Seit vier Jahren führt Putin Krieg gegen die Ukraine. Einen brutalen Krieg, völkerrechtswidrig, menschenverachtend. Immer wieder wird darüber diskutiert, ob man nicht „endlich verhandeln“ müsse. Nicht nur die AfD und das BSW fordern „Verhandlungen“, um ihre Systemopposition unter Beweis zu stellen, auch von seriösen, nachdenklichen Beobachtern ist es zu hören. Aber zum Verhandeln gehören bekanntlich zwei, und mindestens einer scheint im Moment wenig Interesse daran zu haben.

Nun hat Selenskyj einen offenen Brief an Putin geschrieben und ihm direkte Gespräche vorgeschlagen. Putin hat abgelehnt und sagt, der Brief enthalte “Elemente von Unverschämtheit”.

Eine seltsame Situation. Putin hat die Ukraine angegriffen. Seine Begründungen haben immer “Elemente von Unverschämtheit” enthalten und seine Kriegsführung ist verbrecherisch. Daran ändert sich auch nichts, indem man auf eventuell problematische westliche Spielzüge im Vorfeld des Kriegs hinweist. So wie auch Israels Gaza-Politik vor 2023 das Massaker der Hamas nicht rechtfertigen kann, oder dieses Massaker die Kriegsführung Netanjahus in Gaza danach, so unstrittig das Selbstverteidigungsrecht Israels natürlich ist. In solchen Konflikten sind Rechtfertigungen einer Partei für das, was sie tut, nie wissenschaftlich neutrale Analysen, die Wahrheit eine komplizierte und oft wenig offensichtliche Sache.

Liest man den Brief Selenskyjs, so muss man, trotz der Verantwortung Putins für den Krieg, einräumen, dass das keine diplomatische Note ist. In der Sache mag jeder Satz in diesem Brief sogar richtig sein, im Stil enthält er durchaus „Elemente der Unverschämtheit“ und ist nicht so angelegt, Putin tatsächlich zu einem Gespräch einzuladen. Er wirkt eher wie eine Dominanzgeste. Warum ihn Selenskyj als Gesprächsangebot geframt hat? Vielleicht hat Selenskyi den Brief gerade deswegen so geschrieben, weil er wusste, dass Putin derzeit kein ernsthaftes Interesse an Verhandlungen hat. Man könnte übrigens auch sagen, Putins Vorschlag, Gerhard Schröder käme für ihn als Vermittler infrage, enthalte „Elemente von Unverschämtheit“. Putin weiß ja, wie Schröder hierzulande und in Osteuropa wahrgenommen wird. Oder enthält der Subtext des Vorschlags doch etwas Vorwärtsweisendes?

Bei allen Vorbehalten gegenüber den konkreten Vorschlägen, die gerade ausgetauscht werden, hat man das Gefühl, dass damit trotzdem neue Töne einhergehen. Ob man sie in diplomatischen Kreisen dechiffrieren kann? Oder ob es doch nur Propagandatöne sind? Man wird sehen. Ich fürchte ja, unabhängig davon, wie dieser Krieg endet, wird Osteuropa vorläufig nicht wirklich zur Ruhe kommen. Die weltpolitische Tektonik ist im Umbruch, der alte Hegemon USA im Niedergang, China noch nicht als neuer Hegemon auf der Bühne, Russland in imperialer Nostalgie gefangen. Eine neue Stabilität ist bisher nicht in Sicht.

Kommentare (61)

  1. #1 naja
    6. Juni 2026

    Ich glaube, Selenskyi hat den Brief so geschrieben, weil sich das Blatt in der Ukraine wendet. Die Ukraine ist in der Lage, Waffen zu produzieren, mit denen sie Ziele mehr oder weniger tief im russischen Gebiet treffen können. Heute zB in Petersburg.
    Die Ukraine baut nicht nur schlagkräftige Drohnen, sondern kann die auch verkaufen. Ich höre eher selten,

    Bin mal gespannt, wieviele BSW- und AfD-Wähler jetzt fordern auch und vor allem von Russland, dass dieses Friedensangebot, dieses Gesprächsangebot unbedingt ernsthaft zu prüfen ist und wie man sich erklären wird, dass Putin nicht drauf eingeht.

    Ich schätze entweder die Amis oder die Briten sind schuld. Oder beide.

    • #2 Joseph Kuhn
      7. Juni 2026

      @ naja:

      “Ich glaube, Selenskyi hat den Brief so geschrieben, weil sich das Blatt in der Ukraine wendet.”

      Wie weit auch immer sich das Blatt wirklich wenden mag, dass die Ukraine mit ihren Drohnen Russland etwas entgegensetzen kann, spielt sicher eine Rolle. Aber es bleibt die Frage, was die Intention des Briefs ist. Sollte er nur “ätsch, ihr kriegt uns nicht” signalisieren? Den Eindruck hatte man bei Selenskyjs “Genehmigung” der 9.-Mai-Parade in Moskau. Aber ist auch dieser Brief nur eine propagandistische Aktion? Wenn ja, wozu?

      “Bin mal gespannt, wieviele BSW- und AfD-Wähler jetzt fordern auch und vor allem von Russland, dass dieses Friedensangebot, dieses Gesprächsangebot unbedingt ernsthaft zu prüfen ist …”

      Vermutlich keiner. Das ist aber auch irrelevant, dass BSW und AfD bei dem Thema auf Russlands Seite stehen, ist schließlich bekannt.

      “… und wie man sich erklären wird, dass Putin nicht drauf eingeht.”

      Siehe Putins Antwort: Nicht ernst gemeint, Elemente von Unverschämtheit.

  2. #3 naja
    6. Juni 2026

    ups… da fehlt was.
    … eher selten, dass es eine Nachfrage etwa nach russischen Panzern gibt.

  3. #4 wereatheist
    6. Juni 2026

    Russische Geran sind wohl auch kein Topseller.

  4. #5 NI
    7. Juni 2026

    Der offene Brief enthält nichts Neues, bis………
    Wir (Ukraine) erhalten Unterstützung, sie (Rußland) erhalten Sanktionen.
    Anmerkung: Da hat S. den Stinkefinger gezeigt.

    Herr S. ist kein gelernter Diplomat, bis 2019 hatte er einen anderen Beruf. Der interessierte Leser darf einmal raten,

  5. #6 RPGNo1
    7. Juni 2026

    Die Ukraine ist aktuell führend in der Drohnentechnik (besonders Bekämpfung), was sich daran zeigt, dass die Golfstaaten ganz begierig auf diese Expertise sind, weil Trump und Netanjuha dachten, “in drei Tagen” den Iran zur Aufgabe zur bomben. Stattdessen sitzt die iranische Führung (wer auch immer es sein mag) fester denn je im Sattel und vermiest(e) den Golfstaaten und den dort stationierten USA-Streitkräften mit ihren Drohnen die Tage.

    Israel hat im Norden des Landes und Libanon ähnliche Probleme, weil die Hisbollah Glasfaserdrohnen einsetzen, gegen die die IDF keine Abwehrmöglichkeit haben. Netanjahu weigert sich jedoch noch, Unterstützungangebote von der Ukraine anzunehmen.
    https://www.fr.de/politik/an-der-grenze-zwischen-israel-und-libanon-auf-der-flucht-vor-den-unsichtbaren-drohnen-der-hisbollah-wenn-du-wegrennst-folgen-sie-dir-zr-94333170.html

    Da es auch an den Fronten in der Ukraine wesentlich besser für die ukrainischen Streitkräfte aussieht, während die russischen Soldaten und Kriegsblogger zunehmend frustiert und verzweifelt auf die Drohnenoffensive reagieren (Stichwort Dazzle-Tarnung für russische Fahrzeug), agiert Selenskyj wesentlich selbstbewusster. Die Ukraine sind keine reinen Bittsteller mehr, wie es noch im Winter 2025/2026 zahlreiche sog. Experten und Politiker im Westen darstellten. Sie haben mörderischen Angriffen (der Russen) widerstanden und Zögern (des Westen) und Erpressungsversuchen (der USA) überstanden.

    Mit dem Brief an Putin zeigt Selenskyj meines Erachtens nicht nur, dass der Zar im Kreml nackt ist, sondern dass er und sein Land sich auch von den Verbündeten im Westen nicht mehr alles gefallen lassen. Selenskyj übernimmt das Heft der Initiative. Der Brief ist ein Angebot an Russland und ebenso eine Botschaft an den Westen.

