Am Freitag Abend hat Oliver Welke in der Heute-Show mit den Worten „Pech für den Iran“ darauf hingewiesen, dass Trump weiter vom Epstein-Skandal verfolgt wird. Ganz von der Hand zu weisen ist dieser Konnex nicht. Aber “vielleicht”, „plausibel“ und „belegt“ sind keine Synonyme. Jedenfalls hat das „Pech“ den Iran schneller ereilt, als Welke wohl dachte. Wenige Stunden später haben die USA und Israel den Iran angegriffen.

Eigentlich waren Iran und die USA noch in Verhandlungen, und eigentlich, so sagten sie, sei eine Einigung möglich. Ob die Verhandler der USA wussten, dass sie nur noch zum Schein verhandeln? In der Berliner Morgenpost wird Russlands Medwedew mit dieser Einsicht zitiert: “Alle Verhandlungen mit dem Iran sind eine Tarnoperation. (…) Niemand wollte sich wirklich auf irgendetwas einigen“. Ob er dabei auch an die russische Verhandlungsstrategie in Sachen Ukraine denken musste?

Und wie soll man das alles bewerten, moralisch, politisch, völkerrechtlich? Das Mullah-Regime ist ein mörderisches Regime, ein massenmörderisches genauer gesagt. Es verdient keinerlei Mitgefühl. Aber das Völkerrecht beruht nicht auf Gefühlen. Auch nicht auf Drecksarbeit-Gefühlen. Israel sprach zwar von einem „Präventivschlag“. Aber kann man es völkerrechtlich so sehen? Eher nicht, oder vielleicht doch, irgendwie, wenn klar war, dass die Verhandlungen scheitern? Friedrich Merz wird die völkerrechtliche Einordnung vermutlich wie die Entführung Maduros als „komplex“ bezeichnen. Für die moralische und politische Einordnung des Angriffs wird man dieses Adjektiv gelten lassen müssen. Und für die völkerrechtliche? Außenminister Wadephul wartet lieber mal ab, komplex eben.

Irans Außenminister Abbas Araghtschi gibt sich in Sachen Moral und Recht prinzipientreu: Der Krieg sei „völlig unprovoziert, illegal und unrechtmäßig“, so wird er in der WELT wiedergeben. Er mag, was das Recht angeht, recht haben, aber wie glaubwürdig ist die Berufung auf das Recht aus dem Mund einer Mörderbande?

Auch China bemüht die Regeln eines zivilisierten Miteinanders und fordert, die Angriffe sofort einzustellen: „Die Souveränität, Sicherheit und territoriale Integrität Irans müssten respektiert werden“, zitiert der SPIEGEL. Wenn China das auch so vehement von Russland gegenüber der Ukraine eingefordert hätte! Glaubwürdigkeit kann nicht nur im Ich-brauche-kein-Völkerrecht-Westen verloren gehen.

Das weiß vermutlich auch das russische Außenministerium, wenn es verlautbaren lässt: “Russland ist wie zuvor bereit, zur Suche nach friedlichen Lösungen auf der Grundlage des Völkerrechts, gegenseitigen Respekts und eines Interessenausgleichs beizutragen.“ Der Halbsatz “außer in der Ukraine” war sicher in den Köpfen der russischen Führung, aber naheliegenderweise nicht aussprechbar.

Der Iran hat als Antwort auf die Angriffe Raketen in mehrere Länder der Region geschickt. Der Westen warnt den Iran vor weiteren Gegenschlägen. Man tut sich in dem Fall in der Tat schwer, dem Iran ein Recht auf Selbstverteidigung zuzusprechen, zumal sich hier nicht der Iran verteidigt, sondern das Mullah-Regime. Und wer hat da überhaupt wann mit der Aggression angefangen, wenn man Irans Terrorableger Hamas oder Hisbollah mitdenkt? Komplex, vermutlich auch völkerrechtlich.

Können aus dem Iran stammende Politiker bei all dem Komplexen helfen, können sie besser als wir über den Iran urteilen? Vielleicht, aber wir wissen, wie wenig gut wir als Deutsche über Deutschland urteilen können. Zumindest haben unsere Politiker je nach Partei recht unterschiedliche Sichtweisen. Nun denn, der aus dem Iran stammende FDP-Politiker Djir-Sarai spricht sich dafür aus, den Sohn des Schah als „Gesicht der iranischen Freiheitsbewegung“ anzuerkennen. Ist er das? Vielleicht. Nicht wenige Kinder prominenter Nazis wurden gute Demokraten. Man könnte es besser beurteilen, wenn sich der Sohn des Schah glaubwürdig, da ist dieses Wort schon wieder, von den Gräueltaten des Vaters distanziert hätte. Hat er? „Nur er wird in der Lage sein, den Übergang zur Demokratie in Iran zu organisieren“, so Djir-Sarai. Ist das so?

