“Der ist so super gebildet, so mit Diagrammen …” (und Argumenten).
Wie Kommentarschlachten organisiert werden.


“Das Leben ist unendlich viel seltsamer als irgend etwas, das der menschliche Geist erfinden könnte. Wir würden nicht wagen, die Dinge auszudenken, die in Wirklichkeit bloße Selbstverständlichkeiten unseres Lebens sind.” – Sherlock Holmes, Eine Frage der Identität

Bei Diskussionen in Wissenschaftsblogs fragt man sich immer wieder, wo plötzlich auf einen Schlag die ganzen Helmleugner, Impfgegner und “Wissenschaftsphilosophen” herkommen.
Eine (amüsante, aber völlig ernstgemeinte) Fallstudie zum Jahres-Abschluß.

Der Artikel

Am 3. Dezember schreibt Georg in “primaklima” einen kurzen Artikel “Rio, Berlin, Kyoto, Bali, Poznan: Es geht voran!”. Es ist eigentlich nur ein kurzer Kommentar mit dem Tenor, daß man trotz der geringen Fortschritte zwischen den Klimakonferenzen die Hoffnung nicht aufgeben solle.

Die Kommentare

Sechs Tage lang wird der Artikel kaum beachtet. Am 9. Dezember schreibt ein Leser mit Pseudonym “hallowach” einen (inzwischen gelöschten) Kommentar, der den Weltklimarat mit der sowjetischen Kommission zur Untersuchung der Kriegsverbrechen in Katyn vergleicht.

Er bekommt einige passende Antworten. Und dann bricht plötzlich innerhalb weniger Stunden eine beeindruckende Kommentar-Lawine los.

Ein “TomCatK” spricht von einer religiösen Diskussion, ein “ts” von Belügen der Öffentlichkeit, ein “olaf61″ macht sich über die Klimaarbeit der Kanzlerin lustig, ein “Lechzrink” spricht von Lügen der Klimafaschisten, ein “Grisou” von halluzinierter Katastrophe, ein “Kosename” regt sich auf, weil im Artikel von Poznan die Rede war (nicht von Posen), “Sonnenteilung” meint, daß uns staatlich verordnete Klimapolitik in Armut stürzen würde, “Berliner Kindl” bezeichnet Energiesparen als Ersatzreligion, “Nase” schreibt: “Die Lügenindustrie boomt und und dient nur dem einzigen Zweck,das Geld des Bürgers über möglichst schwer zu durchschauende Umwege in die Staatskassen zu transferieren”, “mac” bezeichnet Klimaschutz als Größenwahn, “Arno S.” meint, daß sich die westlichen Industrienationen selbst entmannen, “hallowach” spricht dann noch einmal vom zeitlichen Zusammenfallen der angeblich menschengemachten Klimaänderung mit der Satelliten- und Computertechnik und so weiter und so fort. Insgesamt kommen 53 Kommentare zusammen.

Fragen

Bei einer solchen Welle von inhaltlich und sprachlich ähnlichen Kommentaren fragt man sich natürlich, wo die plötzlich alle herkommen.

Die naheliegende erste Vermutung: daß das einfach immer derselben Kommentator unter unerschiedlichen Pseudonymen ist.

Aber so ist es nicht: die Kommentatoren haben IP-Adressen aus weit auseinanderliegenden Orten:

Nase ist aus Berlin, Mac aus Hamburg, hallowach aus Regensburg, Arno kommentiert aus Frankreich, Grisou kommt aus der Gegend um Mannheim, das Berliner Kindl aus der Hauptstadt (ist aber nicht mit Nase identisch) und kosename versteckt sich hinter einer IP aus dem Rheinland.

Antworten

Also reiner Zufall, daß alle am selben Tag über “primaklima” herfallen? Sollte man glauben, wenn man nicht (dank an Christian R. für den Hinweis) auf diese Diskussion bei fact-fiction über politische Bildung stößt.

