Luftansicht von Nuuk

Nuuk, die Hauptstadt von Grönland. (Wikipedia: KaareSorensen, CC)

Dieser Beitrag ist Teil 3 von Klimawandel in der Arktis und basiert ebenfalls auf der  Präsentation Weitsicht Special: Welche Zukunft hat die Arktis?“
Dort hatten vier langjährige Arktisreisende – der Photograph und Tourguide Norbert Rosing, der Ethnologe, Journalist, Photograph und Arktis-Reisende Bernd Römmelt, die erfahrene Ethnologin Jana Steingässer sowie die Meeresbiologin und Arktis-Tourguide Julia Hager ihre Erfahrungen der Arktis präsentiert. Jede/r hat den Klimawandel und dessen Bedeutung für die menschlichen und tierischen Bewohner der Arktis teilweise über drei Jahrzehnte hinweg dokumentiert und in eindrucksvollen Bildern vorgestellt.
Ihre persönlichen Erfahrungen deckten sich mit dem Stand der Forschung und illustrierten die abstrakten Datensätze und wissenschaftlichen Publikationen.

Die Ethnologin Jana Steingässer hat dabei u. a. grönländische Inuit gefragt, was die höheren Temperaturen für sie bedeuten und ihre Erwartungen für die Zukunft erfragt.
Für manche Inuit ist ihre traditionelle Lebensweise wichtig und erstrebenswert, für andere, vor allem die Jüngeren, eher nicht.
Ein Teil der grönländischen Inuit betrachtet das Tauen des Eises und den damit zunehmenden Bergbau und die Ölförderung immer weiter im Norden als Chance: Sie sehen die Chance, endlich Ausbildungen und gut bezahlte Arbeit zu bekommen. In Relation zu dem, was sie jetzt haben, wäre das sicherlich ein Quantensprung. Eine junge Frau antwortete auf Jana Steingässers Frage nach ihren Wünschen: Sie wolle das haben, was die meisten Menschen in Europa haben: Sie will so wohnen, so arbeiten und für ihr Kind und sich solche Bildung und Ausbildung haben.
Die derzeitige Situation der meisten grönländischen Gemeinden ist so, dass ganze Familien in ärmlichen Verhältnissen in kleinen Häusern mit wenig Komfort wohnen. Die Ansiedlungen bieten weder gute Einkaufsmöglichkeiten noch Abwechslung oder Zerstreuung. In größeren Ansiedlungen gibt es vielleicht noch eine Grundschule, für eine weitere Schulbildung müssen die Kinder in eine der wenigen größeren Städte in Boarding Schools gehen oder gleich nach Dänemark. Auch die medizinische Versorgung ist dementsprechend wenig ausgebaut. Trotz der spektakulären arktischen  Natur sind also nicht alle davon ausnahmslos begeistert.
(Diese einzelnen Interviews sind keine statistisch relevanten Umfragen, sie sind Stichproben und geben lediglich das ambivalente Stimmungsbild wieder.)

Klimaschwankungen und ihre direkten Folgen

„Klimaschwankungen sind natürlich, dann wird das jetzt doch auch kein Problem.“
Natürlich hat es immer Klimaschwankungen gegeben.
Wie wahrscheinlich auf allen Planeten des Universums.
Ein Klimawechsel auf einem belebten Planeten bzw. Mond führt meist zu einer nachhaltigen Veränderung der Lebensumstände.

Das kann für Lebewesen unterschiedliche Folgen haben:

  • ihnen geht es besser als zuvor
  • ihnen geht es schlechter

Bei einer Verschlechterung der Lebensumstände gibt es wieder verschiedene Möglichkeiten:

  • sie passen sich am Ort an
  • sie sterben
  • sie leben unter schlechten Umständen schlecht weiter
  • sie wandern in bessere Gefilde.

Im Moment ändert sich das Klima allerdings wesentlich schneller als je zuvor innerhalb von Jahrzehnten und Jahrhunderten, statt in Jahrtausenden oder Jahrmillionen, da bleibt eher keine Zeit für Anpassung.

Für Menschen gibt es bei Klimawandel mehrere Optionen:

1. Ihnen geht es besser als zuvor:
Anhänger der traditionellen hocharktischen Lebensweisen wie nomadische Rentierzüchter oder Meereis-Jäger dürften mit dem Tauwetter in der Arktis nur wenige Chancen haben, diese Traditionen so fortzuführen.
Gewinner des Klimawandels dürften Menschen der hohen arktischen Breiten sein. Jedenfalls diejenigen, die keinen großen Wert auf ihre traditionelle Lebensweise, die vom Eis bzw. Meereis abhängt legen (s. Interviews der Ethnologin Jana Steingässer).

