One Central Park A vertical garden encloses One Central Park (2013) on Broadway in Sydney, Australia (Wikipedia: David Stanley)

Die Punk-Attitude steht für eine Ablehnung aktueller Werte und Normen. Dazu gehört etwa die Abkehr von Statussymbolen wie einem möglichst großen Automobil möglichst exklusiver Marke, ein möglichst großes Eigenheim, teurer Fernreisen sowie angesagten aktuellen Konsumgütern. Stattdessen ist der Solarpunk meist mit einem Zweirad ohne Stau und Parkplatzsuche im urbanen Raum schnell unterwegs, praktisch gekleidet und lebt nachhaltig und pragmatisch. Dazu gehört u. a., dass Gegenstände geteilt, ge- und verliehen werden, die Nutzung von Second Hand-Artikeln jeglicher Art sowie Reparatur und Recycling oder Upcycling. Solarpunks sind technisch und digital kompetent und innovativ – sie wollen Science Fiction in Science Action transformieren. Damit besteht auch eine Nähe zur boomenden Maker-Szene. Das neue Genre beschäftigt sich ebenfalls intensiv mit Architektur und Infrastruktur. Solarpunks sind zwar selbständig, sind aber im urbanen Raum Teil einer Community, die anstehende Herausforderungen gemeinsam bewältigt.
Auch wenn Solarpunk-Communities im urbanen Raum angesiedelt sind, denken und agieren sie nicht nur lokal, sondern sind global vernetzt.

Dieser gerade erst entstehende bunte Klima- und Weltrettungspunk steht also für ein neues umfassendes Lebensgefühl.

Glass and Gardens: Solarpunk Summers: Amazon.de: Ulibarri, Sarena, Patt, Julia K., Mok, D.K., Rossman, Jennifer Lee, Cox, Stefani, Graves, Shel, Schofield, Holly, Jerreat, Jerri, Goh, Jaymee, Jugendstil, Commando: Fremdsprachige BücherEs gibt noch gar nicht so viele Solarpunk-Romane und oder auch nur -AutorInnen. Solarpunk wird zurzeit noch oft im Amateurbereich geschrieben. Die Editorin und Autorin Sarena Ulibarri (Editor-in-chief World Weaver Press) hat dazu die Anthologien „Glass & Gardens: Solarpunk Winter“ und „Glass & Gardens: Solarpunk Summers“ herausgegeben.
Glas und Gärten bezieht sich darauf, dass Gewächshäuser ein wichtiges Element im Solarpunk sind, ob verlassene alte Gewächshäuser oder neu gebaute, die der urbanen Versorgung in extremen Klimata dienen. Winter und Sommer beziehen sich auf diese neuen extremen Klimata. In den Kurzgeschichten beleuchten unterschiedliche Szenarien eine diverse, bunte Gesellschaft, die in oder nach der Klimakrise, auf der Erde oder anderen Planeten, ihr Leben meistert. Die Schreibprojekte mit Herzblut sind schreibtechnisch auf unterschiedlichem Niveau, die dichten Geschichten mit wissenschaftlichem Einschlag bieten auf jeden Fall reichlich Stoff zum Nachdenken.

Front CoverAuch Elly Blue ist Herausgeberin von Solarpunk-Anthologien: Sie hat Geschichten einer utopischen Frauen-Fahrradkultur gesammelt: „Biketopia“ und „Our bodies, our bikes“

Die Autorin, Editorin und feministische Radfahrerin engagiert sich in Portland u. a. dafür, dass auch kinderreiche Familien mit geringem Einkommen sich das Fahrradfahren leisten können. Damit kämpft sie für soziale Gerechtigkeit auch in der klimafreundlichen Mobilität. Mit diesem Engagement für ein bezahlbares nachhaltiges Leben positionieren sich SolarpunkerInnen gegen den Vorwurf, ihr Konzept sei elitär. Ein wichtiger Aspekt!
Auf den Covers sind Frauen in fahrradtauglicher Funktionskleidung zu sehen. Über die Kurzgeschichten kann ich noch nichts sagen.