Was, wenn nach dem Sturz der Mullahs erst Chaos und dann der Ruf nach Ordnung folgt, mit einem starken Mann, gemeinsam mit den Teilen der Revolutionsgarden, die sich den neuen Verhältnissen anzupassen bereit sind? Wird das dann als realpolitischer Pragmatismus hingenommen, als Beitrag zur Stabilität in der Region? Um eine Demokratisierungsmission dürfte es Trump und Netanjahu ja primär nicht gehen, eher um anderes. Um Öl vielleicht, gegen China vielleicht, um Israel vermutlich, um Dominanz ziemlich sicher. Komplex.

Im Krieg ist die Wahrheit das erste Opfer, heißt es oft. Ob die Wahrheit in diesem Konflikt, abgesehen von der Wahrheit der leidenden Opfer, je lebendig war?

Kommentare (18)

  1. #1 RPGNo1
    2. März 2026

    Apropos Achse Russland – Iran. Iran hat (wenig überraschend) erfahren müssen, dass es mit der Bündnistreue von Putinland nicht weit her ist.

    “The Moscow-Tehran axis is falling apart before our eyes.” – Ukrainian expert Igor Semyvolos:

    It has been confirmed that Iran did indeed seek assistance from Russia, invoking clauses on “mutual assistance in the event of a threat to sovereignty.” Moscow, however, resorted to legalistic maneuvering: since the U.S. and Israeli strikes are framed as “targeted operations against terrorist infrastructure,” rather than a full-scale invasion, the Kremlin interprets this as a case that does not fall under the collective defense provisions.

    Iran reportedly asked to activate S-400 systems and Krasukha/Leer-3 electronic warfare systems at Russian bases in Syria (Khmeimim and Tartus) to blind Israeli aircraft. Instead, Russia not only refused but, according to some reports, even switched off transponders and active radar systems at its bases during the flight of Israeli missiles, in order to avoid accidental involvement and any pretext for entering the conflict.

    The Kremlin’s refusal has been heard in Pyongyang, Beijing, and across the Global South. Russia has demonstrated that it is a “fair-weather ally.” Iranian elites – particularly the pragmatic wing – are now openly saying that the strategic bet on Russia was a mistake that led to a national catastrophe.

    https://x.com/Gerashchenko_en/status/2028165995177599345?s=20

    Übrigens: Medwedews Zynismus wird nur noch von dem seines Chef übertroffen. “Russlands Machthaber Wladimir Putin hat die Tötung Ali Khameneis als »zynischen Mord« bezeichnet. Der Angriff Israels und der USA verstoße gegen alle Normen der menschlichen Moral und des Völkerrechts, sagte Putin laut der russischen Agentur Tass.”

  2. #2 Oliver Gabath
    2. März 2026

    In meiner Bubble gibt es eine Ingenieurin mit Iranischen Wurzeln (die Eltern kamen in den 1970ern nach Deutschland), die Djir-Sarai im Wesentlichen bestätigt. Gleichzeitig gab es dort in den letzten Wochen eine fast mystische Hoffnung auf Trump und ein Eingreifen der USA und Israels. Unlikely Allies könnte man sagen, aber ganz überrascht bin ich auch nicht. In der Iranischen Diaspora sind die Mullahs nicht gerade beliebt und von anderswo ist militärische Hilfe nicht zu erwarten.

    Ich befürchte, neben den Verwerfungen für die Weltwirtschaft die die Kämpfe in der Straße von Hormus bringen, sind die Angriffe, auch wenn das abgebrühter klingen mag als ich bin, nicht ausreichend und kommen zu spät, um einen Regimewechsel herbeizuführen.

    Vor sechs Wochen wäre das anders gewesen, da waren die Straßen voller Menschen. Aber nach wochenlanger Gewalt und Tausenden von Toten noch mal Momentum aufzubauen wird schwierig. Ich freu mich, wenn ich mich irre, aber ich habe wenig Hoffnung.

    @#1 (RPGNo1):

    Wie seinerzeit Armenien im Bergkarabach-Krieg 2020. Aserbaidschan, aufgerüstet und direkt unterstützt durch das NATO-Mitglied Türkei, walzt Armenien platt und Russland tut nichts für seinen Bündnispartner.