2. Ihnen geht es schlechter als zuvor.
Dann besteht die Möglichkeit, in bessere Gefilde zu wandern.
Menschen hatten in der Vergangenheit die Neigung, bei einer Klimaverschlechterung in eine Region aufzubrechen, wo sie bessere Lebensbedingungen finden. Spätestens seit der Seßhaft-Werdung der Menschen und ihrem Ackerbau beanspruchen Gruppen von Menschen spezifische Areale, die oftmals klar abgegrenzt sind.
Das bedeutet, dass Wanderungen (Migration) oft in die bereits von einer anderen Gruppe besetzten Areale stattfinden. Sind dort ausreichend Platz und Ressourcen vorhanden, ist alles gut. Bringen die Neu-Ankömmlinge besondere Kenntnisse, Güter oder andere Vorteile mit, die für die Alteingesessenen von Vorteil sind, kann die Wanderung zum Gewinn für alle werden.
Sobald aber eine Konkurrenz um knappe Ressourcen einsetzt, wird es problematisch.

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Kommentare (35)

  1. #1 Frank
    13. Dezember 2018

    Im Grunde ist das ganze Gerede um Klimawandel nur eine große Betroffenheitsindustrie. Es werden keine realistische Vorschläge gemacht, um die Klimawandel wieder rückgängig zu machen. Wie soll die Produktion von Treibhausgasen eigentlich reduziert werden?

    • #2 Bettina Wurche
      13. Dezember 2018

      @Frank: “Im Grunde ist das ganze Gerede um Klimawandel nur eine große Betroffenheitsindustrie.” – Das ist natürlich Blödsinn.
      Es ging in diesem Beitrag um die Folgen des Klimawandels in der Arktis für Europa. Die längst bekannten (und ignorierten) Vorschläge internationaler und interdisziplinärer Expertenrunden zur Reduzierung der Emissionen sind nun wirklich hinlänglich bekannt. Gute Zusammenfassungen und weitere Leseempfehlungen dazu sind in meinen 4 Artikeln hinreichend verlinkt, etwa PIK oder Klimafakten. Und sie kommen zurzeit täglich in allen Nachrichten vor.
      Rückgängig machen lässt sich der Klimawandel nicht, nur reduzieren oder aufhalten. Auch das ist nun wirklich täglich in allen Nachrichten zu hören und zu lesen.
      Dieser Kommentar ist für das Thema typisch – auf ein Buzzword hin einfach mal verbal abkotzen. Ohne Wissen zur Materie, ohne jeglichen Kontext zum weiteren Inhalt eines Artikels. Danke für dieses Paradebeispiel.

  2. #3 Frank
    13. Dezember 2018

    @Bettina Wurche
    Vorschläge wie diese sind sehr oberflächlich:
    “Wie bekommen wird diejenigen zum Klimaschutz, die sich mit dem Thema nicht beschäftigen, überfordert sind, ihre Privilegien wie „Freie Fahrt für freue Bürger“ mit Zähnen und Klauen verteidigen oder Konsum als wichtigstes Hobby haben?”
    Es geht nicht um ein paar Bürger, die nicht auf ihr Verzichten wollen, es geht um das Leben Milliarden Menschen, die noch immer in Armut leben müssen. Wie sollen ihnen geholfen werden? Denen sind Sachen wie Klimawandel und Arktis egal, wenn sie in den schlimmsten Elendsvierteln der Welt leben müssen. Die wollen Storm, fliegend Wasser und Jobs.

    • #4 Bettina Wurche
      13. Dezember 2018

      @Frank: Die Überschrift lautet “Klimawandel in der Arktis” – das war hier das Thema. Und in Teil 3 steht ja auch deutlich ´drin, dass etwa grönländischen Inuit der Klimawandel aus genau dem von Ihnen genannten Grund sehr recht ist. Gelesen?

  3. #5 Frank
    13. Dezember 2018

    Wie soll es denn eigentlich möglich sein, die Armut weltweit zu reduzieren, ohne zusätzliches CO2 zu produzieren? Ich glaube nicht das all den Akademikern eine Lösung einfällt, ohne den Menschen unzählige Regeln wie vegane Ernährung, keine Flugreisen und anderen Einschränkungen aufzuzwingen.

    ” Schließlich hinterlassen Flugreisen den größten CO2-Fußabdruck”
    So etwas ist vielen selbsternannten Klimaschützern egal. Al Gore fliegt mit Privatflugzeug durch die Gegend.

    Klimawandel in der Arktis scheint ein Thema zu, snopes berichtete über einen Artikel wo steht, die Arktis erwärme sich, Robben finden weniger Nahrung.
    https://www.snopes.com/fact-check/warm-welcome/
    Die Pointe diesen Artikels ist, er stamme aus dem Jahre 1922.

