Heute hat das Bayerische Statistische Landesamt in einem Pressebriefing eine vorläufige Auswertung der Todesursachenstatistik vorgestellt. Die Fertigstellung der Todesursachenstatistik ist eine recht langwierige Geschichte, weil die Daten möglichst vollständig sein sollen, qualitätsgeprüft und zwischen den Bundesländern Datenabgleiche stattfinden. Insofern sind bis zur endgültigen Todesursachenstatistik noch kleinere Änderungen zu erwarten, sie werden aber an den Grundaussagen nichts mehr ändern.

Aus den Daten, die das Statistische Landesamt vorgestellt hat, sind zwei Grafiken besonders interessant: Die erste zeigt, dass die hier im Blog wiederholt präsentierte Übersterblichkeit im Frühjahr 2020 gut durch die Corona-Sterbefälle zu erklären ist. Das hat auch schon der Vergleich mit den Daten des RKI gezeigt, insofern ist das vor allem eine Bestätigung, dass die Todesursachenstatistik hier keine unerwarteten Dinge ans Tageslicht bringt. Die Daten der Todesursachenstatistik und die dem RKI gemeldeten Corona-Sterbefälle passen insgesamt gut zusammen – wenig verwunderlich, letztlich haben beide Quellen mit den ärztlichen Todesbescheinigungen eine große gemeinsame Schnittmenge.

Neu ist dagegen das relative Gewicht der Corona-Sterbefälle (Fälle mit Nachweis, ICD-Ziffer U071.1) im Vergleich zu anderen Todesursachen. Im Frühjahr 2020 stand Covid-19 an dritter Stelle, nach den chronisch ischämischen Herzkrankheiten und den seit einiger Zeit immer häufiger dokumentierten Demenzen.

Wer etwas tiefer in die Daten eintauchen will: Zur Pressemitteilung des Statistischen Landesamtes gibt es differenzierte Tabellen auch mit allen anderen Todesursachen.

Die Todesursachenstatistik ist aufgrund der Dauer ihrer Erstellung, anders als die Meldesstatistik nach Infektionsschutzgesetz, naheliegenderweise nicht zur Steuerung von Maßnahmen in der Pandemie geeignet, aber sie ist eine Datenquelle, die weiterführende wissenschaftliche Analysen, z.B. im Zusammenspiel mit anderen Todesursachen, ermöglicht. Umso wichtiger ist, dass ihre bekannten und bei manchen Todesursachen erheblichen Qualitätsmängel weiter reduziert werden – auch ganz unabhängig von der Pandemie. Je besser die Daten, desto aussagekräftiger trivialerweise auch die Schlussfolgerungen, die daraus zu ziehen sind. Eine gute amtliche Statistik ist ein informationelles Kapital, für das mehr Investitionen in Qualität und Analyse lohnen würden.

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Nachtrag: Auch das Statistische Bundesamt hat heute vorläufige Daten der Todesursachenstatistik veröffentlicht: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/07/PD21_327_23211.html.

Kommentare (4)

  1. #1 Lara
    10. Juli 2021

    Destatis schreibt, dass es 2020 weniger Suizide gab als 2019. Da wird oft anderes behauptet.

  2. #2 RainerO
    10. Juli 2021

    @ Lara

    Da wird oft anderes behauptet…

    Behaupten kann man viel. Studien belegen.

    • #3 Joseph Kuhn
      10. Juli 2021

      @ RainerO:

      Danke für den Link. Die Daten des Stat. Bundesamtes in D: “Die Zahl der Suizide lag im Jahr 2020 nach der vorläufigen und noch nicht vollständigen Auswertung bei 8565. Sie lag damit bislang leicht unter der Zahl von 2019 (9041 Suizide).”

      2020 also gut 5 % weniger als 2019. Ein bisschen was kommt vielleicht noch dazu, aber die Situation in Österreich und Deutschland scheint ähnlich zu sein.

  3. […] abweichen. Aufgrund der etwas unterschiedlichen Dokumentationsvorgaben gibt es zwar Differenzen, aber die Daten stimmen recht gut überein, wenn man vergleichbare Fallgruppen […]