    • #7 Joseph Kuhn
      7. Juni 2026

      @ RPGNo1:

      Dass es eine Botschaft an den Westen ist, könnte ich nachvollziehen, obwohl mir auch da nicht klar ist, welche. Dass die Ukraine gerade in der Lage ist, Russland zu widerstehen, weiß man ja im Westen, sogar wir beide wissen das. Was ist also die Botschaft?

      Das mit dem Angebot an Russland kann ich nicht nachvollziehen. Es wäre eine recht ungeschickte Form. Oder eine, deren Subtext zumindest für mich nicht verständlich ist.

  6. #8 Frank Eisern
    7. Juni 2026

    XXX

    [Gehässiger Troll-Kommentar gelöscht, möge der Name, falls echt, der Nachwelt erhalten bleiben. JK]

  7. #9 Dietmar Hilsebein
    7. Juni 2026

    Putin kann nicht aufhören -so einfach ist das. Er muß den Krieg so weiterführen, da er damit rechnen muß, daß ein Fenster für ihn offen steht, wenn er den Krieg beendet. Außerdem kennt man das ja: “Putin is trapped in the Sunk-Cost Fallacy of war.”

  8. #10 NI
    7. Juni 2026

    zu #7 Joseph Kuhn
    Selenskyis Brief und Putins Antwort sind Teil des Großen Welttheaters, das gerade stattfindet.
    Hauptrollen mit erlerntem Beruf : Selenskyi (Schauspieler), Putin (Offizier), von der Leyen (Ärztin), Trump (Immobilienunternehmer).

    Prolog:
    liegt nicht wörtlich vor, ergibt sich aus der Rolle Deutschlands im 20. Jahrhundert.

    Drehbuch: Ein Schauspiel ohne Drehbuch nennt man Improvisationstheater.

    Anzahl der Akte: 4 , aktuell läuft der 3. Akt mit dem offenen Brief, dass er beantwortet worden ist, zeigt, die Dynamik nähert sich dem Ende.
    Der Inhalt des Briefes gipfelt in der Aussage: Wir (Ukraine) erhalten Unterstützung, sie(Rußland) erhalten Sanktionen.

    Voraussichtlicher 4. Akt. Lässt sich aus der Vorgeschichte ableiten. Putin kommt aus St. Petersburg, das über 2 Jahre von deutschen Truppen belagert wurde, mit über 1 Million Toten.

    Selenskyi ist russisch-jüdischer Abstammung, die Familie mit Verfolgung und Vertreibung vertraut,
    Frau von der Leyen als Ärztin mit viel Selbstvertrauen in die Richtigkeit ihrer Entscheidungen, Trump ebenfalls siegreich im Umgang mit Vertragspartnern.

    Erkenntnis: Der Schluss des Theaterstückes wird nicht von einem Brief herbeigeführt, Wenn der Vorhang fällt, wird es alle Zuschauer nachdenklich stimmen.

  9. #11 Frank Eisern
    7. Juni 2026

    der Eiserne Franco Kuhn hat wieder zensiert – kann er noch besser, als Kriege führen …

    [Auch gut, Unbelehrbarkeit führt auf die Spam-Liste. JK]

  10. #12 Staphylococcus rex
    7. Juni 2026

    Der Brief Selenskis ist relativ lang, aus meiner Sicht könnte eine Kurzfassung etwa so lauten:
    “Der Krieg Russlands gegen die Ukraine ist an einem Wendepunkt angekommen. Mit konventionellen Mitteln kann Russland diesen Krieg nicht mehr gewinnen. Die Ukraine wird alles tun, um zu gewinnen. Putin kann seine Maximalziele nicht mehr erreichen. Er kann lediglich diesen Krieg in die Länge ziehen. Daran können auch Putins Speichellecker nichts ändern. Den Preis für das Hinauszögern eines Friedens zahlt derzeit das russische Volk. Langfristig wird aber auch Putin den Preis für die Realitätsverweigerung zahlen, spätestens, wenn das russische Volk seiner überdrüssig wird und Putin auch im Rahmen seines Alters die Macht zunehmend entgleitet.
    Auch wenn Selenski zuversichtlich ist, diesen Krieg zu gewinnen, ist ist ihm klar, dass der Weg zu einem Sieg noch sehr weit ist und noch sehr viele Opfer fordern wird. Selenski bietet ergebnisoffene Verhandlungen an. Aber er tritt dabei nicht als Bittsteller auf, sondern er legt den Rahmen für diese Verhandlungen fest. Die USA haben sich soweit aus diesem Krieg zurückgezogen, dass sie zwar noch eine wichtige Rolle als neutraler Beobachter spielen, aber die eigentlichen Verhandlungspartner und Sicherheitsgaranten sind neben der Ukraine die Staaten der EU.”

    Ist dieser Brief unverschämt? In gewisser Hinsicht ja. Dieser Brief ist sowohl an Putin als auch an die russische Bevölkerung adressiert. In Bezug auf Putin muss die Realitätsverweigerung und das Beharren auf Maximalforderungen durchbrochen werden. In Bezug auf die russische Bevölkerung wird an den Nationalstolz appelliert, die Abhängigkeiten Russlands von Nordkorea und China sind ein Stich ins Herz des russischen Selbstbewusstseins. Die Bemerkung über Orban ist ein Wink mit dem Zaunpfahl über die drohende Diktatorendämmerung.

    Für einen Großrussen ist dieser offene Brief eine Beleidigung und schmerzhaft beim Lesen, aber die Trennung von einer Lebenslüge ist nun einmal ein schmerzhafter Prozess. Eine “Spezialoperation”, die länger dauert als der große vaterländische Krieg, ist ein Grund endlich mal den Verstand einzuschalten. In Bezug auf Putin habe ich wenig Hoffnung, dass er sich der Realität stellt. Aber in seinem Umfeld könnte dieser Brief einige dazu bewegen, die aktuelle Situation mit anderen Augen zu sehen und auf Putin einzuwirken. Putin ist fixiert auf seine Rolle in der russischen Geschichte. Wenn Putin zu lange wartet, dann wird jemand anderes an seiner Stelle die Verhandlungen führen und das Schicksal der Zarenfamilie im Jahr 1918 möchte Putin mit Sicherheit nicht teilen.

    Der Brief Selenskis ist beides, ein Angebot und eine Drohung. Neu ist das zur Schau gestellte ukrainische Selbstbewusstsein als Folge der neuen Realitäten in diesem Krieg.

  11. #13 libre
    Salzburg
    8. Juni 2026

    Ob das von Selenskyj, der sich wie ein Churchill 2.0 gebärdet, wirklich klug war. Was will er damit erreichen? Ein baldiges Kriegsende wohl eher nicht. Ein schnellerer EU-Beitritt oder gar NATO-Beitritt erscheint auch nicht wahrscheinlich (beide haben es mit aktiven Kriegsparteien nicht sonderlich). Oder vielleicht will er Russland aka Putin nur provozieren, und wozu dann, zum Einsatz von Atomwaffen?

    Und wenn Putin wegen mangelhaften Erfolgen im Krieg fällt. Wirds dann wirklich besser oder kommen nur neue Hardliner an die Macht?

  12. #14 RPGNo1
    8. Juni 2026

    @Staphylococcus rex

    Eine tolle Analyse. *Daumen hoch*

  13. #15 RPGNo1
    8. Juni 2026

    “Es gibt Parallelen zwischen dem Ukraine-Krieg und dem Ersten Weltkrieg”

    Am 11. Juni dauert der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine so lang wie der Erste Weltkrieg. “Ein langer Krieg entwickelt eigene Dynamiken”, sagt der Freiburger Historiker Jörn Leonhard. “Lange Kriege sind besonders schwer zu beenden.” Seine Befürchtung: “Solange Russland die Logik der imperialen Pfadabhängigkeit nicht verlässt, wird die grundsätzliche Bedrohung bestehen bleiben – unabhängig davon, ob der Herrscher Putin heißt oder anders.”

    https://www.n-tv.de/politik/Es-gibt-Parallelen-zwischen-dem-Ukraine-Krieg-und-dem-Ersten-Weltkrieg-id30897893.html

    Hervorhebung von mir.

