Die japanische Regierung will 2019 aus der Internationalen Walfangkommission (IWC) austreten: “From July 2019, after the withdrawal comes into effect on June 30, Japan will conduct commercial whaling within Japan’s territorial sea and its exclusive economic zone, and will cease the take of whales in the Antarctic Ocean/the Southern Hemisphere,” wird Chief Cabinet Secretary Yoshihide Suga von Reuters zitiert.

Die IWC hatte seit der Walfangsaison 1985/86 ein Walfangmoratorium verhängt, das für die Mitgliedsstaaten ein fast vollständiges Verbot des kommerziellen Walfangs auf Großwale bedeutete. Von einer Organisation zum Wal- und Ressourcen-Management hatte sich die IWC seit den 70-er Jahren zunehmend zu einer Walschutzorganisation entwickelt – Walfang war in den meisten westlichen Industrienationen nicht mehr akzeptiert. (Mehr Hintergrundinformation zur Bedeutung des Walfang-Moratoriums bietet dieser ABC-Beitrag).

Seit Beginn des Moratoriums war der Fang von Barten- und Pottwalen nur noch in drei Ausnahmen erlaubt:

– als Eingeborenen-Walfang (Aboriginal whaling)
– als Wissenschaftlicher Walfang
– Kommerzieller Walfang unter strenger Beachtung der Revised Management Procedure (RMP), also in kleinem und kontrolliertem Umfang.

Die Walfänge erfasst die IWC statistisch, seit 1985/86 sind die Fänge natürlich signifikant zurückgegangen: Blauwale sind aufgrund ihrer immer noch sehr geringen Anzahl und der starken Gefährdung vollständig tabu. Im kommerziellen und sogenannten wissenschaftlichen Walfang werden derzeit vor allem Zwergwale geschossen, nur Island tötet auch regelmäßig Finnwale.
Im Eingeborenenwalfang werden verschiedene Walarten gejagt, darunter auch die stark bedrohten Glattwale.
Norwegen betreibt auch als IWC-Mitglied weiterhin kommerziellen Walfang, entsprechend der Revised Management Procedure müssen die Norweger dazu ihre Fänge sorgfältig dokumentieren und Wal-Inspektoren auf den Fangschiffen haben sowie in Forschungsprojekten nachweisen, dass die Bestände nicht bedroht sind.

Die Jagd auf kleinere Wale wie Schnabelwale oder alle Delphinartigen ist nicht durch die IWC reguliert. In Ländern der EU sowie den USA und vielen anderen Ländern sind das Töten von Walen und der Handel mit Teilen von Meeressäugern vollständig illegal. Für Island und Norwegen ist dies ein Grund, kein EU-Mitglied zu werden.
In Japan und anderen Staaten werden diese Wale regelmäßig für den Verzehr geschossen.

Japan hat bisher seinen Bedarf an Walfleisch von Bartenwalen (vor allem Zwergwal) durch einen pseudowissenschaftlichen Walfang gedeckt. Aufgrund des bedrohten Status fast aller Großwale, deren Populationen heute nur noch einen Bruchteil der Walbevölkerung in den Meeren vor dem industriellen Walfang umfasst, ist letale, also tödliche, Walforschung für fast alle Wissenschaftler heute weltweit tabu, der Forschungswalfang gilt als Farce. 2014 hat der Internationale Gerichtshof Japans Forschungswalfang in antarktischen Gewässern, die mittlerweile ein großes Walschutzgebiet sind (Southern Ocean Whale Sanctuary), für unrechtmäßig erklärt.
So war Japan zuletzt immer stärker in die Kritik geraten
Nun will der Inselstaat sich von den IWC-Statuten lösen und den kommerziellen Walfang wieder aufnehmen, und zwar in den eigenen Hoheitsgewässern und der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ; engl. Exclusive Economic Zone (EEZ)). „Küstenmeer und AWZ dürfen zusammen bis zu 200 Seemeilen (sm) (370,4 km) ab der Basislinie betragen (daher auch 200-Meilen-Zone). Darin kann der angrenzende Küstenstaat in begrenztem Umfang souveräne Rechte und Hoheitsbefugnisse wahrnehmen, insbesondere das alleinige Recht zur wirtschaftlichen Ausbeutung einschließlich des Fischfangs (vgl. im Einzelnen Art. 55 bis 75 SRÜ).“

Territorial waters (EEZ) of the Pacific Ocean (Maximilian Dörrbecker (Chumwa); Wikipedia; https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)

Als extrem langgezogener Inselstaat hat Japan eine sehr ausgedehnte Küstenlinie, die Hoheitsgewässer sind die 6-größten Hoheitsgewässer weltweit. Durch die Lage im pazifischen Feuerring, einem vulkanisch aktiven Gebiet, tauchen sogar regelmäßig neue Inseln auf.
Anfang Oktober meldete die japanische Zeitung Asahi, dass die Regierung gerade einen Survey durchführe, um 99 der kleinen Inseln an den Außengrenzen zu kartieren und zu überprüfen. Offenbar war bis dahin nicht in jedem Fall bekannt, wem die Inseln und Inselchen gehören, wie groß sie sind und wo sie genau liegen: „Japan has the world’s sixth largest EEZ, including its territorial waters, with 525 islands and islets around its borders, 465 of which are uninhabited. However, the owners of many land plots on 99 isles – 60 inhabited and 39 uninhabited–have not been identified, and the use of the private land is unclear.”(Asahi: „Japan surveying border isles to protect maritime interest, security”).
Der Artikel in der Asahi bietet auch eine ausgezeichnete Karte der japanischen AWZ, die ich hier leider nicht zeigen darf.

