1935 hat Stalin sein Verständnis von Realpolitik in die Frage gefasst, wie viele Divisionen der Papst denn habe. Der Papst hat seine Schweizer Garde, auf dem Feld der imperialen Mächte vor dem zweiten Weltkrieg irrelevant.

Heute hören wir diese Frage wieder, als Frage nach der Geltung des Völkerrechts, wenn Menschen durch militärisches oder paramilitärisches Handeln sterben. Recht leise nach dem Irakkrieg, nach dem Massaker von Sebrenica, dem Völkermord in Ruanda, vernehmbarer nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine 2022 oder dem Massenmord der Hamas an Jüdinnen und Juden im Oktober 2023, und nun ganz laut nach Trumps militärischer Spezialoperation in Venezuela und seiner erneuerten Ankündigung, sich Grönland zu holen und den Befürchtungen, danach komme Island und wer weiß was noch. Pfeifen im Walde?

Wobei nicht alle ganz laut sind. Bundeskanzler Friedrich Merz kommentierte, das Völkerrecht gelte „grundsätzlich“, im Juristendeutsch also, mit Ausnahmen. Die Politik in Europa ist gefangen im Spagat zwischen handfesten Abhängigkeiten von den USA und dem Wunsch, den European way of life nicht einfach aufzugeben, zumal nicht einmal klar ist, ob man ihn gegen US-amerikanisches Dark Enlightenment oder die russische Seele eintauschen müsste.

Dass ein Papst nicht nur mit Divisionen Einfluss auf die Weltpolitik nehmen kann, sondern, natürlich unter den passenden Rahmenbedingungen, auch anders, hat dann die Rolle des polnischen Papstes beim Wandel im Ostblock gezeigt. Auch für Europa und das Völkerrecht war man schon einmal zuversichtlicher.

So unumstößlich derzeit die Macht des Bündnisses von Thron und Silikon in den USA scheint, eine Symbiose asozialer Rücksichtslosigkeit, so hilflos das europäische Insistieren auf die Geltung der UN-Charta und des Völkerrechts, hämisch beobachtet von vielen im globalen Süden, weil Europa jetzt mit seiner langjährigen Doppelmoral bei der Durchsetzung des Völkerrechts konfrontiert ist, so lehrreich könnte die Frage nach den Divisionen des Papstes doch auch heute sein.

Natürlich braucht es echte Divisionen. Aufgerüstet wird in Europa schon, auch weltweit heißt es Böller statt Brot. Unkoordiniert zwar, ein aufgescheuchter Hühnerhaufen eben, vielleicht mit den vielen Käufen in den USA auch nicht unbedingt immer strategisch klug, aber die Hard Power Europas wächst und wird ernstzunehmender. Die Soft Power kann aber nicht nur in der rituellen Beschwörung des Völkerrechts bestehen. Das hat Stalin nicht beeindruckt, Hitler nicht, Putin nicht und Trump zeigt auch wenig Respekt vor solchen Geboten. Zumal wenn es mehr als zehn sind, das übersteigt schon seine Aufmerksamkeitsspanne.

Europäische Soft Power ist nicht bedrucktes Papier, sondern wäre das, was die Menschen bereit wären, zu verteidigen: Aussichten auf ein gutes Leben, auf eine menschenwürdige Behandlung im Krankheitsfall oder in der Pflege, auf bezahlbare Mieten, darauf, bei der Arbeit nicht ausgebeutet zu werden, mitsprechen zu können, ob eine neue Straße gebaut wird und wessen Grundstücke dafür genommen werden, sich darauf verlassen zu können, dass vor Gericht wenigstens halbwegs alle gleich sind und nicht völlig unverblümt Recht nach Maßgabe der Macht gesprochen wird und noch ein paar Dinge mehr. Sie müssen im Alltag erfahrbar sein, nicht nur in den ersten 20 Artikeln des Grundgesetzes nachlesbar.

