Pünktlich zu Halloween verbreitet die US-amerikanische NOAA eine Alien-Invasion. Das NOAA-Forschungsschiff “Okeanos” hatte vor Amerikanisch-Samoa am Utu-Seamount eine aus der Tiefsee emporgestiegene Alien-Untertasse gefilmt.
Mit blinkenden Landescheinwerfern schwebte sie von ihrer Unterwasserbasis nach oben zur Oberfläche wie einst der schnelle Raumkreuzer Orion.

O. k., das ist natürlich eine Meduse. Die vermeintlichen gelben Landescheinwerfer sind ihre Geschlechtsorgane. In der Mitte kann man bei genauem Hinschauen den rötlichen Mundstiel-Magen-Verdauungs-Ausscheidungszylinder erkennen. Interessant sind die flirrenden Tentakelsäume – diese Meduse hat zwei verschiedene Arten Tentakel.
Damit fängt sie ihre Nahrung, schließlich ist sie eine Jägerin. Die letzte Mahlzeit einer Qualle ist im durchsichtigen Magentrakt oft noch eine Weile sichtbar.
Den Namen der gallertigen Jägerin verraten die Beobachter leider nicht.

Eine andere Meduse – in diesem Fall eine Hydromeduse der Gattung Crossota – hat ein Tauchroboter im Marianen-Graben gefilmt, in der der Nähe des Seamounts Engima. In diesem Video

Der UFO-Vergleich drängt sich bei diesen Wesen einfach auf, rund, gläsern und blinkend im schwarzsamtenen Meer erinnern sie an Flugscheiben im Weltraum.

Die Seamounts oder Tiefseeberge, submarine Berge im tiefen Ozeanarealen, sind Hot Spots der marinen Biodiversität. Über diesen Erhebungen tummeln sich wesentlich mehr Arten, als im umgebenden Ozean. Meeresforscher versuchen jetzt mit Hochdruck diese Areale zu kartieren und ihre Artenzusammensetzung und spezielle Ökologie zu dokumentieren und zu verstehen. Leider sind schon viel zu viele dieser Inseln der biologischen Vielfalt der Tiefseefiscehrei zum Opfer gefallen und für Jahrzehnte beschädigt.

Kommentare (7)

  1. #1 Dampier
    30. Oktober 2017

    Unglaublich. Der in dem 2. Video sieht echt aus wie eine Vektorgrafik. Spacig!

    @Bettina, hast du das gesehen?
    http://www.spektrum.de/news/was-machen-dutzende-kraken-am-strand/1515011

    • #2 Bettina Wurche
      30. Oktober 2017

      @Dampier: Danke, das ist wirklich interessant. Bin gespannt, ob da noch was nachkommt, da gucke ich auf Twitter mal.

  2. #3 tomtoo
    30. Oktober 2017

    Im ersten Video die Beschleunigung zum Schluss war ja echt Heftig. : )

  3. #4 Rincewind
    1. November 2017

    “Seamounts… sind HotSpots der marinen Biodiversität” ist schön gesagt weil sie doch zu großen Teilen eng an die HotSpot-Vulkantätigkeit gekoppelt sind. Auf jeden Fall ein heißes Pflaster für alle Naturwissenschaften ;-))

    • #5 Bettina Wurche
      1. November 2017

      @Rincewind: Das ist ein Mißverständnis: “Hot Spot der Biodiversität” ist eine Region der Erde, in denen eine große Zahl an endemischen Pflanzen- und Tierarten vorkommt und deren Natur in besonderem Maße bedroht ist.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Biodiversit%C3%A4ts-Hotspot
      https://en.wikipedia.org/wiki/Biodiversity_hotspot
      Sorry, dass ich den Begriff nicht erklärt habe.
      Und Sea Mounts sind solche Hot Spots, die nichts mit Tektonik zu tun haben, weil dort Upwelling, hoher Nährstoffeintrag und viele andere Parameter zusammentreffen.
      http://oceanexplorer.noaa.gov/facts/seamounts-biodiv.html
      Black Smoker und andere tektonische heiße Punkte haben sogar eine eher geringe Biodiversität (viele Arten, Ökosysteme und Genome), sondern ziehen extreme Spezialisten in großer Individuenzahl an.

  4. #6 anderer Michael
    5. November 2017

    Frau Wurche
    Und Erklären ginge weiter. Jetzt hat mich interessiert, was genau upwelling bedeutet.
    Zu deutsch einfach Auftrieb. Und schon war der gestrige Nachmittag gelaufen. Trägheitsschwingung, Ekmantransport, Corioliskraft usw. Und jeder Punkt wieder Unterpunkte , dazu Unterunterpunkte usw. Ich bin immer wieder überrascht, wie komplex scheinbar einfache Aspekte sind und in welchen Abhängigkeiten verschiedenste Abläufe zueinanderstehen, was vielen(inclusive mir) vollkommen unbekannt ist.

    Diesen Kommentar bitte nicht missverstehen.Das soll nicht bedeuten, uns alles vorzukauen. Ich denke ,Eigeninitiative ist gefragt .Das heutige Internet vereinfacht die Informationsgewinnung in ungeahntem Umfang ( bei gleichzeitig noch höherem Anspruch kritischen Hinterfragens der Quellen).

    • #7 Bettina Wurche
      12. November 2017

      @anderer Michael: : ) So viel Begeisterung fürs Meer freut mich!