    • #6 Bettina Wurche
      13. Dezember 2018

      @Frank: Dazu gibt es genug Lösungsvorschläge “all dieser Akademiker”Innen, PolitikerInnen, UmweltschützerInnen, …, sie müssten nur endlich mal umgesetzt werden.
      Die Lösung aller Probleme der Welt war nicht Ziel dieser Beitragsreihe.
      Der Klimawandel ist tatasächlich nicht neu, nur sind die Auswirkungen erst heute absolut nicht mehr zu übersehen.
      Einfach mal aus dem Zusammenhang gerissene Details in die Runde werfen, garniert mit ein paar persönlichen Anschuldigungen und einer destruktiven Behauptung – ein beispielhafter Kommentar für überflüssige Wortmeldungen, die weder zum Beitrag passen noch Inhaltliches zu bieten haben.
      Danke : )

  4. #7 Holger
    14. Dezember 2018

    > Dann kamen die üblichen Selbstverpflichtungen und Tipps zu weniger Flug- und Fernreisen und ähnliches

    Verstehe ich das richtig, die Teilnehmer der Diskussionen haben sich verpflichtet nicht mehr so viel herumzureisen wie bisher?

    • #8 Bettina Wurche
      14. Dezember 2018

      @Holger: Tatsächlich, und zwar glaubhaft. Für Reisejournalisten und Tourguides sicherlich nicht einfach umzusetzen, dennoch immerhin ernsthafte Absichten.

  5. #9 zimtspinne
    16. Dezember 2018

    Naja, Worte müssen sich an Taten messen, reden kann man viel, wenn der Tag lang ist.
    “Absichten” überzeugen mir hier erstmal nicht. Schaut man sich an, was nach 2 Wochen, einem Monat, drei Monaten von gefassten Neujahrsabsichten noch übrig bleibt, was tatsächlich umgesetzt wurde, noch wird oder gar nicht erst begonnen wurde….. dann glaub ich eher an “der Geist ist willig, der Schweinehund williger”.
    vielleicht wärs ja zur Abwechslung auch mal eine neue Idee, den Klimawandel als Chance zu sehen? (hatte ich zuerst versehentlich gelesen…. im anderen Beitrag, wo irgendwas von “Chance” stand).
    Wer hat eigentlich versprochen, dass das Leben stets in gleichen Bahnen weiterläuft? Der Mensch als Gewohnheitstier hätte das gerne, die Evolution würde widersprechen, wenn sie könnte.
    Es ist doch völlig unrealistisch zu hoffen oder erwarten, dass ein paar Milliarden Vertreter einer höchst erfolgreichen und intelligenten Spezies keine großen Umwälzungen und Umbauarbeiten auf diesem Planeten bewirken. Das war doch vorhersehbar.
    Ich find das irgendwie so ähnlich wie in den strömenden Regen rauszulaufen und vom Nasswerden überrascht zu werden.
    Es ist wie es ist und keine Besserung in Sicht (nur immer wieder Absichten, Versprechen, große Reden und Pläne, aber wie bei jedermanns Silvesterabsichten, verläuft alles flugs im Sande, sobald es an die Umsetzung gehen soll…) und deshalb sollte man sich mal mit der Akzeptanz der Lage befassen, statt an unrealistischen Erwartungshaltungen festzuhalten.
    jeder muss ja im Laufe des Leben sich von Träumen, Wünschen, Erwartungen verabschieden und sich der Realität (des Tages) stellen.
    Grad beim Klimawandel verhält der Mensch sich so vollkommen unsinnig….. und will über seinen Schatten springen. Was sich ja nun hinreichend als nicht umsetzbar erwiesen hat.
    Erinnert mich an all die klugen Ratgeber, die unendliche Bücherregale in Buchhandlungen bevölkern…. die Absicht ist da, die Motivation ist da, alles hört sich wunderbar einfach an und wäre es eigentlich auch… wenn nicht die vielen inneren Schweinehunde und Teufelchen wären, die einen immer wieder Knüppel zwischen die Haxen werfen.

    • #10 Bettina Wurche
      16. Dezember 2018

      @zimtspinne: volle Zustimmung. Unser Wirtschaftsminister blieb gerade bei der üblichen Sprachregelung der schweren Einschnitte d Klimaschutzes in d deutsche Wirtschaftskraft. Solange das bleibt, wird sich nichts ändern. Dass eine nötige Veränderung Innovationen bedeuten kann, etc. steht ja in Teil 4.
      Der Vergleich mit dem Regen ist gut. Bewohner einiger vom Untergang Bedrohter Atolle haben sich glücklicherweise ein paar Parzellen in Australien sichern können, sie bleiben dann nicht im Regen stehen.