  14. #16 naja
    8. Juni 2026

    @ Joseph Kuhn
    Ich glaube, Selenskyi richtet sich vor allem an die russische Bevölkerung. Das hat er schon früher getan.
    Wenn Selenskyi sich traut, Putin so einen Brief zu schreiben, dann kann Putin nicht der wahre Zar sein. Die Bevölkerung soll den Druck zu Friedensverhandlungen erhöhen. Zumindest soll das Regime dies fürchten, glaube ich.
    Ich halte BSW und AfD und deren Wähler auch nicht für irrelevant. Ich bin der Ansicht, dass Intellektuelle, Parteien und Wähler, die seit über vier Jahren das Einstellen der Unterstützung der Ukraine fordern, sich im Falle des BSW quasi dafür gegründet haben, für sehr gefährlich.
    Ich habe vor kurzem erst wieder mit jemandem gesprochen, der der Meinung ist, Selenksyi ist für den Krieg verantwortlich und nimmt auf jeden Fall Drogen. Die Erzählung, dass Russlands Sicherheitsinteressen (nicht etwa die der Ukraine) von der NATO übergangen wurden, dass Russland (nicht etwa die Ukraine) in diesen Krieg gezwungen wurde, wird diesen Krieg wohl so oder so überdauern.

  15. #17 Staphylococcus rex
    8. Juni 2026

    @RPGNo1, der Hinweis auf die Eigendynamik eines langen Krieges ist absolut berechtigt. Ein Krieg ist beendet, wenn eine der Seiten kapituliert oder wenn beide Seiten sich auf einen Frieden oder zumindest langfristigen Waffenstillstillstand einigen.

    Russland wird nicht kapitulieren, Russland hat Atomwaffen. Die Ukraine wird nicht kapitulieren, nicht in der Vergangenheit, weil Putins Forderungen das Existenzrecht der Ukraine bedrohen (und der militärische Druck für eine Kapitulation nicht ausreichend hoch war), aber auch nicht in der Gegenwart, wo die Ukraine Russland mehr Schaden zufügen kann als umgekehrt.

    Eine Einigung braucht die Zustimmung beider Seiten. Soweit ich es aus Selenskis Brief herauslesen kann, ist die Ukraine zu Zugeständnissen bereit, das Existenzrecht der Ukraine ist aber nicht verhandelbar.

    Wie sieht es auf Seiten Putins aus? Der Blitzkrieg ist gescheitert. Dies weiß Putin. Plan B ist der Zermürbungskrieg. Den Blutzoll für diesen Krieg zahlen das ukrainische und das russische Volk, nicht Putin. Auch dieser Plan ist vermutlich gescheitert. Die Alternative ist ein Hinauszögern von Friedensverhandlungen. In diesem Punkt lohnt ein Blick auf die Geschichte, hier gibt es einen klaren Unterschied zwischen den Interessen Russlands und den Interessen Putins. Russland könnte bei Friedensverhandlungen mit einem blauen Auge aus der Sache rauskommen. Putin wird sich dagegen der Frage stellen müssen, warum Hunderttausende russische Soldaten einen sinnlosen Tod sterben mussten. In der Geschichte hätten sowohl Wilhem II als auch Hitler die Gelegenheit gehabt, ihre Kriege mit moderaten Folgen für Deutschland vorzeitig zu beenden. Sie haben es unterlassen, weil sie die persönlichen Folgen scheuten.

    Aus meiner Sicht ist der Brief Selenskis ein Ultimatum an Putin, jetzt mit Friedensverhandlungen zu beginnen, bevor der Preis für einen Frieden für Russland zu hoch wird. Oder alternativ ein Aufruf zur Rebellion an die Umgebung Putins, falls sich dieser nicht darauf einläßt.In diesem Kontext könnte Schröder eine wichtige Rolle spielen. Nicht nur die Ukraine braucht Sicherheitsgarantien, auch Putin braucht für den Fall der Teilnahme an Friedensverhandlungen Sicherheitsgarantien für sich und seine Familie. Ein Asyl in Nordkorea für Putin ist für mich schwer vorstellbar. Ein standesgemäßes Anwesen vergleichbar der Inseln Elba bei Napoleon könnte die Entscheidungsfindung bei Putin beschleunigen. Der Preis für einen schnellen Frieden wäre ggf. ein Ende der Ermittlungen in Den Haag.

  16. #18 NI
    8. Juni 2026

    …..rex
    “In diesem Punkt lohnt ein Blick auf die Geschichte”

    Der Krieg zwischen den Roten und den Weißen 1917- 22 dauerte 5 Jahre.

    Dieser Zeitrahmen könnte passend werden.

  17. #19 libre
    Salzburg
    9. Juni 2026

    @NI et andere
    Putin ist kein Dummkopf. Ihm ist das Problem seiner Nachfolge durchaus bekannt und bewußt.
    Siehe hier: https://www.deutschlandfunk.de/putin-macht-elite-russland-nachfolger-junge-tiger-100.html
    Mir scheint das Problem eher bei Selenskyj zu liegen (und der EU mit ihrem gerechtem Frieden). Ein Friede hätte auch schon vor 4 Jahren erzielt werden können, wenn man ihn hätte wollen. Aber nein, lieber sterben hunderttausende Menschen und wofür? Für territorialer Integrität – was für ein Schwachsinn?

  18. #20 RPGNo1
    9. Juni 2026

    @libre

    Ein Friede hätte auch schon vor 4 Jahren erzielt werden können, wenn man ihn hätte wollen.

    “Peace for our time?” Mit Putin, welcher den Untergang der SU als Katastrophe bezeichnet, einen aggressiven imperialistischen Expansionskurs betreibt und eben jene SU mit Einflussbereich wiederherstellen will?

    Solche Töne hört man ständig aus BSW- und AfD-Zirkeln und von Leuten wie Schwarzer und Wagenknecht über Stegner bis Kujat und Varwick. Die Ukraine hat sich zu unterwerfen, damit Deutschland gute (Gas)geschäfte machen kann und die Friedensbewegten nachts ruhig schlafen und tagsüber für ihre moralische Überlegenheit auf die Schulter schlagen können.

  19. #21 Dietmar Hilsebein
    9. Juni 2026

    @ libre

    “Für territorialer Integrität – was für ein Schwachsinn?”

    Sie halten das für Schwachsinn? Ich komme heute zu Ihnen und besetze vier Zimmer Ihrer Wohnung und sage zu Ihnen, daß Sie nur so einen Frieden mit mir schließen können. Oder noch besser: ich sage zu Ihnen, daß Ihre Wohnung schon immer meine Wohnung war, daß Sie eigentlich gar nicht existieren. Außerdem sage ich weiter, daß -sofern Sie doch existieren- Sie eine Weltanschauung besitzen, die, vorsichtig ausgedrückt, nicht legitim ist und Sie deshalb durch eine “Spezialoperation” abgesetzt werden müssen. Deal?

  20. #22 NI
    9. Juni 2026

    zu #19, 20,21

    RPGNo1
    „Mit Putin, welcher den Untergang der SU als Katastrophe bezeichnet, „

    Das ist der Schlüssel zum Verständnis der Situation.
    Mit etwas Hintergrundwissen, gegenwärtig ist der Geheimdienst Rußlands mit der Regierung betraut, und es war Tradition, dass sich Geheimdienst und Militär bei der Regierungsbildung abwechseln.
    Der Wandel müsste also vom Militär kommen, dessen Blutzoll ist hoch und ein militärischer Sieg ohne Kompromisse sehr unsicher.

    Libre,
    Schwachsinn kann man den Kontrahenten nicht vorwerfen, dafür steht zu viel auf dem Spiel,
    Am Horizont zeichnet sich ein Kompromiss ab und auch die EU sollte das zur Kenntnis nehmen.

    Hilsebein,
    Deine Vierzimmerwohnung beschreibt die Situation gut, ist aber noch keine Lösung. Bei Ehestreitigkeiten würde man eine Trennwand einziehen, vielleicht läuft es ja darauf hinaus.

