https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/32/Octopus_vulgaris_Merculiano.jpg

Octopus vulgaris (Wikipedia)

„Haben Kraken wirklich drei Penisse?“ fragte mich vor ein paar Tagen meine Kollegin, ebenfalls Zoologin. „Du bist doch Expertin für Meerestiere “.
Auf meinen verdutzten Blick hin erklärte sie, dass der Philosoph Richard David Precht das in einer Talk-Show erzählt habe. Er stellte sein neues Buch „Tiere denken“  vor und sei damit vom Experten für Tierethik natürlich auch automatisch Experte für Zoologie (Dabei zog sie ironisch die Augenbraue hoch, die Dame ist nämlich selbst habilitierte Zoologin und Anatomie-Dozentin, allerdings auf terrestrische Säugetiere spezialisiert).
Und Kraken hätten auch drei Herzen und neun Gehirne. Aber die Aussage zu den Penissen sei beim Publikum natürlich am besten angekommen. Ja, klar, Penis et Circenses, Sex und Wortspiele, der Schmierstoff jeder erfolgreichen Talk-Show.

Warnhinweis: Für Personen unter 18 Jahren ist der folgende Blogeintrag möglicherweise ungeeignet.

Gestern Abend habe ich endlich geschafft, mir den entsprechenden Abschnitt der Talk-Show anzusehen und zu –hören.
Hier ist der link zur Mediathek, ab ca Minute 14 geht es um Oktopusse.

Prechts Engagement gegen die Massentierhaltung finde ich absolut ehrenwert. Dass sich ein Philosoph mit Zoologie beschäftigt, freut mich auch. Und dann leitet er zum Kopffüßer  über, dem wirbellosen Tausendsassa, vor allem Kraken haben es ihm angetan.

Faktencheck zur Evolution

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/9f/Octopus_vulgaris_2.jpg

Octopus vulgaris (Wikipedia)

Begeistert erzählt er, wie sich Kopffüßer aus Seeschnecken und Muscheln entwickelt haben.
1. Den Begriff „Seeschnecken“ gibt es so nicht, das ist eine falsche Direktübersetzung des englischen „seashells“. Im Deutschen sprechen wir von Meeresschnecken und Süßwasserschnecken, davon leben einige in Seen. Aber nur sehr wenige und diese kleine Gruppe  meinte er sicherlich nicht. Als Experte sollte man die korrekte Terminologie berücksichtigen.
2. Die Evolution innerhalb der Mollusken ist nicht abschließend geklärt. Fest steht heute, dass die Mollusken als Stamm sehr alt sind, wahrscheinlich über 580 Millionen Jahre. Die ältesten Fossilien sind allerdings umstritten. Vor 400 Millionen Jahren gab es bereits die heute noch lebenden Gruppen (Klassen) der Weichtiere: Muscheln (Bivalvia), Schnecken (Gastropoda), Kopffüßer (Cephalopoda) und Kahnfüßer (Scaphopoda). Diese Tiere sind enger miteinander verwandt.  Daneben existieren heute noch Käferschnecken (Polyplacophora) und „Urmützenschnecken“ (Monoplacophora),die etwas entferntere Verwandte sind.  Außerdem gibt es noch ausgestorbene Klassen.
Muscheln und Schnecken haben eine über 400 Millionen Jahre andauernde eigene Entwicklung hinter sich, sie sind heute hoch spezialisiert, genau wie die Kopffüßer. Darum sollte man sich hüten, sie einfach zu Vorläuferformen zu degradieren.
Octopoda sind eine achtbeinige Überordnung der Kopffüßer.  Neben den zehnarmigen Kalmaren und  Sepien sowie den 60- bis 90-armigen Perlboote (Nautilus). Die acht- und zehnbeinigen Kopffüßer haben eine Tintendrüse, darum heißen sie auch Tintenfische. Nautilus hat keine Tintenblase und ist somit kein Tintenfisch.
Im Weiteren geht es um die Kraken, die bekannteste Überordnung der Octopoda.
Zum Ein- und Weiterlesen zur Systematik empfehle ich den  ausgezeichneten Wikipedia-Artikel der englischen Ausgabe.

Haben Kraken 3 Herzen?

Jaein.
Ja, sie haben ein Haupt- und zwei Nebenherzen. Und sie sind blaublütig.
Herzen und Blutsystem von Kraken sind aber anders aufgebaut und haben eine andere Effizienz als etwa ein Säugetierherz.  Vergleiche von Organsystemen so unterschiedlicher Tierstämme sind ohne weitere Erläuterung irreführend.