Japanische Gewässer: ein riesiges Areal voller Wale
Die 200-Meilen Zone um einen tief im Meer gelegenen Inselstaat herum ist schon ein sehr großes Seegebiet. Die japanischen Inseln sind vulkanischen Ursprungs, die Vulkane haben im Ozean Festland geschaffen. Darum reicht die 200-Meilen-Zone bis in Tiefwassergebiete hinein. Vor der ostjapanischen Küste, zum offenen Pazifik hin, liegt das Japanische Meer.
Es erstreckt sich über 978.000 km² hinweg, und ist durchschnittlich 1.752 Meter tief, durchzogen von Tiefseegräben von bis zu 3.742 Metern Tiefe. Und das ist nur ein Teil der japanischen AWZ, die sich natürlich auch noch auf der westlichen Seite ins Chinesische Meer und weit nach Norden und Süden erstreckt. Im Norden geht das Hoheitsgebiet bis dicht an die Subarktischen Gewässer heran, wo das gute Nahrungsangebot viele Wale anlockt.
Ein sehr großes Seegebiet mit Tiefwasserhabitaten, direkt auf dem Weg der vieler großer und mittelgroßer Walarten. Alle Großwale – Blau-, Finn-, Sei-, Buckel- und Pottwale sowie Zwergwale kommen in diesen Gewässern vor, die meisten von ihnen ziehen östlich der Inselkette dahin, einige sogar östlich und westlich.
Im Norden reicht das Gebiet fast bis in die Subarktis, wo der Nahrungsreichtum besonders viele Wale anlockt.
Dazu kommen noch zahlreiche kleinere Walarten, die gar nicht unter die IWC-Regeln fallen, etwa Baird-Schnabelwale (Berardius bairdii und Berardius n. sp.), Grindwale sowie mehrere kleinere Delphinarten, die ja auch bisher schon regelmäßig „befischt“ werden. In der Bucht von Taiji unter regelmäßigen vehementen Protesten von Tierschutz- und Walschutzorganisationen, an anderen Orten unbeachtet von der Öffentlichkeit.

Was bedeutet der Austritt aus der IWC konkret?
Bislang war es Japan als IWC-Mitgliedsstaat erlaubt, aus Walbeständen, die nicht (mehr) akut bedroht sind, Tiere zu jagen, sei es kommerziell oder unter dem Deckmäntelchen der Wissenschaft. Der sogenannte japanische wissenschaftliche Walfang war zuletzt nicht nur international sondern auch zunehmend von japanischen Wissenschaftlern kritisiert worden. Die Japaner werden ihre Jagd in antarktischen Gewässern aufgeben und entziehen sich in ihren eigenen Gewässern jeglicher äußeren Kontrolle.
Walfänger, die außerhalb der IWC-Regeln jagen, entziehen sich ohnehin den Kontrollmechanismen und tauchen in den IWC-Statistiken nicht (mehr) auf.
Der Wegfall der Kontrolle und der Daten ist gleichermaßen kritisch zu sehen.
Angesichts der ausgedehnten walreichen Gewässer um Japan befürchte ich, dass die Jagd nun auf mehr Arten ausgedehnt werden könnte. Über die Höhe der Fangzahlen ist zurzeit noch nichts bekannt.

Es gibt keine bindenden internationalen Gesetze zum Verbot des Walfangs, lediglich die vage Absichtserklärung des Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (SRÜ; englisch United Nations Convention on the Law of the Sea, UNCLOS) zur Nutzung der Meere. Die UNCLOS verpflichtet die einzelnen Staaten, beim Walschutz zu kooperieren  “through the appropriate international organisations for their conservation, management and study” – eine schwammige Formulierung.
Japan könnte nun einfach im nordpazifischen Raum eine eigene Organisation zum Management der marinen Ressourcen gründen, etwa nach dem Vorbild der nordatlantischen Pro-Walfang-Staaten Norwegen, Island, Grönland und den Färöern, die die North Atlantic Marine Mammal Commission (NAMMCO) als Alternative zur IWC gegründet haben.
Mögliche Kooperationspartner dabei wären Süd-Korea, wo Walfleisch ebenfalls ein nicht ungewöhnliches Nahrungsmittel ist oder ehemalige Sowjetrepubliken. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR ist ja bekannt geworden, dass der Walfang dort u. a. zur billigen Versorgung der Nerzfarmen wesentlich ausgedehnter betrieben wurde, als nach außen bekannt war; u. a. waren die hochgradig bedrohten Grönlandwale stark bejagt worden.

Warum möchten (einige) Japaner Wale fangen und essen?
Vorgeschützt wird gern die identitätsstiftende Bedeutung des traditionellen Walfangs.
Diese Tradition gibt es so nicht. Die Jagd auf Großwale begann erst nach dem 2. Weltkrieg und diente dem unmittelbaren Überleben der japanischen Bevölkerung. Diese Situation einer Hungersnot besteht längst nicht mehr.
In Japan möchten viele Menschen kein Walfleisch (mehr) essen. Vor allem ältere, erzkonservative Politiker beharren auf der Durchführung dieser vermeintlichen Tradition als Ausdruck ihrer nationalen Unabhängigkeit und Souveränität.
Wegen der geringen Nachfrage auf dem freien Markt wird Walfleisch u. a. bei Schulspeisungen ausgegeben – wegen der hohen Schadstoffbelastung ist das eine besonders schlechte Idee.
Eine ausführliche Diskussion um den Sinn und Unsinn des japanischen Walfangs ist in diesem BBC-Beitrag zu sehen und zu hören.

 

Kommentare (43)

  1. #1 EvchenM
    3. Januar 2019

    Danke für diesen aufschlussreichen Artikel, Frau Wurche, auch wenn er mich traurig stimmt.