Wir erleben gerade aber im Gegenteil, dass die Wirtschaftskrise dazu führt, eben jene Aussichten auf ein gutes Leben für viele Menschen einzuschränken. Der Gürtel soll enger geschnallt werden, heißt es, noch enger. Dazu sind sich manche auch nicht zu schade, Märchen von Milliardeneinsparungen beim Bürgergeld zu erzählen, oder davon, dass die Beschäftigten in Deutschland zu faul seien, zu wenig arbeiten, lieber krankfeiern. Wenn „das System“ aber den Menschen grundsätzlich misstraut, warum sollten sie es verteidigen? Nach außen im Ernstfall mit ihrem Leben, nach innen durch Wählerstimmen für die demokratische Mitte?

Müsste nicht der Aufrüstung bei den Divisionen auch eine Aufrüstung des Füreinander-Einstehens folgen? Braucht es nicht ein Nachdenken darüber, wie trotz der prekären Finanzlage mehr gesellschaftliche Solidarität möglich ist, statt sozialpolitisch die alten Reflexe zu mobilisieren, mit etwas Mildtätigkeit gegenüber den sozial Schwachen? Die Zeitenwende scheint im Verhältnis von Sozialpolitik und Außenpolitik noch nicht angekommen zu sein.

Kommentare (16)

  1. #1 M. Hahn
    7. Januar 2026

    Ich weiß, hilft auch nicht weiter:
    Aber DANKE für Ihre klar formulierten Gedanken, nicht nur in diesem Text!
    Klar fomuliert hat auch Trump-Berater Stephen Miller:
    “Wir leben in der realen Welt, die von Stärke, von Gewalt und von Macht regiert wird. Das sind die eisernen Gesetze der Welt seit Anbeginn der Zeit.” (So in der SZ vom 7. Januar zitiert)

    Kaum schlechter hätte es auch Hitler fomuliert. “Ehern” statt eisern vielleicht.

    Von Groucho Marx ist der Kalauer:
    “Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.”

    Stärke des Rechts statt Recht des Stärkeren. Offenbar ist diese “Soft Power” nur noch “das andere Prinzip”. In Teilen von Europa. Als global geteilter Wert ein ausgeträumter Traum.

    Drei Großmacht-Regierungen, denen das Recht des Stärkeren genügt. Ohne die Sorge, sich vor Ihrer Bevölkerung dafür noch rechtfertigen zu müssen.
    Ein Haus Europa, wo der Hausschwamm als Spaltpilz schon tief im Gebälk ist.

  2. #2 Sebastian
    7. Januar 2026

    wieder so ein Linker Chaot:

    “An den USA könne man sehen, wie sich das Land unter Donald Trump in Richtung eines autoritären Willkürregimes bewege.”

    • #3 Joseph Kuhn
      7. Januar 2026

      @ Sebastian:

      Was sehen Sie denn an den USA?

  3. #4 Sebastian Schneider
    7. Januar 2026

    aus was für einem Comic ist das abgeschrieben:

    “Der Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson, sprach sich deutlich gegen einen Militäreinsatz zur Übernahme Grönlands aus.”

  4. #5 Sebastian
    7. Januar 2026

    @ Joseph Kuhn

    Frage “Was sehen Sie denn an den USA?”

    Die bessere Frage wäre vielleicht gewesen:

    “Was sehen Sie denn in einem ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts”?

    “Ex-Verfassungsrichter:

    Voßkuhle sieht Demokratie in Gefahr

    (…) An den USA könne man sehen, wie sich das Land unter Donald Trump in Richtung eines autoritären Willkürregimes bewege. (…)”

    https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/vosskuhle-demokratie-100.html

    Ist doch schön, wenn das jemand sagt, den man nicht so leicht als “linksradikal” los wird. Ich stimme Andreas Voßkuhle natürlich zu. Voßkuhle hat das vor der Entführung Maduros durch die USA gesagt.