Dort schreibt “hallowach” am 9. Dezember den Kommentar:
“Hab dummerweise eine Klimadiskussion angestoßen. Kann mir jemand helfen – das braucht eine MENGE NERVEN!”

Leser “Prosemit” (der offenbar mit “Kosename” identisch ist) antwortet:
“Pech gehabt, das muss jeder selber durchstehen. Wenn aber spezifische Argumente nötig werden, helfe ich gerne.”

“hallowach” antwortet:
“Ach, lies doch einfach mal unter einem KOSENAMEN mit und steh mir nur ein wenig bei. Bekommst auch ein -kleines- Eis! Danke. Der Junge hat jedenfalls ein Nazi-Problem! Ich habe es aber auch dumm angefangen…”
(Die letzte Bemerkung bezieht sich offenbar auf den gelöschten Katyn-Vergleich.)

Und darauf bricht dann bei “primaklima” die Kommentarlawine los, die ich oben zitiert hatte.

Auf fact-fiction vermeldet “TomCatK” wenige Stunden später:
“hab deiner bitte dir bei “primaklima” beuzuspringen entsprochen jetzt mußtschon zwei kleine eis spendieren g”

“schweinsohr” vermeldet gar:
habse platt gemacht, kommt nix mehr…“.

“hallowach” selbst sieht es freilich realistischer:
“so – das war erstmal gut. Aber ich denke da kommt noch eine ganze Menge – der ist so super gebildet, so mit Diagrammen und ganz ganz viel Fachchinesisch. Aber wenn die AUSGANGSPRÄMISSEN nicht stimmen hilft eben der stärkst Rechner nicht…
HIER schon mal -leider nur geistig- ein RUNDE EIS für die Helfer! DANKE! Ich informiere wenn es weitergeht…”

So, das hätten wir also aufgeklärt.
Vielleicht kann uns dann auch mal jemand erklären, wo immer die ganzen Helmleugner (hier), Impfgegner (hier) oder “Wissenschaftsphilosophen” (hier) herkommen.
Hinweise nehmen wir gerne entgegen. :-)

“Auf hohlen Köpfen ist gut trommeln. Und je hohler ein Kopf, desto voller das Echo.” – Karlheinz Deschner

Kommentare

  1. #1 David Marjanović
    31. Dezember 2008

    der ist so super gebildet, so mit Diagrammen und ganz ganz viel Fachchinesisch.

    ROTFL! “We have been attacked by the intelligent, educated segment of the culture”, hat ein Kreationist nach Dover gesagt. :-D

    Aber wenn die AUSGANGSPRÄMISSEN nicht stimmen hilft eben der stärkst Rechner nicht…

    Und wenn man nicht weiß, dass man zuwenig weiß, um zu verstehen, wo die Ausgangsprämissen überhaupt herkommen… was ist dann…?

    ————————–

    Die Impfgegner haben haufenweise Internetforen. Die sind ziemlich gut organisiert.

  2. #2 David Marjanović
    31. Dezember 2008

    der ist so super gebildet, so mit Diagrammen und ganz ganz viel Fachchinesisch.

    ROTFL! “We have been attacked by the intelligent, educated segment of the culture”, hat ein Kreationist nach Dover gesagt. :-D

    Aber wenn die AUSGANGSPRÄMISSEN nicht stimmen hilft eben der stärkst Rechner nicht…

    Und wenn man nicht weiß, dass man zuwenig weiß, um zu verstehen, wo die Ausgangsprämissen überhaupt herkommen… was ist dann…?

    ————————–

    Die Impfgegner haben haufenweise Internetforen. Die sind ziemlich gut organisiert.

  3. #3 David Marjanović
    31. Dezember 2008

    der ist so super gebildet, so mit Diagrammen und ganz ganz viel Fachchinesisch.

