März 2021

    Ich weiß schon, dass die arabischen Ziffern eigentlich indische sind. Aber jedenfalls sind sie nicht deutsch, genausowenig übrigens wie die römischen.

  10. #10 hwied
    5. März 2021

    Zur Aufgabe mit den Losen,
    hat sich noch nicht das Finanzamt beschwert ? Auf Lose wird eine Lotteriesteuer von 20 % des Nennwertes erhoben. Bei ausländischen Losbudenbesitzern sind es sogar 25 %.