    • #6 Joseph Kuhn
      7. Januar 2026

      @ Sebastian:

      Bei dem Satz ist Voßkuhle zuzustimmen, viele Leute sehen das ähnlich. Wenn man jetzt noch die Kurve zum Blogthema kriegen würde …

  5. #7 Sebastian
    7. Januar 2026

    “Wenn man jetzt noch die Kurve zum Blogthema kriegen würde …”

    mmh, ich denke, da ist vieles Thema … Völkerrecht vs. Realpolitik (mit Bezug auf etwas Unsägliches, das mit M beginnt), das Recht des Stärkeren – “Stalin, Hitler, Putin, Trump” (wenn das mal keinen Ärger gibt!), “die Macht des Bündnisses von Thron und Silikon in den USA” (das Silikon wirkt auch in Deutschen Haushalten), die Macht des Papstes (an die ich nicht glaube, »Laudato si’« hat was gebracht?), die EU (die schon lange keine Gemeinschaft mehr ist), Sozialpolitik (Entschuldigung für den Euphemismus!) … hab ich was vergessen?

    Das “Füreinander-Einstehen” können wir dann ja demnächst gemeinsam mit den Grönländern üben, ich bin gespannt!

    Vielleicht überraschen uns die USA aber auch mit einem Drehbuch-Coup, den noch niemand gesehen hat? Trump hat ja lange Show-Erfahrung:

    “IT’S NOTHING PERSONAL. IT’S JUST BUSINESS.” – “The Apprentice 1 official intro”: https://www.youtube.com/watch?v=9paNJJqMn3c

    • #8 Joseph Kuhn
      8. Januar 2026

      @ Sebastian:

      Vieles ist Thema, der Kern ist die Diskrepanz zwischen den Anforderungen der Außenpolitik und dem Agieren wirtschaftsliberaler Kräfte in der Sozialpolitik. Auf der einen Seite sollen die Menschen „kriegstüchtig“ werden, bereit, diese Gesellschaft mit ihrem Leben zu verteidigen, auf der anderen Seite hält man ihnen vor, zu faul zu sein und lieber krankzufeiern als zu arbeiten. Das passt nicht zusammen.

  6. #9 Staphylococcus rex
    8. Januar 2026

    Auf die Frage nach den Divisionen des Papstes gibt es mehrere mögliche Antworten. Die blumige/bildhafte Antwort stammt aus Römer 13,12 “So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.” Obwohl das Christentum eher sehr obrigkeitsfolgsam eingestellt ist, kann man dieses Zitat nach meiner Einschätzung sehr wohl als Aufruf zum Widerstand interpretieren.

    Z.B. bei der belgischen Revolution 1830 verlief die Bruchstelle nicht im Bereich der Sprachgrenze, sondern im Bereich der Religionsgrenze. Auch gab es einen Kulturkampf im Deutschen Reich zwischen dem protestantischen Preußen und dem Katholizismus. Eine mögliche Antwort auf die Frage nach den Divisionen des Papstes ist daher die Antwort, es sind all die Unzufriedenen in den jeweiligen Ländern, welche den Papst zumindest als moralische Instanz anerkennen.

    Wenn man die EU als “soft power” analog zum Kirchenstaat betrachtet, stellt sich natürlich die Frage, um welche Werte es geht, welche die EU derartig einzigartig machen und um die es sich zu kämpfen lohnt.

    Es ist definitiv nicht die moralische Überlegenheit der EU in außenpolitischen Fragen. Zu oft hat die EU in der Vergangenheit mit zweierlei Maß gemessen, zu tief sitzt der Frust über das Appeasement europäischer Führer gegenüber den neuen Großmächten.

