Karl Lauterbach ist Experte. Für Klimawandel, für Corona, für’s Grillen und für Suchtfragen. Über die Frage, ob man Cannabis legalisieren sollte, wenn ja, für wen und in welcher Weise, kann man streiten. Karl Lauterbach sollte man allerdings nicht fragen. Er ist für die Legalisierung, wie er in einem Interview mit der „Rheinischen Post“ vor ein paar Tagen kundtat, und das ist seine Begründung:

„Immer häufiger wird dem illegal verkauften Straßen-Cannabis neuartiges Heroin beigemischt, das sich rauchen lässt. Damit werden Cannabis-Konsumenten schnell in eine Heroin-Abhängigkeit getrieben.”

Da hat er etwas durcheinandergebracht. Der Polizei in Deutschland sind solche Praktiken so wenig bekannt wie den Suchtfachleuten. Nicht nur bei der Tagesschau kann man nachlesen, was an der Geschichte dran ist.

Man könnte aber Karl Lauterbach einmal fragen, warum die Bürgerversicherung, angeblich sein „Lebensprojekt“, wieder nicht kommt, obwohl die Grünen auch dafür sind. Auch über die Bürgerversicherung kann man natürlich trefflich streiten. Dazu schweigt Lauterbach aber im Moment. Am Ende müsste er es als Minister tatsächlich umsetzen. Wie man hört, ist auch ein Tempolimit vom Tisch. Sie ahnen es, über ein Tempolimit kann man fürchterlich streiten, so manchen hat es schon um den gesunden Menschenverstand gebracht.

Man muss befürchten, dass es bei anderen Sachen, z.B. bezahlbarem Wohnen, prekärer Beschäftigung oder der Pflege, auch Streitpotential geben könnte. Die Ampel ist ein scheues Reh. Vielleicht ist es doch einfacher, Cannabis zu legalisieren. Wer genug kifft, dem ist eh alles egal. Peace.

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Zum Weiterlesen: Das Sondierungspapier der Ampelparteien

Kommentare (13)

  1. #1 rolak
    15. Oktober 2021

    Wer genug kifft, dem ist eh alles egal

    Des klingt fei arg nach QuerInspiration 😉

    Bei allem Interesse für just dieses Thema – gegenüber dem Rest, insbesondere des dräuenden, hier mal nicht erwähnten Klimadramas ist das völlig uninteressant.

    • #2 Joseph Kuhn
      15. Oktober 2021

      @ rolak:

      “Klimadrama”

      Naja, da scheinen sie ja, ähnlich wie bei der Digitalisierung, tatsächlich etwas tun zu wollen. Allerdings unter den Rahmenbedingungen “keine Steuererhöhung” (im Moment sicher sinnvoll) und “Schuldenbremse einhalten” (nicht ganz nachzuvollziehen). Das wirft Fragen der sozialen Ausgewogenheit bei der Finanzierung und beim Gesamtpaket auf. Deswegen vielleicht die doch eher bescheidenen Perspektiven bei Wohnen, Pflege, Arbeit. Aber mal sehen, was die Koalitionsverhandlungen noch bringen.

  2. #3 hwied
    16. Oktober 2021

    Wichtig wäre eine europäische Lösung bezüglich Cannabis. Hier ist ein Überblick:
    https://cannigma.com/de/wo-cannabis-in-europa-legal-ist/

  3. #4 rolak
    16. Oktober 2021

    im Moment sicher sinnvoll

    Durchaus, mindert es doch das allgemeine Sich-gemolken-fühlen. Im Kontext Katastrophen­hilfe- oder Strukturwandel-(Gegen)Finanzierung allerdings ein leicht gemachtes Angebot – hat die Steuerlast doch überhaupt nichts damit zu tun. Das können allerdings Fachmenschen deutlich besser als ich erläutern und durchleuchten, zB aktuell und fast wie bestellt dort vorgeturnt.

    nicht ganz nachzuvollziehen

    ..insbesondere weil weniger der Schuldenbetrag, mehr die Schuldenquote der zu beachtende Aspekt ist; mit SchuldenMachen aktuell eher Plus gemacht werden kann. Doch unabhängig vom Kassandrieren sei allen Beteiligten der zu bildenden viel Erfolg bei Planung und Umsetzung der Regierungsziele gewünscht. Und vielleicht hilft dabei dem einen oder anderen Menschen zwischendurch zum gepflegten Entspannen eher ein Tütchen statt des üblicheren Drinks. Sollnse halten dürfen wiese wollen.

    Zum Glück sind Fritten schon länger legalisiert – da kann gleich auf dem großen Rundgang, nach dem notwendig gewordenen Bevorraten ua gemahlener Körner (Erdnußbutter, Tahini, Senf), voor een smakelijke pauze ein Abstecher ins Kaiserreich unternommen werden.

  4. #5 Herr ɟuǝs
    Prost
    16. Oktober 2021

    Nürnberger Roastbratwürste sind gesundheitsschädlich, Thüringer nicht 😉

  5. #6 hwied
    16. Oktober 2021

    XXX

    [Edit: Kommentar gelöscht. Bitte nutzen Ihre persönlichen Kontakte für belangloses Geplaudere. Danke, JK]

  6. #7 noch'n Flo
    Schoggiland
    16. Oktober 2021

    Die Legalisierung von Cannabis ist längst überfällig.

