Daten lügen nicht. Was man mit Zahlen belegen kann, ist die Wahrheit. Oder? Im Deutschen Zentralblatt für Statistik mit Gefühl war vor ein paar Tagen diese Grafik aus der Polizeilichen Kriminalstatistik:

Was die Bildzeitung damit bedienen will, ist das bekannte Narrativ von von gefährlichen, gewalttätigen Flüchtlingen aus kulturfremden Kreisen, die jetzt doch endlich verstärkt abgeschoben werden sollen. Dementsprechend lautete die Überschrift des Artikels: „Welche Zahlen aus Dobrindts Statistik alarmierend sind“.

Man könnte zu diesen Zahlen viel anmerken, z.B. was den Unterschied zwischen Tatverdächtigen und Verurteilten angeht, was die Art der Tatvorwürfe angeht, was die Wahrscheinlichkeit unterschiedlicher ethnischer Gruppen angeht, angezeigt zu werden, gerade wenn manche unter Generalverdacht gestellt werden, warum ausgerechnet Afghanen und Syrer dargestellt werden und nicht etwa Russlanddeutsche oder Rumänen, wie es je nach Aufenthaltsstatus der Afghanen und Syrer aussieht, oder was den Sinn eines Vergleichs dieser Gruppen ohne Alters- und Geschlechtsstandardisierung angeht. Die Grafik hat etwas vom Vergleich der Demenzraten in Grundschulen und Pflegeheimen.

Ich will aber auf einen anderen Punkt hinaus. Die Zahlen sind nicht falsch und das, was sie als Probleme aufzeigen mögen, wenn man genauer hinsieht, soll man statistisch auch nicht wegrechnen. Aber das „Alarmierende“, das die Bildzeitung hervorhebt, kommt nicht allein von den Zahlen. Schon deswegen nicht, weil die Bildzeitung nicht etwa die Männer an den Pranger stellt, was diese Grafik ja auch hergeben würde.

Mein Punkt ist folgender: Man ist geneigt, mit solchen Grafiken auch das Narrativ zu übernehmen, das hineingelegt wurde. In dem Fall hinterfragen vermutlich die Wenigsten, inwiefern die relative Häufigkeit des Tatverdachts in Abhängigkeit von der Nationalität das Narrativ von den kriminellen Ausländern wirklich gut belegt. Man könnte die gleichen Daten ja auch einmal umdrehen und die Häufigkeit, nicht tatverdächtig zu sein, darstellen. Das sieht dann so aus:

Obwohl beide Grafiken dasselbe zeigen, die identische Datenlage präsentieren, nehmen wir die zweite, weil hier die Y-Achse das Datenvolumen ganz skaliert, nicht als „alarmierend“ wahr. Sie unterstützt vielmehr das Narrativ, dass die meisten Afghanen und Syrer ganz friedlich sind und man sich in der Regel vor ihnen nicht mehr fürchten muss als vor allen anderen Menschen auch. Aber kann man sich diese Botschaft in der Bildzeitung vorstellen? Die Wunschschlagzeile dort heißt „Mann beißt Hund“, nicht umgekehrt.

Kommentare (10)

  1. #1 Volker Birk
    https://blog.fdik.org
    23. April 2026

    Man könnte sich die ganze DIskussion sparen, wenn man die ausländischen Schwerverbrecher hart bestraft und dann achtkantig aus dem Land werfen würde.

    Das wäre nicht nur das beste für ihre Opfer. Sondern es wäre auch das beste für die absolute Mehrheit der Ausländer, die sich nichts zuschulden kommen lassen. Ihr Ruf geht so nämlich vor die Hunde, ohne dass sie was machen können.

  2. #2 user_unknown
    Berlin
    24. April 2026

    Falls man vorhätte mit erblichen Merkmalen einer Person zu argumentieren, dann wäre es mindestens fahrlässig außen vor zu lassen, dass die Merkmale, die auch in der Einheimischen Bevölkerung verstärkt mit Gewalt einhergehen (männlich, Alter: 16-35) in der afghanischen und syrischen Menge der Einwanderer weit überproportional vertreten ist.
    Aber das sind sie ja im aktuellen Bevölkerungsmix und daran ändert sich auch nur schleichend das Alter, einerseits und andererseits bleibt eine überproportionale Beteilung m.W. auch, wenn man diese Ungleichheit rausrechnet, bzw. nach Altersgruppen getrennt gewichtet. Nicht so eklatant, aber immer noch ein beachtlicher Unterschied.