    Die Errungenschaften der EU liegen im Inneren. Wir haben in den Regionen, die sich den Populisten verweigern, eine funktionierende Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit. Wir haben innerhalb der EU seit ihrer Gründung keine Kriege zwischen ihren Mitgliedsstaaten. Selbst die deutsch-französische “Erbfeindschaft” konnte überwunden werden. Wir haben innerhalb der EU eine lange Phase des Wohlstands ohne große Kataklysmen. Vorher mußte praktisch jede Generation darum bangen, durch größenwahnsinnige Führer, durch Kriege oder Inflation um ihr Lebenswerk geprellt zu werden, dieses Risiko ist jetzt nicht gleich Null, aber deutlich geringer als ohne EU. Wir haben in der EU Sozialsysteme, die auch unter Streßbedingungen ihren Namen verdienen. Wenn ich mir in den USA die kläglichen Reste von Obamacare anschaue, bin ich froh und dankbar, innerhalb der EU zu leben.

    Die EU ist das Werk ihrer Bürger, und sie muss auch durch ihre Bürger beschützt werden. Es ist das Trommelfeuer der Parolen vom rechten Rand, welche die EU kleinreden wollen. Die EU ist mehr als nur ein Wirtschaftsraum, es ist eine Werte- und Schicksalsgemeinschaft, für die es sich einzustehen lohnt. In dem Augenblick, wo die Länder der EU Einigkeit demonstrieren, ist dies ein Signal an die Menschen in den USA, Russland oder China, dass es eine Alternative zu den jeweiligen Führern gibt.

  7. #10 naja
    9. Januar 2026

    @ Staphylococcus rex

    Froh in der EU zu leben bin ich definitiv auch.
    Zu Zeiten des kalten Kriegs gab es aber scheinbar durchaus mehr Anreize, den Bürgern im Westen “ein gutes (besseres/besser als drüben) Leben” zu ermöglichen. Das gilt heute wohl nicht mehr.

    Damit ist auch ein Gesellschaftsvertrag aufgekündigt, was nicht gerade zu gesellschaftlichem Zusammenhalt beiträgt, denke ich.

    Wiederbewaffnung bzw ein Wettrüsten vor dem Hintergrund von Sozialreformen, die die Bürger schlechter stellen, sind etwas anderes als ein Wettrüsten vor dem Hintergrund einer Vermögenssteuer, eines erhöhten Spitzensteuersatzes, etc pp. Selbst wenn das nur symbolisch ist, während die Krankenkassenbeiträge steigen und wieder über eine Praxisgebühr nachgedacht wird, erhöht sich der Bundestag die Diäten. Das ist nicht das beste Signal zu dem Themenkomplex “über unsere Verhältnisse gelebt”.

    An den Umständen, die den Menschen das Leben zunehmend erschweren, wird nichts verändert, es wird mindestens verbal verschärft. Die Idee den Wehrdienst auszulosen und dann unter den gelosten auf Zwangsrekrutierung zu setzen, fand ich zum Beispiel ziemlich absurd.
    Wenn die Besserbetuchten nicht mal einen angemessenen Spitzensteuersatz, Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer zahlen können, weil dann alle abwandern oder pleite gehen, wie können dann Bürgergeldempfänger unter die Armutsgrenze sanktioniert werden? Können unsere “Leistungsträger” nicht auch etwas mehr leisten für unseren Reichtum, unsere Freiheit und unsere Lebensart, die wir vor Angriffen der “neuen Weltordnung” schützen wollen?
    Wofür soll der Normalbürger kämpfen? Dafür, dass andere unanständig reich sind? Dafür ist unser Bildungssystem noch zu gut. Da muss dann eine ideologische Verblendung und Heldenverehrung wie in Russland oder MAGA- Land her.

  8. #11 Staphylococcus rex
    9. Januar 2026

    @ naja, in meinem Beitrag habe ich mich darauf fokussiert zu begründen, warum die EU es wert ist verteidigt zu werden. Dies war schon schwer genug, deshalb blieb kein Platz für die Frage, warum es gerade so schwer fällt, für die EU einzustehen. Die Bemerkungen zum Gesellschaftsvertrag sind absolut zutreffend.