    ROTFL! “We have been attacked by the intelligent, educated segment of the culture”, hat ein Kreationist nach Dover gesagt. :-D

    Aber wenn die AUSGANGSPRÄMISSEN nicht stimmen hilft eben der stärkst Rechner nicht…

    Und wenn man nicht weiß, dass man zuwenig weiß, um zu verstehen, wo die Ausgangsprämissen überhaupt herkommen… was ist dann…?

    ————————–

    Die Impfgegner haben haufenweise Internetforen. Die sind ziemlich gut organisiert.

  4. #4 Mark
    31. Dezember 2008

    Nicht zu unterschaetzen sind auch E-Mail-Ketten, bei diesem Eintrag kamen bei mir so um die 30% aller Besucher von bekannten Webmaildomains. Das die dann auch dementsprechend kommentiert haben muss ich wohl nicht weiter erwähnen.

    Generell wäre so etwas für eine soziologische Netzwerkanalyse ein gefundenes Fressen. Nur die Frage, wo man anfangen soll, ist schwierig. Denn die Grenze zwischen Klimaskeptikern, Imfgegnern und schlimmerem ist recht unscharf.

  5. #5 Christian
    31. Dezember 2008

    @Thilo: Das Auffinden von Trollquellen ist im Grunde nicht so schwer – man muss meist nur feststellen, wo der eigene Artikel im Internet verlinkt ist. Ich verwende hierfür immer http://www.backlinkwatch.com. Auf diese Weise lässt sich auch schnell ermitteln, dass z.B. einige der Impfgegner aus dem Medlog wohl von hier stammen:

    http://www.impfschaden.info/component/option,com_fireboard/Itemid,201/func,view/id,5468/catid,8/

    Die Leute dort sind übrigens der Meinung, Wolfgang Maurer würde für seine Kommentare auf den ScienceBlogs von der Pharma-Mafia bezahlt. Wohl bekomms :-)

    Für den LHC-Artikel finden sich dann aber schon so viele Backlinks, dass eine einzelne Trollquelle leider schwer ausfindig zu machen ist…

  6. #6 Solarius
    31. Dezember 2008

    Alles Klima oder – was?

    Ich bin auch immer wieder überrascht wie das Klimathema das Publikum polarisiert. Dabei stelle ich meistens fest, dass die Kommentare der Klimakatastrophen-Skeptiker fachlich fundierter sind, als die der Klimakatastophen-Befürworter!

    Da frage ich mich – woran kann das Liegen?

    In diesem Zusammenhang finde ich den Ausspruch von Lisa Fitz, der bayrischen Kabarettistin, sehr trefflich: “Ich habe kein Angst vor der globalen Klimaerwärmung, aber ich habe Angst vor der globalen Verblödung!”

    Dem ist wohl nichts hinzufügen! ;-)

    Mit klimafreundlichem und CO2-freiem Gruß?

    Solarius

  7. #7 BreitSide
    31. Dezember 2008

    Die Trolle sind auch im http://www.haustechnikdialog.de aktiv, und zwar unter den Namen Schanzerkopf, Solarius, Sirius2, KurtR, HeinerS und evt. Maik_a.

    Danke für diesen Artikel, er hat mir wirklich die Augen geöffnet, endlich konnte ich mir einen Reim machen auf die unsäglichen Posts der o.g. Herren und warum sie dermaßen unfaire Rhetorik benutzen.

    Ich hab ein paar der entsprechenden Freds kopiert und versuche sie zu vervollständigen. Kannst sie geschickt bekommen, kannst aber auch direkt an den Haustechnikdialog gehen.

  8. #8 rank zero
    1. Januar 2009

    Ich hatte ja sehr naiv irgendwann in der ersten Jahreshälfte mal ins Wespennest gestochen, und war etwas überrascht, da ich die Tragweite offenbar unterschätzt hatte.