    Hätte man vor etwas gegen die Gewalt zu unternehmen wäre man gut beraten, sich die Merkmale, die besonders stark mit Gewaltneigung korrelieren, zuerst anzuschauen.

    Man kann sich auch fragen wie lange man im Alltag braucht, um einer Person dieser Gruppe zu begegnen, die natürlich nicht bei jeder Begegnung gewalttätig werden.
    Bei den Einheimischen ist das grob einer von 3000 Männern und bei den beiden anderen Nationalitäten sind es 2-3 pro 100.
    Je nach Stadtteil und sozialer Schicht begegnet man mehr oder weniger von diesen. Je nach konkreten Ort (Supermarkt, Bank, geschäftlicher Verkehr/Kneipe, Disko) und Uhrzeit dürfte das Risiko auch stark variieren.

    Dass afghanische und syrische Frauen relativ häufiger tatverdächtig sind, als einheimische Männer, wenn auch kaum, überrascht mich, und deutet auch nicht auf Vorurteile bei der Polizei hin.

  3. #3 FD
    25. April 2026

    #1 (Volker Birk), dieses vernünftige Handeln haben sich die Deutschen lange erhofft. Und die Politik hat das auch jahrelang so angekündigt.
    Was wirklich umgesetzt ist, wissen wir alle.
    Und dann sitzen die Keksperten in der Talk-Show oder im Demokratieforum und sinnieren über die Frage, warum nur, warum die Schwefelpartei …

  4. #4 Uli Schoppe
    27. April 2026

    Ja. Wenn erst die Schwefelpartei regiert geht es ihren Wählern besser….

    Warte mal…

    Nein ernsthaft ich bin immer wieder dankbar wenn mir jemand anscheinend einfache Zahlen in den Zusammenhang rückt.

    Also danke

  5. #5 Staphylococcus rex
    29. April 2026

    Sofern die zugrundeliegenden Fakten richtig sind, sagt ein Bild immer die Wahrheit. Da ein Bild sich meist nur auf einen Aspekt fokussiert, sagt es dabei nicht die ganze Wahrheit. Bei einem ungeschulten Beobachter führt dies zu einer Verzerrung der Wahrnehmung. Viele Probleme der heutigen Zeit sind hochkomplex und eine unterkomplexe Darstellung des Problems führt zu unterkomplexen und somit inadäquaten Schlussfolgerungen.

    Eine allgemeine Strategie der Problemlösung besteht aus der Analyse (der Zerlegung eines Problems in handliche Teilaspekte), danach aber auch aus der Synthese, um aus Teillösungen ein adäquates Gesamtpaket zu schnüren.

    Probleme bei dem Umgang mit Ausländern sind teilweise in der Genfer Flüchtlingskonvention begründet, um dieses Abkommen für möglichst viele Staaten akzeptabel zu gestalten, wurden bewußt etliche Probleme in einer Grauzone belassen:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Abkommen_%C3%BCber_die_Rechtsstellung_der_Fl%C3%BCchtlinge
    Jeder Flüchtling ist ein Stück weit ein Einwanderer und jeder Einwanderer ist ein Stück weit ein Flüchtling. Deshalb besteht die Bringepflicht der Bundesregierung in einem kombinierten Asyl- und Einwanderungsgesetz, welches auf die Grauzonen der Genfer Flüchtlingskonvention eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung bietet.

    Leider schlägt hier die Stunde der Populisten. Mit unterkomplexen Darstellungen des Problems und unterkomplexen Lösungsvorschlägen kann man zwar auf Stimmenfang gehen, aber nicht die Probleme lösen.

    Dieser Beitrag ist sehr allgemein gehalten. Natürlich könnte ich auch auf konkrete Details eingehen. Dies würde aber eine Sachdiskussion erfordern und setzt eine kritische Masse an ergebnisoffen agierenden Gesprächsteilnehmern voraus.

  6. #6 Uli Schoppe
    Mönchengladbach
    4. Mai 2026

    @Staphylococcus rex

    Der Artikel war ja auch eher allgemein gehalten gemeint, oder?

    “Man ist geneigt, mit solchen Grafiken auch das Narrativ zu übernehmen, das hineingelegt wurde.”