  21. #23 Oliver Gabath
    9. Juni 2026

    @Staphylococcus rex

    Ich glaube, Kapitulieren ist, ganz ähnlich wie Kriegserklärung, ein Konzept aus dem 20. Jh., das in modernen Zeiten nicht mehr so viel bedeutet. Der letzte unstrittige Fall war Japan 1945, seitdem beginnen Kriege de-facto und sie enden de-facto. Kernwaffen scheinen in Konflikten dieser Art von eher theoretischer Bedeutung. Einen Marsch auf Moskau plant die Ukraine ja z.B. nicht.

    Ich denke, neben den persönlichen Erwägungen Putins ist die Dynamik eines solchen Krieges, wenn nicht eine Seite deutlich stärker ist als die andere, auch einfach unglaublich träge. Befehlshaber beharren auf Entscheidungen und ihrer Macht, Unternehmen auf ihren Verträgen, Arbeiter auf ihren hohen Löhnen, Menschen allgemein auf ihren einmal eingeschlagenen Wegen und so weiter. Das lässt sich nicht einfach so stoppen, dafür sind sowohl die russische Wirtschaft als auch die Entscheider auf allen Ebenen schon zu abhängig vom Krieg und zu viele Menschen haben in ihrer kleinenen, persönlichen Welt zu viele Vorteile davon. Der Krieg ist der Kitt, der alles zusammenhält. Würde er von heute auf Morgen enden, wären die Schockwellen innerhalb Russlands gigantisch. Das gros der dortigen Entscheider dürfte sich dessen bewusst ein.

    Ich glaube nicht, dass Russland aus diesem Krieg noch mit einem blauen Auge rauskommen kann. Wenn die Ukraine noch nur ein Vierteljahr so weiterkämpft wie in den letzten vier Wochen, sieht es um Russlands industrielle Basis nach dem Krieg mehr als mau aus. Die Zerstörung von immer mehr Ölinfrastruktur, von immer mehr wertvollen Fabrikanlagen, von so mundänen Dingen wie Tanklastern, hinterlässt Lücken, die Russland nicht im selben Maß wird füllen können. Und wie viel Interesse China daran haben wird, den zukünftigen Juniorpartner aufzupäppeln, bleibt abzuwarten.

    Ich glaube nicht, dass all das bedeutet, dass Russlands Wirtschaft bald zusammenbricht. So funktionieren Volkswirtschaften nicht. Bis die mit Abstand wichtigste Ressource, das Vertrauen, dass es schon irgendwie weitergehen wird, versiegt, ist es noch lange hin. So lange die Kartoffeln günstig sind und der Sprit nur außerhalb der Zentren knapp ist und Öl nur auf Industriestädte regnet und man noch ein Stück Badeküste an der Krim für schöne Bilder findet, wird die Bevölkerung mitmachen. Aber irgendwann wird der Krieg enden, so wie jede Blutung irgendwann stoppt. Und ich bin sehr skeptisch, dass Russland mittelfristig dann wieder zu einer Friedensproduktion auf halbwegs demselben Niveau wie 2021 zurückkehren kann.

    Ich bin allerdings auch skeptisch, dass die derzeitigen und erwartbar kommenden Verwerfungen an der generellen Stimmung der russischen Bevölkerung etwas ändern. Ich glaube nicht, dass überhaupt ein Preis zu hoch sein kann. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass für Russland Landgröße nachher = Landgröße vorher + Epsilon Sieg bedeutet. Und wenn er nur aus einem stecknadelkopfgroßen Stück Landes besteht. Koste er, was er koste.

    Ich stimme Dir zu, dass Sicherheitsgarantien für Putin sehr wertvoll wären und vergleichsweise wenig kosten. Er ist kein Hitler, der sich um seine mythische Bedeutung für die Teutschen sorgt. Exil in einer kleinen Villa in Südfrankreich mit ein bisschen in den Westen geschaffter Valuta wird er ziemlich sicher der Defenestration vorziehen. Und netterweise hätte man damit gleich einen Präzedenzfall für Lukaschenko geschaffen. Wäre ein kleiner Preis für deren Abtritt.

    @libre

    Territoriale Integrität ist für die Ukraine kein Selbstzweck, sondern Schutz derer, die noch nicht unter Russlands Besatzung leben müssen. Was Russki Mir bedeutet, haben wir in Butscha und Isjum gesehen oder in Mariupol oder oder oder. Die Ukrainer haben gute Gründe zu kämpfen. Solange sie sich verteidigen wollen, sollten wir sie dabei unterstützen.

    Denn Frieden in ihrem Sinne hieße de-facto eine wehrlose Ukraine und eine Wiederholung von 2022 in der Zukunft, nur dann noch brutaler (man hat ja jetzt was heimzuzahlen) und flächendeckender. Um darauf zu kommen, muss man nur Putin, Medwedew et. al. zuhören und/oder Dugin lesen. Niemand in der russischen Führung oder unter den öffentlichen Wortführern macht daraus irgendeinen Hehl. Niemand ist auf die zahllosen Verhandlungsangebote vom Spätjahr 2021 und seitdem auch nur oberflächlich eingegangen. Grundlager aller Forderungen Russlands ist Unterwerfung.

    Die Ukraine hatte mit dem Budapester Memorandum schwarz auf weiß die Garantie ihrer Unversehrtheit inklusive der ausdrücklichen Bündnisfreiheit. Hat nichts gebracht, leider.

  22. #24 Staphylococcus rex
    9. Juni 2026

    @ libre, wenn es wirklich “nur” um Territorium gehen würde, dann wäre ein Kompromiss schon vor langer Zeit möglich gewesen. Aber Putin hat Ansprüche auf Territorien erhoben, die er noch gar nicht erobert hat, ohne im Rahmen eines Gebietstauschs eine angemessene Kompensation anzubieten. Und vor Allem wollte er der Ukraine Rüstungsbeschränkungen und Bündnisbeschränkungen auferlegen, welche die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine unterminiert hätten und ihm bei einem zukünftigen Angriff wehrlos ausgeliefert hätten, also eine abgeschwächte Form der Kapitulation.

    Eine Kapitulation ist nicht im Interesse der Ukraine, aber auch nicht im Interesse der EU. Die Konsequenzen eines Kollaps der Ukraine wären folgende: ca. 5-10 Millionen ukrainische Flüchtlinge, welche die Sozialsysteme der EU an ihre Grenzen bringen. Und zusätzlich hätte der militärisch-Industrielle-Komplex Russlands plötzlich Zugriff auf die industriellen und personellen Ressourcen der Ukraine. Das wäre genau der Booster, den die russische Kriegswirtschaft braucht, um gegen Ende des Jahrzehnts das Baltikum oder Moldawien anzugreifen. Das bedeutet, die EU im Allgemeinen und die E3 im Besonderen handeln nicht aus moralischen Erwägungen, sondern im Rahmen einer rationalen Kosten-Nutzen-Abwägung.

    Die Kriegsziele (Putins) sollten in einem gesunden Verhältnis zu den taktischen Möglichkeiten stehen, im Augenblick muss man sagen, Putins Augen sind größer als sein Mund. Der Brief Selenskis ist die Aufforderung an Putin, seine Kriegsziele an seine taktischen Möglichkeiten anzupassen. Wie gesagt, ohne Kapitulation muss ein Frieden von beiden Seiten akzeptiert werden. Putins bisherige Kriegsziele sind weder für die Ukraine noch für die EU akzeptabel.

  23. #25 Dietmar Hilsebein
    9. Juni 2026

    @ Staphylococcus rex

    “wenn es wirklich “nur” um Territorium gehen würde, dann wäre ein Kompromiss schon vor langer Zeit möglich gewesen. Aber Putin hat Ansprüche auf Territorien erhoben, die er noch gar nicht erobert hat, ohne im Rahmen eines Gebietstauschs eine angemessene Kompensation anzubieten.”

    Glaube ich nicht. Die Nachahmungseffekte wären einfach zu groß. Eventuelle Grenzstreitigkeiten müssen juristisch gelöst werden und nicht durch Waffengewalt. @ RPGNo1 hat schon recht: alles, was nach Appeasement riecht, führt nur dazu, daß sich Putin darin bestätigt sieht, daß der Westen dekadent ist. In genau diesem Punkt dürfte er sich mit A.H. einig sehen. Psychologisch betrachtet ist das Kreml-Regime schwach. Es überträgt auf die Ukraine und dem Westen genau jene Anteile, die zur eigenen Psyche gehören. Konfuzius hat schon recht: “siehst du einen Unedlen, dann tritt beiseite und prüfe dich selbst.” Das müssen Putin und Co noch lernen -sofern sie überhaupt lernfähig sind.