Wer es genau wissen möchte, bekommt über das „Blaue Telefon“ eine ausführliche Antwort:
Kraken „verfügen tatsächlich über drei Herzen, die allerdings nur einen gemeinsamen Blutkreislauf antreiben. Das Hauptherz befindet sich im Eingeweidesack in der Körpermitte. Anders als das menschliche Herz hat es zwei Ausgänge für arterielles Blut. Eine Hauptschlagader führt zum Kopf, eine weitere Aorta versorgt die inneren Organe.
Zusätzlich verfügen Kraken über zwei weitere Herzen an der Basis der Kiemen, mit denen der lebensnotwendige Sauerstoff aufgenommen und an das Hauptherz weiter geleitet wird. „Im Prinzip sind die Herzen also in Reihe geschaltet“, sagt Prof. Frank Melzner. Die Meerestiere haben allerdings ein physiologisches Problem: „Tintenfische weisen im Mittel höhere Stoffwechselraten auf als etwa Fische“, erklärt der Kieler Meeresbiologe. „Weil sie den weniger effizienten Farbstoff Hämocyanin besitzen, kann ihr Blut nicht so viel Sauerstoff transportieren. Deswegen haben Kraken im Lauf der Evolution zusätzliche Herzen entwickelt.“ Zudem unterstützen aktiv pulsierende Venen die Blutzirkulation: „Diese kontraktilen Gefäße nehmen den Herzen also einen Teil der Arbeit ab und stellen sicher, dass alle Organe ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden.““

In diesem Video der Sektion eines Octopus sind die inneren Organe zu sehen:

Haben Kraken 9 Gehirne?

Jaein.
Auch dieser Vergleich hinkt auf acht Beinen.
Kraken haben eine große Konzentration von Neuronen um die Speiseröhre herum und zwischen den Augen, dieses zentrale Ganglion wird analog zum Wirbeltiergehirn als Haupt-Schaltzentrale betrachtet. Ich würde dieses Zentralnervensystem  nicht einfach „Gehirn“ nennen, denn es ist nicht ganz vergleichbar.

Dazu kommen noch kleinere Nervensysteme in den Armen: „Eine Cephalopoden-Arbeitsgruppe um Hochner von der Hebrew University hat herausgefunden, dass Octopusse ihre sehr komplexen Armbewegungen mit Befehlen steuern, die offenbar im Arm selbst gespeichert sind. Die Arme sind also, in begrenztem Umfang, autonom vom zentralen Nervensystem im Kopf des Kraken“.
Diese neuralen Geflechte sind auch nur sehr eingeschränkt Gehirne in dem Sinne, wie wir es uns vorstellen.
Auch wenn Kraken sehr intelligent und lernfähig sind, wäre es besser, von gehirnähnlichen Strukturen zusprechen, als von Gehirnen. Denn bei den meisten Fernsehzuschauern dürfte sonst ein falscher Eindruck entstehen. Und das sollte ein Experte eigentlich vermeiden. Ich denke, dass ein Experte so etwas in drei Sätzen erklären kann und das Publikum damit nicht überfordert. Die Leute sind ja schließlich nicht doof.

Haben Kraken 3 Penisse?

Kraken hätten drei Penisse und drei Klitorisse. Und sie seien die Hälfte ihres Lebens mit Sex beschäftigt und dann umschlingen sie sich mit acht Armen, erklärt Precht mit ausladenden Gesten.

Nein, nein, nein und nein.
Mit der Bemerkung über die drei Penisse des Kraken kommt jetzt endlich Sex in die Talkshow, das hören die Zuschauer gern und es treibt die Quoten in die Höhe. Quoten verhalten sich nämlich ähnlich wie erektile Gewebe, eine mediale Erektion sozusagen.
Gerade bei Kraken würde ich weniger von Sex, sondern eher von Reproduktionsverhalten sprechen. Es geht schließlich nicht um den lüsternen Zeitvertreib der Hominiden, sondern einzig und allein um die Fortpflanzung zur Arterhaltung. Ob und was die Wirbellosen dabei empfinden, wissen wir nicht.

Doch der Reihe nach… Alle Kopffüßer sind zweigeschlechtlich. Kalmare und Sepien haben ausgedehnte Balztänze, die an ein Wasserballett mit Lichtorgel erinnern.  Ihre Farbspiele zur innerartlichen Kommunikation sind im Tierreich einzigartig.
Kraken haben einen nur schwach ausgeprägten Sexualdimorphismus und kein so ausgeprägtes Balzverhalten wie etwa Kalmare. Ihre Begattungs- und Geschlechtsorgane sind als Organsystem noch weniger vergleichbar mit denen der Wirbeltiere.