  6. #11 Frank
    18. Dezember 2018

    @Bettina Wurche
    Ich würde gerne wissen, wie realistisch ist das Szenario, welches im Film Earth 2100 dargestellt wird?
    https://en.wikipedia.org/wiki/Earth_2100
    Es soll die apokalyptischen Auswirkungen der Erderwärmung zeigen. Ist das Aufklärung oder Panikmache?

    • #12 Bettina Wurche
      18. Dezember 2018

      @Frank: ich kenne die Filme nicht, habe nur davon gehört und eben bei Wikipedia reingeschaut. Aufklärung ist es sicherlich nicht, es erklärt ja nicht die Mechanismen des Klimawandels und seiner Auswirkungen oder gar die Wege aus dem Dilemma der Erderwärmung.
      Grundsätzlich leben Dystopien davon, dass einige Menschen nach dem Zusammenbruch der Zivilisation aus der Panik in den Überlebensmodus schalten und dann nach der Katastrophe irgendwie weiterleben, obwohl Staatliche Ordnung und Gesellschaft zusammengebrochen sind.
      Ob Übung wie das möglich sein wird, kann niemand Voraussagen.
      Dazu würde gehören, dass es keine Rechtssicherheit für die Bürger mehr gibt, wenn Polizei, Gerichtsbarkeit u Militär nicht mehr besoldet werden, weil der Staat zahlungsunfähig wird. Gesundheitsversorgung wird zum Erliegen kommen, viele Menschen können ohne Medikamente nicht lange überleben.
      Eine Dystopie beinhaltet auch den Ausfall der Stromversorgung, von Heizung, Kochen, Kühlen bis zum Ausfall von Verkehrszeichen und Kommunikation wäre alles ausgefallen. Es gibt Schätzungen, dass es ohne Elektrizität etwa Max 1 bis 2 Wochen dauert, bis die Zivilisation in Städten zusammenbricht.
      Was passieren kan, konnte man im Kleinen ja in New Orleans nach der Überschwemmung beobachten: Das war absolut erbärmlich seitens der US Regierung.
      Die Frage ist allerdings interessant, rein akademisch betrachtet ; )
      Da könnte ich mal recherchieren… aber nicht mehr in diesem Jahr.

  7. #13 Lea
    Kamp-Lintfort
    21. Dezember 2018

    Danke für die anschaulichen Darstellungen der Klimaschwankungen und ihrer unmittelbaren Folgewirkungen. Wichtig finde ich auch die Betrachtung, dass ein Klimawechsel zwar zu einer nachhaltigen Veränderung der Lebensumstände führt, diese aber für viele Lebewesen verbessert. Das ist eine differenzierte Sicht. Da ich selbst Environment & Energy an der HS Rhein-Waal studiere, interessiere ich mich auch für energiegetriebene Ursachen. Unsere Profs geben dabei auch überwiegend eine differenzierte Sichtweise wiede, welche Maßnahmen eine Abschwächung des Klimawandels bewirken könnten oder eben doch nicht, wenn man widersprechende Publikationen vergleicht. Unser Präsident der Hochschule hat sogar dieser Tage Studierenden mitgeteilt, dass er CO2 nicht als Ursache für durchschnittliche Temperaturänderungen ansieht, da dieser Zusammenhang nicht evident ist. Bisher habe ich dazu noch keine feste Meinung aber ich denke, wenn Veränderungen des Klimas auch positive Seiten haben kann, dann kann es auch vielleicht ganz andere Zusammenhänge bei Auslösern geben. Der CO2-Fußabdruck ist dann nicht mehr das Maß der Dinge.

    • #14 Bettina Wurche
      23. Dezember 2018

      @Lea: Meine 4 Beiträge bilden lediglich die Folgen des Klimawandels für den Bereich der Arktis, Subarktis und Nordwest-Europa ab. Eine Verbesserung wäre dieser gerade ablaufende Klimawandel lediglich für einige Bewohner der Arktis und Subarktis. Falls man kein Inuit ist, der sich künftig im Bergbau verdingen möchte oder sibirischer Landbesitzer, der in 28 Jahren im dann aufgetauten Permafrost Weizen anbauen möchte oder ein Orca ist, wird man wohl eher mit einer erheblichen Verschlechterung der derzeitigen Situation rechnen dürfen. Dass das für die meisten Bewohner Nordwesteuropas zutrifft (und nur um die ging es hier) habe ich lang und breit erklärt. Da haben Sie mich vollständig missverstanden.
      Die Folgen der Erderwärmung – ob die weitergehende Wüstenbildung, die Überflutung dicht besiedelter Küstenbereiche oder die zunehmenden Starkwetterlagen – dürften für die allermeisten Menschen auch global wohl eher eine Katastrophe sein, wie ich in Teil 3 sehr deutlich beschrieben habe:
      http://scienceblogs.de/meertext/2018/12/12/klimawandel-in-der-arktis-klimawandel-und-mensch-3/