    • #2 Bettina Wurche
      3. Januar 2019

      @EvchenM: Es muss nicht heissen, dass jetzt mehr Wale als zuvor sterben. Neben den Walen vergeuden Japaner noch jede Menge anderer Ressourcen, vom stark bedrohten Thunfisch bis zum Regenwald, der zu verschwenderisch Essstäbchen und traditionellen Verpackungen verarbeitet wird. Hmm…das war jetzt nicht wirklich aufmunternd : (

  2. #3 RPGNo1
    3. Januar 2019

    Danke für den umfassenden Überblick.

    Vor allem ältere, erzkonservative Politiker beharren auf der Durchführung dieser vermeintlichen Tradition als Ausdruck ihrer nationalen Unabhängigkeit und Souveränität.

    Die Totschlagargumente: Tradition, Unabhängigkeit, Souveränität.

    • #4 Bettina Wurche
      3. Januar 2019

      @RPGNo1: Schön zusammengefasst, die Totschlagargumente – genau das trifft es.

  3. #5 Benjamin
    3. Januar 2019

    Dieser Schritt ist leider eine logische Folge der japanischen Strategie im Bereich Walfang. Man lässt sich nicht in die “eigenen” Angelegenheiten reinreden und denkt dort traditionell, dass alle irdischen Ressourcen zur freien Verfügung stehen müssten. Regularien und Einschränkungen sowie auch Artenschutz und Tierschutz sind Konzepte, die traditionellen und nationalistischen Japanern insgesamt zuwider laufen. Seit Jahrzehnten hat Japan auch versucht, durch Bestechung und Schmiergelder die Stimmen kleinerer Länder innerhalb der IWC zur Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs zu kaufen. Das hat nicht so geklappt und jetzt steigt Japan halt aus, weil man die Kommission dort insgesamt als “Witzveranstaltung” ansieht. Japan ist als Land sowie als Tradition einfach nicht in der Lage, an einem Strang mit anderen zu ziehen oder sich an simpelste Regeln der Ehre und des Respekts gegenüber anderen Völkern und der Natur insgesamt zu halten. Rückständig, egoistisch, gewalttätig mit Hang zur verkitschten Darstellung von Tier und Natur in merkwürdigen Comics, während die echte Natur gnadenlos vernichtet wird. Man muss sich das so vorstellen: Die USA haben einen Donald Trump. Japan hat tausende davon. Das ist japanische Tradition, die “Leck mich” Haltung und man nimmt sich was man will ohne Rücksicht auf andere.

    • #6 Bettina Wurche
      3. Januar 2019

      @Benjamin: Mit vielen Punkten hast Du recht. Danke für die Ergänzung der Bestechung kleinerer Nationen in der IWC. Ich bin nicht sicher, ob sie damit die einzigen waren. Allerdings gibt es auch in Japan Umweltschutzorganisationen, wenn auch weniger ausgeprägt und präsent als in Deutschland. Den 2. Teil finde ich etwas überzogen. U. a. sind mittlerweile auch viele Japaner gegen das Töten und Essen von Walen.

  4. #7 Harald Grunsky
    Frankfurt
    3. Januar 2019

    Der Artikel setzt die Umstände der Wiederaufnahme des japanischen Walfangs in einen Kontext und leuchtet die Sache hell aus! Vielen Dank dafür. Ich werde mich dagegen stemmen, wo ich kann; auch, weil er selbst von der japanischen Bevölkerung nur mäßig herbeigewünscht wird. Es ist ein reichlich sinnloses Töten der letzten großen Tierarten unseres Planeten.

  5. #8 echt?
    5. Januar 2019

    Was aber schon auffällt, ist die ungleichverteilte Tierliebe der Menschen. Wale und besonders Delfine werden geliebt, Hühner und Schweine gehen uns eher wenig nahe. Brauchen wir einen Flipperfilm mit einem Schwein in der Hauptrolle?

  6. #9 Dampier
    5. Januar 2019

    @echt
    Der Gedanke ist mir auch manchmal gekommen. Allerdings haben ja die “Schweinchen Babe”-Filme auch zu keinem Umdenken geführt …

    Allerdings frage ich mich auch: wenn die Japaner nur soviele Wale töten würden, dass der entsprechende Bestand nicht gefährdet wird, sollte das im Prinzip nicht verwerflicher sein als die Jagd auf Wild oder eben Nutztiermast zur Schlachtung.

    Ich kann es schon nachvollziehen, dass man zB. Walen und Kraken einen anderen Status zuerkennt, weil sie halt sehr intelligent sind, und deswegen drauf verzichtet, sie zu essen. Nur müsste man dann konsequenterweise zumindest auch auf Schwein verzichten.

    Letztlich führt das zu der grundsätzlichen Frage: wo setzen wir die Grenze beim ‘Tiere essen’?

    Ich bin da selbst inkonsequent, und esse gern Schwein und auch Calamari. Als neugieriger Mensch, der gern mal vieles ausprobiert, frage ich mich manchmal, was ich tun würde, wenn man mir Walfleisch anböte und ich wüsste, dass das aus ‘nachhaltiger’ Jagd stammt, die keine Bestände gefährdet. Bin da noch zu keiner abschließenden Meinung gekommen, bislang bleibts beim Gedankenspiel.

