Falls jemand noch nicht verstanden hat, wie das mit Elsevier und dem Geldverdienen so funktioniert – Spiked Math hat’s noch mal als Comic:

480-the-publishing-process.png

(Quelle: https://spikedmath.com/480.html. Mit Dank an den Hinweisgeber.)

Mehr über den Elsevier-Boykott bei Günter Ziegler (auf Deutsch), bei David Speyer, bei Terence Tao und natürlich die Diskussionen bei Timothy Gowers.

Kommentare (22)

  1. #1 Sven Türpe
    21. Februar 2012

    Übungsaufgaben:

    1. Substituiere Elsevier mit Google. Welche strukturellen Änderungen im Geschäftsmodell hat das zur Folge?
    2. Berechne den kumulierten Gegenwert in Form von Reputation, der den Gewinnen von Elsevier bzw. Google gegenübersteht.
    3. Entwirf und analysiere ein Geschäftsmodell, das nachhaltig profitabel, also funktionsfähig ist und das auf lange Sicht denselben Gegenwert zu geringeren Teilnehmerkosten liefert. Geringere Gesamtkosten sind nicht gefordert, aber nicht ausgeschlossen; das Ziel geringerer Teilnehmerkosten kann beispielsweise auch eine breitere Kostenverteilung erreicht werden.
    4. Entwirf und analysiere ein Geschäftsmodell, in dem die Preise an den erzielten individuellen Reputationgewinnen orientiert sind. Jeder Wissenschaftler sowie jede Organisation möge in diesem Modell proportional zu seinem Reputation Beiträge zur Finanzierung leisten.
  2. #2 Spoing
    21. Februar 2012

    Auch wenn der Herr Türpe das hier etwas provokativ anspricht, ist es etwas was ich mich auch schon gefragt habe, da es hier ja schon öfter Beiträge über Elsevier gab.

    Dieser Verlag wird hier als Gelddruckmaschine dargestellt, welcher keine Gegenleistung erbringt. Worauf begründet sich dann allerdings seine Monopolstellung, denn wenn jeder so einfach so viel Kohle scheffeln könnte, dann gäbs da ja schon lange mehr von.

    Wenn sich diese Stellung einfach durch eine unhinterfragte etablierte Stellung des Verlages im System auszeichnet, wäre dann nicht ein Gegenentwurf sinnvoller als ein reiner Boykottaufruf?

  3. #3 Wurzler
    21. Februar 2012

    Nicht zu vergessen ist dabei auch, dass Elsevier auch Journale wie “Homeopathy” (https://www.sciencedirect.com/science/journal/14754916) publiziert, und unsere Bibliotheken solchen Mist auch noch quersubventionieren…

  4. #4 enbeh
    21. Februar 2012

    @Spoing
    Die Gegenentwürfe gibt es ja. In der Regel sieht das Geschäftsmodell vor, dass der Autor vor der Publikation einmalig eine Gebühr zahlt, woraufhin das Paper allen Lesern kostenlos zum Download zur Verfügung steht. Der Preis rangiert leider meistens von gerade erschwinglich bis sauteuer. Wohlgemerkt zähle ich hier als echten Gegenentwurf nur solche Journals, die vergleichbare Qualitätsansprüche und anonymes Peer Review haben, so wie die traditionellen Journals auch. Natürlich gibt es in diesem Bereich viele schwarze Schafe, aber ebenso auch sehr angesehene Journals mit einem solchen Open Access Modell.

    Die Frage ist also weniger, warum es keine Gegenentwürfe gibt (es gibt sie ja), sondern warum diese sich (noch) nicht gegen die traditionellen Modelle durchgesetzt haben. Da mag es viele Gründe geben, und die mögen gar auch unterschiedlich in den verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen sein. Zwei Gründe, warum ich noch nicht in einem Open Access Journal publiziert habe, sind:

    Traditionelle Journals sind teuer im Abo, aber das Geld zahlt in der Regel die Uni oder das Institut. Mich selbst (d.h. mein Jahresbudget) kostet das in der Regel kaum etwas. Im Gegensatz dazu bezahlt für Publikationen in Open Access Journals in der Regel der Autor. Einfach gesagt kann ich es mir daher einfach nicht leisten, in guten Open Access Journals zu publizieren. Es gibt Unis und Forschungsinstitute, die mit solchen Journals Verträge abgeschlossen haben, durch die ihren Mitarbeitern die Publikationsgebühren erlassen oder ermäßigt werden. Ich hoffe, davon wird es in Zukunft noch mehr geben.