Männliche Kraken produzieren Spermien, die als Päckchen zu einer Spermatophore „verpackt“ werden. Die Spermatophoren bewahren sie in Needham´s Organ bzw. Sack auf. Die Spermatophoren sind komplexe Strukturen aus Strängen von Spermien, bei manchen Spezies enthalten sie auch noch einen Ejakulationsapparat und Zement. Needham’s Sack öffnet sich in die linke Seite der Mantelhöhle, die Spermatophore wird mit Pumpbewegungen des Mantels über das Terminalorgan herausgetrieben. Das Terminalorgan wird manchmal auch als Penis bezeichnet, es ist allerdings damit nicht vergleichbar, da es die Spermien nicht in das Weibchen überträgt.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0b/Abraliopsis_morisi_hectocotylus.jpg

Der Kalmar Abraliopsis morisi mit seinen beiden Hectocotyles (Wikipedia/ Abb. Carl Chun)

Stattdessen transportiert der Krake die Spermatophore in seinen eigenen Mantel und befördert sie von dort mit dem Hectocotylus weiter in die Mantelhöhle des Weibchens.
Der Hectocotylus ist der modifizierte dritte linke Arm des männlichen Krakens und hat meistens auf der Unterseite, also ventral, eine Rinne. An der Spitze des Hectocotylus befindet sich die Ligula, die artspezifisch und oft löffelartig geformt ist. Sie bringt die Spermatophore sicher an ihr Ziel. Jede Spermatophore kann einzeln ejakulieren, dann liegt die Masse der Spermien frei zugänglich.

Normalerweise ist die Ligula ein kleines, weißliches Organ und kaum zu sehen. Sie besteht tatsächlich aus erektilem Gewebe und erigiert für die Begattung. Janet Voight und Joseph Thompson haben dieses Organ näher untersucht: Das erektile Gewebe ließ sich bei der Präparation klar unterscheiden vom restlichen Muskelgewebe der Oktopus-Extremität:
When it’s not aroused, the two-spot octopus (Octopus bimaculatus) “has an exceptionally tiny ligula that’s very hard to see”, says Janet Voight of the University of Chicago1. […] Its structure is remarkably similar to mammal penises and clitorises, Voight and her colleague Joseph Thompson found. It has cavities that fill with blood held together by collagen.
Male octopuses produce a packet of sperm and insert it into their mate using this specialized arm. When all goes according to plan, the ligula is deployed inside the female, obscuring its function and size. It might help to transfer sperm, or it might scrub out the sperm of previous mates.
The organ is bright white, lacking the colour-changing cells that camouflage the rest of the octopus. In the two-spot, which hunts by day, this might be a beacon to predators. Shrinking it away might minimize this risk.
“For defensive purposes, you want a tiny copulatory organ, but you also want to transfer large quantities of sperm,” says Voight. In most octopuses, which are nocturnal or live in the deep sea, the ligula is muscular, like a continuation of the arm, and comes in just one size.”

Ob es eine adäquate Struktur bei weiblichen Kraken gibt, ist bisher völlig ungeklärt. Damit gibt die Tintenfisch-Literatur auch keinen Hinweis auf eine Klitoris-artige Struktur.

Mit der Spitze des Begattungsarms ertastet das Männchen in der Mantelhöhle des Weibchens die Öffnung des Ovidukts (Eileiter) und befestigt dort die Spermatophore mit „Protein-Klebstoff“ oder pumpt die Spermatophore in die Öffnung hinein. Dort befindet sich das Receptaculum seminis, die Samentasche. Darin kann die Krakin die Spermien für eine Weile aufbewahren. Bei der Eiablage werden die Eier dann befruchtet. Oktpoden haben also eine innere Befruchtung!
Allerdings sind Kopulation und Befruchtung getrennt, auch darum ist es kein „Sex“ in dem Sinne.

Die achtfüßigen Denker unter den Weichtieren werden nur ein bis zwei Jahre alt.
Die meisten Kraken-Männchen werden mit drei und sechs Monaten geschlechtsreif, dann produzieren sie Spermatophoren und können in ½ oder 2/3 ihrer Lebenszeit reife Spermien an Weibchen weitergeben. Kraken-Weibchen werden meist mit vier bis neun Monaten geschlechtsreif und können dann ½ oder 2/3 ihrer Lebenszeit Spermien in ihren Receptacula seminis aufbewahren.