  3. #3 RPGNo1
    2. März 2026

    @Oliver Gabath

    In meiner Bubble gibt es eine Ingenieurin mit Iranischen Wurzeln (die Eltern kamen in den 1970ern nach Deutschland), die Djir-Sarai im Wesentlichen bestätigt.

    In meiner Abteilung arbeitete vor wenigen Jahren eine studentische Praktikantin. Beim Smalltalk fragte ich sie dann, wo sie bzw. ihre Eltern denn ursprünglich herkämen. Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: Persien!

    Wie seinerzeit Armenien im Bergkarabach-Krieg 2020.

    Guter Hinweis!

  4. #4 naja
    2. März 2026

    Der Sohn des Schah als einziger “Plan” oder Idee scheint mir erbärmlich.
    Von oben glaube ich, kann man keinen regime change herbeibomben. Ich weiß nicht, ob es eine bewaffnete Opposition gibt, die mit Luftunterstützung den Job machen würde. Der Sohn des Schah wahrscheinlich nicht… Wenn es keinen regime change gibt, dann hören die irgendwann einfach auf zu bomben und dann? Egal?
    Iran und Venezuela waren beides Verbündete Russlands. Wenn als nächstes Lukaschenko stirbt oder festgenommen wird, würde ich eine Intention unterstellen. 😉 Ich meine nur superdumm ist es auch nicht, während Russland sich zentimeterweise in der Ukraine vorarbeitet unter Aufbringung eines immensen Blutzolls, “eben mal” Venezuela und den Iran zu enthaupten. Und da die Karten neu zu mischen, wenn das gelingt. Auch wenn es Risiken mit sich bringt, kann das nicht derart backfiren wie die Ukraine, weil die gar nicht kostenintensiv da reingehen.

  5. #5 RPGNo1
    3. März 2026

    Die iranische Opposition ist zerstritten. Es gibt Kommunisten, Republikaner, Monarchisten. Säkulare und orthodoxe Muslime. Dazu kommen noch die zahlreichen unterschiedlichen Ethnien (Iran ist ein Vielvölkerstaat) und die religiösen Minderheiten. Alle diese Leute haben ihre eigene Vorstellung, wie das Land aussehen soll.

    Der Unterschied zu den vielen Jahren davor ist, dass sich nun zum ersten Mal viele dieser Iraner (seien sie im Exil oder im Land) hinter einer Symbolfigur vereinigen, nämlich dem Sohn des letzten Schahs. Nicht aus Verehrung oder Sympathie, sondern aus Pragmatismus.

    So nebenbei, die US-Regierung hat bislang Reza Pahlavi und seine Anliegen NICHT unterstützt, sondern bleibt in ihren Aussagen sehr im Wagen.

    • #6 Joseph Kuhn
      3. März 2026

      @ RPGNo1:

      Die Vielfalt der oppositionellen Strömungen sowie die ethnische Vielfalt im Iran dürfte für jede neue Führung eine Herausforderung sein – und eine Versuchung, mit wendehalsfähigen Teilen der Revolutionsgarden für “Ruhe und Ordnung” zu sorgen.

      Wie viele sich im Iran wirklich hinter dem Sohn des Schah vereinigen, vielleicht nur vorläufig, vielleicht nur “aus Pragmatismus”, kann ich nicht einschätzen. Er ist jedenfalls in unseren Medien als Gesicht der Opposition derzeit sehr präsent, anders als damals bei den Frauenprotesten.

      Was mich irritiert, dass man über ihn kaum etwas weiß. Hat er sich für das Regime seines Vaters entschuldigt? Will er Schah werden? Es heißt, er lebt von dem Geld, das seine Familie außer Landes geschafft hat. Was bedeutet das, wo kommt dieses Geld konkret her? Mit welchen Strömungen der Opposition kooperiert er, mit welchen nicht? Dass es da so wenig Konkretes gibt, begünstigt, dass er als Projektionsfläche für Hoffnungen ganz unterschiedlicher Gruppen dienen kann. Da wird leider von den Medien auch nicht viel nachgefragt.

  6. #7 RPGNo1
    3. März 2026

    @Joseph Kuhn

    Hat er sich für das Regime seines Vaters entschuldigt?

    Nein, hat er nicht. Seine Aussagen bleiben dahingehend wage und ausweichend.

    Will er Schah werden? […] Mit welchen Strömungen der Opposition kooperiert er, mit welchen nicht?