Solarpunk ist die coole freche kleine Schwester der Climate Fiction, von der ich noch wesentlich mehr hören und lesen möchte. Am liebsten hätte ich deutlich sichtbare Spuren davon in den zurzeit viel zu grauen Innenstädten – bunt bemalten Beton (in Chile habe ich mich in die dort florierende StreetArt verliebt), verwunschene grüne Inseln und ein flirrendes, kunstreiches Leben in den nach Ladenschluß viel zu verlassenen Innenstädten.
Soweit zur ersten Einführung dieses neuen Subgenre, zu dem es noch viel mehr zu sagen und zu schreiben gibt.

Im 5. Und letzten Teil meiner #ClimateFiction-Kurzreihe gibt es mehr zur #ElsterCon, was George R. R. Martins „Winter is coming“ mit der Klimakrise zu tun hat und einige aufrührerische Gedanken und Diskussionsbeiträge von der ElsterCon

Teil 5: #ClimateFiction: #ElsterCon2020 – Fahrenheit 145: Science Fiction, Klimakrise und Gesellschaft

 

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Kommentare (12)

  1. #1 LasurCyan
    14. Oktober 2020

    Am liebsten hätte ich deutlich sichtbare Spuren davon in den zurzeit viel zu grauen Innenstädten

    Geht mir auch so. Stellenweise sind sie auch zu grün, diese Rasenflächen sollten auch ma rekultiviert werden.

    Aber das wird schon..

    Vielen Dank für die Reihe! Die LeseTipps werden mich in den Ruin treiben^^

    • #2 Bettina Wurche
      14. Oktober 2020

      @LasurCyan: Danke! Vielleicht könnte man einige im Bekanntenkreis kursieren lassen oder auf eine Bücherhallen-Leseliste stellen?
      Ja, ich habe für diesen Vortrag auch einiges für Literatur hingelegt : ) Und jetzt muss ich sie auch noch lesen…

  2. #3 rolak
    14. Oktober 2020

    auch noch lesen

    Dat darfste aber nich unter Arbeitszeit verbuchen und in € umrechnen – sonst wird so ein kleines Lesevergnügen erst richtig gruselig aufwändig…

    Anfangs der Reihe vermisste ich einige der Klassiker (aber wer kann schon alles reinpacken?) wie zB meinen ollen Liebling John Brunner. Ob nun Hacking, soziale Hilfestellung und AlternativIndustrie wie im SchockwellenReiter, Überbevölkerung wie in der Morgenwelt oder Umweltzerstörung wie in Schafe blicken auf paßte alles unverschämt gut in die (okok, meine) Lesezeit 2.Hälfe 70er…

    Jetzt gibts ein neues Problem: Solarpunk kenne ich noch garnicht, klingt aber ungemein interessant. Hoffentlich kann der Ruin vermieden werden ;•)

    • #4 Bettina Wurche
      14. Oktober 2020

      @rolak: In den Texten sind ja nur einige ausgewählte Beispiele genannt, eine Liste habe ich nicht erstellt. Die wäre irre lang geworden. Dune etwa gehört auch dazu. Den Schockwellenreiter in seiner vernetzten dystopischen Welt würde ich eher unter Cyberpunk ein ordnen. Aber für mich sind diese Genregrenzen sehr durchlässig, darüber mögen siech die LiteraturwissenschaftlerInnen entzweien. Einen solchen habe ich auf der ElsterCon knapp verpasst – Dithmar Dath sollte unser Klimapanel moderieren und ich wollte mit ihm eigentlich auch über die Einordnung Jules Vernes sprechen. Dath ordnet Verne der Proto-SF zu, während ich mit seinem Biographen Dees bezweifle, ob er überhaupt SF oder eher Wissenschaftsromane, in denen einige spekulative und fantastische Elemente vorkommen, geschrieben hat.
      Beim Solarpunk habe ich noch nicht die ganz große Literatur gefunden, die steckt noch in den Jugendschuhen. Das könnte noch interessant werden. Während Robinson mich teilweise mit seiner Sprachgewalt einfach aus den Stiefeln geblasen hat, das ist ein anderes Niveau.