Das heißt aber nicht, dass sie auch wirklich die Hälfte ihres Lebens mit dem Fortpflanzungsakt verbringen. Kraken sind ausgeprägte Einzelgänger und ihre Paarungen sind eher kurz.
Aber heftig. Bisher haben Wissenschaftler vor allem Paarungen von Octopus vulgaris beobachtet, die Tiere sind häufig und in flachen Gewässern für Taucher gut erreichbar.
O. vulgaris hat zwei Fortpflanzungs-Positionen: Entweder lehnt sich das Männchen über das Weibchen und erklimmt sie regelrecht, dann steckt er den Hectocotylus unter ihren Mantel. Das sieht nicht zuletzt wegen der wallenden Armbewegungen recht gewaltig aus. Oder er sitzt neben ihr und steckt nur die Spitze des Hectocotylus mit der Spermatophore unter ihren Mantel. Dabei sehen beide so aus, als ob sie eigentlich nichts miteinander zu tun haben.


Manchmal paaren sich auch zwei Männchen gleichzeitig mit dem gleichen Weibchen. Da die Weibchen zwei Öffnungen von zwei Ovidukten haben, sollte es zumindest keine mechanischen Probleme geben.
Die Paarungen selbst dauern meist zwischen 30 und 120 Minuten. Die saugnapfbewehrten Arme setzt das Männchen  zum Transport der Spermatophore und zum Festhalten ein. Die von Precht angesprochene und mit ausholenden Armbewegungen untermalte 16-armige leidenschaftlich-zärtliche Umarmung findet so nicht statt.
Stattdessen geht es um Leben und Tod: Der Krake läuft Gefahr, von der meist größeren und stärkeren Krakin gefressen zu werden. Sexueller Kannibalismus ist bei Kraken nicht unüblich. Allerdings schaffen die Männchen es vorher meistens noch, zumindest einen Teil der Eier zu befruchten und erreichen damit ihr Lebensziel: Die erfolgreiche Weitergabe ihres Erbguts.

Sowie die Krakin ihre Eier abgelegt hat – sie klebt sie fest oder umschlingt sie schützend-  bewacht und verteidigt sie ihre Brut. Nach der Brut ist ihr auch Leben zu Ende, sie siecht dahin.

Die ebenfalls achtarmigen Cirrentragenden Kraken und Vampir-Tintenfische  haben keinen Hectocotylus, diese Tiefseebewohner haben noch andere Fortpflanzungsstrategien, als ihre Verwandten aus den oberen Wasserschichten.  Bei einigen zehnarmigen Tintenfischen können auch zwei Arme zum Hectocotylus modifiziert sein, andere haben gar keinen.

Das Geschlechtsleben der Oktopusse aus Gründen der Volksbelustigung so zu verfälschen und zu übertreiben finde ich schon unseriös.
Mehr Märchenstunde als Meeresbiologie.
Postfaktisch eben.

PS: Im Sinne des ursprünglichen Aufhängers, nämlich Prechts Engagement gegen die Massentierhaltung, möchte ich noch anmerken, dass ich Kopffüßer, also Kraken, Kalmare, Sepien und Tintenschnecken sehr gern mag. Ich hatte schon so nette Erlebnisse mit ihnen. Darum würde ich auch nie auf die Idee kommen, sie zu essen.  Vielleicht mag der eine oder die andere diesen Beitrag auch zum Anlass nehmen, diese hoch entwickelten Wirbellosen künftig auch nicht mehr zu verzehren.

Alle nicht ausdrücklich gekennzeichneten Informationen stammen aus dem ausgezeichneten Buch „Cephalopod behaviour“ des Granden der Tintenfisch-Verhaltensbiologie Roger T. Hanlon (Professor (MBL), Ecology & Evolutionary Biology, Brown University).
Mehr über seine Forschung, ausgezeichnete Videos und sogar ganze Vorlesungen sind auf seiner Website „Hanlon-Lab“ zu finden.

PS 2: Korrektur: Ich hatte Nautilus zunächst als “Tintenschnecke” bezeichnet. Das war falsch und ich habe es korrigiert (26.12.2016, 21:12).

Kommentare (27)

  1. #1 rolak
    25. Dezember 2016

    Föhliche Festtagsgrüße, und aus diesem Anlaß gibts hier auch bei ‘brain’ ein paar Minuspunkte: aktuelle Unterversorgung wg Überfütterung mit KaPü und Rosenkohl…
    Zuerst der Klimperkram: Dem Satzteil beginnend mit ‘und sei damit vom’ fehlt imho ein finales ‘geworden’, ‘aufgestiegen’ oder was auch immer. Und bei <„Seeschnecken“ .. falsche Direktübersetzung des englischen „seashells“> – ‘shell’ hat ja nu wirklich reichlich Bedeutungen, doch ‘Schnecke’ ist nicht darunter.