    • #10 Bettina Wurche
      5. Januar 2019

      @echt?: Gute Frage.
      @Dampier: Danke für die exzellente Antwort.
      Genau darum sehe ich den Fang der Zwergwale der Japaner und Norweger noch relativ entspannt, diese Art ist in ihrem Bestand nicht bedroht. Und ich denke, dass ein Wal, der im freien Ozean in seiner Gruppe lebt und dann per Explosionsharpune recht schnell getötet wird, es ungleich besser hat, als ein Tier, das ein qualvolles Leben in einer Mastanlage hat. Ohne Betäubung kastriert (Ferkel), mit abgeschnittenem Schabel (Truthahn), im dunklen Stall vegetierend, ohne jeweils ein normales Leben kennengelernt zu haben. Das war für mich ein wichtiger Punkt, vor 30 Jahren Vegeterarierin zu werden, mit nur noch gelegentlich einem Stück Fisch; Milchprodukte und Ei nur noch aus Bio-Haltung und sehr bewusst. Tintenfische kann ich allerdings tatsächlich nicht essen. Die Grenze zu setzen, was intelligent und schützenswert ist, ist sehr schwierig. Und wird kulturell gezogen. Ohne tierisches Eiweiß ist eine gesunde und ökologische tragbare Ernährung von menschen nicht möglich. Aber wir sollten uns endlich ernsthaft Gedanken darüber machen, an einfache tierische Proteine zu kommen, wie etwa schnell wachsende Wirbellose. Silvester hatten wir ein futuristisches Buffet mit Speisen der Zukunft, in SF-Romane gibt es einige interessante Gedanken dazu, die hatten wir ausprobiert. Vielleicht sollte ich dazu mal etwas schreiben

  7. #11 Dampier
    dampierblog.de
    5. Januar 2019

    @Bettina, das SF-Buffet würde mich mal sehr interessieren! Hat eigentlich schonmal jemand Rezepte aus SF-Stories gezielt gesammelt?

    Ich war mal 5 Jahre Vegetarier, aber das war mir zu karg, dafür schmeckts mir zu gut, und ich koche ja auch so gern. Bin aber bis heute am Schwanken, ob ich, der sich als ‘denkender Mensch’ begreift, nicht konsequenterweise drauf verzichten müsste. Naja, zur Zeit ist es ein Spannungsfeld, das ich einfach zulasse, ohne direkten Handlungsbedarf.

  8. #12 echt?
    5. Januar 2019

    Mich interessiert noch der Unterschied zwischen Fischen und Landtieren. Werden die unterschiedlich wahr genommen, weil man Fischen einfach weniger häufig begegnet? Und spielt die Form eine Rolle, d.h. Fischstäbchen werden eher genommen als Fische?

    Und was ist mit der seltsamen Liebe zu Delfinen?

  9. #13 echt?
    5. Januar 2019

    Und was ist mit Fliegen und Mücken, die wir achtlos erschlagen. Oder ist das Notwehr? Und was ist mit Nacktschnecken? Wenn man mal googelt, wie man Nacktschnecken los wird, ist da viel von “aufsammeln und irgendwo aussetzen” die Rede, obwohl doch jeder weiß, dass das keiner macht, sondern zu Schere oder Salzwassereimer greift.

  10. #14 Dampier
    dampierblog.de
    5. Januar 2019

    @echt
    Ich denke es wird meist danach unterschieden, welche Fähigkeit zu leiden, bzw. Gefühle zu empfinden wir den Tieren zugestehen. Meist etwa so:

    – Säugetiere
    – Vögel/Echsen
    – Fische/Wirbellose
    – Insekten
    etc.

    Ich halte das für eine ganz gute Faustregel, auch wenn da die Meinungen sehr auseinandergehen (zB. ob Fische Schmerz verspüren oder eher nur ein ein Reiz-Reaktionsschema wirkt, das man mit Leiden nicht vergleichen kann). Die Nervensysteme der oben genannten Tiere sind tatsächlich unterschiedlich komplex, aber was ein Fisch oder ein Insekt wirklich “fühlt”, werden wir wohl nie wissen …

  11. #15 Jürgen 1961
    Aachen
    6. Januar 2019

    @ Bettina Wurche:
    “Ohne tierisches Eiweiß ist eine gesunde und ökologische tragbare Ernährung von menschen nicht möglich”
    Nicht dein Ernst, oder? Von einer Wissenschaftlerin…

    • #16 Bettina Wurche
      6. Januar 2019

      @Jürgen1961: Die Bezahnung der Menschen mit ihren schwach ausgebildeten Backenzähnen und die Kürze des Verdauungstraktes weisen klar darauf hin, dass Menschen Allesfresser sind. Schon Vegetarier müssen sich Gedanken darüber machen, sich mit allen Vitaminen und Fetten ausreichen zu versorgen. Eine vegane Ernährung muss extrem gut geplant sein, damit sie nicht mangelhaft ist. Vor allem Vitamin D-, B-, B12-, Eisen, Kalzium– und Omega 3 Fettsäuren-Mangel drohen schnell. So wird vegane Kost oft mit Nahrungsmittelzusätzen oder exotischen Lebensmitteln ergänzt.
      Hier muss ich mich korrigieren: Nach der Oxford-Studie ist vegane Ernährung dann langfristig ohne Mängelernährung möglich, jedenfalls für gesunde Erwachsene.
      Allerdings sind gerade diese Nahrungsmittelzusätze und exotischen Superfoods alles andere als ökologisch – ihre Produktion und ihre oft langen Transportwege verschlingen sehr viele Ressourcen. Avocado auf Chiasamen-Brot hinterlässt einen deutlich größeren CO2-Fussabdruck als regionalerKäse/Butter auf Vollkornbrot ohne Chichi. Extrem stark verarbeitete Ersatzprodukte, die speziell für Veganer angeboten werden, sind weder gesund (zu viel Fett, Geschmackstoffe, ..) noch ökologisch. Dazu kommt bei einem gewissen Teil der Veganer die extrem starke Beschäftigung mit der Ernährung als Ersatzreligion, die ich für wenig gesund halte. Darum sehe ich diese Ernährungsform sehr kritisch.

  12. #17 Beobachter
    7. Januar 2019

    Anmerkung zu “Wale”, “Ernährung”:

    Zur aktuellen Diskussion hier ist mir eingefallen, dass wir früher als Kinder öfters mal einen Esslöffel “Lebertran” (hat fürchterlich geschmeckt!) bekommen haben –
    zur “Stärkung der Abwehrkräfte” und weil es “so gesund” sei.

