Um Missverständnisse zu vermeiden, eines im Voraus: Rauchmelder sind eine empfehlenswerte Präventionsmaßnahme. Sie sind erschwinglich und können Leben retten. Brände sind auch in Deutschland nach wie vor eine nicht zu unterschätzende Todesursache. 361 Sterbefälle durch Brände verzeichnet die Todesursachenstatistik für das Jahr 2024, darunter haben sich 271, drei Viertel, im häuslichen Bereich ereignet, also da, wo in der Regel Rauchmelder verpflichtend sind.

In der internationalen Literatur finden sich einige Evaluationsstudien zur Prävention von Bränden im häuslichen Bereich, die überwiegend zu dem Befund kommen, dass Rauchmelder, in Kombination z.B. mit regelmäßigen Inspektionen, eine wirksame präventive Maßnahme sind, um Sterbefälle infolge von Bränden zu verringern.

Fraglich ist bei solchen Studien aber immer die Übertragbarkeit auf Deutschland, da die Verhältnisse je nach Land, von der Bauweise der Wohnungen bis zur Versorgung von Brandopfern, sehr unterschiedlich sein können. Interessanterweise scheint es für Deutschland aber nur eine einzige Wirksamkeitsstudie mit dem Endpunkt Sterbefälle zu geben. Es handelt sich um eine Zeitreihenanalyse von Festag, die die brandbedingten Sterbefälle in Deutschland von 1998 bis 2016 betrachtet. Als Affiliation des Autors ist die Hekatron GmbH angegeben, eine Firma, die u.a. Rauchmelder vertreibt. Vor diesem Hintergrund irritiert die Erklärung zu Interessenkonflikten: „The authors declare that they have no known competing financial interests or personal relationships that could have appeared to influence the work reported in this paper.“ Auch die Publikationsgeschichte der Studie ist nicht ganz transparent. Die Analyse war bereits 2020 unter der Coautorenschaft von Marion Meinert erschienen, im Magazin „ProSicherheit“, das von eben jeder Firma verantwortet wird.

Die Studie stellt einen etwas stärker rückläufigen Trend der tödlichen Brandunfälle im Zeitraum 2004 bis 2016 verglichen mit dem Zeitraum 1998 bis 2003 fest. 2003 gab es erstmals eine Pflicht zur Installation von Rauchmeldern in Rheinland-Pfalz.

Solche einfachen Zeitreihenanalysen haben durchaus explorativen Wert, aber für sich genommen wenig Beweiskraft. Im vorliegenden Fall hängt beispielsweise die Aussage zum Trend vor und nach 2003 davon ab, welchen Zeitraum man betrachtet. Lässt man ihn zu bestimmten früheren Jahren beginnen und später enden, kann man auch ein Ergebnis bekommen, dass der Trend sich abgeschwächt hat. Diese Abhängigkeit des linearen Trends vom beobachteten Zeitraum zeigt sich auch in der eher mäßigen Modellgüte bei einer einfachen linearen Zeitreihenanalyse.

Man könnte auch fragen, ob z.B. nicht der Anteil der Sterbefälle bei häuslichen Bränden an allen Brandopfern hätte stärker zurückgehen müssen, oder warum er seit einigen Jahren wieder leicht ansteigt.

Festag (2021) differenziert zwar die Daten auch nach Bundesländern, aber der Schluss auf den kausalen Effekt der Rauchmelder bleibt spekulativ. Umgekehrt spricht auch der leichte Anstieg des Anteils häuslicher Brände nicht gegen die Wirksamkeit von Rauchmeldern, er könnte ohne Rauchmelderpflicht noch stärker angestiegen sein. Man müsste weitere Einflussfaktoren, z.B. Verbesserungen bei der Feuerwehr, beim Rettungswesen, der medizinischen Versorgung von Brandopfern, beim Brandschutz in Wohngebäuden usw. berücksichtigen. Unklar ist auch, wie gut die Pflicht zur Installation von Rauchmeldern überhaupt umgesetzt wird und ob es hier relevante regionale Unterschiede gibt. Eine – wiederum aus der Wirtschaft kommende – neuere Umfrage deutet hier auf Wissenslücken sowohl von Vermietern als auch Mietern zur Installationspflicht hin. Bei kleinräumigen Vergleichen anhand der Todesursachenstatistik wäre zudem auch noch zu bedenken, dass die Todesursachenstatistik den Wohnort, nicht den Ereignisort des Sterbefalls dokumentiert.

Interessant ist vielleicht noch die altersdifferenzierte Betrachtung der Sterbefälle. Erwartungsgemäß liegen die Raten bei den Älteren höher als bei den Jüngeren, d.h. die Älteren haben ein höheres Risiko, durch einen Brand zu sterben als die Jüngeren. In den letzten 25 Jahren nahmen die absoluten Zahlen in den jüngeren Altersgruppen ab und blieben bei den Älteren mehr oder weniger gleich, darin spiegeln sich allerdings primär demografische Veränderungen wider: Die altersspezifischen Raten nehmen gerade bei den Älteren deutlich ab, bei den Jüngeren gibt es keine großen Veränderungen. Welche Rolle Rauchmelder bei dieser Entwicklung spielen, lässt sich aus den Daten nicht ablesen.

Auch wenn die Wirksamkeit von Rauchmeldern zur Verhütung von Sterbefällen nicht wirklich infrage steht, sie wird hinreichend durch Augenschein-Plausibilität, die Erfahrungen der Feuerwehr und auch einzelne Studien gestützt, eine Verbesserung der Datenlage für Deutschland, mit Blick auf die Einbettung in den Brandschutz insgesamt, unterschiedliche technische Lösungen und das Wissen der (alternden) Bevölkerung, wäre trotzdem sinnvoll, um Ansatzpunkte für eine weitere Verringerung der Opferzahlen zu gewinnen.