    Weiterhin sind die meisten dieser Journals noch recht neu. Das hat zur Folge, dass für viele Open Access Journals noch wenige Daten über Publikations- und Zitationsstatistiken vorliegen. Aus diesen Statistiken wird der so genannte Impact Factor berechnet, der landläufig als Maß für die Qualität des Journals und der darin publizierten Papers interpretiert wird. Man kann viel über Sinn und Unsinn des Journal Impact Factor diskutieren. Dennoch ist er häufig nach wie vor das wichtigste quantitative Kriterium für die Qualität einer Publikation, z.B. wenn bei einer Bewerbung berechnet wird, “wie gut der Kandidat publiziert hat”. Ich kenne viele Autoren, die der Open Access Idee positiv gegenüber stehen, aber vorerst noch lieber in traditionellen Journals mit bekanntem Impact publizieren. Das mag sich in den kommenden Jahren schnell ändern.

  5. #5 Thilo
    21. Februar 2012

    @Sven Tuerpe: Den Vergleich mit Google verstehe ich nicht. Inwiefern nutzt Google seine Monopolstellung zur Preistreiberei?

  6. #6 Thilo
    21. Februar 2012

    @ enbeh: Die Monopolstellung beruht schlicht auf dem Ruf der Zeitschriften, den sie sich in der Vergangenheit erarbeitet haben – freilich nicht durch die Arbeit von Elsevier, sondern durch die Arbeit der Herausgeber und Gutachter (und der Autoren).
    Man muss auch sagen, dass in der Vergangenheit der Verlag durchaus eine Gegenleistung fuers Geld gebracht hat. Es gab mal Zeiten, in denen der Druck einer mathematischen Arbeit eine arbeitsaufwendige Sache war. Heute freilich reichen die Leute einfach ihr fertiges Tex-File ein und der Verlag muss fast nichts mehr machen. Die Preise steigen trotzdem.

  7. #7 Thilo
    21. Februar 2012

    Sorry, der vorige Kommentar bezog sich auf @Spoing.

    @enbeh: Es gibt noch eine weitere Alternative, naemlich dass Universitaeten und Fachgesellschaften in Eigenregie die Herausgabe von Fachzeitschriften uebernehmen. Das ist dann natuerlich nicht voellig kostenlos, aber die Preise liegen bei etwa 10% der Preise, die vergleichbare Zeitschriften in grossen Wissenschaftsverlagen kosten.

  8. #8 MoritzT
    21. Februar 2012

    Natürlich ist es legitim, mit Dienstleistung (auch mit Forschungspublikationen) Geld zu verdienen. Es gibt aber in diesem Gebiet ein paar ganz grundsätzliche Probleme:

    – Der Aufschrei der Wirtschaft ist immer groß, wenn es um Urheberrechtskonflikte geht. Elsevier (und viele andere Zeitungen) verlangen aber, dass die beteiligten Forscher (mithin diejenigen, die ihre Freizeit, ihr Hirnschmalz und vieles mehr in die Waagschale geworfen haben und den Text sogar selbst geschrieben haben) das Urheberrecht an die Verleger komplett abtreten. Dies erfolgt ohne jede Kompensation.

    – Viel besser: es ist sogar so, dass in einigen Journals Gebühren zur Veröffentlichung anfallen, und zum Beispiel jedes bunte Bild extra bezahlt werden muss. Eben nicht nur in Open-Access-Journals (Blood ist so ein Beispiel).

    – Die Reviewer, die sich um die Qualität und Stichhaltigkeit der Artikel kümmern sollen, arbeiten völlig unentgeltlich.