    Ich denke, das ist der springende Punkt. Das man bei jedem schönen bunten Bildchen trotzdem erst mal überlegt was das Bild wirklich sagt. Oder ob einem jemand etwas suggerieren will…

    Irtum nicht ausgeschlossen, ich wohne nicht im Kopf des Schreibers 🙂

    • #7 Joseph Kuhn
      5. Mai 2026

      @ Uli Schoppe:

      So habe ich mich als Einwohner meines Kopfes verstanden. Und fühle mich also auch von dir verstanden.

  7. #8 Staphylococcus rex
    4. Mai 2026

    @ Uli Schoppe, die Bemerkung “allgemein gehalten” bezog sich auf meinen eigenen Beitrag #5. JK hat in seiner Einführung zwei Themen angesprochen, die manipulative Wirkung von Bildern und die Ausländerproblematik. Um mich nicht zu verzetteln, habe ich mich allein auf die manipulative Wirkung von Bildern fokussiert.

    Das heißt aber nicht. dass es zum konkreten Anlaß nicht zu sagen gebe. In Beitrag #2 wurde bereits auf den Einfluss des Alters auf die Kriminalität gesprochen. Ein weiterer Faktor, der bei der o.g. Beispielgrafik unterschlagen wird, ist die Frage, wenn wir z.B. das Folgejahr nehmen, haben wir dann die gleichen Täter oder andere Täter? Oder anders formuliert, haben wir einen großen Personenkreis an Straftätern oder eine kleine Gruppe von “Intensivtätern”? Bevor man eine derartige Grafik auf sich wirken läßt, sollte man sich fragen, ob man hier Äpfel und Birnen vergleicht.

    Der Ruf nach Abschiebung von Straftätern klingt erst mal gut. Aber Populisten verkünden hier Ziele, ohne sich Gedanken über die Probleme der Umsetzung zu machen. Prinzipiell habe ich kein Problem mit der Abschiebung afghanischer Straftäter in ihr Heimatland. Der politische Preis dafür ist aber nicht zu vernachlässigen, dies bedeutet eine defacto Anerkennung der Taliban-Regierung und deutlich weniger Unterstützung für die afghanische Opposition.

    Außerdem hat Deutschland ein demografisches Problem. Bei der aktuellen Einwohnerzahl braucht Deutschland ca. 1 Million Geburten pro Jahr, tatsächlich geboren wurden ca. 650 000 Kinder. Gesteuerte Zuwanderung kann den Bevölkerungsrückgang zumindest verlangsamen. Wer die USA beim Thema Remigration als Vorbild nimmt, sollte berücksichtigen, eine ungesteuerte Massenabschiebung ist genauso schädlich wie eine ungesteuerte Masseneinwanderung.

    Was ich damit sagen möchte, sowohl Zuwanderung als auch Abschiebungen sind wichtige Themen, die wir nicht den Populisten überlassen dürfen. Eine völkerrechtskonforme Steuerung dieser Prozesse verlangt viel Arbeit und gibt es nicht zum Nulltarif.

  8. #9 Anton Gutwein
    Rammelsbach
    23. Mai 2026

    Ist das jetzt ehrlich gemeint? Der Autor meinte ja zu Anfang, man hätte auch hervorheben können, dass Männer öfter Tatverdächtig sind als Frauen. Dreht man die Grafik, wie der Autor, dann zeigt sie eben auch, dass, wie der Autor sagen müsste ” Sie unterstützt vielmehr das Narrativ, dass die meisten “Männer” ganz friedlich sind und man sich in der Regel vor ihnen nicht mehr fürchten muss als vor “Frauen”.

    Immerhin kann ich darum ganz gut nachfühlen, was unschuldige Ausländer fühlen, wenn sie sich mit den Kriminellen gleichgesetzt sehen. Denn das fühle ich bei jedem Pseudofeministischen Artikel als “Mann” auch und bei jedem entsprechenden Vorwurf von feministischen Hasspredigerinnen.

    • #10 Joseph Kuhn
      24. Mai 2026

      @ Anton Gutwein:

      Ich fürchte, Sie können gar nichts nachfühlen, Sie meinen nur, ein Argument für Ihre Ressentiments gefunden zu haben, sie armer, benachteiligter, ständig diskriminierter “Mann”.