    Mir ging es eigentlich nur um die Wahrnehmung, dass inzwischen viele Leute einfach nur auf einen Knopf ihrer Klimamodellierungsprogramms drücken und meinen, dass das Ergebnis ein wissenschaftliches Resultat ist. Wohlgemerkt, ohne Verständnis für die Grundlagen und Grenzen der “Simulation” erkennen zu lassen (dass “Modellierung” inzwischen schon als ein akzeptabler “dritter Weg” in der Naturwissenschaft angesehen wird, finde ich nach wie vor erschreckend – Cargo-Kult lässt grüßen).

    Auf dem europäischen Mathematikerkongreß in Amsterdam habe ich dann gelernt, dass dies nicht nur persönliches Unbehagen war – einer der Hauptvorträge summierte lakonisch “Ergebnisse, Leistungen und Verlässlichkeit aller existierenden Klimamodellierungen sind als mathematisch schwach einzustufen”.

    Was man lieber nicht zitiert, um interessierten Kreisen nicht zuviel in die Hand zu geben.

    Ich persönlich finde immer noch die alte Regel sinnvoll, dass man jede Veränderung bei sich selbst anfangen sollte, Ich verzichte seit Jahren auf Flüge und bin bis Sizilien mit der Bahn gefahren. Solange selbsternannte Klimaretter durch die Gegend und von Konferenz zu Konferenz jetten, nehme ich sie nicht ernst, sondern halte sie für profilierungssüchtig und politiknah (ich finde es im übrigen wirklich erschreckend, wieviel Geld manche Klimaschützer von Banken erhalten, die am Geschäft mit CO_2-Emissions-Zertifikaten mitverdienen). Wer Wasser predigt, soll nicht Wein trinken, auch wenn dies zugegebenermaßen kein wissenschaftliches Argument ist.

  9. #9 BreitSide
    1. Januar 2009

    Hab ich´s doch gesagt, Solarius!

    Wer möchte kann bei http://www.Haustechnikdialog.de seine Ergüsse nachlesen, echt unterste Schublade!

    Hab jetzt meine Sammlung seiner Sprüche fast fertig kopiert, dass er mir nicht auskommt.

    Solaruis, Du bist erkannt!

  10. #10 BreitSide
    1. Januar 2009

    rank zero, noch einer von der Sorte?

    Vordergründig sachlich fundamentierte Argumente, dahinter fachlicher Unsinn.

    Außerdem werden die heutigen Klimakonferenzen weitgehend virtuell, d.h. als Videokonferenzen, abgehalten.

    Was natürlich Leute wie Solarius und rank zero geflissentlich übersehen…

    Oh Mann!

  11. #11 Thilo Kuessner
    1. Januar 2009

    @ BreitSide (letzter Kommentar):
    wenn ich mal ganz naiv versuchen darf, hier ein mögliches Mißverständnis aufzuklären:
    Es gibt mehrere Ebenen von Diskussionen, die man nicht vermischen sollte.
    In meinem Artikel ging es um Leute, die schlicht behaupten, daß es keinen Klimawandel gibt bzw. daß der Klimawandel eine Erfindung sei, um die Wirtschaft (oder jedenfalls Teilgebiete der Wirtschaft) kaputt zu machen. Und denen dafür jedes Argument recht ist.
    Abgesehen davon gibt es natürlich beim wissenschaftlichen Verständnis des Klimawandels tatsächlich mehr Unklarheiten als Klarheiten. Klar ist, daß es Klimawandel gibt und daß die Temperaturen steigen. Unklar ist, was genau physikalisch abläuft und wie schnell der Klimawandel fortschreiten wird. Das ist natürlich ein Argument FÜR mehr Klimaforschung.
    Eine ganz andere Ebene der Diskussion ist dann, ob der Schwerpunkt der Klimaforschung auf aufwendigeren Simulationen oder in der Arbeit am theoretischen Hintergrund liegen sollte. Und da gibt es schon geteilte Ansichten. Beim von rank zero erwähnten ECM-Hauptvortrag ging es darum, daß man (jedenfalls bisher) die Konvergenz von Lösungen der Navier-Stokes-Gleichungen nicht beweisen kann. Man kann also nicht beweisen, daß aufwendigere Simulationen tatsächlich zu zuverlässigeren Ergebnissen führen. Die Schlußfolgerung des Sprechers war dann, daß man explizit stochastische Klimamodelle entwickeln sollte. (Ich habe in den letzten Sätzen absichtlich ein paar Fremdwörter eingebaut, weil ich keine Lust habe, den Kommentar per copy-paste in irgendwelche Klimaskeptiker-Foren kopiert zu sehen.)
    Ich kann nicht beurteilen, wieweit diese Bedenken tatsächlich relevant sind. Ich wollte nur darauf hinweisen, daß es hier verschiedene Ebenen der Diskussion gibt. Für die aktuellen politischen Entscheidungen ist die Diskussion über die Konvergenz der Navier-Stokes-Lösungen sicher irrelevant. Natürlich müssen jetzt (und nicht erst bei Vorliegen mathematischer Beweise) politische Entscheidungen zum Klimaschutz getroffen werden.