    Was bleibt? Ein fatales Geschäftsmodell. Von den Autoren wird Geld oder mindestens das Copyright verlangt, von Reviewern unentgeltliche Arbeit, von den Unis die Bereitschaft, Unmengen Geld auszugeben. Und diese Kosten steigen leider regelmäßig. Und der Markt ist in den Händen von vier oder fünf großen Konsortien, die natürlich nullkommanull Interesse haben, an dem System was zu ändern.

    Das liegt natürlich auf Seiten der Wissenschaft daran, dass die persönliche Reputation der Forscher in erster Linie mit der Reputation der Journals zusammenhängt, in denen sie ihre Ergebnisse vorstellen. Das ist zum Teil auch politisch motiviert, weil in den letzten Jahren das Benchmarking in der Forschung stark zugenommen hat. Der individuelle Einfluss ist da natürlich gering – jemand, der da nicht publiziert, ist einfach raus und weg vom Fenster. Der kann erzählen, was er mag: ein Artikel in PLoS One wird in der Molekularbiologie mit Sicherheit nie die Aufmerksamkeit und den Respekt erfahren, die ein Artikel in Cell, Cancer Cell oder anderen (Elsevier-) Journalen erscheint.

    Und Elsevier hat dazu haargenau NÜSCHT beigetragen: sie haben sich in den vergangenen Jahren ihr Imperium zusammengekauft.

  9. #9 Sven Türpe
    21. Februar 2012

    @Thilo:

    Den Vergleich mit Google verstehe ich nicht. Inwiefern nutzt Google seine Monopolstellung zur Preistreiberei?

    Mir ging es erst einmal um das Geschäftsmodell an sich, und das ist bei Google sehr ähnlich: Von anderen unentgeltlich bereitgestellte Inhalte werden dazu benutzt, Dritten effektiv und effizient etwas (Werbeplätze) zu verkaufen und sich damit eine goldene Nase zu verdienen. Wenn es Unterschiede zwischen Elsevier und Google gibt, die die einen uneingeschränkt und die anderen nur eingeschränkt böse erscheinen lassen, wüsste ich gerne genau, welche das sind.

  10. #10 Sven Türpe
    21. Februar 2012

    Das liegt natürlich auf Seiten der Wissenschaft daran, dass die persönliche Reputation der Forscher in erster Linie mit der Reputation der Journals zusammenhängt, in denen sie ihre Ergebnisse vorstellen. Das ist zum Teil auch politisch motiviert, weil in den letzten Jahren das Benchmarking in der Forschung stark zugenommen hat. Der individuelle Einfluss ist da natürlich gering – jemand, der da nicht publiziert, ist einfach raus und weg vom Fenster. Der kann erzählen, was er mag: ein Artikel in PLoS One wird in der Molekularbiologie mit Sicherheit nie die Aufmerksamkeit und den Respekt erfahren, die ein Artikel in Cell, Cancer Cell oder anderen (Elsevier-) Journalen erscheint.

    Mit anderen Worten, etablierte Verlage produzieren Reputation. Wissenschaftler könnten ihre Erkenntnisse jederzeit einfach ins Web werfen. Stattdessen ein etabliertes Journal zu wählen bringt ihnen und ihren Schriften einen Vorteil. Wissenschaftler könnten anstelle von Journalen auch das Web lesen, müssten dann aber einen Ersatz für die etablierten Reptationssignale finden. Das Web selbst filtern müssen möchte man bei einer Literaturrecherche eher nicht (und fertige BibTeX-Einträge sind auch eine feine Sache).

    Welchen Wert hat die produzierte Reputation für veröffentlichende Wissenschaftler, ihre Institutionen sowie die Nutzer wissenschaftlicher Veröffentlichungen?