      Das von Menschen seit Beginn der Industrialisierung ausgestoßene CO2 gilt heute völlig ohne Zweifel als die wichtigste Ursache für die schnelle Erderwärmung – alle Statistiken zeigen diesen Zusammenhang signifikant. Viele internationale und interdisziplinäre Arbeitsgruppen sind in den letzten Jahrzehnten zu diesem Ergebnis gekommen – etwa 90% der Klimaforscher weltweit.
      Eine gute Zusammenfassung der Ergebnisse ist hier nachzulesen:
      https://www.klimafakten.de/behauptungen/behauptung-der-co2-anstieg-ist-nicht-ursache-sondern-folge-des-klimawandels
      Der CO2-Abdruck ist, um es mit Ihren Worten zusagen, absolut das Maß der Dinge.
      Im Wissenschaftlichen Beirat der Website “Klimafakten” sitzen deutsche VertreterInnen der leitenden Klimaforschungsinstitutionen von AWI, PIK, Helmholtz- und Max-Planck-Instituten sowie anderen Institutionen.
      Diskutiert wird da bestenfalls noch über die Geschwindigkeiten der Erwärmung, der Eisschmelze, der Umlagerung von meteorologischen und ozeanischen Strömungen. Unzweifelhaft ist, DASS eine Klimaerwärmung stattfindet.
      Falls Ihr Uni-Präsident wirklich diese Zusammenhänge verneint, wäre er ein Klimaleugner. Bereits die Relativierung der und Ablenkung von den Fakten rückt ihn in eine anrüchige Nähe von Klimaleugnern. Ich kann nicht beurteilen, was er in welchem Kontext gesagt hat, hoffe aber, dass hier ein Mißverständnis vorliegt. Falls er gesagt hat, dass der Zusammenhang zwischen CO2-Ausstoß und Erderwärmung nicht evidenzbasiert sei, würde mich das schon erstaunen.
      Schließlich gibt es umfassende Klimadaten von 1850 bis heute.
      Was Fakten sind, welche Daten vorliegen und woran man Klima-Experten erkennen kann, hatte ich hier zusammengefasst
      http://scienceblogs.de/meertext/2018/12/10/klimawandel-in-der-arktis-erwaermung-in-der-arktis-und-eiszeit-fuer-nordeuropa-2/3/

      In wissenschaftlichen Beirat der von mir zitierten Website “Klimafakten” sitzt übrigens auch Frau Prof. Beate Küpper, sie ist Professorin für Soziale Arbeit in Gruppen und Konfliktsituationen an der Hochschule Niederrhein in Möchengladbach. Was sie von Klimaleugnern hält, schreibt sie recht deutlich:
      https://www.klimafakten.de/meldung/klimawandelleugnung-und-rechtspopulismus-so-ueberschneiden-sich-strategien-und-argumente
      Meine Beiträge sind überigens größtenteils nicht meine MEINUNG, sondern es handelt sich vielmehr weitreichend um FAKTEN. Die Quellenangaben dazu habe ich jeweils angegeben, i. d. R. sind es wissenschaftliche Publikationen, die ein Peer-Review durch unabhängige ExpertInnen durchlaufen haben. Die Bereiche, in denen ich meine Meinung dazu abgebe, habe ich hoffentlich als solche gekennzeichnet. Allerdings sehe ich zu, dass auch meine Schlussfolgerungen auf wissenschaftlich gutem Fundament stehen. Schließlich schreibe ich hier einen Science-Blog und tippe nicht einfach ein paar gut gemeinte Statements in die Tastatur. Ich darf Ihnen weiterhin versichern, dass meine LeserInnen mich für schlechte Recherche erbarmungslos abgewatscht hätten. Das ist zwar kein Peer-Review, aber zumindest eine Erdung.

  8. #15 Stephan
    25. Januar 2019

    #13 Thea

    Falls Ihr Präsident das wirklich gesagt hat, gehört er umgehend für ewig beurlaubt.

  9. #16 Stephan
    25. Januar 2019

    #8 Frau Wurche

    Sie haben Reisejournalistinnen und Tourguidinnen noch vergessen.