  12. #12 Thilo Kuessner
    1. Januar 2009

    @ Christian:
    Danke für den Hinweis. Die Backlink-Liste des LHC-Artikels ist ja wirklich beeindruckend. Vielleicht hat einfach der Eintrag in der ‘Links zum Thema’-Spalte bei http://www.welt.de/wissenschaft/urknallexperiment/article2423959/Flitzende-Protonen-faszinieren-die-Wissenschaftler.html viele Leser hergeführt.

  13. #13 BreitSide
    1. Januar 2009

    Da haste wohl Recht, Thilo!

    Wahrscheinlich hatte ich – genervt durch die vielen Trolle – den Artikel einfach nicht richtig durchgelesen.

    Mit welchen mathematischen Verfahren man eine sicherere Voraussage erhält, ist mir als mathematischem Halblaien (schon Navier-Stokes führt zu Bewunderung in meiner Miene) relativ wurscht. Da vertrau ich den tausenden von Forschern.

    Das Wasser-Wein-Argument ist natürlich ehrlicherweise auch recht dünne, eine Viedeokonferenz kann ein echtes Treffen nicht ansatzweise ersetzen. Das weiß jeder Außendienstler.

    Aber der Außeneffekt ist halt auch wichtig, und die Neiddebatte ist in D ja berüchtigt.

    Übrigens: von den von mir genannten Trollen hat sich – in den letzten 12 Stunden… – noch keiner wieder auf den HTD getraut. Und 12 Stunden sind viel, da kommen normalerweise genauso viel Kommentare derjenigen zusammen.

    Nochmals Danke für die Enthüllungen, macht wieder Ressourcen frei für Wichtigeres!

    Hollaröh!

    BreitSide

  14. #14 rank zero
    1. Januar 2009

    @Thilo Danke für die Klarstellung. “Natürlich müssen jetzt (und nicht erst bei Vorliegen mathematischer Beweise) politische Entscheidungen zum Klimaschutz getroffen werden.” würde ich so nicht unterschreiben. Es gibt genug mathematisch beweisbare Punkte, an denen man ansetzen kann – z.B. Endlichkeit/Verfügbarkeit von Ressourcen, Wachstumgrenzen etc. Daraus ergäben sich eine Menge politische Folgerungen – etwa hinsichtlich der Bevölkerungsbeschränkung, Unterstützung einer restriktiven Familienplanung besonders in Entwicklungsländern, Abschaffung eines Rentensystems, das letztlich nach Schneeballprinzip funktioniert, Anreizschaffung für Verbrauchsvermeidung (damit würde man die Emissionen nebenbei mit erschlagen). Nur wird genau diese Debatte politisch vermieden (dass man Angst davor hat, verstehe ich gut). Da ist es aus Politikersicht besser, auf CO_2-Zertifikate, Photovoltaik etc. auszuweichen, zumal man damit Interessengruppen bedienen kann.