  11. #11 enbeh
    21. Februar 2012

    @Sven Türpe

    Der Unterschied zwischen Elsevier und anderen Verlagen und Google besteht meines Erachtens darin, dass die von Dritten bereit gestellten Inhalte im Fall von Google weiterhin frei zugänglich sind. Dadurch, dass ein Inhalt über Google auffindbar ist, ändert sich nichts am Eigentum am ursprünglichen Inhalt. Wer diesen Inhalt sehen möchte, kann dies weiterhin kostenfrei tun. Weiterhin wird das was Google ausmacht (der Suchalgorithmus, die Entwicklung weiterer Tools, etc.) von Google selbst finanziert, also entweder selbst entwickelt oder dazugekauft.

    Im Gegensatz dazu gibt der Autor, dessen Paper in einem “traditionellen” Journal erscheint, in der Regel die Copy Rights an den Verlag ab. Dieser Inhalt ist von da ab nur noch gegen Bezahlung verfügbar. Im Gegensatz zu Google wurde das was den Inhalt der Journals ausmacht, die Inhalte, auf denen der finanzielle Erfolg beruht, von anderen auf deren Kosten geschaffen: Autoren, Editoren und Gutachter, die dafür ohne ein Entgelt gearbeitet haben.

    Was daran böse ist? Naja…

  12. #12 wereatheist
    21. Februar 2012

    Mir ging es erst einmal um das Geschäftsmodell an sich, und das ist bei Google sehr ähnlich: Von anderen unentgeltlich bereitgestellte Inhalte werden dazu benutzt, Dritten effektiv und effizient etwas (Werbeplätze) zu verkaufen und sich damit eine goldene Nase zu verdienen.

    Der Unterschied ist: Google verdient am adspace, Elsevier an den unbezahlten Inhalten.
    Das copyright für Verlage ist ein gesellschaftlich zugestandenes Verwertungsmonopol, das historisch wohlbegründet war, jetzt aber an Wichtigkeit verliert.
    Elseviers Geschäftsmodell ist langfristig sowieso obsolet. Aber man darf da gern ein bisschen nachhelfen. Was fallen will, soll man noch schubsen 😉

  13. #13 ulfi
    22. Februar 2012

    @Sven Türpe

    1. Google verlangt keine Gebühren. Okay, der erste Punkt war Geschenkt. Mal schauen, wie das weiter geht.

    2. Ich fürchte, dass sich die Reputation eines Mathematikers nicht in Geld umrechnen lässt. Mathematik ist ein großes Minusgeschäft für die Uni(Die Chance nicht-staatliche Drittmittel einzuwerben sind ziemlich exakt 0 und staatliche Drittmittel sind auch knapp gesäht.). Ausserdem impliziert der Punkt, dass sich die Reputation nur mit Verlagen erzeugen lässt. Das stimmt nicht. Der Reputationserzeugende Punkt ist das Peer-Review. Je härter und genauer das ist, desto besser ist die Reputation.

    3. Siehst du die Zeichnung oben? Streiche den ganzen rechten Teil raus. Der wo “Publisher” drauf steht. Der linke Teil wird eh komplett von der Uni bezahlt. Der Punkt war also auch geschenkt.

    4. Warum sollte Wissenschaft was kosten? Und wer sollte das Geld erhalten? Die einzigen, die es verdient hätten Geld zu kriegen, stehen auf der linken Seite der Grafik. Und die werden schon von den Universitäten bezahlt. Warum sollten sie doppelt Geld erhalten? Ist ja nicht so, dass man mit Faulheit einen Professorentitel kriegt.

    Wahrscheinlich wirst du bei Punkt 4 einwenden, dass es doch sinnvoll wäre, erfolgsorientiert zu forschen. Aber das hätte nur zur Folge, dass niemand mehr Jahre lang Arbeit in ein Problem investiert, bei dem niemand weiß, ob es überhaupt lösbar ist. Wahres Wissen kannst du aber nur dort entdecken, wo die Landkarte weiß ist und wo die Drachen lauern. Wenn du eh im Vorfeld sagen kannst, dass da was bei raus kommt, dann brauchst du da kein teures Forschungsgeld und Manpower investieren.

  14. #14 Martin
    22. Februar 2012

    Warum nicht gleich eine Werbeagentur beschäftigen?

