Auf der Leipziger Buchmesse war mit der Klimabuchmesse auch eines der derzeit wichtigsten Themen vertreten, das uns alle angeht, viele umtreibt und in der öffentlichen Wahnehmung vollkommen unterrepräsentiert ist: Die Klimakrise, und was wir jetzt konkret tun müssten.
Die MacherInnen der Klimabuchmesse wollten dazu Gespräche, Diskussionen und natürlich Bücher präsentieren: Statt vielen Reisen und Präsenzveranstaltungen, hatten sie sich für einige klimaschonende digitale Formate entschieden.
Trotz der Absage der Leipziger Buchmesse finden also einige Events der Klimabuchmesse einfach im virtuellen Raum statt.
So hat Maike Braun, eine der OrganisatorInnen, den IT-Experten und SF-Autoren Uwe Post und mich interviewt.
Uwe hat den Solarpunk-Roman “Klima Korrektur Konzern” veröffentlicht.
Darin geht es um einen IT-Nerd, der als Administrator für eine Firma arbeitet, die das Klima mithilfe genveränderter Pflanzen retten will. Dabei geht es vor allem um die Kultivierung von Meeresalgen. Der Nerd-Alltag in einer nahen Zukunft, das Essen kommt aus dem 3 D-Drucker und hat Namen, wie “Heißes Einhorn”.
Uwe bezeichnet das als Future Fiction, es geht um eine plausible nahe Zukunft, in der einige Ideen zum Klimaschutz und zur Milderung der Klimakrise einfach umgesetzt werden. In seinem Roman verpackt er da nicht nur als Krimi – Saboteure versuchen, das Projekt zu sabotieren, sondern auch phnatsievoll und amüsant. Bei den Speisen aus dem 3 D-Drucker musste ich immer wieder grinsen und seine Akteure kamen mir vor, wie alte Bekannte. Nerds eben.
Dass Meeresgewächse wie Seegras und Algen – sowohl die winzigen, meist einzelligen Mikroalgen – als auch Makroalgen, die über 30 Meter lang werden können, ideale Helfer im Klimaschutz und für eine bessere Zukunft sind, ist für mich in den letzten Jahren ein wichtiges Thema geworden. Mittlerweile schreibe ich regelmäßig darüber, unter anderem für Spektrum (Sargassum, Seegras), Bild der Wissenschaft (Makroalgen) oder sie SZ (Sargassum-Algenpest).
Die Meereswälder und Meereswiesen befestigen unsere Küsten, versorgen das Meer mit Sauerstoff und sind wertvolle Lebensräume für eine Biodiversität, u. a. als Fisch-Kinderstuben. Algen und Seegras können als Nahrung, Vepackung, Baumaterial, Dämmstoff, Treibstoff und mehr verarbeitet werden. Durch Klimakrise und Meeresverschmutzung leiden ihre Bestände, manchmal können sie allerdings auch zur Plage werden (Dazu mehr in den verlinkten Artikeln). Medien wie etwa die MIT Technology Review und andere heise-Medien beschäftigen sich ja bereits oft mit solcher Forschung, Anwendung und der Gestaltung der nahen Zukunft. Darum schreibe ich gern für diese Medien, etwa über die Entzifferung der Pottwal-Sprache per KI.
“Klima Korrektur Konzern” ist einer der wenigen deutschen Solarpunk-Romane, eine Untersparte der Climate Fiction.
Die Climate Fiction beschäftigt sich mit Szenarien aus der nahen Zukunft und dem möglichen Umgang mit der Klimakrise.
Uwe erklärt im Gespräch auch, warum er den Begriff Future Fiction für so wichtig hält und warum wir jetzt unsere eigene Zukunft aktiv gestalten müssen – darum hat er das Future Fiction Magazine gegründet. Von mir wird es darin demnächst einen Artikel geben.
Uwe Post und ich werden übrigens beide als Referenten auf dem ElsterCon 16 in der Fahrrad- und Klimastadt Leipzig sprechen. Den letzten ElsterCon habe ich als feine literaturlastige Veranstaltung erlebt, mit vielen inspirierenden Vorträgen, interessanten GesprächspartnerInnen und rundum angenehme Veranstaltung erlebt.
Mein Vortrag ist wieder zu “Climate Fiction”, diesmal aber mit Kim Stanley Robinson als Schwerpunkt. Der packendste SF-Autor des Sonnenssystems ist dieses Jahr 70 geworden und sein Buch “Das Ministerium der Zukunft” ist überaus lesenswert, aber nicht leicht verdaulich. Climate Fiction als Kommunikationsweg in der Klimakrise, Solarpunk als fröhliche Absage an die Dystopie, FahrradheldInnen und KSR hatte ich in dieser Artikelreihe näher vorgestellt.
Uwe und ich sind jedenfalls der Meinung, dass die Klimakrise jetzt ist und wir endlich unsere Zukunft aktiv gestalten müssen.
Dafür wird es nicht die eine große Weltrettungsmaschine geben, sondern stattdessen müssen wir an vielen Stellschrauben gleichzeitig drehen und unser Leben ändern. Nicht besser oder schlechter, sondern anders, als bislang.
In diesem einstündigen Gespräch unterhalten wir uns darüber, dass uns KI die Klima-Null nicht bringen wird, Algen hingegen schon eher und warum Science Fiction politisch sein muss.
Ein herzliches Dankeschön an Maike für die Einladung, die Moderation und die Nachbearbeitung!
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