    Meine Befürchtung, dass es sich dabei um Tran von Walen gehandelt hat, hat sich nicht bestätigt –
    habe gerade nachgesehen:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Lebertran

  13. #19 Captain E.
    7. Januar 2019

    Mal etwas zum Thema Ausrotten: Man kann sich natürlich treflich darüber streiten, ob es Sinn macht, Haustierrassen am Leben zu halten, die ja allesamt aus früheren Wildformen gezüchtet worden sind, aber gehen wir einmal davon aus, dass es tatsächlich Sinn macht. Alte Haustierrassen wie etwa das Bunte Bentheimer Schwein (oder Bentheimer Landschwein) sind weniger effizient in der Mast, ergeben aber ein hochwertigeres (und aus beiden Gründen somit teureres) Fleisch. Für derartige alten Rassen gilt daher immer: Esst sie auf, denn sonst sterben sie aus!

    Das ist bei weitem nicht so paradox, wie es sich auf den ersten Blick anlässt. Denn wenn niemand mehr bereit ist, den etwas höheren Preis dafür zu bezahlen, verkommt ihre Zucht zur bloßen Liebhaberei bzw. die Rasse verschwindet letztlich vollständig. Nur durch ständige Nachfrage macht es für den einen oder anderen Bauern Sinn, diese Tiere nachzuzüchten. Und natürlich kauft man damit entgegen dem fatalen Trend zu Massentierhaltung und Antibiotikamast. Also, lebt besser tagweise vegetarisch und gönnt euch ab und an Bentheimer Landschwein, Rotes Höhenvieh oder Heckrind.

    • #20 Bettina Wurche
      7. Januar 2019

      @Captain E.: In diesem Kontext sollte man berücksichtigen, dass viele alte Haustierrassen nur extensiv gehalten werden können, sie lassen sich nicht industriell und hoch profitabel halten. Daher geht es diesen Tieren wesentlich besser als ihren überzüchteten Vettern und Basen in der Mast. Außerdem sind so einige alte Haustierrassen wichtig zur Landschaftspflege – sie halten die Kulturlandschaft vor Verbuschung offen und leisten so einen erheblichen Beitrag zur Biodiversität, was u. a. vielen Vögeln, Insekten und Pflanzen zugute kommt. Allerdings “leisten” sie durch die extensive Haltung auch einen geringeren Beitrag zur menschlichen Ernährung. Aber seltener und dafür besseres Feisch bzw. andere tierische Produkte zu essen ist sicherlich ein guter Ansatz.

  14. #21 RPGNo1
    7. Januar 2019

    @Bettina Wurche

    Die Bezahnung der Menschen mit ihren schwach ausgebildeten Backenzähnen und die Kürze des Verdauungstraktes weisen klar darauf hin, dass Menschen Allesfresser sind.

    Dazu möchte ich noch folgendes ergänzen:
    Unsere Kiefermuskulatur ist auch nicht auf eine rein pflanzliche Kost aufgelegt. Sonst hätten wir wahrscheinlich einen Scheitelkamm wie der Gorilla oder Paranthropus.
    Zudem hätte der Mensch ohne tierisches Protein seine Intelligenz nicht derart entwickeln können.
    https://www.welt.de/geschichte/article153842714/Nur-durch-Fleischkonsum-war-die-Menschwerdung-moeglich.html

    • #22 Bettina Wurche
      7. Januar 2019

      @RPGNo1: Ich frage mich immer, ob allein die bessere Proteinversorgung oder auch die Jagd als soziale Kooperationsleitung auf der Basis ausgefeilter Kommunikation da die größere Rolle gespielt hat. Wahrscheinlich beides. Multikausale Erklärungen werden komplexen Sachverhalten selten gerecht.
      Durch Zufall bin ich letzte Woche auf die Story der Schöninger Speere gestoßen
      https://www.spektrum.de/news/das-leben-unserer-ahnen/1206198
      – sie sind eine bahnbrechende Entdeckung, weil sie zeigen, dass die Neanderthaler vor 300.000 Jahren bereits solch eine komplexe Waffe bauen konnten und die komplexe Kooperation und Koordination einer großen Jagd auf eine Wildpferdherde sehr erfolgreich durchgeführt haben.

  15. #23 Beobachter
    7. Januar 2019

    zu # 19:

    Daraus lässt sich (“evolutionsbiologisch”) aber nicht folgern, dass der Mensch umso intelligenter wird, je höher sein Fleischkonsum ist, oder ? 🙂

    Man schaue sich z. B. das an:

    “XXL-Wahnsinn” – laut Karte … :

    https://redoxxl.de/xxl-food/

    • #24 Bettina Wurche
      7. Januar 2019

      @Beobachter: Zumindest heute absolut nicht mehr ; ) Ansonsten, wie bereits @RPGNo1 geantwortet.

  16. #25 Beobachter
    8. Januar 2019

    @ Bettina Wurche, # 22:

    ” … Multikausale Erklärungen werden komplexen Sachverhalten selten gerecht. … ”

    Müsste es hier nicht “monokausal(e) Erklärungen” heißen ?
    Hier: Dass es eben nicht nur allein der Fleischkonsum oder nur allein die ausgefeilte Kommunikation (bei der Jagd) macht ?
    Sondern beides bzw. dass es mehr als nur einen einzigen Grund gibt (für die Entwicklung der menschlichen Intelligenz).