    Hier wären dann wirkliche Spezialisten am Werk. Immer mehr Werbeagenturen arbeiten zu diesem Zweck bereits mit den Universitäten zusammen und übernehmen die Aufgabe wo und wann publiziert wird, sodass eine größtmögliche Verbreitung aller Inhalte eines Authors ermöglicht wird. Vorstellbar wäre, dass Aussenstellen der Werbeagenturen Teil der Universitäten werden und in jedem Institut Mitarbeiter zur persönlichen Betreuung der Wissenschaftler zur Verfügung stehen.

    Zur Rolle der Universitätsbibliotheken:

    Auch hier sind ja alle Universitäten bestrebt ihre Bibliotheken international herzeigbar zu machen. In erster Linie betrift das heute das Internet, allerdings sind die Abfragen aus dem Internet international nicht einheitlich standardisiert. Es bedarf dringend technischer Standards, die alle Universitätsbibliothekssysteme umfassen. Nach meinem Wissen existiert noch kein solches international anerkanntes Standardisierungsgremium, es könnte aber aus neuem Personal an den Universitäten sehr rasch aufgestellt werden und könnten internationale Grossverleger wie Google-Books ebenso eingebunden werden.

    Zu den Publikationen auf den Konferenzen:

    Hier ist das Problem schon weitgehend gelöst worden. An allen Universitäten existiert heute Personal, welches sich mit der Koordinierung bei Konferenzen beschäftigt. Enge Kontakte bestehen zu Hotels, dem Tourismusverein sofern vorhanden und den Reisebüros. Gerne werden Sonderangebote auch privat genutzt. Das hat man sich von grossen Firmen wie z.B. Siemens abgeschaut, die in ihren Empfangshallen immer auch gleich Niederlassungen von internationalen Reisebüros hegen und ihre Mitarbeiter zentral über Sonderangebote informieren.

    Zur Software:

    Naturgemäß benötigt die Verwaltung immer grosse Datenbanklösungen. Zum Glück existiert heute weltweit nur mehr ein System, sodass Inkompatibilitäten eine zentrale Ansprechadresse haben. Dennoch benötigt auch der Wissenschaftler Zugang zu diesem System und sind daher Datenbankspezialisten in jedem Institut und persönliche Betreuung entweder bereits Realität oder ein grosser Wunsch für die Zukunft.

    Conclusio:

    Wissenschaftler sind angenehme Chefs. Jeder arbeitet gerne in einer Verwaltung an der Universität. Mancherorts kommen heute schon mehr als zehn Mitarbeiter in der Verwaltung auf einen Wissenschaftler. Der weitere Trend ist ungebrochen. Warum soll also der Wissenschaflter seine Publikation auf die eigene Homepage zum download stellen? Hier bestehen sofort rechtliche Unsicherheiten und sei es nur deshalb, weil ein Verwaltungsapparat längst Verträge in seinem Namen geschlossen hat, die er nicht mehr selbst überschen kann. Daher finde ich es gut wenn nun auch eine Rechtsabteilung mit der Größe der Verwaltung mitwächst. Nachdem jeder Wissenschaftler betreut werden muss, empfiehlt sich auch hier wieder zumindest ein Mitarbeiter an jedem Institut. Es kann nur besser werden!

  15. #15 MoritzT
    23. Februar 2012

    Mit anderen Worten, etablierte Verlage produzieren Reputation.

    Stimmt. Drum ist es meiner Meinung nach auch nicht vollkommen absurd, als Verlag Geld verdienen zu wollen. Die spezifische Ausgestaltung bei Elsevier und einigen anderen ist aber dreist.

    Wissenschaftler könnten ihre Erkenntnisse jederzeit einfach ins Web werfen. Stattdessen ein etabliertes Journal zu wählen bringt ihnen und ihren Schriften einen Vorteil. Wissenschaftler könnten anstelle von Journalen auch das Web lesen, müssten dann aber einen Ersatz für die etablierten Reptationssignale finden. Das Web selbst filtern müssen möchte man bei einer Literaturrecherche eher nicht (und fertige BibTeX-Einträge sind auch eine feine Sache).

