Der von der kanarischen Regierung propagierte Abstand von 60 Metern erscheint mir persönlich auch wirklich unrealistisch weit. Kleinwale wie Delphine oder Grindwale lassen sich aus der Entfernung kaum noch erkennen. Der Mindestabstand lässt sich bei Delphinen nicht einhalten, sie kommen voll allein näher, spielen um das Schiff herum, schwimmen vor dem Bug und  posieren vor den Unterwasserfenstern.
Ich hatte nicht das Gefühl, dass wir die Tiere in irgendeiner Weise gescheucht hätten und das andere Whale watching-Boot war weit weg, oft sogar außer Sichtweite. Die Wale konnten also ausweichen.
Der Katamaran „Fancy II“ ist angeblich geräusch- und vibrationsarm. Das kann ich nicht beurteilen, es fällt mir aber positiv auf, dass sich die Betreiber offenbar Gedanken gemacht haben.

Müll wird natürlich eingesammelt und der Thunfisch in der Suppe ist zertifizierter, vor der Insel geangelter Bonito. Das entsprechende Fischerboot ist winzig – wir treffen den Fischer auf der Rückfahrt. Die Fischsuppe war übrigens sehr lecker – sie hätte den Delphinen vielleicht auch gemundet, ohne Knobi-Brot, versteht sich. Zum Nachtisch frisch aufgeschnittenes Obst, natürlich auch von der Insel.
Unser Guide Simon bemüht sich sehr, uns mit umfassenden Informationen zu versorgen, legt uns die mehrsprachige Bestimmungsliteratur hin und erklärt viel. Auf Spanisch, Englisch und Deutsch. Wale, die wir auf der Tour leider nicht gesehen haben (ich persönlich hatte ja doch auf einen Schnabelwal oder einen Bryde-Wale gehofft), hat er als Videofilmchen von früheren Fahrten dabei.
Außerdem führt er (bzw. seine Kollegen) sorgfältig Logbuch über die gesichteten Wale:
Art, Anzahl, Position, Verhalten und andere Daten werden regelmäßig an die Wal-Arbeitsgruppen der Universität von Teneriffa übermittelt.

Das Ökosiegel ist offenbar kein leeres Versprechen und man bekommt neben Walsichtungen (mit ca 80 % Wahrscheinlichkeit) auch umfangreiche und sachkundige  Informationen über die Tiere des Ozeans.
Mein Fazit: Absolut empfehlenswert!

 

 

 

 

 

 

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Kommentare (3)

  1. #1 MX
    27. November 2014

    Mit dem anderen Unternehmen in Tazacorte haben wir das dieses Jahr auch gemacht. Wirklich beeindruckend. Das ruhige Auf und Ab der Delphine hat eine geradezu meditative Anmutung. Und es gab ein paar fliegende Fische, vorher noch nie gesehen. Auch gute Infos, unsere Begleiterin war angehende Meeresbiologin.

  2. #2 Alderamin
    28. November 2014

    @Bettina

    Da ich in Norwegen selbst als Whale-Guide gearbeitet habe

    Wow, Respekt. Ich bin ja neulich mit der Hurtigruten die Südstrecke gefahren, da hat man viel Zeit, das Meer zu beobachten. Ich hab’ mir mit dem Feldstecher die Augen aus dem Kopf geguckt, aber kein Wal weit und breit (na gut, ein einsamer Schweinswal war drin, aber die hatte ich auf einer früheren Autorundreise schon in ganzen Schulen gesehen; ich suchte eher nach größerem Getier).

    Fahren die Schiffe die falsche Strecke oder lag’s vielleicht an der Jahreszeit (Ende September/Anfang Oktober)? Ich hörte, die Orcas kämen jedenfalls erst im November auf die Lofoten.

    • #3 Bettina Wurche
      28. November 2014

      @ Alderamin:
      So küstennah sind bestenfalls Schweinswale zu sehen.
      Die Orcas kommen im Winter auch vor die Vesteralen. Vor Andoya (von Andenes aus) sind vor allem Pottwale, neuerdings im Winter auch Orcas zu sehen. Dazu Zwergwale, Buckelwale, Langflossengrindwale, selten auch Delphine.
      Zwergwale und Orcas kommen selten auch mal in die Buchten ´rein.
      Aber zum Whale-watching ist die Whalesafari Andenes die geeignete Gelegenheit. Mit Walgarantie : )
      Und, ja, auch im Sommer wird da so manche Hvaltour zur Kvaltour : )))
      (Hval ist norw. für Wal und Kval ein nordnorwegischer Dialekt für den Wal).
      @ MX: Das freut mich zu hören!!
      Ich denke, so ein nachhaltiges Whalewatching ist ein wichtiger Beitrag zum Walschutz.