Auf der dänischen Nordseeinsel Röm ist ein Cuvier-Wal (Ziphius cavirostris) gestrandet – der erste Nachweis dieser Walart in dänischen Gewässern.
Die Abwesenheit dieses extrem tief tauchenden Schabelwals  ist wenig überraschend, schließlich sind die dänischen Gewässer Nord- und Ostsee flache Schelfmeere. Cuvier-Wale hingegen sind unter allen Wale die Tauch-Champions – ihre proteinreiche Lieblingsnahrung, Kalmare, jagen sie in bis zu 2992 Metern Tiefe, nachgewiesen sind Tauchgänge von bis zu 137,5 Minuten Dauer. 

Der jetzt gestrandete Meeressäuger war ein 6 Meter langes Männchen. Im Zeitungsartikel von “Der Nordschleswiger” steht, dass das Tier erwachsen gewesen sei.
Das würde mich wundern. Im Artikel wird der die Obduktion leitenden Tierarzt Aage Kristian Olsen Astrup Universität Arhus) zitiert, dass der Wal keine Zähne habe, weil er sie nicht brauche. Cuvier-Wale haben, wie fast alle Schnabelwale ein sehr reduziertes Gebiss, da sie für die Tintenfisch-Jagd keine Zähne brauchen. Sie saugen ihre weiche Beute einfach ein und schlucken sie im Ganzen.
Ein erwachsenes Männchen hätte aber zwei größere Zähne an der Spitze des Unterkiefers haben sollen. Diese Zähne brechen nur bei erwachsenen Bullen durch, bei Jungtieren und Weibchen bleiben sie im Zahnfleisch versteckt.
Ich habe keine perfekte Aufnahme des Walkopfes gefunden, aber auf einem der Photos im Nordschleswiger ist der Schnabelwal-Kopf in Nahaufnahme ganz gut abgebildet. Ich kann auf dem Bild keine Zähne sehen.
Auf jeden Fall haben die Biologen und Tierärzte den Kopf des ausgezeichnet erhaltenen Wals, der frischtot aussieht, eingefroren für eine detailliertere Untersuchung. Dabei wird dann sicherlich das Alter des Tieres noch sicherer ermittelt.
Daneben haben sie auch Blut- und Gewebeproben für die weitere Analyse entnommen, die noch interessante Details zur Herkunft des Tieres und möglicherweise seines Todes ergeben werden.

Der angespülte Wal war nicht abgemagert und zeigte nur leichte Abschürfungen (durch die Strandung). Die Obduktion im Fiskeri- og Søfartsmuseet in Esbjerg erbrachte keine Todesursache. Die Biologen und Veterinäre fanden zwar Plastik im Magen des Tieres, aber keine großen Mengen. Mittlerweile häufen sich Plastikfunde in Walmägen. Manche Wale fressen so viel Kunststoff-Objekte – etwa Plastiktüten – dass kein Platz mehr für echte Nahrung ist, so dass sie mit vollem Magen verhungen. Wie etwa der Cuvier-Wal, der 2017 abgemagert vor der norwegischen Nordsee-Stadt Bergen strandete. Nach der 2. Strandung hatten Tierärzte den desorientierten Wal eingeschläfert und bei der Obduktion 30 Plastiktüten im Magen gefunden.
In Indonesien war ebenfalls ein abgemagerter Cuvier-Wal gestrandet, der 40 kg Plastik im Magen hatte – der Kunststoff war schon kompaktiert und kalzifiziert.

Marine-Sonar oder das Fressen von Plastik dürften für Cuvier-Wale und andere Schnabelwale die häufigsten durch Menschen verursachten Todesursachen sein.
Zur Wirkung von Marine-Sonar – LFAS-Sonar für die U-Bot-Jagd – gibt es auf Meertext eine ganze Reihe von Beiträgen, z. B. hier. Der Zusammenhang ist mittlerweile sicher nachgewiesen. 
Mehr über die geheimnisvollen Schnabelwale und warum sie auf Meertext so oft auftauchen, ist hier zu finden.

 

Kommentare (2)

  1. #1 Folke Kelm
    Schweden, im Wasser
    22. Februar 2020

    Wale. Wahnsinnig intressante Viecher. Vor allem deren Parasiten mit ihrem oft super komplizierten Wirtswechselspektrum.
    Da mag jetzt so mancher igitt sagen.
    Da die Welt sehr klein ist, du Biologin bist und Dich für Wale interessierst….Du kennst nicht zufällig Paul Erik Aspholm?

    • #2 Bettina Wurche
      24. Februar 2020

      @Folke Kelm: parasites rule the world an our minds : ) Bei Walen sind wirklich prachtvolle Parasiten im Großformat zu finden. Allerdings ist bislang noch keine hirnsteuernde Lebensform an Walen entdeckt worden, wie die Toxoplasmose bei Katzen. Möglicherweise sind die Wale im Meer vor so ganz besonders schrägen Parasiten geschützt?
      Flöhe udn Läuse haben die Wale ja auch nicht über 60 Mio Jahre Evolution begleiten können, stattdessen sind diese ökologiscehn Nischen heute von Krebsen (Walläusen) besetzt. Bei den Robben, die erst seit 30 Mio Jahren im Meer sind, haben sich die Flöhe und Milben bislang gehalten, Pinnipedia haben Insekten und Spinnen mitgenommen, die auf der Nasenspitze bzw. in der Nase im für sie unkomfortablen Environment überleben.
      Den Hai-Hirnfresser fand ich auch schön gruselig:
      http://scienceblogs.de/meertext/2017/10/31/halloween-hirnfresser-vor-san-francisco/

      Paul Erik Aspholm kenne ich nicht, bislang gab es keine Berührungspunkte mit seinem Fachgebiet