  10. #17 Stephan
    25. Januar 2019

    #14 Frau Wurche

    Ich bezweifle, daß man im abgetauten Permafrost je Weizen anbauen können wird, oder etwa in Skandinavien oder auf der Halbinsel Kola, wo seit kurzem kein Permafrost mehr herrscht.
    Gründe:
    – der Boden gibts nicht her, da entweder Fels oder sandige Schlammpampe,
    – werden im Sommer immer wieder Frosteinbrüche auftreten
    – ist mir nicht klar, was die enorme Tageslänge so weit im Norden in Bezug auf das Wachstum von Kulturpflanzen ausrichtet. Tomaten z.B. können dort nicht wachsen.

    • #18 Bettina Wurche
      25. Januar 2019

      @Stephan: Manche Kulturpflanzen kommen damit ausgezeichnet klar – Früchte wie Äpfel werden ausgezeichnet.

    • #19 Bettina Wurche
      25. Januar 2019

      @Stephan: Die Bodenqualität und gelegentliche Frosteinbrüche sind heute kein Ausschlusskriterium mehr – mit Kunstdünger und spezifischen Züchtungen sollten dort große Ernten möglich werden. Außerdem gibt es vielleicht geeignetere Getreide als Weizen. Schon heute werden in unseren Breiten frühe Kulturen wie Erdbeeren oder Spargel großflächig mit Planen gegen Nachtfröste im frühen Jahr geschützt, auf den kanarischen Inseln sind die Bananenplantagen unter Folien, um ein Dschungelklima zu halten. Der großflächige Graswuchs (in den Teilen Skandinaviens, die ich bereist habe) zeigt, dass die Böden im Norden nicht so schlecht sein können, Gräser brauchen fette Böden. Außerdem sind im derzeitigen Permafrost viele Pflanzen- und Tierreste gespeichert, das dürfte nach dem Tauen eine gute Düngegrundlage sein. Das Trockenlegen der Moore dürfte noch das kleinste Problem sein.
      https://www.awi.de/im-fokus/permafrost/ein-symbolischer-baum-in-der-russischen-arktis.html

  11. #20 Stephan
    25. Januar 2019

    #13

    ” Bisher habe ich dazu noch keine feste Meinung aber ich denke, wenn Veränderungen des Klimas auch positive Seiten haben kann, dann kann es auch vielleicht ganz andere Zusammenhänge bei Auslösern geben. Der CO2-Fußabdruck ist dann nicht mehr das Maß der Dinge.”
    Daß so etwas im Jahr 2018 aus einer Universität heraustönt, ist der wahre Skandal. Einfach nur entsetzlich.

    • #21 Bettina Wurche
      25. Januar 2019

      @Stephan: Mich hat es auch schockiert, allerdings hätte ich gern den Kontext gehört.

  12. #22 Stephan
    26. Januar 2019

    #19 Frau Wurche
    Die Botschaft hör ich wohl, allein mit fehlt der Glaube…
    Frosteinbrüche bedeutet drei Tage lang -5°C. Die landwirtschaftlichen Flächen sind Hunderte, Tausende Hektar groß…
    Wenn der Apfel mit 20 oder 24 Stunden Tageslicht auskommt, müssen es noch lange nicht Getreide und Futterpflanzen sein.
    Fakt ist, daß nahezu alle Pflanzen dort am besten gedeihen, wo sie natürlich vorkommen, auch nur minimale Änderungen ihrer Lebensumwelt schränkt ihre Produktivität massiv ein.
    Zu denken, wenn die Klimazonen nach Norden (oder Süden) wandern, gehen wir einfach mit der Zivilisation mit, erschreckt mich sehr. Zumal in Richtung Süden immer weniger Platz vorhanden ist.
    Das Thema klären wir hier im Blog nicht, außer es trifft ein ausgewiesener Fachmann ein.

    • #23 Bettina Wurche
      26. Januar 2019

      @Stephan: O. k., dann erzähle ich Ihnen auch nicht, dass fast alle unsere Kulturpflanzen Archäo- und Neophyten sind und die meisten aus dem Zweistromland (Getreide) oder dem Mittelmeerraum stammen.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Arch%C3%A4ophyt
      Die mussten sich hier bei uns warm anziehen. Weizen ist frostresistent bis -20°C, die Ackerschmalwand (Arabidopsis) ist noch härter im Nehmen. Darum werden ihre Kälteschutzgene gern auch in andere Pflanzen eingebaut. Allerdings ist die Kälte im Winter oft gar nicht das Hauptproblem, sondern die lange Trockenheit.
      https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/frostresistenz/25756
      Russische Wissenschaftler haben sogar ohne Genmanipulation 15 neue Sorten besonders ertragreichen Weizens gezüchtet, bisher allerdings nur für Schwarzerdegebiete.
      https://de.rbth.com/wissen_und_technik/2015/03/30/zuchterfolg_in_russland_neuer_weizen_trotzt_rauem_klima_33257

      Selbst die Kastanie stammt vom Mittelmeer und ist bei uns als Pferdefutter eingeführt worden.
      Wenn die Pflanzen nur an ihrem Ursprungsort gedeihen würden, sähe unser Speiseplan wirklich mager aus. Selbst die Zuchtform der Erdbeere stammt aus Südamerika, ebenso wie Kartoffel, Tomate, Tabak und Schokolade.