  3. #5 rolak
    15. Oktober 2020

    Genregrenzen sehr durchlässig

    Das möchte ich mit einem entschiedenen ‘jein’ unterstützen/ablehnen: genretypische Elemente sind zwar iA jeweils gut fixiert, doch keinesfalls automatisch Alleinstellungsmerkmal eines einzigen Genres – und darüber hinaus ist es diesen umtriebigen Autor*en sogar erlaubt, sich bei mehreren Genres zu bedienen. Mal ganz davon abgesehen, daß, wie auch hier, diverse Werke postscriptum [anderen] Genres zugeschlagen werden können.
    Klar, wer *ich*will*aber* darauf besteht, für Medien und Genres eine bijektive Zuordnung zu etablieren, wird sich binnen Kürzestem in einem RiesenSchlamassel befinden…

    mögen siech (..) entzweien

    Hübsch umgesetzt – solch sinnleerer Streit scheint mir ebenfalls ungesund :•P

  4. #6 LasurCyan
    15. Oktober 2020

    Und jetzt muss ich sie auch noch lesen…

    Das alte LuxusProblem^^

    Da muss ich doch gleich einen LeseTipp rüberschieben. Schrägerweise kenne ich den Autoren (tatsächlich ein mann) erst seit letztem Jahr: Lucius Burckhardt. Keine Ahnung, warum mir der so verborgen blieb, jedenfalls schlug der ein wie eine Bombe. Kein S/F, oder vieleicht doch, gut getarnt als Spaziergangswissenschaft > Die Kinder fressen ihre Revolution. Wohnen – Planen – Bauen – Grünen

    • #7 Bettina Wurche
      16. Oktober 2020

      @LasurCyan: Danke für den Tipp! Ja, man müsste mal Zeit zum Lesen haben… : )

  5. #8 rolak
    16. Oktober 2020

    man müsste mal

    ..statt der dräuenden Gefahr einer Filterblase vielleicht die grünende Hoffnung auf eine Zeitblase wahrnehmen können. Oder so.

    Jedenfalls ist Solarpunk deutlich vorgemerkt (EN-Literatur ist wg unverschämter Bevorteilung leider besser von den Amazonen zu beziehen – da warte ich auf einen portosenkenden Einsatz à la ich setze den DasBuchAuchNochJoker) und Lasurcyans auch hier völlig neuer Geheimtipp bereits beim local dealer bestellt.
    Oder doch mehr ein Gemeintipp, auf daß Andere ähnliche Ausgaben vor sich sehen? :•P

    • #9 Bettina Wurche
      16. Oktober 2020

      @rolak: Mein örtlicher Buchhändler kann die Bücher manchmal besorgen, darum frage ich da jetzt immer erst mal nach. Amazon & Co meide ich auch, wo immer es geht

  6. #10 LasurCyan
    16. Oktober 2020

    Oder doch mehr ein Gemeintipp, auf daß Andere ähnliche Ausgaben vor sich sehen? :•P

    So eine Gemeinheit aber auch, rolak^^

    Also gut, noch drei Tipps aus den letzten Monaten Lektüre, die hier einigermassen zum Thema passen: ‘Ein Freund der Erde’ (T C Boyle), ‘Die Siliziuminsel’ (Chen Qiufan) und ‘Frausein’ (Mely Kiyak).

    • #11 Bettina Wurche
      28. Oktober 2020

      @LasurCyan: Die Siliziuminsel hört sich sehr spannend an! Ich träume ja davon, mal ein Wochenende lang in der Phantastischen Bibliothek in Wetzlar eingeschlossen zu werden und mich dann nach Herzenslust aus den Regalen zu bedienen. Mit genügend Vorräten und ein paar Gleichgesinnten könnte man dort eine tolle Zeit verbringen.

  7. #12 rolak
    28. Oktober 2020

    ein Wochenende lang

    So wie dieses bekannte Wochenende von FR, dem 3.1., bis SO, dem 27.12.20?

    Die Siliziuminsel hat mir sehr gefallen – ein wilder GenreMix mit FantasyElementen, allerdings beim eigentlichen Thema unsäglich nahe am Hier&Jetzt.