  7. #8 Joseph Kuhn
    17. Oktober 2021

    Brinkhaus und Merz

    Brinkhaus zum Sondierungspapier der Ampelparteien: “Das ist die strammste Linksagenda, die wir seit Jahrzehnten in Deutschland gehabt haben.”

    Merz zum gleichen Sondierungspapier: “Sie haben, wie ich finde, ein beachtliches Papier vorgelegt. (…) Das ist ein Anlass zum Respekt und zur kritischen Selbstüberprüfung: Das hätten wir auch haben können.“

    Die Union ist offensichtlich von der Rolle und politikunfähig. Was für ein Saftladen. Oder testen die gerade, welche Folgen die Legalisierung von Cannabis hat?

  8. #9 rolak
    17. Oktober 2021

    Brinkhaus/Merz

    Bin ja bei weitem nicht firm bei der Zuordnung von Namen zu aktuellen Posten bzw Positionen, also dachte ich mir ‘was solls, zwei verschiedene Seiten, zwei verschiedene Einschätzungen’. Doch hinter den links offenbarte sich: ein Stuhl, zwei Meinungen. Die Brinkhaussche Beschreibung kann ohne Kontext aber auch sowohl als Lob als auch als Tadel gelesen werden…

    btw: der Unterschied von RSS-Erstfassung zu aktuell ist manchmal -äh- zum Kichern.

  9. #10 zimtspinne
    17. Oktober 2021

    Bah, rolak, ich als großer Politikmuffel und dazu noch schlechtes Namensgedächtnis (bzw -kenntnis!) sowie Zuordnungsprobleme Namen-Gesichter/Namen-Posten kenne sogar den Merz!

    Wenn in diesem Fall auch nur den Namen (bei sonstigen ist es genau umgekehrt, da kenne ich Gesichter, aber nicht die Namen –> Sänger, Schauspieler etc)

    Der sollte also eher zu den A-Politikern gehören, wenn ich ihn kenne, weil B-Z sind mir eher ungeläufig.
    Aber Merz, ja, den sollte man schon kennen, werter rolak.

    Ansonsten zum Thema:
    Kann man dann jetzt anfangen, die legalen Drogen zu problematisieren?

    Scherz beiseite, soll jeder nehmen, was das Herz begehrt, am Schwarzmarkt eingekauft ist das Ganze aber deutlich unsicherer.
    Die Heroinpanscherei ist aber doch sehr witzig, es kann sich nur um einen Witz handeln, oder!?
    Ich frage mich dann schon manche Mal, falls ich wieder so einen tollen Politikerspruch aufschnappe, warum die nicht ihre Berater fragen und Hausaufgaben machen lassen, bevor sie drauflos plappern?
    Den Vogel abgeschossen hat bisher natürlich das gute Spähnchen. Von dem kamen ja schon etliche coole Sprüche (Krebs!).

  10. #11 rolak
    18. Oktober 2021

    kenne sogar den Merz

    Mein Nichtkennen bezog sich auf Brinkhaus – deswegen ja auch die falsche Erstverortung.

  11. #12 gedankenknick
    20. Oktober 2021

    Man kann ja mal Herrn Lindner fragen zu den vielen ungeklärten Problemen, die eine Teillegalisierung von Cannabis so mit sich bringen würde. Dessen Antwort ist dann vermutlich eh nur “Sollen die Apotheken verkaufen und dazu beraten!”, und dann hat es sich…
    https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/politik/lindner-apotheken-sollen-kiffer-beraten/

  12. #13 zimtspinne
    20. Oktober 2021

    @ rolak

    hab das eben erst gesehen – alles gut!

    Da ich eh hier bin und seit neuestem ja unter die Hellseherinnen mit erworbener Begabung aus dem Nichts ausgestattet bin, lese ich doch heute folgende irre Meldung:

    Niederlandändische (!!!) Lidl werfen Tabakprodukte aus ihrem Sortiment und kommt damit eigeninitiativ dem geplanten Tabakverkaufsverbot der niederländischen Regierung für Supermärkte zuvor.
    Verkauf von Tabakwaren ab 2024 nur noch in Fachgeschäften und “Fachgeschäften” – also alle mit extra Lizenz für den Verkauf.

    https://www.rnd.de/wirtschaft/lidl-niederlande-verkaufsverbot-fuer-zigaretten-und-tabak-O4XA2NFDFQZWXBZSBXT5TW5Z24.html

    Eine legale Droge ist damit schon mal in der Problematisierung mittendrin (für die Raucher wird es langsam wirklich sehr hart, fast habe ich ein wenig ernstgemeintes Mitgefühl).

    @ gedankenknick

    Sieh es mal positiv, du könntest dich zum Cannabisspezialisten ausbilden und an deine Apotheke vielleicht noch ein Kiffcafe angliedern.
    Ich zB hätte schon Beratung benötigt, meine Sorten haben mich immer total weggeschossen, auch die sativalastigen Hybriden. Also alle. Muss wohl an mir liegen dann.