    @BreitSide: Ich meinte klar genug herausgestellt zu haben, ein persönliches Unbehagen zu beschreiben und eben nicht sachliche Argumente, weder vorder- noch hintergründige (die würde ich auch anders formulieren). Bei mir steht ganz einfach eine persönliche Erfahrung dahinter, dass Umweltschutz, wenn er als Profitquelle und Karrierevehikel entdeckt wird, schnell inhaltlich degeneriert und zu kontraproduktiven Aktionen führt.

    Dass Konferenzen zum Thema weitgehend virtuell abgehalten werden, scheint mir zu schön, um wahr zu sein. Ich such mal ganz unwissenschaftlich eine Minute:

    http://piee.stanford.edu/cgi-bin/htm/Behavior/becc_conference.php
    http://www.ihdp.unu.edu/article/504
    http://cdsagenda5.ictp.trieste.it/full_display.php?ida=a08152
    und noch weitere am selben Ort 2009,
    http://www.baltex-research.eu/RCM2009/
    http://www.wmo.int/pages/world_climate_conference/programme_en.html
    http://www.uscid.org/08gcc.html

  15. #15 Tobias Schmidbauer
    1. Januar 2009

    @ Thilo: Der Kommentar bei Primaklima wurde doch hoffentlich von hallowach selbst gelöscht?

  16. #16 BreitSide
    1. Januar 2009

    Sicher sind die virtuellen Konferenzen (noch) die Minderzahl.

    Aber der Druck der Öffentlichkeit ist da. Und wie gesagt, für kleine Absprachen ist das Virtuelle gut, richtige Tagungen gehen so nicht.

    Dass sich an den Klimaschutz – wie an alles Funktionierende – auch Schmarotzer anhängen, ist – leider – eigentlich selbstverständlich.

    Wir müssen nur aufpassen, dass berechtigte Kritik an (geringfügigen) Modalitäten nicht von den o.g. Trollen gleich wieder als Breitseite gegen die Sache an sich benutzt wird.

    Insofern nochmal sorry, dass ich Deinen Post offensichtlich falsch interpretiert habe.

    Gruß

    BreitSide

  17. #17 BreitSide
    1. Januar 2009

    weiß eigentlich jemand, was mit einem “Eis” gemeint ist?

  18. #18 Ludmila
    1. Januar 2009

    @rank zero: Das mit den Konferenzen ist aber dein Scheinargument, oder? Konferenzen gehören nun mal zum Wissenschaftsbetrieb dazu, weil man am besten eben immer noch von Angesicht zu Angesicht reden kann und die Flut an Erkenntnissen und neuen Ideen, die daraus folgen, sind es auch wert.

    Das sagt jemand, der am Montag ebenfalls auf Konferenz fährt. Nervt mich auch an, aber es ist halt wichtig und bringt auch viel.

  19. #19 Ludmila
    1. Januar 2009

    P.S. Das d oben ist zuviel. ein Scheinargument und nicht “dein”. Sorry.

  20. #20 rank zero
    2. Januar 2009

    @Ludmila: Die Konferenzen sind ein höchst diffiziles Thema – pauschale Aussagen bringen da nichts. Ich leide da unter einer Deformation professionelle, da ich täglich Konferenzbände sehe, in denen höchst Redundantes publiziert wird. Der Eindruck, dass viele Konferenzen vor allem der Beziehungspflege und weniger der Forschung dienen, drängt sich manchmal auf – andererseits ist eben der lebendige Austausch einfach auch wichtig. (Meine Lieblingstagung ist freilich regelmäßig die zur algebraischen Geometrie in Lukecin an der polnischen Ostseeküste, wohin ich mit dem Rad fahren kann ;-) ).