    Grob vereinfachend haben wir die Unterschichten, denen Transferleistungen gekürzt werden sollen, wir haben die Mittelschichten, die von Abstiegsängsten geschüttelt werden und wir haben die Oberschicht, die nicht bereit ist, in dieser kritischen Zeit zu teilen.

    In der aktuellen Phase haben wir ökonomisch den “perfekten Sturm” aus Ökologie (Klimawandel), Demografie (Überalterung) und politischer Instabilität (neuer Imperialismus und erhöhte Militärausgaben). Die aktuelle Arbeitsproduktivität reicht nicht aus, um auf all diese Herausforderungen eine befriedigende Antwort zu geben. Die Veränderungen der KI in der Arbeitswelt kann in ca. 10 Jahren das Problem entschärfen, aber wir brauchen Lösungen, die hier und jetzt funktionieren.

    Was wir derzeit ganz dringend brauchen, ist ein “new deal”, der den Gesellschaftsvertrag an die aktuellen Rahmenbedingungen anpaßt, ohne dabei all die sozialen und demokratischen Errungenschaften zu opfern.

  9. #12 Sebastian
    9. Januar 2026

    @ Staphylococcus rex

    Sie wissen schon, das “new deal” ein inhaltsleerer Propaganda-Begriff ist? In der amerikanischen Ur-Fassung. googeln Sie selbst …

    Mal abgesehen vom Begriff “new deal” frag ich mich, was das eigentlich sein soll: “Was wir derzeit ganz dringend brauchen, ist ein “new deal”, der den Gesellschaftsvertrag an die aktuellen Rahmenbedingungen anpaßt, ohne dabei all die sozialen und demokratischen Errungenschaften zu opfern.”

    ist das sowas wie eine “friedliche Revolution”? Ein erster Platz im Floskeln-Formulieren?

  10. #13 Staphylococcus rex
    12. Januar 2026

    Der Begriff “new deal” ist alles Andere als ein Propaganda-Begriff. Es war die Antwort Franklin Roosevelts auf eine existenzielle Krise in den USA:
    https://de.wikipedia.org/wiki/New_Deal

    Wenn eine Gesellschaft von inneren Widersprüchen zerrissen ist, wenn die Oberschicht von ihren Privilegien nicht abrücken will und die Unterschicht nicht bereit ist, ihren Zustand dauerhaft hinzunehmen (siehe auch den linken Begriff “revolutionäre Situation”), dann gab es früher zwei Auswege: entweder einen Umsturz von links mit einer Enteignung der bisherigen Oberschicht oder einen Umsturz von rechts mit Repressionen und ggf. der Flucht in einen außenpolitischen Konflikt zur Ablenkung von den aktuellen Problemen.

    Ich habe die DDR miterlebt und ein linker Umsturz ist für mich keine Alternative. Meine Großeltern und Urgroßeltern haben im zweiten Weltkrieg alle Ersparnisse und Besitztümer verloren. Wenn ich mir die aktuelle Politik nationalkonservativer und libertärer Parteien anschaue, dann ist deren Politik für mich ebenfalls absolut inakzeptabel. Die Partei, die mit ihrem Namen eine Alternative verspricht, will mit den Lösungen von gestern und vorgestern die Probleme von heute und morgen lösen, dies kann nur schiefgehen.

    Wenn man sich die Maßnahmen des “new deals” in den USA der 30-er Jahre genauer anschaut, dann sieht man dort eine Reihe von Teilelementen, einerseits kurzfristige Maßnahmen zur Linderung der aktuellen Not, aber auch langfristige soziale Maßnahmen wie die Einführung einer Sozialversicherung und außerdem regulatorische Maßnahmen für die Wirtschaft.