    • #26 Bettina Wurche
      8. Januar 2019

      @Beobachter: Ja, natürlich! Kommt davon, wenn man schon schläfrig noch Kommentare beantwortet ; )

  17. #27 Captain E.
    8. Januar 2019

    @Bettina Wurche:

    Alles richtig, und daher sollte man wirklich lieber hin und wieder zu teurerem und qualitativ hochwertigerem Fleisch greifen und dabei gerne zu alten und/oder robusten Rassen. Dazwischen sollte man natürlich so wenig Billigfleisch wie möglich kaufen – am besten gar nichts. Für den Supermarkt kann ich nur raten: Achtet auf gasdichte Fleischverpackungen mit der Aufschrift “unter Schutzatmosphäre verpackt” – und lasst es liegen! Was dann noch vom Angebot übrig bleibt, ist vielleicht noch nicht Bioqualität oder stammt von einer alten Rasse, hat aber definitiv eine bessere Qualität.

  18. #28 RPGNo1
    8. Januar 2019

    @Bettina Wurche
    Danke, den Spektrumartikel werde ich in einer ruhigen Minute gerne durchlesen.

  19. #29 Dampier
    dampierblog.de
    8. Januar 2019

    @ Captain E.

    Achtet auf gasdichte Fleischverpackungen mit der Aufschrift “unter Schutzatmosphäre verpackt” – und lasst es liegen!

    Inwiefern ist die Art der Verpackung ein Hinweis auf die Fleischqualität?

  20. #30 Captain E.
    9. Januar 2019

    @Dampier:

    Eine gasdichte Verpackung bedeutet “Unter Schutzatmosphäre verpackt”, und das ist bei Fleisch eigentlich immer eine Extraportion Sauerstoff. Das sollte rein logisch dazu führen, dass das Fleisch durch aerobe Bakterien und schlichte Oxidation schneller verdirbt, und ich vermute, genau das passiert auch. Im Gegenzug sieht das Fleisch aber länger schön rosa aus. Eine Verpackungsart, die die Optik über die zu schmeckende Qualität stellt, wird in der Regel wohl kaum für wirklich gutes Fleisch verwendet. Ich lasse daher solche Verpackungen fast immer liegen und kaufe mir lieber die frische oder zumindest frisch abgepackte Ware. Vakuumiert sollte auch noch in Ordnung sein.

    Bei einer großen Supermarktkette habe ich vor einigen Jahren lernen müssen, dass hinter der Fleischtheke tatsächlich echte Metzger arbeiten. Laut der Fleischfachverkäuferin war die Koteletthackmaschine kaputt und deswegen hatten sie an dem Tag halt keine Steaks und Koteletts. Die bekommen also ihr Frischfleisch vermutlich in den üblichen Großhandelsmengen: Schweinehälften und Rinderviertel. Und wahrscheinlich nimmt der Metzger die Lieferung gar nicht erst an, wenn sie ihm irgendwie komisch vorkommt.

    Was ich seit einiger Zeit auch schon ganz gerne mache, ist der Einkauf von “Rindfleischtüten” (vakuumiert so um die 20 kg Gesamtgewicht) auf dem Bauernhof. “Gezüchtet, gemästet und geschlachtet” auf ein und demselben Hof erspart lange Transportwege und den Tieren Stress, der sich auf die Fleischqualität auswirkt. Und manchmal greife ich auch zu Fleisch von den oben erwähnten alten Haustierrassen.

    Aber zu eurer Beruhigung sei gesagt, dass ich auch ganz leckere vegetarische Rezepte kenne – und koche. 🙂

  21. #31 RPGNo1
    9. Januar 2019
  22. #32 Beobachter
    10. Januar 2019

    @ RPG, Captain E., Dampier:

    Hier ist noch was zum Thema Schutzatmosphäre:

    https://www.foodwatch.org/de/informieren/schutzatmosphaere/mehr-zum-thema/

  23. #33 Dampier
    10. Januar 2019

    @RPG, Captain E, Beobachter
    Danke für die Infos. Ich denke, Haltbarmachung geht immer mit Qualitätsverlust einher. Ich kauf auch lieber am Fleischtresen. Kann ich mir halt nicht immer leisten …

    Entscheidend ist wohl, dass man keine Packungen kauft, die schon Tage alt sind. Und dass man sie nicht ewig liegenlässt.

    Einmal hab ich mir ein paar Kilo Lamm vom Nachbarn geleistet, der hat nur ein paar Schafe als Rasenmäher rumlaufen. Das war wirklich sensationell. Irgendwann stell ich mir vielleicht auch ein paar Lämmer hin.

  24. #34 Captain E.
    10. Januar 2019

    Nun, Foodwatch und ähnliche Organisationen sind nicht davor gefeit, im Namen ihrer heiligen Mission zu lügen und betrügen. Wie ich allerdings oben schon deutlich gemacht habe, entspricht das weitestgehend auch meiner Meinung. Was den Edeka-Link angeht, so versucht der Artikel im ungefähren zu bleiben, aber eines kam für mich klar heraus: Das Fleisch wird begast, damit es möglichst lange schön aussieht. Komisch, mir ist irgendwie wichtiger, wie Fleisch schmeckt und nicht, wie es aussieht. 😉

    • #35 Bettina Wurche
      11. Januar 2019

      @Captain E.: Hast Du für “Foodwatch und ähnliche Organisationen sind nicht davor gefeit, im Namen ihrer heiligen Mission zu lügen und betrügen” eine Quelle? Abgesehen davon, dass Lobbyismus egal welcher Richtung immer etwas skeptisch zu sehen ist.

