Chimaeren sind neben Haien und Rochen die dritte große Gruppe der Knorpelfische. Sie gehen aber seit etwa 400 Millionen Jahren ihre eignen Wege.

Die Ordnung heisst Chimaeriformes, im Deutschen sind sie Seekatzen, Spöken, Seedrachen, Seeratten oder Geisterhaie.
Obwohl sie weltweit vorkommen, sind sie wenig bekannt. Das liegt daran, dass sie eher in der Tiefe des Meeres an Kontinentalabhängen und nahe am Ozeanboden leben, meist in 200 bis 2000 Metern Tiefe.  Obwohl sie Knorpelfische sind, haben sie weder Knochenskelett noch knöcherne Flossenstrahlen und auch keine Knochenschuppen.
Ihre großen Augen schimmern im Licht wie Opale, die Zähne im kleinen Maul sind zu Zahnplatten zusammengewachsen, zwei Paar im Oberkiefer und ein Paar im Unterkiefer, die wie Nagezähne nach vorn stehen. Mit den kräftigen Zähnen knacken sie hartschalige Weichtiere und andere Wirbellose, ihre Beute suchen sie am Meeresboden.

Dieses Video zeigt eine Chimaere, die dem Okeanos Explorer-Team beim Atlantis II Seamount Complex am 27.09. 2014 vor die Kamera geschwommen ist. Am Kopf nahe des Mauls sind die gepunkteten Linien der Lorenzinischen Ampullen zu sehen: DAS Sinnesorgan der Knorpelfische, mit dem sie elektrische Felder aufspüren können. Diese geschwungene Linie sieht fast wie ein Lächeln aus.

Auf dieser Seite ist das Video.

Kommentare (10)

  1. #1 rolak
    3. Oktober 2014

    ~ fische gehen ihre eignen Wege

    Fish got legs, too? 🙂

    Spöken, Seedrachen, Geisterhaie

    Ein schickes Halloween-Thema, zu dem für mich auch die Zeichnung der clip-Chimäre passt, da die Mustererkennung zwischen Kürbis-Grinsen, Horror-Torhüter-Maske und frankensteineskem Patchwork hin- und herflippert.

    Der Name ist wahrlich treffend, bin versucht, beim Zusehen die einzelnen Teile ‘dem richtigen Tier’ zuzuordnen…

    • #2 Bettina Wurche
      3. Oktober 2014

      @ rolak: Sie sind absolut faszinierend. Ich habe sie im Laufe meines Studiums nur zweimal gesehen. Einmal im Praktikum, wo wir versucht haben, den Schädel freizupräparieren. Fehlanzeige. Irgendwann hatten wir nur noch den Rest des Kiefers und diese seltsamen Zähne vor uns liegen. Aber ich hatte sie vorher gezeichnet, so habe ich ihr Abbild bewahrt.
      Meine zweite habe ich bei einer Fangreise in die Biskaya gesehen. Sie lag abends auf dem Sortiertisch und ich habe in diese riesigen, wie Opale schimmernden Augen geblickt. Wunderschön.
      Dieser Fisch ist wirklich außergewöhnlich.
      Im Two-Oceans-Aquarium in Kapstadt gibt es Elefantennasenchimaeren – die sind noch abgefahrener : )

  2. #3 Stefan Wagner
    https://demystifikation.wordpress.com/2014/10/03/bananentag/
    3. Oktober 2014

    Wieso nicht Chimäre, mit Ä?

    • #4 Bettina Wurche
      3. Oktober 2014

      @ Stefan Wagner: Weil es in der zoologischen Nomenklatur kein “ä” gibt.Diese Tiere heissen Chimaera bzw. Chimaeriformes.
      Es ist eine Abgrenzung zum mythologischen Wesen.

  3. #5 Gerhard
    3. Oktober 2014

    Danke fuer diesen kleinen Artikel. Ich schaue doch oefters mal nach, ob was Neues gekommen ist.
    Das mit der Schädelsuche ist ja reichlich obskur: ist denn deren gehirn nicht geschuetzt? Was kann man denn noch zu den Augen sagen?Was leisten die, wie sind die aufgebaut? Ist die Groesse ein versuch, das wenige an licht in der tiefe besser einzufangen?

    • #6 Bettina Wurche
      4. Oktober 2014

      @ Gerhard: Seekatzen haben knorpelige Schädelstrukturen, wie Haie auch (und Oktopusse übrigens auch). Bei Haien ist aber zumindest der Kiefer verknöchert, bei den Seekatzen fehlt auch das.
      Ihr Gehirn ist also schon geschützt.
      Die großen Augen sind garantiert eine Tiefseeanpassung, um auch noch den letzten Lichtstrahl einzufangen. Zum genaueren Aufbau kann ich nichts sagen, ich bin nicht sicher, ob das überhaupt schon mal jemand untersucht hat.
      Zur Kopf-Anatomie steht auf wikipedia eine gute Zusammenfassung – die Viecher haben eine sehr lange eigenständige Entwicklung hinter sich und sind schon ungewöhnlich.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Seekatzen

      Die großen Augen sind garantiert eine Tiefseeanpassung, um auch noch den letzten Lichtstrahl einzufangen. Zum genaueren Aufbau kann ich nichts sagen, ich bin nicht sicher, ob das überhaupt schon mal jemand untersucht hat.

  4. #7 Stefan Wagner
    https://demystifikation.wordpress.de/2014/08/22/zuckerkuegelchen/
    4. Oktober 2014

    Du schreibst aber nicht griechisch Chimaera sondern Chimaere und auch von Spöken – müssten das dann nicht auch Spoeken sein?
    Wikipedia listet als mögliche Schreibweisen nur: Chimäre, Schimäre, teils Chimaera, Chimaira und Chimera.

    • #8 Bettina Wurche
      5. Oktober 2014

      @ Stefan Wagner: Chimaera ist der wissenschaftlich Artname, aus dem Griechischen.
      Chimaere war von mir eingedeutscht. Spöken oder Spöke ist ein norddeutscher Begriff für die Seekatze. Er ist sinngemäß etwa mit Spukgestalt zu übersetzen. Das hat dscha man nix mit griechisch zu tun, sonnern mit plattdütsch.

  5. #9 Dr. Webbaer
    4. Oktober 2014

    Sind “Töwen” oder “Liger” ‘Chimären‘ und, falls sie es sind, belegen sie, dass männliche und weibliche Besonderheit unterschiedlich vererbt wird, die jeweiligen Mütter- und Vatertiere betreffend?

    MFG + schönes WE noch,
    Dr. W (der hier womöglich vom WebLog-Artikel-Thema ein wenig weggegangen ist, sr)

    • #10 Bettina Wurche
      5. Oktober 2014

      @ Dr. Webbaer: Das beste Beispiel dafür sind doch schon Maultiere und Maulesel. : )