    Ganz allgemein: Ich sehe Cliquenwirtschaft als eines der größten Probleme des Wissenschaftsbetriebes an, und bestimmte an sich sinnvolle Mechanismen (Tagungen und Einladungen, Publikationen und peer review, Evaluationen, übrigens auch weniger sinnvolle wie Zitationsstatistiken etc.) können diese begünstigen. Es droht immer die Gefahr, dass ein Zweig in Selbstzweck und -gerechtigkeit entartet und nur noch im (pseudo)wissenschaftlichen Leerlauf agiert. (Subjektiv sehe diese Gefahr bei der Klimamodellierung halt überdurchschnittlich stark). Dagegen gibt es aber keine ideales Allheilmittel – das bestehende System mag nicht gut, aber immer noch das am besten funktionierende sein.

    (Schließlich hat sich letztlich auch das kopernikanische Weltbild durchgesetzt, auch wenn es weit außerhalb des wissenschaftlichen Konsens’ seiner Zeit stand – durchaus Grund zum Optimismus. Weniger bekannt sind naturgemäß die vielen guten Ideen, die ihrer Zeit voraus waren und untergegangen sind – es sind m.E. erschreckend viele. Die man nacherfunden hat, kann man wenigstens noch manchmal postum würdigen – andere sind heute schlicht unverständlich, weil sich die Wissenschaft in eine andere Richtung entwickelt hat.)

    Trolle und Crackpots sind i.A. gut von echten kreativen Einzelgängern zu unterscheiden, die abseits des Betriebes bahnbrechende Ideen haben (nur drohen eben auch letztere, schon aus Konkurrenzgründen um die knappen Stellen, an den Rand gedrängt zu werden). Es sollte idealerweise auch für die Mavericks Nischen geben – und dies ist desto weniger der Fall, je größer (und industrialisierter im Sinne von “big science”) ein Gebiet ist. In diesem Sinne plädiere ich gegen eine perfekt durchvernetzte Wissenschaft (mit Planvorgaben und -erfüllung hinsichtlich Abschlüssen und Publikationserfolgen, wie sich das eben so Wissenschaftspolitiker vorstellen), in der unpassende Ideen einfach untergehen. Das ist wie in der Evolution: Kleine Populationen sind eben auch viel wandlungsfähiger und dynamischer als große.

  21. #21 Sven Türpe
    2. Januar 2009

    Tatsächlich ist die Erklärung sehr viel einfacher: wo man ein Thema behandelt, taucht das passende Publikum auf. Mich wundert es überhaupt nicht, hier zum Beispiel Kommentare von Leuten mit einem Hang zu Pseudowissenschaft und Esoterik zu finden — das ist schließlich eines der Hauptthemen auf scienceblogs.de. Natürlich immer mit zur Schau gestellter kritischer Attitüde, aber die Finger kann man doch nicht davon lassen. Wer sich mit solchem Blödsinn beschäftigt, der lockt andere Leute an, die sich ebenfalls mit solchem Blödsinn beschäftigen.

    Wie man tatsächlich eine Kommentarschlacht organisiert, hat übrigens Jeff Atwood gerade gezeigt. Mehr als 1500 Kommentare mit zwei
    Blogeinträgen, das hat meines Wissens hier noch keine wackere Helmträgerin mit TÜV-Appeal geschafft.

  22. #22 Sven Türpe
    2. Januar 2009

    Tatsächlich ist die Erklärung sehr viel einfacher: wo man ein Thema behandelt, taucht das passende Publikum auf. Mich wundert es überhaupt nicht, hier zum Beispiel Kommentare von Leuten mit einem Hang zu Pseudowissenschaft und Esoterik zu finden — das ist schließlich eines der Hauptthemen auf scienceblogs.de. Natürlich immer mit zur Schau gestellter kritischer Attitüde, aber die Finger kann man doch nicht davon lassen. Wer sich mit solchem Blödsinn beschäftigt, der lockt andere Leute an, die sich ebenfalls mit solchem Blödsinn beschäftigen.