  25. #36 Beobachter
    10. Januar 2019

    @ Dampier:

    Ja, gutes Fleisch ist eine Frage des Geldbeutels.
    Deshalb lieber selten Fleisch, aber dann welches von guter Qualität.
    Wer z. B. mal ein freilaufendes glückliches Bresse-Huhn gegessen hat, lässt alle anderen links liegen … 😉

    @ Captain E.:

    Foodwatch u. ä. Organisationen “lügen und betrügen” sicherlich nicht mehr als große Lebensmittelkonzerne … ;-), und niemand ist vor nichts gefeit.
    Deshalb vergleiche ich, wenn mich etwas wirklich interessiert, Infos und Meinungen zum Thema aus verschiedenen Quellen/Interessen-“Lagern”.

  26. #37 Beobachter
    11. Januar 2019

    Zum Thema Wale, Delphine, Fischerei und Bodenschätze (Öl, Gas):

    http://www.taz.de/Seismische-Messungen-im-Atlantik/!5564338/

    “Seismische Messungen im Atlantik
    US-Ölsuche bedroht Meeressäuger
    Die Trump-Regierung hat Unternehmen erlaubt, im Atlantik mit Airguns nach Öl zu suchen. Dagegen klagen US-Bundesstaaten und Umweltverbände.
    … ”

    ” … Diese Tests sind Vorläufer für die ersten möglichen Probebohrungen nach Jahrzehnten in US-amerikanischen Gewässern im Außenbereich der Ostküste. Die US-Regierung beabsichtigt, Offshore-Bohrungen vom Atlantik bis in die Arktis und den Pazifischen Ozean auszuweiten. … ”

    ” … Wenig gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse
    Das deutsche Umweltbundesamt hatte eine Studie in Auftrag gegeben, die die Auswirkungen von Airgun-Signalen in einem Radius von 2.000 Kilometern analysierte. Die Schallimpulse dehnen sich ab Entfernungen von 1.000 Kilometer zu einem kontinuierlichen Geräusch aus und lassen etwa den Kommunikationsraum von Blau- und Finnwalen in der Antarktis bis auf 1 Prozent schrumpfen, wie die Ergebnisse zeigen.

    International wird noch an genaueren Modellen zur Messung der Störungen bei Meeressäugern gearbeitet. Die Auswirkungen der Airguns verlässlich zu erfassen, ist nämlich laut Umweltbundesamt erst ansatzweise möglich.”

    • #38 Bettina Wurche
      11. Januar 2019

      @Beobachter: Danke für die Info – das ist wirklich übel. Vor beiden US-Küsten verlaufen direkt die Wanderwege vieler Walarten, außerdem sind weitere Arten ortsansässig. Solche Explorations-Explosionen verlaufen auf Surveys, d. h., sie sind für die Wale nicht vorhersehbar. Grundsätzlcih werden Wale, andere Meeressäuger (und wahrscheinlich auch andere Meeresbewohner) durch solche sehr lauten Geräusche vergrämt. Je nachdem, wie nah sie ‘dran sind, dürfte die Explosionen für die Gehörorgane schmerzhaft sein. In der Nähe können sie irreparable Gehörschäden erleiden. Für einen Wal war´s das dann. Insgesamt ist das aber wahnissing schwierig nachzuweisen. Und, schön, dass die im Meeresschutz so trottelige Bundesregierung jetzt mal etwas dazu forschen möchte. Da können sie gleich mal anfangen, die Auswirkungen der von der Bundesmarine produzierten Explosionen in der Ostsee auf die Schweinswale zu erforschen. Inoffiziell gibt es einen Zusammenhang zu einem erhöhten Totstrandungs-Aufkommen der kleinen Wale. Was die Explosionen bei Fischen, wie dem für unsere Ernährung so wichtigen Dorsch anrichtet, ist überhaupt nicht erforscht. Aber schon der Gedanke, wie sich eine Explosion auf die mit Luft gefüllte Schwimmblase im Körper eines Tieres auswirkt, hört sich übelst an.
      https://schleswig-holstein.nabu.de/news/2018/23733.html

  27. #39 Captain E.
    11. Januar 2019

    @Beobachter

    Ja, gutes Fleisch ist eine Frage des Geldbeutels.
    Deshalb lieber selten Fleisch, aber dann welches von guter Qualität.
    Wer z. B. mal ein freilaufendes glückliches Bresse-Huhn gegessen hat, lässt alle anderen links liegen …

    Ich wollte mal am Geflügelstand ein Huhn kaufen, und da wurde mir ein Maishuhn angeboten. Erfahrungsgemäß haben die nicht nur eine komische Farbe, sondern schmecken auch irgendwie eigenartig. Stattdessen habe ich mir ein kleineres mit einer normalen Färbung ausgesucht. Wenn man die Auswahl hat…

    Foodwatch u. ä. Organisationen “lügen und betrügen” sicherlich nicht mehr als große Lebensmittelkonzerne … ;-), und niemand ist vor nichts gefeit.
    Deshalb vergleiche ich, wenn mich etwas wirklich interessiert, Infos und Meinungen zum Thema aus verschiedenen Quellen/Interessen-“Lagern”.

    Über den Wahrheitsgehalt der Aussagen der Lebensmittelkonzerne, also jener Firmen, die Fleisch mit Sauerstoff aufpumpen, um die Farbe so schön rosig zu halten, hatte ich so direkt gar nichts gesagt. Ich habe da nur meine Meinung zu einer verbreiteten Verpackung kundgetan, und die steht dem natürlich entgegen. Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen auf der anderen Seite steigern sich in ihrem Bestreben, die selbstgestellte Aufgabe zu erfüllen, zuweilen so sehr hinein, das man ihren Aussagen nicht trauen kann. In diesem Fall war das meines Erachtens aber nicht der Fall.