      Zurzeit verschiebt sich wegen der langen sommerlichen Trockenheit das Anbauareal vieler Kulturpflanzen in Richtung Norden:
      Auf Sylt wird heute Wein angebaut. In Norddeutschland gedeihen andere Obstarten und -sorten als in Mittel- oder Süddeutschland (fällt mir bei den Apfelsorten immer auf).
      Förster pflanzen bereits hitzetolerantere Bäume – so stehen als Wildobst an Waldrändern in Hessen zunehmend weniger Apfelbäume, stattdessen eher die Elsbeere. Unsere ausgedehnten Buchenwälder werden nur überleben, wenn es gelingt, eine hitzetolerantere Buche zu züchten, gleichzeitig werden in den Wäldern zunehmend auch andere Baumarten gepflanzt:
      https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn056864.pdf

      Eine Verschiebung der Klimazonen nach Norden bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass alle bisherigen Pflanzen und Tiere wie bisher so angebaut/gezüchtet werden, eine Verschiebung der Spezies oder Unterarten ist ja möglich.

      In den letzten 4 Jahren habe ich mich intensiv mit Biodiversität und Klimawandel beschäftigt, weil ich in einem Museum gearbeitet habe, dessen Hauptanliegen das war. Außerdem habe ich den Abschlußbericht für ein großes Umweltschutzgebiet in Südhessen geschrieben, der intensive Austausch mit Naturschutzexperten und Förstern war sehr lehrreich.
      Ihre Zweifel und Ihren Glauben möchte ich Ihnen aber keinsfalls nehmen.

  13. #24 Beobachter
    26. Januar 2019

    @ Stephan, # 22:

    ” … Das Thema klären wir hier im Blog nicht, außer es trifft 1 ausgewiesener FachMANN ein.”

    Unabhängig vom Thema selbst ist m. E. dieser Satz eine Frechheit.
    Und zwar in mehrfacher Hinsicht:
    Ein komplexes Thema kann im Rahmen eines Blogs nicht “geklärt”, sondern (wenn`s gut läuft) fruchtbar diskutiert und beleuchtet werden.
    Und schon gar nicht von 1 einzelnen echten oder vermeintlichen Experten/Expertin, der/die sagt, wo`s langgeht bzw. sozusagen ein “Machtwort” spricht.
    Und dass es sich dabei um 1 FachMANN handeln muss, weil offenbar FachFRAUen i. A. die Fachkompetenz eh abgesprochen wird – ist nochmal ein echtes Schmankerl obendrauf.

    Wie aufschlussreich bzw. verräterisch Sprache doch sein kann … !

    • #25 Bettina Wurche
      28. Januar 2019

      @Beobachter: Danke. Natürlich gibt es zu diesem Thema nicht einen Experten oder eine Expertin. Darum habe ich mehrere hochkarätige Arbeitsgruppen zitiert. Das Thünen-Institut, das AWI, die russischen Agrarwissenschaftler bzw. Botaniker, … haben in dieser Diskussion Gewicht. Ich bin bei diesem Thema Expertin dafür, die Expertise anderer zu erkennen und zumindest teilweise zu beurteilen.

  14. #26 Stephan
    28. Januar 2019

    #24 Beobachter

    In der Tat, Sprache ist verräterisch.

  15. #27 Beobachter
    28. Januar 2019

    @ Stephan, # 22, # 25:

    Nur etwas OT:

    Anm.:
    Wenn einzelne “ausgewiesene Fachmänner” plötzlich (wieder) auftreten, um “ein Thema klären” zu wollen:

    Aktuelle Beispiele:

    – Helmut Greim:

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/stickoxide-afd-laedt-affentest-professor-in-den-bundestag-a-1250072.html

    “Stickoxide
    AfD lädt Affentest-Professor in den Bundestag
    Der umstrittene Toxikologe Helmut Greim soll für die AfD im Bundestag als Experte auftreten. Der Münchner hatte vor einem Jahr im Zusammenhang mit einem Skandal um Abgastests an Affen für Schlagzeilen gesorgt.
    … ”

    – Dieter Köhler

    siehe aktuelle öffentliche Debatte

    • #28 Bettina Wurche
      28. Januar 2019

      @Beobachter: Greim ist sicherlich ein ausgewiesener Experte und macht seine Arbeit ganz ausgezeichent. Als Lobbyist. Zu den Stickoxiden halte ich mich lieber an die nationalen und internationalen Gremien der Lungenfachärzte, WHO und anderen. Die gerade auch den Vorstoß der 100 Lungenärzte, die sich gegen die Gefahren von Stickoxiden aussprachen, scharf verurteilt haben.