    Stimmt fast alles, nur geht es bei der Kritik an den Wissenschaftsverlagen ja um etwas anderes: Geld für verlegerische Tätigkeit is schon OK, aber Urheberrechtsübertragung, doppeltes Abkassieren, sinnlose Bündelungen von Zeitschriften gehen einfach zu weit. Die Verlage übertreiben es im Moment einfach.

    Welchen Wert hat die produzierte Reputation für veröffentlichende Wissenschaftler, ihre Institutionen sowie die Nutzer wissenschaftlicher Veröffentlichungen?

    Ach, komm, das liegt doch auf der Hand: für den einzelnen Forscher ist Reputation ein Teil der intrinsischen Motivation, überhaupt in der Forschung zu arbeiten. Die Bezahlung in der Forschung ist nämlich ausnehmend mies. Des weiteren entscheidet diese Reputation (und direkt damit zusammenhängend die Publikationen) über ALLES: Stelle, Projektfinanzierung, eventuelle Karriere. Also über die berufliche Existenz. Es gibt neben den Drittmitteln keinen ähnlich wichtigen Parameter für diese Fragen. Mein ehemaliger Scheff (Oberarzt einer Uniklinik) hat das mal zu meinem großen Entsetzen so zusammengefasst: “Es geht im Leben nur um Drittmittel und Publikationen”. Man möchte meinen, gerade Ärzte sollten noch mehr auf’m Schirm haben … Aber es stimmt: ob jemand medizinisch weiß, was er tut, ist bei Berufungsverfahren nebensächlich.

    Und ja, wir sind in gewisser Weise selber schuld: Weils so existentiell wichtig ist, wehrt sich einfach keiner. Die Verlage kennen ihre Position und cashen sie aus.

  16. #16 Sven Türpe
    25. Februar 2012

    Der Unterschied zwischen Elsevier und anderen Verlagen und Google besteht meines Erachtens darin, dass die von Dritten bereit gestellten Inhalte im Fall von Google weiterhin frei zugänglich sind.

    Das ist eine Angelegenheit, die Urherber und Verwerter untereinander klären müssen. Offensichtlich messen einige Urherber der allgemeinen kostenlosen Verfügbarkeit ihrer Werke einen geringeren Stellenwert bei als der Verwertung durch Elsevier, während andere lieber auf Google als Geschäftspartner setzen. So weit, so normal. Was war jetzt noch mal das Problem?

    Weiterhin wird das was Google ausmacht (der Suchalgorithmus, die Entwicklung weiterer Tools, etc.) von Google selbst finanziert, also entweder selbst entwickelt oder dazugekauft.

    Das gilt für jedes Wirtschaftsunternehmen: ein Teil der Einnahmen fließt in Betrieb und Investitionen. Ist der Betrieb gut geführt, bleibt hinterher ein Gewinn übrig.

    Im Gegensatz dazu gibt der Autor, dessen Paper in einem “traditionellen” Journal erscheint, in der Regel die Copy Rights an den Verlag ab.

    Und zwar für genau das veröffentlichte Paper – und nicht für die verwendeten Daten oder die erzielten Forschungsergebnisse. Wir reden hier die ganze Zeit nur spezifische Repräsentationen von Forschungsergebnissen, das sollten wir nicht vergessen, und zwar über solche, die vor allem der Kommunikation unter Wissenschaftlern dienen. Nichts und niemand hält Wissenschaftler davon ab, ihre Ergebnisse als Technical Report ins Netz zu stellen. Oder fordert Elsevier eine ungewöhnlich umfassende Rechteübertragung?

  17. #17 Sven Türpe
    25. Februar 2012

    Google verlangt keine Gebühren.

    Doch, nur an einer anderen Stelle: für Werbeeinblendungen.

    Der Reputationserzeugende Punkt ist das Peer-Review. Je härter und genauer das ist, desto besser ist die Reputation.

    D.h. Mathematiker brauchen gar keine Journale. Sie könnten Ihre Artikel einfach ins Netz stellen, nachdem (n+1) Kollegen den Inhalt begutachtet und dies beispielsweise mit einer digitalen Signatur bestätigt haben. Warum tun sie das dann nicht einfach und nörgeln stattdessen über die Verlage?