    Reza Pahlavi hat bisher immer betont, dass die neue Staatsform des Iran durch ein Referendum entschieden werden soll, welchem er sich unterwerfen würde. Falls diese Entscheidung auf eine Monarchie fallen sollte, dann schwebt ihm eine konstitutionelle Monarchie im weiterem Sinne nach heutigem europäische Vorbild vor.

    Es heißt, er lebt von dem Geld, das seine Familie außer Landes geschafft hat.

    siehe Artikel aus dem Sternhttps://archive.is/EBWsI

    Prinz ohne Reich: Kann Reza Pahlavi den Iran in die Zukunft führen?

    Vielleicht helfen ja diesen beiden Kolumnen aus der WP weiter, zu einer besseren Einschätzung über Pahlavi und seinen Plänen zu kommen. Den Kotau vor Trump in der ersten Kolumne habe ich dabei wohlwollend ignoriert. 😉

    Thanks to President Trump, the hour of Iran’s freedom is at hand
    Our path forward is a new constitution followed by free elections under international oversight.

    https://archive.is/WLnCK

    How Trump can begin an Iran transition after the bloodbath
    A long history shows what not to do when trying to encourage political change in a foreign land.

    https://archive.is/nvXOY

    • #8 Joseph Kuhn
      3. März 2026

      @ RPGNo1:

      Danke für den Link zum STERN-Artikel. Er liefert immerhin ein paar Hinweise mehr zur Person des Schah-Sohns als z.B. der Tagesspiegel und andere.

  7. #9 Oliver Gabath
    3. März 2026

    Verkaufen wir nicht zu früh die Haut des Löwen. Bei aller Hoffnung auf das Ende des Mullah-Regimes bin ich skeptisch, dass das wirklich das Ziel Israels und der USA ist. Trump hat den Protestierenden schon vor sechs Wochen Hoffnung gemacht und sie dann nicht unterstützt.

    Werden die jetzigen Angriffe ausreichend sein? Werden Armee-Einheiten die Seiten wechseln? Wird Trump übermorgen das Interesse verlieren und den Sieg verkünden?

    Ich habe nicht den Eindruck, dass jemand ernsthaft Interesse daran hat, an den Verhältnissen im Iran mehr zu ändern als dem Behesht‑e Zahra ein paar Namen zuzufügen. Ein blutiges Terrorregime als Gegner scheint wertvoller zu sein als ein wenigstens freierer Iran.

  8. #10 hto
    4. März 2026

    @Gabath

    Zumindest die Taliban und/oder der IS reiben sich schon freudig die Hände.

  9. #11 naja
    5. März 2026

    Ich habe in den vergangenen Tagen Laridschani, Rohani und den Chamenei Sohn gehört als könnten wichtig werden.
    Ich werfe noch die Enkelinnen Mossadeghs in den Raum für den Fall eines regime change.

  10. #12 Joseph Kuhn
    5. März 2026

    @ Oliver Gabath:

    “skeptisch, dass das wirklich das Ziel Israels und der USA ist”

    Über das Ziel vor allem der USA rätseln offensichtlich alle Talkshow-Auguren. Verwirrend sind die wechselnden Erklärungen der Trump-Leute in der Tat.

  11. #13 Joseph Kuhn
    6. März 2026

    Kai Ambos zur rechtlichen Einordnung

    Lesenswert: https://taz.de/Rechtsprofessor-Kai-Ambos-ueber-Irankrieg/!6159419/

  12. #14 Uli Schoppe
    8. März 2026

    Wenn ich mir die unter dem TAZ Artikel anschaue bekomme ich aber zT das Gruseln.

    Zeitweise ist im Grunde der Tenor: “Hauptsache Chamenei ist tot!”
    Das Völkerrecht leider auch aber das sind halt Kollateralschäden.

    Mit Chamenei habe ich irgendwie kein Mitleid. Aber das ist wieder so eine AKtion an die sich der oberste Anführer in den USA schon morgen nicht erinnert.
    Weil er mal wieder das Interesse verloren hat und sich um den Ballsaal kümmern muss. Oder so.

    Mitleid habe ich eher mit dem Recht (das natürlich keine Person ist, das weiß ich auch 😉 ).

  13. #15 Uli Schoppe
    8. März 2026

    Nachtrag: Hinter das “die” gehört “Kommentare” 🙂

  14. #16 Joseph Kuhn
    11. April 2026

    Wechselnde Wahrheiten

    Trump hat den Krieg seiner Meinung nach “total” gewonnen, auch wenn das Mullah-Regime nach wie vor fest im Sattel sitzt und mit der Blockade der Straße von Hormus einen Griff an der Kehle der Weltwirtschaft hat.