  16. #29 Beobachter
    28. Januar 2019

    Nachtrag:

    zu Helmut Greim:

    https://lobbypedia.de/wiki/Helmut_Greim

  17. #30 Beobachter
    28. Januar 2019

    @ Bettina Wurche, # 25, # 28:

    ” … Ich bin bei diesem Thema Expertin dafür, die Expertise anderer zu erkennen und zumindest teilweise zu beurteilen.”

    Eben, und deshalb brauchen wir hier keinen einzelnen “wegweisenden” “ausgewiesenen FachMANN”, und schon gar nicht einen wie Greim oder Köhler, die den wissenschaftlichen Konsens ignorieren (und keine stichhaltigen Gegenargumente vorzuweisen haben).

    Für mich ist es immer wieder erschreckend und unfassbar zu sehen, wie viele Wissenschaftler sich instrumentalisieren lassen für wirtschaftliche/politische Zwecke – aber das ist ein anderes Thema …

  18. #31 zimtspinne
    29. Januar 2019

    Selbst die Zuchtform der Erdbeere stammt aus Südamerika, ebenso wie Kartoffel, Tomate, Tabak und Schokolade.

    Bettina, meinst du mit “Schokolade” jetzt die Kakaopflanze oder den Schokoladenbaum?
    Ich habe gerade ziemlichen Hunger und das Schokoladenwort hat mich angetriggert. 😉

    Schon jetzt kann man sagen, dass der Norden eine andere Klimazone ist als der Süden, wobei letztes Jahr eine seltene Ausnahme war durch monatelange stabile Skandihochs. Die werden wir evtl nun häufiger haben. Die Hochdruckblockaden in jedem Fall, möglicherweise aber eben auch die ungewöhnlicheren sommerlichen skandinavischen Hochs.
    Die Zweiteilung des Wetters im Sommerhalbjahr beobachte ich ansonsten schon seit einigen Jahren. Keine Ahnung, ob das schon immer so war oder mit veränderen Klimafaktoren zu tun hat, die Häufigkeit, Dauer usw.
    Westdriftschwäche bis -zusammenbruch (letztes Jahr) und diesen Winter macht der Polarwirbel merkwürdige Kapriolen (deshalb ungewöhnlich viele Atlantik Kälteanomalien).

    • #32 Bettina Wurche
      29. Januar 2019

      @zimtspinne: Ich meinte die Kakao-Frucht. Ja, das führt bei mir uach immer zu Speichelfluß : ) Es gibt einen Schokoladenbaum???? WOW!

  19. #33 zimtspinne
    29. Januar 2019

    haha, ja, es gibt auch noch eine Schokoladenblume, die ist aber recht schwierig zu kultivieren, insbesondere auf einem Südbalkon mit viel Hitzestress…. sie duftet aber tatsächlich nach Schokolade.
    Die Vanilleblume, nicht zu verwechseln mit der Orchidee Vanilla planifolia, duftet ebenfalls ganz wundervoll nach Vanille, ist aber ebenfalls sehr anspruchsvoll in der Kultur und nimmt Hitze übel.

  20. #34 zimtspinne
    29. Januar 2019

    @ Bettina
    ich hab so ziemlich alle anbaufähigen nach Essen duftenden Blümchen durchprobiert, größere Sträucher bis Bäume sogar teilweise in einem Garten.
    Wirklich gut funktioniert hat das nahezu nie, die intensiven Duftträger scheinen viel Energie für den Duft zu verpulvern und entsprechend kurz blühen sie, oder teilweise nur spärlich, oder/und sie sind sehr anfällig für Parasiten (und Kulturfehler sowieso).

    ich müsste es vielleicht mal mit Raps versuchen, wenn das nichts wird, liegt es am Karma 😉

    • #35 Bettina Wurche
      29. Januar 2019

      @zimtspinne: Das hört sich superspannend an! Viele dieser exotischen Pflanzen haben wahrscheinlich schon wegen der sommerlichen Tageslänge und mangelnden Luftfeuchtigkeit sowie ihrer fehlenden Gesellschaft wie Lieblingsbakterien zu viel Streß, um ihren potentiellen Duft richtig zu entwickeln.
      Raps? Riecht der nicht ganz schrecklich?