    Siehst du die Zeichnung oben? Streiche den ganzen rechten Teil raus. Der wo “Publisher” drauf steht.

    Warum soll ich diesen Teil streichen? Er existiert!

    Warum sollte Wissenschaft was kosten?

    Weil sie einen Wert hat. Genau wie Brötchen, die ebenfalls was kosten.

    Und wer sollte das Geld erhalten?

    Wenn es nach mir geht, diejenigen, die funktionierende Geschäftsmodelle entwickeln und unterhalten. Ein Geschäftsmodell funktioniert immer dann, wenn es nachhaltig Einnahmen generiert, die höher als die aufzuwendenden Kosten sind.

    Die einzigen, die es verdient hätten Geld zu kriegen, stehen auf der linken Seite der Grafik.

    Träumer.

    Wenn du eh im Vorfeld sagen kannst, dass da was bei raus kommt, dann brauchst du da kein teures Forschungsgeld und Manpower investieren.

    Nach meinen Erfahrungen geht teures Forschungsgeld oft gerade an jene, die in ihren Anträgen den Eindruck erwecken, sie könnten planmäßig auf ein erklärtes Ziel hinarbeiten. Aber ich kenne nicht alle Förderinstrumente aus eigener Erfahrung, vielleicht ist mein Bild verzerrt.

  18. #18 Sven Türpe
    25. Februar 2012

    Geld für verlegerische Tätigkeit is schon OK, aber Urheberrechtsübertragung, doppeltes Abkassieren, sinnlose Bündelungen von Zeitschriften gehen einfach zu weit.

    Was zu weit geht, bestimmt der jeweilige Absatzmarkt. Er nimmt die Angebote von Elsevier offensichtlich an, ohne durch eine Monopolstellung dazu gezwungen zu sein. Das gilt auf beiden Seiten, bei den Produzenten und Zulieferern wie bei den Kunden des Wiederverkäufers.

    Wenn jemand Elsevier wirklich treffen will, muss er entweder den Kunden oder den Zulieferern bessere Angebote machen als Elsevier es kann. Bessere Angebote an die Kunden dürften dabei den schnelleren Erfolg bringen, da Elsevier an dieser Stelle nichts mit reduzierter Produktqualität kompensieren kann.

    Ach, komm, das liegt doch auf der Hand: für den einzelnen Forscher ist Reputation ein Teil der intrinsischen Motivation, überhaupt in der Forschung zu arbeiten. Die Bezahlung in der Forschung ist nämlich ausnehmend mies. Des weiteren entscheidet diese Reputation (und direkt damit zusammenhängend die Publikationen) über ALLES: Stelle, Projektfinanzierung, eventuelle Karriere. Also über die berufliche Existenz.

    Verstehe ich das richtig? Ohne die Reputation, für deren Produktion und Verwaltung Verlage wie Elsevier die Infrastruktur bereitstellen, wäre Wissenschaft also nur als Hobby möglich. Elsevier erweist einzelnen Wissenschaftlern, der Community und der gesamten Gesellschaft einen unschätzbaren Dienst – und ein paar Leute regen sich darüber auf, dass Elsevier damit auch Geld verdient.

  19. #19 michael
    25. Februar 2012

    > Verstehe ich das richtig?

    Nein!

  20. #20 Sven Türpe
    26. Februar 2012

    > Nein!

    Wohlan, klär er mich auf!

  21. #21 Thilo
    26. Februar 2012

    @ Sven Türpe: Was ist Dein Problem? Elsevier hat das Recht, auf eine Maximierung seiner Gewinne hinzuarbeiten und ebenso haben die Mathematiker das Recht, auf eine Minimierung ihrer Kosten hinzuarbeiten. (Zumal bei Elsevier den Kosten keine adäquate Leistung gegenübersteht.) So what?

  22. #22 Thilo
    14. Juni 2012

    Notices of the AMS: Mathematicians take a stand von Arnold und Cohn, und Elseviers Antwort