  24. #26 Staphylococcus rex
    9. Juni 2026

    @ Dietmar Hilsebein, ich sehe durchaus einen Unterschied zwischen eine langfristigen Waffenstillstand und einem echten Friedensvertrag. Für einen langfristigen Waffenstillstand muss der endgültige Status der besetzten Gebiete nicht abschließend geklärt werden. Ebenso die Frage der Bestrafung von Kriegsverbrechen oder die Frage von Reparationen.

    Ein echter Friedensvertrag ist mit Putin als Präsident nicht machbar. Zu unterschiedlich sind die jeweiligen Positionen. Dies müssen die Ukrainer entscheiden, welchen Blutzoll sie für welche politischen Ziele bereit sind zu zahlen.

  25. #27 Staphylococcus rex
    9. Juni 2026

    Geht es um ein Ende der Kampfhandlungen oder um einen Neustart der Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine? In seinem offenen Brief hat sich Selenski sehr klar dazu geäußert.

    Das Ende der Kampfhandlungen und eine provisorische Grenzziehung sind nicht gleichbedeutend mit einer Anerkennung der russischen Besatzung. Eine langfristige Waffenruhe ist kein Appeasement. Aber wir wissen auch, dass manche Provisorien sehr lange Bestand haben, wie z.B. die Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea.

    Sowohl Putin als auch Selenski wissen, wie viele Todesopfer jeder Quadratkilometer Geländegewinn kostet. Mit Ausnahme des Existenzrechts der Ukraine hat Selenski keine Vorbedingungen für Waffenstillstandsverhandlungen gestellt.

  26. #28 ajki
    9. Juni 2026

    Ein Waffenstillstand (der vor “Friedensverhandlungen” stattfindet – in Anführungszeichen, weil das russische Regime, unabhängig von aktuell handelnden Personen, dauerhaft auf ihren Maximalpositionen beharren wird wie etwa keine Reparationen, Aufhebung aller Embargos, Anerkennung mindestens der neuen Grenze entlang der jetzigen Frontlinie…) wäre ganz sicher wünschenswert, damit das sinnlose Sterben und Leiden endlich mal aufhört.

    Aber es gibt bei einem Waffenstillstand die seit Jahren bekannten Probleme: er würde unmittelbar den Druck auf Russland stark minimieren, er gäbe Russland die Möglichkeit, seine Frontkräfte und alle Reserven massiv zu stärken, er würde den jetzigen Frontverlauf als “neue” Grenze faktisch festlegen.

    Theoretisch könnte man sagen, dass die Vorteile eines Waffenstillstands im gleichen oder sogar höheren Ausmaß auch für die Ukraine gelten (unabhängig davon, dass endlich die Terrorangriffe auf zivile Ziele aufhören würden) – ganz praktisch gesehen sind die Vorteile der “kleinen” Ukraine gegenüber dem “grossen” Russland aber weitaus geringer. Auch für rückkehrwillige Ukrainer ist ein letztlich unsicherer Waffenstillstand keine verlässliche Option.

  27. #29 Dietmar Hilsebein
    9. Juni 2026

    @ Staphylococcus rex

    “Aber wir wissen auch, dass manche Provisorien sehr lange Bestand haben, wie z.B. die Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea.”

    Auf der koreanischen Halbinsel hat sich allerdings am 38. Breitengrad vor und nach dem Krieg nichts wesentlich verändert. Anders wäre es, wenn man Rußland die vier Oblasten in den Hintern schiebt. Dann wäre es doch Appeasement.

  28. #30 Dietmar Hilsebein
    10. Juni 2026

    @ NI

    “Deine Vierzimmerwohnung beschreibt die Situation gut, ist aber noch keine Lösung. Bei Ehestreitigkeiten würde man eine Trennwand einziehen, vielleicht läuft es ja darauf hinaus.”

    Ihr Bild von den “Ehestreitigkeiten” verfängt nicht, da die Ukraine 1991 ausgezogen ist und Rußland diesen Auszug 1994 durch Unterschrift zunächst akzeptierte.(Artikel 1 des Budapester Memorandums). Die “Ehe” ist also längst geschieden. Putin sieht in der Ukraine auch kein “Ehepartner”, da er die Ukraine als ein Kunstgebilde ansieht, welches der böse Westen geschaffen hat. Wenn also einer sagt: ich will mit dir nicht an einem Tisch sitzen, ich ziehe aus, so muß das vom anderen akzeptiert werden. Man könnte Ihr Bild von den “Ehestreitigkeiten” nur dann retten, wenn man sagt, daß wir Menschen letztlich Bürger einer Welt sind und wir nur aufgrund unseres tierischen Erbes Staaten gründen, um zu verhindern, daß wir uns an die Gurgel gehen.

  29. #31 NI
    10. Juni 2026

    Oliver Gabath
    “Ich glaube nicht, dass Russland aus diesem Krieg noch mit einem blauen Auge rauskommen kann.”
    So ist es.
    Auf dem Baltikum gab es ja einen Seitenwechsel.
    Finnland und Schweden sind der Nato beigetreten,
    Die baltischen Kleinstaaten ebenso, und das bedeutet, die Ostsee ist EU-Gebiet.

    Und welche Erkenntnis gewinnen wir daraus, Die russische Führung hat ihre Position falsch eingeschätzt .
    Sie hat nicht begriffen, dass es die Sowjetunion nicht mehr gibt und dass man die Zeit nicht zurückdrehen kann. Siehe Beispiel Baltikum.

    Was jetzt die Ukraine betrifft, da sollten wir die Bedenken von libre ernst nehmen, den Preis für diesen Krieg bezahlen nicht nur die jungen Männer aus Rußland, sondern auch die jungen Ukrainer.

    Und wir sollten an eine Zeit danach denken, wer baut eine zerstörte Ukraine wieder auf ?
    Ganz konkret, wer baut den Donbass wieder auf,
    Der galt als das Ruhrgebiet der Sowjetunion und war das industrielle Herz der Schwerindustrie.
    Baut Rußland dieses Zentrum wieder auf oder baut die Ukraine dieses Gebiet wieder auf.
    Hier sollte man mit den Verhandlungen beginnen.
    Man könnte diesem Gebiet Autonomie zusprechen, genauso wie es Italien mit Sizilien und auch Südtirol macht, es gibt auch ein Beispiel in der Zusammenarbeit von Frankreich mit der Schweiz, die franche comté.
    Das ist ein Gebiet, das sowohl von der Schweiz als auch von Frankreich verwaltet wird. Unglaublich aber wahr.
    Und wenn Herr Macron mal wieder mit Herrn Putin sprechen sollte, da hätte er einen guten Plan parat und die internationale Presse hätte wieder etwas zum Schreiben.

  30. #32 RPGNo1
    10. Juni 2026

    Das Kronjuwel in Russlands Eroberungskrieg, die Krim, wird immer mehr zu einer Last für Putin. Die Versorgungsengpässe im militärischen wie im zivilen Bereich nehmen zu. Inzwischen wird nicht nur Benzin knapp, sondern auch Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Reis, Buchweizen und Zucker gehen de Supermärkten aus.

