Erinnern Sie sich noch die bayerische Homöopathie-Studie? Mit viel Geld, etwa 800.000 Euro, sollte die TU München die Frage klären, ob eine homöopathische Behandlung den Einsatz von Antibiotika bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen bei Frauen reduzieren kann. Das Studiendesign war lege artis, ein RCT, aber sinnlos, weil damit der wirksame Teil der Homöopathie, der Placeboeffekt, ausgeschlossen wurde. Man wollte einfach den vielen negativen Studien zur pharmakologischen Wirksamkeit von Homöopathika endlich mal eine mit positivem Befund entgegensetzen. Eine Wirksamkeitsstudie mehr in einem Meer an Studien, auch sinnlos. Bayes said.

Ziel war, 220 Frauen zu rekrutieren, so die Information bei ClinicalTrials.gov, oder 240, so die Informamtion im EU Clinical Trials Register. Ende 2024 wurde die Studie im Prinzip abgebrochen. Um den Begriff „abgebrochen“ gab es noch ein bisschen Streit, formal wurde die Laufzeit der Studie bis Anfang 2026 verlängert, aber de facto war sie zu Ende. Es konnten nur 40 Patientinnen rekrutiert werden, sie sollten nachbeobachtet werden. Warum auch immer. Das Geld war ja da.

Auf ClinicalTrials.gov wurden die Studieninformationen nicht mehr aktualisiert. Last update 8.11.2024, dann irgendwann: „Status unknown“. Aber im EU Clinical Trials Register ist bereits vor einiger Zeit still und heimlich der Endbericht eingestellt worden. Leider erfährt man daraus weder, warum nur 40 Patientinnen rekrutiert werden konnten, auch nicht, warum davon nur 22 bis Studienende dabei waren. Das Ergebnis bei diesen Fallzahlen, pharmakologisch ohnehin nicht anders erwartbar: Nichts.

Ein wahrhaft homöopathisches Ergebnis. Abgesehen vom Geld natürlich, das ist zu einem gewissen Teil, man ahnt es, einem unbekannten Teil, weg. Natürlich gab es zum Studienabschluss keine Pressekonferenz, man hat die Studie still und heimlich beerdigt, im „engsten Familienkreis“ sozusagen. Kein Wort beim auftraggebenden Gesundheitsministerium, kein Wort bei den Homöopathen, die nach eigenem Bekunden die Studie auf den Weg gebracht hatten, kein Wort von der Exzellenz-Universität TU München.

Die Bundesregierung plant gerade mit dem Beitragsstabilisierungsgesetz, die Homöopathie als Kassenleistung zu streichen. Karl Lauterbach ist daran in der letzten Legislaturperiode gescheitert, die Grünen waren dagegen. Auch jetzt gibt es prominenten Widerstand gegen die Streichung. Das meist gutverdienende alternativmedizinische Klientel will nicht selbst bezahlen, auch wenn man unglaublich überzeugt von der Wirksamkeit der Mittelchen ist und auch, obwohl die Kosten wie beim Kamillentee recht überschaubar sind.

Bei unkomplizierten Harnwegsnfektionen hilft übrigens auch Cranberry-Saft. Müsste man allerdings auch selbst bezahlen.

Kommentare (1)

  1. #1 M. Hahn
    3. Juli 2026

    Fast ist man dankbar, wenn es “nur” ein solches Ende nimmt.
    Es gibt eine Homöopathie-Studie, deren Publikation wurde vom Verlag zurückgezogen, und der Hauptautor verkündet bis heute, dass die Daten stimmen. Die Retraction sei nur erfolgt, weil die Autoren überqualifiziert sind.
    “Es war einmal eine Homöopathie-Stude” – unter diesem Titel berichten Norbert Aust und Viktor Weisshäupl, wie in dieser Arbeit die Daten zurechtgebogen wurden.
    https://www.youtube.com/watch?v=gqU63T6f_mY
    Eine Stunde, spannend und unterhaltsam wie ein Krimi.