    Beispiele für übertriebene Aussagen von den “Guten” sind beispielsweise die aktuelle Dieselaffäre, bei der mit Aussagen wie “Die Luft in unseren Städten muss wieder sauber werden!” Stimmung gemacht wird. Die Realität ist aber doch, dass die Luft erheblich besser ist als in früheren Jahrzehnten, die ich erleben durfte. Die Autos sind also absolut gesehen natürlich schmutzig, aber viel sauberer als in der Vergangenheit. Der Skandal besteht darin, dass die Industrie versprochen hat, dass ihre Autos die gültigen Grenzwerte einhalten könnten, dieses Versprechen aber bedenkenlos gebrochen hat. Die Autos sind somit sauberer geworden, aber nicht so viel sauberer wie geplant und gefordert. Dem von mir zitierten Spruch müsste man aber trotzdem die Gegenfrage entgegenstellen: “Wann war denn die Luft in unseren Städten das letzte Mal sauber? 1819?”

  28. #40 Captain E.
    11. Januar 2019

    @Bettina Wurche:

    Foodwatch habe ich da nicht auf dem Zettel. Ich erinnere aber nur an die Brent Spar-Debakel von Greenpeace. Am Ende musste man kleinlaut eingestehen, die Gefährlichkeit dramatisch übertrieben zu haben: Shell hatte recht gehabt. Auch die “Waldschützer” im Hambacher Forst sind mir unangenehm aufgefallen. Da wird einfach behauptet, die Leute, die Einbauküchen in illegal errichtete Baumhäuser einbauen und Polizisten mit menschlichen Fäkalien bewerfen, gingen “liebevoll” mit dem Wald und den darin lebenden Tieren um. Wer’s glaubt! Auch vielen Atomkraftgegner glaube ich nicht mehr viel. Da haben sie Angst vor dem Austritt von Radionukliden, träumen aber davon, einen Castorzug zum Entgleisen zu bringen. Oder sie kämpfen gegen Endlager und Transporte, verschwenden aber keinen Gedanken daran, wie sicher oder unsicher die neu errichteten Zwischenlager auf den Kraftwerksarealen eigentlich sind. Und wer das Buch “Die Wolke” für eine realistische Beschreibung eines schweren Störfalls hält uns sich durch Fukushima Daiishi darin bestätigt sieht, dem ist wohl nicht mehr zu helfen.

    • #41 Bettina Wurche
      11. Januar 2019

      @Captain E.: O. k., ja klar, Brent Spar war für Greenpeace der GAU. Hätte ihnen auch fast jeder vorher so erklären können. Aber Foodwatch habe ich bislang relativ sachlich erlebt, sie reagieren ja vor allem auf Mißstände

  29. #42 Beobachter
    11. Januar 2019

    @ Captain E.:

    Ich kann meine Aussage in # 35 nur noch mal bekräftigen.

    Wenn man sich zum Thema (Verpackung von Lebensmitteln/Fleisch unter) “Schutzatmosphäre” informieren will, sollte man das nicht nur über einen Link eines großen Handelskonzerns (z. B. hier: Edeka) tun.
    Mir jedenfalls war das zu wenig bzw. zu einseitig, deshalb mein Foodwatch-Link.

    Ebenso einseitig und unzureichend könnte man sich über Nutzen/Risiken der Kernenergie nur bei Energiekonzernen/AKW-Betreibern und bei deren Lobbyvereinen wie Nuklearia e. V. informieren.

    Und sich bei Angaben/Infos über Schadstoffe/Abgase/Feinstäube in der Atemluft nur auf die der (Auto-)Industrie verlassen.

    usw. etc. …

    Gott sei Dank gibt es bei uns Umweltschutz- und Verbraucherschutzverbände, die “auf Missstände reagieren” bzw. sie auch überhaupt erst bekannt/öffentlich machen.
    Wenn bei denen auch mal etwas verbockt wird, ist es genauso zu kritisieren wie anderswo –
    aber kein Grund, alle diese Organisationen unter Generalverdacht (des “Lügens und Betrügens”) zu stellen.
    Und “weil damals bei Greenpeace, deshalb heute auch bei Foodwatch u. ä. ” … ?!

    https://de.wikipedia.org/wiki/Edeka
    (Man beachte die”Kolonialwaren”- Firmengeschichte!)

  30. #43 Captain E.
    14. Januar 2019

    @Beobachter:

    “Generalverdacht” ist da schon ein großes Wort, aber fällt dir auf, dass du Handels-, Energie- oder Automobilkonzerne deinerseits unter so einen Generalverdacht stellst? Umgekehrt halte ich es für ausgesprochen bedenklich, Schutzverbänden aller Art mal eben einen Freibrief auszustellen. Mag Foodwatch zu jenen gehören, die sich immer ehrlich machen, so hatte Greenpeace halt das eine oder andere Mal eine dunkle Stunde. Oder was ist mit der Deutschen Umwelthilfe, die sich selbst als Verbraucherschutzverband versteht? Sind wir allesamt richtig geschützt, wenn wir unsere für viel Geld erworbenen Produkte demnächst nicht mehr wie gewohnt verwenden dürfen? Die von DUH-Seite zumeist als “Stinker” oder “Rußschleudern” geschmähten Autos sind schon ziemlich sauber, wenn man sie mit früheren Generationen vergleicht, und unsere mit “schmutziger Luft” belasteten Städte hätten wir in den 70ern noch für Luftkurorte gehalten.

    Eine ehrliche Kampagne wäre also in diesem Fall gewesen, die erzielten Fortschritte immer wieder zu betonen und erst danach (zu Recht) darauf hinzuweisen, dass die Industrie die Ziele klar verfehlt hat, die immer wieder verschärften Grenzwerte einzuhalten. Dass die tatsächlich gefahrene Kampagne aus Panikmache und Übetreibung bestanden hat, verbunden mit einer bevorstehenden faktischen Enteignung zahhloser Autobesitzer plus (durch Entscheid der Bundesregierung) Industrieförderung der eigentlichen Verursacher, ist hochgradig ärgerlich.