    Schon vor dem Angriff auf die Ukraine von 2022 hatten die Besatzer zeitweise Schwierigkeiten damit, die Krim mit Energie und Wasser zu versorgen. In Russland wird die Entscheidung des sowjetischen Staats- und Parteichefs Nikita Chruschtschow von 1954, die Halbinsel von der Russischen auf die Ukrainische Sowjetrepublik zu übertragen, meist als Trunkenheitslaune abgetan. In Wirklichkeit hatten seinerzeit Gründe wie die wirtschaftliche Anbindung und die Versorgung über die direkt angrenzende Ukraine den Ausschlag gegeben.

    https://www.faz.net/aktuell/politik/ukraine/krieg-in-der-ukraine-engpaesse-auf-der-krim-200908282.html

    Wladimir Putins Position in der Ukraine wird von Tag zu Tag schwächer. Ein Szenario für einen möglichen Zusammenbruch der Front – das ausgerechnet dort spielt, wo der Krieg begann.

    https://www.stern.de/capital/putin-unter-druck—wo-russlands-krieg-enden-koennte-37509302.html

  31. #33 Staphylococcus rex
    10. Juni 2026

    @ Dietmar Hilsebein, Ihr Gleichnis mit den 4 besetzten Zimmern in einer Wohnung weist einige Ungenauigkeiten auf. Streng genommen geht es um 5 Zimmer, das Balkonzimmer (die Krim) wurde erst später in die Wohnung integriert und bereits früher besetzt. Was die “Ehestreitigkeiten” betrifft, die Ukraine war zwar 1991 aus der UdSSR ausgetreten, blieb aber danach Mitglied der GUS (einer Staatengemeinschaft), vergleichbar am ehesten einem getrennt lebenden Ehepaar. Das Budapester Memorandum ist nur ein Teil der Gütertrennung, nämlich des Waffenschranks. Zu einer “sauberen” Scheidung gehört eine saubere Klärung der Gütertrennung und des Sorgerechts. Bei einer gemischten Bevölkerung in der Ostukraine und der Krim wäre schon vor langer Zeit ein Staatsvertrag zwischen Russland und der Ukraine erforderlich gewesen. Die zunehmende Entfremdung zwischen Russland und der Ukraine führte 2014 zur Besetzung der Krim, dies wiederum war der Sargnagel für eine einvernehmliche “Gütertrennung”.

    Die politischen Versäumnisse der Ukraine nach dem Austritt aus der UdSSR und während der GUS-Mitgliedschaft sind keine Rechtfertigung für den russischen Angriff, aber sie sind relevant bei der Suche nach einem tragfähigen Kompromiss für eine langfristige Waffenruhe.

  32. #34 NI
    10. Juni 2026

    zu #30
    Diemar Hilsebein Erbfeindschaft oder doch “We are family” ?

    Wladimir Putin ist nicht die Inkarnation Rußlands, so wenig wie Volodymyr Selenskyi das Schicksal Osteuropas bestimmen sollte.

    Nur ein Kompromiss darf die Lösung sein, man sollte auch an die Zukunft denken.
    S. hat sich ja geoutet, mit seinem Brief, für ihn ist der Krieg auch eine persönliche Angelegenheit, für Putin auch, Monika Gruber würde sagen, typisch Mann.
    Oft zu sehen bei “Hubert ohne Staller” BR.

  33. #35 Dietmar Hilsebein
    10. Juni 2026

    @ Staphylococcus rex

    “Das Budapester Memorandum ist nur ein Teil der Gütertrennung, nämlich des Waffenschranks.”

    Das ist so nicht ganz richtig. Artikel 1 des BM:

    “Artikel 1 bekräftigt die Verpflichtung (reaffirm commitment) der Signatarstaaten, Souveränität und bestehende Grenzen zu achten und verweist auf die Schlussakte von Helsinki als Grundlage für die Prinzipien der Souveränität, der Unverletzlichkeit der Grenzen und der territorialen Integrität.”

    https://de.wikipedia.org/wiki/Budapester_Memorandum

  34. #36 Staphylococcus rex
    10. Juni 2026

    Im Wikipedia-Artikel zum Budapester Memorandum steht aber noch einiges mehr. Unter Anderem die Frage, ob es sich hier um eine Absichtserklärung oder einen völkerrechtsverbindlichen Vertrag handelt, ist nicht so trivial, wie es auf den ersten Blick aussieht.

    Außerdem steht im Artikel 6 die Verpflichtung sich bei Konflikten zu beraten. Die Ukraine ist nun einmal kein monolithischer Nationalstaat, sondern ein Vielvölkerstaat. Es gibt eine ungarische Minderheit und eine große russischsprachige Minderheit in der Ukraine. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker beinhaltet das Recht des Austritts der Ukraine aus der UdSSR, es beinhaltet aber auch das Recht der Minderheiten zumindest auf auf angemessene Autonomierechte. Russland hat das Budapester Memorandum 2014 gebrochen. Aber die Ukraine hatte vorher 20 Jahre Zeit, ihren Minderheiten die ihnen zustehenden Autonomierechte zuzugestehen. In Bezug auf Artikel 6 kann man es so formulieren, die Ukraine hat das Budapester Memorandum sterben lassen.

    Im Unterschied zum Baltikum, wo viele russische Einwohner erst in den Jahrzehnten vor dem Zerfall der UdSSR eingewandert sind, haben die ungarischen und russischen Minderheiten ihre historischen Wurzeln in der Region und somit unbestreitbar ein Recht auf Selbstbestimmung.

    Anstatt einer Autonomielösung, wo alle Einwohner friedlich miteinander leben, läuft es jetzt auf Grenzen und ethnische Säuberungen hinaus. Wir reden viel über Putin und Selenski, weil diese einen Waffenstillstand unterschreiben müssen. Aber leben müssen damit die Einwohner der Ostukraine und zu viele von denen haben bereits ihre Heimat verloren bzw. werden ihre Heimat verlieren.

    Selenski hat die undankbare Aufgabe, das Sterben seiner Landsleute zu beenden und dabei den historischen Ballast aufzuarbeiten, den seine Vorgänger zwischen 1994 bis 2014 hinterlassen haben. Selenski hat in seinem Schreiben auf Maximalforderungen verzichtet. Ich denke, er weiß besser als alle anderen hier in dieser Runde, welche Ermessenspielräume er hat.

  35. #37 Dietmar Hilsebein
    10. Juni 2026

    @ Staphylococcus rex

    “Selenski hat in seinem Schreiben auf Maximalforderungen verzichtet. Ich denke, er weiß besser als alle anderen hier in dieser Runde, welche Ermessenspielräume er hat.”

    Sicher, Selenskyj und Putin werden hier nicht mitlesen. Von daher werden wir hier nur darüber schreiben können, welche Lehre wir für uns daraus ziehen können.
    Für mich ist die Sache klar: ich will nicht in einer Welt leben, wo Unterschriften nichts mehr zählen, Verträge nicht eingehalten werden und jeder sich nimmt, was einem in den Sinn kommt ohne Rücksicht auf Verluste. Eine solche Welt kann nur in die Barbarei führen.

  36. #38 Dietmar Hilsebein
    10. Juni 2026

    Heute muß man vorsichtig mit Begriffen umgehen. Unter “Barbarei” verstehe ich das Folgen des blindwütigen Willens (->Schopenhauer), der sich nicht der Vernunft unterordnet. Unter Vernunft verstehe ich die Instanz, die vernimmt als auch hinterfragt (Richterfunktion). Es ist zwar wahr, daß das Gute als dasjenige zu verstehen ist, welches der Lebensentfaltung zuträglich ist. Es muß aber dabei berücksichtigen, daß auch der Mitmensch diese Lebensentfaltung für sich reklamiert. Das gilt im Großen wie im Kleinen.

  37. #39 NI
    11. Juni 2026

    #37,38
    Was sagt der Papst dazu :
    “Ohne den Anspruch zu erheben, das Thema (die Zivilisation) erschöpfend zu behandeln, schlage ich fünf Ansätze für die Verantwortung im Alltag und im öffentlichen Leben vor: Worte entwaffnen, Frieden in Gerechtigkeit aufbauen, die Perspektive der Opfer einnehmen, einen gesunden Realismus pflegen, den Dialog und den Multilateralismus wiederbeleben. ”
    Interessant dabei ist die Reihenfolge seiner Ansätze.

    1. Nicht mit Worten drohen
    2. Friedliche Lösungen anstreben
    3. die Position der Opfer einnehmen

    4. Realistisch bleiben,
    5. miteinander reden
    6. miteinander handeln

    Anmerkung: Punkt 4 ist die Ablehnung von religiösem Dogmatismus,

    • #40 Joseph Kuhn
      11. Juni 2026

      @ NI:

      Es wäre schön, wenn die Mächtigen der Welt so handeln würden. Aber die Maxime der drei Herren der Welt ist eher:

      1. Mit Worten drohen
      2. Lösungen auch gewaltsam anstreben
      3. Die Position der Opfer ignorieren
      4. Egoistisch bleiben
      5. Mit den anderen Starken reden
      6. Zuschlagen, wo sich die Gelegenheit bietet.