    Der Iran sieht sich ebenfalls als Sieger des Kriegs und will Reparationen von den USA.

    Jetzt verhandeln beide Seiten in Pakistan. Ob sie sich danach gegenseitig der Lüge beschuldigen und wieder Bomben fallen, oder ob sie sich gegenseitig Respekt bekunden und künftig gemeinsam Maut in der Straße von Hormus kassieren, verbrüderte Wegelagerer, wird man sehen. Die Reparationen zahlt vielleicht Europa, verpackt als humanitäre Wiederaufbauhilfe. Die Europäer müssen schließlich büßen, weil sie sich nicht für Trump in die Bresche geschmissen haben, als sich das Scheitern seines Angriffskriegs abgezeichnet hat. Und die Befreiung der Iraner:innen vom Regime? Muss warten.

    Wahrheiten sind derzeit billig zu haben, in unterschiedlichen Größen und Farben.

  15. #17 Staphylococcus rex
    13. April 2026

    Donald Trump hat einige Tatschen ignoriert, als er diesen Krieg begonnen hat.
    1) Der sicherste Weg zum Ende des iranischen Atomprogramms ist ein Regimewechsel. Ein Regimewechsel geht nicht ohne Bodentruppen und ist bei der Geografie des Irans ohne Einbeziehung der Opposition schwer vorstellbar.
    2) Niemand kann den Iran zu einer symmetrischen Form der Kriegsführung zwingen. Den symmetrischen Krieg hat Trump gewonnen. Nur, dies hilft ihm wenig, wenn der Iran eine asymmetrische Kriegsführung betreibt. Diesen asymmetrischen Krieg kann der Iran noch etliche Wochen fortführen, eine Blockade der iranischen Häfen könnte den Iran unter Zugzwang setzen, aber angesichts der möglichen Kollateralschäden ist dies eine sehr riskante Strategie.
    3) Trump braucht für einen Sieg eine Kapitulation des Irans, das Regime im Iran muss für einen Sieg lediglich lange genug überleben. Auch hier haben wir asymmetrische Verhältnisse.

  16. #18 Staphylococcus rex
    14. April 2026

    Aus meiner Sicht ist gerade ein günstiges Zeitfenster für einen länger andauernden Waffenstillstand. Beide Seiten (USA/Israel bzw. Iran) wissen, dass ein schneller Sieg nicht möglich ist und dass eine Fortführung des Krieges einen hohen Preis von beiden Seiten fordert. Das Hauptproblem ist derzeit der Ausstieg ohne Gesichtsverlust.

    Aus meiner Sicht wäre ein passender Zeitrahmen für verbindliche Maßnahmen ein Zeitraum von ca. 5 Jahren. Mit etwas Glück haben in 5 Jahren sowohl der Iran, aber auch die USA und Israel neue Regierungen, ohne die aktuellen Akteure entfallen auch die wesentlichen Kriegsgründe. In diesen 5 Jahren wird der Iran seine Ressourcen für den Wiederaufbau benötigen, wäre also durchaus zugänglich für ein Einfrieren des Atomprogramms und eine Deckelung der Zuwendungen an Hisbollah u.a. Organisationen.

    Auf Reparationen müßten beide Seiten verzichten, der Iran hat Schäden durch die USA erlitten, hat aber auch bei den neutralen Golfstaaten Schäden der Infrastruktur verursacht. Im Golf und der Straße von Hormus gibt es eine Art eiserner Vorhang, jede Seite ist für die (freie oder eingeschränkte) Schifffahrt auf ihrer jeweiligen Seite der Grenze verantwortlich. Das wäre zwar alles andere als perfekt, aber dafür für den Iran wahrscheinlich akzeptabel. Ein Problem gibt es für das Ego von Netanjahu, der seinen Leuten erklären muss, wie er ohne permanenten Krieg für Sicherheit sorgen will und der sich dann der Aufarbeitung der letzten Jahre stellen muss, wenn nach einem Kriegsende der Burgfrieden in Israel endet. Und auch Trump müßte seinen Anhängern einiges erklären.

    Um Missverständnissen vorzubeugen, ich finde es schrecklich, wenn das Regime im Iran als moralischer Sieger aus dieser Auseinandersetzung hervorgeht. Aber im Augenblick geht es in erster Linie um Schadensbegrenzung, darum den von Netanjahu und Trump verursachten Scherbenhaufen wegzuräumen.