    Zusammenfassend ist ein “new deal” eine teilweise Enteignung der Oberschicht. Mittel- und Unterschichten bekommen menschenwürdige Bedingungen und wirtschaftliche Stabilität. Die Oberschicht in den USA (zumindest die Heritage Foundation und Trump) haben den gesellschaftlichen Grundkonsens aufgekündigt. Die Kürzung der Sozialleistungen ist aber nur möglich in einer Atmosphäre der Spaltung, der Angst, der Abschaffung der Meinungsfreiheit und dem hohen Risiko unkalkulierbarer außenpolitischer Abenteuer. Den kurzfristigen Vorteilen für die Oberschicht stehen erhebliche mittel- und langfristige Risiken gegenüber. Aus Sicht der Oberschicht ist ein “new deal” eine langfristige Investition in eine sichere Zukunft.

    Ich verwende den Begriff “new deal” hier als Synonym für einen friedlichen Ausgleich zwischen den Interessen großer gesellschaftlicher Gruppen. Obwohl der Begriff “new deal” sich primär auf die USA der 30-er Jahre bezieht, gibt es vergleichbare politische Eingriffe. Ein Beispiel ist die Einführung der deutschen Sozialversicherungen unter dem Eindruck der Pariser Kommune. Ein anderes Beispiel ist die Einführung der sozialen Marktwirtschaft und der Sozialpartnerschaft in der alten Bundesrepublik.

    Große Sozialreformen sind verknüpft mit dem Wirken historischer Persönlichkeiten, die sich zumindest teilweise über ihre primären Rollenbilder erheben konnten. Weder die Ampel noch die GroKo haben es bisher geschafft, sich über das Tagesgezänk zu erheben und weitreichende Reformen zu schaffen.

    @ Sebastian, anstatt andere Redner zu canceln, könnten Sie einfach mal eigene Vorschläge in den Raum werfen.

  11. #14 Sebastian
    12. Januar 2026

    Staphylococcus rex: “Zusammenfassend ist ein “new deal” eine teilweise Enteignung der Oberschicht.”

    So wie in den USA? Wo die Oberschicht ja gar nicht mehr existiert, wegen der Enteignungen. Fragen Sie Elon Musk und seine Buddies …

    sorry, so fantastische Ideen zur Weltgeschichte habe ich einfach nicht, kann also keine vergleichbaren “eigenen Vorschläge in den Raum werfen”.

    Aber “Redner canceln” kann hier nur Joseph Kuhn.

  12. #15 Sebastian
    12. Januar 2026

    @ Staphylococcus rex: “Ich habe die DDR miterlebt und ein linker Umsturz ist für mich keine Alternative.”

    Was bedeutet das? Waren Sie vor der “Wende” Bürger der DDR? Oder haben Sie aus dem Westen auf die DDR geschaut? Oder “…” komme ich gerade nicht auf die originelle Frage?

    Ich bin “Wessi”, kenne die DDR oberflächlich, von einigen Kurzbesuchen. Die DDR hatte für mich und andere vor allem dieses Verdienst: “Im West-Berlin der Achtziger habe die Mauer … den “Rahmen für grenzenlose Freiheit” gebildet.” zitiert aus: https://www.spiegel.de/kultur/kino/dokumentarfilm-b-movie-lust-sound-in-west-berlin-a-1034707.html

  13. #16 Sebastian
    21. Januar 2026

    “Das “Füreinander-Einstehen” können wir dann ja demnächst gemeinsam mit den Grönländern üben, ich bin gespannt!”

    Das war jetzt total daneben! Man zitiert sich doch nicht selber!

    Ich mach mal ne Ausnahme: die Aktienkurse rauschen gerade nach unten, in Erwartung des Auftritts von Donald in Davos:

    “Vor Rede beim Weltwirtschaftsforum
    Trump rechnet mit Lösung im Grönland-Streit …”, https://www.tagesschau.de/ausland/trump-weltwirtschaftsforum-davos-100.html

    Wenn da die EU oder irgendwer anderer Trump nachgibt, können die “Westlichen Werte” endlich begraben werden. Wäre doch eigentlich nicht schlecht, dann nervt uns keiner mehr mit der ewigen Lüge.