    Nein, nein, nein und nein

    RDP ist halt ein Dampfplauderer, und in diesem Kontext ist ‘mediale Erektion’ ein wunderschöner Konter.

    • #2 Bettina Wurche
      25. Dezember 2016

      @rolak: Danke für die Korrektur: Selbst bei meinem Korrektor war das durchgegangen.
      Irgendwie hatte ich eben ein déja-vu: Hatten wir diese Unterhaltung über den Begriff “Seashell” nicht schon einmal geführt? Jedenfalls habe ich nun noch auf meinen ausführlichen Beitrag dazu verlinkt

    • #3 rolak
      25. Dezember 2016

      déja-vu

      Kann sein, Bettina, es erklang im Hintergrund leichtes Echorauschen. Aber nicht mehr als das, keine konkrete Erinnerung an eine vergangene Aktion. So bot sich an, es als aktuellen Effekt zu sehen und auch zu nutzen, ein wenig in der Dünung der Zeit zu schweben…

  2. #4 tomtoo
    25. Dezember 2016

    So eine gewisse Spannung beim Sex, ist ja von Zeit zu Zeit, recht anregend. Ich muss allerdings gestehen, das dass für mich, ein bischen zu viel des guten wäre.
    Vielen Dank für den Artikel und auch den Link. Die beschäftigen sich intensiv mit der camoflage. Sehr spannend in einem anderen Sinn 😉

    • #5 Bettina Wurche
      25. Dezember 2016

      @tomtoo: Hmmmm…zwischen Spannung und berechtigter Todesangst liegt ziemlich viel dazwischen.
      Im Japanischen ist der Oktopus tatsächlich eine erotische Metapher: Hokusai: “Dream of the Fisherman´s wife.” Im europäischen Kulturraum eher nicht, da taugt der Octopus nur als Essen und Wanddeko, etwa im Palast von Knossos.

  3. #6 JeanP
    25. Dezember 2016

    Sehr geehrte Frau Wurche, eigentlich war ich bei dem Artikel hängengeblieben, weil ich den Precht so besch……… finde. Und nach der Lektüre meine ich, dass ich noch nie etwas so Spannendes und auch für Laien verständlich Formuliertes über diese seltsamen Tiere gelesen habe. Das ist Wissenschaftsjounalismus vom Besten. Liebe Grüße. JeanP

    • #7 Bettina Wurche
      25. Dezember 2016

      @JeanP: Das freut mich! Kopffüßer sind und bleiben für mich absolut faszinierend.

  4. #8 tomtoo
    26. Dezember 2016

    Habt ihr den Video gesehen ?

    https://youtu.be/JSq8nghQZqA

    Ja! Die Tarntechnik ist absolut faszinierent, würde Spok sagen.
    😉

  5. #9 RPGNo1
    26. Dezember 2016

    In der Novemberausgabe 2016 der National Geographic ist diesmal ein Artikel über Kraken enthalten (S. 76 – 96). Einiges von dem, was Bettina hier so schön zusammengefasst hat :), wird dort auch aufgegriffen.

    Und was die Kenntnisse des Herrn Precht über Biologie angeht, kann man an folgendem Zitat aus “Tiere denken” erkennen: “Der Art-Egoismus des Menschen, von dem etwa der britische Zoologe Richard Dawkins spricht, ist (wie so vieles andere bei Dawkins auch) eine Fiktion.” [Hervorhebung von mir.]
    Insofern stimme ich Rolaks Kennzeichnung von RDP als Dampfplauderer gerne zu. 😉

    Ansonsten wünsche ich noch einen ruhigen 2. Feiertag.

  6. #10 Clemens M.
    Rhein-Main
    26. Dezember 2016

    Tja, während die einen dampfplaudern, setzen sich andere ernsthaft mit den Dingen auseinander. Unabhängig von konkreten Personen verwundert es, wie schnell jemand zum Philosophen avancieren kann.

    • #11 Bettina Wurche
      26. Dezember 2016

      @Clemens M.: Herr Precht hat Philosophie studiert und bezeichnet sich selbst nach seinem akademischen Abschluß als Philosoph, daher habe ich diese Berufsbezeichnung übernommen. Beruflich hatte ich bisher nur mit zwei Philosophen zu tun, die mich beide mit ihrer Präzision im Denken und strukturierten Kommunizieren von sehr komplexen ethischen Sachverhalten beeindruckt haben. Ich denke ja, dass die Mühlen der Medialität zur gefälligen Verflachung des Denkens verführen, unabhängig von der Ausbildung. Die Aussicht auf ein besseres Einkommen als Medienstar denn in der oft brotlosen Kunst / Wissenschaft halte ich auf jeden Fall für legitim. Mir ist bloß aufgestoßen, dass der gute Mann nun auf einmal auch noch zum Zoologie-Experten avanciert ist, ohne die entsprechenden Grundlagen zu beherrschen.