  38. #41 NI
    11. Juni 2026

    zu # 40 Joseph Kuhn
    Absolute Zustimmung, deshalb wird Punkt 4 wichtig: realistisch bleiben. Man kann es auch als Realpolitik bezeichnen. Sogar in Mathäus 10,16 gibt Jesus seinen Jüngern den Rat: “Seid klurg wie die Schlangen”.

  39. #42 Thorsten P.
    11. Juni 2026

    @libre

    Mir scheint das Problem eher bei Selenskyj zu liegen (und der EU mit ihrem gerechtem Frieden). Ein Friede hätte auch schon vor 4 Jahren erzielt werden können, wenn man ihn hätte wollen. Aber nein, lieber sterben hunderttausende Menschen und wofür? Für territorialer Integrität – was für ein Schwachsinn?

    Für Sie ist territoriale Integrität “Schwachsinn”, für die Ukraine ist es eine strategische Frage von entweder dauerhafter Sicherheit oder Angreifbarkeit. 2022 musste Russland noch über die Landenge der Krim ausbrechen, so hat Russland heute die Landverbindung im Süden besetzt und hat von dort aus auch eine gute Stoßmöglichkeit in den weichen östlichen Unterleib der Ukraine. Abgesehen vom heute umkämpften Festungsgürtel im Donbass ist da nicht mehr viel, wo man eine Verteidigung anklammern könnte. (Eine ähnliche strategische Lage hatte Polen 1939)

    Angesichts dessen, dass es auch nur ein Mythos ist, dass schon 2022 Frieden möglich gewesen wäre, würde ich empfehlen, von allzu selbstsicheren Aussagen, was alles Schwachsinn ist oder wer Schuld hat zurückzutreten.

  40. #43 Staphylococcus rex
    11. Juni 2026

    Ich denke, zum eigentlichen Thema gibt es nicht mehr sehr viel Neues zu sagen. Hier wurde aber ein interessantes Thema angesprochen: Das Spannungsfeld zwischen Politik und Moral.

    Sicher gibt einzelne Politiker, die versuchen, moralisch zu handeln. Aber diese sind selten wie der buchstäbliche weiße Rabe. Bereits Macciavelli in seinem Buch “Der Fürst” weist darauf hin, dass “gut gewollt” und “gut gemacht” zwei grundverschiedene Dinge sind. Zwischen den Zeilen steht dort überall die Botschaft, dass ab einer gewissen Stufe der Macht der wohldosierte Einsatz repressiver Mittel unverzichtbar ist. Gleichzeitig wirkt Macht auf viele Menschen wie eine Droge, die eigene Straflosigkeit bei Handlungen, die sonst langjährige Gefängnisstrafen nach sich ziehen ist Gift für Empathie, Mitgefühl und Verantwortungsbewußtsein.

    Dabei muß man gar nicht soweit in die Ferne Schweifen, Spahn mit seinen Maskendeals, Scheuers Mauschelei bei der Maut, Dobrindts Verrat an afghanischen Ortskräften und Mißachtung von EU-Recht, all dies geschieht nicht in einer fernen Diktatur, sondern vor unserer Haustür. Konservative nehmen gern das Wort Moral in den Mund, mittlerweile läuten bei mir alle Alarmglocken, wenn ein Konservativer über Moral redet. Unabhängig von der politischen Präferenz sollte sich jeder bei einer Wahl fragen, würde ich der Person auf dem Wahlzettel einen Gebrauchtwagen abkaufen? Wenn nicht, dann sollte dies auch Konsequenzen für den Wahlzettel haben.

    Feministische Außenpolitik funktioniert auch nur auf dem Papier, wenn in der Realität Entscheidungen getroffen werden müssen und alle Entscheidungen unangenehme Konsequenzen haben, dann kann man froh sein, wenn rational entschieden wird.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Feministische_Au%C3%9Fenpolitik

    Ich wünsche Trump, Putin und Xi nur das Beste: für Trump ein warmes Zimmer im Alligator Alcatraz, für Putin ein Holzhäuschen auf den Solowetzki Inseln, für Xi eine unbefristete Bildungsreise in seine ehemalige Lößhöhle in Shaangxi. Ein kalter Entzug von der Droge Macht ist offensichtlich so grausam, dass keiner dieser Herren freiwillig darauf eingehen würde.

    • #44 Joseph Kuhn
      11. Juni 2026

      @ Staphylococcus rex:

      ““gut gewollt” und “gut gemacht””

      Das liest sich im moralischen Begriffsuniversum wie das Paar Gesinnungsethik und Verantwortungsethik oder das Paar Tugendethik und konsequentialistische Ethik. Ich weiß nicht, ob das für Macchiavelli passt. Da müsste man das Begriffspaar wohl eher instrumentell interpretieren, dahingehend, ob ein Plan auch aufgeht. Siehe ganz kurz auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Trennung_von_Moral_und_Politik

  41. #45 Dietmar Hilsebein
    11. Juni 2026

    @ Staphylococcus rex

    “Unabhängig von der politischen Präferenz sollte sich jeder bei einer Wahl fragen, würde ich der Person auf dem Wahlzettel einen Gebrauchtwagen abkaufen? Wenn nicht, dann sollte dies auch Konsequenzen für den Wahlzettel haben.”

    Vielleicht ist es sinnvoller, die Frage anders zu stellen: würde ich mir einen Gebrauchtwagen abkaufen? Denn gesetzt, daß jedes Volk die Regierung bekommt, die es verdient, so sollten wir dafür sorgen, daß einst bessere Politiker aus unserer Mitte hervorgehen.

  42. #46 Dietmar Hilsebein
    11. Juni 2026

    Was bedeutet Moral im Allgemeinen und unter Politikern im Besonderen? Ist ein Politiker irgendein Übermensch, der losgelöst über “sein” “Volk” herrscht? Darüber sollten wir eigentlich hinaus sein. Heute dürfte das sogenannte Volk soweit selbstbestimmt sein (im bösen Westen), daß es, im Gegensatz zu Machiavellis Zeiten, von Bord geht: “meine Söhne gebe ich nicht!”, ein Satz, über den sich trefflich streiten läßt, da wir von Halbaffen umgeben sind, die sich einen Dreck um ein gedeihliches Miteinander scheren. Schon Nietzsche schwärmte:
    “Staat heißt das kälteste aller kalten Ungeheuer. Kalt lügt es auch; und diese Lüge kriecht aus seinem Munde: »Ich, der Staat, bin das Volk.«

    Lüge ist’s! Schaffende waren es, die schufen die Völker und hängten einen Glauben und eine Liebe über sie hin: also dienten sie dem Leben.”

  43. #47 libre
    Salzburg
    12. Juni 2026

    Als Politiker sollten sie sich vorallem fragen: Wem diene ich, dem Staat oder seiner Bevölkerung? Von Idieologie will ich gar nicht erst sprechen.
    Alles andere ist nur das übliche Bla, bla, bla. Wobei Überschneidungen natürlich möglich sind und alles es etwas komplizierter machen.
    PS: Vergessen sie ihre Gebrauchtwagen.

  44. #48 Dietmar Hilsebein
    12. Juni 2026

    @ libre

    Ich stelle mir gerade vor, wie Völker vor Urzeiten entstanden sind als Menschen Gemeinschaften bildeten und aus ihrer Mitte die Besten wählten, die sie durch die Gefahren des Lebens leiten sollten. Besitzt eine größere Gemeinschaft, die sich Volk nennt, noch diese Kompetenz? Oder wählt sie jene, die die größten narzißtischen Störungen aufweisen? Trifft letzteres zu, so kann einem solchen Volk nicht gedient werden, da der Narzißt vor allem sich selbst dient. Oder ist alles ganz anders? Sind die Gefahren des Lebens so komplex geworden, daß es die Besten gar nicht geben kann? Dann sollten wir uns selbst führen oder sterben gehen.

  45. #49 NI
    12. Juni 2026

    libre,Hilsebein
    Der von euch besprochene “Interessenkonflikt”, der wird Im Beamtengesetz elegant gelöst. § 47 LBG von Baden Württemberg
    “„Ich schwöre, dass ich mein Amt nach bestem Wissen und Können führen, das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, die Landesverfassung und das Recht achten und verteidigen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“

    Die Grundlage des Zusammenlebens sind also ein existierender Staat und im Falle Deutschlands auch ein Bundesland und ein Grundgesetz und eine Landesverfassung.
    libre, was deine “narzisstischen Störungen ” betrifft, das ist allerdings ein Problem für jeden Staat, der noch keine demokratischen Regularien besitzt.
    Und das trifft auf Rußland zu.