    Wie man tatsächlich eine Kommentarschlacht organisiert, hat übrigens Jeff Atwood gerade gezeigt. Mehr als 1500 Kommentare mit zwei
    Blogeinträgen, das hat meines Wissens hier noch keine wackere Helmträgerin mit TÜV-Appeal geschafft.

  23. #23 Sven Türpe
    2. Januar 2009

    Tatsächlich ist die Erklärung sehr viel einfacher: wo man ein Thema behandelt, taucht das passende Publikum auf. Mich wundert es überhaupt nicht, hier zum Beispiel Kommentare von Leuten mit einem Hang zu Pseudowissenschaft und Esoterik zu finden — das ist schließlich eines der Hauptthemen auf scienceblogs.de. Natürlich immer mit zur Schau gestellter kritischer Attitüde, aber die Finger kann man doch nicht davon lassen. Wer sich mit solchem Blödsinn beschäftigt, der lockt andere Leute an, die sich ebenfalls mit solchem Blödsinn beschäftigen.

    Wie man tatsächlich eine Kommentarschlacht organisiert, hat übrigens Jeff Atwood gerade gezeigt. Mehr als 1500 Kommentare mit zwei
    Blogeinträgen, das hat meines Wissens hier noch keine wackere Helmträgerin mit TÜV-Appeal geschafft.

  24. #24 Thilo Kuessner
    2. Januar 2009

    Der zweite Link im vorigen Kommentar scheint nicht zu funktionieren (ich verstehe nicht warum). Hier noch mal die URL: http://www.codinghorror.com/blog/archives/001204.html

    Es ist wirklich frappierend, was für Diskussionen man mit einfachen wahrscheinlichkeitstheoretischen Fragen auslösen kann.

  25. #26 Simchen
    7. Januar 2009

    Es sind 2/3 !

    Aber es war zu erwarten dass nach dem ersten Blogpost mit hunderten von zankenden Antworten so etwas wie eine Auflösung vollkommen die Wirkung verfehlt.

  26. #27 Thilo Kuessner
    8. Januar 2009

    @ Simchen:
    Zu der Diskussion bei Atwood: die Rechnung ist eigentlich ungenau, weil er ja von einer Jungen-Mädchen-Wahrscheinlichkeit 50:50 ausgeht. Ich weiß nicht, ob es zu dieser Wahrscheinlichkeit offizielle Zahlen gibt. Wenn man zum Beispiel eine Wahrscheinlichkeit 51:49 zugrundelegt, dann bekommt mein Taschenrechner als Ergebnis nicht 2/3, sondern 67,55%.
    Vielleicht steht das in der Diskussion auch irgendwo, aber ich hatte keine Lust, alle Kommentare durchzuscrollen. Auch wenn es wohl nicht wirklich 1500 sind, wie von Sven behauptet :-)

  27. #28 Simchen
    9. Januar 2009

    Zumindest glaubte ich mich daran erinnert zu haben, schonmal gehört zu haben dass die Warscheinlichkeit einen Jungen zu bekommen etwas größer ist als die ein Mädchen zu bekommen. Daran hatte ich auch schon gedacht. Aber ich denke das sind Spitzfindigkeiten mit denen sich im Rahmen dieser Frage es sich nicht lohnt herumzuschlagen ^^

  28. #29 La Martina
    1. Juli 2010

    Zumindest glaubte ich mich daran erinnert zu haben, schonmal gehört zu haben dass die Warscheinlichkeit einen Jungen zu bekommen etwas größer ist als die ein Mädchen zu bekommen. Daran hatte ich auch schon gedacht. Aber ich denke das sind Spitzfindigkeiten mit denen sich im Rahmen dieser Frage es sich nicht lohnt herumzuschlagen .La Martina

  29. #30 radicchio
    2. Juli 2010

    das ist gelinde gesagt der reinste knabenchor gegen die riege von maskulisten, die mit ausreichend tagesfreizeit das netz mit ihren weisheiten beglücken.