  7. #12 Ernie
    26. Dezember 2016

    Kann man bei Kraken davon sprechen, dass sie acht Arme haben? Oder sind es Beine, oder Füße, oder Tentakeln?

    • #13 Bettina Wurche
      26. Dezember 2016

      @Ernie: Ausgezeichnete Frage! Anatomisch würde ich sie als Beine bezeichnen, da sie bauchwärts entspringen und bei anderen Mollusken eine Kriechsohle bzw. ein Fuß sind. Sprachlich sind es Beine oder Füße (Kopffüßer=Cephalopoda). Funktional sind es nach derzeitigem wissenschaftlichen Stand sowohl Arme als auch Beine: 6 Arme und 2 Beine, so erzählt es Claire Little vom Weymouth Sea Life Centre.
      https://parajr.blogspot.de/2008/08/how-many-arms-does-octopus-have.html

  8. #14 Leon D.
    Deutschland
    26. Dezember 2016

    Mein Vater, professor für Neuro und Meeresbiologie ist gestern Abend durch zufall auf das Video mit Prechts Aussagen gestolpert und hat uns am weihnachtlichem Frühstückstisch da von erzählt. Da kamen doch recht unweihnachtliche Gefühle in uns hoch. Noch trauriger finde ich das an scheinend niemand vom NDR mal kurz recherchiert hat um eine Stellungsname da zu zu verfassen. Leider ist ihr wirklich ausgezeichnet geshriebener Text das einzig kritische das ich zu diesem gradezu volksverdummendem Beitrag gefunden habe.
    Daher wollte ich sie fragen ob sie vorhabendiesen Artikel direkt an den NDR weiter zu leiten und um einen kommentar auf Facebook etc zu bitten, so das zu Mindestens ein paar Zuschauer nicht für immer mit diesem falschem Wiseen leben müssen.
    Ich wünsche eine schöne Zeit zwischen den Tagen!

    • #15 Bettina Wurche
      26. Dezember 2016

      @Leon D.: Danke, das freut mich. Solche richtig stellenden Leserbriefe habe ich mir schon vor langer Zeit abgewöhnt : ) Wir können es aber gern noch einmla probieren. Allerdings hat mich ein Bekannter (auch Zoologe) auf einen Sachfehler in meinem Beitrag hingewiesen, den ich noch richtig stellen muss. Danach versuche ich gern morgen mein Glück beim NDR.
      PS: Ihr Vater hat nicht zufällig seinen Lehrstuhl in einer Stadt an der Ostsee und hat u. a. mit marinen Säugern zu tun?

      • #16 Leon D.
        26. Dezember 2016

        Danke das sie es noch mal versuchen mit dem richtigstellendem Leserbrief.
        Ich hoffe sehr das eine Reaktion kommt,
        so ein wenig journalistischer Ehrgeiz sollte doch hoffentlich vorhanden sein!
        Und das mit meinem Vater stimmt absolut zufälligerweise auch! Gut kombiniert!

    • #17 Bettina Wurche
      26. Dezember 2016

      @Leon D.: Done. Mal sehen, ob überhaupt jemand reagiert. Könnte ein kleiner Shitstorm werden.
      “Liebe NDR-Talkshow,
      die “Sache mit dem Kraken” stand auch recht tönernen Füßen. Ich (Zoologin und Science-Bloggerin) mag Kraken auch sehr gern. Sie haben zwar drei herzartige Strukturen, 1 plus 8 gehirnartige Strukturen, aber niemals 3 Penisse. ie vebrinegn niemals ihr halbes Leben mit “Sex”, etc. Ich hätte mich gefreut, wenn Herrn Prechts Ausführungen zu Kraken etwas solider gewesen wären, denn diese achtfüßigen Tausendsassas haben wirklich spannende Fakten zu bieten.
      Mit freundlichem Gruß, B. Wurche (meertext).
      PS: Ich habe hier mal die Fakten zusammengestellt:
      https://scienceblogs.de/…/sex-brain-und…/”

  9. #18 tomtoo
    26. Dezember 2016

    @Bettina
    Ich kenne mich ja nicht aus. Vampirtintenfisch ? Also mal gurgeln.

    https://m.youtube.com/watch?v=l3PvvT_Ktx8

    Immer wenn ich denke die sind echt strange, legen sie noch mal richtig was drauf. : )

  10. #20 rolak
    26. Dezember 2016

    …und 2 Beine

    Ist in der Meeresfauna durchaus verbreitet, Bettina, wie einer meiner Lieblingscomics schon vor Jahrzehnten offenbarte.