  46. #50 knorke
    12. Juni 2026

    So wie ich das wahrnehme befinden sich Russland und Ukraine am PR-Schauplatz des Krieges im Dauerwettbewerb darum, wem Trump im Falle das Falles was in die Schuhe schieben kann. Den Anderen in Zugzwang zu setzen ist dabei grundsätzlich der Klassiker und das heißt, ein Thema zu besetzen und den anderen zur Reaktion zu zwingen.

    Zweite Komponente ist sicherlich die Argumentationskette russischer Unterstützer im Westen die so wieder mal genötigt werden, in ihren “Verhandelt endlich!” Lügen eine weitere unbequeme Wahrheit zu integrieren oder zu umschiffen.

    Drittens denke ich, das war an die Russen selbst gerichtet, vielleicht sogar vor Allem. Vielleicht nicht an Ivan, am Band bei Uralvagonzavod, aber an Vladimir in der Chefetage von Gazprom oder Dimitri, CEO einer größeren Handelsbank. Vielleicht auch an den einen oder anderen im Kreml, dem manche Entwicklungen gar zu schmerzhaft in die Privilegienblase pieksen. Der Subtext ist ja “es ist hart, es wird noch härter und ihr könntet das ändern, ihr müsst nur wollen”

    Ich halte das Angebot für in dem Sinne ernstgemeint, als dass ich schon glaube Selenskyi wäre unter den richtigen Umständen bereit, besetztes Territorium de facto unter russischer Kontrolle zu belassen, solange dies nicht de jure ist. Aber es war sicherlich nicht in dem Sinne ernstgemeint, als habe er auf eine positive Antwort vom russischen Diktator und Kriegsverbrecher gehofft.

    • #51 Joseph Kuhn
      12. Juni 2026

      @ knorke:

      Klingt einleuchtend.

  47. #52 knorke
    12. Juni 2026

    @26 Staphylococcus rex

    Auch ein Waffenstillstand dauerhafter Art ist nicht in Putins Interesse. Sehr wohl in seinem Interesse wäre jedoch ein eingefrohrener Konflikt mit scheinbar schweigenden Waffen, der durch Marionetten heiß und kalt ausgetragen wird (siehe Donbas vor 2022) und Ukraine stückweise isoliert und es zu einem Failed State macht. Ukraine in NATO ist auf absehbare Zeit unmöglich, Ukraine in EU wird er versuchen zu verunmöglichen und bilaterale Beziehen wird er versuchen zu unterminieren.

    Die Folge, und das sage nicht nur ich: Selbst ein Putsch der Ultranationalisten wäre aktuell mit einem höheren Konfliktlösungs- oder abschwächungspotenzial verbunden als jedes Szenario bei dem das Putin-Regime an der Macht bleibt. Nur muss man genau damit rechnen,und somit auch mit o.G. Szenario. Und dabei muss man noch hoffen dass der Kreml dabei langfristig auf eigene Rechnung handelt und nicht der Wasserträger Chinesischen Imperilismusses ist, was sich leider als realistisches wenn ncht wahrscheinliches Szenario etabliert.

  48. #53 NI
    12. Juni 2026

    #51 Beurteilung der Aussichten

    Informativ bleibt die Einschätzung der Ukraineflüchtlinge in Deutschland.
    google KI:
    “Sinkende Rückkehrabsichten: Während kurz nach Kriegsbeginn 2022 noch etwa 70 % der Geflüchteten eine baldige Rückkehr planten, ist dieser Anteil bis Anfang 2026 auf etwa 40 % gesunken. Etwas mehr als die Hälfte der in Deutschland lebenden Ukrainer plant inzwischen einen dauerhaften Verbleib .

    ….das weiß auch P.

  49. #54 knorke
    14. Juni 2026

    @51 Joseph Kuhn
    ein kürzlicher Tweet Selenskyjs verschärft die Wahrscheinlichkeit von These 3: Hier nur der letzte Satz “The internal situation in Russia should convince him of the opposite: that peace is needed. Ukraine is proposing to negotiate a dignified peace. Obviously, the trends will not change, and over time this may mean that an agreement will have to be reached with someone else from Russia – someone who will not shut themselves off from reality. Glory to Ukraine!”

  50. #55 libre
    Salzburg
    17. Juni 2026

    Jetzt gibt es sogar neue Sanktionen gegen Russland (die wievielten?), sogar gemeinsam mit Trump. Das ändert natürlich alles und Beitrittsverhandlungen der EU werden mit der Ukraine begonnen. (ähm auch Modlavien). Wer EU und Trump kennt, weiss was er davon zu halten hat. Richtig: das kann dauern …
    Bestimmt eine Folge von Selenskyjs seltsamen Brief (das dazu passende emoticon/Smiley spare ich mir vorerst mal). Jetzt wird bestimmt alles besser!

  51. #56 libre
    Salzburg
    17. Juni 2026

    PS: sorry an Moldawien für die falsche Schreibweise. Willkommen in der EU (hoffentlich).

  52. #57 M. Hahn
    2. Juli 2026

    … und jetzt hat auch Harald Walach seine Gedanken zum Ukrainekrieg veröffentlicht. https://harald-walach.de/2026/06/30/einzig-frieden-ist-alternativlos/#more-5720

    Darin bringt er das Bild von einer Katze, die, von einem fetten Hund in die Ecke gedrängt ihm als letztes Mittel ihre Krallen in die Nase haut, wogegen noch der stärkste Hund keine Chance hat. Die arme Katze ist Putin, die Krallen sind seine Atomwaffen.

    Ja, auch Putin habe schon Kriege vom Zaun gebrochen. Dabei habe er aber nicht “expansiv nach anderen Ländern gegriffen”. Vielmehr habe er damit nur “traditionelles Terrain zurückgewinnen bzw. deren Sezession verhindern” wollen. Das wird man ja wohl noch machen dürfen.
    Nein, das hat er natürlich nicht gesagt. Nur, dass es eben einen Unterschied zwischen dem einen und dem anderen gibt. Heißt also, völkerrechtliche Grenzen sind das eine, “traditionelles Territorium” ist das andere. Auch jenes kann also einen Krieg wert sein, und das ist dann nicht expansiv.

    Walach weiß auch, was Putin nicht tun wird: “das, was ihm alle andichten: die baltischen Staaten, Polen, oder gar Deutschland überfallen.”
    Na dann ist ja gut.

    Schließlich schreibt er :
    “Wie bescheuert muss man eigentlich sein, um solches Zeug von sich zu geben?”
    Frag ich mich auch.

  53. #58 RPGNo1
    6. Juli 2026

    Putin hat geantwortet. Kyjiw wurde innerhalb weniger erneut terrorisiert und massiv mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern angegriffen. Moral bombing 2.0

    https://www.spiegel.de/ausland/ukraine-krieg-russland-ueberzieht-kyjiw-mit-luftangriffen-offenbar-zahlreiche-menschen-eingeschlossen-a-e4b7a5ca-3f92-44cc-87f2-3b1a2770e4af

  54. #59 RPGNo1
    6. Juli 2026

    Korrektur: Kyjiw wurde innerhalb weniger Tage erneut terrorisiert …

  55. #60 libre
    Sakzburg
    6. Juli 2026

    Und soviel zum Thema Frieden. Was mich immer wieder erstaunt: Ukrainische Soldaten und ukrainischhe militärische relevanten Einrichtungen sind offenbar unkapputbar und Russen greifen offenbar ausschließlich zivile Ziele an, wohl aus purer Bösartigkeit oder aus dem Fehlen sinnvoller Ziele.

    Grmmp: So sollte es nicht weitergehen, befürchte aber, so wird es warum auch immer – ohne Hirn und Verstand!

  56. #61 Oliver Gabath
    7. Juli 2026

    @Libre

    Das ist unironisch der Fall. Russland greift überwältigend häufiger zivile Ziele an. Ganz bewusst. Das ist schon ziemlich böse. Sinnvolle militärische Ziele gäbe es schon, aber an die kommt man schwerer ran.