  11. #21 JaAber
    27. Dezember 2016

    Hi zusammen,

    also ich muss doch mal für Precht in die Presche springen. Natürlich ist nicht alles was er sagt 100%ig korrekt (aber wer ist das schon?) und teilweise stark vereinfacht und übertrieben. Jedoch waren seine Ausführungen toll geschildert und ergreifend und haben viele Menschen erreicht und im besten Fall sogar dazu bewegt sich mit der Thematik auseinanderzusetzen oder zumindest ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen.

    Er hat ein Thema clever verpackt und es an Menschen gebracht die sich sonst nur damit befasst hätten. Er ist kein Meeresbiologe und kann man es ihm vorwerfen einige Fakten falsch darzustellen oder zu vermischen (Kalmare etc.)? Ich denke nicht dass man ihm hier Absicht unterstellen kann. Eher Unwissen.

    So gesehen sollten selbst eingefleischte Meeresbiologen dankbar sein für die Debatte die Precht auagelöst hat und ihn nicht mit erhobenem Zeigefinger zu diffamieren. Getreu dem Motto: wir sind dankbar, dass es Precht schafft diese Themen in die breite Masse zu bringen, hätten aber noch einige Anmerkungen/ Korrekturen….

    Diesen Beitrag lese ich eher so: “seht her was Precht für ein Schwachsinn verzapft und so ist es richtig…” doch sich mit dieser Thematik so auseinanderzusetzen führt zu nichts. Auch in ihrem Beitrag verstecken/versteckten sich Fehler die dann wieder jemand anderes an anderer Stelle breit treten könnte?!

    Ich als begeisteter Biologe (auch im Meer) bin jedenfalls froh&dankbar, um den Dienst von Precht, auch wenn einiges davon nicht ganz korrekt war. Ich konnte mich an seinen Ausführungen und tollen Formulierungen trotzdem erfreuen! Ganz im Gegenteil zu gewissen Herr Professoren, die daraus gleich eine Staatsaffäre am Frühstückstisch machen…

    LG
    LM

    • #22 Bettina Wurche
      27. Dezember 2016

      @JaAber: Talk-Sows sind eine Form des Entertainments in einem sehr dünnen Plisseeröckchen aus „Ich-weiß-was-dazu“, oft mehr Meinung als Ahnung, die ich nicht besonders schätze. Darum gucke ich sie mir nicht an.
      Dieser Beitrag war eine direkte Antwort an meine Kollegin, die mich nach dem Fakten-Gehalt genau dieses Gesprächsbeitrags gefragt hatte. „Meertext“ ist nicht mein Forum, auf dem ich andere Leute vorführe, auch dieser Beitrag war sachlich.
      Worüber ich mich in dieser Angelegenheit wirklich geärgert habe, ist, dass es niemand für nötig befindet, zu einem Biologie-Thema einen Experten – nämlich einen Biologen – zu befragen. Naturwissenschaftliche Themen werden von Fachfremdem en passant mit „erledigt“.
      Dabei fällt mir sofort mindestens ein Tintenfisch-Experte ein, der unglaublich sachkundig und humorvoll darüber erzählen kann.
      Und der besagte Meeresbiologie- und Physiologie-Professor hat extrem interessante Forschung gemacht, die es auch für wert befunden wurde, so einige Male im Fernsehen gesendet zu werden. Und reden kann er auch.
      Wir haben sehr gute Leute, die inhaltlich anspruchsvoll und unterhaltsam erzählen können.
      Es scheint mir in Deutschland eher an geeigneten Formaten zu fehlen. So eine Art „Sendung mit der Maus für Erwachsene“. Im angloamerikanischen Raum gibt es da mehr und bessere Angebote, ich denke nur an Carl Sagan oder David Attenborough.
      Oder meinen Bekannten, den Meteorite-Man, Geoff Notkin, der sowohl wissenschaftlich als auch medial genial ist.
      Übrigens bieten auch viele naturkundliche Museen gute Vorträge und Führungen an sowie die Möglichkeit, mit den Experten selbst ins Gespräch zu kommen. Wer nach Wissen sucht, ist vielleicht in einer Talkshow nicht so gut aufgehoben.

      Übrigens: Ich habe nie behauptet, keine Fehler zu machen. Interviewpartner lade ich sogar nachdrücklich dazu ein, den Text noch einmal kritisch durchzusehen, schließlich kann ich nicht Expertin für alles sein. Aber ich korrigiere Fehler.
      Allerdings würde ich mir nicht anmaßen, mal eben so noch für ein ganz anderes Fachgebiet zu sprechen. Das fände ich anmaßend.

    • #23 Leon D.
      27. Dezember 2016

      Ich muss ihnen da leider auch widersprechen. Wenn man damit anfängt vereinfachte oder sogar falsche Aussagen damit zu verteidigen, dass sie einen guten Zweck hätten und so ja mehr Leute erreichen könnten halte ich das für äußerst gefährlich. Vielleicht schadet es in diesem Einzelfall niemandem aber die Mentalität im Allgemeinen ist führt da zu Aussagen in den Medien noch weniger zu hinterfragen. Das Prinzip ist das gleiche wie bei den Menschen die Falschmeldungen über Flüchtlinge in die Welt setzen und dann damit argumentieren das sie ja nur auf ein Problem aufmerksam machen wollten und das dafür ja wohl alle Maßnahmen gerechtfertigt sein. Wenn jemand eine Falschaussage tätigt sollte man das offen und mit Fakten untermauert äußern, egal ob es um Kraken oder Kriminalität bei Ausländern geht und auch egal wer die Aussage in egal welcher Absicht äußert.
      Ansonsten wünsche ich noch ein schönes Jahres- ende!

  12. #24 tomtoo
    27. Dezember 2016

    @Bettina
    Vielen Dank ! Und ich wenn ich etwas über ein irgentwie “stanges” Meereslebewese such , such ich hier definitiv zuerst ! : )

  13. #25 rincewind.ii
    28. Dezember 2016

    *JustMy5Cent*
    was Herr Precht da abgezogen hat, war der Versuch einer großen Show. Der Versuch war lobenswert und ein vorherigen Gespräch mit nem Fachmenschen hätte daraus möglicherweise auch einen Erfolg gemacht.
    den Artikel finde ich ausgesprochen wertschätzend und sachbezogen geschrieben. Das Prechtsche Engagement wird am Anfang und am Ende erwähnt und auch dass er nicht “vom Fach” ist, liest sich eher neutral denn überkritisch. Selten hat jemand, der (meiner Meinung nach) so viel Stuss verzapft hat, eine so konstruktive Kritik bekommen… “Heutzutage” beobachte ich immer öfter, dass direkt “draufgekloppt” wird. Wenn dieser Zuschauerbrief einen Shitstorm auslöst, bin ich reif für die Insel…
    ff

    • #26 Bettina Wurche
      28. Dezember 2016

      @rincewind: Danke. Mein FB-Eintrag mit dem Verweis zum Faktencheck hat gar keine Antwort erbracht. Sachlichkeit schützt überigens nicht vor Shitstorms. Ist mir auch schon passiert, glücklicherweise nur in geringem Umfang. Das ist meistens sehr themenspezifisch. Die meisten meiner Blog-Beiträge sind wenig ideologisch ausgerichtet und ziehen nur wenige Trolle an. Ideologiebelastet war die Diskussion über Delphinarien, aber da haben sich nur wenige gestörte Geister auf “Meertext” gewagt. Das Gros kam über FB über mich und das war wirklich übel.

  14. #27 anderer Michael
    28. Dezember 2016

    Der Herr Precht war mir komplett unbekannt. Abgesehen davon , dass ich mir etwas doof vorkomme deswegen , habe ich etwas versäumt ?
    Ich habe den Mediathekbeitrag angesehen. Vom Gesicht her ist mir der Herr bekannt.Ich gestehe, bei seinem Anblick habe ich sofort immer aus- oder umgeschaltet. Fairerweise gesagt: Unterhaltungswert hat er schon, so eine Art Science- Böhmermann. Das muss man können.

    Persönlich lese ich lieber so Beiträge wie die Ihrigen. Herr Precht ist reiner Konsum, bei Ihnen im Gegensatz profitiert man , wenn man die Gelegenheiten zum Mitdenken nutzt und die Links liest oder selber sich beliest und ernsthaft Fragen stellen kann, die Sie grundsätzlich beantworten.

    Kraken auf drei Penisse oder einen angeblich größeren evolutionären Weg als den des Menschen zu reduzieren , ist seichte Unterhaltung, mehr nicht.

    Frau Wurche: Diesen Satz verstehe ich überhaupt nicht. “…..Das Gros kam über FB über mich und das war wirklich übel.” Was ist Ihnen denn widerfahren?